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13.07.2016 15:37    |    AOLM    |   Stichworte: Reifendruck, Reifendruck ermitteln, Sonstiges

Ich habe mich des Öfteren privat, aber auch hier bei MT über die empfohlenen und sinnvolleren Luftdrücke in einem Automobilreifen unterhalten.

Oftmals werden Luftdrücke jenseits von Gut und Böse aufgepumpt, in dem Glauben sportlicher fahren zu können und dabei noch weniger Sprit zu verbrauchen.

Später wundert man sich über die Sägezahnbildung.

 

Der Automobilhersteller ist kein Reifenhersteller und legt die empfohlenen Drücke abhängig von Erstausrüster der Reifen ab.

Die können sich schon mal von Reifenhersteller zu Reifenhersteller geringfügig unterscheiden, da bei gleicher Reifengröße, Eigenschaften wie z.B.: Gewicht des Reifens, Dicke der Seitenwand, Zusammensetzung der Gummimischung, und vor allem die Steifigkeit der Karkasse unterschiedlich ausfallen können.

Ein Reifenhersteller entwickelt nicht einen Reifen, der Spezial für ein Fahrzeug konzipiert wird (Ausnahmen bestätigen die Regel, z.B.: Formel 1), sondern für eine Fahrzeug(gewichts)klasse.

 

Daher ist der Zusammenhang vor allem zwischen dem Gewicht des Fahrzeuges und den Eigenschaften des aktuell montierten Reifens wichtig.

 

Es gibt im Internet von vielen Reifenhersteller Tabellen, oder Programme, wo die empfohlenen Luftdrücke für die beiden Extremfälle Fahrzeug leer und Fahrzeug voll für einzelne Fahrzeuge und Reifengrößen angegeben werden. Das Optimum befindet sich meistens irgendwo dazwischen, weil das Auto meistens weder leer-, noch vollbeladen ist.

 

Es gibt eine Möglichkeit den „richtigen“ Luftdruck selbst zu definieren, und zwar anhand von tatsächlichen Fahrzeuggewicht, sowie den Werten von dem am Fahrzeug montierten Reifen.

 

Huch, ist der Text lang geworden.

Lange Rede kurzer Sinn, um das Optimum zwischen dem Fahrzeuggewicht und den Reifeneigenschaften zu finden kann man so vorgehen:

• Am Reifen die Beiden Angaben für Max. Load (z.B.: 650 kg) und Max. Inflation (z.B.: 350 KPa = 3,5 bar) ablesen

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• Tatsächliches Gewicht des Fahrzeuges ermitteln (z.B. an einer KFZ-Waage, oder bei Anhänger Leergewicht des Anhängers + Gewicht der Ladung)

• Dann ein Paar einfache Rechenschritte:

o Max. Druck / max. Belastung x (Tatsächl. Gewicht / Anzahl der Reifen) + 0,1 bar

o Beispiel: 3,5[bar] / 650[kg] x (1700[kg] / 4) +0,1[bar] = 2,4[bar]

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• Die erste Empfehlung von vielen Reifenhersteller auf Fragen zum schwammigen Verhalten der Reifen ist: fahren Sie mit 0,1 bar mehr Druck. Also wurde dieser Korrekturwert gleich mit einbezogen.

 

Das gleiche z.B. bei einem Anhänger:

o Max. Druck / max. Belastung x (Tatsächl. Gewicht / Anzahl der Reifen) + 0,1 bar

o Beispiel (Anhänger voll beladen): 4,25[bar] / 400[kg] x (750[kg] / 2) +0,1[bar] = 4,1[bar]

o Beispiel (Anhänger leicht beladen): 4,25[bar] / 400[kg] x (300[kg] / 2) +0,1[bar] = 1,7[bar]

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Das ist u. A. auch der Grund warum die Dinger unbeladen so hüpfen beim Fahren.

Wenn man z.B. den Anhänger immer nur zum Transport von gleichen Gegenständen benutzt (Grünschnitt Entsorgung, Motorrad Transport), kann man so die Reifen optimal aufpumpen.

 

Ich habe mal spaßeshalber eine vereinfachte Excel Tabelle für Min. und Max. Drücke für theoretische Gewichtslage von 50:50 für verschiedene Motorisierungen des Passats B6 erstellt.

Ich denke diese Werte werden wenn nicht gleich, so vielleicht um ca. 0,1-0,2 bar von denen am Tankdeckel von Erstausrüster empfohlenen Reifendrücken unterscheiden, da wie gesagt u. A. verschiedene Gewichte an Vorder- und Hinterachse nicht berücksichtigt. Natürlich könnte man die Werte prozentual auf Vorder- und Hinterachse (z.B.: vollbeladen vorne 40% und hinten 60%) weiter auswerten, für Verständnis sollte das denke ich reichen.

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Diese Aufstellung basiert auf privaten Recherchen und erhebt weder einen Anspruch auf Richtigkeit noch auf Vollständigkeit.

 

 

EDIT 15.07.2016

Servus,

Vielen Dank an die (auf Neudeutsch) "konstruktive" Teilnahme, bzw. PNs. Mit so vielen Interessenten für das Thema habe ich gar nicht gerechnet.

 

1. Ja, die Kommentare sind absichtlich ausgeschaltet (auch wenn ich dafür negative Bewertung bekomme). Nicht nur bei diesem Artikel, sondern in Vergangenheit nachträglich bei allen. Der Grund ist einfach, ich freue mich fachlich und sachlich mit den Leuten über das Geschriebene zu diskutieren. Die, die sich für das Thema interessieren, schreiben mich per PN an, und das ist OK so.

Ich habe einfach keine Lust auf Beiträge ohne Mehrwert wie z.B. "Ich finde das Schei**", und sinnfreie Diskussionen. Sorry.

 

2. Auch wenn ich bis jetzt mit der Formel oben bei mehreren Fahrzeugen gute Erfahrungen gesammelt habe und auch zum Teil Feedback wie "fast Punktlandung" bekommen habe, so wurde ich auch besseren belehrt.

Keine Regel ohne Ausnahme.

Die Formel funktioniert bei "normalen" Fahrzeugen, bzw. "normaler" Bereifung.

 

  • Bei großen Geländerwagen wie z.B. X5 scheint es wohl nicht zu gelten, weil dort anscheinend Reifen mit extrem hohen Max. Load Werten aufgezogen weren (vielleicht weil die Reifen statt Flächenbelastung auch Punktbelastung auf irgendwelchen Felsen aushalten können, oder die Autos haben sehr hohe Zuladungswerte, k.A.)
  • Bei Fahrzeugen mit Reifen, die für Geschwindigkeiten von über 300 km/h zugelassen sind, scheint es auch nicht zu gelten (Sorry, da muss ich passen :))
  • Und einige Anhängerhersteller ziehen wohl (warum auch immer) ab und zu Reifen auf, wo ein Reifen fast das Gesamtgewicht des ganzen Anhängers tragen könnte. Da passt das dann auch nicht.

 

Daher bitte nicht steinigen. Bei manchen Fahrzeugen werden wohl überdurchschnittlich dimensionierte Reifen verbaut. Dort geht die Rechnung nicht auf.

 

 

EDIT 18.07.2016

Servus,

die Resonanz ist echt enorm ;) vielen Dank an die Beteiligten.

In Zwischenzeit, wurde mir ein link zu einer sehr interessanten Seite zur Auslegung der Höchstdrücke geschickt (Danke dafür :)).

Bei der Auslegung muss man mit mehreren Werten jonglieren.

Ich versuche vielleicht demnächst (Zeitmanagement :)) eine Excel Tabelle zu erstellen, wo jeder selbst seine Werte eingeben kann und das Ergebnis präsentiert bekommt.

 

Ach ja, ich weiß jetzt, dass die Abweichungen von der oberen Formel sich von der möglichen Höchstgeschwindigkeiten des Fahrzeuges, sowie der maximalen Sturzwerte ergeben. (hier der Link: KLICK)

 

Daher berechtigter Einwand eines Touaregfahrers, dass das Beispiel mit X5 nicht nachvollziehbar ist, da bei Ihm "die Rechnung ja wie Faust auf's Auge passt". ;)

 

Bis demnächst.