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Tinos Stammtisch

04.10.2011 00:38    |    tino27    |    Kommentare (11)

Am Samstag fand in Dortmund die 11. Dortmunder Museumnacht statt. Ich wollte immer schon mal mitmachen, aber diesmal hat es geklappt. In der Natur der Museumsnacht liegt es, dass es mehr Angebote gibt, als man besuchen kann. Also hieß es vorher eine Tour zu planen.

 

Gegen 18.00 ging es dann auch los. Erstes Ziel war die Loge der Freimaurer. Ich war erstaunt, dass diese überhaupt hier eine Loge haben. Im Tempel fand gerade eine Lesung statt, weswegen ich da nicht weiter stören wollte. Also schnell die Tafel aller bekannten Freimaurer angesehen und schnell noch ein Bier getrunken, dann weiter.

 

Mit der Stadtbahn ging es weiter zum Adlerturm. In und um diesen einzigen wieder aufgebauten mittelalterlichen Wallturm fanden verschiedenen Veranstaltungen statt. Ich kam hier her, um mir etwas über mittelalterliche Ernährung anzuhören. Vieles war mir zwar schon bekannt, aber trotzdem faszinierend, dass damals schon Safran und Nelken verwendet wurden und Pfeffer mit Lindensamen gestreckt wurde. Zum Abschluss gab es noch Hirsebrei, Fettbrote, sowie gebratenen Käse mit einer Art süßen Kirschsoße.

 

Nun war es schon kurz vor 8. Nächstes Ziel war die Reinoldikirche. Ab 21.00 sollte eine mittelalterliche Führung starten, also noch eine Stunde Zeit. Auf dem Weg lag die Berswordt-Halle. Darin spielte die Band „My favorite sings“ gerade ein paar Lieder von Simon and Garfunkel. Also schnell ein Bier nachgeschoben und etwas entspannt. Dan aber weiter zu Reinoldi.

 

An der Kirche angekommen, musste man erst mal reinkommen. Also rein in einen Pulk und mitgelaufen. In der Kirche las Rufus Beck aus seinem Buch. Hm, ging so. Also wieder raus. Wo geht die Führung denn jetzt los? 21.04, niemand zu sehen. Noch mal ins Programmheft geschaut, verdammt. 21.30 ist die Führung. Gleichzeitig zum Beginn des Turmaufstieges der Kirche. Wie soll ich das schaffen, wenn ich kurz nach 22.00 auf dem Friedensplatz sein will – eines muss ausfallen. OK, Turmaufstieg ist sicher die bessere Wahl, aber erst mal was essen. Ab zu Burger King, Doppel Whopper – oh nein, ein Problem, aber es gibt ne Cola extra für langes Warten.

 

Wieder zur Kirche. Och nee, da stehen schon gut 80 Leute, nur 60 werden gleichzeitig hochgelassen. Ich muss in den ersten Rutsch. Also geht’s in die Kirche, Rufus Beck ist gerade fertig und die Hörer wollen raus. Das Gewühle nutze ich, mogel mich nach vorn und ergattere eine der 60 Zählkärtchen. Erst geht es im Kreis die Wendeltreppe rauf, vorbei am Geläut. Es gibt den Hinweis: alle 15 Minuten gibt es einen Gong. Endlich oben, der Blick ist fantastisch – richtige Entscheidung. Nur die 500W Lampen, die den Turm anstrahlen, stören etwas. Dann wieder runter, wollen doch noch mehr Leute hoch.

 

Jetzt geht’s zum Friedensplatz. 22.30 sollen hier Maltesische Feuerräder leuchten und drehen. Es ist noch genug Platz. Es folgen 18 Minuten Feuerwerk usw. Die 4 großen Räder sind echt das Highlight – sowas hab ich noch nie gesehen. Gut, die 11. Stunde ist voll. Was nun? Ab ins U.

 

Gemeint ist der U-Turm. Früher ein Turm der Unionsbrauerei, nun Kunst- und Kreativzentrum. Da oben die Disco VIEW im 7. Stock auch bald auf macht, gibt es gemischtes Publikum. Im ersten Stock gibt’s ne Fotoausstellung. Menschen und Szenen aus dem Ruhrgebiet. Darüber ist das Museum am Ostwall. Aber erst mal ganz nach oben. In Durchschnittsklamotten mal einen Blick ins VIEW werfen. :D Dann wieder runter. Der Hartware Medienkunstverein hat eine Ausstellung namens Proto Anime Cut eingerichtet. Nun, ich bin kein extremer Freund davon, aber diese Ausstellung begeistert. Detaillierte Zeichnungen von bekannten Filmen, begeisternde Kunst, witzige Ideen, vieles zum Anfassen und ausprobieren. Die Zeit verfliegt, Zeit auszuruhen. Am besten gelingt das in dem neuen Erker. In den Kissen kann man sich gemütlich die Stadt bei Nacht ansehen. Genial. So, weiter, noch ins Museum Ostwall. Oh ha, hier gibt’s richtige Kunst. Das ist nichts nach so vielen Stunden. Rückzug.

 

Der Tacho sagt 1:53. Die Beine zeigen Ermüdungsspuren. Zurück zu Reinoldi und ab mit dem Nachtexpress nach Hause.


04.10.2011 09:26    |    waldrallye

Was ich mich frage: wie läuft das bei Freimaurern so ab? Im November habe ich vor ebenfalls an einer Loge vorbeizuschauen


04.10.2011 09:51    |    tino27

So richtig konnte ich das auch nicht in Erfahrung bringen. Es geht wohl scheinbar um die ständige Arbeit an sich selbst, was auch immer das heißen mag. Aber man will ja nich offensiv werben, sondern man soll selbst zu denen finden.

 

War schon etwas seltsam, da man nur die Gerüchte kennt und das eher wie offene Tür von einem Heimatverein war.


04.10.2011 09:54    |    Daemonarch

Jetzt ärgere ich mich doch etwas, das ich mal wieder zu faul war, mich in die Stadt zu quälen! :rolleyes:


04.10.2011 11:31    |    Goify

Eigentlich wird man ja ernannt. Man kann da, soweit ich weiß, keine Bewerbung hinschicken. So ähnlich, wie bei den Rotatiern.


04.10.2011 13:59    |    tino27

Ich habe eine Karte mitgenommen, bei der man um Infos und Aufnahme in den Einladungsverteiler bitten kann. Ich überleg mir das noch. :)


04.10.2011 14:52    |    hades86

Du musst ein "freier Mann von gutem Ruf" sein (das heißt bspw. nicht alkoholabhängig und du darfst dir salopp gesagt nichts zuschulden kommen lassen haben), um Freimaurer zu werden und kannst jederzeit deine Aufnahme beantragen - die Brüder entscheiden dann darüber. Wenn man kein ernsthaftes Interesse an der Sache hat, würde ich das aber nicht empfehlen.

Irgendwelche materiellen Vorteile darfst du dir nicht erhoffen, es geht allein um die "Arbeit an dir selbst", du bist (auf geistiger Ebene) ein rauer Stein, den du nach und nach bis möglichst zur Vollkommenheit glättest.

Es gibt übrigens nicht "DIE Freimaurer", das ist keine weltumfassende Verschwörerorganisation, die Logen sind rechtlich gesehen einfache eingetragene Vereine. Du hast nur EINE Freimaurerloge, im speziellen Fall eine Johannisloge (also eine, die nur mit den ursprünglichen drei Graden konform zu den Alten Pflichten von 1723 arbeitet und keinen Erwerb von Hochgraden praktiziert) besucht.

 

Wenn die Loge ihren Tempel (der heißt nur so, weil dort rituelle Arbeiten durchgeführt werden, nichts Sakrales) für Besucher geöffnet hatte, hättest du das nutzen sollen, um einen Einblick zu gewinnen. Freimaurerei besteht aber nicht nur aus Tempelarbeit und die ganzen Verschwörungstheorien solltest du lieber über Bord werfen, bevor du anklopfst.

 

Einführend könntest du u. a. mal hier reinschauen:

 

GIESE, Alexander: Die Freimaurer. Eine Einführung.

MILITZ, Philip: Freimaurer in 60 Minuten.


04.10.2011 14:59    |    Goify

Ist der Sinn eher eine Art erweiterte Akquise für die eigene Firma?


04.10.2011 15:08    |    hades86

In keinem Fall.


04.10.2011 15:09    |    Goify

Hmm, und warum ist es so "sagenumwoben" und "geheim"?


04.10.2011 15:17    |    hades86

Ist es gar nicht. Der Begriff des Geheimen stammt noch aus dem 18. Jahrhundert und bedeutete damals nicht das Gleiche wie heute, sondern einfach dass etwas nicht der Öffentlichkeit zugänglich war. Die komplette Erklärung würde jetzt zu weit führen, aber du musst dir vorstellen, dass das nötig war, weil Freimaurer seit jeher Werte der Aufklärung vertreten. Die Logen waren ein Ort fernab der Aufsicht durch (vereinfacht ausgedrückt, der Begriff ist diskutabel) den "absolutistischen Staat".


22.05.2012 10:48    |    HerrLehmann1973

Einen zeitgeschichtlichen Einblick in das Freimaurertum bekommt man, wenn man die Person des "Pierre" in Tolstois Roman Krieg und Frieden einmal verfolgt.

Hades hat das schon sehr gut inhaltlich umschrieben.

Der immer wieder gern zu Mythen herangezogene verschwörerische Ruf der Freimaurerei ergibt sich wohl auch aus dem zeitgeschichtlichen Kontext der Aufklärung und Reaktion nach den napoleonischen Kriegen.

Die Freimaurer waren als der Philantropie Verschriebene durchaus intellektuelle Wegbereiter für Bauernbefreiung und gesellschaftliche Umbrüche zum Liberalismus.

Da sie nicht als offene Bürgerschaft sondern eben als nicht offizielle Gemeinschaft agierten, waren sie vielen Konservativen aus dem national-adeligen Establishment eher suspekt.

Der weiten Verbreitung dieser Meinung hat vermutlich nicht zuletzt auch Conan Doyles Adaption der Freimaurerthematik in dem Holmes-Roman "Tal der Angst" weiteren Vorschub geleistet.

 

Wer also meint, mit seinem Beitritt zur Freimaurerloge hätte er den ersten Schritt zur Weltherrschaft getan, sollte nicht allzu enttäuscht sein, wenn er dann doch nur Fundraising, akademische Selbstreflektion und ein bißchen Vereinsmeierei realiter erlebt ;)


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