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MOTORTESTS.de - Test und Erfahrungsberichte aus der MOTOR-TALK Community

03.11.2013 10:06    |    taue2512    |    Kommentare (1)    |   Stichworte: Bali, Honda Motorrad, Lombok, Motorroller, Reisetipp, Video, Vision

In meiner Rubrik „Reisetipps“ möchte ich Euch heute aus aktuellem Anlass einmal Indonesien als Selbstfahrer-Destination näherbringen mit dem Ziel eventuell einigen unter Euch auch die Angst zu nehmen, sich während des Urlaubs selber am Lenkrad eines Vehikels in das dortige Verkehrsgetümmel zu stürzen.

 

Bali und Lombok sind ja bekanntlich zwei Inseln, die recht nahe beieinander liegen und doch sehr unterschiedlich sind – allein schon durch die Demographie mit überwiegend Hindus auf der einen und überwiegend Moslems auf der anderen Seite. Gemeinsam haben beide Inseln in puncto Verkehr, dass auf beiden Eiländern Linksverkehr herrscht und wer mit diesem Umstand klarkommt hat bereits das schlimmste hinter sich. Der Rest ist dann einfach nur noch pures Abenteuer.

 

Empfehlenswert ist es auf jeden Fall, einen Motorroller (mit oder ohne Automatik) dem Mietwagen vorzuziehen, denn die Straßen sind recht schmal und erschweren bei der heftigen Verkehrsdichte manchmal das zügige Fortkommen. Ferner muss man sich als Autofahrer manchmal sehr beherzt durchsetzen und Nerven bewahren. Außerdem können in Indonesien auf einem Motorroller maximal zwei Erwachsene und zusätzlich noch bis zu zwei Kinder transportiert werden – wenn man also nicht so viel Gepäck hat ein weiterer Punktsieg für das Zweirad, nicht nur vom Kostenfaktor her.

 

 

Ein Motorroller ist bereits für 50.000 Rupien am Tag in nahezu jeder größeren Ortschaft zu haben, bei mehrtägiger Miete kann man den Preis auf 40 – 45.000 Rupien runterhandeln, was knapp 3 EUR entspricht. Die Gesetzeslage sieht zwar vor das man in Besitz einer internationalen Fahrerlaubnis sein muss, aber das wird hier ungefähr genauso eng gesehen wie die Helmpflicht. Es ist aber so, dass man von der Polizei als Tourist gerne als mögliche Nebenverdienstquelle angesehen wird und selbst kleine „Vergehen“, wie ein nicht geschlossener Helmriemen oder eben ein fehlender internationaler Führerschein bei Zahlung von willkürlich festgesetzten Summen zwischen 100 – 200.000 Rupien seitens der Gesetzeshüter darüber hinweggesehen wird. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann im Verwaltungsgebäude in der Innsenstadt von Denpassar einen internationalen Führerschein ausstellen lassen, Kosten: Viel Nerven, Zeit, Fotos und 25 US$. Bei der Anmietung sollte man auf jeden Fall darauf achten, bei einem offiziellen Vermieter vorstellig zu werden und dort zumindest einen rudimentären Mietvertrag in Kopie ausgehändigt zu bekommen. Es gibt auch Privatleute, die gern Ihre Vehikel vermieten aber diese sind denn auch meist in desolatem Zustand. Die Kinnriemen der Miethelme sind meistens überall gar nicht mehr zu verschließen und verschiedene Helmgrößen eher Fehlanzeige – „One (loose) size fits all“. Eine Sonnenbrille hilft gegen fehlende Visiere und gegen den Staub und die Mücken am Abend.

 

 

Motorroller haben ferner den Charme, das man fast überall tanken kann. Das „Bensin“, so wie man hier den Ottokraftstoff liebevoll nennt gibt es an unzähligen Punkten entlang der Hauptverkehrsstraßen von Privatleuten aus den Abenteuerlichsten Gefäßen für 7 – 7.500 Rupien (0,50 EUR) pro Liter angeboten, Service inklusive. Der Liter an einer offiziellen Tankstelle kostet derzeit 6.500 Rupien (0,43 EUR).

 

Vom Fahren selbst her gibt es nur ein paar wenige Grundregeln, die man beherzigen sollte: Kommt es zu einem Unfall ist nach Ansicht der Unfallgegner immer der Tourist Schuld, denn nach deren Logik wäre es nie zu einem Unfall gekommen, wenn der Tourist nicht zum Urlaub hierhergekommen wäre und Unfallgegner – auch wenn sie im Unrecht sind - meist an Ort und Stelle eine Entschädigung verlangen, die um die 1.000.000 Rupien (65 EUR) liegen kann. Eine weitere Regel ist, dass jeder Fahrzeugführer für das verantwortlich ist, was direkt vor seinem Fahrzeug passiert. Und so verwundert es auch kaum, das man beim Einbiegen nach Links so gut wie nicht den kreuzenden Verkehr prüft, sondern einfach drauf los fährt, um sich ganz an den linken Fahrbahnrand zu drängen – erst nach einigen Metern folgt dann erst der Blick in den Rückspiegel zum weiteren einordnen oder überholen.

 

 

Der mögliche Tote Winkel wird ebenfalls ignoriert, sollte dort jemand sein macht er sich schon irgendwie bemerkbar. Das beste it man fährt schnurgerade etwas links von der Mitte der eigenen Fahrspur versetzt, denn manchmal kommen einem die einfädelnden Rechtsabbieger frontal entgegen. Schlaglöchern am besten durch eine vorrausschauende Fahrweise großzügig ausweichen. Kurven können meist durch Sand oder Steine - insbesondere auf Lombok - überraschen.

 

Apropos überholen: Hupen & machen, Blinker ist nur Beiwerk und wird wirklich nur verwendet wenn man die Straße nach links oder rechts verlassen möchte. Eine Besonderheit auf Lombok ist die Benutzung der Warnblinkanlage an Ampeln vor Kreuzungen durch Autos, das zeigt an das diese Vorhaben weiter geradeaus zu fahren. Sonst gleichen sich beide Inseln sehr, auf Lombok ist aber die Luft wegen der vielen Zweitakter in Ballungsräumen und die Verkehrsdichte entlang der Küstenstrassen dichter und es fahren viel mehr Pferdegespanne. Respekt sollte man vor großen Bussen und Lastwagen haben, diese fahren meistens stur über größere Strecken genau in der Mitte der Straße und machen kaum Platz. Deswegen auch mal öfters während des Überholens Hupen, um auf sich aufmerksam zu machen.

Das gute an der Fahrt als Tourist auf einem Motorroller ist, das man von den Einheimischen sehr warm empfangen und als Tourist leichter identifiziert und akzeptiert wird. Schnell kommt man an Ampeln oder auf dem Land in Gespräche und man hat weniger den Effekt abgeschottet in einer Panzerkarosse zu sitzen, um von allen Seiten als reicher Europäer angebettelt zu werden.

Zu den anderen Transportmitteln: Das schon angesprochene Pferdefuhrwerk kann bis zu 3 Personen plus Gepäck transportierten und kostet meistens pauschal 40.000 Rupien (2,60 EUR), eignet sich für mittlere Distanzen besonders wenn man Kinder dabei hat. Taxis verkehren für 10 – 20.000 Rupien auf kurzen innerstätischen Routen. Überlandbusse, entweder „richtige“ oder offene jump-on/off Busse verbinden weiter voneinander entfernt gelegene Punkte für den gleichen Preis wie das Taxi (allerdings pro Person). Die teuerste Methode bleiben immer noch Mietwagen als Selbstfahrer für um die 80.000 Rupien (5,30 EUR) oder inklusive Fahrer und Sprit für 400.000 Rupien (26 EUR) pro Tag. Man sollte beachten, dass wenn man bereits ein Fährticket mit einem der Schnellboote zwischen Bali und Lombok gebucht hat, dieses auch immer gleich einen kostenlosen Bustransfer zu einem Punkt nach Wahl beinhaltet.

 

 

Es gibt ansonsten kaum weitere Dinge, die erwähnenswert sind. Einfach ein bisschen Mut und rein ins Getümmel. Geübte Reflexe und ein wenig Sattelsicherheit als Motorradfahrer sind sicherlich von Vorteil - aber man sollte sich nicht allzu europäisch und strikt nach Verkehrsregeln benehmen, sondern eher intuitiv und vorausschauend mit gesundem Menschenverstand ein wenig Anarchie und Ruhe walten lassen denn man ist ja schließlich im Urlaub.


23.05.2013 21:25    |    taue2512    |    Kommentare (11)    |   Stichworte: Drohne, Phantom, Reisetipp, WAVE

Nicht das mich nun hier alle als extremen Öko-Verfechter abstempeln, nur weil ich ein Elektroauto fahre. Nein, denn ab und zu lade ich die Familie in den 2.9 Liter JTD von Fiat mit Wohnaufbau und verbrate guten Gewissens die eingesparten CO2-Emissionen an einem einzigen Wochenende.

 

Letztens ging es von Toulouse in Richtung Atlantik, genauer gesagt 4,5h entfernt in Richtung Arcachon. Unter Kennern sicherlich ein Begriff, denn die Gegend um diese Kleinstadt bietet mehr als nur guten Wein und frische Austern!

 

Und auch Landschaftlich wird einiges geboten, die Düne von Pilat zum Beispiel. Europas flächenmäßig größte und vor allem höchste Düne. Gut 5m bewegt sich das wohl weltgrößte Katzenklo pro Jahr landeinwärts - schon beeindruckend, vor allem wenn man mal dort oben draufgeklettert ist.

 

 

Interessant auch das nahegelegene Museum, wurde doch letztens erst neben den vielen Wehrmachtsbunkern doch ein ganzer prähistorischer Wald inklusive frischer pflanzbereiter Tannenzapfen von der Düne freigegeben.

 

 

Und wenn man sich erstmal selbst die Mühe gemacht hat raufzuklettern und sich auf der Düne befindet, relativiert sich recht schnell das eigene Dasein in seiner Gesamtheit. Also, unbedingter Reisetipp für Arlantikurlauber die nördlich von Bordeaux noch Ausflugslocationd suchen. Nahe bei liegen zum Beispiel das Wasserflugzeug-Museum von Latecoeure neben Biscarosses und viel Platz zum ausgiebigen Strandwandern.

 

 

Ich für meinen Teil testete schon einmal mein Equipment für die bevorstehende WAVE Rallye: Die In HD filmende Drohne namens DJI Phantom. Und was soll ich sagen, das Ding ist robust und macht sehr viel Spass und vor allem eröffnet es einem einen völlig neuen Blickwinkel und Sichtweise.

 

 

Ich kann es kaum erwarten, dieses Spielzeug endlich in den Alpen einsetzen zu können, um Euch nette Impressionen von der eRallye liefern zu können.


30.08.2012 15:45    |    taue2512    |    Kommentare (11)    |   Stichworte: Benzinpreise, Frankreich, Internet, Reisetipp

Wer sagt denn das der französische Staat nicht an seine treuen steuerzahlenden Untertanen denkt und in öknomisch schlechten Zeiten ganz besonders um deren Wohlergehen besorgt ist?

 

 

Vielleicht ist es auch nur dem amtierenden sozialistischen Präsidenten Hollande zu verdanken, dass sich unter der Staatsdomain „gouv.fr“ im Internet ein neuer Onlineservice zum absoluten Renner entwickelt.

Getreu dem Motto: „Energie ist unsere Zukunft – schützen wir sie“ ist nun ist die Website

 

http://www.prix-carburants.economie.gouv.fr

 

online, und schützen tut sie vor allem das Portemonnaie der Nutzer. Mit dieser Website lassen sich die Benzinpreise flächendeckend und überall in Frankreich vergleichen! Aber nicht nur das, es gibt sogar einen Routenplaner der einem alle Tankstellen entlang einer Route inklusive der aktuellen Preise anzeigt – und die Preisunterschiede sind zum Teil recht beachtlich – sogar an Tankstellen abseits der Autobahnen gibt es Differenzen von knapp 0,20 €/liter.

 

 

Über 3,5 Mio Seitenimpressionen hat die Website mittlerweile pro Monat, fast genauso viel wie die Homepage des Elysees.

 

Bleibt die Frage ob es Sinn macht, wenn dieses Beispiel aus dem Nachbarland auch in Deutschland von Staats wegen mit Steuergeldern umgesetzt würde?


29.07.2010 00:35    |    taue2512    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: Behindert, Behinderung, Reisetipp, Sport, UMEN

Für manche Leute kommt es wie ein Schock aus heiterem Himmel, von einer Sekunde zur anderen zum Beispiel als Folge eines Unfalles und andere wiederum erleben wegen einer Krankheit, wie die eigenen körperlichen Kräfte und damit auch die eigenen Möglichkeiten langsam aber sicher immer mehr entschwinden. Bis zu dem Zeitpunkt an dem diese Menschen dann der bitteren Realität ins Auge blicken müssen, eventuell bis ans Ende ihres Lebens an den Rollstuhl gefesselt zu sein.

 

Für viele beginnt ab diesem Zeitpunkt ein regelrechtes Martyrium, einige finden sich mit dieser verbleibenden Option einfach nicht ab, lehnen sich und ihre körperliche Verfassung ab und versinken in einem psychologischen Chaos. Besonders vormals sehr aktive Leute, die als „vollwertiger“ Mensch in ihrer Freizeit viel Sport in der freien Natur betrieben haben kämpfen sehr damit. Aber auch diejenigen, die seit ihrer Geburt ein Handicap haben, sind ebenfalls betroffen und fühlen sich von der Gesellschaft ausgegrenzt und nicht akzeptiert.

 

Spätestens als aktiver Motorradfahrer hat man sich ja schon sicherlich mehr als einmal mit diesem Thema befasst und eventuell sogar Vorsorge in Form von Unfallversicherungen für den Ernstfall getroffen, um zumindest sein privates Umfeld rollstuhltauglich herrichten zu können.

 

Aber was ist eigentlich ein „vollwertiger“ Mensch? In unserer modernen Leistungsgesellschaft stehen körperlich eingeschränkte Menschen sehr schnell als Außenseiter da. Warum sollten in der Mobilität eingeschränkte Personen – ich vermeide jetzt mal bewusst das pauschalisierende Unwort „Behinderte“ - nicht auch das gleiche erleben können, wie jeder andere Mensch auch? Dieses Ziel hat sich hier in Frankreich ein gemeinnütziger Verein namens UMEN gesetzt. Dessen Leistungsspektrum ist beachtenswert und sehr wohl einen Blogartikel wert. In dessen Angebot findet sich alles, was ein Ausflugskatalog für „normale“ Menschen ebenfalls enthalten würde: Rasante Skifahrten im Winter, Schlittenfahrten, Schneeschuh-Touren, Bergwanderungen, Mountainbiking oder Camping in der Natur.

 

 

Auf diesen Verein bin ich durch einen dort engagierten Arbeitskollegen eher durch Zufall gestoßen. Mein Kollege weiß, dass ich in meiner Freizeit auch gerne ab und an mal in die nahen schneebedeckten Pyrenäen zum Bergsteigen gehe. Er kam auf mich zu und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte das einmal mit einer Joelette zu probieren. Ich war verdutzt: Einer was bitte? 

 

 

Eine Joelette ist ein sündhaft teurer einsitziger Spezialrollstuhl, der für Bergtouren von 4 bis 6 validen Personen manipuliert wird, verschiedenste Ausrüstungsoptionen erlauben sogar den Umbau in ein Ski-Mobil. Die Vereinigung UMEN (was ein Kürzel ist für „Univers Montagne Esprit Nature“) hat gleich mehrere dieser Stühle für Touren in den Bergen angeschafft und sucht nun nach Freiwilligen, die sich einbringen möchten. Und die Nachfrage nach diesen Touren ist sehr groß: Im letzten Jahr ermöglichten die freiwilligen Helfer über 300 querschnittgelähmten Menschen eine einmalige Erfahrung in freier Natur.

 

Unterstützt wird die Organisation dabei durch Spenden, Sponsoren und teilweise durch den französischen Staat, der z.B. festangestellte Mitarbeiter kräftig mitfinanziert.

 

 

 

Falls unter Euch jemand ist, der auch in seiner Freizeit gerne in die Berge geht und den nächsten Urlaub in Südfrankreich mal mit einer nützlichen Tat verbinden möchte, hier die Kontaktdaten um sich als Joelette-Pilot zu bewerben:

 

UMEN – Univers Montagne Esprit Nature

190 Rue Isatis – BP 81908 – FR 31319 LABEGE Cedex

 

Telefon: +33 562 24 18 18

eMail: contact@umen.fr

Internet: www.umen.fr

Recherche pilotes 2010.pdf (713 mal heruntergeladen)

24.06.2010 12:44    |    taue2512    |    Kommentare (2)    |   Stichworte: Griechenland, Reisetipp, Wirtschaft

Mein persönlicher Lagebericht zur aktuellen Situation in Griechenland? Gerne! Viele Leute kommentierten unsere Sommer-Urlaubspläne in diesem südeuropäischen Land mit süffisanten Kommentaren, wie: „Dann wollt ihr wohl die griechische Wirtschaft aufpeppen?“. Ja, indirekt hatten wir das auch sogar vor aber ich muss sagen, dass von einer Wirtschaftskrise in Griechenland selbst kaum etwas zu bemerken ist.

 

Die Innenstadt von Athen ist so sauber – gemessen mit dem was ich sonst immer gewohnt war – wie selbst während der olympischen Spiele in 2004 nicht. Und wenn man sich umschaut geht jeder dem normalen Tagesgeschäft nach. Das neue Akropolis-Museum kostet zwar in diesem Jahr erstmals Eintritt, aber zum Glück kommt man mit dem Fahrstuhl auf einen Nescafé Frappé direkt ins Restaurant und von dort in die Ausstellung – das ist eben Griechenland, nichts wird bis zu Ende gedacht. Gedanken bis zum Ende (seiner Amtszeit) hat sich aber offenbar der griechische Ministerpräsident Papandreou gemacht, er hob als Reaktion auf die strengen Sparvorschriften aus Brüssel erst mal den Mehrwertsteuersatz auf satte 22% an.

 

 

Natürlich brodelten daraufhin die Massen und es kam in der Innenstadt von Athen zu einigen Gewaltausbrüchen. Um nun den Zorn des Volkes – dessen Wahlspruch immer noch lautet „Freiheit oder Tod“ - etwas abzulenken, sollte es daraufhin den unliebsamen Großverdienern an den Kragen gehen: Top-Verdiener wie Ärzte und Politiker gaben seit Menschengedenken nur Bruchteile Ihres reellen Einkommens zur Vermeidung von saftigen Steuern an und irgendwie funktionierte das bislang recht reibungslos, weil jeder an strategisch wichtigen Stellen ein paar „Freunde“ hatte. Ein anderer Sektor waren die Grundsteuern: In Griechenland wird der Grundsteuersatz unter anderem an einem Luxus-Index berechnet und dieser steigt sprunghaft in die Höhe, sobald ein Haus über einen Pool verfügt. Bislang zahlten nicht einmal 350 Einwohner im Umkreis von Athen diese „Pool-Steuer“. Nun hoben Hubschrauber ab und machten Luftbilder von den Vororten der reichen und schönen, ganze Staffeln von Steuerbeamten schauen bei GoogleEarth, ob Häuser über Swimmingpools verfügen und siehe da, es lohnte sich: Ganze 375.000 nicht angemeldete Pools im näheren Umkreis von Athen wurden einwandfrei während dieser Großfahndung identifiziert.

 

Da die Griechen aber einfallsreich sind ist momentan der Verkaufsrenner schlechthin in griechischen Baumärkten eine grüne Kunstrasen-Folie, damit man seinen Pool vor einer solchen Entdeckung bewahren kann. Ob’s hilft bleibt dahingestellt.

Und so verwunderte es die auf einmal mit steuerlichen Repressalien beschäftigte Öffentlichkeit, dass zum Beispiel der Ehemann der griechischen Tourismusministerin mittlerweile runde 1,5 Millionen Euro Steuerschulden angehäuft hatte, was sogar am Ende seiner Frau den Ministerposten kostete.

 

Papandreou geht nun rigoros gegen den mafiösen Sumpf und die Bestechungen in allen Ebenen und Ämtern vor und sogar die sündhaft teuren Parkknöllchen, die vormals gegen Zahlung einer kleinen „Gebühr“ bei vielen Dorfpolizisten auf einfachste Weise „abgewickelt“ wurden, werden nun dank deutscher Technik lückenlos und elektronisch erfasst. Gib dem Filz keine Chance.

 

Apropos „deutsche Technik“: Wie ein gefundenes Fressen und anscheinend genau zur rechten Zeit kam der Skandal rund um die Firma Siemens und ihren Bestechungsgeld-Zahlungen. Überall sonst auf der Welt interessiert dies keine Menschenseele mehr, nur eben derzeit in Griechenland nicht. In abendfüllenden Nachrichtensendungen reden zwei Reporterinnen über weitere Namen und Summen, die eigentlich seit 2003 jedem bekannt sein sollten. Ja und reden können die Griechen ja sowieso ganz gut.

 

Wie leergefegt wirken derweil Hotelanlagen und Autobahnen, letztere nicht zuletzt auch wegen der gestiegenen Benzinpreise im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung. Ein Liter Benzin kostet nun im Schnitt überall 1,44 EUR. Und das in einem Land, in dem man sich noch nicht einmal auf einheitliche Verkehrsregelungen verständigen kann.

 

Beispiel: Kreisverkehre. In Griechenland hat normalerweise immer der in den Kreisverkehr einfahrende Verkehr automatisch die Vorfahrt, aber es gibt auch Kreisverkehre wo dann Stoppschilder an den Einfahrten dem Kreisverkehr auf einmal Vorrang geben. Und wenn ein Grieche sich im Recht fühlt sollte man ihn beileibe nicht daran hindern! Man muss also höllisch aufpassen, aber das tut man ja sowieso wegen der vielen manchenorts bis zu 15cm tiefen Schlaglöcher, die einen dazu zwingen wie ein Skiläufer hin- und her zu wedeln. Wobei man immer die Zweiräder im Blick haben sollte, die einen links und rechts zumeist ohne Helm überholen. Und nebenbei: Geschwindigkeit spielt wie im privaten Leben in Griechenland eher eine untergeordnete Rolle- man beachtet diese nicht und so kommt es das alle Leute so 30 bis 40 km/h zum erlaubten drauflegen.

 

Trotzdem wundert es bei allen diesen Problemen, das Griechenland nun auf dem goldenen Weg zu sein scheint. Das auferlegte Sparprogramm der europäischen Union wurde sogar Ende Mai um ein paar Prozentpunkte unterboten und so wie es aussieht ist der Staatsbankrott fürs erste nochmal erfolgreich abgewendet. Yeppa!


09.02.2010 00:14    |    taue2512    |    Kommentare (10)    |   Stichworte: New York City, NYC, Reisetipp, USA

In meinem kleinen Reisetipp geht es diesmal um die Stadt der Städte schlechthin: New York, die Stadt von der man sagt das sie niemals schläft. Ich für meinen Teil kann dies bestätigen, da ich vor einiger Zeit zwei Mal unter anderem beruflich dort gewesen bin. Man kann wirklich sagen das diese Stadt eine magische Aura hat. Geht man - egal zu welcher Zeit - runter auf die Strasse so hat man beinahe das Gefühl wie in einer Aterie von den anderen Blutkörperchen regelrecht mitgerissen zu werden. Man spürt das Leben pulsieren. 

 

Das interessante an dieser Stadt sind neben den vielen auf engstem Raum konzentrierten Sehenswürdigkeiten selbstverständlich auch deren Einwohner. Man erlebt schon seltsames: Als Europäer ist man eigentlich überall ein gerne gesehener Gast aus der "alten Welt" und viele wildfremde Leute erzählen auf einmal einem ihr Leben in den vielen typisch amerikanischen Beer Bars in Lower Manhattan. Man schließt sehr schnell Freundschaften, glaubt diese Leute nach ein paar Stunden und etlichen Gallonen leichtem Bier in- und auswendig zu kennen, geht ein paar Stunden später zurück ins naheliegende Hotel und fängt spätestens am nächsten Abend mit den gleichen Gesichtern vom Vorabend wieder genau an dem Punkt an, wo auch der vorherige Abend bereits angefangen hatte - der Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" läßt grüßen!

 

 

Man kann aber besonders viel sehen und erleben auf der kleinen Halbinsel namens Manhatten und Flüge von Europa gibt es derzeit wieder einmal besonders günstig bereits ab knapp 250 EUR für den Hin- und Rückflug. Und man kann sehr günstig über die Runden kommen, wenn man keine allzuhohen Ansprüche an das Hotelzimmer stellt. Die günstigste Alternative - und sicherlich auch die interessanteste sind die sogenannten "Dormrooms" - das sind Mehrbettzimmer, die man sich mit Leuten aller Couleur teilt. Da trifft man dann überwiegend auf sehr junge bunt zusammengewürfelte Typen. Beim meinem ersten Mal in so einem Hotelzimmer waren neben Schauspielstudentinnen und Straßen-Musikern auch einfache Reisende wie ich dabei und die Abende entsprechend lang, sowie kulturell interessant. Wer hat schon eine eigene "private" Opernsängerin in seinem Hotelzimmer, die um 6h am Morgen für Ihr bevorstehendes Casting am Broadway übt?

 

Besonders empfehlen kann ich das Chelsea Star Hotel. Es liegt inmitten von NYC, in direkter NAchbarschaft zum Madison Square Garden. Wer einen Dormroom scheut, kann hier auch für supergünstige 79 US$ auf ein "normales" Zimmer  upgraden. Bei meinem zweiten Aufenthalt hatten wir die Suite, die für mehrere Leute 2 Zimmer sowie ein eigenes Klo und Einbauküche bereithält. Weitere Infos: http://starhotelny.reachlocal.com

 

Eine interessante Sache ist eine Wohlfahrtsorganisation namens "Big Apple Greeter". Auf deren Website meldet man sich kostenfrei an, füllt ein Profil aus und die Agentur sucht einem einen passenden Einheimischen heraus, der dem Touristen "sein privates" New York zeigt. So erhält man interessante Blickwinkel auf diese Stadt, quasi aus der Sicht von Insidern. Dieser Service ist kostenlos und man erhält sogar von seinem Greeter normalerweise noch ein U-Bahn-Tagesticket. Der letzte Greeter, den der Zufall an meine Seite gestellt hatte war ein älterer Herr, der fließend Deutsch sprach und früher - vor seiner Rente - Sänger und Pianist auf Kreuzfahrtschiffen war. Er zeigte mir Little Italy, Greenwich Village, Chinatown und viele andere Locations. Das Tempo war sehr gemütlich und der Rahmen fast familiär. Sogar die Einladung zum Essen wollte der nette Herr zunächst ablehnen, nahm aber beim Anblick des Tellers Spaghetti in Little Italy jedoch schließlich dankend an. Zu finden unter: www.bigapplegreeter.org

 

Dann gab es noch einen pensionierten Polizisten, der immer noch als Berater und Guide arbeitet. Der Clou: Er holt seine Gäste silecht im alten ausgemusterten Streifenwagen punkt Mitternacht vom Hotel ab und chauffiert einen ganze 6h lang durch das nächtliche New York. Eine Tour die am Tage alleine von der Länge wegen der vielen Staus nicht zu schaffen wäre: Manhatten, Harlem, Lower Eastside, der Ort wo John Lennon starb, der Coney Island Vergnügungspark und fast alle Brücken. Gary spricht leider nur englisch, aber stimmt seine Touren bestens auf die Vorlieben und Wünsche seiner Kunden ab. Kontakt: http://hometown.aol.com/garyjgorman oder via eMail: nyccoptours@aol.com

 

Kurztipps:

 

• Im Empire State Building kann man einen sogenannten New York City Pass kaufen, der die Eintritte für 6 Sehenswürdigkeiten enthält. 79 US$ für Erwachsene / 59 US$ für Jugendliche bis 17 Jahre. Spart eine Menge Kohle und man darf an den zum Teil langen Schlangen vor den Kassen vorbeilaufen. Oder online kaufen (billiger): www.citypass.com/city/ny.html

• Vom Flughafen (am besten versuchen in JFK und nicht in Newark anzukommen, JFK liegt näher an der Stadt) fährt man am besten per U-Bahn direkt ins Hotel (kostete damals 1,50 US$), Multiride-Tickets sind natürlich preislich interessanter

• Die U-Bahnen sind eigentlich immer sehr sicher, besonders seit 2001 - in den frühen Morgenstunden sollte man sie aber trotzdem nach Möglchkeit wegen möglicher Konflikte mit Betrunkenen meiden

 

Was man unbedingt machen sollte:

 

• Intrepid Air & Space Museum (alter Flugzeugträger im Hafen)

• Statue of Liberty und Auswanderermuseum auf Ellis Island

• Chinatown besuchen

• Nach Little Italy zum Spaghettiessen

• Greewich-Village besuchen

• Empire State Buildung (Aussichtsplattform bei Nacht)

• Bei Eis: Schlittschuhlaufen im Central Park

• Ground Zero besuchen

• Metropolitan Museum of Modern Art

• Macy’s (Kaufhaus)

• Central Park (mit Zoo)

• Eichhörnchen in einem der Parks füttern

• Eine typisch amerikanische Bar besuchen (direkt gegenüber vom Hotel)

• Die ekeligste Coca-Cola trinken (McDonald’s, KFC, …), wegen dem Chlor-Geschmack vom Leitungswasser

• Times Square bei Nacht besuchen

• Cop-Tour bei Nacht

 

Die folgenden Videos sind bei meinem ersten Aufenthalt vor einigen Jahren entstanden.

 


09.11.2009 13:16    |    taue2512    |    Kommentare (7)    |   Stichworte: Frankreich, Oradour-sur-Glane, Reisetipp

Ganz Deutschland feiert heute die Wiedervereinigung, die sich vor nunmehr 20 Jahren abgespielt hat. Sogar hier in Frankreich berichten gerade die sonst eher am europäischen Geschehen uninteressierten französischen Medien mit Sondersendungen über den Jahrestag zum Fall der Mauer und die Hintergründe.

 

Von der „partie socialiste“ bis hin zur „la Stasi“ kann so nun fast jeder jüngere Franzose beim nächsten Schüleraustausch in Richtung Deutschland mit seinen Gasteltern und Schulkameraden dort über die jüngere Geschichte der DDR mitreden. Das ist auch gut so!

 

Zu meiner Schulzeit jedenfalls – und das ist nun wirklich nicht so verdammt lange her – wurde im Westen die ehemalige DDR vor dem Mauerfall so gut wie ganz vom Geschichts- und Geografieunterricht ausgesperrt. Man sollte gerade mal die Länder der DDR auswendig lernen – auch die ungefähre Lage der Städte, viel mehr Informationen flossen damals im Unterricht an meiner Schule nicht und ich vermute heute eine gezielte Nachrichtensperre der westlichen Kultusministerien dahinter!

 

Doch was weiß der geneigte Deutsche eigentlich über sein Nachbarland Frankreich? Gut, dass Frankreich nicht föderalistisch, sondern zentralistisch in Paris regiert wird – aber trotzdem eine Demokratie ist? Gut, eins – setzen!

 

Und was noch? Das vielleicht der ein oder andere (Ur-)Großvater seinen Militärdienst in im Zweiten Weltkrieg im besetzten Frankreich hinter sich gebracht hatte. Ja, auch das sollte bekannt sein. Okay, und wie wird oder wurde vielmehr diese Zeit der deutschen Besatzung im Allgemeinen in Deutschland dargestellt? Insgesamt ruhig, hier und da ein paar Partisanen und der vielverfilmte Kampf der Résistance gegen die „bösen Deutschen Nazis“.

 

Hier in Frankreich wurde über lange Zeit hinweg der Nachkriegsgeneration das Bild eben dieses „bösen Deutschen“ von den Medien eingetrichtert, im Nachmittagsprogramm liefen ständig statt kindgerechter Zeichentrickserien alte Schwarz-Weiß-Filme über den Krieg, immer aus französischer Sicht und was die dargestellten deutschen Truppen in diesen Streifen angeht auch immer schön originalgetreu auf zackigem Befehls-Deutsch: „Achtung!“, „Jawohl!“, „Schnell, schnell!“ und „Papiere bitte!“ kann deshalb so manch ein Franzose dank dieser Dauerberieselung mittlerweile quasi akzentfrei aufsagen.

 

Und so kommt schon manchmal vor, das fast jeder Nachkriegs-Franzose der auf einen Deutschen trifft erst mal aus mangelndem Schuldgefühl heraus seine kleinen Späße mit diesen zackigen Floskeln macht. Als Deutscher sollte man hier in einer solchen Situation dann nicht unbedingt pikiert oder düpiert sein. Aber wenn spätestens einem der französische Gesprächspartner die rechte Hand zum Gruß entgegenstreckt, darf man diesen schon freundlich darauf hinweisen das dies mittlerweile sogar in Deutschland verboten ist, genauso wie auch die Verwendung der Insignien des Dritten Reiches unter Strafe gestellt sind.

 

Danach ist der Franzose schlauer und lenkt normalerweise sehr schnell auf andere Themen um, die zur allgemeinen Völkerverständigung besser beitragen.

 

Aber es gibt auch Fleckchen in Frankreich, in denen es auch nach über 65 Jahren schwierig mit eben dieser Völkerverständigung ist. Hier bei mir im Süden Frankreichs war es ja während des Krieges ja in der Tat relativ ruhig, die Demarkationslinie zur „neutralen Zone“ verlief in ein paar Kilometern Entfernung und es gab keine nennenswerten Übergriffe der Wehrmacht auf die Zivilbevölkerung.

 

In anderen Teilen sah es aber während der Besatzungszeit deutlich anders aus.

 

Aber wer von Euch hat in der Schule etwas vom kleinen Ort „Oradour-sur-Glane“ gehört? Keiner?

 

Oradour-sur-Glane liegt nur ein paar Kilometer nordwestlich der Stadt Limoges im Departement Limousin. 

 

 

Hier spielten sich am 10.6.1944 unbeschreiblich schreckliche Szenen ab, als die 3. Kompanie einer SS-Panzerdivision auf Ihrem Wege in die gerade eben erst befreite Normandie im Norden Frankreichs ein Widerstandsnest in diesem Ort vermutete und ein Massaker an der dortigen Bevölkerung anrichtete. Dieses wird als das Massaker von Oradour-sur-Glane in allen Lexika auf unterschiedlichste Weisen referenziert.

 

Knapp 650 Menschen wurden an diesem Tag ermordet. Die 180 Männer des Ortes wurden in Garagen und Häusern erschossen, während man die über 200 Kinder und mehr als 250 Frauen in die kleine Kirche des Ortes verbrachte, die Türen verbarrikadierte und den Glockenturm sprengte – der im Kirchenschiff einschlug und viele der Opfer schnell von ihren unsäglichen Qualen erlöste.

 

 

Die Kirche wurde alsdann mit Brand- und Splittergranaten von der SS in Brand gesetzt und keiner der darin Eingeschlossenen entkam dem Inferno.

 

Als Erinnerung an diesen Tag entschloss man sich später, den Ort unberührt zu lassen und eine Gedenkstätte mit einem Dokumentationszentrum vor dessen Toren zu errichten.

 

 

Ich bin im Spätsommer dieses Jahres dort gewesen und ich muss sagen, dass einem die Stimmung dieses Ortes – besonders als Deutscher - sehr betroffen macht. Man kommt sich vor, als ob man auf einen Schlag in eine andere Zeit versetzt wurde. Alte Autowracks stehen ausgebrannt in den Ruinen, hier und da finden sich Spuren menschlicher Besiedlung an diesem Ort wo alles Leben von Menschenhand an nur einem einzigen Tag für immer vernichtet wurde.

 

Man erkennt Läden, das ehemalige Postamt und nicht zuletzt die Kirche die allesamt nur noch als mahnende Gerippe stehen - der ganze Wahnsinn eines vollkommen unsinnigen Krieges, in diesem Falle sogar gegen unbeteiligte Zivilisten wird hier sehr deutlich.

 

 

Der einzige Prozess auf deutschem Boden gegen einen Beteiligten wurde übrigens in der damaligen DDR gemacht, als der ehemalige Obersturmführer Heinz Barth im Jahre 1983 zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Er befahl nach eigener Aussage vor Gericht die Erschießung von mindestens 20 Personen in einer Garage. 1997 wurde er jedoch aufgrund seines Gesundheitszustandes aus der Haft entlassen, klagte im inzwischen wiedervereinigten Deutschland erfolglos auf eine Kriegsversehrtenrente und starb erst im Jahre 2007 an Krebs. 

 

 

Der Hauptverantwortliche General Heinz Lammerding wurde zwar in Frankreich rechtskräftig verurteilt, von der Bundesrepublik allerdings nie dorthin ausgeliefert und starb im Jahre 1971 ohne auch nur jemals für die Tat belangt worden zu sein.

 

 

Wer auf dem Weg in den Urlaub gen Süden ist, kommt ja fast zwangsläufig im nahen Limoges vorbei, nachdem man Paris hinter sich gelassen hat. Einen Besuch dieses Ortes sollte man in diesem Falle unbedingt einplanen. 

 

 


28.10.2009 14:51    |    taue2512    |    Kommentare (2)    |   Stichworte: Castres, Frankreich, Reisetipp, Sidobre, Toulouse

Für die jüngeren unter Euch: "Sidobre" ist nicht der Künstlername des jüngeren im Bremer Exil lebenden Bruders des bekanntes Rappers Sido, die Sidobre ist vielmehr ein sehr interessanter Landstrich in Frankreich.

 

 

Einen sehr interessanten Einblick in die geologische Erdgeschichte erhält man gut 65km östlich von Toulouse in der Nähe der kleinen Stadt Castres.

 

 

Dort befindet sich nämlich die sogenannte Sidobre in einem Gebiet von nur 15 x 6 km Ausdehnung, welches im französischen Departement Tarn liegt. Diese Art von geologischer Besonderheit ist in dieser Größe und Ausdehnung in Europa völlig einmalig.

 

 

Die bewaldeten Bergkuppen dieses kleinen Landstrichs erheben sich zwar „nur“ auf etwas über 700m über dem Meeresspiegel, aber diese Art von Gestein ist nicht der Hauptgrund für einen Besuch: Die Sidobre entstand in einem relativ „jungen“ Erdzeitalter - nämlich vor rund 300 Millionen Jahren, als die heißen Magma-Schichten an dieser Stelle in einer Tiefe von 7,5 bis 20km abkühlten, auskristallisierten und im Laufe der folgenden Jahrmillionen als eine Art monolithische „Granitblase“ langsam an die Erdoberfläche gewandert sind.

 

 

Und weil dieser Prozess eben sehr lange dauerte, zersetzte sich diese eine Blase auf ihrem Weg nach oben in viele kleine Bruchstücke durch tektonische Verschiebungen aufgrund der Bildung der nahen Pyrenäen, sowie der Wetter- und vor allem der einwirkenden Wassererosion.

 

 

Heutzutage kann man dort wirklich einzigartige Naturgebilde aus Granitgestein bestaunen:

 

  • Der Peyro Clabado in Lacrouzette, ein massiver Granitblock von 708t Gewicht, der auf einem natürlichen Sockel balanciert
  • Der Roc de l’oie – oder auch der Gänsefelsen
  • Les Trois Fromages, gleich drei enorme frei stehende Granitfelsen
  • Der Rocher Tremblant des Sept-Faux, ein Granit-Ungetüm von über 900t
  • Der Chapeau de Napoléon, ein Stein in der altbekannten Hutform
  • Die Grotte au Loup, eine natürliche Grotte in einem alten Flußbett
  • Die Chaos Granitique von Resse, La Balme, La Rouquette und Secun entlang der Flanken ehemaliger Flüsse
  • Der Lac du Merle mit den interessanten Uferböschungen
  • Der Saut de la Truite, ein doppelter Wasserfall mit knapp 30m Höhe

 

Besonders diese „Chaos Grantitiques“ sind sehr sehenswert (siehe Video), unter ihnen fließt selbst in den sehr trockenen und heißen Sommermonaten stetig das Wasser entlang des Jahrmillionen alten Flussbetts.

 

 

Die Wasserkraft hat die einst mächtigen Gesteinsbrocken wild durcheinander gewürfelt und mit der Zeit rundgeschliffen. Und an vielen Stellen trifft man auf natürliche Höhlen unter diesem wilden verkeilten durcheinander. Die wohl am einfachsten zu erreichende Höhle ist die Höhle von Saint Dominique bei La Rouquettes. Der Sage nach soll hier ein rebellischer Priester drin gewohnt haben, bis er von den Dorfbewohnern verpfiffen und anschließend öffentlich in Castres guillotiniert wurde - das war um 1780.

 

 

Trotz der Status der National- oder Naturparks existieren viele Betriebe in dieser Region, die den Granit verarbeiten. An manchen malerischen Stellen in der Landschaft wurden zum Teil auch schon einige Blöcke angesägt, aber das sind zum größten Teil die Narben aus vergangenen Jahrhunderten. Mittlerweile darf Granit nur noch in extra ausgewiesenen Zonen gewonnen werden, damit diese einmalige Landschaft noch ein paar Millionen Jahre überdauert.


26.07.2009 20:49    |    taue2512    |    Kommentare (0)    |   Stichworte: Frankreich, Reisetipp

Ausnahmsweise anstelle eines Mietwagentests, der sonst in gewohnter Manier wie alle 14 Tage hier publiziert worden waere als Ersatz passend zur Urlaubssaison ein kleiner Reisetipp, denn Kindesmuetter in Deutschland koennen einem schon irgendwie den Spass an geplanten Besuchswochenenden nehmen. Dieses Wochenende haette ich eigentlich in Deutschland bei meinem Sohn sein sollen, aber erstens kommt meistens immer alles anders und zweitens als man denkt.

 

Da wir also an diesem Samstag aus diesem Grunde also noch nichts vorgenommen hatten, entschlossen wir uns kurzerhand zu einem Picknick an den Ufern des Lac de Saint-Ferréol in der Naehe der Stadt Revel.

 

Lac de Saint-FerréolLac de Saint-Ferréol

 

Dieser See liegt circa 50km Luftlinie und etwas mehr als eine Stunde Fahrt ueber schoene Allee-Strassen von Toulouse entfernt im Departement Languedoc-Roussillion.

 

An sich - so koennte man meinen ein ganz normaler Stausee - allerdings mit einer besonderen Geschichte: Denn seit seiner Fertigstellung im Jahre 1672 durch den hier im Sueden recht bekannten Baumeister Herrn Pierre-Paul Riquet und ungefaehr einhundert Bauarbeitern nach nur 5 Jahren Bauzeit speist dieser Stausee den weltbekannten Canal du Midi und verhindert das dieser vor allem bei Touristen beliebte Kanal, der ueber fast 190km eine Verbindung vom Fluss Garonne ins Mittelmeer herstellt im Sommer trocken faellt. Dadurch das es nur wenige Zufluesse in den Lac gibt, steigt die Wassertemperatur im Sommer sehr leicht auf angenehme 28 Grad an und hier und da gibt es sogar ein paar richtige Sandstraende, die zum relaxen einladen. Tagsueber - besonders an Wochenenden - spielt sich das Leben in der Naehe der Staumauer ab. Feria-Musikgruppen spielen den ganzen Tag ueber hippe Lieder im Blasmusik-Style und viele Leute sitzen im Schatten der alten ehrhabenen Baeume und lassen es sich einfach gut gehen.

 

Die FontaeneDie Fontaene

 

Geht man den See entlang in Richtung Staumauer und ueberquert die dahinterliegende Strasse, so gelangt man in Richtung "La Gerbe". Hier legten die Arbeiter seinerzeit einen Steinbruch fuer die Steine der Staumauer an und heute laden an dieser Stelle mehrere kleine Wasserfaelle und eine Fontaene zu ausgedehnten Spaziergaengen ein. Ganz nach suedfranzoesischer Mentalitaet wird hier allerdings ueberhaupt nicht auf das Thema "Verkehrssicherung" geachtet und man sollte entsprechend vorsichtig an manchen Stellen sein, da Steine glitschig und der unbefestigte Boden relativ rutschig sein kann.

 

 

Die Staumauer ist uebrigens zum Zeitpunkt ihrer Erbauung die erste dieser Art und Groessenordnung in ganz Europa gewesen! Was von aussen wie eine einzige massive Mauer aussieht besteht in Wirklichkeit aus drei Teilen: Die erste Mauer ist knapp 30m hoch und 3,9m dick, die dahinterliegende eigentliche Hauptmauer ist 835m lang, 35m hoch und gut 10m stark. Die letzte Mauer ist wiederum 30m hoch aber mit nur 2,8m ein wenig duenner wie die erste. Zwischen den einzelnen aus Granitbloecken bestehenden Mauern liegt ein Abstand von jeweils 60m, der seinerzeit mit Geroell und tonhaltiger Erde verfuellt wurde. Fuer damalige Verhaeltnisse eine technische Meisterleistung, sowohl von der Konzeption als auch von der Durchfuehrung her.

 

La Gerbe mit der FontaeneLa Gerbe mit der Fontaene

 

Wer von dort aus genuegend Energie hat, kann dem Wasserlauf gut 30km aus den schwarzen Bergen heraus durch schattige Waelder hindurch folgen, bis man endlich an den Canal du Midi gelangt. Den Canal werde ich demnaechst nochmal gesondert behandeln, denn er eignet sich prima fuer Entdeckungstouren mit dem Rad.


20.07.2009 13:00    |    taue2512    |    Kommentare (0)    |   Stichworte: Carcassonne, Frankreich, Reisetipp

Einer der schönsten Plätze hier im Süden ist und bleibt sicherlich die mittelalterliche Festungsstadt Carcassonne. Ein jeder kennt wohl das gleichnamige Gesellschaftspiel, entweder als altmodisches Brett- oder modernes Computerspiel. Zwangsläufig erhascht man im vorbeifahren auf der Autoroute du Soleil zur linken in Richtung Spanien einen kurzen Blick auf die Befestigungsanlagen (GoogleMaps), die genau wie in diesem Brettspiel - wo man Punkte für möglichst große Festungsanlagen erhält - mächtig und imposant wirken.

 

Stimmungsvoll: Die Mauern am AbendStimmungsvoll: Die Mauern am Abend

 

Beim Anblick der etwas außerhalb vom heutigen modernen Ortszentrum gelegenen Altstadt, der Cité – wie der Franzose sagt – kommt man alleine schon wegen der Größe kaum aus dem Staunen raus und stellt sich die Frage wie man damals solche baulichen Leistungen erbringen konnte. Für einen Besuch sollte man sich deshalb viel Zeit nehmen, denn neben den vielen kleinen Gassen gibt es auch viele Museen im Inneren der Stadtmauern.

 

Unbedingt vermeiden sollte man jedoch zur Urlaubszeit im Hochsommer während der Schulferien oder um den 14. Juli herum zum Nationalfeiertag dort vorbeizukommen, denn dann laufen dort mehr Touristen rum als die Stadtmauer Zinnen hat. Es sind vor allem Engländer, die sich dort herumtreiben wegen des kostengünstigen Flug-Anschlusses mit Ryanair non-stop nach London-Stansted.

 

Eine großangelegte und zu gut gemeinte Renovierungsaktion zu Beginn des 19. Jahrhunderts zerstörte leider einige authentische Bereiche aus der langen und wechselvollen Geschichte der Stadt. Ein Besuch des städtischen Museums zur Geschichte Carcassonnes lohnt sich aber dennoch, die Ausstellungsbereiche des Museums wurden mit viel Aufwand in den Originalzustand versetzt.

 

Im Winter wohnen nicht einmal 85 Leute in der Altstadt und alles wirkt einsam und verlassen, der beste Zeitpunkt Carcassonne also einen Besuch abzustatten ist m.E. eindeutig der Spätsommer. Wenn man nicht allzu spät kommt kann man sich noch die Showkämpfe und Ritterturniere anschauen, die meistens erst gegen Ende September in Abhängigkeit von der Witterung eingestellt werden. Hier splittern noch echte Lanzen (aus Balsaholz) und Ritter in handgefertigten Rüstungen stürzen in den Staub der Turnieranlage.

 

Groß und mächtig: CarcassonneGroß und mächtig: Carcassonne

 

In der Altstadt findet sich ferner auch ein Museum für Wehrtechnik, der Inhaber ist ein – zumindest in Frankreich - bekannter Experte für mittelalterliche Waffen, der schon in vielen Filmen illustren Persönlichkeiten wie Jean Reno tatkräftig Schwertkämpfe oder Kevin Costner für seine Rolle in Robin Hood das historisch korrekte Bogenschießen beigebracht hat. Die anderen Attraktionen – besonders das Spukhaus "Maison haunté" sind der reinste Touristen-Nepp. Man sollte lieber das Eintrittsgeld dafür sparen und sich in einem Restaurant in einer nahen ruhigen Seitenstraße einen richtig guten Wein gönnen, schließlich liegt Carcassonne in der bekannten Weinregion Languedoc.


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