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21.10.2015 15:11    |    taue2512    |    Kommentare (11)    |   Stichworte: 1, Citroën, C-ZERO

Gestern ist es mir zum allerersten Mal passiert, das ich in einer mit Ladesäulen und Elektroautos ansonsten spärlich ausgestatteten Region im Norden Deutschlands mal ausnahmsweise nicht laden konnte. Dafür gab es drei Gründe: Ich bin zurzeit in einem NISSAN eNV-200 unterwegs, hatte deswegen meine private Kabel-Adapterbox für CEE 32A rot (die zweite noch freie Möglichkeit an eben dieser Säule) natürlich gerade nicht dabei und die Säule mit dem Typ-2-Stecker wurde ausgerechnet von einem fertig geladenen e-Golf blockiert. Zum Glück hatte ich noch genügend Reichweite im Tank...

 

In anderen Foren wird ja zum Teil auf das heftigste diskutiert, ob der Elektro-Knigge es zulässt, den Ladestecker eines wildfremden Elektroautos – wenn dieses Fahrzeug bereits fertig geladen ist - an öffentlichen Säulen einfach herauszuziehen, um das eigene Fahrzeug zu laden oder nicht.

 

Die einen sagen kategorisch „ja“, da die meisten Stellplätze für eFahrzeuge im öffentlichen Raum sowieso nur für Fahrzeuge während des Ladevorgangs reserviert sind, die anderen sagen „jein“, weil öffentliche Säulen meistens auf den ersten Blick gar nicht erkennen lassen, ob ein Fahrzeug vollgeladen ist oder nicht, oder schränken das Recht auf den Stecker allein auf Schnelladeplätze vom Typ CCS oder CHAdeMO ein, wenn die Ladesäule denn kostenfrei ist. Und wiederum andere sagen „nein“ und fuchteln gleich mit der Anwaltskeule und dem Strafgesetzbuch herum wegen möglicher Beschädigungen des fremden Autos beim unsachgemäßen unterbrechen und abkabeln eines potenziellen Ladevorgangs.

 

Damals, als die eMobile Welt noch nicht von Neureichen in +100k€ teuren rollenden Batterien auf Rädern eines amerikanischen Herstellers inklusive Gratiskultur, sondern überwiegend von Idealisten in ihren fliegenden Kisten mit nur maximal 120 Kilometern Reichweite dominiert wurde, gab es bereits meines Erachtens sinnvolle Lösungen und Absprachen für dieses leidige Thema. Anscheinend sind diese nun mittlerweile dank der erwähnten Gratiskultur offenbar in Vergessenheit geraten. Zeit diese wieder hervorzukramen.

 

Möglichkeit 1: Die gute alte Ladescheibe

Wenn ich einen öffentlichen Ladeplatz belege, lege ich in Autos die von außen keinerlei Möglichkeit bieten, den aktuellen Fortschritt des Ladestandes zu verfolgen (also alle eAutos mit Ausnahme NISSAN - die haben mehrere blaue Ladestand-LED auf dem Armaturenbrett) eine sogenannte Ladescheibe aus.

Diese zeigt wie eine Parkscheibe die voraussichtliche Abfahrtzeit an und beinhaltet für eilige Leute im Notfall meine Handynummer. Somit kann jemand mich im Notfall erreichen und fragen, ob er nun am CHAdeMO-Lader mal eben das Fahrzeug bei den sowieso langsamen letzten 80-100% Ladestand abkabeln kann. Das kam in den letzten 5 Jahren CHAdeMO-Nutzung ganze 2 Mal bei mir vor.

 

Möglichkeit 2: Die Sache mit der Nummer (im Tankdeckel)

Vor Jahren hat sich eingebürgert, das man als eMobilist einfach seine Handynummer auf einem Aufkleber auf der Tankdeckelinnenseite anbringt.

Analog zu der Aktion „Notfallhilfeinformation hinter der Sonnenblende“ wäre das ein guter Ansatz – wenn es denn alle machen würden. Diese Karte ist besonders für Elektroautos wichtig, damit die Feuerwehr im Notfall weiß wo man Schere und Spreizer gefahrlos ansetzen kann.

 

Möglichkeit 3: Es geht einfach (technisch) nicht anders

Fehlkonstruktionen, wie der VW e-Golf und e-UP klammern sich auch bei vollständiger Ladung an ihrem CCS-Stecker fest wie ein wasserscheuer Igel über dem Flohschutzbad.

Das gleiche gilt im Übrigen auch für Renault Zoe mit 43kW-Typ-2-Ladung, wenn der Ladestecker an der Säule fest verbunden ist - zugegeben ein sehr seltenes an den Haaren herbeigezogenes Fallbeispiel. Wobei ich wirklich niemandem empfehlen würde einen tatsächlich ladenden Zoe auszustecken, der kleine Franzose ist nämlich dank seines sogenannten Chamäleon-Laders ein wahrer Strom-Gourmet und überrascht manchmal seinen Besitzer mit einer Fehlermeldung und störrisch blockiertem Ladeanschluß, sollte man eine Ladung mal nicht bis zu Ende durchführen - dazu schreibe ich in einem anderen Blog mal ein wenig mehr.

 

Möglichkeit 4: Klare Laderegeln

An Schnellladern entlang der Hauptverkehrsachsen mit geplanten Stoppzeiten zwischen 15 und 30 Minuten für eine Ladung - bis zum beginnenden Balancing (was in den meisten Fällen nicht viel schneller läuft als 3,7kW über eine 230V-Schukosteckdose) - sollten alle eMobilisten verpflichtend in Sichtweite ihrer Fahrzeuge bleiben, damit man Notfalls miteinander reden und sich arrangieren kann. Oder etwa ungeschriebene Abmachungen, wie Plug-In-Hybride sind sowieso in der Ladepriorität an einer öffentlichen 22kW+ Säule "nachrangig"?

 

 

Und denn gibt es ja noch sehr spezielle Fallkonstrukte, die die Kernfrage noch weiter verkomplizieren würden: Was ist zum Beispiel mit privaten quasi-öffentlichen Säulen, referenziert für die Allgemeinheit als serviceorientierter 24/7 Ladepunkt in diversen Such-Apps auf Privatgrund wo man mittels Code die Toreinfahrt öffnet und der Firmen-i3 des nächtens die CCS-Säule blockiert? Ausstecken, laden und wieder anstecken erlaubt?

 

Wenn die Zulassungszahlen von reinen Elektrofahrzeugen weiter ansteigen wird dieses Problem mit Sicherheit zunehmend alltäglicher werden. Umso wichtiger sich bereits jetzt Gedanken darüber zu machen, zumal CCS- oder CHAdeMO-Schnellader in Zukunft auch in Ballungsräumen aufgrund ihrer hohen Anschaffungspreise Ausnahmen bleiben werden.

 

Seht Ihr andere Lösungen, wie z.B. die Steckdose mit geringer Ladeleistung an öffentlichen Straßenlaternen z.B. für Straßenparker? Gesetze wie das „Recht auf die Steckdose“ bei gemieteten Stellplätzen wie im Nachbarland Frankreich? Wie seht ihr die Problematik? Welche anderen Lösungen könnte man vermitteln und mittelfristig einbürgern?

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21.10.2015 16:40    |    Lewellyn

Zunächst mal nen einheitlichen Stecker.

Dann eine Webseite, auf der jede Ladesäule ist und sie meldet, ob sie belegt ist und wie der Ladestand des Fahrzeugs ist. Und die Möglichkeit, dem Fahrer des fertig geladenen Fahrzeugs anzupiepen.

 

*Wunschdenken*

 

Wie fährt der E-NV? Versuche nächste Woche mal ne Probefahrt mit einem zu bekommen. Als Diesel-NV-Fahrer interessiert mich das.


21.10.2015 18:14    |    taue2512

Das mit der Ladesäule die zentral funkt wer wo lädt und wieviel Prozent SOC wird evtl. an eFahrzeugen der 1. Generation scheitern. Ich persönlich finde aber auch das diese Alleingänge was die Stecker betrifft wider aller Vernunft und etablierten Standards (siehe CCS und Mennekes Typ 2) unter dem Schutz der Regierung im Sinne der Protektion der Interessen einiger Deutscher Autobauer einfach zu unterlassen ist. Mit viel Steuergeld-Aufwand wird die A9 elektrifiziert - natürlich nur mit "deutschem" CCS, während andere eAutos - vor allem Japaner mit CHAdeMO in die Röhre gucken. Jetzt sind die 20 Mio. € aus Deutschland dafür verbraten, es gibt einen neuen EU-Fördertopf und nun baut man überall Triple-Charger mit CHAdeMO, CCS und Typ 2 auf...

 

Tja, ich kannte ja den NISSAN eNV-200 schon von der letzten WAVE Elektrofahrzeugrallye, sehr schönes und vor allem erwachsenes eAuto. Jetzt mit 7 Sitzen dazu sehr zweckmäßig. Kleiner Tipp: Die Option zum größeren 6,6kW-Lader und ein gutes Typ 2 > Typ 1 Kabel am besten gleich zum Auto mitordern. Kleine Flotten sollten sich die Anschaffung eines mobilen CHAdeMO-Laders überlegen...ein ausführlicher Testbericht folgt.


21.10.2015 20:22    |    Maxuser

... und was hat die Organisation rund um den Ladevorgang denn jetzt mit "Elektro-Smog" zu tuen?


21.10.2015 21:15    |    AlexT87

Die Ladescheibe mit Handy Nr sollte jeder haben, dann weiß man worauf man sich einstellen kann, oder eben weiter fahren wenn möglich. Bei Schnellladern an Autobahnen sinvoll zeitlich begrenzte Ladungen, zwischen 10 - 40 Min. Bezahlte Ladedauer & Restzeit im Display für jeden ersichtlich. Dann schaltet die Säule ab und der nächste kann laden.


22.10.2015 10:13    |    taue2512

Das mit den Schnellladern sehe ich genauso...allerdings sehe ich es zunehmend das die wenigen CHAdeMO-Lader von Model S belegt werden. Die packen dann pro Stunde dort nur 130km drauf, was nur geringfügig mehr ist als der 32A-Anschluß Typ 2 auf der anderen Seite der gleichen Säule (da sind es knapp 100km pro h) - aber man hat sich ja den teuren Adapter zugelegt und will ihn allen zeigen! Es könnte also im ungünstigsten Fall sein das man über 2h für seine 15-30 Minuten Ladezeit auf 80% wartet, zum Teil sogar noch länger weil Tesla-Piloten in der Regel ihr Schätzchen noch schön balancen lassen. ;-)


22.10.2015 10:58    |    Audi-gibt-Omega

Ziel muß es sein, die (noch dünne) Infrastruktur besser zu nutzen, also Blockaden von Beginn an zu vermeiden, das ist auch im Sinne der Kommunen, die in den innerstädtischen Bereichen die wenigen Ladeplätze idR kostenfrei halten, das verführt natürlich zu "Dauersondernutzung" Also der Stecker als Park-Alibi. Sowas kann ich auch an einen VW-Diesel anbauen (muß nur das TDI-Zeichen abgnubbeln ;)

1. Am besten wäre es, eine sichtbare Lade-LED am Steckplatz zu positionieren: Rot = Laden mit Nennlast, gelb= Balancing, grün= Laden beendet mit automatischer Steckerfreigabe bzw. Ladeplatz eh frei, so dass der nächste ran kann. Über die LADE-APP soll der Besitzer natürlich über den Ladestand Bescheid bekommen, also sowas wie "Parkuhr abgelaufen".

2. Die Idee mit dem kontaktieren des Säulenblockierers ist immer gut, dann aber über eine Lade-App, an der man sich aber anmelden muß. Das heißt, der "Blockierer" wird nicht angespamt, sondern behält seinen Status "anonym für andere" aber bekommt vom autorisierten wartenden Mitbürger eine Nachricht, bitte abzustöpseln und ggfalls weg zu fahren. Sinnigerweise kann sich der "Blockierer" gleich melden. Wenn nicht, weiß der Wartende eben, kann länger dauern, warten hat wenig Sinn und fährt einen alternativen Ladepunkt an, gibt aber dem "Blockierer einen "Minuspunkt" in der App.

Mit xx Minuspunkten kann man dann bei LED grün sofort den Abschlepper rufen.

In der App leicht nachzubauen.


23.10.2015 11:04    |    lrlr

"interessant" wird das erst in 10-15 Jahren..

wenn dann vielleicht doch irgendwann 5% der Autos REINelektrisch fahren

und zum Sommerferienbeginn alle in den Süden nach Italien aufmachen..

und dann 2 Tage an den Stromtankstellen anstehen... (weil nachfrage am Samstag 5000% höher als normal)

 

;-)

 

> inklusive Gratiskultur,

bei Tesla? dort zahlt man doch das "Gratis" laden im vorhinein an eine Kozern? (zumindest teilweise..direkt aber sonst indirekt)

das hab die nicht-tesla fahrer wohl nur falsch verstanden..

 

Gratiskultur sehe ich eher beim E-mobilisten der weder KFZ, noch Energieträger Steuer zahlt (das zahlt die nicht-indiviualisten) ganz im gegenteil Subventionen "einfordert" und beim besuch bei Freunden natürlich auch sein Auto ansteckt zum Aufladen (und dann beleidigt wäre, wenn man was verlangen würde..)


23.10.2015 12:19    |    AlexT87

Geh einfach nach Norwegen, dort sind es aktuell 22 %

http://insideevs.com/norway-plug-electric-car-sales-77-september/


23.10.2015 12:27    |    lrlr

(das ist der Anteil bei NEU-zulassungen, nicht gesamt)

aber egal..


15.04.2016 12:48    |    V70_D5

Auch ein plug in Hybrid will geladen werden. Ist schon klar, der ist nicht so drauf angewiesen, aber auf der anderen Seite ist so ein teuer erstandener Plug in ohne regelmäßiges nachladen eine Fehlinvestition.

Und bitte unterlasse solche Bemerkungen wie "Neureiche mit ihren 100k€ Autos". Warum muss jemand "neureich" sein, nur weil er die "Unverschämtheit" besitzt, ein teures Autos sich leisten zu können. Neid steht niemanden gut.


28.01.2017 23:37    |    muhmann

Ich wäre für Ladesäulen mit fest installiertem Ladekabel.

Die Autos müssten den Ladestecker automatisch freigeben, sobald der Ladevorgang abgeschlossen ist.

Dann kann man den Stecker aus dem Auto ziehen und ins eigene Fahrzeug stöpseln.


Deine Antwort auf "Elektro-Smog: Aktiver stauabbau vor den (wenigen) Ladesäulen"

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