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Motorrad-Exoten

Blog über Motorräder, Prototypen, Einzelstücke und Designstudien, die es in Deutschland nicht oder zumindest noch nicht gibt.

18.12.2011 15:20    |    Lewellyn    |    Kommentare (8)    |   Stichworte: Brammo, Brammo Enertia, Elektromotorrad, Enertia, JEWO, Lautlos durch Deutschland

Bild1 Die Brammo Enertia
Bild1 Die Brammo Enertia

Heute starte ich mal eine neue Reihe innerhalb meines Blogs, von der ich hoffe, dass es noch viele Folgen geben wird:

 

Lewellyn on Tour - Motorradexoten im Selbsttest

 

Den Anfang macht die Brammo Enertia, über die ich in meinem 50. Blogartikel schon berichtet habe, als sie in den USA frisch auf den Markt kam.

Wunder über Wunder, kaum 1,5 Jahre später gibt es die Brammo Enertia live und in Farbe in Deutschland zu kaufen. Und praktischerweise quasi um die Ecke.

 

Allerdings werde ich diesen Selbsttest in zwei Teile splitten müssen. Der Probefahrt musste aufgrund akuten Schneeregens leider ausfallen. Wird aber in ausführlicher Form nachgeliefert.

 

Die Firma JEWO Batterietechnik mit Sitz in Bochum ist einer der ersten Händler in Deutschland. JEWO, als langjähriger und erfahrener Hersteller von Akkumulatoren aller Art sieht die Übernahme des Vertriebs als ideale Ergänzung zum bestehenden Hauptgeschäft. Wenn auch klar ist, das damit nicht in kurzer Zeit viel Umsatz zu machen ist. Einer muss ja anfangen und in der Enertia steckt mindestens so viel Akkumulatoren- wie Zweiradtechnik. Lobenswert, dass noch nicht jede Firma allein auf nackten Profit setzt. JEWO ist Partner der Lautlos durch Deutschland GmbH in Berlin, die den Import und die Vermarktung für eine Anzahl von Elektrofahrzeugen zentral organisiert.

 

Aber nun zur Brammo Enertia:

 

Die Formensprache erinnert ein wenig an die Aprilia Moto 6.5, auch hier im Blog zu finden. Die optische Anleihe der Brammo an die in den USA sehr populären FlatTrack-Maschinen ist dem amerikanischen Hauptmarkt geschuldet. In Europa ist diese Optik eher ungewohnt, ergonomisch ist das zum entspannten Motorradfahren ideal.

 

Auf den ersten Blick wirkt die Enertia wie ein optisch ungewöhnliches, leichtes Motorrad. Gefühlt würde man ihr einen 250er-400er Einzylinder zuordnen.

Sie ist größer, als sie auf Bildern bisher wirkte. Das Probesitzen gibt wenig Anlass zur Kritik. Das relativ niedrige Heck mit der Einzelsitzbank und dem gepäckbrückenartigen Kennzeichen und Leuchtenhalter erlaubt einfaches Aufsteigen. Zum Gepäcktransport ist der Träger eher nicht geeignet, da er ansonsten das Rücklich verdeckt wäre.

 

Das Aufrichten vom Seitenständer erfordert wenig Kraft. Der Schwerpunkt liegt vergleichsweise Tief. Einmal Platz und den breiten Lenker in beide Hände genommen, stellt sich leichtes Endurofeeling ein. Die Sitzbank ist straff und eher schmal, eben enduromäßig. Da die maximalen Fahretappen nur in der Innenstadt deutlich länger als eine Stunde betragen werden, wird es wohl auch keine besonderen Komfortklagen darüber geben. Die Tankattrappe zeigt sich genauso schmal wie der Rest, so dass es sich wirklich wie auf einer leichten Enduro sitzt. Man könnte problemlos im Stehen fahren. Keine Kanten oder Vorsprünge, welche den Knien im Weg sein könnten. Auch die Fussrasten sind so breit wie die Rasten an Rallye-Motorrädern und leicht gezahnt.

 

Das Cockpit ist ansprechend und modern gestaltet. Das LCD-Display neben dem grossen Tacho liefert jede Art von benötigter Information, wobei die Reichweitenanzeige wohl die wichtigste sein dürfte.

 

Sensationell ist der Kniewinkel. Ich habe aktuell kein Motorrad präsent, welches bei 1,89m Körpergröße einen Kniewinkel von gefühlt über 90 Grad bietet. Sehr angenehm. An der rechten Fussraste ist der motorradtypische Fussbremshebel, der Handbremshebel ist ebenfalls rechts, wie sich das gehört. Überhaupt ist die ganze Brammo bis auf die fehlenden Kupplungs- und Schalthebel ein angenehm normales Motorrad. Alles ist da, wo man es gewohnt ist und funktioniert auch so.

 

Wie die meisten Elektrofahrzeuge verfügt die Enertia über kein Getriebe. Gas geben - Bremsen - Lenken. Mehr ist nicht. Mehr muss nicht. Ein übergrosses Kettenblatt, gepaart mit einem kleinen Ritzel sorgt für genügend Kraft beim Anfahren und einer Höchstgeschwindigkeit von 108km/h (65Mph), die elektrinisch begrenzt ist.

 

Ein paar Worte zum Fahrwerk. Die Vorderradführung übernimmt eine Upsidedown-Gabel aus dem Hause Marzocchi mit justierbarer Dämpfung und 13cm Federweg. Hinten werkelt ein direkt angelenktes Federbein, ebenfalls in der Dämpfung verstellbar, an der Federung der Cantileverschwinge. Auch hier stehen 13cm Federweg zur Verfügung. Was nicht überragend viel ist. Wie sich das im Fahren auswirkt, werde ich dann später überprüfen. Bereift ist die Enertia mit Avon-Reifen in den Dimensionen 100/18 vorne und 130/17 hinten, was normal einen guten Kompromiss zwischen Haftung und Handlichkeit bietet.

 

Gebremst wird vorne mittels einer Scheibe und einer Zweikolbenbremszange von Brembo, die auch die hintere Einkolbenbremse liefern. Angesichts von Gewicht und möglichen Fahrleistungen sollte das locker ausreichen.

 

Der Elekromotor der Brammo leistet knapp über 15 PS, die Fahrleistungen werden also wie erwartet der einer 125er entsprechen. Im Leistungsdiagramm (Bild11) sieht man sehr schön das extrem hohe Anfahrdrehmoment von knapp 56Nm, was etwa auf dem maximalen Niveau eines 600er Einzylinders liegt. Bin schon sehr gespannt, wie sich so ein Drehmomentberg fährt. Die effektive Reichweite soll bei über 50km liegen, was natürlich für die Ausflugstour zu wenig ist. Aber das ist ja auch nicht das Ziel. Die Batterie der Brammo Enertia verfügt über nur 3 kWh. Die hier beschriebene Brammo Enertia stellt noch die Erstversion dar. In den USA und auch in Deutschland wird 2012 die Brammo Enertia Plus rauskommen, welche über die doppelte Reichweite verfügen wird. Allerdings wird diese dann nicht für € 6.899,-- zu haben sein.

 

Das Gewicht muss ich noch nachtragen: vollgetankt (ROFL) 147kg.

 

Die naheliegende Lösung mit Wechselakkus scheitert an den für ein Stadtmotorrad zu teuren Kupplungslösung. Einfache Kontaktlösungen würden die hohen Ströme nicht überleben und geeignete würden den Kaufpreis deutlich erhöhen.

 

Fazit Teil1:

 

Die Brammo Enertia macht einen guten Eindruck. Saubere Verarbeitung, passende Ergonomie, wertige Haptik. Nichts wirkt improvisiert oder billig gebastelt. Freue mich schon sehr auf die demnächst anstehende Probefahrt. Dann auch mit Onboardcam. :cool:

 

Wer direkt an JEWO Fragen stellen oder selber mal die Enertia live erleben möchte, schickt bitte eine Email an lautlos at jewo.de

 

www.brammo.com - die Webseite von Brammo.


18.12.2011 17:22    |    FranzR

Hi,

 

das mit den Stromsteckern habe ich schon mehrfach gelesen. Es ist nur komisch daß jeder elektro-Gabelstapler solche Stecker hat. Da sind weder Gold noch Diamanten verarbeitet....

 

http://www.wotol.com/.../308087_f1ae4d37709151aea8441f18e322bd2d.jpg


18.12.2011 18:04    |    Spurverbreiterung17353

Elektromotorrad sehe ich weniger sinnvoll, als Elektroroller. Bei Motorrädern steht meist der sportliche Aspekt im Vordergrund, mit weniger Platz für die Akkus.

 

Die sportliche Optik und dann nur 108 kmh Spitze bei nur ca. 50km Reichweite? Ziemlich witzlos, nur ein Elektroroller in Motorradoptik.

 

Ein bewährter Elektrogroßroller aus USA, genauso schnell aber ca. doppelte Reichweite.

http://www.vectrix.de/products/vx-1liplus


18.12.2011 18:12    |    Multimeter14759

Naja, allein vom Preis her ist der Roller zu der Brammo keine Alternative.

Für mich ist der grösste Nachteil bei diesen Fahrzeugen die doch geringe Reichweite. Es sind im Moment immer noch reine Stadtfahrzeuge. Aber das wird man wohl in den kommenden Jahren noch ändern. Bei einer Reichweite von 200km+ wäre das auch für die Landbevölkerung eine echt Alternative. 


18.12.2011 19:40    |    Lewellyn

Der Vectrix ist erheblich schwerer (210kg) und hat 3,7kw/h an Batterien. Das der damit die doppelte Reichweite hat, halte ich mal für...zweifelhaft.;)

 

Und dann ist ein Roller nunmal ein Roller.


02.01.2013 23:27    |    Turboschlumpf15756

Hallo Leute, habe mir im Oktober die Brammo Enertia als Vorführer gekauft und bin sehr zufrieden mit dem Teil. Was mich am meisten stört ist aber die Sitzbefestigung und das Schloss vom Sitz, dort wo das Ladegerät und Kabel verstaut sind. Sehr billig gemacht und nicht durchdacht. Die Reichweite ist für mich mehr als ausreichend. Ich kann zwei mal auf die Arbeit fahren(52km) und das Teil ist noch immer nicht leer. Meine Enertia läuft nach dem Tacho 104 und ist sehr sehr flott auf Endgeschwindigkeit. Vorteile: In den Tank geht nicht mehr als 1€, immer Startklar, absolut zuverlässig und darum kann ich mir nix anderes mehr vorstellen. Ach noch was, für ein Stadtmotorrad viel zu schnell ;)

 

Würde ich mir das Teil wieder kaufen? Absolut, auch wenn ich gelegentlich mit einem Auge auf die Brammo Empulse schiele.(doch das liebe Geld)


12.01.2013 13:16    |    Turboschlumpf15756

Ach übrigens bekommt man zur Zeit die Brammo Enertia als Vorführmotorrad zum Preis um 5.500€ und weniger, je nach Zustand.


23.03.2013 15:38    |    Druckluftschrauber41747

Hallo

 

ich habe seit Dezember eine Enertia Plus. Es ist sehr nett damit durch die Stadt zu fahren. Bis heute sind mir 2 Punkte mit Verbesserungspotenzial aufgefallen

- der Wind hat die Brammo umgeworfen. Dabei ist sowohl ein Teil vom rechten Rahmen, als auch die linke (!) Scheinwerferhalterung zersprungen. Sollte nicht passieren, ich glaube die Aluminiummischung ist noch nicht ganz Motorradfest

- die Leistung von der Ampel weg ist wirklich schwach. Eventuell kommt ein Nachrüstkit, bin gespannt. Dann wäre die Brammo wirklich sehr zu empfehlen

 

Rano


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