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13.04.2009 14:09    |    fire-fighter    |    Kommentare (80)

Hast Du einen Rauchmelder?

Nachts. Alle liegen im Tiefschlaf. Unbemerkt funkt es hinter dem Kühlschrank. Ein technischer Defekt. Leichter Rauch steigt auf. Es begint zu schmoren, der Rauch wird dichter. Träge hängt die Rauchschicht unter der Decke, breitet sich im Flur aus. Unbemerkt von der Familie. Die Türen zu den Schlafräumen sind geschlossen und halten den Brandrauch ab. Noch...

Inzwischen brennt der Kühlschrank ganz. Der brennende Kunststoff erzeugt Qualm. Viel Qualm. Die Temperatur in der Küche beträgt mehrere hundert Grad. Die Kunststoffoberflächen beginnen auszugasen. Eine tödliche Atmosphäre. Unbemerkt von allen, nur wenige Meter entfernt. Der Rauch dringt durch die Türritzen in die Schlafräume. Unbemerkt. Wenn man schläft, schläft auch der Geruchssinn. Kohlenmonoxid breitet sich aus und wirkt narkotisierend. Dank der guten Fenster bleibt dem Feuer nicht genug Sauerstoff. Ganz almählich wird aus dem Schlaf eine Bewusstlosigkeit. Selbst wenn jetzt jemand wach würde, es wäre zu spät - das Telefon ist tot. Die Telefonanlage funktioniert nur mit Strom, und beim Kurzschluß löste die Sicherung aus... Die Rauchschicht im Flur ist mittlerweile so dicht, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Die inzwischen von Nachbarn alarmierte Feuerwehr kommt zu spät für die kleine Familie. Es brannte zwar nur in der Küche, aber trotzdem hat keiner in der Wohnung überlebt. Der Rauch war schneller.

 

 

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Im Baumarkt waren Rauchmelder im Angebot. Knapp 5 Euro pro Stück. Unser Familienvater sah sie und nahm 3 Stück mit. 15 Euro, die alles verändern. Zu Hause schraubt er sie unter die Decke. Einen im Schlafzimmer, einen im Kinderzimmer und einen im Flur. In der Küche macht ein Melder keinen Sinn. Wasserdampf würde dauernd Fehlalarme auslösen. Für das Wohnzimmer hat er noch keinen, den will er morgen noch besorgen - zusätzliche Sicherheit...

 

Nachts - wieder schmort der Kühlschrank. Es dauert einige Zeit, der Rauch beginnt aus der Küche zu ziehen. Der Rauchmelder reagiert sofort. Ein durchdringender Piepton zerreisst die Stille. Unsere Familie schreckt hoch. Einmal wach, riechen sie die Gefahr. Ein Griff zum Handy am Nachttisch, Schuhe an und die Tür zum Flur geöffnet sind eins. Träge zieht der Rauch aus der Küche und hängt unter der Decke. Jetzt piepen auch schon der Melder im Schlafzimmer und im Kinderzimmer. Geduckt läuft unsere Familie über den Flur. Hustend, aber unten ist noch genug Luft zum Atmen. Schnell den kleinen aus dem Kinderzimmer geholt und aus der Wohnung. Den Schlüssel lassen sie an der Tür stecken, so hat es die Feuerwehr leichter. Draußen im Treppenhaus rufen sie die 112 und alarmieren die Feuerwehr. Die Nachbarn werden zur Sicherheit wachgeklingelt.

 

Der Schaden ist der gleiche wie vorhin, aber alle haben überlebt! 15 Euro für drei Leben...

 

Was ist Dir Dein Leben wert??

 

 

 

Brandtote sind Rauchtote:

 

Täglich verunglücken zwei Menschen tödlich durch Brände, die meisten davon in den eigenen vier Wänden. Die Mehrheit stirbt an einer Rauchvergiftung. Zwei Drittel aller Brandopfer wurden nachts im Schlaf überrascht. Denn Rauch ist schneller und lautloser als Feuer.

 

Die jährlichen Folgen in Deutschland: 600 Brandtote, 5000 Brandverletzte und ca. 5,6 Mrd. EURO Brandschäden im Privatbereich.


07.04.2009 12:03    |    fire-fighter    |    Kommentare (21)    |   Stichworte: Einsätze

Manchmal kratzt man sich erst mal am Kopf. Du kommst an eine Einsatzstelle und überlegst: "Wie jetzt?" Der PKW im Kirchdach war sicherlich auch ein Kandidat dieser Einsätze. Genau so, wie dieser hier.

 

November 2008: Wir wurden zu einem Unfall auf die BAB gerufen. Fahrtrichtung Hamburg. UPKL stand auf dem Melder. Unfall, Person Klemmt heißt das dann in verständlicherer Ausdrucksweise.

Auf der Anfahrt der übliche Rückstau. Preßlufthorn an und langsam durch die Rettungsgasse tasten. Es gibt immer wieder Schlauberger, die erst im letzten Moment zur Seite ziehen. Vieleicht biegen wir ja vorher ab, ja nee is Klaar!!

 

Der Stau lichtet sich, wir haben die Unfallstelle erreicht. Polizei, Rettungswagen, Notarzt, Abschlepper stehen mit eingeschalteten Lampen da. Abschlepper??? Und wo ist eigentlich der Unfall?

 

Nach kurzer Erkundung wurde die Lage klarer. Der Abschlepper war das eigentliche Unfallfahrzeug. Er stand mit eingedrücktem Fahrerhaus auf der linken Fahrspur. Der Beifahrer war eingeklemmt. Sonst war nichts zu sehen.

 

Was war geschehen? weiterlesen


04.04.2009 18:22    |    fire-fighter    |    Kommentare (14)    |   Stichworte: Wissenswertes

Seit dem 1. Oktober 2004 wird die Feuerwehr Reinfeld auch zu medizinischen Notfällen alarmiert. Dies geschieht immer dann, wenn der bei uns im Ort stationierte Rettungswagen des Rettungdienst-Verbundes Stormarn (RVS) in einem anderen Einsatz gebunden ist - somit also nicht am Ort verfügbar ist. Die Feuerwehr führt dann eine Erstversorgung von erkrankten oder verletzten Personen durch, bis ein Rettungswagen aus einem anderen Standort eintrifft.

Das Spektrum der Einsätze reicht von chirurgischen Verletzungen im Haushalt über internistische Notfälle mit nicht ansprechbaren Personen bis hin zur Unterstützung des Rettungsdienstes bei Verkehrsunfällen mit mehreren schwerverletzten Personen.

 

Die Idee, Feuerwehreinheiten als „Ersthelfer“ (First Responder) zu medizinischen Notfällen zu entsenden, stammt aus den USA. Auch in Deutschland finden sich immer mehr Ersthelfer-Systeme, wie zum Beispiel flächendeckend im Bundesland Bayern oder in Großstädten wie Berlin oder Hamburg.

 

Grunsätzlich sollen und könnern die First Responder den Rettungsdienst nicht ersetzen. Aber als zusätzliches Glied in der Rettungskette können wertvolle Minuten überbrückt werden. Gerade in Bereichen, in denen die Rettungswagen nicht so dicht gestaffelt vorhanden sind, kann ein funktionierendes First Responder Team sinnvolle Unterstützung leisten.

 

Ausgestattet mit Notfallrucksack, AED, Sauerstoff und einem Verbandsrucksack wird mit dem MZF 1 die Einsatzstelle angefahren. Im Regelfall mit 3 Mann, wobei dann einer am Fahrzeug verbleibt, die Verbindung zur Leitstelle aufrecht erhält und den Rettungsdienst einweisen kann.

 

Dank eines zum Notarzt ausgebildeten Arztes und mehreren Rettungsassistenten, die im normalen Berufsalltag bei der BF in Hamburg oder Lübeck arbeiten, liegt der Standard der Ausbildung sehr hoch.

Inzwischen hat sich das First Responder System fest etabliert und wird vom Rettungsdienst durchweg positiv aufgenommen.


01.04.2009 09:56    |    fire-fighter    |    Kommentare (19)

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Freiwillige Feuerwehr Trappenkamp nutzt "Abwrackprämie":

Nach langen hin und her ist es nun beschlossene Sache und alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Trappenkamp freuen sich über diese News:

Der gesamte Fuhrpark der FF Trappenkamp wird verschrottet und durch Neuwagen ersetzt!!

Nach einigen Verhandlungen mit Ziegler, Rosenbauer, Metz & Co konnte nun eine Firma (die noch nicht genannt werden möchte) der Feuerwehr Trappenkamp garantieren vier Fahrzeuge noch innerhalb des 1. Halbjahres zu liefern. Das Lieferdatum sei ja schließlich ausschlaggebend für die Gewährung der Abwrackprämie. weiterlesen


29.03.2009 13:59    |    fire-fighter    |    Kommentare (2)

Im April 08 war ich im Urlaub an der Algarve in Portugal. Mit dem Mietwagen habe ich in 5 Tagen fast 1100km zurückgelegt. Hauptsächlich auf kleinen Nebenstrassen und Schotterpisten.

In der Haupttouristenregion zwischen Faro und Lagos reiht sich ein Hotel an das andere. Die Bebauung ist fast durchgängig. Zum Glück sind große Abschnitte der Steilküste zumindest soweit geschützt, dass sie nicht direkt mit Hotels geschändet werden können. Noch gibt es sie schönen Buchten und einsamen Plätze.

 

Während des Urlaubs machte ich mir so meine Gedanken. Wer kommt hier eigentlich, wenn es mal brenzlig wird und von wo?

Also habe ich mich mal auf die Suche gamacht. In Albufeira wurde ich fündig. Schon vor der Wache die erste Überraschung. Zwei ehemalige Fahrzeuge sind als Museumsstücke ausgestellt. Eine alte Drehleiter und ein TLF entsprechend deutscher Norm auf Mercedes-Kurzhauber und mit Rosenbauer-Aufbau. Beim Blick in die Fahrzeughalle ging es weiter. Alles vom Feinsten. Aufbauten von Rosenbauer, Schutzkleidung nach deutscher Norm, Nomex-AirLock, Kupplungen wie bei uns (Storz).

 

Schnell war der Wachhabende gefunden. Nach einigen Sprachproblemen brachte er mich zu einem anwesenden Kameraden, der gut Englisch sprach. So erfuhr ich einiges über die Unterschiede zwischen Portugal und Deutschland...

Obwohl die Wache aus freiwilligen besteht, sind immer einige Kameraden anwesend. Ein großteil der Freizeit wird auf der Wache verbracht. So finden sich bei einem Alarm meistens eine Besatzung für die ersten Fahrzeuge. Neben den normalen Einsätzen werden auch zwei Rettungswagen besetzt, die bei Bedarf mit ausrücken. Dieser Bedarf ist auch dementsprechend hoch. Für uns mag die Struktur ein wenig planlos bis chaotisch erscheinen, in der Praxis scheint sie jedoch zu funktionieren.

Das Einsatzgebiet ist verglichen zu deutschen Verhältnissen riesig. Die kleineren Dörfer haben keine eigene Feuerwehr. Anfahrten von mehr als 30 Minuten Fahrzeit sind durchaus normal.

Das Hauptangriffsfahrzeug ist der Scania (The Supermarket) Den Spitznamen hat er zu Recht. Auf diesem Fahrzeug ist alles was das Herz begehrt. 4 PA im Mannschaftsraum, und Löschtechnik in Hülle und Fülle. Kombifahrzeuge, wie deutsche HLF gab es gar nicht. Entweder das Fahrzeug war für TH oder zur Brandbekämpfung. Eine vielzahl der Fahrzeuge war logischerweise für die Waldbrandbekämpfung ausgestattet. Kleine wendige Allradfahrzeuge, auf MB, Unimog, IvecoDaily und Landrover.

 

Im 2. Abmarsch fährt eines der beiden GTLF mit 12.000 oder 20.000 Liter Wasser mit. Das Hydrantennetz ist teilweise sehr dünn gesät.

 

Geübt wird jede Woche. Bei Interesse kann man auch bei den Übungen dabei sein, und wenn man seine Schutzkleidung mitbringt, darf man sogar mitmachen. Leider konnte ich nicht mehr erfahren, da mein "Guide" zu einem Notfall mit dem RTW raus musste. Da am nächsten Morgen mein Rückflug anstand, hatte ich auch keine Zeit mehr zu einem weiteren Besuch.

Zusammenfassend war ich positiv überrascht über die offene herzliche Art. Während der kurzen Zeit, hat man mir viel gezeigt und erklärt. Neben einem Ärmelabzeichen bekam ich die Einladung, beim nächsten Mal meine Schutzkleidung mitzubringen, damit ich auch zu Einsätzen mit fahren könne. So etwas wäre in Deutschland mit reichlichen Problemen verbunden. Ob ich das Angebot anehme, weiß ich noch nicht. So eine HupF-Bekleidung nebst Helm ist im Flieger dann doch ziemlich schwer...


21.03.2009 12:29    |    fire-fighter    |    Kommentare (21)    |   Stichworte: Einsätze

30.04.2004: Großbrand in einem Leerstehenden Möbelhaus.

Gegen 2 Uhr reißt mich der schrille Piepton meines Funkmelders aus dem Schlaf. Ich springe reflexartig aus dem Bett und greife noch nicht ganz wach zu den Socken. Während ich noch mit dem zweiten Socken kämpfe, werde ich klar im Kopf. Alarmieren die noch immer?? Eine Schleife nach der anderen läuft durch. Noch immer keine Durchsage. Hmmpf! Das muss mehr sein, das

sind wir nicht alleine!

Raus aus der Wohnung, in Schlappen runter zur Garage, Mist, nur im Schlafanzug ist doch sch.. kalt! An der Wache angekommen - die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle, logisch um 2 Uhr nachts! - springe ich aus dem Auto und laufe in die Fahrzeughalle. "Was haben wir, ich hab's nicht mitbekommen??"

"Unterstützung für die Kernstadt! Möbel-xxxx im brennt!"

"Die Hütte steht doch schon Jahre lang leer. Will wohl einer Geld verdienen?!?"

 

Gespräche quer durch die Halle beim Ankleiden...

 

Das TLF ist raus, ich springe auf den PA-Platz vom LF8/6. Kurze Zeit später sind wir raus. Auf die Bundesstrase, dann links auf die Umgehung richtung Industriegebiet. Ich kämpfe mit der Bebänderung vom Atemschutzgerät. Maske, Dichtigkeitsprüfung, Flamschuzthaube, Helm Kragen dicht, Druckkontrolle... Läuft alles mechanisch ab. Routine.

Wir passieren die Unterführung der BAB und sehen eine riesen Rauchwolke! An der Kreuzung werden wir schon eingewiesen: "Fahrt links runter! Ihr müsst die Seite zum Wohngebiet abriegeln! Da steht auch die Heizung mit dem Öltank!" weiterlesen


20.03.2009 10:55    |    fire-fighter    |    Kommentare (9)    |   Stichworte: Einsätze

Manchmal passieren merkwürdige Dinge. So wie der Schwan, der jedes Jahr im Frühjahr mitten im Ort auf der Kreuzung landete und den Verkehr zum Erliegen brachte. Nachdem wir ihn dann eingefangen hatten, wurde er zur Tierärztlichen Hochschule nach Hannover gebracht, dort gesundheitlich durchgecheckt und auf dem Maschsee ausgesetzt. Bis zum nächsten Jahr... Dann eines Jahres hat er sich wohl verflogen. Er landete Samstags auf dem Fußballplatz. Spielunterbrechung, 22 Man jagen Schwan, geben aus Angst vor Schnabel und Flügeln auf. Einsatz für uns, Resultat: siehe oben. Gesundheitscheck - Positiv! Nur die Krankenkassenkarte zwecks Rechnung hatte er nie dabei...

 

Oder unsere lieben Ordnungshüter. Die meinen es ja immer gut. Na ja, fast immer. Nimmt man zum Beispiel die Situation Verkehrsunfall auf Landstrasse - halbseitig gesperrt: Zwei Polizisten regeln den Verkehr. Ausgerüstet mit Warnweste, Haltekelle und mit ohne Funk:)

Beide zeigen rot. Bis hierher ok. Beide sehen sich um und merken, dass der gegenüber auch rot zeigt. Immer noch ok!

Beide kommen zum Entschluß, dass man ja auch Autos durchlassen könnte... Jetzt wirds benzlig...

Beide zeigen GRÜN

Ergebnis: Bus und PKW mit Anhänger stehen sich hupend gegenüber, gefolgt von mehreren PKW's. EIn klassischer Deadlock.:D

Selten so viel Spass an einer Einsatzstelle gehabt...

 

OK, nun aber zum eigentlichen Thema.

 

Der Einsatz begann abends. Alamierung "Feuer XXX-Strasse" Die Adresse war uns wohlbekannt. Ein Hochhaus. Mittig angeflanschtes Treppenhaus, nach rechts und links offene Laubengänge. Zwei-Zimmer-Wohnungen. Sozialer Brennpunkt.

 

Es sollte in der vierten Etage vor der Wohnung brennen. Auf der Anfahrt funkte uns die Leitstelle an: "POL vor Ort, es brannte nur der Fußabtreter. Wurde durch POL mit Wassereimer gelöscht!"

Unser Gruppenführer entschied: "Wir fahren zur Kontrolle mit TLF weiter an, LF kann abdrehen!"

Kurze Zeit darauf "Einsatzstelle an!"

Zusammen mit einem Kameraden stieg er nach oben, wir warteten derweil im Fahrzeug. Plötzlich über Handfunkgerät die Rückmeldung: "Sofort ein Trupp mit PA und Wasser nach oben, LF anfunken, die sollen weiter anfahren!"

Was war geschehen?

Bei der Kontrolle der Wohnungstür stellte der Gruppenführer fest, das der Abtreter und Teile der Tür angebrannt waren. Die beiden Polizisten waren auch noch vor Ort. So weit so gut. Der Kamerad, der mit oben war machte den Gruppenführer auf etwas aufmerksam: "Du, schau mal das Fenster hier neben der Tür. Ist da oben Rauch aus der Rahmenritze gezogen?? Das sieht so komisch aus..."

Es erfolgte ein kurzer Temperaturcheck mittels nacktem Handrücken an der Wohnungstür: Warm, im oberen Bereich sogar SEHR warm!

Daraufhin kam es zum vorhin beschriebenen EInsatzbefehl. Gleichzeitig machten die beiden Polizisten richtig lange Gesichter. Eben noch am Feixen, ob wir Ihnen nicht auch mal zutrauen würden, ein kleines Feuer zu löschen, und nun das. "Meint ihr, das brennt da drinnen auch?"

"Nö, ist wahrscheinlich nur ein rauchender Wellensittich - NATÜRLICH BRENNT DAS!!"

 

Wir hatten uns unten derweil ausgerüstet und waren auf dem Weg nach oben. Das LF traf kurz danach ein. Wasser am Rohr, Tür aufgebrochen und rein. Es brannte vorne im Flur, der Rest der Wohnung war verraucht.

Das Feuer war schnell gelöscht. Gleichzeitig suchten wir die Räume ab. Es könnte ja noch jemand in der Wohnung gewesen sein. Wir links ins Zimmer, der zweite Trupp rechts. Mehr Räume hatte die Wohnung nicht. Nach vorne noch ne Kochecke und ein Minibad..

Wir also links Fenster auf, Zimmer kontrolliert. Doppelbett, Nachttisch, Tisch... OK, wohl das Schlafzimmer. Komische Einrichtung... Tüll als Himmel überm Bett... Egal, erst mal wieder raus.

"Schlafzimmer ok!"

"Wieso? Wir waren doch im Schlafzimmer!"

"???"

 

Dann wurde uns klar, wo wir waren. Ein breites Grinsen zeichnete sich unter unseren Atemmasken ab.

 

Tja, wo waren wir???

 

Wer es zuerst richtig rät, darf sich ein Thema für den nächsten Artikel wünschen...

(Sollte aber auch Bezug zum Blogthema haben)


17.03.2009 20:21    |    fire-fighter    |    Kommentare (11)

Der Falcon war ein Tanklöschfahrzeug das Rosenbauer 1987 vorstellte. Vom Konzept her war es revolutionär. Erstmalig wurde kein normales LKW-Fahrgestell mit Kabine für Normfazeuge verwendet. Der Falcon basierte auf einem speziell entwickeltem Titan-Zweiachschassis mit permanentem Allradantrieb. Angetrieben wurde das Feuerwehrfahrzeug von einem 280 PS starken Mercedes-Benz-V8-Motor im Heck.

Die Großraumkabine in Leichtbauweise mit Aluminiumbeschichtung bot sechs Personen Platz. Die niedrige Einstiegshöhe und die dabei vohandene Kopffreiheit waren damals in diesem Fahrzeugsegment einzigartig.

Neu war auch die Anordnung der Pumpe. Bedingt durch den Heckmotor wurde die Normal-/Hochdruckpumpe unter der Kabine eingebaut. Der Bedienstand und die Abgänge waren von vorne zugänglich.

 

Das Fahrzeug hatte einen 2.000 l-Wassertank und ein Schaummittelbehälter mit 200 l. Der Aufbau bestand aus einer Aluminiumkonstruktion mit geschraubten Leichtmetallprofilen.

1987 stellte Rosenbauer dieses außergewöhnliche Fahrzeug erstmalig auf der Interschutz vor. Die ersten Fahrzeuge gingen an die Freiwilligen Feuerwehren in Amstetten, Düren und Niederbipp. Es folgten die Berufsfeuerwehren in Frankfurt am Main, Offenbach am Main und Zürich, später auch Madrid.

Die Republik Saudi Arabien übernahm 25 Fahrzeuge des Typs Falcon.

Der Falcon sollte eine neue Generation von Fahrzeugmodellen einläuten, war aber nicht optimal auf die Belange der Feuerwehren abgestimmt. So lagerten z.B. schwere Teile oben im Fahrzeug, während leichtere unten lagen. Der Falcon war sehr reparaturanfällig und musste oft für sehr viel Geld auf einem Tieflader ins Werk zurücktransportiert werden. Dadurch fiel er für den Feuerwehrdienst häufig längere Zeit aus.

 

Es blieb bei den oben beschriebenen Bestellungen. Insgesamt floppte das Konzept, auch aufgrund der mangelnden Zuverlässigkeit. Trotzdem bleibt der Falcon ein außergewöhnliches Fahrzeug, dass auch heute noch mit seiner Optik auffällt, und trotz seines Alters immer noch "modern" erscheint.

 

PS(KW): 280 (206)

Hubraum: 14.620 ccm

Ausstattung: 2x Schnellangriffsleitung a 60m auf Haspel , Dachmonitor / Rosenbauer, Selbstschutzanlage vor den Reifen, fest eingebaute Feuerlöschkreiselpumpe Rosenbauer R280 NH mit Normaldruck / Hochdruck , 2400 l /min -10 bar , 350 l / min. bei 40 bar , 4 PA Halterungen in der Mannschaftskabine , Rettungssatz ,Schere Spreizer, Stromerzeuger

 


12.03.2009 15:57    |    fire-fighter    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: Einsätze

"...Wohnungsbrand, Anrufer wartet auf Strasse!"

22:30, eigentlich Zeit für's Bett. Egal, Schnell den Pulli gegriffen, draußen ist es nicht gerade warm. Im laufen angezogen, Schlüssel und ab zur Garage. Unterwegs, die Ampel mal wieder rot. Der links sieht meinen Dachaufsetzer. Damit habe ich zwar kein Wegerecht, aber wenn mich jemand freundlich durchlässt... Fußgänger? OK alles frei - Ab jetzt geht' s nur noch geradeaus.

An der Wache sind erst drei Kameraden. Mist - Freitag abends sind viele außerhalb. Rein in die Stiefel, Hose hoch, Helm auf, die Jacke im Laufen an. Rauf aufs Fahrzeug. Blick zum Gruppenführer "Machst du Angriffstrupp?" "Ja"

Also Maske auf, Nomex-Schutzhaube drüber, Kragen hoch. Derweil fahren wir schon los. Pressluftatmer geschultert, Druckkontrolle, wo ist das Funkgerät? OK alles komplett. Mein Truppmann ist auch gerade fertig.

"Du A...loch, fahr zur Seite, Mann!!" Unser Maschinist flucht. Mal wieder einer vor uns, der nicht weiß wo er hin soll. Jetzt zieht er rechts ran und wir vorbei. Wohngebiet, 30-er Zone. Jetzt wirds eng. steht da wieder einer auf der falschen Seite? Nein diesmal kommen wir durch.

Letztes Jahr hat die Drehleiter der Kernstadtwehr weniger Glück gehabt. Sie brauchte 5 Minuten für die letzten 300m bis zum Einsatzort. Die zwei Mädchen im 2.OG haben das leider mitbekommen. Eine lief zurück ins verrauchte Zimmer. Sie wurde später im Flur gefunden. Die andere sprang in Panik aus dem Fenster. Sie hatte Glück und überlebte. Allerdings sitzt sie seitdem im Rollstuhl. Blöd, was einem manchmal so durch den Kopf geht. Wir sind da! Raus und mit Schlauch, Axt, und Fluchthauben ausrüsten. Ein Blick nach oben. Hinter einem Badefenster im ersten Stock ist flackerndes oranges Licht zu sehen. Komisch, sieht irgendwie falsch aus...

Treppe hoch, der Passant, der Angerufen hat, hat wohl schon geklingelt und geklopft - keine Reaktion.

OK. Vor der Tür Temperaturcheck. Die Tür ist kalt. Klingel geht nicht. Erst mal klopfen. BAM BAM BAM "Hallo? Hier st die Feuerwehr!" Keine Reaktion. Mein Kamerad sichert mit dem Strahlrohr, ich will gerade die Tür aufbrechen... da wird von innen geöffnet!

Ein tropfnasser junger Mann, ins Handtuch gewickelt steht mir gegenüber und bekommt augen so groß wie Untertassen. "Um Gottes Willen, was ist denn los??" "BeiIhnen soll es brennen.." Kein Rauch in der Wohnung zu sehen. "Nein, nein ist alles in Ordnung." In dem Moment öffnet sich die Badezimmertür am ende des Flures. Seine Freundin, ebenfalls im Handtuch und tropfnass, dahinter der Schein von unzähligen großen und kleinen Kerzen....

Mit einem leichten Grinsen im Gesicht habe ich die Maske abgesetzt, mich für die Störung entschuldigt und per Funk Entwarnung gegeben...


11.03.2009 21:08    |    fire-fighter    |    Kommentare (106)    |   Stichworte: Denkt an uns!

In der Zeit, die das Gehirn braucht, um beim Erwachen von totaler Entspannung auf Mindestbetrieb zu schalten, verpasse ich die ersten Silben der Alarmierung: .... Fahrtrichtung Bremen, schwerer Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen!“

Während ich im Dunkeln noch schnell horche, ob einer meiner Söhne bei der Alarmierung wach geworden ist, quittiere ich den Alarm des Funkmeldeempfängers, hüpfe in die Hose und raune meiner Frau ein „Bis gleich“ zu, das sie mit „Pass auf dich auf“ erwidert.

Ein Ritual, welches Vertrautheit in die unwirklichen Sekunden bringt, die man braucht bis man vollständig gewahr wird, was gerade passiert: Es ist mitten in der Nacht. Samstag nacht. Irgendwo auf der „Bahn“ hat es gekracht, mehrere Personen sind verletzt und im Fahrzeug eingeklemmt.

Die Feuerwehr ist gefragt. Und im Gegensatz zu den vielen Bränden und einfachen Hilfeleistungen, bei denen es nicht ganz so kritisch ist und man auch ab und zu Kurioses oder gar Amüsantes erlebt, weiß man sofort, dass dies jetzt nicht der Fall sein wird.

Im Gegenteil, es stellt sich eine massive Anspannung im Verbund mit tiefer Besorgtheit ein: Da kämpft jemand um sein Leben. Nicht irgendwo im Fernsehen, sondern ein paar tausend Meter entfernt in der Nacht. Und gleich wird man bei ihm sein und versuchen „den Unterschied“ zu machen. Jetzt gleich.

Im Feuerwehrhaus angespannte Gesichter. Kein flapsiger Spruch, kein Geläster über zerknitterte Gesichtsausdrücke und wilde Frisuren. Das Löschfahrzeug wird besetzt – Maschinist, Gruppenführer und 3, 5, 6 Mann – komplett. Der Gruppenführer dreht sich um, unsere Blicke treffen sich kurz. Ein kurzes Nicken. Ich bin der einzige mit rettungsdienstlicher Ausbildung. Die wird gebraucht werden, ganz sicher. „53-10, Ausfahrt“.

Tiefblaue Blitze machen aus den Leitplanken und Bäumen am Rand der Autobahn eine Diashow. Ein Blick in den Mannschaftsraum: Viele alte Hasen, die schon viel Blut auf Blech gesehen haben, aber auch ein „Neuer“.

Immer noch Totenstille und Anspannung. Jeder horcht in den Funkverkehr: Ist der Rettungsdienst schon da, sind die vielleicht doch nicht eingeklemmt, ist der Rüstwagen schon ausgerückt?

Nichts. Wir werden die ersten sein. Mein Job wird es vermutlich sein, auf Biegen und Brechen ins Innere des Fahrzeuges vorzudringen. Egal wie es da drinnen aussieht, wie der PKW liegt oder was sonst so mit ihm ist. Drinnen ist der Verletzungs- und Einklemmungsgrad zu erkunden, die Personen zu betreuen und als Bindeglied zwischen Feuerwehr, Rettungsdienst und Patient zu fungieren. Kein Verdrücken, keine Pause möglich.

„Da isses“. Nur Warnblinker im Dunkeln, kein Blaulicht. Polizei ist also auch nicht da. Der Maschinist blockt mit dem 14 Tonnen schweren Fahrzeug die Unfallstelle gegen den fließenden Verkehr – zur Sicherheit.

Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand in eine hell beleuchtete Einsatzstelle brettert. Als das Fahrzeug steht, springe ich mit Notfalltasche, Lampe und Decke vom Fahrzeug und laufe dem Gruppenführer hinterher. Nasser, kalter Dezemberregen. Mehrere PKW stehen unbeleuchtet oder mit Warnblinker auf der rechten Fahrbahn. Da stehen Leute am Waldrand, Fahrzeugteile liegen auf der Bahn, die Leitplanke ist durchbrochen. Aus den Büschen neben der Autobahn ragt ein Fahrzeugheck. Irgendwas gelbes mit Heckspoiler. Etwas älteres.

Ein schneller Blick nach vorne: Der ist frontal vor einen Baum. Muss schnell gewesen sein, wo früher das Getriebe ansetzte, ist jetzt Baum. Die Tür hinten geht auf, also ich schlüpfe auf die Rücksitzbank. Zwischen Glassplitter, Stofftiere und CD-Hüllen. Fahrer und Beifahrerin. Beide sehr jung. „Hallo! Hier ist die Feuerwehr. Können sie mich verstehen?“ Ein stimmloses Ja von rechts, nichts von links. Kurze Schrecksekunde, aber links hat einen einigermaßen tastbaren Puls.

Während ich den Warnblinker anschalte, Scheiben herunterfahre und dann die Zündschlüssel abziehe fange ich an zu erzählen. Einfache Sätze, nichts kompliziertes: „Du hattest einen Unfall und bist eingeklemmt. Wo tut es dir weh? Wir müssen dich rausschneiden, dass kann einen Moment dauern. Wie heißt du?“ ... und so weiter. Deine Stimme muss präsent sein, dass ist das einzige, an dem der Junge sich orientieren kann. Also reden, reden, reden.

Nebenher versuche ich genauer zu erkunden, wie schwer die beiden verletzt sind und wie sie eingeklemmt sind: Der Motor hat auf der Fahrerseite den Vorderwagen; Lenkrad und das Armaturenbrett weit in den Fahrgastraum geschoben. Die Beifahrerin, Steffi, wie ich jetzt weiß, ist zwar eingezwängt, aber nicht direkt eingeklemmt. Ein paar Schnittwunden sehen dramatisch aus, werden aber bald vergessen sein. Da ihr aber der Hals weh tut, werden wir trotzdem etliches an Blech entfernen müssen, um sie möglichst schonend aus dem PKW zu heben. Eine Querschnittslähmung aufgrund eines gebrochenen Halswirbels wollen wir nicht riskieren.

Den Fahrer hat es wirklich schlimm erwischt. Scheiße, scheiße. Er stöhnt auf als ich ihn abtaste. Das Armaturenbrett hat Knie und den Oberschenkelknochen in zahllose Splitter aufgespalten und durch die Muskulatur getrieben. Blut, viel Blut sickert in das Gewebe und fehlt woanders. Die Unterarme sind links und rechts gebrochen bei dem Versuch, sich beim Aufprall abzustützen. Links ragt ein Splitter aus dem Sweater, rechts liegt der Unterarm im rechten Winkel über der Handbremse. Der Brustkorb hat beim Aufprall auf das Lenkrad dieses verbogen, was meistens bedeutet, dass die Lunge durch gesplitterte und gebrochene Rippen verletzt ist. Luftnot ist die Folge. Das ist wie Verschlucken, dauert nur ewig. Vermutlich sind die Unterschenkel auch weich wie Pudding.

Was mit den inneren Organen wie Gehirn, Leber etc. ist, die wie ein Punchingball im Körper vor- und zurückgeschleudert worden sind, kann man nur vermuten. Ein Riß in der Leber, und er verblutet innerlich. Ein geplatztes Blutgefäß im Gehirn und er könnte den Rest seines Lebens an die Decke im Pflegeheim starren. Auch ohne Diagnose durch den Notarzt (wo bleibt der eigentlich?) wissen wir, das wir uns beeilen müssen.

Der Gruppenführer erscheint am Fenster. „Und?“ „Fahrer zuerst und mit Crash, Beifahrerin schonend. Zweiten Doktor“. „Vorschläge beim Fahrer?“ „Tür weg und A-Säule hochdrücken muss reichen. Wenn wir Zeit haben, das Dach noch.“ Während wir uns besprechen wackelt das Auto unmerklich. Rüstholz wird untergelegt, damit uns die Kiste beim Auseinanderschneiden nicht plötzlich zusammenklappt, wenn die Türen und das Dach plötzlich fehlen.

Der Notarzt kommt. Kurze Atempause während er von der Seite aus den Fahrer untersucht. Mehr als Schmerzmittel, Infusionen, Sauerstoff geben und ihm eine Halskrause verpassen kann er aber in dieser Lage auch nicht. Der Junge muss in kürzester Zeit ins nächste Krankenhaus, um die inneren Blutungen zu stoppen. „Zackig. Es eilt.“ ist seine Anweisung.

Jetzt sind die Kameraden draußen dran. „Kai, wir schneiden dich jetzt raus. Es wird ein paar mal laut knallen, aber das ist nicht so schlimm. Gleich ist es vorbei.“ Wenn wir Pech haben ist das gelogen, aber was soll ich ihm sonst sagen? Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht weiß, ob er mich überhaupt versteht. Mit einem durchsichtigen Kunststoffschild schirme ich ihn ab, vor den Sachen, die da kommen: TWÄNKK - die verkeilte Fahrertür wird mit eine lauten Schlag aufgespreizt und einem weiteren Schlag los geschnitten. Kai stöhnt, er merkt jede Bewegung des PKW.

Es wird vermutlich im Fußraum mehrere Stellen geben, wo Fleisch und Knochensplitter direkten Kontakt mit Metall haben. Nächster Schlag, die A-Säule ist oberhalb des Armaturenbrettes durchtrennt. Für die nächsten Schritt an der A-Säule im Fußraum wird der Schutzschild vorsichtig zwischen das Bein und das Metall geschoben. Kai stöhnt wieder. Der Schild geht nicht tiefer. Vermutlich wird das Bein so kräftig gegen die A-Säule gedrückt, das es nicht weitergeht. Kurze Besprechung mit dem Arzt – weitermachen. Konzentriert setzt der Geräteführer die Rettungsschere an. 600 bar Öldruck pressen die Scherenspitzen mit 100 Tonnen zusammen. Durch Metall, Kunststoff – oder Knochen wenn man nicht aufpasst. In diesem Momenten ist der Bedienknopf scheinbar glühend heiß. Schneiden, Stopp, Kontrolle, Schneiden, Stopp, Kontrolle.

Der nächste Schlag – die Säule ist durch. Lautes Stöhnen. Das gleiche noch einmal und in die ausgeschnittene Stelle kann der Spreizer gesetzt werden, um das Armaturenbrett nach oben zu drücken. Es gibt nur ein Problem: Wenn Körperteile, die zusammengedrückt werden, mit einem Schlag entlastet werden, können innere Blutungen wieder auftreten, die vorher durch den Druck abgedrückt wurden. Der Arzt befürchtet dies auch und legt eine weitere Infusion. Verhindern kann man es nicht. Sackt der Blutdruck nach dem Hochdrücken des Armaturenbrettes massiv ab, muss er sofort raus und unters Messer.

„Kai, das wird vermutlich noch einmal weh tun, aber danach ist es besser.“ Wem erzähle ich da was - ihm oder mir? Das Leben des Jungen hängt mit seinen zerschmetterten Knochen an einem seidenen Farben. Zum ersten Mal Zeit für Mitgefühl: Komm, Junge, zieh. ZIEH. Noch 5 Minuten, dann ist es vorbei. ZIEH. Kai stöhnt. Schneller.

Das Anheben des Armaturenbrettes ist ähnlich schwierig wie das vorherige Einschneiden. Technisch ist es kein Problem, mit 10 Tonnen Druckkraft das Metall auseinanderzudrücken, aber keiner weiß, ob die Reste der Unterschenkel nicht irgendwie mit dem Metall verhakt sind. Keiner will dem Jungen noch weitere Verletzungen zufügen.

Mit Schweiß auf der Stirn setzt der Truppführer das 30kg schwere Gerät wie eine Pinzette an. Nachdem die Spitzen erst mal „Masse“, richtige Ansatzpunkte gefunden haben, bewegt sich das Armaturenbrett laut knackend und knirschend nach oben. Ich versuche das Schutzschild nachzuschieben. Kurz bevor das Armaturenbrett Dachhöhe erreicht, stöhnt Kai auf und sackt in sich zusammen: Bingo. „Der muss raus. Jetzt“ sagt der Arzt. Eher sich als uns.

Ein Blick in den Fußraum bestätigt unsere Befürchtung: Die Unterschenkel sind blutig und „matsche“, der linke Fuß ist vom Bodenblech förmlich umschlungen. Doch keine Zeit mehr. Der klobige – Gott sei Dank klobige - Turnschuh wird aufgeschnitten, ich ziehe den Fuß mit einem kräftigen Ruck raus. „Patient frei“ höre ich mich rufen.

Dann wird Kai mit der Hilfe von vielen Händen auf ein Spineboard, eine körperlanges Brett gezogen. Ich versuche dabei, die Beine einigermaßen zu führen, was mir aber nur teilweise gelingt. Das dabei entstehende Geräusch und das Gefühl, Beine mit mehrfach gebrochenen Knochen bewegen zu müssen, wird mich die nächsten Tage begleiten, dessen bin ich sicher. Ich gebe den Schutzschild an den Kameraden vom Rüstwagen weiter, ich bin „raus“. Steffi wird von einer anderen Crew gerettet.

Es ist totenstill, als ich meinen Hausflur um 5 Uhr morgens betrete. Aufgewühlt. Zwar hat Kai das Krankenhaus lebendig erreicht, aber der Arzt rief auf der Feuerwache an und teilte uns mit, dass er eine äußerst schlechte Prognose hat. Als ich mich vorsichtig ins Bett lege, kommt mir nun die stille und friedliche Welt des Schlafzimmers unwirklich vor. „Wie wars?“ murmelt meine Frau. „Nicht so schlimm“, lüge ich. Ich werde das morgen mit ihr besprechen. Es reicht, wenn einer nicht schlafen kann.

Und so liege ich hellwach da und starre die Decke an. Zeugen haben gesagt, der gelbe Wagen sei an ihnen vorbeigeschossen und dann plötzlich ins Schleudern gekommen. Zu schnell gefahren. Heizer. Blödmann. Wenn der schon nicht an sich oder an seine Freundin, denkt, könnte er doch wenigstens an uns denken. Der Gedanke ist natürlich absurd.

Der nächste Gedanke, dass in ein paar Jahren meine Söhne mit Papa’s Auto loswollen ist es nicht und bricht in die aufziehende Selbstgerechtigkeit. Wie bringe ich sie dazu, nicht zu heizen? Wie dazu, dass sie meine Warnungen nicht in den Wind schlagen. Was wäre gewesen, wenn Kai dein Junge gewesen wäre...

Nach 5 Uhr morgens wieder einschlafen ist eh nicht gut.

 

Bitte denkt an uns!

 

(Orginal von Jan Südmersen)


Blogempfehlung

Mein Blog hat am 20.04.2009 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

Blogautor

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MAN F8 19.291 LF24

Renault

In 20 Jahren Feuerwehr gibt es wirklich nichts mehr, was ich noch nicht erlebt habe.

FS CE besitze ich seit 2007, dafür noch mal vielen Dank an die Gemeinde :cool:

Meine Brötchen (und auch das für obendrauf) verdiene ich mir im weltweiten Service für Industrieelle X-Ray Anlagen

Privat bewege ich z.Zt. einen Skoda Octavia RS.

Wer mehr wissen will - PN!

Wo der fire-fighter herkommt...

Meine Ursprungsheimat liegt in Berenbostel. Das ist ein Stadtteil von Garbsen, in der Nähe von Hannover. Ein Teil der Berichte stammt aus meiner Zeit dort. Seit ein paar Jahren hat es mich beruflich ins schönste Bundesland der Welt verschlagen. Seitdem bin ich hier in Ahrensburg, in der Nähe von Hamburg aktiv.

Auf den Fotos kann man den Unterschied anhand der Einsatzkleidung erkennen. Niedersachsen bevorzugt orange Jacken, in Schleswig-Holstein ist die Nomexjacke dunkel.

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