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25.08.2010 15:57    |    fire-fighter    |    Kommentare (59)

Einfamilienhaus in Flammen
Einfamilienhaus in Flammen

Über den Sinn eines Rauchmelders in der Wohnung besteht ja inzwischen eine klare Meinung. Wie verhält man sich aber, wenn der Melder anfängt zu piepen?

Man sollte sich vorher ein paar Gedanken dazu machen, sonst kann im Ernstfall einiges schief gehen. Wenn der Rauchmelder Alarm auslöst, dann gibt es mehrere Ursachen.

-Er ist defekt

-Er hat Essensdunst in der Messkammer

-Es brennt tatsächlich

 

Sinnvoll ist es, immer vom schlimmsten auszugehen. Sitzt der Melder im gleichen Zimmer, in dem man sich aufhält, reicht ein Blick zur Decke. Rauch = schlecht, kein Rauch = Vorsicht!

Ist dies der einzige Melder in der Wohnung? Dann könnte er Rauch aus dem Nachbarraum detektiert haben.

Grundsätzlich: Wenn der Melder piept, ALLE Räume zügig, aber VORSICHTIG kontrollieren! Verschlossene Türen nicht sofort aufreißen. Ein Blick zum Boden oder zu der Zarge: Ist Rauch sichtbar? Fühlen mit der Hand: Warme Tür/heiße Klinke? Nein? Dann vorsichtig öffnen, falls es dahinter verraucht ist, SOFORT wieder die Türe schließen!!

Wenn die Wohnung OK ist, ein Blick zur Wohnungstür. Auch hier erst Temperatur prüfen, dann vorsichtig öffnen. Immer bereit sein, sie sofort wieder verschließen zu können!!

Wenn Ihr auf einen verqualmten Raum stoßen solltet, immer sofort die Türe zu. Wenn möglich die Ritzen mit feuchten Tüchern abdecken, um den Rauch am eindringen zu hindern (gilt nur, wenn Ihr nicht mehr aus der Wohnung rauskönnt) Dann am Fenster bemerkbar machen. Schnellstmöglich die Feuerwehr über Notruf 112 alarmieren! NIEMALS in Badezimmer ohne Fenster verkriechen. Hier gibt es zwar Wasser zum löschen, aber KEINEN Sauerstoff!

 

Wenn Ihr in einem verqualmten Raum seid, runter auf den Boden! Hier ist die Hitze am geringsten und hier ist die Sicht am besten. Der meiste Sauerstoff befindet sich ebenfalls hier unten. Kriechen, oder krabbeln, möglichst schnell raus!!

 

Wenn der Rauchmelder piept und Ihr nichts feststellen könnt, aber unsicher seid, ob alles OK ist, dann ruft trotzdem den Notruf 112. Erklärt dem Leitstellendisponenten die Lage. Er wird die Feuerwehr zur Kontrolle alarmieren. Vielleicht brennt es ja über Euch oder beim Nachbarn? Oder in der Zwischendecke?

 

Merke:

- Türen nur öffnen, wenn man weiß was dahinter los ist. Weiß man es nicht, dann Vorsicht! Heiße Türen bedeuten Gefahr!

- Die beste Sicht und die meiste Luft befinden sich in Bodennähe!

- Wenn es brennt, so schnell wie möglich 112 rufen! Lage schildern, auf Rückfragen warten!!

- Keine Sachen mitnehmen, so schnell wie möglich raus!

- Keine Panik, wenn Ihr nicht raus könnt. Haltet Euch am Fenster auf. Dichtet die Tür ab. Flüchtet auf den Balkon.

- Niemals Zimmer ohne oder mit einem winzigen Fenster aufsuchen.

- Wenn die Feuerwehr kommt, macht Euch bemerkbar. Winken, Handy, Taschenlampe...


26.08.2010 11:14    |    Hummerman

@Opelkaputtmacher:

Zitat:

Mein Rauchmelder ,ist zuverlässig -weil ist unser Hund :eek:! Dem vertrau ich mehr als der 1€-Baumarkt-Technik ,mit Fehlalarm u. lerre Akkus !

Auch Hunden haben schon versagt. Es muss ja kein 1 € Baumarktmelder sein, gute ab 10 € pro Stück die halten ihr versprechen.


26.08.2010 12:12    |    RogBro

Mich irritiert gerade, dass am Boden der Sauerstoffgehalt hoch ist - CO2 hat doch eine höhere Dichte als Sauerstoff - oder gilt das eher, um einer CO-Vergiftung (Dichte geringer als O2) vorzubeugen?


26.08.2010 12:28    |    fire-fighter

Gegen CO2 und CO kannst Du nicht viel ausrichten. Wenn zu wenig O2 in der Luft ist, hast Du eh verloren. Die Problematik sind die restlichen Stoffe. Brandgase enthalten eine vielzahl von hoch toxischen Stoffen. Was genau, kann man nur sagen, wenn man es nachweist (per Prüfröhrchen) oder wenn man weiß, was genau verbrennt. Ist also mehr oder weniger unmöglich.

 

Aufgrund der Thermik sammelt sich der Rauch oben. Unten "atmet" das Feuer den Sauerstoff an. Daher hast Du unten die niedrigsten Temperaturen und die beste Sicht. Die Temperatur ist auch so ein Stichwort. Brandgase können extrem heiß sein (weit über 1000°C). Schon wenige cm in der Raumhöhe bringen riesige Temperaturdifferenzen. Aus diesem Grund bewegt sich auch die Feuerwehr in Verrauchten Räumen so flach wie möglich am Boden...


26.08.2010 12:30    |    martinkarch

Zitat:

Aus diesem Grund bewegt sich auch die Feuerwehr in Verrauchten Räumen so flach wie möglich am Boden...

Die Feuerwehr wohlgemerkt !

 

Der Normalbürger bewegt sich in solchen Räumen am besten GAR nicht mehr !

 

Ja wie gesagt Rauchmelder sollten normal schon dafür sorgen, daß man sich selber gar nicht erst durch bereits total vollgequalmte Räume flüchten muß !


26.08.2010 18:14    |    FRAC

Zitat:

Gegen CO2 und CO kannst Du nicht viel ausrichten. Wenn zu wenig O2 in der Luft ist, hast Du eh verloren.

Stimmt. Nur das CO nicht einfach "nur " Sauerstoff verdrängt, sondern hoch giftig ist und schon nach wenigen Atemzügen zu Bewusstlosigkeit führt. Und CO entsteht auch, wenn ansonsten harmloses Zeug verbrennt.

 

FRAC


26.08.2010 18:16    |    martinkarch

Zitat:

Und CO entsteht auch, wenn ansonsten harmloses Zeug verbrennt.

Da zum Beispiel : http://www.youtube.com/watch?v=z78hjh64oFk


01.09.2010 09:30    |    pyr_o_man

Zu Fehlalarm:

Ein Kollege hat mal seinen 3€ Rauchmelder nach einem Fehlalarm zerlegt, die Ursache war schnell gefunden, ein winziges Insekt war in die Messkammer gekrochen

 

Zu kein Brandmelder in der Küche, weil ist ja immer jemand in der Nähe:

Ein Freund von mir hat sich mal nach ner 20h-Schicht ne Pizza in den Ofen geschoben. Rauchmelder-Batterien waren leer. Vor dem TV eingeschlafen. Komplettrenovierung der Wohnung war dann fällig.


22.10.2010 20:25    |    gesperrt

Für Küchen gibt es kombinierte Melder bzw. thermische Melder.

Die sprechen an wenn die Temp. in Deckenhöhe über 60 Grad steigt.


23.12.2010 17:29    |    Rheinostfriese

Hab gerade einen Beitrag auf "Taff" gesehen (ja, Asche auf mein Haupt - das ist wie mit der BILD, die liest auch niemand), da haben die "Ratschläge" gegeben, wie man sich bei Wohnungsbränden verhalten soll. Dabei musste ich an diesen Blog denken, den Beitrag hatte ich vor einer Weile gelesen.

 

Leider habe ich von den Ratschlägen von unserem "Firefighter" dort nichts wieder gefunden. Stattdessen gab es den Ratschlag, man solle unbedingt noch wichtige Dokumente in Sicherheit bringen: Familienurkunden, Versicherungspolicen, Sparbücher, KFZ-Briefe, Eigentumsnachweise. Solche Dinge seien unwiderbringlich weg, wenn sie in einem Brand zerstört würden - was dann praktisch zum Ruin führen könne.

 

Ich wäre fast vom Glauben abgefallen... im Ernstfall würde ich (Hochparterre) meine Wohnung in weniger als 10 Sekunden verlassen haben (Fenster oder Tür - egal, notfalls auch nackt), aber bestimmt nicht noch nach irgendwelchen Akten suchen. Aber wenn man das Unterschichten-TV mal außer Acht lässt... gibt es tatsächlich Dinge, die "Unersetzbar" sind, und die man deshalb griffbereit liegen haben sollte?


23.12.2010 23:55    |    FRAC

Was immer dir wichtig und unersetzlich erscheint, ob auf Papier oder elektronisch oder sonst wie: Mach Kopien davon, und lagere diese bei Verwandten, Freunden oder in einem Bankschließfach. Und wenn's kokelt - rette dich und deine Lieben.

 

FRAC


24.12.2010 00:20    |    Rheinostfriese

Jupp... so in der Art war bislang auch mein Denkansatz. Ich mach dann mal ne Kopie von meinem Arsch und schließ die weg. ;)


15.02.2012 13:42    |    Luke1973

Wieso kann man nicht einfach die Luft anhalten und ins EG laufen und raus?:confused: 30s Luft anhalten werde ich doch noch schaffen. Und länger brauche ich nicht um ausm EFH rauszukommen. Noch nicht mal mit geschlossenen Augen.:D

 

Frage ist ernst gemeint.;)


15.02.2012 13:51    |    Achsmanschette15

Zitat:

Frage ist ernst gemeint.;)

du machst die tür auf...erschrickst dich vor der rauchwand - atmest reflexartig einmal tief ein...fängst an zu husten - atmest noch mehr ein...und schon ists passiert!


20.02.2012 12:46    |    Luke1973

Naja, naja. Also wenn ich bei mir zu Hause oben an der Treppe stehe und unten seh ich Rauch. Ich mein, die Türe nach draussen kann ich von da wo ich stehe (ohne Rauch) schon sehen. Ich würde also ganz bewust einmal tief einatmen (am Fenster?) und dann die 15 Stufen runter und 2 Schritte zur Tür.

Ist das nicht besser als oben zu warten bis es vielleicht zu spät ist?


20.02.2012 13:34    |    fire-fighter

Wo Rauch ist, da ist auch Wärme. Unterschätze nie die Temperatur im Brandrauch! Fass mal mit Deiner Hand in Wasserdampf. Wasser kocht bei 100°C. Im Brandrauch können auch mal die zehnfache Temperatur auftreten. Der Rauch kann so dicht werden, dass Du noch nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen würdest. Natürlich kannst Du versuchen am Boden bis zur Tür zu krechen. Unten ist es kühler und die Sicht ist dort meist besser. Eine Garantie fürs Ankommen gibt es nicht...

 

Pauschal kann man keine Aussage treffen. Das ist immer Situationsabhängig. Aber wenn Du Dir schon im Vorfeld Gedanken machst, was passiert, wenn... - dann bist Du schon einen ganzen Schritt weiter, da Du im Falle eines Falles nicht erst panisch überlegst, sondern direkt handelst!

 

Was Du noch tun kannst: Es gibt im Handel Notleitern für den Fensterrahmen in verschiedenen Längen. Das ist im Prinzip eine Stahlstrickleiter, die im Notfall ins Fenster gehängt wird und Di somit einen zweiten Fluchtweg bietet. Bei verwinkelten Altbauten mit Holztreppenhaus durchaus eine interessante Alternative...

Denk an Dein Telefon beim Notruf. Die meisten neuen Telefone funktionieren nur mit Strom. Dieser fällt aber bei einem Brand imer gerne schnell aus. Dann bleibt Dir nur der Nachbar, oder Dein Handy. Wenn dies ausserhalb des Schlafzimmers "übernachtet", dann hast Du schlechte Karten...


23.02.2012 12:36    |    Luke1973

Darum (und auch wegen Einbrecher) liegt mein Handy immer griffbereit am Nachttisch.

 

Wir haben das Glück, das man aus unserem EFH eigentlich immer rauskommen müsste. Selbst unterm Dach könnte man aus den großen Fenstern raus. Die Traufe richtung Garten ist nur ca. 5m hoch. Ich weiß, wenn man oben steht, ist das verdammt hoch. Aber wenn man sich an den Dachkannel hängt, sinds nur noch 3m bis zur Grasnarbe. Besser als zu verbrennen oder zu ersticken.

 

Von den beiden Kinderzimmern aus ist es noch einfacher. Das eine hat nur ca. 2m bis zum Boden, das andere 3 bis Oberkante Grasnarbe.

Auch vom oberen Bad aus könnte man noch auf die obere Holzterasse springen (falls sie nicht in Flammen stehen sollte).

 

Der Rest ist EG und jeder Raum hat Fenster. Wichtig, dass man sie auch öffnen kann.

 

Ne Leiter am Fenster wäre natürlich in der Tat eine gute Idee.

 

Die Kinder schlafen eine Etage tiefer als wir. Was mach ich wenn der RM auslöst und ich an der Treppe stehe und unten nur Qualm sehe? Muss ich es dann nicht einfach versuchen? Was hab ich schon zu verlieren? Eine Kleine Chance besteht ja, dass ich es blind zu den Kindern schaffe und sie aus dem Fenster "werfe". Kann ja schlecht oben warten bis die Feuerwehr da ist, oder?

 

Sollte man eine Gasmaske am Bett liegen haben? Aber wo kein O2 ist, bringt das ja auch nichts. Gibts sowas wie Mini-Sauerstoffflaschen für den Notfall? Sollte man sowas am Bett stehen haben?


23.02.2012 12:43    |    Achsmanschette15

Zitat:

Sollte man eine Gasmaske am Bett liegen haben?

das geld ist in rauchmelder und eine sichere elektroinstallation deutlich sinnvoller investiert....

Zitat:

Aber wo kein O2 ist, bringt das ja auch nichts.

sauerstoff ist im brandrauch noch genug vorhanden - das problem sind die andere gase wie kohlenmonoxid und sonstige gifte...

Zitat:

Gibts sowas wie Mini-Sauerstoffflaschen für den Notfall?

klar gibt es sowas...


23.02.2012 22:42    |    Luke1973

Wo denn?


24.02.2012 09:31    |    Achsmanschette15

das gibts bei jedem händler, der sich auf brandschutz/feuerwehrtechnik spezialisiert hat...


23.06.2020 16:21    |    amir.abuslayyeh

Das Haus so schnell wie möglich evakuieren und AUF KEINEN FALL wieder betreten!!


Deine Antwort auf "Mein Rauchmelder piepst - Was nun? Richtiges Verhalten wenn es brennt!"

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Mein Blog hat am 20.04.2009 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

Blogautor

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MAN F8 19.291 LF24

Renault

In 20 Jahren Feuerwehr gibt es wirklich nichts mehr, was ich noch nicht erlebt habe.

FS CE besitze ich seit 2007, dafür noch mal vielen Dank an die Gemeinde :cool:

Meine Brötchen (und auch das für obendrauf) verdiene ich mir im weltweiten Service für Industrieelle X-Ray Anlagen

Privat bewege ich z.Zt. einen Skoda Octavia RS.

Wer mehr wissen will - PN!

Wo der fire-fighter herkommt...

Meine Ursprungsheimat liegt in Berenbostel. Das ist ein Stadtteil von Garbsen, in der Nähe von Hannover. Ein Teil der Berichte stammt aus meiner Zeit dort. Seit ein paar Jahren hat es mich beruflich ins schönste Bundesland der Welt verschlagen. Seitdem bin ich hier in Ahrensburg, in der Nähe von Hamburg aktiv.

Auf den Fotos kann man den Unterschied anhand der Einsatzkleidung erkennen. Niedersachsen bevorzugt orange Jacken, in Schleswig-Holstein ist die Nomexjacke dunkel.

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