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22.12.2019 23:01    |    ElHeineken    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: Elektrik, Honda, Kondensatoren, NA1, NSX, Radio

Bei meinem eigenen Radio bereits vor einigen Jahren durchgezogen empfehle ich jedem NSX-Besitzer der mir unter die Finger kommt (OK, viele sind es nicht) vorsichtshalber die Kondensatoren des Radios austauschen zu lassen.

 

Sieht rechteckig aus, ist es aber nichtSieht rechteckig aus, ist es aber nichtEs sind einige recht große Kaliber darunter und die Schäden können bei einem altersbedingten Auslaufen bis zum Totalschaden reichen. Ersatz (insbesondere die europäische Version des Radios mit RDS) ist sehr teuer, ein Tausch gegen ein anderes Fabrikat auch nicht so einfach umsetzbar.

 

Schuld daran tragen die serienmäßigen Bose-Aktivlautsprechen in Kombination mit der Frontplatte die (entgegen des ersten Eindrucks) nicht rechteckig ist. Das bedeutet also eine mechanische Anpassung und sieht dann im Ergebnis auch immer etwas komisch aus.

 

Im Gegensatz zum Klimasteuergerät (wo das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist) sah es im Inneren des Radios noch alles prima aus und es sollte eine reine Vorsorgeaktion werden.

 

TestverkabelungTestverkabelungDa inzwischen auch das Bastelzimmer ohne Fenster (Codename "Man-Cave") einsatzfertig war wurde hier erst mal mein NSX Audio-Test-Setup, deren Teile ich aus Japan mitgebracht habe, aufgebaut - funktioniert noch einwandfrei.

 

Vor dem Öffnen des Radios noch einige interessante Unterscheide im Vergleich zum japanischen Pendant:

 

  • Der Dolby-Knopf ist zusätzlich mit Honda Alternative Select belegt
  • Die Bass- und Treble-Knöpfe sind nicht versenkbar
  • Es unterstützt RDS und TPA (mit entspr. Alphanumerik-Display)
  • Die RDS- und TPA-Knöpfe sind in der japanischen Version ein großer Knopf für Alternative Select

 

Jetzt aber an die Innereien. Wie sonst auch werden Deckel und Boden mit je zwei Schrauben gehalten die es zu entfernen gilt. Oben wird dann das mit vier Schrauben befestigte Kassettendeck losgeschraubt und herausgezogen.

 

Das muss da wegDas muss da wegWeiter dann auf der Unterseite. Hier müssen vier verlötete Schrauben mit einem entsprechend starkem Lötkolben und einer geeigneten Entlöteinrichtung vom Zinn gereinigt werden bevor man sie lösen kann. Zusätzlich sind noch die Schrauben des CD-Wechsler-Anschlusses sowie des Antennensteckers zu entfernen.

 

Die Platine selber ist mit vier Flachbandkabeln am restlichen Radio verbunden. Man löst sie indem der Kragen des Halters nach oben geschoben wird, anschließend lassen sich die Kabel ganz leicht lösen.

 

Nun noch einmal wenden und die Netzteilplatine losschrauben. Sie wird von zwei Schrauben des Anschlusssteckers gehalten. Sind diese entfernt lässt sich sich (wie schon vorher das Kassettendeck) nach oben herausziehen.

 

Radio, Empfangsplatine und NetzteilRadio, Empfangsplatine und NetzteilMehr Demontage ist nicht nötig, nun kommen wir an alle entscheidenden Teile heran. Ersatz für alle Kondensatoren wäre weder notwendig noch unkritisch, kenne wir doch die genaue technischen Eigenschaften gar nicht. Wir konzentrieren uns daher auf alle die oben auf ihrem Aluminium-Deckel Sollbruchstellen haben, was einer Art Mindestgröße gleich kommt.

 

Im Endeffekt standen damit 12 Kondensatoren auf der Liste. Bitte beachten dass dieses Modell von 1994 ist und immer wieder Änderungen vorgenommen wurden - muss man also jedes Mal im Detail nachsehen. Getauscht wird natürlich gegen trockene Aluminium-Polymer-Kondesatoren.

 

Nach vorsichtigem Auslöten (Beine gerade biegen nicht vergessen, sonst kommen gerne Lötpads mit hoch) einfach Typ für Typ austauschen und die Elektronik sollte für viele Jahre vor Säuerschäden sicher sein.

 

Auf halbem WegAuf halbem WegFür den Sonderling E807 gilt, dass er von der Größe her noch unter die Metallabdeckung passen muss (nicht wie im Bild). Der Ersatztyp aus obiger Liste geht nur ganz knapp und mit etwas Nachdruck unters Dach - was aber notwendig ist da sonst das Kassettendeck nicht mehr hineinpasst ..

 

Der Zusammenbau gestaltet sich wegen der Flachbandkabel nicht ganz einfach. Teilweise ist es simpler sie an beiden Seiten zu entfernen, zuerst an der Empfangsplatine zu befestigen, dann durch das Radio zu fädeln und anschließend am anderen Ende fest zu machen - fummelig ist es auf jeden Fall.

 

Es kann passieren, dass sich die blauen Kunststoff-Fahnen an den Enden des Flachbandkabels lösen. Diese sind aber zwingend notwendig um den korrekten Andruck in den Haltern zu realisieren also nicht einfach weg lassen sondern mit in den Halter schieben.

 

Im Test dann alles prima, ein Hinweis vielleicht noch zum Radioempfang mit RDS: Wenn dieses eingeschaltet ist wird der Empfang bei schwachen Station alle paar Sekunden kurz unterbrochen. Kein Bug aber auch kein Feature, einfach dem damalig Elektronik-Design geschuldet und man kann es ja auch abschalten.

 

Auf dem NSX-Forum würde man jetzt sagen "Another OEM Radio saved" :D

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22.12.2019 23:25    |    Dynamix

Das Problem mit den Kondensatoren hat man ja öfters mal bei älterer Elektronik. Glaube der Amiga 500 ist da auch bekannt für, aber ich denke da hat auch keiner mit gerechnet das es da 30 Jahre später immer noch Freaks gibt die so ein Ding benutzen ;)


23.12.2019 08:09    |    Goify

Die alten Apple-Computer aus den 70ern und 80ern erfreuen sich ebenso an neuen Kondensatoren. Man kann sagen, jegliche Kondensatoren müssen nach ca. 30 Jahren ausgetauscht werten.

Bei meinem Braun Regie 510 habe ich alle tauschen lassen und zudem noch zwei der vier Endstufen-Transistoren. Es war sehr teuer, aber jetzt klingt er wieder, wie er soll.

 

Wie lüftest du beim Löten in einem Fensterlosen Raum? Hast du eine Absaugung?


23.12.2019 09:19    |    ElHeineken

Je nach Schaltungsauslegung können sie recht lange ihren Dienst tun aber sie bleiben die Nummer eins was Defekte und Alterung angeht. Das mit dem Auslaufen ist dann natürlich der Supergau.

 

Bezüglich des Lötrauchs wäre eine Absauganlage mit Filter sicher besser aber so wenig wie ich privat löte (alle paar Monate mal für eine halbe Stunde) habe ich da noch nicht ernsthaft drüber nachgedacht.


23.12.2019 09:24    |    Goify

Ich habe einen alten Lüfter eines PC-Netzteils, den ich passend positioniere, sodass er die Dämpfe von mir weg saugt. Das ist für mich so weit ausreichend.


03.01.2020 18:46    |    communicator9

Elektrolytkondensatoren sind von Alterung stark betroffen, andere Typen wie Keramikkondensatoren oder Folienkondensatoren nur in Ausnahmefällen.

Der Grund dafür ist, dass bei Elektrolytkondensatoren der Elektrolyt (nass/gelförmig) mit den Jahren austrocknet und dies dann zu massivem Kapazitätsverlust führt. Eine grosse Rolle spielt hier die Umgebungstemperatur der der Kondensator ausgesetzt war. Je höher die Umgebungstemperaturen desto schneller das Austrocknen. Es gab auch vor einigen Jahren Probleme bei der Produktion von Elektrolytkondensatoren bei einzelnen Herstellern, was dazu führte dass Kondensatoren die nur einige Jahre auf dem Buckel hatten, bereits defekt gegangen sind.

Mittlerweile gíbt es sogenannte Aluminium Polymer Kondensaoren, die statt einem nassen einen festen Elektrolyten besitzen und nicht mehr austrockenen können.


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