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MOTORTESTS.de - Test und Erfahrungsberichte aus der MOTOR-TALK Community

01.03.2012 15:14    |    Andi2011    |    Kommentare (21)    |   Stichworte: Dies Das

Heute mit dem Flugzeug über den Atlantik zu fliegen ist sicher schön, aber nichts wirklich Besonderes.

Mit einem fliegenden Boot übers Meer zu fliegen, noch dazu eingebettet in puren Luxus und mit zwölf wassergekühlten Motoren über dir - das war eine absolute Sensation.

Vor über 80 Jahren hörte man entlang der New Yorker Skyline das donnernde Geräusch von 12 amerikanischen Curtiss-Conqueror-Motoren mit Wasserkühlung und je 640 PS und wenn man in den Himmel sah, durchstieß da ein riesiges Flugzeug mit 48 Meter Spannweite und einer Länge von fast 41 Metern die Wolkendecke und landete kurz danach im Hudson River, direkt an der Südspitze Manhattans.

 

 

Tausende applaudierten bei der Wasserung am Hafen und der Besatzung wurde ein Ehrenempfang in Anwesenheit von Präsident Herbert Clark Hoover bereitet.

 

Aber Konstrukteur Claude Dornier ging das Geld aus und der Partner General Motors war ebenfalls mehr als knapp bei Kasse und so flog die Maschine erst neun Monate später über den Atlantik zurück nach Deutschland.

Dort wasserte sie auf dem Berliner Müggelsee, wiederum begleitet von tausenden jubelnden Schaulustigen, die aber nichts von den schwierigen finanziellen Verhältnissen wussten.

 

Es sollte der Auftakt für Flüge über den Atlantik sein, da Überquerungen bis dato nur mit dem Schiff möglich waren.Dazu sollte der Gast an Bord ähnlich wie auf einem Luxusliner allen Komfort haben den man so braucht. Auf drei Decks gab es neben großzügigen Passagierkabinen eine Küche, einen Gesellschaftsraum, einen Schlafsalon, einen Rauchsalon und eine Bar, sowie eigenes Porzellan und natürlich Champagner bis zur Landung und eine hervorragende Speisekarte.

 

Alles war geplant und vorbereitet und selbst die finanziellen Schwierigkeiten schienen langsam aber sicher bewältigt, doch dann kam wieder alles anders...die Spannungen innerhalb Europas, die Weltwirtschaftskrise und kurz darauf der 2. Weltkrieg zerstörten alle Pläne von Dornier, die Atlantiküberquerung mit dem Flugzeug in weniger als 24 Stunden zu ermöglichen. Neben zwei Modellen, die für Italien gebaut und dort zu Transportzwecken verwendet wurden, wurde kein weiteres dieser Flugschiffe gebaut.

 

 

Die Do X war der A380 ihrer Zeit - und dieser letztlich weit voraus.

Zur Erinnerung an die Pionierleistung Dorniers taufte die Lufthansa zum achtzigjährigen Jubiläum der Do X-Ankunft in New York einen Airbus A 380 in ihrer Flotte auf den Namen der amerikanischen Metropole am Hudson River.

 

Würde Dornier heute den A380 sehen, er würde wohl sagen: Wusste ich`s doch!

 

 

Danke für`s lesen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Chronologie der Do X :

 

September 1924

1. Entwurf 1190 P „Riesenflugboot“ Projekt.

 

 

Juli 1927

Fertigstellung eines Holzmodells im Maßstab 1:1 und Baubeginn

 

Juli 1929

Erste Vorstellung der Do X in der Öffentlichkeit und kurz darauf erster Start

 

Oktober 1929

Rekordflug mit 169 Betriebsangehörigen und Besatzungsmitgliedern an

Bord

 

Februar 1930

103. Erprobungsflug. Danach Abbau der luftgekühlten Siemens Jupiter

Motoren

 

August 1930

Entwurf und Ausführung der Inneneinrichtung zum Verkehrsflugschiff

Erstflug mit neuer Motorenanlage. 12 wassergekühlte Curtiss

Conqueror Motoren zu je 640 PS Startleistung.

 

November 1930

Start auf dem Bodensee. Beginn des Überführungsfluges in die USA.

Am 29. November Feuer an Bord. In Lissabon verbrennt die Bespannung der

Backbordtragfläche.

 

Januar 1931

Nach Reparatur Weiterflug von Lissabon nach Gran

Canaria, danach erneute Reparaturen und weiterflug erst im Mai

 

Juni 1931

Ankunft in Rio de Janeiro.

 

August 1931

Ankunft der Do X in New York und slipping für das Winterlager, Besichtigung für die Öffentlichkeit

 

19. bis 24. Mai 1932

Rückflug von New York nach Berlin

 

14.-21.Oktober 1934

Letzter Flug der Do X. Überführung von Friedrichshafen nach

Travemünde mit Landungen bei Norderney und Wyk auf Föhr

 

Frühjahr 1944

die Do X wird durch einen britischen Bombenangriff vernichtet

 

 

Quelle:dorniermuseum.de


01.03.2012 16:21    |    plaustri20

Interessanter Artikel, was es nicht alles gibt/gab...Wahnsinn

Heutzutage landen Flugzeuge ja auch noch im Hudson RIver, wenn ich da zwei Jahre zurückdenke:D:D (http://www.n24.de/news/newsitem_4463146.html)

 

plaustri


01.03.2012 16:26    |    Goify

Interessanter Bericht. 1933 havarierte einer auf dem Kachlet-Stausee bei Passau, was zum Ende der Do X führte.


01.03.2012 16:30    |    Achsmanschette34494

die überschrift ist mißverständlich. tatsächlich hatte die do x 7680 ps, was dir klar ist.


01.03.2012 16:46    |    Audifahrer-NRW

Toller Beitrag, vielen Dank. Ich muß ehrlich zugeben noch nie von diesem wirklich beeindruckenden Fahrzeug gehört zu haben, Schande über mein Haupt.

Gruß Frank (mit ein paar Dutzend Atlantiküberquerungen auf dem Buckel).


01.03.2012 17:22    |    Lewellyn

Wobei man sich das nicht wie eine aktuelle Atlantiküberquerung vorstellen darf.

 

Die DoX war aerodynamisch eine fürchterliche Konstruktion. Sie war viel zu schwer, die Motoren zu schwach, der Luftwiderstand zu hoch. Die "Atlantiküberquerung" nach New York hat 10(!!!) Monate gedauert und führte über die Kanaren nach Südamerika. Wobei die eigentliche Atlantikquerung mit ausgebautem Inventar und unter Ausnutzung des Bodeneffektes in nur ein paar Metern Flughöhe stattfand. Das Inventar kam per Schiff hinterher und wurde dann wieder eingebaut.


01.03.2012 17:23    |    volvo850xx

Ein faszienierendes Flugzeug ist das.

Das Ende war aber nicht so reizvoll. Mich würde mal persönlich der Verbleib der anderen 2 Maschinen interessieren. ;)

 

Danke für den Blog, war wirklich schön zu lesen!! :)


01.03.2012 18:53    |    Andi2011

Ich hab den Blog noch um ein paar Daten zur Chronologie der Do X ergänzt und die für manche nicht sofort logische Angabe zur Motorenleistung im Titel verändert,danke für den Hinweis.

 

Grüße

Andi

 

@volvo

über den Verbleib der beiden italienischen Do x ist nicht viel bekannt,sie wurden wohl von der Armee im Transport und Postdienst und vieleicht sogar als Bomber eingesetzt. Meines Wissens nach gibt es keine sicheren Erkenntnisse über den Verbleib, eine Maschine ist vermutlich über dem Meer abgestürzt.


01.03.2012 18:58    |    Krizzlybaer

Bin auch recht interessiert an alten Flugzeugen, aber eher an den Warbirds ausm 2. WK ;)

Aber mir sind auch die Augen ausgefallen bei dem Bericht, die Do X war ja der perfekte Vorgänger des

A 380, purer Luxus, Schlafkabinen, alles halt ;)

Auch interessant ist die Hughes H-4, komplett aus Holz, fast 100 Meter Spannweite... Es blieb leider nur bei einem Testflug in Bodeneffekthöhe...

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Hughes_H-4


01.03.2012 19:25    |    volvo850xx

@andi: Das die beiden in diesen "Diensten" waren ist mir schon bekannt. :p

 

Auch das es keinen sicheren Verbleib gibt. Ich habe lediglich gelesen, das die beiden wahrscheinlich verschrottet wurden. (schon 1935) :(

 

Das eine Maschine abgestürzt ist, hätte doch aber Aufmerksamkeit erregt, oder? :confused:

 

Ich fände es ja mal lustig, wenn die so ne Do X in nem Wald oder so mal finden..... :D

 

Grüße, volvo850xx


01.03.2012 19:48    |    Andi2011

@volvo

 

in einem Wald finden halt ich bei der Größe eher für unwarscheinlich:D

...es sei denn in Einzelteilen:eek:

 

Grüße

Andi


01.03.2012 20:58    |    Antriebswelle19813

Ein Hammerteil...

hatte da mal was von gehört, aber nicht so detailliert wie bei dir...;)


01.03.2012 22:41    |    stuntmaennchen

deutlich beeindruckender finde ich das/die ekranoplan, dieses monstrum ist aber weit weniger bekannt.


02.03.2012 09:18    |    Brucklyn

Ekranoplan

 

Ein Hammergerät :D

 

Die Do X fasziniert mich schon seit Kindertagen :)

Zum ausprobieren: Für den Micorsoft FS gibt's ne ganz brauchbare als Freeware


02.03.2012 09:32    |    Andi2011

Das Ekranoplan ist sicherlich sehr beeindruckend,allerdings im zeitlichen Kontext gesehen, kam die Do x da doch "ein paar Jährchen" früher;)


02.03.2012 09:47    |    Lewellyn

Das Ekranoplan ist ja ein Militärgerät, um schnelle Truppenbewegungen über See zu ermöglichen. Und unter Radar. Und nur im kaspischen Meer. Auf hoher See wären die Wellen zu hoch.

 

In dieser Riege darf die Tupolev TB-3 in ihren vielen Variationen nicht fehlen, die 1930 auch schon 40m Spannweite hatte.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/61/Zveno-2.jpg


02.03.2012 10:30    |    norske

2006 landete wasserte eine Do-24 ATT auf dem Rhein in Köln. Leider musste ich an diesem Tag arbeiten, sonst hätte ich mir das Schauspiel unbedingt angeschaut.

Ansonsten wieder einmal ein sehr interessanter und unterhaltsamer Bericht - genau wie wir das von Dir gewohnt sind, Andi.

 

Grüsse

Norske


02.03.2012 11:01    |    Andi2011

Ich hatte im Juni 2008 mal das Glück im Rahmen einer Einladung mit einem kleinen Wasserflugzeug einen Rundflug über Hamburg zu machen und auf der Elbe zu "wassern" - ein tolles Erlebnis

 

Grüße

Andi


02.03.2012 14:16    |    Brucklyn

Wo wir grad bei den Riesen sind, angefangen hat ein gewisser Herr Sikorsky ca. 1913.

Sein Werk hatte anscheinend sogar einen Schlafraum und ein Bad, Heizung, Licht,... Fehlt eigentlich nur noch ein Casino und Bordkino.

 

Ilija Muromez

 

Besonders spannend finde ich Amphibienflugzeuge

 

Berijew Be-200


04.03.2012 09:08    |    scion

Irgendwie kann man da Parallelen zu den Luftschiffen des Grafen Zeppelin sehen. Erst war das auch die Technologie der Zukunft, Atlantiküberquerungen in vollstem Luxus und nach der Katastrophe von Lakehurst, wars für alle Zeit vorbei.

 

Immerhin hat sich die Atlantiküberquerung per Flugzeug durchgesetzt. Luftschiffpläne der Neuzeit endeten in einem Freizeitpark.

Tropical Islands


04.03.2012 12:37    |    Andi2011

Erfolgreiche Atlantik -Überquerungen erledigte wenige Jahre nach Dornier dann die Boeing 314.

Dieser Clipper wurde von 1938 bis 1941 produziert und wurde wenige Monate (dann kam der 2. Weltkrieg) zum Überflug eingesetzt.

Die 314 war ebenfalls eines der größten Flugzeuge seiner Zeit von und hier galt ebenfalls: Luxus pur!

 

Alllerdings war das Vergnügen auch damals nichts für Normalsterbliche - die 680 Dollar für den Überflug lägen heute bei ca.8200 Euro

dafür kam man aber in unschlagbaren 24 Stunden von Southampton nach New York :)

 

Ein tolles und beeindruckendes Fluggerät!

 

Grüße

Andi


Bilder

19.05.2012 22:28    |    Achsmanschette40383

Zum Thema DO-X und verbleib. Es passierte ein Absturz bei einem ( von mehreren )

sehr heiklem und sehr gewagten *Einsatz* 1936..

 

Mich interessiert ob für diesen Crash damals eine ERSATZ - Maschine hergeschafft wurde.

oder ob man das Fehlen bis 1944 vertuscht hat und dann es zum BOMBER-SCHADEN

durch Alliierte hinmogelte.

 

gruss

st.H.

zugleich@live.de


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