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13.05.2009 22:24    |    fire-fighter    |    Kommentare (44)    |   Stichworte: Wissenswertes

gefahrgutgefahrgut Das Spektrum der Einsätze ist sehr vielfältig. Aber sobald Gefahrgut mit ins Spiel kommt, ist auf einmal alles anders. Wir kennen die LKW mit den orangenen Warntafeln alle im täglichen Verkehr. In der Fahrschule haben die meisten auch gelernt, was diese Tafeln bedeuten, und evtl. auch, dass man bei einem Unfall das Vorhandensein dieser Tafeln mit angeben soll. Idealerweise gleich mit evtl. daraufstehenden Nummern.

Doch was dahinter steckt und was dann abläuft, wissen viele nicht. Anhand der orangenen Tafel ist erkennbar, dass so ein Fahrzeug gefährliche Güter transportiert. Es gibt die Tafeln ohne Zahlen (der klassische Stückguttransporter, für uns quasi ein Überraschungspaket) oder mit zwei Zahlen, so wie im Bild. Die obere Zahl ist eine Kennung für die Gefahr, die Gefahrennummer. Hier die 8, also ein ätzender Stoff. Da die Zahl oben mindestens 2-Stellig ist, dient die null als Platzhalter, da hier "nur" eine gefahr besteht. Die untere Zahl ist eine UN-Stoffnummer. Anhand dieser Nummer kann unsere Leitstelle den Stoff identifizieren und uns wichtige Hinweise und Informationen geben. Der Stoff mit der UN-Nummer 2582 ist übrigens eine Eisen(III)Chlorid Lösung. Der Stoff greift die meisten Metalle stark an und zersetzt sich bei Erhitzung durch Umgebungsbrände oder heiße Oberflächen unter Bildung von giftigem und ätzendem Chlorwasserstoffgas.

 

Während der normale Transport für alle Beteiligten relativ sicher ist, ändert sich das bei einer Havarie oder einem Unfall schlagartig. Daher laufen bei der Feuerwehr Einsätze mit Gefahrgutbeteiligung auch komplett anders ab, als "normale" Einsätze.

Das fängt bei der Fahrzeugaufstellung an. Im Normalfall fahren wir relativ dicht an die Unfallstelle heran, damit wir nicht alles Gerät meterweit schleppen müssen. Bei einem Gefahrgutunfall gilt erst mal Sicherheitsabstand! Eigenschutz geht vor Sachschutz. Menschenrettung bildet eine Ausnahme. Nach Möglichkeit geht ein Trupp mit Atemschutz und der "normalen" Schutzausrüstung schnell vor und genausoschnell zurück. Aber nur, wenn es zwingend notwendig ist.

Die Ausrüstung für einen Feuerwehrmann mit Chemikalienschutzanzug sieht folgendermaßen aus:

 

csa-ausruestungcsa-ausruestungcsacsa

 

Der Anzug ist gasdicht und gegen die meisten Chemischen Stoffe resistent. Darunter wird ein Atemschutzgerät getragen. Abzüglich der Dekontaminationszeit bleiben damit 20min Arbeitszeit. Durch die warme Ausatemluft steigt die Temperatur im CSA innerhalb kürzester Zeit auf über 30°C an. Das Gewicht des Anzugs und die dicken Handschuhe erschweren die Arbeit zusätzlich.

Bevor jemand unter CSA (ChemikalienSchutzAnzug) eingesetzt wird, müssen aber noch einige Dinge geschehen. Es muss eine Dekontaminationsstelle eingerichtet werden, damit man den Anzug auch wieder gefahrlos ausziehen kann. Ein vorsorglicher Löschangriff wird aufgebaut und ein weiterer Trupp mit CSA steht in Bereitschaft als Rettungstrupp.

Alles in allem sehr Personal und Zeitintensiv. Damit drei Leute für 20 min arbeiten können, sind im rückwärtigen Bereich locker 20 Mann beschäftigt...

Daher stehen dan auch ruck zuck jede Menge Feuerwehrfahrzeuge an der Einsatzstelle, denn mit 3 Mann und zwanzig Minuten ist es ja nicht vorbei...

 

Eigentlich wollt ich hier noch einen Einsatzbericht von einem Gefahrguteinsatz dranhängen, aber das sprengt den Rahmen. Also folgt er im nächsten Artikel. Versprochen!


11.05.2009 12:01    |    fire-fighter    |    Kommentare (31)    |   Stichworte: Einsätze

unfall-kreuzunfall-kreuzEs gibt Einsätze, die graben sich in Deine Erinnerung ein. Der erste Tote ist auch so ein Fall. Gerade, wenn man öfters mit Verkehrsunfällen zu tun hat, kommt dieser Fall meist recht früh. Wenn genügend Kräfte vor Ort sind, kann man meist noch steuernd eingreifen, dass die ganz jungen Kameraden nicht direkt "vorne" mitarbeiten. Der Busbrand auf der Autobahn 2 in Garbsen war zum Beispiel so ein Fall.

 

Meine erste Begegnung mit dem Tod liegt schon einige Jahre zurück. Ich hatte damals gerade meine Wohnung übernommen und war am Renovieren, als der Pageboy lospiepste. "...satz Techniche Hilfeleistung, Menschenleben in Gefahr.." war alles, was ich mitbekam. Zusammen mit meinem Bruder sprintete ich die Treppe runter und zum Auto. Auf der Fahrt zur Wache versuchte ich über den Melder den Funk mitzuhören. Klappte aber mal wieder nicht wirklich gut.

In der Wache angekommen, fuhr das erste Fahrzeug bereits raus. Der GW mit dem Rettungssatz an Bord rückt mit 3 Mann aus, die sind immer schnell zusammen. Kurze Zeit danach fuhren wir mit dem TLF hinterher. Der kleine Zeitvorsprung des ersten Fahrzeugs relativiert sich meis schnell, da das TLF besser motorisiert ist.

Es ging mal wieder auf die B6. Die führt 4-spurig durch den Ort und weiter Richtung Neustadt. Zu dem Zeitpunkt damals größtenteils ohne Mittelleitplanke, was sehr oft zu schweren Unfällen führte. So auch diesmal. Wir quälten uns durch den Rückstau, teilweise auf der Gegenfahrbahn (eine fehlende Planke hat auch Vorteile) und erreichten kurz hinter dem Nachbarort die Unfallstelle. Rechts in der Hofeinfahrt stand quer zur Fahrbahn ein Eierverkaufswagen. verkaufswagenverkaufswagenAuf der Fahrbahn stand ein Blechklumpen. Beim zweiten hinschauen war anhand der Rückleuchten zu erkennen, dass es sich wohl mal um einen Golf II gehandelt haben musste. Beim rest des Wagens war es nicht mehr zu erkennen. Das Wrack war nicht länger als ein Fahrrad!

Während wir noch alles aufbauten, um die Rettung einzuleiten, kam der Notarzt auf unseren Einsatzleiter zu und winkte ab. "Langsam, zwei mal EX!"

 

Die Luft war raus! Du hast verloren, bevor Du überhaupt angefangen hast. Jetzt war warten angesagt. Da die Rettung nicht mehr im Vordergrund stand, wollte die Polize natürlich erst die Unfallursache ermitteln. Wir stellten den Brandschutz sicher und klemmten die Fahrzeugbatterie bei dem Verkaufswagen ab. Beim Golf hatte sich das erledigt. Die Batterie war quasi nicht mehr vorhanden.

 

Irgendwann bekamen wir das OK zur Leichenbergung. Vorsichtig begannen wir, das Fahrzeug auseinanderzunehmen. Nicht ganz so vorsichtig wie sonst, aber halt mit dem gebotenem Maß an Anstand.

Die Fahrgastzelle war praktisch nicht mehr vorhanden. Der Golf war fast ungebremst in den Gegenverkehr und dann frontal vor den Verkaufswagen. Das Bodenblech hatte sich nach oben gefaltet, das Dach war komplett zusammengestaucht. Irgendwo dazwischen ein jugendliches Pärchen in meinem Alter...

Dann der Zeitpunkt, als die beiden frei waren. Wir hoben sie vorsichtig aus dem Wrack heraus. "Halt mal die Beine!" gab mir mein Nebenmann zu verstehen. Zusammengequetschte rote Doc Martens... Als ich nach den Beinen greifen wollte, musste ich sofort nachfassen. Die Unterschenkel waren weich wie Pudding.

Wir legten die Fahrerin neben den Beifahrer auf eine Folie am Rande der Strasse. Nur mehr nebenbei bekam ich mit, wie der Notarzt mit der Untersuchung anfing.

Dann plötzlich wurde es hektisch! Wir hatten in den Trümmern die Reste eines Kindersitzes gefunden. Hatten wir etwa ein Kind auf der Rückbank übersehen?? Vorsichtig untersuchten wir das Wrack erneut. Auch die kleinen Hohlräume hinter den Sitzen. Entwarnung. Später erfuhren wir, dass der Sitz Bekannten gehörte...

 

Zurück in der Wache, holte mich der Schock dann ein. Bis dahin war ich nur am arbeiten. Jetzt kam ich zur Ruhe und hatte Zeit zum Nachdenken. Das waren keine Statisten. Die sind wirklich tot. Da kommt keiner und sagt "Übungsende" und die stehen wieder auf! Die sind TOT. Und waren in Deinem Alter!!

Rums. Das knallt voll durch das Bewußtsein. Ich trank schweigend meine Cola aus. Wir fuhren nach Hause. An renovierung war nicht mehr zu denken. Die Sonne schien, als ob nichts geschehen wäre. Vögelgezwitscher.

Reden. In so einem Falle hilft nur reden. Bei mir war es die Familie. Der Bruder, auch in der Feuerwehr. Und die Eltern. Zum Glück beide medizinisch ein wenig "vorbelastet". Also Verständnis vorhanden. Trotzdem hat es lange gedauert, bis ich das Erlebte verarbeitet hatte. Zum Teil half die Info von der Polizei, dass beide ohne Führerschein unterwegs waren, und dass bei beiden Drogen im Blut nachgewiesen wurden. Die Bilder werde ich trotzdem nicht los.

 

Seitdem habe ich noch einige Tote gesehen. Aber keiner blieb dermaßen in Erinnerung.


09.05.2009 01:35    |    fire-fighter    |    Kommentare (7)

Es war mal wieder Vatertag. Unsere Radtour hat sich schon zur Tradition entwickelt. Das Wetter spielte auch wieder mit, und so machten wir uns auf den Weg. Aus schmerzlicher Erfahrung dieses Jahr allerdings nicht zu weit weg, sondern mehr oder weniger im Abstand bis zu 1km rund um den Ort. Wege gibt es auch so genug. Langsam näherten wir uns dem Ort wieder, Getränkestopp auf dem Bauernhof eines Kameraden am Ortsrand war angesagt.

Wir erwogen gerade den Abbruch unserer Tour, zugunsten einer ausgiebigen Grillsession, als das Handy unseres Ortsbrandmeisters klingelte. "Einsatz!" witzelte noch einer, während er an das Handy ging.

 

"Okay, das war die Leitstelle! Der Rettungsdienst braucht unsere Unterstützung. Tragehilfe! Wir fahren zurück zur Wache und sehen dann weiter!"

 

Gesagt getan. Im Eiltempo per Rad zurück zur Wache. Rauf auf den Radweg, Richtung Ortsmitte. Rechts durch den Park, oder links über die 30er-Zone... OK, links!

 

An der Wache, das Fahrrad an die Wand und den Schwung zu Fuß mitgenommen. Schnell in die Stiefel, Hose hoch und die Jacke drüber. Helm in die Hand und aufs Fahrzeug. Sekunden später waren wir abfahrbereit. Ein paar von uns blieben Funkbesetzt auf der Wache und bereiteten schon mal den Grill vor.

Vor Ort angekommen ging unser Ortsbrandmeister erst mal zur Erkundung nach oben. Der Einsatzort lag in einem Wohnhaus in der obersten Etage.

 

"Was passiert jetzt?" wollte ein jüngerer Kamerad wissen.

"Nun ja," war meine Antwort, "entweder wir können ihn die Treppe runtertragen, oder wir brauchen die Drehleiter. Obwohl die bei der breiten Rasenfläche ganz schön weit weg stünde... Wenn er zu schwer ist, brauchen wir halt einen Kran!"

Am Blick des jüngeren Kameraden konnte ich genau ablesen "der spinnt ja"

 

Da meldete sich das Handsprechfunkgerät: "Klärt mal bei der Leitstelle, wieviel Traglast die Drehleiter hat! Der Patient muß waagerecht transportiert werden, das geht nicht durchs Treppenhaus. Ach ja, er wiegt 260kg!"

"Ähmm... Da brauch ich gar nicht zu fragen, die DLK hat einen 2Mann-Korb. Mit Maschinist ist bei 120 Zuladung Schluß!"

"OK, dann funk Ronne mal an, dass wir einen Kran von der BF Hannover brauchen."

"Jau, geht klar!"

 

Stille bei den jungen Kameraden..

 

Kurz darauf folgender Funkverkehr:

 

"11-10 von Ronne"

"Hier 11-10, kommen"

"Die BF schickt den KW 60 und ein WLF mit der Rettungsmulde zu Ihnen! Haben Sie noch Kräfte an der Wache, die die Fahrzeuge einweisen können? Kommen"

"Sprechen Sie 11-60 direkt an, der steht Einsatzbereit auf der Wache."

"Verstanden Ende - 11-60 von Ronne Kommen"

"Hier Florian Ronne 11-60 Kommen"

Sie fahren zur B6 und eskortieren den KW60 der BF zur Einsatzstelle, danach zurück zur BAB2 Abfahrt Herrenhausen. Dort warten Sie auf das WLF mit dem AB-Rett. Ebenfalls Eskorte zur Einsatzstelle! Fahrt mit Sonderrechten freigegeben! Alles mit? Kommen!"

"Ja Verstanden Ende!"

 

 

War dann schon ein geniales Bild. Der Vw-Bus mit Blaulicht und Einsatzhorn und im Schlepptau ein Liebherr 4-Achs-Kran, ebenfalls mit Horn und Blaulicht:cool: Die üblichen Verdächtigen in der Eisdiele sollen erst etwas gelangweilt geschaut haben und dann :eek:

 

Vor Ort baute sich der Kran auf und wartete auf den Wechsellader mit der Rettungsplattform. Der Spezial-RTW war inzwischen auch schon an der Einsatzstelle eingetroffen. Ein extra verstärktes Fahrgestell, Rampe hinter den Türen und eine elektrische Seilwinde. Als Trage stand ein speziell verstärktes Krankenhausbett zur Verfügung.

 

Der Wechsellader musste erst einmal quer durch Hannover, da die Rettungsplattform an einer anderen Wache zur Ausbildung stand. Also mit Alarm von Wache 5 nach Wache 4, die Plattform aufpicken und dann mit Alarm über die BAB bis Berenbostel. Dort wartete schon der VW-Bus von uns um das WLF zum Einsatzort zu lotsen. Mit Vollgas über die B6, das WLF dicht auf den Fersen! Die Jungs von der BF waren hart am Gas mit ihrem 3-achs MAN...

Und wieder an der Eisdiele vorbei, diesmal etwas schneller als beim letzten mal. Jetzt war auch die Aufmerksamkeit des letzten sicher:)

 

Vor Ort hatte sich inzwischenauch einiges getan. Der GW war angerückt. Mit Rüsthölzern und der Kettensäge bauten wir auf dem Balkon eine Rampe, damit wir den Höhenunterschied über die Brüstung überwinden konnten. Die eigentliche "Rettung" per Kran war dann relativ schnell erledigt. Lediglich das Umladen aus dem Korb ins Bett war noch einmal etwas kniffelig.

 

Aus einer kleinen Tragehilfe für den Rettungsdienst war so nun ein ausgewachsener Hilfeleistungseinsatz geworden. 5 Fahrzeuge der Feuerwehr, 20 Kräfte, 1 RTW, 1 NEF, 1 Sonder RTW, drei Streifenwagen und zwei Kamerateams vom Regionalfernsehen.

 

Einsatzdauer: 1,5 Std.

Eine schnellere Rettung ist bei solchen adipösen Menschen einfach nicht drin. Leider.

 

Zwei Tage später erfuhren wir, dass alle Mühe umsonst war. Der Mann war im Krankenhaus verstorben.


05.05.2009 16:19    |    fire-fighter    |    Kommentare (12)

RückseiteRückseite

Gemeldet wurde dieser Wohnungsbrand als "unbekannte Rauchentwicklung". Als wenige Minuten nach Alarmierung das TLF 16/25 als erstes Fahrzeug an der Einsatzstelle eintraf, schlugen bereits Flammen aus den Fenstern der Wohnung im ersten Obergeschoss. Sofort wurden weitere Kräfte alarmiert. Auf der Straße lief der Fahrzeugbesatzung eine nur leicht bekleidete, russgeschwärzte Frau entgegen, und schrie: "Meine Kinder, meine Kinder!!"

 

VorderseiteVorderseite

Sofort wurde ein Trupp (2 Feuerwehrleute), ausgerüstet mit Atemschutzgeräten, in die Wohnung geschickt, um nach den 4 vemissten Kindern zu suchen. Die Suche wurde durch starke Rauchentwicklung und extreme Hitze stark erschwert. Dennoch konnten alle Kinder lebend gerettet und dem Rettungsdienst übergeben werden.

 

Flur mit TürFlur mit Tür

Das Wohnzimmer brannte vollständig aus, der Flur zum größten Teil. Die gesamte Wohnung wurde durch Brandrauch so stark beschädigt, das sie unbewohnbar war.

 

Brandursache:

Die Mutter der Kinder war, nachdem ihr Mann zur Arbeit gegangen war, im Wohnzimmer mit einer brennenden Zigarette auf dem Sofa eingeschlafen. Als sie aufwachte und merkte, was geschehen war, versuchte sie zuerst selbst, die Flammen zu löschen.

 

 

 

WohnzimmerWohnzimmerKücheKüche

Als sie merkte, daß alle Löschversuche nichts halfen, waren Rauch und Flammen so stark, daß ihr keine Zeit mehr blieb, ihre Kinder zu wecken und zu retten. Nachbarn, die den rauch bemerkt hatten, riefen die Feuerwehr, als die frau noch versuchte, selbst zu löschen.

 

 

 

Das KinderbettDas Kinderbett

Die Bilder zeigen das Haus von Vorder- und Rückseite, die halb abgebrannte Wohnungstür vom Flur ins Treppenhaus, das komplett ausgebrannte Wohnzimmer sowie die, nur durch Rauch, geschwärzte Küche. Das letzte Foto zeigt das Kinderbett des jüngsten Kindes. Deutlich kann man sehen, daß das Kind im Bett noch angeschnallt war. Es verstarb später im Krankenhaus an den Folgen des Rauches.


01.05.2009 14:30    |    fire-fighter    |    Kommentare (52)

Explodiert ein brennender PKW?

Dieser Artikel erscheint aus aktuellem Anlass. Wir waren heute morgen um 4:30Uhr unterwegs um einen brennenden PKW zu löschen. Zum Glück ohne ohne dass Menschen dabei in Gefahr waren. VOm Besitzer des Autos wurden wir auf die drohende Explosionsgefahr angesprochen.

 

Tja, wie ist das denn jetzt??

 

 

 

Bitte spätestens jetzt erst abstimmen. Frei nach der eigenen Meinung! Erst dann hier weiterlesen!!

 

 

 

 

 

Im Fernsehen sieht man es immer wieder. Das Auto überschlägt sich, oder fängt nach einem Unfall Feuer. Jetzt bleiben nur Sekunden! Und dann... BUMM! Alles brennt, ein riesen Feuerball, eine Exposionswelle reißt einen von den Füßen. Der Tank ist explodiert!

 

Ist das wirklich so??

 

NEIN! Ganz entschieden NEIN! Ich war eigentlich der Meinung, dass inzwischen bekannt ist, warum Autos im Kino oder Fernsehen explodieren. Nur aufgrund von Pyrotechnik! Leider wurde ich eines besseren belehrt. Sogar die Polizisten vor Ort waren unsicher.

 

Also hier noch mal für alle zum Mitlesen: AUTOS EXPLODIEREN NICHT! PUNKT!

 

Wenn ein Auto brennt, dauert es normalerweise mehrere Minuten, bis das Feuer vom Motorraum bis zum Fahrgastraum durchdringt. Genug Zeit für eine Menschenrettung im FAlle eines Unfalls. Es kann auch mal knallen. Das sind dann meist die Reifen, die bersten. Beim PKW eigentlich ungefährlich. Bei LKW, aufgrund höherer Reifendrücke und wegen der größeren Reifen nicht ganz so harmlos. MAn sollte dann nicht vor dem Rad stehen... Aber sonst.. nur Bumm, mehr nicht. Irgendwann brennt auch der Innenraum und der Rest des Autos. Ein Benzintank hat ein Überdruck/Entlüftungsventil. Durch die Hitze erwärmt sich der Inhalt und fackelt beim Austritt ab. Es kann sich KEIN Überdruck aufbauen, der so einen Tank zum Bersten bringt. Ein Kunststofftank kann schmelzen, wenn das Auto im Vollbrand steht. Dann breitet sich der Sprit unter Umständen brennend aus. Auch hier: Keine Explosionen!

 

Was ist mit Autogas?? Auch hier gibt es Sicherheitsventile und Schmelzsicherungen (bereiche die bei Feuer wegbrennen und ein Abfackeln des Gases ermöglichen.

Auch hier kann sich kein Überdruck aufbauen!

 

Was explodieren kann: Spraydosen im Kofferraum (also raus mit dem WD40 und ab in die Garage damit)

Propangasflaschen (bitte nur zum Flaschentausch transportieren und dabei festzurren!!)

 

 

 

Nochmal: Wenn ein Auto brennt, besteht kein Grund zur Panik! Beherztes Handeln kann Menschenleben retten, kopfloses panisches davonrennen kann TÖTEN!!

 

 

 

So, nun bin ich auf die Umfrageergebnisse gespannt!


30.04.2009 14:34    |    fire-fighter    |    Kommentare (17)

Jeder hat gerne sein Publikum, zugegeben. Aber manchmal kann man echt verzweifeln. Da brennt eine Lagerhalle, mitten im Gewerbegebiet, quasi in direkter Nachbarschaft zur Tankstelle. Also beste Schaulustigenzeit. Der Erstangriff ist im vollen Gange, was jetzt fehlt ist eine ausreichende Wasserversorgung. Laut Plan kein Problem. 30m Querab die Strasse runter ist ja einer. Also den Hydrantenschlüssel und das Standrohr geschnappt und ab dafür!

Nun macht so ein Feuer ja bekanntermaßen viel Qualm. Je mehr Qualm, desto mehr Schaulustige kommen. Scheint da wohl so eine feste Grundlage zu geben. Eigentlich nicht unbedingt ein Problem für uns, sondern eher für die Polizei. In diesem Falle, leider mein Problem: Die Meute stand genau auf meinem Hydrantendeckel!unterflurhydrantunterflurhydrant

"Sorry, ich muss hier mal ran!"

Widerwillig wird zur Seite getreten. Es schlagen gerade so tolle Flammen aus der Seite. Ja nix verpassen!

Die freie Fläche reicht gerade so, um den Deckel im Boden zu öffnen und um das Standrohr zu setzen...

"Ich muss hier arbeiten, bitte mchen Sie mal platz!!!" Keine reaktion... Also das Bodenventil auf und dann das Niederschraubventil am Standrohr mit einem halbherzigen "Vorsicht" aufgedreht. Man muß ja spülen, zur Kontrole, ob die Leitung ok ist... (OK, vieleicht nicht unbedingt so lange und auh nicht mit vollem Druck...)

WHOW!! Ich hab sogar Platz um meine Schläuche auszurollen!! Dafür waren vier andere pudelnaß und am schimpfen wie die großen... Ich hab dann kommentarlos den Schlauch angeschlossen und bin wieder zrück nach vorne. Beschwerden gab es hinterher übrigens keine.

 

Szenenwechsel.

 

Wieder ein Feuer, diesmal in den Ferien, nachmittags. Das Dach der Umkleiden der Sporthalle brannte. Am Schulzentrum angeschlossen liegt auch das Hallen-/Freibad. Klar, hier gibt es genug, die was sehen wollen. Ist ja normal. Dafür gibt es dann rot/weißes Flatterband zum Absperren. Da bleiben die Schaulustigen dann auch meist dahinter. Hier jedoch gab es einige "Experten" die meinten, dass es weiter vorne mehr zu sehen gibt. Die betreffenden Kids wurden von uns und von der Polizei mehrfach hinter das and verwiesen. Vergeblich! Einem Kameraden von mir, der gerade vom Dach kam und das Atemschutzgerät noch auf dem Rücken hatte, platzte der Kragen. Er packte den Kleinen rechts und links am Brustkorb und hob ihn zurück über die Absperrung "Du sollst doch dahinter bleiben!!"

Nun ja, er kam gerade vom Dach... Seine Handschuhe waren rußschwarz. Waren, wie gesagt, aber nur vorher. Jetzt waren sie sauber. Aber das weiße T-Shirt unseres kleinen Freundes sah auf einmal ganz anders aus...

 

 

no-parkingno-parking

Alles in allem, sind wir aber noch harmlos. In den USA ist Parken im Bereich der Hydranten verboten. Parkt doch mal einer da, kann es passieren, dass der Schlauch vom Hydranten, direkt durch die Seitenscheibe quer durch den Innenraum bis zum Löschfahrzeug verlegt wird.

Im Internet gab es mal ein Bild, auf dem die Stütze einer Drehleiter des FDNY zu sehen war. Sie stand im Motorblock des verkehrswidrig abgestellten Autos...

Wenn wir nd solche "Späße" leisten würden, kämen wir wahrscheinlich in Erklärungsnot. Obwohl wir rein rechtlich einiges dürften.


26.04.2009 19:43    |    fire-fighter    |    Kommentare (5)

Immer wieder liest man in Berichten und Zeitungen über Innenangriffe der Feuerwehr. Aber was passiert da eigentlich?

OK, die Feuerwehr hat Flaschen auf dem Rücken, geht in das Gebäude und wenn die wieder rauskommen, ist das Feuer aus.

Soweit richtig, aber dazwischen passiert einiges mehr. Hier mal eine kleine Hintergrundinformation.

 

Ausrüstung

 

ausruestung-01ausruestung-01

Das ist normalerweise der minimale Teil, den ein Zweiertrupp im Innenangriff mit sich rumschleppt.

Im einzelnen: Feuerwehrstiefel, mehrlagige Einsatzhose, mehrlagige Einsatzjacke, Kopfschutzhaube aus NOMEX-Strickgewebe, Helm, Handschuhe. Dazu das Atemschutzgerät und die Atem-Maske, Handlampe und Funkgerät. Sicherungsleine, Schlauchkorb mit Schlauch und Strahlrohr, einige Fluchthauben zur Personenrettung, eine Feuerwehraxt, Rettungsmesser, div. Kleinmaterial.

 

 

Fertig ausgerüstet sieht das dann ungefähr so aus:

 

atemschutztrupp-mit-ausruestungatemschutztrupp-mit-ausruestung

Dazu können dann noch Wärmebildkamera zur Personensuche, Rettungstuch und zusätzliches Schlauchmaterial kommen.

So bepackt begibt sich der Trupp in das Gebäude. Bevor er einen verrauchten Bereich betritt, wird die Schlauchleitung verlegt und unter Druck gesetzt. Normalerweise is dies ein "C-Schlauch", d.h. ein Schlauch mit 42mm Durchmesser. Einige Feuerwehren verwenden auch dünnere D-Schläuche, wegen der besseren Beweglichkeit im Gebäudeinneren.

Im Rauchfreien Bereich kann bei guter Sicht relativ zügig vorangekommen werden. Das ändert sich jedoch sobald Rauch die Sicht nimmt. Je dichter der Rauch, desto tiefer wird die Gangart. Der Rauch sammelt sich oben, also ist unten die beste Sicht. Auch die Wärme steigt nach oben.

Früher wurde "gekrabbelt". Dieses Vorgehen auf allen Vieren hat aber den Nachteil, dass man Löcher im Boden zwar ertastet, dann aber schon mit dem Oberkörper "darüber hängt". Außerdem kann man nicht erkennen, was über einem passiert. Genau darauf kommt es aber an. Die Hauptgefahr bei einem Brand geht in der Ausweitungsphase vom Rauch aus. Heiße Rauchgase können unter bestimmten Umständen durchzünden und dann eine schlagartige Ausweitung des Feuers bewirken. Hiebei gibt es gewisse Abstufungen. In der Fachliteratur sind Begriffe wie "Flash-Over", "Roll-Over", "Backdraft" u.ä. zu finden. Auch bei unterschiedlichen Ursachen und bei unterschiedlichen Wirkungen haben alle diese Phänomene eines gemeinsam: EIne unvollständige Verbrennung im Brandraum und eine plötzliche Zufuhr von Sauerstoff führen zu einer Entzündung der brennbaren Rauchgase und in deren Folge zu einer massiven Brandausweitung. (Das ist jetzt mal etwas oberflächlich beschrieben, sollte aber hier erst einmal reichen)

 

seitenkriechgangseitenkriechgang seitenkriechgang02seitenkriechgang02

Um solche Dinge erkennen zu können, muß der Trupp also nach oben sehen können. Daher hat sich der Seitenkriechgang als recht erfolgreich herausgestellt. Hierbei wird ein Bein untergeschlagen und das andere nach vorn gestreckt. Dann wird vorwärts gerobbt. Sieht leichter aus als es ist, zumal dabei ja noch der Schlauch nachgezogen werden muß und die Sicht extrem eingeschränkt ist.

 

 

Das eigentliche Löschen birgt noch ein Problem. Eine Moderne Einsatzkleidung erlaubt es zwar, in Hochtemperaturbereiche von mehreren hundert Grad vorzudringen, aber das eigentliche Problem ist der Wasserdampf. Die Schutzkleidung ist atmungsaktiv, d.h. Schweiß in Form von Wasserdampf wird nach außen abgeleitet. Unvorsichtiges Löschen mit Wasser erzeugt allerdings auch Wasserdampf. Ein Liter Wasser ergibt bekanntermaßen 1700 Liter Wasserdampf. Der kann dann leiser von außen die Dampfmembrane durchdringen. Daher muss der Trupp im Innenangriff möglichst vorsichtig und sparsam mit dem Wasser umgehen.

Viele Dinge also, die beachtet werden müssen...


26.04.2009 12:40    |    fire-fighter    |    Kommentare (4)

Es war der 29.05.2003. Vatertag. Wir waren tagsüber mit dem Rad unterwegs gewesen. Das Wetter war sonnig, das Bier schmeckte wunderbar kühl und der mitgenommene Billig-Grill reichte völlig aus. Inzwischen war es Abend geworden. Einige verlegten die "Feierlichkeiten" nach Hause, andere waren irgendwo eingeladen. Ich auch. Wir feierten in dem Aufenthaltsraum der Wache. (War privat und ist für die Geschichte eigentlich auch nebensächlich)

Es wurde spät, sehr spät. Die Karaoke-Anlage eines Kameraden wurde reichlich genutzt und wir waren recht ausgelassen.

Dann, es war so gegen 2 oder 3 Uhr, schrillten unsere Meldeempfänger. Damals noch analog und mit Funkdurchsage: "Einsatz für die Feuerwehr Berenbostel! Bestätigtes Feuer, Menschenleben in Gefahr!"

 

Schlagartig waren wir nüchtern. Über Funk die erste Rückfrage, danach wussten wir mehr. Mehrere Anrufer meldeten hellen Feuerschein im Industriegebiet, Nachbarn meldeten eine Lagerhalle, angrenzend an einen Verkaufs-/Wohnbereich. Ob wer in der Wohnung war, war unbekannt.

 

Schnell besetzten wir die ersten Fahrzeuge und warteten auf einen Fahrer. Uns war klar, dass wir Alkohol getrunken hatten, aber das galt wahrscheinlich für 90% aller Feuerwehrmänner in der Stadt!

 

Auf der Anfahrt sahen wir den Nachthimmel glutrot leuchten. "11-10 Einsatzstelle! Lagerhalle im hinteren Bereich im Vollbrand! Alarmieren Sie folgende Wehren: ..." Uns war klar, dass wir das nicht alleine wuppen konnten. In kurzer Folge wurden die benachbarten Ortswehren und die Kernstadtfeuerwehr alarmiert. Hauptaugenmerk lag im ersten Moment in der Vermeidung der Brandausweitung. Die Nachbarhalle war nur wenige Meter entfernt. Am Ende des Grundstücks brannte das Gebüsch und auch dort drohte eine unkontrollierte Ausweitung. Der vordere Teil des Gebäudes - Verkaufsraum, Büro und Wohnbereich - war noch intakt, aber auch unmittelbar bedroht. Der erste Trupp machte sich zur Kontrolle des Wohnbereichs klar. Wir kümmerten uns um die linke Seite der Halle. Immer wieder zündeten die Rauchgase durch und die Flammen rollten formlich unter der Decke aus der Halle.

Mit Atemschutzgerät auf dem Rücken kämpften wir uns seitlich vor. Inzwische treffen auch die Nachbarwehren ein. In der Wohnung wurde eine Person gefunden und gerettet.

 

Wir werden abgelöst. Unsere Aufgabe übernimmt jetzt ein Wasserwerfer. Das ist ungefährlicher, da keiner weiß wie stabil die Seitenwände noch sind.

 

"Kannst Du noch mal tragen? Wir brauchen einen Trupp auf dem Dach!" OK, also zweite Runde. Sind noch nicht genug Kräfte vor Ort. Reserveflasche vom Fahrzeug und Gerät fertiggemacht. Die Steckleiter steht bereits an der Hauswand. Zu zweit steigen wir auf das Dach. Der vordere Bereich ist noch Stabil. Teerpappe. Weiter hinten neigt sich die Dachfläche nach unten und verschwindet im Qualm. Per Leine ziehen wir uns einen Schlauch aufs Dach. Dann noch die Axt. Wir tasten uns vorsichtig vor. Die Teerpappe ist warm und klebrig. Irgendwo müsste hier eigentlich die Brandschutzmauer die Dachflächen trennen... Wir bleiben stehen und checken das Dach. "OK, aufmachen!" Mit der Axt versuchen wir ein Loch in die Teerpappe zu schlagen. Die Holzkonstruktion darunter federt nach. Durch die Strahlungswärme ist die Teerpappe klebrig weich. Geschafft. Jetzt die Holzlage darunter. Qualm dringt uns entgegen. Nicht gut. "Einsatzleitung von Angriffstrupp Berenbostel zwo! Sind auf dem Dach, Feuer droht das Dach zu unterlaufen. Wir brauchen Unterstützung um das Dach zu öffnen! - Kommen!"

"Verstanden! Schicken noch zwei Trupps mit der Multicut rauf. Ende!"

 

Die Multicut ist ein geniales Ding. Nach dem ICE-Unglück in Eschede machten sich die Hersteller Gedanken. Immer wieder steht die Feuerwehr vor Problemen, wenn ein Materialmix verbaut wird. Holz, kein Problem für Kettensägen. Metall? Trennschleifer. Aber Alu-Stahl-Mix mit geklebten Scheiben wie im ICE? Die waren schon immer ein Problem. GEnau so wie Teerpappe-Holz Kombinationen. Eine Kettensäge kanns Du da ruch zuck vergessen. Die Teerpappe klebt alles zu. Also mit der Axt aufschlitzen und dann mit der Säge den Rest.. Bisher jedenfalls. Die Multicut ist eine speziell entwickelte Kettensäge. Die schneidet alles. Rolltore, Teerpappe, Nägel im Holz, Bahnwaggons - Alles kein Problem.

 

Kurze Zeit später ist die VErstärkung auf dem Dach. Wir entschließen uns einen 20cm breiten Spalt quer über die Dachhaut zu ziehen. Quasi als Brandschutzschneise und Angriffsöffnung. Danach sägen wir weiter vorn einige Kontrollöffnungen. Bei der zweiten ein Volltreffer, verkohltes Holz kommt zum Vorschein. Rückzug aller Trupps bis hinter den "Graben". Zu gefährlich. Unter uns reißen zwei weitere Trupps im Innenangriff im Bürobereich die Decke von unten auf. Dann muß ich runter vom Dach. Mein Gerät fangt an zu pfeifen. Bei 50bar Restdruck in der Atemluftflasche ertönt ein Signal. Normalerweise sollte man schon eher an den Rückweg denken, aber der Weg vom Dach ist recht kurz. Ausreichend Zeit also. Unten angekommen schaue ich mich erst mal um. Zeit zum durchatmen. Langsam bekommen wir die Lage in den Griff. Wer ist denn alles da? Whow, das dürfte fast die gesammte Stadtfeuerwehr sein.

 

"Gerät kannst du am Gerätewagen Atemschutz tauschen!" Danke. "Wo steht der?"

"Links im Seitenweg!" OK, dann los. Wir traben um die Ecke. Gerät abgegeben und ein neues mit zurück zum Fahrzeug. Dann erst mal was zum trinken organisiert. Den Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung bringen. Durch die dicke Schutzkleidung schwitzt man verdammt viel aus.

Der Vorplatz ist inzwischen voll mit Rollern und Motorrädern. Die haben wir alle aus dem Verkaufsraum retten können. Inzwischen zeichnet sich aber ab, dass wir eine Ausbreitung auf den vorderen Teil des Gebäudes verhindert haben.

 

Ich melde mich wieder einsatzbereit. Im Außenangriff geht es weiter. Wasser, Wasser, Wasser. Über mehrere Rohre von allen Seiten in den Lagerbereich rein. Kaputtmachen kann man nichts mehr. Ab jetzt ist das eine reine Materialschlacht. Die Zeit verrint, ohne dass man es bemerkt. FLammen sind keine mehr zu sehen. Ab und zu mal ein aufflackern irgendwo hinter verbogenen Trümmern im Inneren, die wohl mal ein Hochregal waren. Sonst nur viel Wasserdampf, der durch die heißen Oberflächen entsteht. Jetzt heißt es nur noch runterkühlen, damit sich der Kram nicht wieder entzündert, und wir in ein paar Stunden wieder hier stehen...

Inzwischen ist es hell geworden. Die meisten Kräfte sind schon abgerückt. Wir packen die Schläuche zusammen. Ab auf den Anhänger und morgen zur Feuerwerhtechnischen Zentrale zur Reinigung. Auf der Wache die Fahrzeuge neu mit Schläuchen bestückt. Raus aus den nassen Klamotten.

8:00 Uhr. Zeit für's Bett. Vorher eine schöne Dusche! Vor 24 Stunden hatten wir uns zur Radtour getroffen. War das wirklich erst gestern??


22.04.2009 18:40    |    fire-fighter    |    Kommentare (47)

Wenn man gerade denkt, dass gerade jetzt ein ungünstiger Zeitpunkt für einen Alarm wäre, dann kann man fast schon sicher damit rechnen. Es gibt Situationen, da denkt man dann "och nööö, geht ja jetzt gar nicht!" (Klar unter anderem DIE Situation, an die jetzt 99% von Euch denken:D)

Aber es gibt auch "normale" Alltagssituationen. Du stehst beim Fleischer an der Kasse und die Kassiererin kramt gerade nach dem Wechselgeld, in der Hand hast du die Tüte mit deinem Einkauf. Draußen 30°C und du hörst wie die Sirene anfängt loszuheulen... Natürlich kapiert die gute Wurstfachverkäuferin nicht gleich, warum Du ihr die Tüte in die Hand drückst und ihr sagst, dass sie das Wechselgeld da reinstecken soll und du den Kram nachher abholst...

Du sitzt beim Friseur, die eine Kopfseite ist schon geschnitten, da piepst es. Der Friseur schaut wie ein Fragezeichen, weil Du aufspringst und ihm im Laufen den Umhang zuwirfst...

Die Sperren von geschlossenen Kassen im Supermarkt sind auch immer wieder beliebte Hürden :D

 

Besonders beliebt sind auch Schaumbäder oder Duschen... Naß in die Klamotten und los... hmm...

Wer sich einmal ohne Socken im Feuerwehrstiefel Blasen gelaufen hat, weiß bescheid!

 

Auch der gemütliche Fernsehabend kann seine Tücken haben. Man "liegt" mehr oder weniger in seinem Sessel, auf dem Bauch in Griffweite eine Schale NicNac's und eine mit M&M's. Der Melder piept, du schreckst hoch und bemerkst im Laufen, dass die M&M's schneller fliegen, als die NicNac's :eek:

 

Dann das nächste Problem. Wie komme ich zur Wache? Eigenes Auto zur Hand? OK! Fahrrad? Auch gut! Aber manchmal ist man zu Fuß unterwegs. So wie beim damals beim Fleischer..

Also raus auf die Strasse. Meist kommt irgend ein Auto. Wenn man mittig auf die Fahrbahn tritt, hält auch meist wer an. Vor allem, wenn gerade die Sirene lief. "Feuerwehr! Wir haben einen EInsatz, können Sie mich zur Wache fahren?" - Das klappt meistens. Man muss nur extrem aufpassen, zu wem man einsteigt. Manche Fahrer laufen da schon mal zur Höchstform auf. Frei nach dem Motto: Ich fahre für die Feuerwehr, also Tempo an und Verstand aus! Da muss man frühzeitig beruhigen und aufpassen. An dieser Stelle noch mal ein DANKE an alle, die mich oder andere schon mal mit zum Feuerwehrhaus transportiert haben! Ihr habt damit nicht nur eine selbstlose und vor allem nicht verpflichtende Tat geleistet, sonern vor allem auch einen Beitrag zur Hilfe der Allgemeinheit geleistet!

 

Die Krönung wäre mal ein Bus. Hab ich schon immer vorgehabt, aber ist nie was draus geworden. Später mit dem eigenen Auto war das dann auch wirklich keine Option mehr.

Aber auch der Weg im eigenen Auto zur Wache ist immer anders. Mal trifft man an der Garage einen Kameraden aus der Nachbarschaft und unterwegs noch drei andere, so dass man dann an der Wache zu fünft aus dem Polo springt (O-Ton des Gruppenführers aus dem ersten Fahrzeug: "Ich dachte, das hört gar nicht mehr auf, wieviele wart ihr denn???")

Ein anderes mal überholt einen ein Streifenwagen, schaltet Blaulicht und Martin-Horn ein plus den Hinweis "Bitte Folgen" und lotst einen über die 4-Spurige Bundesstrasse (OK, der Vater des Kameraden war Polizist, und seine Kollegen hatten das Auto erkannt.)

Schwierigkeiten zügig voranzukommen hat man eigentlich fast immer. Auch wenn das Gesetz Sonderrechte auf der Fahrt zur Wache zulässt, können einen die anderen Verkehrsteilnehmer nicht erkennen. Viel diskutiert sind die "Dachaufsetzer", Kleine Plastikschilder mit der Aufschrift "Feuerwehr im Einsatz". Manch einer nutzt die Dinger als Blaulichtersatz und heizt los. Andere sehen darin eher die "Entschuldigung" für den manchmal nicht so ganz korrekten Fahrstil. Inzwischen sehe ich die Dinger auch eher skeptisch. Sie verleiten zu riskanterer Fahrweise und ausserdem verkratzen sie den Lack...

Mein Aufsetzer liegt inzwischen in der Garage. Man wird ruhiger... Das Problem ist letztendlich immer das gleiche: Wenn du zu riskant fährst und einen Unfall baust, dann bist du der Dumme. Das Gesetz gewährt zwar Sonderrechte, also moderate Geschwindigkeitsübertretung, fahren bei Rot, wenn frei ist, Überholen im Verbot usw, aber es gibt KEIN Wegerecht. Ich darf mir also meine Vorfahrt nicht erzwingen. Dieses Vorrecht wird nur mit Blaulicht und Mehrklanghorn gewährt. Solange im privaten PKW nichts passiert drückt die Polizei ein Auge zu. Aber wehe es kommt zum Unfall! Dann wird alles haarklein überprüft. Die gesetzliche Zwickmühle hat für mich nur einen Ausweg: Zügig, aber lieber etwas später zur Wache, als gar nicht. Es ist keinem geholfen, wenn plötzlich ein Unfall zum eigentlichen Einsatz dazu kommt!


13.04.2009 22:14    |    fire-fighter    |    Kommentare (58)

Immer wieder wird diskutiert, wie man sich verhalten soll, wenn ein Fahrzeug mit Blaulicht auftaucht. Viele reagieren falsch. Halten an unübersichtlichen Stellen an, blockieren die Kreuzung, bremsen aprupt, und und und.

 

Da die wenigsten wissen, wie es eigentlich von der "anderen" Seite aussieht, hier mal ein Video einer Alarmfahrt. Man kann auch gut erkennen, wie lange es eigentlich dauert, bis der Einsatzort erreicht wird. "Nur" 5 Minuten vergehen. Eine Ewigkeit. Aber für den Fahrer Stress pur! Darum dürfen in den meisten Feuerwehren auch nur erfahrene Fahrer ans Steuer

 

EDIT: Video wurde geändert! Im neuen Film sind die Situationen besser kommentiert. Der "alte Film" ist hier zu finden und stammt von der gleichen Feuerwehr...


Blogempfehlung

Mein Blog hat am 20.04.2009 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

Blogautor

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MAN F8 19.291 LF24

Renault

In 20 Jahren Feuerwehr gibt es wirklich nichts mehr, was ich noch nicht erlebt habe.

FS CE besitze ich seit 2007, dafür noch mal vielen Dank an die Gemeinde :cool:

Meine Brötchen (und auch das für obendrauf) verdiene ich mir im weltweiten Service für Industrieelle X-Ray Anlagen

Privat bewege ich z.Zt. einen Skoda Octavia RS.

Wer mehr wissen will - PN!

Wo der fire-fighter herkommt...

Meine Ursprungsheimat liegt in Berenbostel. Das ist ein Stadtteil von Garbsen, in der Nähe von Hannover. Ein Teil der Berichte stammt aus meiner Zeit dort. Seit ein paar Jahren hat es mich beruflich ins schönste Bundesland der Welt verschlagen. Seitdem bin ich hier in Ahrensburg, in der Nähe von Hamburg aktiv.

Auf den Fotos kann man den Unterschied anhand der Einsatzkleidung erkennen. Niedersachsen bevorzugt orange Jacken, in Schleswig-Holstein ist die Nomexjacke dunkel.

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