• Online: 5.535

27.01.2017 23:21    |    ElHeineken    |    Kommentare (10)    |   Stichworte: Exportieren, Honda, NA1, NSX

Zweiter aber nicht letzter Teil zum NSX-Import. Nachdem es im ersten Teil hauptsächlich um die Theorie ging wollen wir jetzt über die Praxis und insbesondere über Geld reden ;)

 

Beginnen wir am Anfang. Wir hatten eine Entscheidung für den Exporteur JCE Autos. Als Japan-Ansässiger in diesem Spiel war es meine Aufgabe Kontakt aufzunehmen, alles notwendige zu klären und mit JCEs Hilfe das Auto aufs Schiff zu bekommen.

 

Das ersten Angebot war vom 16. Dezember 2015 und die Transportkosten werden in US-Dollar bezahlt. Da der Yen zwischenzeitlich stark an Wert zugelegt hatte wurde zuerst ein neues Angebot eingeholt:

 

Daraus ergab sich eine Reduzierung des Preises um etwa 200 Euro. Zu bezahlen wären damit ca. 2750 Euro für den Transport im Container oder alternativ ~1900 Euro im Falle von Roll-On-Roll-Off.

 

Zusammen mit den deutschen Scheinwerfern steht der Zähler damit bei 2750 + 850 = 3600 Euro

 

 

 

 

 

Bevor der Wagen ausgeführt werden kann muss er abgemeldet und ein sogenanntes Exportzertifikat erstellt werden. Wer japanische Behörden kennt versucht das besser nicht mit beschränkten Japanisch-Kenntnissen. Daher war ich sehr froh, dass JCE mir diese Aufgabe abgenommen hat.

 

Zur Vorbereitung hieß es allerdings eine Vollmacht für JCE auszustellen. Die Vollmacht muss unterschrieben sein, was in der Praxis bedeutet sie muss mit einem behördlich registriertem Stempel (Hanko) gestempelt und ein Stempel-Zertifikat der Behörde beigelegt werden. Diese Zertifikate sind nur drei Monate gültig und waren in meinem Fall natürlich abgelaufen. Also erst mal zum Bürgerbüro und neue besorgen.

 

Zusätzlich benötigt wird der Fahrzeugbrief (Shaken-Sho) und der Nachweis, dass man seine Kfz-Steuer bezahlt hat (Jidoshazei Nozeishomei). Da der NSX regulär angemeldet war kein Problem.

 

Um den Prozess abzuschließen werden auch die Kennzeichen des Wagens benötigt. Leider werden sie nicht wie in Deutschland entstempelt sondern eingezogen (habe mir als Erinnerung aber einen passenden Schlüsselanhänger gravieren lassen).

 

Für die Vorbereitung der Abfertigung in Deutschland sind noch die folgenden Papiere von Nöten:

 

  • Kaufvertrag
  • Passkopie
  • Eine Rechnung eines Gas/Wasser/Stromversorgers (als Bestätigung der eigenen Adresse)
  • Kfz-Versicherungsvertrag
  • Nachweis über die Bezahlung der Kfz-Versicherung
  • Ein offizieller Brief des Arbeitgebers der meine Zeit in Japan bestätigt
  • Fahrzeug-Scheckheft/Wartungsnachweis

 

Hintergrund ist die Regelung, dass Autos die man im Ausland für eine gewisse Zeit besessen und beim Rückzug in die EU Zoll und steuerfrei importieren kann. Dafür müssen aber Nachweise erbracht werden, u.A. Elemente der Liste oben.

 

Das Fahrzeug darf in Deutschland dann aber anschließend ein Jahr lang nicht verkauft, vermietet oder verliehen werden sonst wird's teuer. Kollegen haben schon davon berichtet, dass einen Tag vor Ablauf der Zeit der Zoll kurz mal das Auto sehen wollte (bei 19 % MwSt + 10 % Zoll durchaus ein größerer Batzen).

 

Da man nicht alle Dokumente wieder zurückbekommt (wie z.B. den Fahrzeugbrief) sollte man unbedingt vorher Kopien/Scans davon machen sonst hat man später z.B. beim Deutschen Zoll oder der Steuer nichts in der Hand.

 

Ohne Kennzeichen kein Fahren auf der Straße also musste der NSX zuerst zum Ladeterminal nach Kawasaki. Netterweise haben sie auch Samstags offen. So konnte ich ohne Stress hinfahren und mit einer Träne im Knopfloch, sowie Bus und Bahn, wieder nach Hause fahren.

 

Bei der Abgabe ist es wichtig reichlich Fotos vom Auto zu machen und sich den schadensfreien Empfang quittieren zu lassen. Nichts ist schöner als Firmen die sich gegenseitig die Schuld für eine Beschädigung zuschieben.. (wie es gerade bei einem Kollegen der Fall ist).

 

Am Abend holte dann ein Mitarbeiter von JCE alles ab und lieferte einige Tage später die Resultate seine Arbeit:

 

  • Das Export Zertifikat

 

 

  • Eine offizielle Besitz-Historie

 

 

 

 

Nach dem Erhalt der Verschiffungsbestätigung muss die Versicherung informiert werden. Anders als in Deutschland wird sie bei Abmeldung nicht automatisch aktiv. Erst bittet man telefonisch nach dem Kündigungsformular, lässt sich beim Ausfüllen helfen und schon einige wenige Telefonate später sind alle Ungereimtheiten geklärt (z.B, dass sie nicht einfach nächsten Monat den Jahresbetrag abbuchen und dann später ein Rückerstattung machen können). In meinem Fall musste ich einen bestimmten Betrag überweisen und dann nur noch sicherstellen, dass das Geld auch angekommen ist.

 

Man erhält dann auch ein Formular über unfallfreies fahren was man bei einer späteren Anmeldung zur Reduzierung des Versicherungsbetrags (Schadensfreiheitsklasse) verwenden kann (sollte es mal soweit kommen).

 

Wegen der Steuer bekommt man automatisch Post, in meinem Fall einen Scheck den man bei der Post gegen Bargeld einlöst.

 

Die Bezahlung der Rechnung von JCE scheiterte beim ersten Durchlauf wieder mal an meiner Bank da sie (auch bei Firmen mit englischem Namen) nur Japanisch im Empfängernamen akzeptierten.

 

Neben dem reinen Transport muss noch die Transportversicherung abgeschlossen werden. Da wir uns für "Full Insurance" entschieden haben sind das 2,5 % vom Fahrzeugwert. Bei geschätzten 3,6 Mio Yen (ca. 30.000 Euro) sind das 750 Euro. Aktueller Zählerstand: 3600 + 750 = 4350 Euro

 

Nun hieß es warten auf die Ankunft des Containers in Bremen aber auf Grund des eigenen Umzugs wurde es ja nicht langweilig.

 

Nebenbei wurden bei Honda noch die Zulassungspapiere beantragt. Nach Angabe einiger Daten (wie Fahrgestellnummer, etc.) werden sie für 140 Euro zur Verfügung gestellt. Aktueller Zählerstand: 4350 + 140 = 4490 Euro

 

Im nächsten NSX-Blogeintrag sehen wir dann was in Deutschland passiert und wie sich der Kostenzähler dort weiter dreht..

Hat Dir der Artikel gefallen? 9 von 9 fanden den Artikel lesenswert.

05.01.2017 22:30    |    ElHeineken    |    Kommentare (33)    |   Stichworte: Export, Honda, Import, NA1, NSX, Scheinwerfer, Zoll

Wird ja schon lange mal Zeit wieder über den NSX zu schreiben und hier ist schon mal ein erster Teil.

 

Voraussetzungen klären

Von technischer Sicht gibt es einige Hintergründe die man bei einem Import kennen sollte.

Als erstes die Frage ob so ein Modell mit dem selben Motor schon einmal in Deutschland zugelassen war. Wenn dies nicht der Fall ist wird es sehr kompliziert bis unmöglich den Wagen auf die Straße zu bekommen. Beim NSX kein Problem die nötigen Papier bekommt man sogar (gegen Geld) von Honda.

 

Alle Frontscheinwerfer müssen zum jeweiligen Verkehr (links/rechts) passen. Sie müssen außerdem eine e-Kennzeichnung haben. Mit jeder Veränderung an den Scheinwerfern (z.B. der Einbau von Xenon-Brennern oder das umbauen von Rechts- auf Linksverkehr) verliert man die e-Zulassung.

 

Wenn nicht vorhanden kann ein Lichtgutachten helfen (beliebt vor allem bei US-Cars) aber es ist recht teuer (einige 100 Euro pro Stück) und bei nicht bestehen ist das Geld futsch.

 

Xenon ist bei typischer Leistung in Deutschland übrigens nur zusammen mit einer automatischen Leuchtweitenregulierung und einer Scheinwerfer-Reinigungsanlage zulässig. Ausnahmen gibt es (für Importe) keine.

 

Da weder die Umrüstung auf Rechtsverkehr noch der Einsatz von Xenon (mein NSX hat nicht mal eine manuelle Leuchtweitenregulierung) möglich wäre benötige ich also europäische Linkslenker-Frontscheinwerfer für die Zulassung meines NSX.

 

Hier drohte es dann zum ersten Mal teuer und kompliziert zu werden. Bei Honda ist die rechte Seite auf unbegrenzte Zeit auf Backorder und die linke angeblich lieferbar aber praktisch auch nicht zu bekommen (vom Preis von ~1000 Euro pro Stück mal abgesehen).

 

Mein Versuch beim üblichen Verdächtigen für NSX-Gebrauchtteile ging dann auch gleich ordentlich in die Hose. Bei einem ersten Gespräch wurde mir signalisiert, dass alles kein Problem sei, er habe noch einige da und die Preise lägen zwischen 300 und 500 Euro.

 

Einige Monate später dann (als es konkret werden sollte) hieß es dann, dass er wegen des fehlenden Nachschubs bei Honda jetzt den Neupreis verlangen müsste also mal kurz das Doppelte :eek:. Da habe ich dann erst mal dankend abgelehnt. Letzter Stand ist übrigens, dass er nun 3800 Euro für ein Paar haben möchte :rolleyes:

 

Technisch gibt es hier nur einen Ausweg an Originalscheinwerfern vorbeizukommen und das sind Scheinwerfereinsätze. Die Firma Hella bietet Scheinwerfermodule mit e-Zulassung an die man nach dem Selbstbau einer entsprechenden Halterung anstelle bestehender Scheinwerfer einsetzen kann. Ein Spezialist meines Importeurs könnte das für ca. 400 Euro pro Seite realisieren.

 

Seit ich mit der Preisexplosion konfrontiert wurde habe ich aber auch parallel die Auktionshäuser in Japan abgeklappert und bin tatsächlich fündig geworden.

 

Ein Japaner verkaufte einen Satz deutscher NSX-Scheinwerfer (die er mal auf Xenon umbauen wollte) für umgerechnet 850 Euro. Da war schnelles Handeln angesagt.

 

Mit der Unterstützung eines japanischen Kollegen (um einige Hintergrundfragen zu klären) stand bald darauf das lang ersehnte Paket vor der Tür und ich hatte ein großes Problem weniger denn mit Scheinwerfereinsätzen ist nämlich eine später mal geplante Oldtimer-Zulassung nicht möglich.

 

Zusätzlich benötigt der NSX noch eine Nebelschlussleuchte. Neben dem nachträglichen Einbau (was ziemlich gewöhnungsbedürftig aussieht) kann dafür auch eine der Rückfahrleuchten auf Rot umgerüstet und mit einem separaten, beleuchteten Schalter angesteuert werden.

 

Da wir ja eh bei japanische Gebrauchtteilen unterwegs waren gleich noch für ~15 Euro einen zweiten Nebelleuchtenschalter besorgt der in nahezu perfektem Zustand ankam. Der Neupreis in Deutschland liegt übrigens bei ca. 100 Euro. Will gar nicht wissen was der Kollegen mit den Scheinwerfern für den verlangt hätte :D

 

Da im entsprechenden Tastenfeld noch freie Stellen übrig sind können wir das nun sehr schön realisieren, insbesondere ohne Nachrüst-Schalter die nicht zum Innenraum passen.

 

Einen Exporteur wählen

Mein erster Check ob eine Zulassung in Deutschland möglich ist ging über den Japan-Spezialisten RHD Speedmaster und von dort aus zu Japan-Imports. Dieser schlug dann seinen Partner auf japanischer Seite vor, JCE Autos.

Vermutlich wäre es an dieser Stelle clever gewesen auch alternative Angebote zu prüfen aber dazu später mehr.

Grob kann man sagen, dass man für mehr Geld auch meist mehr Leistung bekommt (wie z.B. einen Englisch sprechenden Kontakt, Übersetzungen der Papiere und persönliche Abholung).

 

Transportart wählen

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten ein Auto über die Weltmeere zu transportieren:

 

  • Roll-on-Roll-off (Schwimmendes Parkhaus)
  • Container (Ein Auto pro Container)
  • Multi-Pack Container (Mehrere Autos pro Container)

 

Roll-on-Roll-off ist der beste Kompromiss aus Wirtschaftlichkeit und Risiko. Der Wagen muss Fahrbereit sein und wird auf ein speziell dafür konstruierten Schiff gefahren, dort vertäut und am Ziel wieder heruntergefahren. Die reinen Transportkosten auf dem Schiff sind niedriger als ein einzelner Container. Insbesondere die Kosten rund um das Fahrzeughandling (Entladen, Zollparkplatz, etc.) sind hier deutlich günstiger.

Außer dem Fahrzeug können keine weiteren Teile transportiert werden außer es handelt sich um typisches Auto-Zubehör wie z.B. Winterreifen. Hintergrund ist in erster Linie die Zollbearbeitung (keine Sonderwünsche).

Durch die sechs Wochen in Seeluft leidet die Lackierung. Bei weißem Uni-Lack kommt man um eine Politur üblicherweise nicht herum.

 

Im eigenen Container reist das Auto sicher und mit geringstem Risiko. Das Verladen des Autos in den Container sowie des Containers aufs Schiff ist jedoch deutlich teurer als bei Roll-on-Roll-off.

Leider hören hier die Kosten nicht auf denn der Container muss ja wieder herunter vom Schiff, geöffnet und entladen sowie durch den Zoll gebracht werden.

 

Die Methode Multi-Pack sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

 

Dabei werden mehrer Fahrzeuge unter Einsatz maximaler Kreativität in einen einzelnen Langcontainer gepackt. Die Auto stehen dabei z.B. auf ihren Bremsscheiben und/oder werden mit Ketten in den Container gehängt.

 

Auch mit sehr viel Vorsicht wird es hier nicht ohne Schäden abgehen und kommt damit nur für Exporte in Länder in Frage auf deren Gebrauchtmarkt nicht so viel Wert auf so etwas gelegt wird.

 

Da Japan sehr viele Gebrauchtwagen in seine meist ärmeren Nachbarländer exportiert ist diese Transportart häufiger anzutreffen als man vielleicht auf den ersten Blick denkt.

 

Transportweg wählen

Neben dem Art des Transports gilt es auch sich zu entscheiden wie viel Eigenleistung man einbringen möchte. Alle Transportarten existieren in diesen Versionen:

 

  • Port-to-Port (Verschiffung vom Export- zum Importhafen)
  • Door-to-Port (Abholung des Wagens und Verschiffung zum Importhafen)
  • Port-to-Door (Verschiffung vom Export- zum Importhafen und Transport zur eigenen Haustür)
  • Door-to-Door (All Inclusive)

 

Wichtig ist dabei zu klären welche Handlingkosten bei welcher Variante eingeschlossen sind. Bei X-to-Port sind z.B. die Entlade- und Zollpapiere am Importhafen üblicherweise nicht enthalten was eine unangenehme Überraschung darstellen kann.

 

Da es in Deutschland mit der aktuellen Kurzzeitkennzeichenregelung nicht möglich ist ein Auto ohne TÜV längere Strecken zu bewegen muss mit mindestens einem Autotransport innerhalb Deutschlands gerechnet werden.

 

Versicherung wählen

Auch hier gibt es drei Möglichkeiten:

 

  • Keine Versicherung (ist dann halt Pech)
  • Salvage Insurance (nur Komplettverlust)
  • Full Insurance (Transport und Komplettverlust)

 

Ohne Versicherung keine Kosten. Versicherung gegen Komplettverlust kostet 1,5 % des Fahrzeugwerts, Versicherung gegen Komplettverlust und Transportschäden liegt bei 2,5 %. In allen Fällen gilt eine Selbstbeteiligung von ca. 250 Euro. Piraterie und Terror sind übrigens ausgenommen ;)

 

Und los gehts

Etwa sechs Wochen vor der endgültigen Rückkehr nach Deutschland sollte der Export stattfinden. Hintergrund war, dass noch Steuerrückzahlungen zu erwarten und die Abwicklung der Versicherung notwendig waren. Beides gestaltet sich sehr kompliziert wenn man (nach der Abreise) kein Konto und keine Adresse mehr in Japan hat also lieber zu früh als zu spät.

 

Für den NSX habe ich mich dann für die folgende Kombo bei JCE Autos entschieden (habe ihn wohl doch zu lieb gewonnen):

 

  • Transport im eigenen Container
  • Port-to-Port
  • Full Insurance

 

Hintergrund waren damals der (vermeintlich) geringe Aufpreis zwischen Container und Roll-on-Roll-off, die Möglichkeit den Wagen selber zum Hafen zu bringen (Port-to) und dass ich wegen der Ankunft im Winter den Salznebel auf einem offenen Standard-Autotransporter vermeiden wollte (to-Port).

 

Was das alles am Ende bedeutet hat, das nächste Mal mehr :cool:

Hat Dir der Artikel gefallen? 12 von 12 fanden den Artikel lesenswert.

05.06.2016 07:48    |    ElHeineken    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: Honda, ksp, NA1, NSX, Servo, T3TEC

Die Zeit in Japan neigt mit dem Jahr 2016 dem Ende entgegen. Spätestens im Dezember 2016 geht es (zusammen mit dem NSX) zurück nach Deutschland. Nach dem Ende der Wintersaison jetzt also die letzte Chance Dinge reparieren zu lassen oder Teile zu besorgen, die in der Heimat nur zu großen Kosten oder mit viel Aufwand zu bekommen sind.

 

Wie manche wissen handelt es sich bei meinem Wagen um einen NSX mit Automatikgetriebe. Da ich keine Rennsportpläne habe, der 1997er manuelle Gangwahl am Lenkrad besitzt und nicht zuletzt die Auswahl, Zustand und Preis der Automatikmodelle am Markt deutlich besser war, viel die Wahl damals nicht schwer.

 

Das Automatikmodell besitzt, weil weniger sportlich, seit Verkaufsstart eine elektrische Servolenkung. Dabei handelt es sich um eine der ersten serienmäßigen Lenkungen dieser Art. Wie auch im Honda Prelude von 1988 (dort als Hydraulik) ist sie Geschwindikeitsabhängig und ab ~50 km/h komplett deaktiviert.

 

Ein bekannter Schwachpunkt der Konstruktion ist jedoch ein unterdimensioniertes Lager, das die Kräfte des Elektromotors auf die Spurstange überträgt. Das immer größer werdende Spiel vermittelt das Gefühl es sei etwas mit der Lenkung nicht in Ordnung und unterhält außerdem mit Klack-Geräuschen bei jeder Bewegung des Lenkrades.

 

Das Video hinter diesem Link zeigt recht anschaulich was in so einem Fall passiert: http://tyiz.jp/NSX/PowerSteering/GearboxOH/GearboxOH.wmv

 

Wie bei nahezu allem am NSX sind die Ersatzteilpreise ziemlich hoch. In Japan liegt eine neue Servo bei 400.000 Yen (~3.500 Euro), in Europa vermutlich noch deutlich höher. Außerhalb Japans ist der Tausch außerdem die einzige Möglichkeit den Defekt zu beheben.

 

Obwohl der Vorbesitzer meines NSX bereits bei bei etwa 60.000 km eine neue Servo einbauen ließ waren die Probleme bei 110.000 km schon wieder deutlich zu erkennen und es führte kein Weg an einer Reparatur vorbei, auch mit Hinblick auf die Zulassung in Deutschland (auch wenn der Fehler nicht sicherheitskritisch ist muss man das erst dem TÜV erklären).

 

In der Provinz Saitama gibt es eine kleine Firma mit dem Namen T3TEC die sich in besonderer Weise um den NSX kümmert. Ihre Stärke ist insbesondere die Suche nach Lösungen für bekannte Probleme..

 

Im Falle des NSX sind sie weltweit die einzigen die eine Reparatur des ausgeschlagenen Lagers entwickelt haben. Mit 62.640 Yen (~520 Euro) ein Schnäppchen im Vergleich zum Austausch aber auf Grund der verbundenen Kosten (Aus- und Einbau, Spureinstellung, Kleinteile) trotzdem ein satter Brocken von ca. 1200 Euro.

 

Hier die Google-Translator-Version der japanischen Seite auf der die Überholung der Servo im Detail beschrieben ist: https://translate.google.com/translate?...

 

In meinem Fall sollte die Arbeit jedoch nicht von T3TEC sondern ksp Engineering im Westen Tokios durchgeführt werden. Hauptsächlich wegen der Entfernung (ksp ist auch ohne Shinkansen zu erreichen) die Arbeit und das Equipment ist aber das selbe.

 

Diesmal hatte keine meiner Kollegen Zeit und ich musste daher mein ganzes Minimal-Japanisch zusammenkratzen (bei ksp spricht leider keiner Englisch), per E-Mail einen Termin ausmachen, Wagen hinbringen und abholen. Interessanterweise hat alles gut geklappt, war selber überrascht.

 

Mit reichlich Sicherheit im Rücken ging es Samstag früh los, dementsprechend war ich deutlich zu früh dort. Morgens aus Tokio raus hat man eigentlich immer nur die Wahl passend los zu fahren, im Stau zu stecken und zu spät zu kommen oder aber früh aufzubrechen, staufrei durchzukommen und dann am Ziel Zeit totzuschlagen..

 

Nach dem Abgeben des Autos wurde ich noch zum Bahnhof gefahren und konnte anschließend die Reparatur auf Facebook verfolgen. ksp berichtet dort täglich über das was sie so in die Schrauberfinger bekommen: https://www.facebook.com/kspeng.co.jp/

 

Insgesamt eine Woche hat alles gedauert aber der Honda war auch nicht das einzige Auto in der Werkstatt. Begonnen wurde mit der Demontage der Servo. Dabei ließ sich eine der Spurstangenköpfe nicht lösen: Ja, kommt auf die Rechnung.

 

Die Servo wurde dann zur Demontage auf die Testbank geschraubt, zerlegt, gereinigt, das Lager verstärkt und alles wieder zusammengebaut (Detailfotos unten in der Fotogalerie). Dabei zeigten sich an den Stromanschlüssen Rost und einen Bruch im Plastik: Besser neu.

 

Vorteil an dieser Vorgehensweise ist natürlich, dass man Ende fast ein Neuteil in Händen hält.

 

Nach der Überholung der Servo wurde abschließend noch die Spur eingestellt (Protokoll gab es zur Rechnung dazu). Auf dem dazugehörigen Foto kann man erkennen, dass sie die Felge mit Klebeband gegen mögliche Kratzer geschützt haben. Man merkt, dass hier auch häufig Ferraris umsorgt werden.

 

Zum Ergebnis: Bei der ersten Fahrt habe ich das Auto kaum wiedererkannt, ein Lenkgefühl wie bei einem Neuwagen. Besser hätte es fast nicht werden können.

 

Das der Wagen gewaschen und gestaubsaugt wurde und man die getauschten Teile in einer Kiste im Fußraum des Beifahrers mitbekommen hat erwähne ich schon gar nicht mehr.

 

Auch wenn man viel Geld da gelassen hat kann man sich für die Arbeit, das Ergebnis und den Service wahrhaftig nicht beklagen. Vor lauter Begeisterung über das neue Fahrgefühl noch am gleichen Tag freudige 200 km abgespult..

 

Hat Dir der Artikel gefallen? 19 von 19 fanden den Artikel lesenswert.

02.05.2016 15:46    |    ElHeineken    |    Kommentare (28)    |   Stichworte: Honda, Japan, NA1, NSX, Shaken, Steuer, TÜV, Versicherung

Auch in Japan heißt es oft "bis das der TÜV uns scheidet". Der Name lautet hier "Shaken", zusammengesetzt aus den Worten "Scha" (Auto) und "Ken" (Test). Die Untersuchungsintervalle sind (analog zu Deutschland) bei Neuwagen alle 3 Jahre, danach alle 2 Jahre.

 

Während TÜV, Steuer, Haftpflicht und Inspektion in Deutschland getrennt sind wird das in Japan traditionell als Paket verkauft.

 

Im Idealfall schreibt einen der Verkäufer des Wagens vor Ablauf des TÜV an, man macht einen Termin mit der Werkstatt, diese macht eine große Inspektion, bringt den Wagen durch den TÜV und bezahlt gleich die Steuer sowie die gesetzliche Haftpflicht.

 

Klingt alles sehr praktisch (und das ist es auch) aber die Sache hat einen Haken: Die Kosten.

 

Da die Werkstatt mit der Auftragserteilung praktisch einen Freibrief für alle notwendigen Arbeiten bekommt und man nicht das Risiko eingehen möchte durch den Test zu fallen wird eher zu viel als zu wenig getauscht.

 

Besonders bei alten Autos kommt hier einiges zusammen (auch da die Steuer hier höher ist als bei Neuwagen). So mancher Besitzer lässt sich also angesichts der zu erwartenden Kosten zu einem neuen Auto überreden, insbesondere wenn das ganze beim Händler stattfindet (womit sich der Kreis schließt).

 

Im Ergebnis begründet dieses System auch den guten Ruf von Gebrauchtwagen aus Japan. Zum Zeitpunkt des Exports sind die meisten noch in sehr gutem Zustand und haben häufig weniger als 100.00 km.

 

Was bedeutet das nun für den NSX? Gekauft habe ich den Wagen im Sommer 2014. Der TÜV war noch recht neu, sollte bis zum Frühjahr 2016 halten.

 

Was ich immer wieder vergessen habe nachzusehen: Bis wann genau eigentlich? Dazu kam, dass ich dachte die Sache sei so wie in Deutschland, sprich eine kleine Strafe so lange der Termin nicht zu lange überzogen ist. Wie man sich täuschen kann..

 

Das Problem liegt in der Kombi von Steuer, Versicherung und TÜV. Denn wer den TÜV-Termin überzieht hat logischerweise keine Steuern bezahlt und natürlich auch keine Versicherung mehr.

 

Im Japanischen Punktesystem sieht das dann so aus:

  • Ein neuer Führerschein startet mit 15 Punkten.
  • Fahren ohne TÜV: 6 Punkte Abzug, einen Monat Fahrverbot, 100.000 Yen Strafe
  • Fahren ohne Versicherung: Wie oben. Alles zusammen 90 Tage Fahrverbot und 200.000 Yen Strafe

 

Kleiner Exkurs zum Punktesystem:

Bei mehr als 14 Punkten Abzug verliert man den Führerschein komplett und wird 1 Jahr gesperrt. Anschließend ist die Fahrprüfung zu wiederholen. Das Maximum (z.B. bei Fahren unter Alkohol) sind 35 Punkte und 3 Jahre Sperre. Wer bereits Verstöße registriert hat den erwischt es besonders hart (z.B. 4 Stück registriert: Schon bei 2 Punkten ein 4-monatiges Fahrverbot und bei 4 Punkten 1 Jahr Sperre). Punkte werden bei Führerscheinverlust übrigens auf den neuen Führerschein übertragen.

Punkte gutmachen kann man mit Sonderschulungen und wenn man sich eine Weile nichts zu Schulden kommen lässt.

 

Im Endergebnis war der TÜV schon abgelaufen als ich darüber nachgedacht habe mich mal darum zu kümmern .. ist zwar nichts passiert aber jetzt war guter Rat teuer. Zur Werkstatt fahren ohne TÜV: Siehe oben. Da der TÜV schon abgelaufen war ist es auch notwendig eine Werkstatt einzubeziehen. Wäre man rechtzeitig dran gewesen hätte man noch zu einem öffentlichen Prüfplatz fahren können (und einiges an Geld gespart).

 

Mein Kollege aus der Firma konnte mir weiterhelfen. Er besitzt eine BMW M3 und hat mir bereits mit den verkratzten Felgen unersetzliche Dienste geleistet.

 

Seine Haus- und Hofwerkstatt bietet einen entsprechenden Service (ich bin wohl nicht der einzige dem so etwas passiert). Der Wagen wird mit Sonderkennzeichen zu Hause abgeholt, es werden die notwendigen Servicepunkte geprüft (staatlich vorgeschriebene 60 Stück) und (wichtig!) machen einen Kostenvoranschlag bevor sie irgend etwas reparieren.

 

Im Ergebniss blieben dann die folgenden Kosten:

  • Steuer und Versicherung: 69.600 Yen (~580 Euro)
  • 60-Punkte Check und Handling: 51.300 Yen (~430 Euro)
  • Öl- und Bremsflüssigkeitswechsel: 19.300 Yen (~160 Euro)
  • Neue Magnesiumfackel (das japanische Warndreieck): 900 Yen (~7,50 Euro)
  • Summe: 140.000 Yen (~1200 Euro)

 

Mängel gab es keine zu beanstanden (außer einer verstopften Wischwasserdüse) muss mich aber bei Zeiten um die Überholung der Servolenkung kümmern.

 

Auch wenn die Handling-Gebühren etwas happig sind, so bekommt man den Wagen gesaugt und gewaschen zurück (wie auch bei Reparaturen üblich) und die Abholung mit Sonderkennzeichen war ja auch schon mit drin.

 

Wie man sieht ist ein altes Auto und der TÜV hier schon ein Kostenfaktor aber man bekommt beim Export/Abmeldung zumindest die Steuer und die Versicherung anteilsweise wieder zurück.

 

Das Shaken-Dokument enthält übrigens interessante Informationen (Abgas CO und HC, Restprofiltiefe, Restbremsbelagstärke, zusätzliche Wartungsarbeiten, usw.). Wer also, wie bei meinem NSX, die gesamte Shaken-Historie besitzt weiß damit schon ziemlich viel über die Wartungsgeschichte seines Wagens.

Hat Dir der Artikel gefallen? 19 von 19 fanden den Artikel lesenswert.

07.03.2016 14:19    |    ElHeineken    |    Kommentare (19)    |   Stichworte: BOSE, Honda, Kondensatoren, NA1, NSX

Viele Sportwagen, aus den 80er und 90er Jahren auf dem amerikanischen Markt waren mit BOSE Audio-Systemen ausgestattet. Bekannte Beispiele sind die Corvette, der Nissan 350X und der Honda NSX natürlich.

 

Im Gegensatz zum klassischen Radio-Setup (mit einen Radio, dass die passiven Lautsprecher versorgt) ist das BOSE-System etwas "speziell".

Bei diesem System befinden sich im Auto verschiedene Lautsprecher die jeweils mit ihrem eigenen Verstärker ausgestattet sind (Stichwort: Aktivboxen). Jeder Verstärker ist dabei für seine Box klanglich optimiert. Im NSX ist das z.B. ein Subwoofer im Beifahrerfußraum und zwei relativ normale Boxen in den Türen (soweit man bei BOSE von "normal" sprechen kann).

 

Jedes dieser Verstärker besteht aus grob drei Modulen:

 

  • Dem Equalizer/Kompressor (U1, der schwarze IC oben links)
  • Dem Verstärker (U2, der schwarze IC unten)
  • Der Leistungsendstufe (Q1-Q4, die vier schwarzen Transistoren oben rechts und unten rechts)

 

Der Großteil der sonstigen Bauteile bestimmen wie der Verstärker klingt. Daher können Verstärker aus anderen Autos oder auch nur von anderen Lautsprechern nicht gegeneinander getauscht werden.

 

Wie auch in den anderen Steuergeräten und dem Radio tendieren die Kondensatoren dieser Verstärker zum Auslaufen.

 

Was sich nicht so wild anhört ist hier richtig kritisch. Die Säure der großen Kondensatoren läuft zu den Beinchen der Leistungstransistoren und sorgt für saftige Kurzschlüsse. Es gab diesbezüglich schon Rückrufe wegen Feuergefahr bei Nissan, Acura/Honda und Audi.

 

Wie immer eine schönes Beispiel vom NSX-Spezialisten KAZ aus England: http://www.nsxcb.co.uk/entry.php?1530-Bose-Speaker-AMP-Service-01

 

Obwohl man durch den Einsatz trockener Kondensatoren (Aluminium-Plymer) ein zukünftiges Auslaufen verhindern kann muss man bei der Arbeit an Audio-Schaltungen (wie z.B. dem NSX-Radio) aufpassen.

 

Aluminium-Polymer Kondensatoren sind in fast allen technischen Eigenschaften besser als nasse (Elektrolyt) Kondensatoren. Nur haben sie leider eine 10-20 mal höheren Leckstrom und das ist bei Audioschaltungen nicht gut.

 

Daher wurden nur die beiden großen Kondensatoren (sie dienen ausschließlich der Spannungsstabilisierung) durch Polymer ersetzt. Alle anderen wurden ebenfalls getauscht mit dem selben Typ (Elektrolyt).

 

In allen Fällen muss natürlich auf die Einbaugröße (Durchmesser und Höhe), die Temperaturefestigkeit (>105 °C) und der korrekte Kapazitätswert geachtet werden.

 

Den Heißkleber popelt man am besten mit einem Fön und einer kleinen Zange herunter. Da wir die Spulen nicht austauschen kann dort der Kleber drauf bleiben.

 

Entlötet wurde mit der Entlötstation (immer noch eine sehr sinnvolle Investition).

Beim Einlöten ist darauf zu achten, dass wegen der doppelseitigen Platine sauber entlang der Beinchen durchverzinnt wird

 

Vor der Soundqualität her war zwischen vorher und nachher kein Unterschied erkennbar. Die alten Bauteile waren wohl noch ganz gut in Schuss. Auch gut.

Hat Dir der Artikel gefallen? 8 von 10 fanden den Artikel lesenswert.

26.12.2015 09:20    |    ElHeineken    |    Kommentare (23)    |   Stichworte: Hakone, Honda, Japan, NA1, NSX, Turnpike

Vielleicht wundert sich mancher was denn mit dem NSX los ist, der letzter Blog-Eintrag ist ja schon Monate her. Um es kurz zu machen, dem Wagen und mir geht es gut aber im Stress des letzten Zeit ist ein Ausflugsbericht aus dem Sommer unter die Räder gekommen: Die Fahrt zur Mazda Turnpike.

 

Als Einführung eignet sich am besten dieses kleine Video hier ..

 

 

.. oder auch das hier

 

 

Es handelt sich um eine mehrfach umbenannte, private Mautstraße im Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark in der Nähe des Ashi-See, etwa 100 km von Tokio entfernt.

 

Sie genießt Kultstatus auf Grund ihrer Nähe zur Metropole, Auftritten im Manga "Initial D", der Lage und natürlich wegen des Layouts.

 

Auf ca. 13,7 km Länge geht es in wunderbar geschwungenen Kurven von 28 auf 997 m hoch. Die Steigung ist nicht zu vernachlässigen, auch bei gemäßigtem Gasfuß springt die Automatik des NSX immer wieder unerwartet in den Kick-down.

 

Japanische Autozeitungen führt es häufig dort hinauf, typischerweise für Fotoshootings auf einem der Parkplätze.

 

Auf der Anfahrt haben wir (wie übliche) wesentlich mehr Zeit im Stau verbracht als erwartet aber das sind wir inzwischen ja schon gewöhnt.

 

Gegen 15:00 erreichten wir den unteren Eingang der Mautstation. Etwa 7-8 Euro kostet eine Fahrt. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass die üblichen Geschwindigkeitsbeschränkungen einzuhalten sind (es ist eben nur eine Maut- und keine abgesperrte Rennstrecke).

 

Ob man sich im Allgemeinen an die Anweisungen hält war nicht herauszufinden da praktisch niemand unterwegs war.

 

Auf der ersten Hälfte der Strecke war es trocken so erreichten wir problemlos den ersten Parkplatz, gleich nach der berühmten Brücke.

 

 

Auch wenn die Fotos nicht mit japanischen Hochglanzzeitungen mithalten können steht der mehr als 18 Jahre alte Honda gar so nicht schlecht da (finde ich).

 

Weiter oben begann es übrigens aus Kübeln zu gießen. Die Idee eine Schüssel heißer Nudeln mit Blick auf den Fuji zu genießen fiel leider (im wahrsten Sinne des Wortes) ins Wasser.

 

Trotzdem ein toller Ausflug, er sollte bei besserem Wetter unbedingt wiederholt werden :D

Hat Dir der Artikel gefallen? 13 von 13 fanden den Artikel lesenswert.

27.06.2015 10:36    |    ElHeineken    |    Kommentare (7)    |   Stichworte: ECU, Honda, NA1, NSX

Ein typisches Problem in vielen Steuergeräten des NSX sind die Kondensatoren. Typischerweise fallen zu erst die Verstärker in den Türen, dann das Klimasteuergerät, gefolgt vom Radio und später z.T. auch das Airbag-Steuergerät aus.

 

Hauptproblem dabei ist, dass die Kondensatoren nicht austrocknen sondern auslaufen. Die Säure kriecht unter die Schutzlackierung der Platine. Dabei zerstört sie Leiterbahnen und benachbarte Bauteile. Hier ein Beispiel aus dem "Atelier KAZ" dem wohl bekanntesten NSX-Spezialisten in Großbritannien:

http://www.nsxcb.co.uk/entry.php?791-A-C-CCU-Board-Service-A-01

 

Im Fall des Klimasteuergerätes führt das Versagen der Kondensatoren typischerweise zu einem Lüfter, der nur noch in der höchsten Stufe funktioniert, später auch zum Komplettausfall, inklusive Display.

 

Um das Steuergerät zu reparieren genügt es nicht nur die Kondensatoren zu tauschen. Die Säure muss neutralisiert und Leiterbahnen repariert werden.

 

Eine Reparatur gestaltet sich auch deswegen schwierig weil man meist keine zweite Platine zum Vergleich besitzt, was bei der Suche nach unterbrochenen Leiterbahnen aber fast zwingend notwendig ist..

 

Im Falle meines NSX von 1997 ist zwar mit der Platine alles noch in Ordnung aber leider ist es nur eine Frage der Zeit wann es auch dort losgeht.

 

 

Aus diesem Grund sollten die Kondensatoren prophylaktisch ausgetauscht werden. Ziel sollte es sein, solche Probleme in der Zukunft zu vermeiden. Dabei bin ich auf einen vielversprechenden Kondensatortyp gestoßen: Polymer-Aluminium-Elektrolytkondensatoren

 

Manche kennen ihn vermutlich von von Motherboards, PC-Netzteilen und Grafikkarten. Sie sind relativ teuer haben aber exzellente elektrische Eigenschaften. Auf Grund ihrer trockenen Bauweise sind sie sehr langlebig und können nicht auslaufen.

 

Leider sind sie auf den üblichen Wegen (Conrad, Pollin,etc.) nicht so einfach zu bekommen und mussten daher bei Digi-Key bestellt werden.

 

Wenn die Orginalspannung nicht erhältlich war, wurde ein höherer Wert gewählt. Zwei ganz kleine Typen (C16 und C17) wurden durch Tantal-Kondesatoren (ebenfalls trocken) ersetzt. Die Baugröße wurde geprüft, damit später alles ins Gehäuse passt.

 

Lediglich C6 ist nicht in trockener Form erhältlich. Er wurde durch einen normalen aber extrem langlebigen (10.000h bei 125 °C) Kondensator ersetzt.

 

Die Kosten belaufen sich, mit Versand, auf ca. 50 Euro. Bei Interesse hier die komplette Bestellung mit Bezeichnungen (C11, C44, etc.): http://www.digikey.de/short/7vzzjn

 

 

Nach dem Wechsel jedes Kondensators wurden die betroffenen Leiterbahnen auf Durchgängigkeit geprüft und alles wieder eingebaut. Die Selbstdiagnose (nach Reparaturhandbuch) war erfolgreich, keine Fehler.

 

Die Arbeit ist etwas fummelig. Hauptsächlich wegen der doppelseitigen Platine und den stark angewinkelten Beinchen der Original-Kondensatoren. Vielleicht fehlte mir auch mal wieder nur das richtige Werkzeug :p

 

Dem Schwierigkeitsgrad nach würde ich es nur Leute mit ausreichend Erfahrung oder passender Ausbildung sich an den Austausch wagen. Als Alternative gibt es natürlich auch passende Dienstleister, die einem so eine Arbeit abnehmen.

 

Wer sich fragt ob sich das alles lohnt, der Ersatzteilpreis für ein Klimasteuergerät liegt in den USA momentan bei 860 USD (~770 EUR). In England sind es sogar 1074 GBP (~1514 EUR). Was es bei Honda Deutschland kostet will man vermutlich gar nicht wissen..

Hat Dir der Artikel gefallen? 4 von 4 fanden den Artikel lesenswert.

29.04.2015 15:30    |    ElHeineken    |    Kommentare (8)    |   Stichworte: Felgen, Honda, NA1, NSX

Bereits bei der Abholung des NSX in Kawasaki gab es Knatsch wegen der Alufelgen. Man hatte mir versprochen die montierten BBS-Felgen gegen original Honda auszutauschen.

 

Was uns der Händler verschwiegen hatte: Die Honda-Felgen waren massiv verkratzt. Das Foto, das wir vor der Montage zu Gesicht bekommen haben muss vom einzigen Kratzer-freien Exemplar gewesen sein.

 

Trotz halbstündiger Diskussion war aber nichts zu machen und so haben uns etwas verärgert auf den Weg in die Heimat gemacht.

 

Zu Hause dann erst einmal Bestandsaufnahme und anschließend nach geeigneten Reparaturfirmen gesucht.

 

 

Auf dem freien Markt wird viel angeboten, auch zu akzeptablen Preisen, aber die Sache hat einen entscheidenden Haken: Man kann nur seine Felgen dort abgeben, das Auto selber kann nicht dort bleiben.

 

Kling eigentlich nicht so schlimm, in meinem Fall ist es aber ein ziemliches Problem denn:

 

Ich habe keinen Zugriff auf einen zweiten Satz Räder (und die vom S2000 eines Kollegen passen nicht).

 

Das Ersatzrad des NSX ist ein Faltrad, welches wahrscheinlich auf Grund seines Alters entweder schon beim Aufpumpen den Geist aufgeben wird oder sich nachher nicht mehr zusammenfaltet.

 

In meiner Automatikgarage kann ich den NSX nicht aufbocken (das Auto steht mit den Rändern in einer Rinne). Wenn sich der Parkschlitten bewegt erscheint mir so etwas auch nicht stabil genug (von Erdbeben fangen wir jetzt mal gar nicht an).

 

Als letzte Idee fragte ich noch einen befreundeten Kollegen, der in der japanischen BMW M-Szene unterwegs ist. Und siehe da, seine BMW-Werkstatt hätte kein Problem damit die Felgen zu reparieren und den Wagen auch so lange bei sich unterzubringen.

 

 

 

 

 

 

 

Das die ganze Sache nicht ganz billig werden würde war zu diesem Zeitpunkt bereits klar. Da die Preise für vier gebrauchte Felgen dieses Typs aber bei etwa 400.000 Yen (~3000 Euro) liegen (sofern überhaupt welche angeboten werden) kam eigentlich nur eine Reparatur in Frage.

 

Wir sind dann gemeinsam nach Yokohama gefahren und haben uns auf 90.000 (~700 Euro) Yen für das Reparieren und Lackieren aller vier Felgen geeinigt. Beschädigt waren zwar nur drei Räder aber Abweichungen zwischen den Rädern wären blöd.

 

 

 

Etwa eine Woche stand der Wagen dort bis er wieder abgeholt werden konnte.

 

Zwischendurch machte der Besitzer einen Blogeintrag über die Vielfalt seine Kunden, da er ja eigentlich auf BMW spezialisiert sei.

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Ergebnis bin ich persönlich sehr zufrieden.

 

Die Farbe ist geringfügig heller und etwas weniger matt ausgefallen als im Original. Durch die Grundierung sind die Kanten nicht mehr ganz so scharf wie vorher aber die Logos in der Mitte des Rades wurden sauber ausmaskiert.

 

 

 

 

 

Das Wichtigste: Von den starken Kratzern ist keine Spur mehr zu erkennen.

 

Zusätzlich wurden die Räder neu ausgewuchtet und bei dieser Gelegenheit gleich die Auswuchtgewichte ins Innere der Felge verlegt.

 

 

 

 

 

Fazit: Saubere Arbeit, keine Beschwerden :-)

 

Als nächstes sind nun die Lederberzüge zu erneuern, aber das wird vermutlich eine länger Geschichte..

Hat Dir der Artikel gefallen? 6 von 6 fanden den Artikel lesenswert.

15.03.2015 02:32    |    ElHeineken    |    Kommentare (0)    |   Stichworte: AUX, Honda, NA1, NSX

Der Honda NSX besitzt für seine Zeit (1991) ein relativ stark integriertes Audiosystem. Die Anlage besteht aus einer Radio/Kasette/CD-Wechsler-Kombi von Alpine, kombiniert mit drei Aktiv-Lautsprechern von Bose.

 

Obwohl die inneren Abmessungen dem DIN-Standard entsprechen, ist die Blende Fahrzeug-spezifisch und es werden keine offiziellen Umrüstsätze für Standardradios angeboten.

Neben der Blende machen auch die Aktivlautsprecher den Wechsel des Radios nicht so einfach, insbesondere da ein zentraler Tieftonlautsprecher zwischen den Sitzen eingebaut ist.

 

Da ich den Originalzustand erhalten möchte, musste eine andere Lösung her. Interessanterweise hat Honda den selben CD-Wechsleranschluss in vielen ihrer Acura-Modellen (Honda's Edelmarke in den USA) von 1991 bis 2005 eingesetzt.

 

 

Wo ein Markt ist findet sich auch meist Reverse-Engineering. In diesem Fall von der der Firma GROM Audio in den USA.

Neben der einfachen Variante existieren auch Adapter mit Bluetooth-Integration, USB-Port mit Ladefunktion und MP3-Playback. Aus Sicht der Langzeitkompatibilität habe ich mich aber dagegen entschieden.

 

Leider ist der Adapter in Deutschland nicht im Normalprogramm enthalten. Der Online-Shop www.maxxcount.de macht aber auf Anfrage eine Sonderbestellung (zwar nicht gerade zum Schnäppchenpreis aber immer noch im Rahmen).

 

Angeschlossen wird der Adapter am CD-Wechsleranschluss an der Rückseite des Radios. Der Ausgang übernimmt dabei auch gleich die Stromversorgung.

 

Wer übrigens auf die Idee kommen sollte eines dieser günstigen Alpine Adapterkabel zu benutzen wird enttäuscht. Nur wenn das Radio einen CD-Wechsler (oder etwas entsprechend emuliertes) erkennt schaltet es den Eingang frei.

 

 

Nach dem Anschluss des Adapters genügt ein mehrfaches Drücken des TUNE AM/FM Knopfes und das Radio springt in den CD-Wechslermodus. Auf der Anzeige passiert nicht viel. Das Drücken der Steuerungsknöpfe löst aber auch keine Fehler oder Ähnliches aus.

 

Angeschlossene Audioquellen werden sehr sauber und klar wiedergegeben. Der Klang ist meiner Meinung nach besser als bei reinem Radioempfang.

 

 

Den Klinkenstecker habe ich oberhalb der Luftauslassdüse im Beifahrer-Fußraum herausgeführt. Dort lässt er sich bei Nichtbenutzung (fast unsichtbar) im Handschuhfach verstauen.

 

Wie bereits geschrieben bin ich mit der Tonqualität sehr zufrieden und werde hoffentlich lange Freude an der neuen Anschlussmöglichkeit haben.

 

Als Eingangspegel haben sich 2/3 der Handy-Maximallautstärke bewährt. Dann ergibt sich fast kein Unterschied beim Wechsel zwischen AUX-In und Radio.

 

 

PS: Über den Ausbau der Radioblende habe ich hier nichts geschrieben. Im Internet finden sich viele passende Anleitungen, auch ganze Videos dazu: https://www.youtube.com/watch?v=fo5TdLaX4zA

Hat Dir der Artikel gefallen? 1 von 1 fand den Artikel lesenswert.

17.01.2015 09:23    |    ElHeineken    |    Kommentare (8)    |   Stichworte: Honda, Japan, Kühlwassertank, NA1, NSX

Wie das bei alten Autos so ist, gibt es immer mal was zum Basteln (aber das macht für einen Bastler ja auch den Reiz aus).

 

Der NSX gilt im allgemeinen als recht zuverlässig aber natürlich hat auch er seine Schwächen. Der Kühlwassertank ist so ein Kandidat.

 

Nach einigen Jahren beginnt der Kunststoff auszuhärten und undurchsichtig zu werden. Später entstehen Risse an denen Kühlmittel entweicht.

 

Das der Tank bis 1,1 bar aushalten muss ist natürlich auch nicht gerade förderlich.

 

 

Nach 17 Jahren war es nun bei meinen Tank soweit. In der Nähe der Befestigung war ein kleiner Riss und auskristallisiertes Kühlwasser zu sehen.

 

Mit 9882 Yen (ca. 73 €) gehört der Tank noch zu den günstigeren Ersatzteilen. Wenn man alles in der Werkstatt machen lässt kommt man auf etwa 25.000 Yen (~190 €).

 

 

 

Des Spaßfaktors wegen habe ich mich entschlossen den Tank selber zu wechseln. Also am Samstag zum nächsten Honda-Händler (ca. 10 Minuten laufen entfernt) und eine Bestellung abgesetzt.

 

Während man auf einen zuständigen Mitarbeiter wartet bekommt man eine Auswahl kostenloser Getränke serviert (dafür ist sogar eigenes Personal eingestellt).

 

24 Stunden später (Sonntag Nachmittag) wieder zum Abholen vorbeigekommen, das Getränk (aus Zeitgründen) abgelehnt, etwa fünf Minuten gewartet und einen braunen Karton bekommen. Zahlen kann man übrigens ohne zur Kasse zu gehen, der Mitarbeiter von den Ersatzteilen trägt den Kartenleser am Gürtel.

 

Der Ausbau ist recht einfach. Tank von den Halterungen abschrauben. Den Schlauch oberhalb der Wasserlinie abziehen und zustopfen. Dann über den oberen Zulauf das Kühlwasser (soweit möglich) in eine flache Wanne ablaufen lassen.

Dann den Tank so drehen, dass der untere Schlauch "im Trockenen" sitzt und den Schlauch abziehen. Ebenfalls zustopfen. Den halbvollen Tank aus dem Motorraum heben und so hinlegen, dass nichts ausläuft.

 

Nun den neuen Tank anschließen und das alte Kühlwasser aus der Wanne und dem alten Tank in den Neuen gießen. Alle Befestigungs-Schrauben zuerst mit dem Finger eindrehen (sie verkanten leicht) und dann festziehen.

 

Mangels geeigneter Garage erfolgte die ganz Aktion übrigens auf einem Bezahl-Parkplatz am Olympiastadium.

 

Der Riss an der Halterung scheint schon länger aktiv gewesen zu sein. Erst nach dem Ausbau ist es richtig zu erkennen.

 

Weitere Risse sind unterhalb des Schriftzuges entstanden und beginnen auch bereits zu nässen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erfahrene NSX-Mechaniker empfehlen den Austausch übrigens sobald der Kunststoff so weit ausgehärtet ist, dass man den Kühlwasserstand nicht mehr von außen ablesen kann.

 

Gerüchtehalber hat die Ersatzteilqualität nachgelassen seitdem der Wagen 2005 nicht mehr hergestellt wird. Zumindest die Klebestelle am neuen Tank ist nicht so schön symmetrisch wie beim alten.

Hoffen wir mal, dass es nicht nach wenigen Jahre wieder undicht wird (es gab so manchen Berichte darüber).

Hat Dir der Artikel gefallen? 5 von 5 fanden den Artikel lesenswert.

03.10.2014 00:47    |    ElHeineken    |    Kommentare (15)    |   Stichworte: Honda, Japan, NA1, NSX

Nach dem Autokauf ist vor dem Behördengang. Nachdem der Kaufvertrag bereits DIN-A3 Größe hatte, schwante mir schon etwas..

 

In Japan (auch beim Gebrauchtwagenkauf) übernimmt in der Regel der Händler die Anmeldung des Autos. Dazu benötigt er aber einige wichtige Unterlagen. Konkret bekam ich eine Liste, welche Art von Formular und in welcher Anzahl es benötigt wird:

 

  • 1x Namensstempel-Zertifikat (registriert bei der Behörde)
  • 2x Namensstempel Beispieldrucke (für den Händler)
  • 1x Parkplatzgenehmigung (von der Polizei)

 

 

Namensstempel-Zertifikat

 

Beginnen wir mit dem Namensstempel. Einen Stempel besaß ich bereits, er wurde auch schon bei der Behörde registriert, allerdings habe ich die Zertifikate nicht innerhalb eines Jahres abgeholt und nun muss der Prozess ein zweites Mal gestartet werden. Das wusste ich natürlich erst, nachdem meine Frau umsonst bei der Behörde war und versucht hat das erste Zertifikat abzuholen.

 

Am nächsten Wochenende ist daher die ganze Familie zur Behörde und ich konnte meinen Hanko (Namensstempel) innerhalb weniger Stunden offiziell registrieren. Alternativ gibt es auch ein Verfahren um jemanden in seinem Auftrag zur Behörde zu schicken, aber dazu benötigt man eine japanische Vollmacht (..es existiert kein Vordruck dafür..) und das Ergebnis wird aus Sicherheitsgründen nur per Post verschickt. Für diesen Teil haben wir etwa eine Woche gebraucht.

 

 

 

 

 

Als nächstes ingesamt vier mal den Namensstempel auf die zwei Stück Papier vom Händler machen, fertig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antragsformular zur Parkplatzgenehmigung

 

Nun zum Parkplatz. In Japan ist es nicht möglich ein reguläres Auto zuzulassen ohne einen Parkplatz nachzuweisen. Nur für Kleinstwagen in ländlichen Gebieten entfällt manchmal die Nachweispflicht. Für die Parkplatzgenehmigung benötigt es neben dem Antrag auch die noch folgenden zwei Papiere.

 

Japanisch: Jidosha hokan basho shomei shinsei-sho

"Automobil-Unterbringungsort-Zertifikats-Antrags-Formular"

 

 

 

 

 

Lageplan und Zeichnung des Parkplatzes

 

Japanisch: Hokan basho no shozaichi haichi-zu

"Lage und Ansicht des Unterbringungsorts"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zertifikat des Parkplatzbesitzers

 

Damit man nicht irgend einen leeren Parkplatz als seinen eigenen ausgibt muss man nachweisen, dass man diesen Platz auch benutzen darf. Den Nachweis bekommt man vom Besitzer des Parkplatzes. Einige Tage nach der Anfrage habe ich das Papier erhalten.

 

Japanisch: Hokan basho shiyou shoudaku shoumeisho

"Zustimmungszertifikat zur Nutzung des Unterbringungsorts"

 

 

 

 

 

Polizeibesuch

 

Zuerst muss man die zuständige Polizeibehörde ausfindig machen (es gibt mehrere..). Dort die obigen Unterlagen abgeben und eine Bearbeitungsgebühr bezahlen. Dann eine Woche warten, ein Streifenpolizist kontrolliert den Parkplatz. Anschließend die fertige Genehmigung abholen.

 

Da mein japanischer Kollege und ich nicht doof sind, haben wir vorher bei der entsprechenden Polizeibehörde angerufen und bestätigen lassen, dass wir dort richtig sind. Leider war das Gebäude nur schlecht ohne Auto zu erreichen und der Sommer in vollem Gange. Als wir dann nass-geschwitzt bei der Polizei standen, kam das was kommen musste: "Sie sind in der falschen Behörde. Wenn sie in Meguro wohnen müssen zu diesem Gebäude (zeigt auf die Karte)".

 

Leider war auch das andere Polizeigebäude nicht ganz einfach zu erreichen. Erst 10 Minuten Fußweg, dann 15 Minuten Busfahrt. Unterwegs hatte ein kleines Schulkind einen Panikanfall und konnte vor lauter Schluchzen nicht mit seiner Mutter am Handy sprechen. Eine andere Mutter im Bus hat dann "Übersetzer" gespielt und den Kleinen beruhigt. Anschließend fuhr uns der Bus die restliche Strecke zum Polizeigebäude.

 

Dort angekommen haben wir gelernt, dass das Namensstempel-Zertifikat als Kopie benötigt wird, ein Original abzugeben sei nicht möglich. Außerdem benötigen wir den Antrag in zweifacher Ausführung. Also ich raus aus dem Gebäude und im Kiosk nebenan eine Kopie machen, mein Kollege füllte inzwischen ein weiteres Exemplar des Antrags aus. Dann noch schnell ins Obergeschoss zum Bezahlen und fertig.

 

Eine Woche später noch einmal zur Polizei, eine kleine Gebühr entrichten und alle Parkplatzunterlagen abholen. Nun alles im Umschlag an den Autohändler und aufs Beste hoffen. Bis zu dieser Stelle waren weitere zwei Wochen vergangen.

 

 

Bezahlung

 

Neben den Formalitäten muss der Wagen natürlich auch bezahlt werde. Bargeld war zu unhandlich (hätte man in vielen Häppchen am Automaten abheben und zum Händler bringen müssen) also per Online-Banking. Leider war auch dort das Überweisungslimit zu niedrig, also auch in zwei Schritten. Allerdings mussten wir das vorher mit dem Händler klären, damit die zweite Überweisung nicht in der Buchhaltung verloren geht.

 

Das Banküberweisungen für Ungeübte in Japan nicht ganz einfach sind, war zu erwarten. Ich habe daher meinem Kollegen regelmäßig Screenshots mitgebracht und gefragt was man nun wo eingeben müsste und wohin als nächstes zu klicken sei. Am Ende hat alles geklappt und der Händler bestätigte den Eingang des Geldes. Die Anmeldung des Autos sei in weiteren zwei Wochen abgeschlossen.

 

Insgesamt hat es etwa vier Wochen gedauert alle Papier zu besorgen. Der Händler hat weitere zwei Wochen für die Zulassung benötigt. Bei der Abholung waren es daher sechs Wochen seit dem Abschluss des Kaufvertrages.

 

 

Versicherung

 

Ähnlich wie in Deutschland gibt es in Japan zwei Typen von Autoversicherung: Vollkasko und Teilkasko. Vom Prinzip her das Selbe aber hier ist in der Teilkasko kein Diebstahl enthalten. Die Prämien sind vergleichbar, keine großen Überraschungen hier. Durch Einschränkungen (Alter, Fahrer, etc.) lassen sich die Prämien reduzieren. Aufgrund des hohen Wertes des NSX war Vollkasko nicht bezahlbar (umgerechnet mehrere tausend Euro pro Jahr).

 

Vor der Abholung des Wagens haben wir uns mehrere Angebot des Händlers machen lassen, parallel das Internet überprüft. Es wurde dann eine Teilkasko-Vertrag mit Altersbeschränkung, den ich bei der Abholung abgeschlossen habe.

 

 

Abholung

 

Am Tag der Abholung wurde uns der Wagen abfahrbereit hingestellt. Nach dem Abschluss der Versicherung begann eine anstrengende Diskussion wegen der Honda-Felgen die inzwischen montiert wurden. Sie haben massive Kratzer, die auf den Fotos damals nicht zu erkennen waren.

 

Wegen der Felgen war leider nichts zu machen, wir werden uns wohl nach einer Reparaturmöglichkeit umsehen müssen. Eventuell ist der Händler noch zur Übernahme eines Teils der Kosten zu überreden..

 

Anschließend ging es sehr vorsichtig und mit viel Adrenalin (danke des Linksverkehrs und dem üblichen Chaos auf den Straßen Tokios) in die heimatlich Garage, etwa 10 km entfernt.

 

Geparkt wird übrigens in einer weiteren japanischen Spezialität, der vollautomatischen Garage (aber dazu später mehr).

Hat Dir der Artikel gefallen? 10 von 10 fanden den Artikel lesenswert.

26.09.2014 13:02    |    ElHeineken    |    Kommentare (31)    |   Stichworte: Honda, Japan, NA1, NSX

Wie im vorherigen Eintrag berichtet kann man sich online einen guten Marktüberblick verschaffen. Schnell kristallisierten sich drei Kategorien von Händlern heraus:

 

  • Nebengeschäft
  • Teilweise spezialisiert
  • Spezialisiert

 

Nebengeschäfts-Händler haben mehr aus Zufall mal einen NSX im Angebot, kenne sich daher nicht wirklich mit dem Wagen aus. Dementsprechend durchwachsen sind die Preise und der Zustand.

 

Teilweise spezialisierte Händler haben häufig (oder sogar permanent) NSX auf der Verkaufsfläche, verkaufen aber hauptsächlich andere Fahrzeuge. So z.B. die Kette “Phenix” mit ca. 20 Filialen, eine davon ganz in der Nähe meines Arbeitsplatzes in Yokohama.

 

Spezialisierte Händler verkaufen hauptberuflich NSX, meist auch S2000 und Honda Beat.

Insbesondere Surgeon macht einen exzellenten Eindruck, befindet sich aber leider mehrere hundert Kilometer südlich von Tokio.

 

Auch “Red Ribbon” hat sich auf den Wagen spezialisiert, befindet sich nicht all zu weit weg und besitzt ein reichhaltiges Angebot.

 

Auf Grund der Nähe von Phenix zum Arbeitsplatz haben wir (ein befreundeter japanischer Kollege und ich) dort den ersten Besuch eingeplant. Leider erwies sich der ausgestellte, schwarze NSX von 1991 mit 40.000 km als totaler Reinfall.

 

 

Neben der komplett fehlenden Historie, dem fehlenden Wartungsnachweis, dem in Kürze ablaufenden TÜV und der unbekannten Anzahl Vorbesitzern war außer dem Motor und der Klimaanlage alles mögliche defekt. Habe ich schon erwähnt, dass auch ganze Teile der Innenverkleidung fehlten..?

 

Während wir ungläubig mit dem Kopf geschüttelt haben, wurde uns erzählt, dass bald ein weiterer NSX erwartet würde. Es handele sich um ein Garagenfahrzeug von 1997 mit ca. 100.000 km (was in Japan ziemlich viel ist und schon als schwer verkäuflich gilt). Der Besitzer sei Honda-Mitarbeiter, alle Wartungsarbeiten erledigt und noch zwei Jahre TÜV. Der Preis würde sich in einem ähnlichen Bereich befinden.

 

Das ganze klang schon fast zu gut um wahr zu sein. Trotzdem haben wir uns entschlossen eine kleine Kaution zu hinterlegen und einige Wochen zu warten.

 

 

 

Was wir dann präsentiert bekommen haben hat wohl auch den Verkäufer etwas überrascht. Der Wagen befand sich in gutem, gepflegtem Zustand, lediglich andere Felgen waren montiert. Man habe jedoch noch Originalfelgen da und würde sie ohne Aufpreis austauschen.

 

Die Probefahrt lief gut, das anschließende Feilschen war etwas zäh (denn eigentlich gab es nichts auszusetzen). Man einigte sich dann auf das Beheben eines kleinen Pigmentfehlers im Lack und einen Preisnachlass von 10 %.

 

Da ich meinen Namensstempel nicht dabei hatte, war das der erste (und wohl auch letzte Kaufvertrag) den ich mit einem Fingerabdruck unterzeichnet habe..

Hat Dir der Artikel gefallen? 13 von 13 fanden den Artikel lesenswert.

25.09.2014 15:27    |    ElHeineken    |    Kommentare (6)    |   Stichworte: Honda, Japan, NA1, NSX, Prelude

Obwohl man in Tokio wirklich kein Auto benötigt, schaut man sich natürlich mal auf dem japanischen Markt um. Auch weil es hier viele Modelle gibt die in Europa extrem selten oder nie erhältlich waren.

 

Wegen der vielen Autohändler an den Straßenrändern bekam ich am Anfang den Eindruck es gäbe hier keinen Automarkt im Internet. Meine Kollegen habe mich dann aber schnell eines besseren belehrt. Die größten Gebraucht- und Neuwagenportale in Japan sind:

 

CARSENSOR.NET – http://www.carsensor.net

Goonet – http://www.goo-net.com

 

Beide funktionieren nach dem gleichen Muster. Man sucht entweder nach Fahrzeugtyp, Hersteller oder Modell. Anschließend kann man die Region einschränken und erhält eine Liste an Autos. Diese Liste kann weiter sortiert und gefiltert werden. Hier ein Beispiel für einen klassischen, japanischen Oldtimer: Nissan Fairlady Z

 

Wer in jungen Jahren sein erstes Auto fährt, schielt meist parallel auf das Spitzenmodell des selben Herstellers. In meinen Fall ging der Weg daher vom Honda Prelude zum Honda NSX.

 

Eine gewisse optische Ähnlichkeit lässt sich nicht leugnen. Bei den technischen Daten bekommt man vom NSX ein wenig den Eindruck eines “Prelude für Fortgeschrittene”.

 

Honda Prelude

  • 2.0 l 4 Zylinder 16 Ventile DOHC 101 kW (137 PS)
  • Stahlkarosserie mit vier Sitzplätzen
  • 160.000 Stück produziert (1998-1991)
  • 35.000 DM

 

Honda NSX

  • 3.0 l 6 Zylinder 24 Ventile DOHC 201 kW 274 PS)
  • Aluminiumkarosserie mit zwei Sitzplatze
  • 18.000 Stück produziert (1991-2005)
  • 180.000 DM

 

Der NSX wurde im Februar 1989 (übrigens zusammen mit dem Mazda MX5) auf der Chicago Motorshow vorgestellt. Honda geizte damals nicht mit Superlativen:

 

  • Erstes Serienauto mit Vollaluminium-Karosserie (4 Jahre vor Audi)
  • Erstes Serienauto mit elektrischer Servolenkung (geschwindigkeitsabhängig)
  • Motor mit Pleuelstangen aus Titan und einem Drehzahllimit von 8.000 U/min
  • Variable Ventilsteuerung (VTEC)
  • Fahrwerksabstimmung zusammen mit Formel-1 Weltmeister Ayrton Senna

 

Die Konkurrenz war entsprechend geschockt. Insbesondere da er sich als recht problemlos zu fahren und sehr zuverlässig herausstellte.

 

Trotzt besserer Fahrleistungen und der vielen Neuigkeiten verfehlte er die Sphären eines Porsche oder Ferrari. Die von Honda angesetzten 6000 Exemplare pro Jahr wurden nicht annähernd erreicht. Insbesondere in Deutschland ist er ein echter Exot. Lediglich 271 Stück wurden zugelassen.

 

In Japan kam man auf ca. 9000 Zulassungen. Dadurch fällt der Gebrauchtwagenmarkt (mit ca. 100 Stück) deutlich größer aus aus in Deutschland (5 Stück). Die Preise liegen fast 40% unter den deutschen und im Allgemeinen behandeln die Japaner ihre Autos sehr gut. Alles gute Voraussetzungen um sich einen Traum zu erfüllen ..

Hat Dir der Artikel gefallen? 8 von 8 fanden den Artikel lesenswert.

Blogempfehlung

Mein Blog hat am 13.06.2016 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

Blogautor(en)

ElHeineken ElHeineken

Natur und Technik

Honda

Natur und Technik

Honda NSX

Honda Jazz

Simson S51

Kawasaki W650

Neuigkeiten