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Sun Dec 01 22:26:06 CET 2019    |    jennss    |    Kommentare (123)

Vor ein paar Jahren gab es das Projekt Loremo, ein Auto, das attraktiv designt wurde und konsequent auf Sparsamkeit getrimmt war. Nach langer Entwicklungsphase wurde das Projekt eingestampft. Ich fand den Loremo von der Idee her ganz toll und hatte auch immer gehofft, dass er noch kommt.

Nur wenige Jahre später hat sich die Ansicht komplett geändert: Das umweltfreundliche Auto ist nicht mehr ein Diesel wie der Loremo, sondern fährt mit E-Motor. Vielleicht ist es besser, dass es schon damals nichts wurde mit dem Loremo, denn sonst wäre man von der Zeit überrannt worden. Andererseits: Vielleicht hätte man es mit einem guten Start auch finanziell schaffen können, einen guten E-Antrieb einzubauen. Im Hinterkopf hatte man den E-Antrieb ja schon. Der Loremo wäre ein sehr cooles E-Auto geworden, extrem sparsam, mit großer Reichweite aus kleinem Akku.

Jetzt sind e.Go und Sono Motors, wieder deutsche Start-Ups, drauf und dran, neue Automarken zu erschaffen. Der e.Go Life hatte zwar schon seine Präsentation, aber ich glaube, es wurde noch kein Auto an Kunden ausgeliefert, oder? Auch der Sono braucht noch Zeit. Jetzt wurde der Start auf Sept. 2021 verschoben. So langsam beschleicht mich da das Gefühl, dass es enden könnte wie beim Loremo, auch wenn ich es nicht hoffe. Die Idee mit dem Solardach ist interessant. Wie weit es Sinn macht, muss sich zeigen.

Die Start-Ups hatten immer eine besondere Idee. Der e.Go wollte besonders günstig sein, doch es ist schwer gegen die großen Marken zu bestehen. Ich würde sagen, schon das Update des Seat Mii/VW e-Up/Skoda Citigo-e hat den e.Go überrollt. Die müssen als kleiner Hersteller superscharf kalkulieren und haben nicht so viel Polster wie ein großer Hersteller. VW sagt auch selbst, dass der "Skalierungseffekt" den günstigen Preis des e-Up ermöglicht, denn man hat das Kapital, viele Akkuzellen einzukaufen. Die (vielleicht) gescheiterten Start-Ups wollten es allesamt über den Preis versuchen, doch genau das klappt nicht (Loremo, e.Go, Sono).

Alleine Tesla hat es wirklich geschafft. Warum? Was hat Tesla richtig gemacht, was andere verzapft haben? Ich denke, da ist diese klare Vision, Überzeugung und die Technik, die nicht nur ein bisschen anders ist, sondern radikal. Als Tesla anfing, waren E-Autos noch ziemlich unbeachtet. Und Tesla hat gleich im Großen gedacht, die passenden Lösungen gesucht und überlegt, was der Mensch wirklich braucht und will. So hat das Supercharger-Netz das E-Auto als reisetauglich gezeigt. Und noch heute ist Tesla in einigen Punkten voraus, z.B. bei der Zugfähigkeit oder beim Kobalt-Anteil der Akkus. Doch die etablierte Konkurrenz ist aufgewacht und versucht nun mit aller Kraft ihre Position zu verteidigen. VW steigt groß ein und scheint es ebenfalls konsequent zu machen. So baut auch VW an einem Ladenetz. Die Erkenntnis für Start-Ups: Man darf das Ganze nicht zu zaghaft starten, muss im Großen denken und "den Sack zumachen". Oder gibt es in Deutschland zu große Hindernisse dafür?

Loremo hat viel zu lange gebraucht, um das Auto fertig zu bekommen. Man hätte viel schneller wachsen müssen. Ein Schlüssel liegt dabei in der Öffentlichkeitsarbeit. Elon Musk hat das Vertrauen von Investoren bekommen, sie überzeugt. Das hat bei Loremo offenbar nicht ausgereicht. Ein Start-Up muss man ganz oder gar nicht anpacken. Es ist sehr schwer, weil die Technik und das ganze Drumherum sehr komplex sind. Es wäre jedoch gut, wenn Start-Ups sich Tesla als Vorbild nehmen.

Allerdings klappt sowas auch nicht zu jeder Zeit. Tesla kam zur richtigen Zeit mit der richtigen Technik und hat die Elektromobilität sexy gemacht. Vor allem hat Tesla nicht mit einem Sparmobil angefangen, sondern mit dem großen Model S. Elon Musk ist ein kantiger Typ, der auch mal aneckt, aber sein Mut und seine Genialität übersteigen noch die eines Steve Jobs oder Mark Zuckerberg, finde ich, auch wenn man das schlecht vergleichen kann. Es sind die großen technischen Visionäre, die unser Leben verändern, viel mehr als alle Politiker es können. Viele Start-Ups sind wohl nicht revolutionär genug, um nicht von der etablierten Konkurrenz überrollt zu werden. Die dankt ihnen vielleicht einmal für ihre Inspiration und macht es mit ihrer Erfahrung und den finanziellen Möglichkeiten konsequent. Wie gemein 😉.
j.

PS: Die Bilder sind aus einem alten Motor-Talk-Artikel.

loremo1
Loremo1
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Sun Apr 26 15:09:50 CEST 2020    |    XuQishi

Zitat:

ich bin nach 3.000 km immer noch Top zufrieden

Wäre ja auch schlimm, wenn nicht. Ich bin nicht der Meinung, dass man die Qualitäten eines Autos nach einer knappen Urlaubstour Gesamtlaufleistung bewerten kann. Das bin ich früher in 6 Wochen mit dem Mofa gefahren...

Sun Apr 26 16:02:10 CEST 2020    |    Meat-Puppets

Zitat:

@notting schrieb am 26. April 2020 um 13:33:19 Uhr:



Zitat:

@Meat-Puppets schrieb am 26. April 2020 um 13:19:04 Uhr:


Ich muss mal als Laie fragen: Wie kann man sich das eigentlich vorstellen? Sorgt ein Wechselrichter dafür, dass Strom vom Dach mittels häuslichem Stromnetz direkt ins Auto gespeist werden kann, oder muss das über einen Zwischenspeicher (Hausbatterie) geschehen?

Für deine Frage dürfte hier auf MT https://www.motor-talk.de/forum/hybrid-elektro-b452.html das beste Unterforum sein.

Alles AFAIK: Einen Wechselrichter brauchst du ohnehin, wenn du übl. Haushaltsgeräte über PV betreiben willst, da sowohl die Solarzellen als auch Akku mit DC arbeiten. Da BEV/PHEV bei niedrigeren Leistungen[1] meist nur AC laden können, wirst du vermutl. um einen Wechselrichter nicht herumkommen. Bessere AC-Lader können z. B. durch die PV-Anlage gesteuert werden, sodass z. B. nur "Überschussstrom" der PV-Anlage im BEV/PHEV landen. Das setzt logischerweise voraus, dass das BEV/PHEV gerade dort angeschlossen ist. Sonst bleibt dir nur den Strom an den Stromnetzbetreiber zu verkaufen oder selbst irgendwie zu speichern (was eine große zusätzl. Investition ist).

notting

[1] Die wenigsten privaten Solaranlagen dürften sicher eine Stunde >=50kW schaffen einfach durch die zur Verfügung stehende Fläche und natürl. Gegebenheiten wie dass die Sonne nicht immer ausr. scheint.

Dankeschön für die Infos und den Link, das hat mich wieder etwas weiter gebracht. Das Thema ist gar nicht so einfach.

Sun Apr 26 18:56:12 CEST 2020    |    jennss

Zitat:

@goholger schrieb am 26. April 2020 um 13:12:59 Uhr:


Wie weit fährst Du denn üblicherweise pro Tag?

Bei uns sind es oft 20 km, manchmal 40 km. Und da meine PV-Anlage ja auch was abgeben kann, kann ich problemlos langsam laden.

Bisher oft 2x15 km, weil ich P&R genutzt habe. Wegen Corona fahre ich jetzt direkt zur Arbeit. Das sind hin- und zurück ca. 80 km, je nach Strecke/Stau/Elbtunnel. Abends manchmal noch etwas zum Einkaufen oder so, aber dafür reicht es öfter noch. Am Wochenende lade ich an manchen Tagen mehrmals. Also: Wenn alles nach Plan läuft, reicht es ohne Schnelllader. Ansonsten (z.B. am Wochenende) nutze ich die Schnellladung öfter, wobei die 11 kW zuhause ja auch schon quasi Schnellladung sind, wenn man mit 3,7 kW vergleicht.

Es kommt auch vor, dass ich mit Smart zu meiner Mutter fahre (2x130 km am Tag), je Strecke 1x zwischenladen, aber wir haben auch noch einen Hybrid hier. Den Smart nehme ich dann, wenn ich 20 € Fahrkosten sparen will (am Zielort kostenlos laden) und ein Cabrio dabei haben möchte.
j.

Wed Sep 02 19:41:20 CEST 2020    |    notting

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