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MOTORTESTS.de - Test und Erfahrungsberichte aus der MOTOR-TALK Community

29.12.2019 13:18    |    jennss    |    Kommentare (135)

Welche theoretisch mögliche ID.3-Variante wäre für euch interessanter?

Spontane Umfrage: Angenommen, es kämen noch zwei weitere als die bisher angekündigten Varianten, welche wäre für euch interessanter, wenn die übrigen Daten gleich wären?

 

a) 420 km Reichweite und 150 PS (statt 204 PS) für 35000 € (also Prio auf Reichweite)

 

b) 330 km Reichweite und 204 PS (statt 150 PS) für 33000 € (Also Prio auf PS)

 

Ich gehe mal von den bisherigen Gerüchten (nicht 1st Edition) mit 30000 € für 150 PS/330 km und 37000 € für 204 PS/420 km aus, wobei nicht klar ist, ob die 420er-Version schon eine höhere Ausstattung im Preis beinhaltet.

 

Ich würde es für möglich halten, dass die anderen Marken im Konzern (Skoda, Seat, Audi) andere Varianten bringen als VW.

j.

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18.12.2019 21:58    |    jennss    |    Kommentare (1.091)

Hat euch Greta beeinflusst bei euren Urlaubsentscheidungen?

Kreuzfahrten und Flugreisen boomen. In der "Zeit" ist ein Artikel, der für 2040 die doppelte Anzahl an Flügen prognostiziert.

 

Auch bei Kreuzfahrten gibt es einen Passagierrekord.

 

Und Greta warnt vor den Folgen, fährt demonstrativ mit Segelboot über den Atlantik, um den Leuten zu zeigen, welche Mühen sie in Kauf nimmt, um beides zu meiden.

 

Immerhin gibt es bei beiden Reiseformen Bestrebungen, umweltfreundlicher zu werden. Beim Fliegen gibt es bereits das teure SAF (Sustainable Aviation Fuel = Synthetisches Flugbenzin), welches die CO²-Erzeugung stark verringert. Es wird bisher jedoch selten eingesetzt, weil teuer. Außerdem gibt es die freiwillige CO²-Kompensation. Bei Kreuzfahrten gibt es LNG-Antriebe, Flüssiggas, z.B. bei der Aida Nova, dem mit Abstand umweltfreundlichsten Kreuzfahrtschiff. Dies senkt zwar CO² nicht sehr stark, aber immerhin den Feinstaub. Leider fahren die allermeisten Kreuzfahrschiffe noch mit Diesel (in Landnähe) und Schweröl (auf offener See, schwarzer Rauch).

 

Trotzdem wäre es noch umweltfreundlicher, die eigenen Urlaube nicht in so fernen Ländern oder auf See zu planen.

 

Nun kommt da so ein kleines 16-jähriges Mädchen, das mit ihren Zöpfen eher wie 12 aussieht und Asperger hat, und ermahnt die großen Politiker dieser Welt. Ist das nicht frech? Immerhin soll sie sehr gut informiert sein, hat viele hochkarätige Wissenschaftler als Berater:

 

Zitat:

Die schwedische Zeitung Expressen hat nun eine Liste der Greta-Berater veröffentlicht. Alle diese Experten haben Rang und Namen, die meisten davon sind weltweit renommierte Forscher. Unter ihnen ist ein deutscher Professor aus Potsdam.

So dumm ist sie nicht. Hier ein interessantes Interview:

 

Zitat:

Anderson: Ich habe in den Gesprächen mit ihr oft den Eindruck, mit einer jüngeren Kollegin unseres Instituts zu diskutieren, aber nicht mit einer Jugendlichen. Greta weiß unglaublich viel über den Klimawandel, und sie lernt ständig dazu. Neulich hat sie mir einen ihrer Texte über Aerosole geschickt.

SPIEGEL ONLINE: Schwebeteilchen, die den Treibhauseffekt mindern können.

 

Anderson: Ich fragte nach, woher sie diese oder jene Zahl habe. Darauf schickte sie mir mehrere Links und Zusammenfassungen aus wissenschaftlichen Texten, die sie durchgearbeitet hatte. Beeindruckend für eine 16-Jährige.

Zitat:

SPIEGEL ONLINE: Hört sie denn auf Sie?

 

Anderson: Nur wenn sie es für richtig hält. Ich habe gehört, dass ihr Vater Greta mehrmals geraten hat, bestimmte Dinge nicht so hart zu sagen, etwa als sie den Uno-Generalsekretär getroffen hat. Sie hat es trotzdem genau so hart gesagt, wie sie es für richtig hielt. Greta schert sich wenig darum, was andere von ihr denken. Sie nimmt keine Rücksicht auf Befindlichkeiten von Interessensgruppen oder Politikern.

Die Situation scheint durchaus kritisch zu sein, wenn sogar das EU-Parlament den "Klimanotstand" ausruft. Auch andere sagen, dass das Eis am Nordpol erschreckend schnell schmilzt.

 

Dennoch scheinen ihre Warnungen in der Masse nicht wirklich ernst genommen zu werden. Oder wie kommt dieser Anstieg an Flug- und Kreuzfahrtreisen? Oder ist die ganze Sache mit dem Klima doch nur Unsinn und wir Menschen haben eh keinen Einfluss darauf? Oder sagt ihr euch: Das Leben ist zu kurz, um es nicht zu genießen, die Erde existiert eh nicht ewig?

j.

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15.12.2019 14:14    |    jennss    |    Kommentare (39)

Welches E-Auto aus dieser Liste wäre eure Wahl?

45000erklasse45000erklasse

Während um die 30000 € in diesem Jahr eine Menge neue E-Autos kommen (Honda e, Mini Cooper SE, Opel eCorsa, ID.3 45 kWh, Zoe 2 52 kWh, Peugeot 208e etc.) bzw. schon da sind (Leaf, Ioniq etc.), werden es in der Klasse um die 45000 € nun auch langsam mehr:

 

 

Dann wären da eigentlich noch:

- (Ampera-e 60 kWh, nicht mehr bestellbar)

- (Polestar 2, erst später mit kleinerem Akku in der 45000 €-Klasse)

 

Die kWh-Angaben erscheinen etwas durcheinander, weil ich in Klammern die Werte habe, die nach außen kaum genannt werden und manche Hersteller nennen brutto, andere netto-Werte.

 

Dazu hat die 45000er-Klasse mehr PlugIn-Alternativen, aber ich möchte den Blick hier mal auf den BEVs lassen.

 

Der Tesla ist das etablierte Modell mit ca. 300 PS (5,6 s. auf 100) und Hinterradantrieb bei puristischem Cockpit und guter Effizienz dank top Aerodynamik (409 km nach WLTP). Der Tesla kann direkt mit AHK bestellt werden.

 

Der ID.3 soll um die 45000 € kosten, wenn man den großen Akku nimmt. 550 km nach WLTP sind schon eine Ansage in der Klasse. Da braucht man nicht mehr oft aufladen. 204 PS soll er bekommen (noch etwas unsichere Angabe) und in 7,5 s. auf 100 sprinten. Er hat auch Hinterradantrieb und ein recht lichtes Cockpit.

 

Der Leaf mit offiziellen 62 kWh (das sind netto aber nur etwa 56 kWh, da 385 km nach WLTP) ist auch noch recht neu, hat 217 PS und geht in 7,3 s. auf 100.

 

Der Hyundai Kona mit 64 kWh ist schon fast zu günstig für diese Klasse, liegt eher um die 40000 €. Trotzdem nehme ich ihn mit rein, denn die Reichweite ist sehr ordentlich (449 km nach WLTP) und die Leistung passt auch (204 PS, 7,9 s. auf 100).

 

Der BMW i3s ist schon länger auf dem Markt und mit 42 kWh, die netto etwa 38 kWh entsprechen, an der Reichweitenuntergrenze dieser Gruppe (285 km nach WLTP). Mit 6,9 s. geht er dank leichter Carbonkarosse mit nur 184 PS aber sehr gut ab. Es soll noch ein weiteres Akku-Upgrade bekommen, ich vermute in 2020, aber das ist noch nicht sicher. Mit unter 42000 € nackt liegt er hier auch mit an der Untergrenze, lässt sich aber wunderbar nach oben konfigurieren. Dem i3s kann man auch zugute halten, dass die Rabatte relativ hoch sind. Bin gespannt, wie groß der Akku nach dem nächsten Update wird.

 

Vom Ford Mustang Mach E war noch gar nicht so viel zu lesen, aber es gibt ihn schon mit Konfigurator. Der kleine Akku hat schon 76 kWh (brutto? 450 km nach WLTP). Mit 258 PS soll er in unter 8 s. auf 100 beschleunigen. Obwohl er Mustang heißt, ist er eher ein SUV. Er ist auch mit 99 kWh (600 km Reichweite nach WLTP) für ca. 55000 € zu bekommen. Mit dem 76er Akku liegt er preislich schon an der Obergrenze hier (46900 €).

 

Den Polestar habe ich aus der Umfrage rausgelassen, da noch nicht in der 45000er Klasse in Reichweite. Der Ampera-e ist leider nicht mehr zu bekommen und wohl ziemlich selten in Europa.

 

Welches der Autos findet ihr am interessantesten?

j.

 

PS: Bilder sind von den Hersteller-Homepages.

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13.12.2019 21:29    |    jennss    |    Kommentare (60)

zoe2zoe2

Mit Laternenparker sind gewöhnlich Leute gemeint, die ein E-Auto nur öffentlich laden könnten. Oft sind dies Menschen in der City. Welche Eigenschaften müsste also ein Auto für Laternenparker haben?

 

- Ein großer Akku ist vorteilhaft, um möglichst selten laden zu müssen und damit der Akku hohe Ladeleistungen besser verträgt bzw. überhaupt bietet

- Schnelles Laden ist wichtig

- Vor allem mit AC (Wechselspannung) ist möglichst schnelles Laden möglich, da AC sehr verbreitet ist (Ladesäulen wesentlich günstiger als DC) und günstiger

- Kompakte Außenmaße für die City

- Preis noch vertretbar, denn wer reich ist, hat auch oft ein Haus und kann zuhause laden ;).

 

Nach meinen Recherchen ist der Renault Zoe 2 mit 52 kWh netto das bisher beste Auto für Laternenparker: Der Akku dürfte brutto mind. 56 kWh haben. Das ist für so ein kompaktes Auto sehr beachtlich (WLTP 390 km). Auch ein eCorsa hat das nicht (46/50 kWh netto/brutto bzw. 338 km nach WLTP).

 

Noch ein Vorteil: Der Zoe 2 kann 22 kW AC laden. Mir ist schleierhaft, warum das andere nicht bieten, denn das halte ich für den wesentlichen Grund des großen Erfolgs des Zoe. Renault hat da mit dem Chamäloen-Lader eine günstige Lösung gefunden. Allerdings lädt er an einer Schukosteckdose bei 2,3 kW nicht sehr effizient, aber das ist für Laternenparker wohl eh nicht so wichtig.

 

Dass der Zoe jetzt auch DC mit 50 kW an CCS laden kann, ist fein für längere Strecken. Allerdings kann ein eCorsa sogar 80 kW laden. Mit 31990 € bei 108 PS geht der Preis für so einen großen Akku in Ordnung. Ich würde noch 2000 € drauflegen für den größeren Motor (135 PS) und die damit verbunden bessere Ausstattung.

 

Was ich mir ansonsten wünschen würde: Hinterradantrieb und eine Variante von Smart (ForFive), weil ich Smart eine bessere Qualität zutraue und überhaupt noch sympathischer finde (Design und Optionen). Aber die Zusammenarbeit mit Renault wird wohl keine neuen Früchte mehr tragen. Schade.

 

Also ich wünsche mir, dass auch andere Hersteller so gute Laternenparkerautos anbieten wie den Zoe 2 und das Laden mit AC 22 kW nicht so stiefmütterlich behandeln.

 

Was wäre als Laternenparker euer Favorit?

 

Edit: Gründe für das E-Auto als Laternenparker habe ich im 6. Kommentar genannt.

j.

 

PS: Das Foto ist von der Renault-Homepage, hoffentlich ok..

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10.12.2019 23:52    |    jennss    |    Kommentare (52)

zukunft e.go lifezukunft e.go life

Durch den e-Up, Mii und Citigo sehe ich schwarz für den e.Go. Die VW-Derivate haben 260 km WLTP-Reichweite, während e.Go bestenfalls auf 139 km kommt. Der Preis wurde Ende November um 2000 € erhöht. Dazu kann e.Go wahrscheinlich keine weiteren Rabatte außer Umweltbonus geben. Der e-Up kann auch 2-phasig 7,2 kW laden, sowie DC 40 kW. Auch ein Smart kann mit 22 kW AC schneller laden. Sehr viele nehmen die Schnellladeoption. Dem e.Go bleiben nicht mehr viele Vorteile ggü. der Konkurrenz von VW. Da wäre der kleinere Wendekreis (8,8 m statt 9,9 m beim e-Up) und das optionale LED-Licht, sowie das tolle Design (außen).

 

Ich denke, über den Preis kann sich e.Go kaum mehr hervortun, bliebe also nur die Flucht nach vorne. Was könnte man ändern? Ich sehe folgende Punkte:

 

  • Schnellladeoption anbieten: DC oder AC, mindestens 11 kW.
  • Cabrio-Version anbieten
  • Mehr Reichweite/Akku, ähnlich wie e-Up ca. 36/32,6 kWh brutto/netto oder gar wie eCorsa 50/46 kWh
  • Powerversion ohne Rücksitze, dafür mehr Akku und ca. 184 PS wie Mini Cooper SE (28,9 kWh netto), aber 2 Motoren/Allrad
  • RangeExtender (kleiner Benziner zum Aufladen unterwegs)
  • Anschlusssockel für mobile Akkuerweiterungen im Kofferraum oder statt eines Rücksitzes, z.B. 5x 3 kWh-Boxen (= 5x 20 km), zum Laden in der Mietwohnung bei Laternenparkern
  • Auf allen Messen vertreten sein, Probefahrzeuge anbieten.
  • Flipflop-Farben und besondere Designs anbieten
  • System mit Werbeaufklebern, um Leasing-Kosten zu senken. (z.B. Coca Cola bringt monatlich 60 € oder so)
  • Anhängerkupplung :)

 

Habt ihr noch Ideen? Was würdet ihr e.Go raten?

j.

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06.12.2019 18:19    |    jennss    |    Kommentare (15)

Jetzt ist der Konfigurator des Golf 8 da, zunächst mit Version Life. Er fängt bei 27510 € als Benziner mit Handschalter und 130 PS an. Die Serienausstattung liegt klar über dem Golf 7 Trendline und ich denke, es wird noch eine Variante darunter geben.

 

Interessant ist zum Vergleich mit dem kommenden ID.3 vor allem die Variante mit 150 PS-TDI, die es nur mit DSG gibt, für 33840 €. Sollte es beim ID.3 mit 150 PS bei den versprochenen 30000 € bleiben, liegt er bei abgezogener Umweltprämie bei 24000 €, also ca. 10000 € unter dem vergleichbaren Verbrenner. Vergleichbar? Nun ja, nicht wirklich. Wir wissen noch nicht die Serienausstattung des ID.3. Der Golf 8 Life hat serienmäßig (wesentliche Punkte):

 

 

  • 16" Alufelgen
  • LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten
  • DAB Radio mit 6+1 Lautsprecher
  • Navigationssystem "Discover Pro" inkl. "Streaming & Internet"
  • Climatronic
  • Verkehrszeichenerkennung
  • Spurhalteassistent "Lane Assist"
  • Schlüsselloses Startsystem "Keyless Start" ohne Safe-Sicherung
  • Einparkhilfe - Warnsignale bei Hindernissen im Front- und Heckbereich
  • Multifunktionslederlenkrad

 

Ich denke, die Basisvariante des ID.3 wird weniger serienmäßig haben, also statt LED-Scheinwerfern vermute ich eher Halogen und beim Navi rechne ich auch mit etwas darunter, vielleicht serienmäßig in der Basis auch gar keins. Und der ID.3 ist mit 330 km-Reichweite nach WLTP auch nicht so perfekt für Langstrecken wie der Diesel, obwohl sicher durchaus geeignet, insbesondere, wenn er mit 100 kW-Laden zu bekommen ist (Standard wohl 50 kW).

 

Weiterhin gehe ich davon aus, dass der Rabatt beim Golf 8 eher höher liegen wird, abgesehen von den 6000 € der Umweltprämie zum E-Auto. Mir sagte der Verkäufer hier, dass der ID.3 in der Basisversion früher kommen wird als geplant, etwa im Mai, und Schwerbehindertenrabatt läge wie bei den E-Autos bei VW üblich bei 10%, nícht in der Umweltpräme verrechnet. Bitte regt euch nicht euch, dass ich hier nochmal den Schwerbehindertenrabatt erwähne. Ich sehe ihn im Wesentlichen als Orientierung, was maximal drin ist. Bei Verbrennern gibt VW 15% und das werden es wohl auch beim Golf 8 werden. Normale Rabatte liegen etwa bei der Hälfte. Trotzdem wird deutlich, dass der ID.3 durch die Umweltprämie wesentlich günstiger wird als der 150 PS-DSG-TDI und ungefähr auf dem Level des 130 PS-TSI mit Handschalter.

 

Nach ersten Einschätzungen liegt die Materialqualität des Golfs eher höher. Mein Eindruck bei der IAA war, dass der ID.3 qualitativ eher auf Polo-Level liegt (mehr harter Kunststoff). Dafür hat er jedoch wiederum mehr Platz auf den Rücksitzen, also auf Passat-Level, bei gleicher Außenlänge, jedoch etwas mehr Höhe (mit 1,55 m zwischen Golf und Golf Sportsvan).

 

Die Verbrauchsangaben sind beim Golf 8 nach NEFZ, beim E-Auto jedoch nach WLTP. Mit etwas Suchen findet man jedoch auch die WLTP-Werte des Verbrenners (Link "Technische Daten"). Beim 2,0 TDI sind es 3,7 l. (NEFZ) bzw. 4,3 l. (WLTP kombiniert).

 

Ich denke, das wird ein spanendes Duell.

j.

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01.12.2019 22:26    |    jennss    |    Kommentare (123)

Vor ein paar Jahren gab es das Projekt Loremo, ein Auto, das attraktiv designt wurde und konsequent auf Sparsamkeit getrimmt war. Nach langer Entwicklungsphase wurde das Projekt eingestampft. Ich fand den Loremo von der Idee her ganz toll und hatte auch immer gehofft, dass er noch kommt.

 

Nur wenige Jahre später hat sich die Ansicht komplett geändert: Das umweltfreundliche Auto ist nicht mehr ein Diesel wie der Loremo, sondern fährt mit E-Motor. Vielleicht ist es besser, dass es schon damals nichts wurde mit dem Loremo, denn sonst wäre man von der Zeit überrannt worden. Andererseits: Vielleicht hätte man es mit einem guten Start auch finanziell schaffen können, einen guten E-Antrieb einzubauen. Im Hinterkopf hatte man den E-Antrieb ja schon. Der Loremo wäre ein sehr cooles E-Auto geworden, extrem sparsam, mit großer Reichweite aus kleinem Akku.

 

Jetzt sind e.Go und Sono Motors, wieder deutsche Start-Ups, drauf und dran, neue Automarken zu erschaffen. Der e.Go Life hatte zwar schon seine Präsentation, aber ich glaube, es wurde noch kein Auto an Kunden ausgeliefert, oder? Auch der Sono braucht noch Zeit. Jetzt wurde der Start auf Sept. 2021 verschoben. So langsam beschleicht mich da das Gefühl, dass es enden könnte wie beim Loremo, auch wenn ich es nicht hoffe. Die Idee mit dem Solardach ist interessant. Wie weit es Sinn macht, muss sich zeigen.

 

Die Start-Ups hatten immer eine besondere Idee. Der e.Go wollte besonders günstig sein, doch es ist schwer gegen die großen Marken zu bestehen. Ich würde sagen, schon das Update des Seat Mii/VW e-Up/Skoda Citigo-e hat den e.Go überrollt. Die müssen als kleiner Hersteller superscharf kalkulieren und haben nicht so viel Polster wie ein großer Hersteller. VW sagt auch selbst, dass der "Skalierungseffekt" den günstigen Preis des e-Up ermöglicht, denn man hat das Kapital, viele Akkuzellen einzukaufen. Die (vielleicht) gescheiterten Start-Ups wollten es allesamt über den Preis versuchen, doch genau das klappt nicht (Loremo, e.Go, Sono).

 

Alleine Tesla hat es wirklich geschafft. Warum? Was hat Tesla richtig gemacht, was andere verzapft haben? Ich denke, da ist diese klare Vision, Überzeugung und die Technik, die nicht nur ein bisschen anders ist, sondern radikal. Als Tesla anfing, waren E-Autos noch ziemlich unbeachtet. Und Tesla hat gleich im Großen gedacht, die passenden Lösungen gesucht und überlegt, was der Mensch wirklich braucht und will. So hat das Supercharger-Netz das E-Auto als reisetauglich gezeigt. Und noch heute ist Tesla in einigen Punkten voraus, z.B. bei der Zugfähigkeit oder beim Kobalt-Anteil der Akkus. Doch die etablierte Konkurrenz ist aufgewacht und versucht nun mit aller Kraft ihre Position zu verteidigen. VW steigt groß ein und scheint es ebenfalls konsequent zu machen. So baut auch VW an einem Ladenetz. Die Erkenntnis für Start-Ups: Man darf das Ganze nicht zu zaghaft starten, muss im Großen denken und "den Sack zumachen". Oder gibt es in Deutschland zu große Hindernisse dafür?

 

Loremo hat viel zu lange gebraucht, um das Auto fertig zu bekommen. Man hätte viel schneller wachsen müssen. Ein Schlüssel liegt dabei in der Öffentlichkeitsarbeit. Elon Musk hat das Vertrauen von Investoren bekommen, sie überzeugt. Das hat bei Loremo offenbar nicht ausgereicht. Ein Start-Up muss man ganz oder gar nicht anpacken. Es ist sehr schwer, weil die Technik und das ganze Drumherum sehr komplex sind. Es wäre jedoch gut, wenn Start-Ups sich Tesla als Vorbild nehmen.

 

Allerdings klappt sowas auch nicht zu jeder Zeit. Tesla kam zur richtigen Zeit mit der richtigen Technik und hat die Elektromobilität sexy gemacht. Vor allem hat Tesla nicht mit einem Sparmobil angefangen, sondern mit dem großen Model S. Elon Musk ist ein kantiger Typ, der auch mal aneckt, aber sein Mut und seine Genialität übersteigen noch die eines Steve Jobs oder Mark Zuckerberg, finde ich, auch wenn man das schlecht vergleichen kann. Es sind die großen technischen Visionäre, die unser Leben verändern, viel mehr als alle Politiker es können. Viele Start-Ups sind wohl nicht revolutionär genug, um nicht von der etablierten Konkurrenz überrollt zu werden. Die dankt ihnen vielleicht einmal für ihre Inspiration und macht es mit ihrer Erfahrung und den finanziellen Möglichkeiten konsequent. Wie gemein ;).

j.

 

PS: Die Bilder sind aus einem alten Motor-Talk-Artikel.

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