• Online: 2.033

18.07.2020 20:51    |    ElHeineken    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: Elektrik, Elektronik, Honda, Kondensator, NA1, NSX, Tacho

Wie versprochen widmen wir uns jetzt dem Tausch der Kondensatoren im Tacho des NSX. Vom Löten her gesehen keine schwierige Sache da die Platine weder große Masseflächen noch andere Gemeinheiten aufweist.

 

Noch ein wichtiger Hinweis: Wenn der Tacho noch einwandfrei funktioniert und insbesondere nicht schon einmal wegen zu niedrig angezeigter Geschwindigkeit kalibriert wurde (ein Zeichen von versagenden Kondensatoren) ist meist kein Testequipment zum Abgleich notwendig. Ist aber schon an den Potis zur Kalibrierung gedreht worden benötigt es einen Funktionsgenerator zum Abgleich der Anzeigen.

 

Mit AbdeckungMit AbdeckungAusgehend vom ausgebauten Tacho auf dem Tisch wird zuerst die helle Plastikabdeckung entfernt. Dazu einfach die goldfarbenen Schrauben lösen, die große schwarze Birne durch drehen und ziehen entfernen sowie deren Kabel aus den Halterungen der Abdeckung ausfädeln.

 

Nun die Abdeckung aus den weißen Clips an der Außenseite aushängen und abnehmen. Unter dem blauen Klebeband oben rechts und oben links versteckt sich übrigens die Potis zur Kalibrierung von Drehzahl- und Geschwindigkeitsanzeige aber dazu später mehr.

 

Ohne AbdeckungOhne AbdeckungUnter der Abdeckung kommen weitere Schrauben zum Vorschein. Gelöst werden müssen nur die versilberten, nicht die verzinkten Schrauben.

 

Achtung, diese Schrauben verbinden die Instrumente (Tank, Spannung, Temperatur, Öldruck, Geschwindigkeit und Drehzahl) elektrisch mit der Platine. Lösen ist kein Problem aber beim Festschrauben muss äußert vorsichtig vorgegangen werden, da gehen wir später noch im Details drauf ein.

 

Die Lämpchen können in der Platine verbleiben, sie stören nicht.

 

Rechte Platine entferntRechte Platine entferntUm die Platinen vom Gehäuse zu lösen müssen neben den Schrauben auch die Steckverbindung zwischen den zwei Platinen sowie die Kabel der Schrittmotoren für Tages- und Kilometerzähler ausgesteckt werden.

 

Ersteres ist leicht zu bewerkstelligen, bei den Motoren ist es kniffelig. Zahnarzthaken o. Ä. können dabei helfen, sind aber vorsichtig einzusetzen.

 

Wie im vorherigen Artikel beschrieben sollten bei ca. 100.00 km Laufleistung alle Lämpchen der Tachobeleuchtung erneuert werden, meist sind sie schon deutlich geschwärzt. Bei Automatikfahrzeugen auch die Ganganzeige für 'D'.

 

AufschriebeAufschriebeNun beginnt der aufwändige Teil der Arbeit. Es müssen alle nassen Kondensatoren auf den Platinen identifiziert und passender Ersatz gesucht werden.

 

Dabei ist nicht nur auf korrekte Kapazität und ausreichende Spannungsfestigkeit zu achten sondern auch auch auf die Größe der Ersatztypen.

 

Es sei dabei erwähnt, dass einige Sonderlinge enthalten sind: Zwei Bipolar-Kondensatoren sowie zwei Kondensatoren mit besonders niedrigem Leckstrom. Da es sich um analoge Schaltungen handelt können wir nicht einfach alle nassen Kondensatoren blind gegen trockene Aluminium-Polymer austauschen (insbesondere da diese recht hohe Leckströme besitzen).

 

Unter Berücksichtigung dieser Vorgaben ergibt sich die folgende Liste (Rechtslenker, Baujahr 1997 JDM):

 

Linke Platine (Bauteilseite)

C1 2200 uF 16 V 105 °C Höhe: 20 mm Durchmesser: 12 mm RM5 - Nippon Chemicon KMG (nass)

Ersatz: 2200 uF 16 V 105 °C 20.000 h Höhe: 21,5 mm Durchmesser: 10 mm RM5 - United Chemicon PSG (trocken)

 

C3 3,3 uF 50 V 105 °C Höhe: 10 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - Hersteller unbekannt (nass)

Ersatz: 3.3 uF 50 V 105 °C 10.000 h Höhe: 12,5 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - United Chemicon LE (nass)

 

C5 2,2 uF 50 V 105 °C Höhe: 10 mm Durchmesser 5 mm RM2 - Hersteller unbekannt (nass)

Ersatz: 2,2 uF 50 V 105 °C 10.000 h Höhe: 12,5 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - United Chemicon LE (nass)

 

C12 10 uF 50 V 105 °C Höhe: 10 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - Hersteller unbekannt (nass)

Ersatz: 10 uF 50 V 105 °C 10.000 h Höhe 12,5 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - United Chemicon LE (nass)

 

C17 33 uF 50 V 105 °C Höhe: 10 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - Hersteller unbekannt (nass)

Ersatz: 33 uF 50 V 105 °C 10.000 h Höhe: 12,5 mm Durchmesser: 6,3 mm RM2.5 - United Chemicon LE (nass)

 

C18 47 uF 16 V 105 °C Höhe: 10 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - Hersteller unbekannt (nass)

Ersatz: 47 uF 25 V 105 °C 10.000 h Höhe: 12,5 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - United Chemicon LE (nass)

 

C19 33 uF 10 V 85 °C Höhe: 10 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - Nippon Chemicon LLA (nass, niedriger Leckstrom)

Ersatz: 33 uF 25 V 105 °C 1000 h Höhe: 12 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - Nichicon UKL - Low Leakage

 

C20 10 uF 16 V 85 °C Höhe: 10 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - Nippon Chemicon LLA (nass, niedriger Leckstrom)

Ersatz: 10 uF 25 V 105 °C 1000 h Höhe: 12 mm Durchmesser: 5 mm RM2 - Nippon Chemicon LLA - Low Leakage

 

C21 100 uF 16 V 105 °C Höhe: 10 mm Durchmesser: 7 mm RM2 - Hersteller unbekannt (nass)

Ersatz: 100 uF 16 V 105 °C 10,000 h Höhe: 12,5 mm Durchmesser: 6,3 mm RM2 - United Chemicon LE (nass)

 

Rechte Platine (Bauteilseite)

C1 siehe C1 - linke Seite

C3 siehe C3 - linke Seite

 

C5 6,8 uF 25 V 105 °C Höhe: 5 mm Durchmesser: 3,5 mm RM2 - Hersteller unbekannt (nass)

Ersatz: 6,8 uF 25 V 105 °C 3000 h Höhe: 6 mm Durchmesser: 6,3 mm RM2.5 - Panasonic SEP (trocken)

 

C14 siehe C12 linke Seite

 

C15 47 uF 25 V 105 °C Höhe: 7 mm Durchmesser: 7 mm RM2 - Nippon Chemicon KMA (nass)

Ersatz: 47 uF 35 V 125 °C 1000 h Höhe: 6 mm Durchmesser: 6,3 mm RM2.5 - Panasonic SEK (trocken)

 

C17 47 uF 25 V 105 °C Höhe: 10 mm Durchmesser: 7 mm RM2 - Nippon Chemicon KME (nass)

Ersatz: 47 uF 25 V 105 °C 1000 h Höhe: 12,5 mm Durchmesser: 6,3 mm RM2.5 - Nippon Chemicon UEP (nass)

 

C18 siehe C17

 

Alle obigen Typen sind bei Digikey (teuer aber dafür fast alles verfügbar) erhältich. Wer nach Überprüfung seines Tachos zum Schluss kommt, dass er exakt die gleichen Typen benötigt der kann direkt den vorbereiteten Warenkorb benutzen: https://www.digikey.de/short/zbhfd5

 

Auslöten und Einlöten ist mit regulärem Equipment (wie z.B. einem Entlötsaugpumpe) möglich, eine Entlötstation mit Vakuum ist aber natürlich noch bequemer. Der Lötkolben zum Einlöten benötigt keine besonders hohe Leistung, es handelt sich um eine stinknormale Platine wie aus jedem besserem Radio der 90er.

 

Linke Seite nach dem AustauschLinke Seite nach dem AustauschRechte Seite nach dem AustauschRechte Seite nach dem Austausch Als nächstes geht es an den Zusammenbau.

 

Im Prinzip identisch zum Auseinanderbauen wenn auch in umgekehrter Reihenfolge.

 

 

 

Wie oben schon erwähnt ist der Anschluss der Schrittmotoren etwas fummelig.

 

Kommen wir jetzt aber zum sehr wichtigen Hinweis bezüglich der versilberten Schrauben die den elektrischen Kontakt von der Platine zu den Anzeigeinstrumenten herstellen:

Die Gewinde in denen die Schrauben laufen befinden sich in den Instrumenten und brechen sehr leicht ab! Dort sind hauchdünne Drähte angeschlossen die dann typischerweise abreißen!

 

Das kann man zwar reparieren, es ist aber eine sehr, sehr kniffelig Arbeit. Wer neue Instrumente braucht ist mit mehreren hundert Euro pro Anzeige dabei! Damit es erst gar nicht soweit kommt geht man folgendermaßen vor:

 

  • Schrauben mit den Fingern einsetzen und mehrere Umdrehungen hinein drehen.
  • Schraubendreher ansetzen und mit zwei Fingernspitzen (wirklich nicht mehr) eindrehen bis die Federscheibe beginnt zusammen gedrückt zu werden.
  • Die Schraube nun so weit anziehen, dass die Federscheibe gerade vollständig komprimiert ist, maximal ein paar Winkelgrad extra.

 

Wieder zusammenWieder zusammenAlles erfolgreich hinbekommen kann der Tacho wieder im Auto verbaut werden. Nun gilt es alle Lämpchen und Anzeigen zu prüfen, insbesondere ob die Geschwindigkeitsanzeige noch stimmt (was sie sollte sofern vor dem Kondensatortausch nicht an den Potis gedreht wurde).

 

In meinem Fall kam natürlich der Tachotester aus einem vorherigen Blogeinträge zum Einsatz. Er erzeugt passende Signale in korrekter Frequenz ebenso wie er die kleinen Anzeigen mit passenden Widerständen beschaltet (dies dient nur der Kontrolle, sie sind nicht abgleichbar).

 

Zum Abgleich wird der Tester mit 12 V versorgt und an die Pins der rechten und linken Platine angeschlossen. Der Tester ist kompatibel mit allen Baujahren, eine Ausnahme ist lediglich die Temperaturanzeige, sie wird ab Baujahr 2001 nicht mehr unterstützt da sich ihre Anschlussdaten verändert haben.

 

Bezüglich der Pinbelegung hilft ein Blick ins Reparaturhandbuch oder alternativ die "Electrical Troubleshooting"-Serie aus dem passenden Baujahr. Wenn man nur die beiden großen Anzeigen berücksichtigt so existieren nur zwei Pinbelegungen: 1990-1994 und 1995-2005.

 

Linke Hälfte (1995-2005)Linke Hälfte (1995-2005)Rechte Hälfte (und Masse für Links)Rechte Hälfte (und Masse für Links)Die beiden Platinen sind relativ unabhängig voneinander.

 

Wir benötigen separate Spannungsversorgung für jede Platine (12 V und Masse), jeweils auf der rechten (Geschwindigkeit) und auf der linken Buchse (Drehzahl). Zusätzlich je einen weiteren Pin für das Drehzahl- bzw. Geschwindigkeitssignal.

 

 

Rechte Hälfte IIRechte Hälfte IILinke Buchse - Drehzahl (Stecker A)

12 V: Pin A3 (1990-1994) bzw. Pin A13 (1995-2005)

Masse: Pin A2 (1990-1994) bzw. Pin A27 (1995-2005)

Drehzahl: Pin A4 (1990-1994) bzw. Pin A28 (1995-2005)

Temperatur: Pin A17 (1990-1994) bzw. A12 (1995-2005)

Öldruck: Pin A1 (1990-1994) bzw. A14 (1995-2005)

 

Rechte Buchse - Geschwindigkeit (Stecker B)

12 V: Pin B9 (1990-1994) bzw. Pin B2 (1995-2005)

Masse: Pin B8 (1990-1994) bzw. Pin B7 (1995-2005)

Geschwindigkeit: Pin B24 (1990-1994) bzw. Pin B22 (1995-2005)

Tankanzeige: Pin B10 (1990-1994) bzw. Pin B1 (1995-2005)

 

Wenn man von vorne in die Buchse schaut so sind die Pins von rechts nach links und von oben nach unten durchnummeriert. Also obere Reihe 14-1, untere Reihe 30-15.

 

Hat man die Spannungsversorgung auf beiden Seiten korrekt angeschlossen so leuchtet jeweils die SRS-Warnleuchte sowie die Bremslicht-Warnleuchte (es fehlen die notwendigen Eingangssignale).

 

Nun startet man die Kalibrierung indem man die höchste Drehzahl (8.000 U/min) am Tester einstellt und sich dann den linken beiden Potis auf der Rückseite des Tachos widmet.

 

Das rechte der zwei Potis dient dem Abgleich im oberen Bereich der Anzeige also stellen wir hier saubere 8.000 U/min ein. Anschließend springen wir auf 1000 U/min und stellen das linke Poti ein.

 

Jetzt kontrollieren wir die Zwischenschritte und den höchsten Wert (2000-8000 U/min). Sind Abweichungen vorhanden korrigieren wir dies auf der 8000er-Einstellung und mit dem rechten Poti.

 

Jetzt wieder auf 1000 U/min und wenn hier noch etwas nicht stimmt wieder mit dem linken Poti korrigieren. Bei jedem Durchlauf sollten die Unterschiede kleiner werden und nach weniger als ein paar Runden sollte alles passen.

 

Die Geschwindigkeitsanzeige wird nach der gleichen Methode abgeglichen wobei zu beachten ist, dass die Anzeige auf keinen Fall zu niedrig anzeigen darf. Plus 10 % und zusätzlich plus 3 km/h sind als Abweichung nach oben gesetzlich noch erlaubt.

 

 

Ist doch wieder deutlich länger geworden als geplant aber vielleicht macht es zumindest Spaß beim Lesen :D

Hat Dir der Artikel gefallen? 6 von 6 fanden den Artikel lesenswert.

20.07.2020 15:22    |    Quautiputzli

Gratulation zum Bericht im Spiegel.


20.07.2020 16:51    |    ElHeineken

Danke :D


27.07.2020 14:00    |    Escort0815

es gibt einfach keine schöneren Instrumente als diese klassischen Analogdinger. Das waren noch Zeiten...


Deine Antwort auf "Honda NSX - Kondensatoren Tacho"

Blogempfehlung

Mein Blog hat am 13.06.2016 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

Blogautor(en)

ElHeineken ElHeineken

Natur und Technik

Honda

Natur und Technik

Honda NSX

Honda Jazz

Simson S51

Kawasaki W650

Neuigkeiten