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Motorrad-Exoten

Blog über Motorräder, Prototypen, Einzelstücke und Designstudien, die es in Deutschland nicht oder zumindest noch nicht gibt.

05.03.2011 11:37    |    Lewellyn    |    Kommentare (6)    |   Stichworte: BMW Roller, Crossrunner, Dortmund, Motorräder 2011, V12 Motorrad

Vor meinem gestrigen Besuch waren meine Erwartungen seit langem mal wieder etwas höher, da ja ein neues Motorrad kommt, dessen Grundkonzept ich höchst spannend finde: Die Honda Crossrunner.

Von der Idee her eine Kreuzung aus Sporttourer und Reiseenduro, befeuert von einem modifizierten 800ccm-V4 aus der VFR 800 mit 102PS. Als ehemaliger VFR750-Fahrer eine äußerst reizvolle Kombination.

 

Umso ernüchternder die Realität: Die Crossrunner ist in Realität deutlich kleiner, als sie auf den Bildern wirkt. Ein eher zierliches Motorrad, kaum größer als eine CBR600. Von Enduro-Genen so gar keine Spur. Dagegen wirkt eine TDM gleich zwei Nummern größer.

Das man noch nicht mal probesitzen konnte, macht die Ernüchterung noch ein bischen tiefer. So, wie es aussieht, nix für mich.

 

Bei Ducati gabs die Diavel, die immerhin auch Probegesessen werden durfte. Letztes Jahr habe ich mich auf die Streetfighter gesetzt und war baff erstaunt, welch angenehme Sitzposition sie auch meinen 1,89m bot. Ein Kniewinkel wie auf einer Reiseenduro.

Jetzt hab ich mich auf die Diavel gesetzt und war wiederum erstaunt, wie mir ein optisch so grosses Motorrad eine derart beengten und weichteilequetschende Sitzmulde anbieten kann. Der Kniewinkel ähnelt stark dem auf der Toilette.

Neee, Ducati, das ist zumindest für meine Größe nix. So gar nix.

 

Bei Suzuki gabs nix neues. Zumindest ist mir nichts aufgefallen. Dass die mal Marktführer waren, ist kaum vorstellbar.

Auch bei Kawasaki nichts wirklich bemerkenswertes. Yamaha hatte immerhin die aktuelle Vmax zum Probesitzen dabei.

 

KTM auch ohne Neues. Immerhin hatte Triumph die neue Tiger 800 in der "Strassenvariante" zum Probesitzen dabei. Gelungenes Motorrad, nicht nur optisch der F800GS sehr ähnlich.

 

BMW präsentierte neben den K1600GT/L-Modellen die Rollerstudie "Concept-C", die für einen Roller wirklich rattenscharf aussieht und wenn sie so ähnlich kommt, bestimmt ein Erfolg wird.

 

BMW-Procar hat die BMW-Studie der Lo-rider mal eben in die Tat umgesetzt und gebaut. Sieht nach einer erstklassigen Fahrmaschine aus und funktioniert wohl auch so. Leider hat BMW, laut ProCar-Standpersonal diese Studie auf Eis gelegt. Wer also eine haben will, wendet sich an Procar.

 

Dann war da noch der Eigenbau mit einem Aston-Martin-V12 und das Tanzmariechen am Harleystand.

 

Alles in allem bestätigt sich wieder Trend, das die Motorräder jedes Jahr ein bischen "übersichtlicher" wird.

Zumindest, wenn man speziellere Klamotten oder Zubehör sucht, ist sie aber immer noch die erste Adresse fürs Stöbern.

Ich hab mir gestern eine Motorradjeans (eine richtige, aus Jeansstoff) mit Kevlargewebe verstärkt und Protektorentaschen zugelegt.

Das Geschwitze in Südfrankreich muss etwas weniger werden. :cool:


26.02.2011 14:24    |    Lewellyn    |    Kommentare (14)    |   Stichworte: 3 wheeler, Hybrid, Morgan, S&S

Hybrid bedeutet „etwas Gebündeltes, Gekreuztes oder Gemischtes“. Ein Mischwesen, das zwei Welten in sich vereint.

 

Und der Morgan 3 Wheeler ist mit Abstand die coolste Mischung aus Bike und klassischem Sportwagen, die in diesem Jahrtausend in Serienproduktion geht.

 

Als Vorbild dient der alte Morgan 3 Wheeler, der von 1928 - 1952 gebaut wurde und schon damals Morgans "Einstiegsvariante" war. Der aktuellen Version geht direkt das Ace-Cycle-Car voraus, das unter Morganlizenz bereits in Kleinstserie gebaut wurde.

 

Angetrieben von einem 1.800ccm 115PS S&S V-Twin, der mit dem etwa 480kg leichten Morgan keinerlei Probleme hat und seine Leistung über ein 5-Ganggetriebe vom Mazda MX5 und einen Zahnriemen an die Hinterradwalze schickt.

 

Knappe 200km/h Topspeed und etwa 4,5 Sekunden von 0-100 unterstreichen die Sportwageneigenschaften dieses ungewöhnlichen Gefährts. Nicht nur die Fahrleistungen, auch der Wetterschutz entspricht eher einem Motorrad als einem Pkw.

 

Die Lackierung im RAF-Design verleiht dem Ganzen dann auch noch das Sahnehäubchen an Coolness.

 

Für umgerechnet 29.300 Euro gibt es wenig Fahrzeuge mit einem vergleichbaren Aufmerksamkeitsfaktor. Morgantypisch kann man natürlich das Fahrzeug komplett individualisieren. Von der Lackierung über verschiedene Lederarten. Ein Dach wird es nicht geben, lediglich eine Persenning.

 

Wer einen bestellen möchte, wendet sich direkt an die Morgan Company.

 

Bei den bekannten Lieferzeiten von Morgan hat man auch noch genug Zeit zum Sparen. ;)


31.01.2011 19:41    |    Lewellyn    |    Kommentare (17)

Vor einigen Jahren hatte Kawasaki die W650 in Deutschland im Modellprogramm.

 

Ein sehr klassisch ausgelegtes Bike, das von weniger versierten Menschen auch schon mal für einen Oldtimer gehalten wurde.

Gebaut bis 2008, als Euro3 einer ganzen Reihe von weniger populären Baureihen aller möglichen Hersteller den Garaus machte.

2011 wird Kawasaki die W650 als W800 wieder auferstehen lassen.

 

In Japan bereits bestellbar, bestehen gute Chancen, dass Kawasaki neben der normalen W800 ( die im Grunde aussieht wie die W650) auch die gänzlich neue W800 Cafe SE hier in Europa an den Start schickt.

 

Der Retro-Racing-Style ist ja bereits bei Moto-Guzzi mit der V7-Racing schwer angesagt. Moto-Guzzi verwandelt hier das Retrobike V7 mittels diverser optischer Gimmicks bei unveränderter Technik in ein Pseudo-Sportmotorrad.

 

Kawasaki setzt wie schon vorher bei der W650 wieder auf einen Paralletwin mit Königswellen-Ventiltrieb. Im Unterschieb zur Guzzi wirkt die Kawa in der Formgebung sehr viel "organischer". Sanfte Rundungen an jeder "Ecke", herrlich geschwungene Krümmer, wie man sie so nur an einem stehenden Zweizylinder bewundern kann.

 

Die W800 wirkt noch mehr "Retro" als die doch sehr technokratisch gestylte Guzzi.

 

Leider bringen die zusätzlichen Kubikzentmeter Hubraum keinerlei Mehrleistung. Im Gegenteil. Während die W650 mit vollen 50PS durch die Gegend rollte, bringt es die W800 nur auf 48PS. Exakt die gleiche Leistung wie die V7 Racer.

 

Meine Vermutung ist, dass hier die neuen Führerscheinregelungen mit 48/96 PS (35/70kW) neben den Abgas- und Geräuschbestimmungen eine gewichtige Rolle spielen.

 

Aber auch mit 48PS kann man durchaus Spass haben. Gefällt mir (in Schwarz natürlich) wirklich ausnehmend gut. :cool:

 

Die Guzzi ist mir, angesichts der eher bescheidenen Motorleistung zu sehr auf "Pseudoracing" getrimmt. Der tiefe M-Lenker und die Optik versprechen da deutlich mehr als der Motor zu leisten vermag. Da hält sich die W800 mit Leistungsversprechen doch ein bischen mehr zurück, bietet auch den (wenn man das aus Bildern schließen kann) wohl bequemeren Arbeitsplatz.

 

Ob die Endtöpfe allerdings engagierteres Kurvenfahren unbeschadet überstehen, muss sich erst noch zeigen...;)

 

Kawasaki Japan


30.01.2011 13:19    |    Lewellyn    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: 2500, Ducati Diavel, FGR, Horex, V6

So, nach langer Zeit mal wieder ein neuer Exotenblog. Es war allerdings übers Winterhalbjahr nicht viel los auf dem Neuigkeitenmarkt.

 

Von unerwarteter Seite wird ein Motorrad in Richtung Produktionsstart entwickelt, dass wohl auch als Wettbewerber zur demnächst vieleicht kommenden Horex zu sehen ist. Die FGR 2500 V6 von einem tschechischen Entwicklerteam.

 

Dabei ist der Name Programm. Knapp 2,5-Liter-V6 (2.442cm³), quer eingebaut mit 90 Grad Zylinderwinkel, das sollte zumindest akustisch schon mal Maßstäbe setzen. :cool:

 

Anvisiert sind 240 PS. Die Gewichtsangabe von etwa 270kg erscheint mir sehr niedrig. Allerdings wiegt der Motor nur 107kg. Könnte somit sogar hinkommen.

 

Das Layout läßt auf ein einigermaßen kurventaugliches Gefährt mit einem hohen Leistungsüberschuss schließen.

Bei dem zu erwartenden Drehmoment wird die FGR wohl ohne elektronische Fahrhilfen nur höchst umsichtig zu bewegen sein.

 

Die Motorentwicklung hat immerhin 6 Jahre gedauert, da werden sie wahrscheinlich noch mindestens weitere zwei Jahre brauchen, bis das Dingen Serienreif ist.

 

Überhaupt sind an der Maschine viele interessante Details wie die 6in6-Auspuffanlage, die trotzdem nicht übermäßig wuchtig erscheint.

Die Kette als Sekundärantrieb ist von der Einbaulage und aus Gewichtsgründen die logische Wahl. Erinnert im Design ein wenig an die neue Ducati Diavel. Zufall oder nicht. ;)

 

Immerhin tut sich mit Horex und FGR was im Kleinseriensektor in Europa. Ob der Trend zu 200+ PS Leistung wirklich vom Kunden gewünscht wird? Vermutlich muss man sowas anbieten, um im Hochpreissektor zumindest einen Rechtfertigungsgrund für die viele Kohle zu haben, die man vom Kunden haben muss, damit der Aufwand irgendwie mal wieder reinkommt.

 

Bin sehr gespannt, ob die FGR tatsächlich mal käuflich zu erwerben sein wird.

 

Der Link zum Hersteller: FGR

 

Und der Link zur Bildergalerie: Bildergalerie


23.10.2010 16:54    |    Lewellyn    |    Kommentare (9)    |   Stichworte: Brammo, Elektromotorrad, Empulse, Enertia

Über Brammos Enertia habe ich ja schon in meinem 50. Blogartikel berichtet.

 

Für 2011 hat Brammo einige wichtige Neuheiten angekündigt:

 

Neben der Enertia wird für 2011 die Enertia Plus angeboten Die Unterschiede liegen in einer geänderten Gabel für einen kleineren Wendekreis und einer verdoppelung der Akkukapazität. Damit wird die Plus eine Reichweite von 130km haben, was für das tägliche Pendeln und den kleinen Sonntagsausflug den meisten schon reichen wird.

 

Preislich wird die Enertia Plus mit 8.995 $ = 6.446 € nur 1.000 $ teurer als die normale Enertia.

 

Bemerkenswerter ist jedoch das Erscheinen eines neuen Modells: Die Empulse.

 

Angeboten in 3 Varianten, die sich nur in der Reichweite unterscheiden, wird das Topmodell Empulse 100 eine sichere Reichweite von 160km (100 Meilen) und eine Höchstgeschwindigkeit von ebenfalls knapp über 160km/h haben.

 

Damit nähert sich Brammo Werten, die nicht mehr so weit von der normalen Nutzung eines Motorrads entfernt sind. 160km ist schon eine ordentliche Tour und 160km/h ist auf der Landstrasse mehr als ausreichend. Zumal die Empulse auch optisch nicht mit den Sehgewohnheiten bricht und sich erst auf den zweiten Blick als Elektromotorrad zu erkennen gibt.

 

Auch von den Preisen her ist das Topmodell Empulse 100 mit 13.995 $, was gerade ziemlich genau 10.000 Euro entspricht, absolut im Rahmen der gehobenen Mittelklassebikes. Zumal in den USA Elektrofahrzeuge weiterhin massiv mit bis zu 5.000 $ gefördert werden.

 

Wir warten damit noch gespannter auf einen Export der Brammos nach Europa. :)

 

Weitere Details auf der Webseite von Brammo: http://brammo.com/


16.10.2010 10:49    |    Lewellyn    |    Kommentare (16)    |   Stichworte: Ducati-Elenore, V8, Wirthwein

Übern Sommer hatte ich einiges zu tun, so dass ich meinen Exotenblog etwas vernachlässigt habe. Der Winter steht vor der Tür, die Tage werden kürzer. Zeit, sich mal wieder mit meinem Lieblingsthema "Exotische Motorräder aller Art" zu beschäftigen.

 

Und da habe ich zu meiner losen Miniserie "Vielzylinderbikes", also mehr als 4 Zylinder, gerade ein sensationelles Projekt gefunden.

 

Ein V8 im Originalrahmen einer Ducati 900SS. Etwas, was ich niemals für möglich gehalten hätte.

 

Dieter Harthman-Wirthwein von Wirthwein-Motoren hat diese ausgefallene Idee in die Tat umgesetzt. Insider kennen Wirthwein als Konstrukteur

 

der 4-Zylinder Honda Monkey, ein legendäres Youtubevideo.

 

Damit ein V8 in den Rahmen einer Ducati passt, wurde das Kurbelwellengehäuse der Duc unverändert übernommen. Kurbelwelle und Pleuel sind zwar Neukonstruktionen, unterscheiden sich aber nur in Details von den Originalen. Wirthwein hat dafür ein völlig neues Kolben/Pleuel-Layout gefunden, welches auch zum Patent angemeldet ist. Ein V8 auf einer V2-Kurbelwelle.

 

Auf der gerade zu Ende gegangenen Intermot war Wirthwein-Motoren auch mit einem Stand vertreten, wo dieser völlig neue Motor vorgestellt wurde. Leider läuft der Motor akut noch nicht, er ist noch nicht final zu Ende konstruiert. Fürs erste wird eine Leistung von etwa 80PS angepeilt, was in der Nähe des Original-V2 liegt.

 

Wie ein solcher Motor funktionieren soll, zeigt am besten des Video.

 

Eine erstaunliche Ingenieursleistung. Ich werde versuchen, Fortschritte in diesem Projekt zu verfolgen und auch hier meinen Bloglesern mitzuteilen, sobald der Motor läuft.

 

 

 

Alle Fotos und Video: http://wirthwein-motors.de/


17.08.2010 20:44    |    Lewellyn    |    Kommentare (3)    |   Stichworte: Krugger, Veon, Vrod

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So, mitten in der Sommerflaute mal ein kurzer Artikel über ein außergewöhnliches Motorrad.

 

Fred Kruggers Veon, mit der er die 2010 World Championship of Custom Bike Building in South Dakota gewonnen hat. Normalerweise finden Custom Bikes ja nicht so meine Aufmerksamkeit, aber die Veon ist absolut einzigartig und hat verdient gewonnen.

Krugger erhielt für die Veon 548 Punkte. Der Zweitplazierte 384. Und Fred ist dazu noch Belgier. :eek:

 

Fred Kruggers Veon kann mit wenigen Handgriffen von einem Cafe-Racer zu einem Cruiser umgebaut werden. Dabei ändert sich die komplette Fahrwerksgeometrie, wie auf den Bildern auch gut zu erkennen. So reduziert sich der Radstand von 1,61m beim Cruiser auf 1,53m beim Cafe-Racer. Die Bodenfreiheit steigt von 17cm auf 23,6cm und der Nachlauf reduziert sich von 119mm auf 79mm beim Cafe-Racer. Dazu steigt die Sitzhöhe von 60.5cm auf 77,5cm.

 

Damit das auch ergonomisch passt, gibt es zwei Sätze Fussrasten. Einmal Cruiserlike vorne am Kühler und einmal Sportlermäßig unter der Sitzbank für einen ordentlichen Kniewinkel. Angetrieben wird die Veon von einem Harley-Vrod-Twin, der ja selbst im Serientrim über üppig Leistung verfügt.

 

 

 

 

 

Eine außergewöhnliche Idee, handwerklich sauber umgesetzt. Bin gespannt, ob demnächst mal Fahrberichte der Veon auftauchen und ob es sowas wie eine Serie geben wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fred Kruggers Webseite


03.07.2010 12:01    |    Lewellyn    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: Moto Guzzi, Rennmotorrad, V8

Heute gehts mal um ein Motorrad, von dem ich vorher bewusst noch nie was gehört habe. Die Moto Guzzi V8 500.

Erst im Zuge der Recherchen zur Morbidelli bin ich sozusagen drüber gestolpert.

Moto Guzzi V8 1955Moto Guzzi V8 1955

 

 

Das Motorrad ist eine reinrassige Rennmaschine, eingesetzt von 1955 bis 1957. Das einzige Rennmotorrad mit 8 Zylindern, das jemals eingesetzt wurde. Acht 20mm Dell´Orto Vergaser versorgten die gerade mal 62,5ccm grossen Einzelzylinder in dem quer eingebauten V8.

 

In der ersten Version leistete der wassergekühlte V8 immerhin 60PS, was zusammen mit der aerodynamisch hervorragend wirksamen, aber optisch gewöhnungsbedürftigen Verkleidung für ein Spitzentempo von weit über 200km/h sorgte. Mit einem Gewicht inkl. Verkleidung von nur 148kg war die Guzzi eine technologische Glanzleistung der Ingenieure von Moto Guzzi.

 

Die letzte Entwicklungsstufe 1957 leistete dann 80 PS bei 12.000 U/min, was mit der spöttisch "Dustbin" (Mülleimer) genannten Verkleidung für gemessene 280km/h reichte. Mit einer 19" vorne / 20" hinten Bereifung mit Blockprofil und Trommelbremsen. :eek:

 

Und das auf den damaligen Rennstrecken. Rennfahrer waren früher härter. :cool:

 

Aus diesem Motor leitete Moto Guzzi noch einen 250er V4 und einen 125er V2 ab.

 

Die Guzzi V8 war mechanisch hochkomplex (wen wunderts) und schwierig zu fahren. Sie war für ein Rennmotorrad nicht besonders handlich. Bevor sich durch die Behebung der zahlreichen Kinderkrankheiten dann echte Erfolge hätten einstellen können, zog Moto Guzzi sich 1957 vom Rennsport zurück. Vieleicht angesichts dieses mechanischen Overkills keine schlechte Entscheidung.

 

Wie Jay Leno sinngemäß im Film sagt: Er liebt Dinge, die mit einem Maximum an Aufwand Dinge erreichen, die auch anders und deutlich einfacher möglich gewesen wären. :D

 

Die Geschichte zeigte, das Moto Guzzi mit simplen, leicht modifizierten Stationäraggregaten in Motorräder verpflanzt, auch Erfolg haben konnte. ;)

 

 

 

 

 

 


21.06.2010 22:49    |    Lewellyn    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: 2010, Elektroantrieb, Elektromotorrad, TTXGP


Motocysz racebikeMotocysz racebike

Nachdem im letzten Jahr das erste "Zero Carbon" Rennen auf der TT überhaupt für Furore gesorgt hatte und der leider verstorbene Thoma Schönfelder dort einen vielbeachteten 2. Platz belegt hatte (siehe auch hier im Blog), ist dieses Jahr alles anders.

 

Die Elektrobikes nehmen als ganz gewöhnliche, neue Klasse an der TT teil. Die Teams sind deutlich professioneller geworden und das Leistungsvermögen wesentlich gestiegen. Vor allem das Siegerbike von Motocysz beeindruckte mit professioneller Performance.

 

Die TT-Veranstalter haben einen Preis von 10.000 Pfund ausgelobt für das erste E-Mopped, welches die TT-Runde mit einem Schnitt von 100mph (161 km/h) bewältigt. Dieses Jahr reichte es für die Motocysz noch nicht, aber mit immerhin 96,82 mph (156km/h) fast 10mph schneller als die Siegermaschine vom letzten Jahr und mit einer gemessenen Topspeed auf der Strecke von über 225km/h.

 

Das zeigt deutlich den Fortschritt in der Technik in nur einem Jahr. Der offizielle Rundenrekord liegt übrigens bei 131mph Schnitt auf einer CBR1000RR.

 

Von den 5 gewerteten Startern waren 4 schneller als die letztjährige Siegermaschine. Und bisher hat noch kein Stromkonzern die Möglichkeit ergriffen, ein "Werksteam" mit richtig Geld und Manpower auf die Beine zu stellen. Obwohl Motocysz natürlich einiges investiert hat, um ihr eigenes Elektro-Strassen-Sportbike zu promoten.

 

Mark Miller auf der Motocysz war somit der 2. US-Amerikaner überhaupt, der ein TT-Rennen gewonnen hat. Der Letzte tat das 1911 auf einer Indian.

 

Auf Platz 2 Robert Barber auf einer AGNI, der Sieger von 2009 mit 2 Minuten Rückstand.

Platz 3 James McBride auf einer MAN TTX mit einem Rückstand von 2.10.

 

Hier noch ein Link zur Webseite für dieses Strassenbike: http://www.motoczysz.com/main.php?area=philosophy

 

Das könnte sogar was werden. :)


19.06.2010 22:48    |    Lewellyn    |    Kommentare (11)

Die angekündigte Horex mit ihrem kompressorgetriebenen VR6-Motor bringt mich auf die Idee, in meinem Blog mich mal den mehr oder weniger erfolgreichen Serienmotorrädern mit mehr als 4 Zylindern zu widmen.

 

Anfangen tue ich mit einem wahrlich exotischen Gefährt, das ein paar Parallelen zur Horex aufweist. Eine früher erfolgreiche Marke wird mit einem motorischen Paukenschlag wiedererweckt - und scheitert total. Wollen wir hoffen, dass Horex ein anderes Schicksal nehmen wird.

 

Allerdings war Morbidelli nie ganz weg. In den 70ern feierte Morbidelli etliche Rennerfolge und Weltmeistertitel in der 125er und 250er GP-Klasse. Graciano Rossi, der Vater von Valentino Rossi, fuhr damals im Morbidelliteam mit. Wie fast alle europäischen Motorradmarken hatte Morbidelli der japanischen Modelloffensive nichts wirkliches entgegenzusetzen und versank in den 80ern in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit.

 

Eines Tages, so um 1990, entschied Giancarlo Morbidelli, dem kontinuierlichen Abstieg nicht mehr zusehen zu wollen und die Flucht nach vorne anzutreten. Ein Motorrad mit konkurrenzlosem Motorkonzept und fulminanter Leistung sollte es werden. Ein V8-Motor mit den Ausmaßen und dem Gewicht eines 1000er V2 und der Leistung eines Superbikes. Um sowohl die einheimische Konkurrenz (damals die Ducati Paso, siehe ein paar Artikel weiter vor : Motorräder, die keiner wollte) als auch die so ätzend erfolgreichen Japaner zu übertrumpfen.

 

Und der Motor wurde wirklich ein kleines Meisterstück. Im Grunde handelte es sich um einen maßstabsgetreu verkleinerten Cosworth V8. Der längs eingebaute 8-Zylinder mit nur 848ccm Hubraum verfügte über 32 Ventile und war natürlich wassergekühlt. Die bei 11.000 U/min abgelieferten 120PS waren für damalige Verhältnisse viel. Aber auch nicht so viel, dass die Konkurrenz jetzt in Ehrfurcht erstarrte.

 

Der V8-Antriebsstrang baute kürzer und war leichter als die damals aktuellen 1000er-Guzzi-V2. Und natürlich erheblich Leistungsstärker. Allerdings war Moto-Guzzi noch nie der Maßstab für Hochleistungsmotorräder.

Eine ZZR-1100 aus den frühen 90ern zum Beispiel war der Morbidelli fahrleistungsmäßig in allen Belangen haushoch überlegen. Auch wenn die fahrfertige 850er nur knapp über 200kg wog.

 

Um die Einbaulage sinnvoll zu nutzen verfügte die V8 über einen Kardanantrieb, was sie zu einem der leichtesten Kardanmotorräder überhaupt machte.

 

Antriebsseitig war also eigentlich alles im grünen Bereich. Zudem verfügte die Morbidelli über das erste volldigitale Cockpit, das lediglich aus einem LCD-Display bestand. Obwohl das ja auch nicht jeder mag. Der elefantöse Misserfolg der Morbidelli beruhte neben ihrem Peis von damals umgerechnet 60.000 $ in dem...sagen wir mal außergewöhnlichen Design des ersten Entwurfs (von keinem Geringeren als Pininfrina) und der unausgegorenen Positionierung als Supersportler im Pseudotourendress.

 

Manche meinen ja, dieser Entwurf wäre das häßlichste jemals gebaute Motorrad, aber ganz soweit würde ich nicht gehen. Jedenfalls sorgte dieses Mopped bei der Mailänder Messe 1994 für wenig spontane Gegenliebe. Eine gewisse Ähnlichkeit zur ebenfalls ungeliebten Bimota Mantra ist nicht abzustreiten.

 

Aufgrund des desaströsen Echos wurde der Entwurf komplett überarbeitet und die Morbidelli präsentierte sich dann zum Verkaufsstart in dem gefälligen Outfit eines modernen Sporttourers. So ein bischen Yamaha GTS1000 schimmert in dem neuen Desgn durch.

 

Aber da war der Ruf ruiniert und der Preis immer noch jenseits von gut und böse. Wie viele V8 letztlich produziert und verkauft wurden weiß ich nicht, Aber mehr als eine niedrige zweistellige Zahl kann es nicht gewesen sein.

 

Die wenigen, die eine V8 gefahren sind, berichten von einem sehr angenehem zu fahrenden Motorrad mit gut kontrollierbarem, weichem Leistungseinsatz in einem stabilem, aber nicht überragend handlichem Fahrwerk. Die 230km/h Höchstgeschwindigkeit beeindruckten 1995 auch niemanden mehr.

 

Damit war denn auch das endgültige Ende von Morbidelli besiegelt.

 

Eigentlich müsste sie auch noch in die "Die teuersten Serienmotorräder", wie mir gerade so auffällt.

 

Zumindest beim Design hat Horex keinen so groben Schnitzer gemacht. Obwohl natürlich noch keiner weiß, wie die irgendwann vieleicht kommenden verkleideten Varianten aussehen werden.

 

Alle Bilder von http://saameerkumar.blogspot.com


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Mein Blog hat am 16.04.2010 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

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