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05.06.2016 07:48    |    ElHeineken    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: Honda, ksp, NA1, NSX, Servo, T3TEC

Die Zeit in Japan neigt mit dem Jahr 2016 dem Ende entgegen. Spätestens im Dezember 2016 geht es (zusammen mit dem NSX) zurück nach Deutschland. Nach dem Ende der Wintersaison jetzt also die letzte Chance Dinge reparieren zu lassen oder Teile zu besorgen, die in der Heimat nur zu großen Kosten oder mit viel Aufwand zu bekommen sind.

 

Wie manche wissen handelt es sich bei meinem Wagen um einen NSX mit Automatikgetriebe. Da ich keine Rennsportpläne habe, der 1997er manuelle Gangwahl am Lenkrad besitzt und nicht zuletzt die Auswahl, Zustand und Preis der Automatikmodelle am Markt deutlich besser war, viel die Wahl damals nicht schwer.

 

Das Automatikmodell besitzt, weil weniger sportlich, seit Verkaufsstart eine elektrische Servolenkung. Dabei handelt es sich um eine der ersten serienmäßigen Lenkungen dieser Art. Wie auch im Honda Prelude von 1988 (dort als Hydraulik) ist sie Geschwindikeitsabhängig und ab ~50 km/h komplett deaktiviert.

 

Ein bekannter Schwachpunkt der Konstruktion ist jedoch ein unterdimensioniertes Lager, das die Kräfte des Elektromotors auf die Spurstange überträgt. Das immer größer werdende Spiel vermittelt das Gefühl es sei etwas mit der Lenkung nicht in Ordnung und unterhält außerdem mit Klack-Geräuschen bei jeder Bewegung des Lenkrades.

 

Das Video hinter diesem Link zeigt recht anschaulich was in so einem Fall passiert: http://tyiz.jp/NSX/PowerSteering/GearboxOH/GearboxOH.wmv

 

Wie bei nahezu allem am NSX sind die Ersatzteilpreise ziemlich hoch. In Japan liegt eine neue Servo bei 400.000 Yen (~3.500 Euro), in Europa vermutlich noch deutlich höher. Außerhalb Japans ist der Tausch außerdem die einzige Möglichkeit den Defekt zu beheben.

 

Obwohl der Vorbesitzer meines NSX bereits bei bei etwa 60.000 km eine neue Servo einbauen ließ waren die Probleme bei 110.000 km schon wieder deutlich zu erkennen und es führte kein Weg an einer Reparatur vorbei, auch mit Hinblick auf die Zulassung in Deutschland (auch wenn der Fehler nicht sicherheitskritisch ist muss man das erst dem TÜV erklären).

 

In der Provinz Saitama gibt es eine kleine Firma mit dem Namen T3TEC die sich in besonderer Weise um den NSX kümmert. Ihre Stärke ist insbesondere die Suche nach Lösungen für bekannte Probleme..

 

Im Falle des NSX sind sie weltweit die einzigen die eine Reparatur des ausgeschlagenen Lagers entwickelt haben. Mit 62.640 Yen (~520 Euro) ein Schnäppchen im Vergleich zum Austausch aber auf Grund der verbundenen Kosten (Aus- und Einbau, Spureinstellung, Kleinteile) trotzdem ein satter Brocken von ca. 1200 Euro.

 

Hier die Google-Translator-Version der japanischen Seite auf der die Überholung der Servo im Detail beschrieben ist: https://translate.google.com/translate?...

 

Bei kspBei kspIn meinem Fall sollte die Arbeit jedoch nicht von T3TEC sondern ksp Engineering im Westen Tokios durchgeführt werden. Hauptsächlich wegen der Entfernung (ksp ist auch ohne Shinkansen zu erreichen) die Arbeit und das Equipment ist aber das selbe.

 

Diesmal hatte keine meiner Kollegen Zeit und ich musste daher mein ganzes Minimal-Japanisch zusammenkratzen (bei ksp spricht leider keiner Englisch), per E-Mail einen Termin ausmachen, Wagen hinbringen und abholen. Interessanterweise hat alles gut geklappt, war selber überrascht.

 

Mit reichlich Sicherheit im Rücken ging es Samstag früh los, dementsprechend war ich deutlich zu früh dort. Morgens aus Tokio raus hat man eigentlich immer nur die Wahl passend los zu fahren, im Stau zu stecken und zu spät zu kommen oder aber früh aufzubrechen, staufrei durchzukommen und dann am Ziel Zeit totzuschlagen..

 

Auf der BühneAuf der BühneNach dem Abgeben des Autos wurde ich noch zum Bahnhof gefahren und konnte anschließend die Reparatur auf Facebook verfolgen. ksp berichtet dort täglich über das was sie so in die Schrauberfinger bekommen: https://www.facebook.com/kspeng.co.jp/

 

Insgesamt eine Woche hat alles gedauert aber der Honda war auch nicht das einzige Auto in der Werkstatt. Begonnen wurde mit der Demontage der Servo. Dabei ließ sich eine der Spurstangenköpfe nicht lösen: Ja, kommt auf die Rechnung.

 

Die Servo wurde dann zur Demontage auf die Testbank geschraubt, zerlegt, gereinigt, das Lager verstärkt und alles wieder zusammengebaut (Detailfotos unten in der Fotogalerie). Dabei zeigten sich an den Stromanschlüssen Rost und einen Bruch im Plastik: Besser neu.

 

Spur einstellenSpur einstellen Vorteil an dieser Vorgehensweise ist natürlich, dass man Ende fast ein Neuteil in Händen hält.

 

Nach der Überholung der Servo wurde abschließend noch die Spur eingestellt (Protokoll gab es zur Rechnung dazu). Auf dem dazugehörigen Foto kann man erkennen, dass sie die Felge mit Klebeband gegen mögliche Kratzer geschützt haben. Man merkt, dass hier auch häufig Ferraris umsorgt werden.

 

Zum Ergebnis: Bei der ersten Fahrt habe ich das Auto kaum wiedererkannt, ein Lenkgefühl wie bei einem Neuwagen. Besser hätte es fast nicht werden können.

 

Das der Wagen gewaschen und gestaubsaugt wurde und man die getauschten Teile in einer Kiste im Fußraum des Beifahrers mitbekommen hat erwähne ich schon gar nicht mehr.

 

Auch wenn man viel Geld da gelassen hat kann man sich für die Arbeit, das Ergebnis und den Service wahrhaftig nicht beklagen. Vor lauter Begeisterung über das neue Fahrgefühl noch am gleichen Tag freudige 200 km abgespult..

 

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05.06.2016 07:56    |    apfelgruener

Das ist die "Wertarbeit" die man hier in Deutschland mittlerweile fast überall vergeblich sucht ...


05.06.2016 08:11    |    ToledoDriver82

Perfekt....so sollte das seun


05.06.2016 09:06    |    RandelBurton

Ich bin voll neidisch :-D


05.06.2016 09:25    |    Ascender

Tolle Werkstatt! Klasse Service. So muss das eigentlich sein.


05.06.2016 14:11    |    Rockport1911

Zitat:

Die Zeit in Japan neigt mit dem Jahr 2016 dem Ende entgegen. Spätestens im Dezember 2016 geht es (zusammen mit dem NSX) zurück nach Deutschland.

Keine Lust mehr auf Japan?

Auf die Einfuhr des Wagens nach Deutschland bin Ich mal gespannt. Hoffe mal das dir hier nicht zu viele Behördensteine in den Weg gelegt werden.

 

Die Reperatur des Lenkgetriebes ist echte Wertarbeit, sieht man heute nur noch selten.


05.06.2016 14:45    |    ElHeineken

@Rockport1911

An Lust mangelt es nicht aber da ich beruflich hier bin und jeder Zeitvetrag irgendwann sein Ende hat geht es nach vier Jahren erst mal zurück in die alte Heimat.

Von den Behörden erwarte ich nicht allzu viele Probleme, kritisch waren bisher eher andere Sachen aber dazu mehr im Laufe des Jahres :-)


05.06.2016 15:42    |    GoLf 3 Bastler

Solche Werkstätten kannste bei uns hier langsam aber sicher nur noch mit der Lupe suchen... Top Arbeit.

 

Die haben aber auch Illustre Kundschaft... F40, Supras, NSX Skylines...


05.06.2016 16:11    |    kawandy85

So Sollte es eigentlich auch in Deutschland/ Österreich sein, abe solche Werkstätten sucht man vergeblich, zumal es am Land etwas besser ist....


05.06.2016 22:01    |    VentusGL

Eine tolle Werkstatt, ich freu mich für dich über das Ergebnis!


27.07.2016 12:35    |    D1N0M1NAT0R

Super Arbeit!

 

Hier kann man sowas vergessen, die Mechaniker heutzutage sind ja alle nur Tauschmonteure und zumeist tauschen die das falsche aus oder verschweigen einem etwas und sagen man kann eh noch fahren. Das schlimme ist man könnte ja auch zur Niederlassung fahren und es dort beheben lassen ist aber dasselbe Problem. Dort kennen die sich meist auch nicht aus berechnen aber Fleißig AWs. Deswegen kehre ich langsam Mercedes, BMW und Audi den Rücken.

 

Mit den Japanern habe ich hingegen mehr als nur Positive Erfahrung gemacht und das die Teile angeblich Teuer kenne ich nur von hören sagen selber aber kenne ich es anders.

 

Die Mechaniker heutzutage können nur Ölwechsel und Bremsscheiben Tauschen, das kann ich aber auch :D


27.07.2016 14:06    |    Trottel2011

Das Problem ist aber auch, dass die Hersteller nicht wollen, dass Teile nicht erneuert werden. Teilweise sind Teile preislich so eingegeben, dass die Einzelzeile bzw. Überholkits mehr kosten als das Teil selbst neu. Und wenn eine Lösung für ein Schaden gefunden wurde, kann man es nicht nachrüsten sondern nur über das Neuteil lösen und nicht das alte Teil passend umbauen.


27.07.2016 19:01    |    D1N0M1NAT0R

Gegen das Tauschen habe ich auch nichts was mich nervt ist das wenn mich was am Fahrzeug stört die wenigsten den Fehler finden.


Deine Antwort auf "Honda NSX - Überholung Servolenkung"

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