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19.03.2016 23:03    |    taue2512    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: ecar, Elektroauto, Elektromobilität, Elektro-Nutzfahrzeug, nutzfahrzeug, Stromos, t5, Volkswagen, wave

Nach langer Auszeit hier mal wieder ein richtiger Kurztest mit Video, dazu noch über einen waschechten Exoten von dem es nur eine Kleinserie gibt. Nein, es handelt sich hier nicht um einen Bugatti in limitierter Sonderedition, sondern um ein richtiges Arbeitspferd mit viel Potential: Der Volkswagen T5é aus dem Hause Laukner.

 

Seit 2010 existiert diese Serie, die auf ehemaligen thermischen Vertretern der erfolgreichen VW T5-Modellreihe basiert. Egal ob kurzer Radstand, langer Radstand, Pritsche oder Kombi – alles kann - wenn der Kunde es wünscht - lautlos dahingleiten.

 

Ein komplettes Elektro-Gespann: Elektroboot nebst reinelektrischem VW T5.Ein komplettes Elektro-Gespann: Elektroboot nebst reinelektrischem VW T5.

 

Und ein elektrisches Nutzfahrzeug macht durchaus Sinn in diesem Segment: Gerade die Last-Mile-Distribution ist die Hauptdomäne des vollelektrischen T5, denn innerstädtischer Stop-and-Go-Verkehr und Ampelsprints, sowie das beinahe lautlose morgendliche beliefern in Verkehrsberuhigten Bereichen sind das Spezialgebiet des T5é. Selten fahren solche Fahrzeuge mehr als 200km am Stück, ob es nun Paketdienste oder Zeitungszusteller sind, oder morgens um vier Frischfisch in die Fußgängerzone geliefert werden soll – das beliebte T5-Arbeitspferd wird durch den Vollelektro-Umbau noch souveräner.

 

Wer gleitet so spät lautlos durch Nacht und Wind? Es ist der Zeitungsbote mit seinem T5é!Wer gleitet so spät lautlos durch Nacht und Wind? Es ist der Zeitungsbote mit seinem T5é!

 

Apropos Umbau: Der Gesetzgeber legt gerade bei Kleinflotten-Umbauten von thermisch in Richtung Elektrisch einige Steine in den Weg. Vor etlichen Jahren kam ich schon mal mit den „Stromos“ getauften Suzuki Splashs in Kontakt – ein rundum gutes eAuto, allerdings mit einem Haken...in Form einer Handschaltung. Ein eAuto braucht diese normalerweise nicht, das fahren ist auf den ersten Kilometern auch ein wenig komisch, denn natürlich ist auch ein herkömmliches Kupplungspedal vorhanden, welches zum Gangwechsel betätigt werden muß, beim Stopp an der Ampel aber ignoriert werden kann da man ja den eMotor nicht abwürgen kann. Beim T5é ist auch eine solche Schaltung vorhanden – aber hier macht diese Sinn. Denn man muss dazu wissen, daß man auch beim eMotor gewisse Drehzahlbereiche einfach besser nutzen kann – auch wenn wie so oft zitiert das hohe Drehmoment beim eMotor quasi sofort anliegt. Fährt man den VW T5é in einer schweren Gespannkonfiguration macht die Schaltung Sinn beim beschleunigen und auch bei steilen Bergabfahrten zur Dosierung der Rekuperationsleistung im Schiebebetrieb. In der Stadt kann aber immer der zweite oder gar dritte Gang eingelegt bleiben, das reicht im Normalfall für ein zügiges Mitschwimmen im Stadtverkehr aus. Also spielt die Handschaltung nur noch eine untergeordnete Rolle im Alltag. Die Beschleunigung ist für die 2,4t Lebendgewicht eindrucksvoll und endet elektronisch abgeriegelt bei 150 km/h.

 

 

Die Höchstgeschwindigkeit und auch das Drehmoment beim Anfahren des elektrischen T5é sind elektronisch begrenzt, denn die ohnehin schon sehr fragilen Gelenkwellen würde die ungebremste Kraft des verbauten Elektromotors einfach zerbröseln. Hier geht wirklich die Post ab, selbst im Vergleich zur stärksten Diesel-Motorisierung.

 

Ein Hauptargument neben dem grünen Gewissen ist für KMU’s und interessierten Gewerbetreibenden mit kleinen Flotten sicherlich der Kostenaspekt des Pakets T5é, denn die Umbaukosten – je nach Batteriegröße und Sonder-Kundenwünschen – von bis zu € 55.000.—sind anfangs eine stolze Summe, die sich bei Gesamtbetrachtung sehr leicht wieder einfahren lässt. Nebenbei erwähnt scheint ja nun auch der Gesetzgeber langsam aufzuwachen, denn das Bundeswirtschaftsministerium stellt erstmals Gelder für Förderung der Anschaffung von eNutzfahrzeugen und damit verbundene Projekte bereit.

 

Technische Daten:

  • Motor: maximal 200kW (100kW Nennleistung), maximales Drehmoment 500Nm (aktuell abgeriegelt bei 300Nm und 120kW)
  • Rekuperation: mehrstufig
  • Gewichte und Nutzlast: Leermasse 2.100kg, Akku 400kg, Nutzlast 700kg
  • Fahrleistungen: Vmax 200km/h (bei 150km/h abgeriegelt)
  • Reichweite: >210km (je nach Batterie)
  • Batteriebeispiel: 400V/100Ah, LiFePO4 mit patentiertem BMS, 40kWh?Lademöglichkeit via integriertem 3x3kW Lader
  • Ladezeit: mit 3x400V/13A – 3h, mit optionalem 20kW Zusatzlader – 1,5h
  • Energieverbrauch: 18-22kWh/100km

 

In der getesteten Konfiguration für den Bürgerbus-Verein verfügte der T5é über +180km rein elektrische Reichweite, der Onbord-Lader unterstützt die handelsübliche Typ2-Steckernorm oder per Adapter CEE rot 16 und 32A mit einer Ladeleistung vom 50A - damit ist in etwas über 2,5h das Fahrzeug vollgetankt. Die Reichweite wird bei vorsichtiger Fahrweise locker übertroffen und ist kein geschönter, unerreichbarer NEFZ-Wert. Dank des modularen Konzepts können Kunden weitgehend die größe der Batterie oder Sonderwünsche zur Ladetechnik beauftragen - auch Kundenfahrzeuge mit einem altem und kaputten thermischen Motor wären durch einen Umbau somit einem 2nd-Life zugeführt und sozusagen "upgecycled".

 

 

Die Fahrt macht sehr viel Spaß im Elektro-T5 und vielleicht kommt bald ein großes Modellprojekt auf seinen Konstrukteur zu - wünschenswert wäre es auf jeden Fall, denn wo andere Leute stets nur Studien präsentieren, gibt es eben auch echte Macher die Ideen in die Tat umsetzen.

 

(Mehr Infos in der angehängten PDF-Datei.)

Link: https://www.dropbox.com/s/5dga47wqrdny4bh/VW-T5.pdf?dl=0

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20.03.2016 11:23    |    Rockport1911

Sehr schönes Fahrzeug, mit dem man tatsächlich arbeiten kann. Wusste gar nicht das die "Made in Sachsen" sind.

 

Leider können große Flotten wie die der Deutschen Post nur auf Neufahrzeuge zugreifen, wenn VW einen Transporter mit solchen Fahrwerten anbietet würde der sich sicher verkaufen wie geschnitten Brot.

Für die Serienfertigung müsste die Sache mit dem Getriebe noch geregelt werden, vielleicht ist es bei einem Nutzfahrzeug gar nicht so verkehrt eine Zwei- oder Dreigangautomatik einzubauen. Auch die Achsen müssten das gesteigerte Drehmoment voll aushalten können.


20.03.2016 13:08    |    Lewellyn

Danke für diesen informativen Bericht. Kannte ich gar nicht.


20.03.2016 19:12    |    Hummerman

Das angehängte PDF wird leider nicht gefunden.

 

Ist es aber nicht sehr unwirtschaftlich alte Gebrauchtwagen zum E-Fahrzeug umrüsten zulassen?


20.03.2016 20:49    |    Sp3kul4tiuS

wieso muss dann eben die version vom großen tdi sein?!


21.03.2016 07:44    |    Käfer1500

Ich zweifle auch, das sich das rechnet! Für Vielfahrer gibts ja auch noch Autogas- und CNG Umbauten des T5.

Und die für kommerzielle Anwendung wichtigen Parameter Nutzlast und Ladevolumen leiden ja auch, oder?

Wird die Klimaanlage dann elektrisch angetrieben? Und die Heizung im Winter?


21.03.2016 11:53    |    taue2512

Ein eNutzfahrzeug mit einer Laufleistung von 30.000km spart 4.000€ an Betriebsstoffen, hinzu kommt weniger Verschleiß, Wartung und Umwege zur Tanke, das sind dann nochmal so um die 2.000€ zusätzlich - also 6.000€/Jahr weniger. Bei einer durchschnittlichen Haltedauer von 7 Jahren laut KBA sind es 42.000€ an erspartem...ohne Förderungen gerechnet.

 

Ein solcher Umbau rechnet sich schon, oder eben wahlweise die Anschaffung einer kleineren Lösung von der Stange, wie z.B. dem eNV-200 von NISSAN. Die Heizungsanlage im elektrischen T5é kann durch eine Zusatzheizung, die z.B. mit Bio-Ethanol betrieben wird, ergänzt werden - was im Busbetrieb auch sowieso Sinn macht (Komfort/Schnelligkeit/Vorheizung).

 

Der Link zum PDF geht nun über externe Dropbox - vermutlich ein Problem bei MT.


21.03.2016 17:03    |    Käfer1500

rechnen wir mal mit 200km pro Tag, was die Praxisreichweite schon ziemlich voll ausschöpfen würde, sind 30tkm also 150 Arbeitstage. Rechnen wir mit 6 Arbeitstagen pro Woche, sind das 25 Wochen, also ein halbes Jahr. Also spart der im Jahr 8000€ an Betriebsstoffen. Die sagen wir mal 40t€ Umrüstkosten hat er also nach 5 Jahren reingefahren. Ab da würde der T4 also Gewinn machen, wenn:

-Kapitalkosten 0 wären (welcher Unternehmer bekommt sein Geld für 0% Zins?)

-ich nicht mit 10l/100km Diesel zu unter 1€/l und 50€ Motoröl alle 30tkm, also nur aktuell unter 3000€/30tkm Betriebsstoffe rechne, sondern mit einem höheren Dieselverbrauch und einem Dieselpreis von über 1,30€/l

-der Strom zum Tanken kostenlos wäre!

-der schon vorher gebrauchte T5 tatsächlich noch weitere 300tkm (2 x 30tkm x 5 Jahre) durchhält

-die Akkus ihre volle Kapazität über 5 Jahre und 300tkm behalten

 

=> ich sehe immer noch nicht, das sich der T5e wirklich amortisiert, geschweige denn tatsächlich mal Plus macht, zumindest nicht ohne Förderung, ohne kostenlosen Ladestrom und bei heutigen Spritpreisen


22.03.2016 09:39    |    Audi-100-Avant

Bei mir kostet der Diesel für einen T5 mit 8l/100 km Verbrauch bei 30.000 km Laufleistung und einem Dieselpreis von 95 Cent/Liter aber nur 2.280 Euro. Und von Ersparnis kann man erst reden, wenn man demgegenüber auch die Kosten für den Strom zum Aufladen der Batterie gegenüberstellt. Die sind mir unbekannt. Ich bezweilfe sehr stark, das sich die Umbaukosten derzeit amortisieren lassen. Für 55.000 Euro kann man eher noch einen zweiten T5 und einen Caddy kaufen.

 

Auch wenn ich ein Fan des Elektoantriebes bin, macht es derzeit ökonomisch noch keinen Sinn. Berücksichtigt man auch ökologische Aspekte, sieht es vielleicht anders aus.


22.03.2016 11:07    |    Twinni

Welcher Bürgerbus-Verein stopft seine Fahrgäste in einen T5? Ohne speziellen Aufbau (wie im Video im Hintergrund zu sehen) ist der dafür völlig ungeeignet. Fast alle Bürgerbusse fahren im Verbund mit dem ÖPNV. Wie soll man das mit einem normalen Busaufbau realisieren? Kasse, Drucker, Rollstuhlrampe... das ist so nicht machbar. Und wenn man aus dem T5 mit entsprechendem Aufbau einen "echten Bürgerbus" für 8 Fahrgäste macht, wird man am zulässigen Gesamtgewicht von 3.500 kg scheitern. Für den Klempner sicher ein tolles Auto, aber elektrische Bürgerbusse funktionieren nicht.

 

Mal ein paar Eckdaten unserer beiden Bürgerbusse (jeweils): Fiat Ducato, fertig umgebaut ca. 95.000 Euro, 80.000 km/Jahr, 20.000 Fahrgäste/Jahr, 9 L/100km. Das zulässige Gesamtgewicht ist hier bereits an der oberen Grenze.


22.03.2016 12:59    |    DerMas

Nur als ganz kurze Ergänzung: Du erzählst immer von abgeriegelt, du meinst aber wohl abgeregelt :)


22.03.2016 19:57    |    Achsmanschette42

Diesel: 30.000 km/a * 8 Liter/100 km * 1 €/Liter = 2.400 €/a

 

Strom: 30.000 km/a * 20 kWh/100 km * 30 Cent/kWh = 1.800 €/a

 

Und 2.000 € Wartungskosten im Jahr? Dafür bekommt man alle 3 Jahre einen neuen Motor eingebaut.

 

Verstehe ich nicht... aber man rechnet sich bekanntlich gerne die Dinge schön. Lokal emissionsfrei, das ist sauber und toll, aber irgendwie...


01.03.2018 11:49    |    DocSchrott

Danke für den Bericht.

 

Sehr gut dargestellt, sehr erhellend und eigentlich Pflichtlektüre für alle Autobesitzer. Besonders aber für Verbrennerfetischisten.

Kann auch eine Automatik umgebaut werden??

 

Grüße,

 

DocSchrott


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