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MOTORTESTS.de - Test und Erfahrungsberichte aus der MOTOR-TALK Community

10.02.2020 19:38    |    jennss    |    Kommentare (162)

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"Ich hätte ja gerne ein E-Auto, aber die Gebrauchten sind noch so irre teuer", hört man manchmal. Tatsächlich sind die Gebrauchten auf Mobile.de erstaunlich wertstabil. Das hat natürlich seinen Grund, denn selbst die alten E-Autos sind ideale Zweitwagen, sofern man zuhause laden kann.

 

Zweitwagen brauchen meistens keine große Reichweite, werden gewöhnlich auf Kurzstrecken gefahren. Daher sind auch gebrauchte E-Autos noch sehr beliebt und hoch im Wiederverkaufswert, selbst die Modelle mit nur 160 km oder 190 km Reichweite nach Nefz-Norm, wie eGolf, e-Up oder i3 der 1. Generation, weil es für sie einen idealen Einsatzbereich gibt. Wir haben selbst einen Smart EQ und null Probleme mit der Reichweite als Zweitwagen.

 

Wer mit einer relativ kurzen Reichweite auskommt, hat ggf. die Wahl zwischen Gebrauchten und Neuwagen mit Umweltprämie. Neue E-Autos mit mäßiger Reichweite sind z.B. Smart, e.Go und eUp der 2. Generation, aber auch noch Honda e, Mini Cooper SE und andere. Die Schwelle zu einem Erstauto bzw. einzigen Auto im Haushalt sehe ich bei etwa 300 km nach WLTP. Solche sind dann für gelegentliche Langstrecken schon ganz brauchbar, ggf. mit Zeitzugabe ggü. Verbrennern, je nach Langstreckenfahrstil, was aber recht unproblematisch ist, solange diese Entfernungen nicht so oft vorkommen.

 

Für City-Betrieb ist ein E-Antrieb noch besser als ein Verbrenner mit normaler Automatik. Komfort und Fahrspaß sind immer wieder ein Genuss. Man kann dank sofortigem Ansprechen im Verkehr sehr schnell reagieren, was auch in gewisser Weise Entspannung bringt. Es verstopft bei Kurzstrecken kein DPF (Dieselpartikelfilter) und die Fahrkosten sind wunderbar niedrig. Selbst alte E-Autos sind noch immer steuerbefreit (10 Jahre). Ein e-Up von 2013 hat eine Akkugarantie von 160000 km/8 Jahre, d.h. man kauft einen Gebrauchtwagen, auf den es beim teuersten Bauteil noch immer Garantie gibt (bis 160000 km). Dabei geht der Akku natürlich auch nicht gleich kaputt, wenn er aus dem Garantiezeitraum heraus ist, da die Hersteller ja auch immer einiges an Reserven eingeplant haben. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die Akkus tatsächlich deutlich haltbarer als oft befürchtet. Jedoch sinkt allmählich die Reichweite. Beim Verbrenner hingegen stehen oft teure Reparaturen bevor, wie z.B. Zahnriemenwechsel. Bei alten E-Autos gibt es ja viel weniger Teile, die kaputt gehen können. Insofern erscheint mir ein gebrauchtes E-Auto kalkulierbarer als ein Verbrenner. Wenn jedoch irgendwann einzelne Zellen des Akkus getauscht werden müssen, kann es leicht über 1000 € kommen. In den meisten Fällen dürfte der Akku jedoch ein durchschnittliches Autoleben lang halten. Bei Gebrauchtkauf eines älteren E-Autos ist eine Kapazitätsmessung des Akkus empfehlenswert. So hat der Käufer eine gewisse Sicherheit.

 

Obwohl BMW beim i3 damals nur 100000 km Garantie gab, während VW schon bei 160000 km lag (BMW inzwischen auch), dürften die i3-Akkus technisch besser sein, weil vollklimatisiert. Der eGolf wie auch der eUp haben keine Akkuheizung und -kühlung, können aber auch nur 40 kW laden (BMW 50 kW. Der eGolf anfangs evtl. auch 50 kW). Der i3 hat jedoch recht viel PS (170) für den kleinen Akku (netto ca. 20 kWh), was auch etwas belastend ist. Der ADAC hat beim i3 einen Dauertest laufen. Nach 84000 km und ca. 5 Jahren Alter lag der i3 Rex (1. Generation, kleinster Akku) bei ca. 93% Restkapazität. Der Akku des Rex-Modells wird sicher nicht weniger belastet als der des reinen Stromers. Der Rex lädt intern mit maximal 38 PS bzw. 28 kW. Überhaupt ist es sicher auch nicht schlecht, beim Verkäufer zu fragen, wie er meistens geladen hat. Unter 1C (= Volladen in einer Stunde) dürfte der Akku nicht sonderlich hoch belastet sein, bei 50 kW und 20 kWh Kapazität sieht die Belastung allerdings schon anders aus. Sicherlich deswegen und wegen der hohen Motorleistung hat BMW schon damals den Akku vollklimatisiert, was ihn schont, denn eine hohe Temperatur beim Laden und Fahren ist nicht gut für die Zellen.

 

Als einzigen Vorteil eines nicht-klimatisierten Akkus sehe ich den fehlenden "Vampirstrom" der Heizung/Kühlung des Akkus und damit den geringeren Verbrauch.

 

Einen guten Beitrag zu den Bedenken der Akkulebensdauer hat @zerschmetterling81 geschrieben.

 

In Anbetracht der hohen Umweltprämie demnächst ist der Gebrauchtkauf dennoch gut zu überlegen. Minimum dürfte etwa ein Seat Mii electric sein, der mit maximalem Rabatt (10% Schwerbehindertenrabatt oder geht noch mehr?) auf etwa 12600 € kommt. Das wird sich dann vermutlich auch auf die Gebrauchtpreise auswirken.

 

Alte Teslas sind noch wieder ein anderes Ding. Auch die haben hohe Wiederverkaufswerte und können gut als einziges Auto genutzt werden, da sie schon damals hohe Akkukapazitäten hatten. Die ersten Teslas können auch heute noch kostenlos an Superchargern laden, wenn ich mich nicht irre, und die Laufleistungen sind bei den großen Akkus sehr hoch. 400000 km und mehr sind keine Seltenheit. Es gab jedoch mal Schwächen bei der DU (DriveUnit, nicht nur der Motor) und auch bei Akkus. Dies kann man wohl als Kinderkrankheiten betrachten, denn Motoren halten sonst eine halbe Ewigkeit.

j.

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29.02.2020 16:46    |    notting

Zitat:

@jennss schrieb am 29. Februar 2020 um 16:40:26 Uhr:

Allgemein ist es mit neuer Technik schon nicht so leicht. Damals waren Klimaanlagen Luxus. Heute würde kaum einer mehr ein Auto ohne kaufen. Navis sind auch ein Problem. Sie altern recht schnell. Heute ist im Auto viel mehr serienmäßig als damals. Ob 3G/4G auch ein Problem ist, ist eine spannende Frage. Wie schnell wird denn 3G abgebaut? Lässt man das Netz nur altern oder werden funktionierende Sendemasten direkt abgenommen?

https://www.heise.de/ct/artikel/Fragen-Antworten-LTE-4368034.html

Zitat:

Die Netzbetreiber haben den Ausbau von UMTS nach der Einführung von LTE nicht weitergetrieben. Da für das LTE-Netz bestimmte Ausbauziele in der Fläche erreicht werden mussten, bevor der für die Betreiber finanziell lukrative Ausbau in den Städten beginnen durfte, war es in ländlichen Regionen schon kurz nach dem Start deutlich besser ausgebaut als das UMTS-Netz. Hinzu kommt, dass die LTE-Zellen auf dem Land eine Frequenz von 800 MHz benutzen und damit eine deutlich spürbar größere Reichweite erzielen als die UMTS-Zellen auf 2100 MHz.

Ich gehe davon aus, dass es immer öfter passieren wird, dass wenn die noch eine LTE-Antenne irgendwo hinmachen müssen und dort schon ein UMTS-Standort ist oder am Standort warum auch immer Technik ausgetauscht werden muss, UMTS wegkommt.

 

notting


29.02.2020 16:50    |    jennss

Macht 4G denn noch Sinn, wenn 5G schon im Anmarsch ist? Naja, bei unserer Wallbox ist alles lokal, da ist es egal. Aber beim Auto wäre es schade, wenn das nicht mehr geht. Manche wie Hyundai haben gar keine App gehabt (aber jetzt langsam wohl doch).

j.


29.02.2020 16:55    |    notting

Zitat:

@jennss schrieb am 29. Februar 2020 um 16:50:58 Uhr:

Macht 4G denn noch Sinn, wenn 5G schon im Anmarsch ist?

Das wird noch eine Weile dauern, bist das 5G-Netz soweit ist. Auch dürften die 5G-Tarife aktuell tendenziell teurer sein (auch für einen Autohersteller der auch alle Kundenfahrzeuge damit ausstatten will) und noch nicht soviel Sinn im Auto machen. Ein 4G+5G-Modul könnte aber Sinn machen, wenn's das schon zu vernünftigen Konditionen gibt.

 

notting


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