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02.10.2015 13:43    |    taue2512    |    Kommentare (4)

Der Mitsubishi i-MiEV war zusammen mit seinen baugleichen Brüdern Peugeot iON und Citroen C-Zero zu seiner Markteinführung im Jahre 2009 das weltweit erste in Großserie gefertigte Elektroauto und dank seiner Batterie von knapp über 15kWh und CHAdeMO-Gleichstrom-Schnellademöglichkeit bei Verbräuchen um die 10,4kW/100km für Reichweiten um die 140-150km immer noch konkurrenzfähig zu aktuellen Elektro-Kompaktwagen, wie z.B. dem BMW i3. Wobei „baugleiche Brüder“ ein relativ dehnbarer Begriff zu sein scheint: Der i-MiEV bietet von der Stange einige Komfortfeatures, wie Vorklimatisierung und insbesondere für versierte Elektrorallye-Fahrer zwei zusätzliche Fahrstufen, die bei den europäischen Verwandten einfach zugunsten einer etwas fortschrittlicheren Software in der Fahrstufe D weggelassen wurden.

 

Vielleicht hatten die Verantwortlichen bei PSA damals bei der Planung der heimischen Ableger auch einfach nur Bedenken, ob man Europäern die Vorzüge von gleich drei Vorwärtsgängen auch logisch verkaufen konnte. Und do bastelte man ein wenig an der Software mit dem Ergebnis, das der C-Zero und der iON in der Stufe D die Energierückgewinnung je nach Fahrprofil dynamisch anpassen. Im Normalbetrieb klappt das auch ganz gut und hat eigentlich keine negativen Auswirkungen auf die Reichweite, alle Autos erreichen – wie der originale i-MiEV - mindestens 140-150km im NEFZ und 125km im Regelbetrieb spielend. Lediglich bei einigen Fahrsituationen, wenn man Streckenabschnitte schneller fährt, sorgt die Software im iON und C-Zero für Überraschungen in der Form, das die Stärke der Rekuperation automatisch bei einem schnellen Fahrprofil gedrosselt wird, das Auto somit mit wesentlich weniger Verzögerung auf die nächste Kurve zuläuft. Da kann man sich auf Rallyes schon mal ein wenig erschrecken.

 

Als ich meinen C-Zero neulich wintertauglich machte (Artikel folgt), stieß ich beim zerlegen des Fahrstufenschalters durch Zufall auf die von PSA versteckten „Geheimgänge“. Ich bin schon mal Rallyes im originalen i-MiEV gefahren und vermisse in manchen Situationen die manuelle Wahlmöglichkeit des rekuperationsintensiven B-Gangs und der nur leicht verzögernden C-Fahrstufe. Und siehe da: In der Führung des Schalthebels waren diese Positionen lediglich blockiert!

 

Ich testete erstmal ohne Führung, um zu prüfen ob eventuell Fehler während der Fahrt auf den CAN-Bus geschmissen werden, dies ist definitiv nicht der Fall. Also etwas Zeit investiert, zur Minidrill gegriffen und den Schaltweg für die zwei fehlenden Fahrstufen vorsichtig freigelegt.

 

Vorsichtiges freilegen der blockierten Gänge mittels einer Minidrill.Vorsichtiges freilegen der blockierten Gänge mittels einer Minidrill.

 

Der originale D-Gang rekuperiert bis maximal 55 Ampere. In Stufe B gehen die Spitzenwerte bis weit über 95A hinweg und beim „Segelbetrieb“ in Stufe C verbleiben immerhin noch rund 20A als maximale Energierückgewinnung, je nach Geschwindigkeit – alle Messwerte gemessen mit dem Originalkabel und der Loggingfunktion der PSA-Software. Im Vergleich zum normalen Betrieb im D-Modus lässt sich so bis zu 15% zusätzliche Energie sparen im Flachland.

 

 

Wer jetzt aber meint, fahren ausschliesslich in Stufe B bringt den meisten Reichweitengewinn irrt gewaltig. Das einzige was man dadurch wirklich im flachen Land spart, sind Bremsbeläge. Am meisten Energie spart man in einem Elektroauto nämlich, wenn man die kinetische Energie des Fahrzeugs über einen möglichst langen Zeitraum hinweg nutzt, sehr vorausschauend fährt, langsam und linear beschleunigt und des öfteren besser in der Fahrstufe N segelt und nur wenn notwendig zum bremsen in D oder B wechselt, bevor man kostbare Bewegungsenergie durch Reibung der Bremsbeläge in Hitze verwandelt, anstatt sie lieber in die Batterie zu stecken. Auf diese Weise kann man sogar auf über 175km Reichweite kommen.

 

Das Ergebnis überzeugt: Der Umbau ist sicherlich besonders interessant für alle Fahrer von iON und C-Zero, die in bergigen Regionen wohnen. Damit optisch das ganze auch original wirkt, bestellte ich die originale Schaltkulissenblende beim freundlichen MITSUBISHI-Händler. Der Umbau funktioniert auch ohne Fräsarbeiten, man benötigt dann allerdings zwei original MITSUBISHI-Ersatzteile, nämlich die Fahrstufenschalter-Führung und die Blende für zusammen 200€ - bei Interesse einfach PN an mich.

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14.06.2020 13:14    |    Meat-Puppets

Hallo taue2512!

Durch Zufall bin ich gerade auf Deinen alten Beitrag hier gestoßen. Ich interessiere mich neuerdings verstärkt für den Peugeot i-On, weil die E-Auto-Förderung dieses Fahrzeug für mich endlich bezahlbar und wirtschaftlich attraktiv macht. Ich weiß nicht ob Peugeot die Fahrstufen mit verschiedenen Rekuperationsstärken im aktuellen Modell jetzt freigeschaltet hat, aber ich würde dann Deine tollen Tips hier anwenden. Die 200,-€ für die Mitsubishi-Teile wären es mir wirklich wert. Vielen Dank dafür! Hast Du dieses Fahrzeug noch im Besitz? Auch wenn nicht, wie waren/sind Deine Erfahrungen damit? Wäre Deiner Ansicht nach der Wagen auch zum täglichen Arbeits-Pendeln und Einkaufen etc. (bei mir ca. 60-80 Kilometer am Tag) geeignet? Ich würde mich sehr freuen wenn Du mir in knappen Worten Deine Einschätzung dazu geben würdest. Vielen Dank und beste Grüße vom Andreas.


15.06.2020 17:02    |    Baeriq

Moin! Leider fahre ich privat den Wagen nicht mehr. Grundsätzlich würde dein Fahr Profil von 60-80 km am Tag schon den Anforderungen des Wagens genügen. Allerdings muss man der fernes halber sagen dass 80 km im Winterbetrieb schon an die Grenzen des kleinen Drillings stoßen werden. Hier würde ich dann noch empfehlen das Fahrzeug entsprechend zu dämmen, gerade die Türen. Damit erreicht man das der Innenraum im Winter schneller aufgeheizt ist. Beim Ion von Peugeot im Gegensatz zum Citroën gibt es aber auch eine vor Klimatisierung, solange das Fahrzeug noch an der häuslichen Steckdose hängt.


15.06.2020 18:30    |    Meat-Puppets

Ganz großen Dank für die Infos und Deine Rückmeldung! Ich schwanke derzeit zwischen dem i-On (nach Förderung aktuell online schon für sensationell günstige 10.400,-€ zu haben!) und dem Sono Motors Sion. Letzterer ist vermutlich doppelt so teuer (falls er jemals wirklich in Serie geht), hat aber auch deutlich mehr Reichweite und ist „mehr Auto“ als der i-On. Warte ich auf ein Auto dass vielleicht niemals produziert wird, oder kaufe ich den derzeit super günstigen i-On? Schwierige Entscheidung. Besten Dank nochmals und alles Gute!


Deine Antwort auf "Geheimgang: Zusätzliche Fahrstufen im C-Zero „freischalten“"

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