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02.11.2007 10:30    |    rallediebuerste    |    Kommentare (17)    |   Stichworte: ralle testet

Irgendwann hatte mir mal ein Kollege die "The Fast and The Furious - Tokyo Drift"-DVD in die Hand gedrückt und so was gemeint wie: "Ey du stehst doch auf schnelle Autos und so - musste das ma gucken, is voll fett!".... ähm ja, ok - danke! Lange Zeit lag die Scheibe dann bei mir daheim im Regal, bis mir gestern abend doch irgendwie langweilig wurde. Naja, und weil ich grad nix besseres hatte und alles andere zu anspruchsvoll gewesen wäre, habe ich mich halt dazu entschlossen, mir den Film mal 'reinzuziehen.

Fehler!

Böser Fehler!

Ich meine, ich hatte keine großen Erwartungen an einen Film, dessen Vorgänger schon eine ganze Generation zu den irrsten GFK-Grausamkeiten nebst Beleuchtungsorgien animiert hatte, aber DAMIT hatte ich nicht gerechnet.

 

 

 

Aber fangen wir von vorne an.

Die Story ist ebenso so schnell erzählt wie einfallslos:

junger weißer Amerikaner aus zerrüttetem Elternhaus fährt in den USA illegale Autorennen und muss - um nicht im Gefängnis zu landen - nach Tokyo zu seinem Vater, wo er von einem schwarzen Mitschüler in die kriminelle tokyoter Straßenrennszene eingeführt wird und sich natürlich in die Chica des Oberassi-Yakuzafuzzis verknallt, der als Drift King bekannt ist und alle Rennen gewinnt. Klischee ahoi!

 

Wie es sich für einen TFTF-Film gehört, ist unser Sonnyboy von überm Teich anfangs der Drift-Loser schlechthin: Beim spektakulären Parkhausrennen gegen den Drift King richtet er die verpimpte 427.346-Dollar-Megakiste, die ihm irgendein vollkommen fremder Kleinkrimineller selbstlos leiht, schlimmer zu als meine Großmutter das je könnte - und die hat nicht mal nen Führerschein... komisch: beim USA-Rennen auf unbefestigtem Untergrund (erste Szene) rockt unser Held die Viper des reichen arroganten Schnösels weg als wär sie ein Bobbycar (vielleicht aber auch nur, weil die beiden "um ein Mädchen fahren";) - seine Fahrtechnik scheint er wohl aber in den Staaten zurückgelassen haben, kommt er doch im japanischen Parkhaus nicht mal die Auffahrt hoch ohne den Bordstein mitzunehmen. ACHTUNG: Allen GFK-Tuning-Fans rate ich dringend, bei der Szene die Augen fest zu schließen und erst bei 34'31" wieder zu öffnen! ... nein, moment: Guckt genau hin und macht's schön nach! :D

 

Weiter im Film: dank seiner nicht ganz so guten Performance schuldet Loserboy nun also einem japanischen Kleingangster einen Wagen (kommt das jemandem bekannt vor? :)) und wird so dessen neuer Fahrer für krumme Geschäfte. Selbstredend lernt er dabei von ihm innerhalb kürzester Zeit das Driften in Perfektion.

Und hier kommt dann auch meine persönliche Lieblingsszene: unser Held und sein neuer Driftmentor fahren im gepimpten S2000 (?) durch Tokyo und Gaijin-Boy fragt Gängster-San, warum der denn überhaupt drifte, schließlich fährt er doch gar keine Rennen.

...genau in diesem Moment steht (!) mitten auf der freien 4-spurigen Straße verpimpter Nissan (?), in dem zwei Zuckerpüppchen hoch zehn sitzen... der Drift-Sensei fackelt nicht lang, schaltet zurück, reißt lässig am Handbremshebel und zieht wild driftend und debil grinsend seine Donuts um den Wagen. Als er nach mehreren Umrundungen zum stehen kommt (man sieht von oben, wie der aufsteigende Rauch überall kreisförmig vom Tusenmobil wegweht - komisch!), geht das Fenster runter und der Typ bekommt einen gefalteten Zettel von Schnuckiputzi zugesteckt...

 

Mann Jungs, mal ehrlich - ich hab's gestern probiert: Aufm Parkplatz bei Aldi standen so zwei süße Mäuse im Nissan Micra rum, die haben mir ganz gut gefallen. Also bin ich lässig im ersten Gang mit 7500 Touren hingerollt, hab die Handbremse gerissen und bin um die Mädels rumgewedelt wie ein Irrer... Telefonnummer hab ich keine bekommen, aber immerhin ne Anzeige wegen groben Unfugs. Und außerdem hab ich mir die neuen Blingbling-Spinners am Akazienkübel geschrottet. Danke Tokyo Drift! ;)

 

Eigentlich sagt diese Szene ja schon alles, aber wie uns der Film weismachen will ist Driften noch viel viel mehr als der zirkuläre Ausdruck eines longitudinalen Verlangens: in einer anderen Szene hat's endlich zwischen dem Gaijin und der hässlichen Chica gefunkt, sie fährt mit ihm "in die Berge" - DEM Szenetreffpunkt für die japanischen Jugendlichen. Begleitet von dudeliger romantischer Musik driften sie (gefolgt von ein paar ebenfalls driftenden Kumpels oder so) die Landstraßen hoch und sie erzählt mit romantisch verklärter Stimme, wie sie früher schon oft hier waren - sogar bevor sie Auto fahren konnten - und den älteren beim Driften zugesehen haben. Dann haben sie selbst mit dem driften begonnen: "mit dem, was sie so hatten - es war ihnen völlig egal" - denn nur beim driften ist man so richtig frei... BLA BLA BLA

halt der typische klägliche Versuch, einem platten Film doch noch den Anstrich von Gesellschaftskritk und Anspruch zu verpassen... Diesen Versuch kann man getrost als gescheitert betrachten. Wo die ersten beiden Teile noch einen Hang zur Selbstironie hatten und hin und wieder mal ein cooler Spruch kam, ist TFTFTD einfach nur langweilig und nimmt sich selbst auch noch ernst dabei, was ihn dann aber doch wieder irgendwie komisch macht. Und dann immer wieder diese Klischees - hatte ich schon erwähnt, dass der Schwarze mit Laptops dealt oder dass der Vater des Hauptdarstellers Offizier bei der Army ist?

 

Als dann irgendwann noch das oft genutzte Pistolendreieck auf den Schirm kam (Haupdarsteller kriegt vom Yakuzi ne Pistole annen Kopp gehalten, der wiederum *surprise* von dessen Vater mit ner Pistole bedroht wird) habe ich den Scheiß genervt abgeschaltet - ich weiß eh schon wie's ausgeht:

Nachdem Vater und Sohn zusammen Papis alte Kiste rennfertig machen, kommt es zum alles entscheidenden Duell: Bis kurz vor Schluss sieht es so aus, als würde der Drift King gewinnen (wahlweise weil Sunnyboys NOS-Knopf klemmt oder die Yakuza-Connection heimlich seinen Auspuff zugeschweißt hat), aber im letzten Moment fällt unserem Held ein, was ihm sein Urgroßschwippschwager am Tag der Hochzeit seiner kleinen Schwester mit auf den Weg gegeben hat ("Rechts is Gas, Junge - vergiss dat nit!";) und er gewinnt... die Ehre, die Tussi, und ein zehn-Sekunden-Auto mit 5m hohen Heckspoilern.

 

Ok ok, bei dem ganzen Gemotze sollte man vielleicht auch mal die guten Seiten des Films würdigen:

Die Kameraeinstellungen und -fahrten sowie auch die Choreographie der Action-Sequenzen sind erwartungsgemäß erste Sahne... Wenn der King in Zeitlupe mit dem Heck 2cm an einer Wand vorbeidriftet sieht das schon verdammt geil aus. Außerdem wird weitestgehend auf übertrieben schnelle Schnitte und nervige Wackelkamera verzichtet und wer's mag kann einige "hübsche" Bodykits an Autos und Damen sehen.

Aber das war's dann auch schon ;)

 

Mein Fazit: Ich habe ja nie geglaubt, mit TFTFTD eine realistische Rennsportdokumentation zu schauen, aber DAS war einfach zu hart für mich: Schlechte Story, schlechte Darsteller, abgrundtief schlechte Dialoge, kein bisschen Humor und 15 Minuten gute Action machen halt einfach keinen guten Film - das konnte Teil eins irgendwie besser.

Aber der vierte kommt ja sicher - warten wir's ab!

 

Gruß

Ralle


02.11.2007 20:48    |    Rostlöser27853

Da lässt du ja mal gar kein gutes Haar an dem Film...

 

Kann ich leider oder zum Glück (wer weiß das schon so genau) nicht beurteilen... Hatte mal den allerersten TFTF Film gesehen... Toll war der auch nicht...

 

Gruß

 

Mirco, der erstmal ne Runde driften geht... :D

02.09.2008 22:12    |    Druckluftschrauber2011

Ich will nicht... kann mich nicht dagegen we...

 

NEIN ALEX- ich muss

Sonntag 20:15 Uhr bei RTL :(

NEIN:eek:

03.09.2008 07:11    |    rallediebuerste

Hm, böser Alex! :)

 

Übrigens kommt - wie von mir im Fazit angekündigt - bald Teil 4 in die Kinos. Dann wieder mit dem Vin. Wir sind gespannt!

03.09.2008 07:37    |    Druckluftschrauber2011

Der kann ja nur gut werden und bestimmt wieder total realitätsnah.

03.09.2008 17:45    |    Druckluftschrauber2011

Trailer angeschaut.

Die gleichen Leute wie bei Teil 1

Die gleiche Story wie bei Teil 1

 

Wir dürfen also gespannt sein :)

12.09.2008 13:11    |    Emmet Br0wn

Vin Diesel passt imho gar nicht zu gepimptem TFTF-Japanern.

 

Ein Vin Diesel (oder auch ein CHuk Norris) würde allerhöchtens ein unbespoilertes Musclecar fahren.

 

Zumindest das Klischee ist passender in TFTF-TD.

 

 

P.S. "Gone in 60 Seconds" mit Nicolas Cage ist besser.

12.09.2008 13:15    |    rallediebuerste

Jo, Diesel in Japanern fand ich noch nie so richtig klasse.

12.09.2008 13:26    |    XC70D5

Hätte ich das doch nur vor Sonntag gelesen :(

 

Mit diesem "Wissen" hätte der Film bestimmt mehr Spaß gemacht. Positiv ist aber, dass die Autos wirklich geschrottet wurden. Ich kann digitalisierte Actionszenen nicht leiden.

 

Gone in 60 seconds ist Kult, v.a. Eleanor :D

 

 

Gruß

 

Martin

15.09.2008 08:13    |    Emmet Br0wn

Ja, der Film hat den Wert der alten GT500 bestimmt gut gesteigert.

24.12.2008 00:10    |    breakerxvii

mir ist gerade ein gutes klischee eingefallen als ich den text las: schwarze junger führt in in die kriminelle Gegend ein. Immer und überall dieser Rasismus :eek:

24.12.2008 00:41    |    KKW 20

Also ich fand diese ganzen Fast & the Furious Filme einfach nur bescheuert. Da gab es bessere Streifen mit Autos, wie der bereits genannte Gone in 60 seconds.

 

Hier ist ein Beispiel für einen User der diese Filme scheinbar zu oft gesehen hat. Leider sind die Beiträge schon etwas älter aber einfach nur herrlich durchgeknallt;) Klick

 

Wünsche euch allen fröhliche Festtage.

 

Gruß Oli

24.12.2008 09:16    |    XC70D5

Der hat doch voll den Plan:

 

Zitat:

wieso sollte nos nicht erlaubt sein? im film the fast and the furious fahrn sie auch damit rum und werden auch ned von der polizei angepöbelt... ich glaube kaum, dass die sowas im fernsehn zeigen würden wenns illegal wäre... also bitte.....

:D :D :D

 

 

Gruß

 

Martin

24.12.2008 09:47    |    Druckluftschrauber2011

Also wenn alles was in Filmen zu sehen ist legal und OK ist, dann sollte ich lieber fast alle Filme aus meiner DVD Sammlung werfen...

Aber die Logik klingt trotzdem irgendwie verlockend...

24.12.2008 09:58    |    Turboschlumpf46068

gemopst bei XC70D5:

 

Zitat:

 

wieso sollte nos nicht erlaubt sein? im film the fast and the furious fahrn sie auch damit rum und werden auch ned von der polizei angepöbelt... ich glaube kaum, dass die sowas im fernsehn zeigen würden wenns illegal wäre... also bitte.....

 

 

----> mega LOL³ :D:D:D:D:D:D

(lese gerade die alten threads, herlich,geil,besser als das lustige taschenbuch! xD)

 

fröhliches weihnachten!

10.03.2015 12:12    |    Dynamix

Sei mal froh das du dir das Ende nicht angetan hast. Alleine bei der Szene mit dem Mustang Umbau blutet einem als Autonarr das Herz.

Deine Antwort auf "TFTF Tokyo Drift - ist quer wirklich mehr?"

Angeberecke

Mein Blog hat am 06.08.2008 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

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