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18.05.2012 16:58    |    rallediebuerste    |    Kommentare (24)    |   Stichworte: 370Z, GT-R, Juke, Nissan, ralle testet

"Ey, hörtma alle zu! Ich hab DIE Idee! Wir bauen... wir bauen 'nen Sportwagen mit Straßenzulassung, der auf der Rennstrecke schneller ist alsn Porsche Turbo." - "Haha, au ja! Super Idee, und er muss 500 PS haben... nee: 550!" - "Oh ja, und er muss auf jeden Fall in unter 3 Sekunden auf 100 sein" - "Ja prima. Aber wir nehmen dafür keinen V8 oder V10, sondern 'nen aufgeladenen V6!" - "Hahaha, köstlich! Super!" - "Und wisst ihr, was wir dann machen? Dann nehmen wir den Antriebsstrang aus DEM Auto und stecken den in 'nen Kleinwagen. Am besten in nen Juke oder so." - "Hahaha, Peter, du hast echt immer die beklopptesten Ideen! Noch'n Bier?"

 

... so oder so ähnlich müssen die Betriebsfeiern bei Nissan aussehen. Anders lässt sich das Gefährt wohl nicht erklären, in dem ich gerade festgeschnallt werde.

 

Aber beginnen wir von vorn:

Am vergangenen Mittwoch lud Nissan eine Handvoll deutscher Autoblogger dazu ein, ein Ründchen in den drei flotten Flitzern 370Z Roadster, GT-R und Juke R zu drehen. Also habe ich nicht lange gefackelt, mir einen Tag frei genommen, und mich in den Zug nach Euskirchen gesetzt.

 

Es ist 09:45, als ich zusammen mit Milos von trendlupe.de die Alte Tuchfabrik betrete. Nach einer kurzen Begrüßung teilt man uns mit, dass der GT-R und der Juke gerade unterwegs sind, aber dass wir ja so lange schon mal ein bisschen Roadster fahren können. Also Schlüssel geschnappt und los... und was soll ich sagen: der 370Z ist ein absolut solides und sehr spaßiges Autochen. Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem TT und dem hier - ich wüsste, wie ich mich entscheiden würde ;)

Richtig schade ist allerdings, dass das Wetter heute nicht mitspielt - es regnet in Strömen - weswegen das Verdeck die komplette Fahrt über oben bleiben muss. Aber gut, was will man machen - irgendwas ist ja immer.

 

Als nächstes ist die Fahrt im Juke R an der Reihe. Für alle, die davon bisher noch nichts gehört haben: der Juke R ist eine Kreuzung aus einem normalen Nissan Juke (den ich vor zwei Jahren schon mal testen durfte) und dem kompletten Antriebsstrang des GT-R. Weltweit gibt es gerade ein mal zwei Exemplare: einen Rechts- und einen Linkslenker. Wer Lust hat, kann sich aber für schlappe 450.000 einen anfertigen lassen - drei Aufträge gibt's schon.

 

Könnte man vom äußeren Erscheinungsbild noch meinen, dass das hier der feuchte Traum eines 18jährigen ist, der an Mamas Kleinwagen ein paar große Räder und nen Spoiler geklebt hat, macht ein Blick ins Innere deutlich: die Kiste ist "serious business"! Statt der Rückbank gibt es einen Überrollkäfig nach FIA-Spezifikation, vorne gibt's zwei (sehr tief angebrachte) Schalensitze, Fahrer und Beifahrer werden mittels Fünfpunktgurt zurückgehalten, in der Mittelkonsole prangt das GT-R Kombiinstrument, und der Tacho geht bis 220...

...Meilen wohlgemerkt, also 350km/h!

 

Nach einer kurzen Einweisung durch Frank Eickholt (u.a. 24h Daytona - 1. Platz; 24H Suzuka - 3. Platz; 24h Le Mans - 3. Platz), der vom Beifahrersitz aus auf mich und den Juke - nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge - aufpasst, kann es losgehen. Ich drücke den Startknopf, und mit etwa einer Sekunde Verzögerung erwacht der V6 blubbernd zum Leben.

Die Fahrt selbst - etwa 5 Minuten Landstraße und eine Viertelstunde Autobahn - verläuft relativ unspektakulär, was vor allem daran liegt, dass ich einen Heidenrespekt vor dem Wagen habe... ich meine: wer will schon gerne der Buhmann sein, der einen Prototypen im Wert von 'ner halben Million gecrasht hat? Für den einen oder anderen beherzten Tritt aufs unglaublich steil stehende Gaspedal reichts dann aber doch... und für das eine oder andere schelmische Grinsen, wenn ein ahnungsloser Drängler so plötzlich im Rückspiegel verschwindet, als hätte er mitten auf der Autobahn den Rückwärtsgang eingelegt.

 

 

Viel zu schnell ist die Fahrt in der verrückten Knutschkugel vorbei. Aber bei Nissan weiß man, den Trennungsschmerz zu mildern: man drückt mir einfach die Schlüssel für den weißen GT-R in die Hand, den ich die nächsten 45 Minuten ganz ohne Beifahrer durch das Euskirchener Umland scheuchen darf.

Wie die Fahrt mit dem GT-R war, wollt ihr wissen?

Ganz ehrlich: die Kiste ist bekloppt! Absolut, vollumfänglich, total und gänzlich irre!

Ein Mitschnitt der Fahrt dürfte ich sich in etwa so angehört haben: "Das ist nicht euer Ernst! .... Ach was! ... Ach WAS!! .... ALTER!!! ... *irres Gekicher bis zum Ende der Aufzeichnung*"

 

Worte können das Erlebnis nicht beschreiben (ich habe es trotzdem unten in den Kommentaren noch mal versucht ), ein Blick in die technischen Daten wohl schon eher: 3.8L V6 Biturbo, 550PS, 612NM bei 3.200rpm, Allrad mit Torque-Vectoring, Doppelkupplungsgetriebe, jede Menge Rechenpower an Bord, 2.8s von 0-100.... ich bin verliebt.

Und für immer für alle anderen Autos verdorben.

 

Danke, Nissan!

Nein, ernsthaft: DANKE, Nissan!

 

 

----

Das schreiben die anderen Blogger so:

Nissan JUKE-R, GT-R und 370Z – die flotten Drei (Marco von rad-ab.com)

Zwei Stühle – keine Meinung? Nissan JUKE-R und Nissan GT-R gefahren! (Jens von rad-ab.com)

Mini-Godzilla und der GT-R von Nissan (Milos von trendlupe.de)

Abgefahren: Nissan Juke-R (Jan von auto-geil.de)

Mattschwarzer Kampfkubus (Bjoern von mein-auto-blog.de)

Böse, Böser, … Nissan GT-R (JensWilde.com)

Probefahrt: 2012 Nissan GT-R – 550 PS – was will man(n) mehr? (Autoteile-Blog.daparto.de)


Ergänzung von rallediebuerste am 21.05.2012 16:56

Ein paar mehr Informationen - speziell zum GT-R - gibt's unten in den Kommentaren .

18.05.2012 18:09    |    Emmet Br0wn

Sehr schön geschrieben. Dich könnte man direkt zum EVO-Magazine oder als Malmedie-Nachfolger bei Grip weiterempfehlen (ist jetzt absolut positiv gemeint)! :)

 

Am interessantesten finde ich aber eigentlich deine Eindrücke vom GT-R (nicht dass der Juke-R langweilig wäre - ganz im Gegenteil - aber der ist alleine durch seine Stückzahl und den Preis so weit weg von der Realität eines normalen Autofahrers...den GT-R sieht man ja ab und an mal) . Fühlt der GT-R sich so schwer an, wie der aussieht und ist dabei einfach schnell oder ist der wirklich agil und direkt auf einer Landstraße?

 

Zitat:

Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem TT und dem hier - ich wüsste, wie ich mich entscheiden würde ;)

*stimm zu*

 

Wo sind die anderen Kommentare hin? Oder Trackbacks?


18.05.2012 20:43    |    carisim

Warum werd ich nie gefragt mal sowas zu fahren? :D


18.05.2012 21:28    |    Bert Benz

Wenn Nissan in den GT-R einen 5.0 V8 reingehangen hätte, wäre es noch ein größerer Erfolg geworden. So kann man es aber als Trendsetter des downsizing bei Supersportwagen verkaufen ...

 

trotzdem bin ich Fan des GT-R da relativ preiswert, alltagstauglich mit DSG, Allrad und Biturbopower, eine Schönheit ist er leider nicht.

 

Der Juke R: wenn VW irgendwann den Porsche 911 turbo antrieb in einen Golf implantiert, können die auch gleich eine 1000er Kleinserie auflegen.


18.05.2012 21:45    |    UHU1979

Glückwunsch Ralle, so wie du den 307Z in Szene setzt, wirkt er ja tatsächlich ansehnlich.

Der Text ist sehr unterhaltsam, besonders das Intro. :cool:


19.05.2012 09:39    |    Olli the Driver

Danke für diesen toll geschriebenen Bericht. Mehr davon :)


19.05.2012 14:48    |    Gus-85

Nissan weiß wie es geht, wirklich gute Sportwagen zu bauen :D


20.05.2012 06:52    |    Exotic Cars

Interessant zu wissen, dass Nissan den Juke-R Leuten zum Fahren gibt.

 

Ich durfte den kleinen live in Dubai sehen und habe auch ein Video von gemacht:

 

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=RupJ1W2s4Os

 

Der wurde hier nämlich dem etwas kauf-freudigeren und autovernarten Publikum in der Flaniermeile am Strand vorgestellt (in Dubai Marina, Jumeirah Beach Residence "The Walk").

 

Danke für den Artikel, obwohl ich mir mehr EInzelheiten zum Fahrgefühl des Juke-R gewünscht hätte, da man den GT-R ja auch fahren kann wenn man möchte, den Juke nicht wirklich!

 

Grüsse


21.05.2012 08:24    |    bleedingme

@Emmet Br0wn

 

"Fühlt der GT-R sich so schwer an, wie der aussieht und ist dabei einfach schnell oder ist der wirklich agil und direkt auf einer Landstraße?"

 

Ich durfte mal in einem mitfahren. Sagen wir mal so: Mit einem Fahrer der sich traut und es kann sollte man auf einer kurvigen Landstraße einen unempfindlichen Magen mitbringen. Das Ding geht querdynamisch wie die Hölle. Für 1,8t einfach unglaublich.


21.05.2012 15:14    |    fruchtzwerg

Wasn das für nen bekloppter Fahrbericht, nachdem man am Ende nicht mal weiß wie die Dinger fahren, außer dass sie auf der BAB schnell sind.

 

Zitat:

der 370Z ist ein absolut solides und sehr spaßiges Autochen. Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem TT und dem hier - ich wüsste, wie ich mich entscheiden würde ;)

Jo natürlich nen TTRS.


21.05.2012 15:47    |    VectraBSport

Im Leben nicht den TTRS!!!!!!! ich hatte dich schon mal gefragt @fruchtzwerg was du eigendlich fährst??? oder wirst du nur vom VAG Konzern bezahlt in Form von Forumseinträgen??

 

 

 

 

Toller Bericht hat Spaß gemacht zu lesen :)


21.05.2012 16:26    |    rallediebuerste

Nanana, cool bleiben.

 

Erstens:

den Juke R durfte ich lediglich auf der Autobahn bewegen.

Wie bereits beschrieben war Handlingtest nicht drin, weil: Nissan hat's verboten, Semislicks und nasse Straße, 450.000€ Fahrzeugwert und Fahrer = Angsthase ;)

Also bleibt wie zu erwarten das Fazit: die Kiste ist schnell (surprise, surprise :))

Achja: erstaunlich ist auch, wie gut das Interieur verarbeitet ist - man erkennt auf den ersten Blick gar nicht, dass hier aus zwei grundverschiedenen Autos eins zusammengebastelt wurde... es gibt sogar eine verstellbare Lenksäule ;)

 

Was den GT-R angeht: okay, stimmt, Anregung angenommen.

(Aber mal unter uns: zu dem Wagen wurde bereits an anderer Stelle alles gesagt - auf das GranTurismo-Display und das ausgeklügelte Allradsystem braucht man hier wohl nicht mehr eingehen... aber gut, das ist auch alles nur Ausrede. Die Wahrheit ist: ich hatte am Freitag keine große Lust, noch mehr zu schreiben (und war sehr unkreativ), und wollte den Artikel noch fertigbekommen. Sorry ;))

 

Zitat:

Fühlt der GT-R sich so schwer an, wie der aussieht und ist dabei einfach schnell oder ist der wirklich agil und direkt auf einer Landstraße?

Nun ja, agil anfühlen geht sicher anders.

Man merkt das Gewicht beim Kurvenfahren, aber wie bleedingme schon sagte: der Grip ist enorm, wenn man sich mal traut. Da die Straßen regennass waren, war ich aber ehrlich gesagt nicht übermäßig mutig.

Generell sollte man im GT-R schon wissen, was man tut (und als unbedarfter Normalfahrer besser die Finger von der ESP-Off-Taste lassen: selbst bei eingeschalteten Fahrhilfen versetzt der Wagen BLITZARTIG ein paar cm, wenn man mal im Kurvenausgang beherzt aufs Gas latscht. Sprich: der Grenzbereich liegt sehr hoch an, aber dann sollte man tunlichst darauf achten, nicht noch zusätzlich Längsbeschleunigung auf die Reifen zu bringen. Bei 550PS und regennasser Straße hilft einem auch kein Allrad und kein Supercomputer mehr.

 

Und weil Fruchti mir erfolgreich ein schlechtes Gewissen gemacht hat, noch ein bisschen mehr Review hinterher:

Ich schimpfe ja immer gerne über Turbomotoren, aber der GT-R hat's dann doch fast geschafft, mich zu konvertieren. Ich hatte ja im Frühjahr die einmalige Gelegenheit, R8 V10 zu fahren, der ja leistungsmäßig in einer ähnlichen Liga spielt. Der V10-Sauger spricht naturgemäß etwas schneller an, was die Leistungsentfaltung vorhersagbar und beherrschbar macht, muss dafür aber auch gedreht werden, bis die volle Leistung anliegt. Der GT-R dagegen entwickelt bei durchgedrücktem Fahrpedal einen Schub, der einfach unfassbar ist... braucht dafür aber halt die (wirklich sehr sehr sehr kurze) kleine Gedenksekunde.

 

Ich habe es schon mal gesagt, und ich meine es ernst: Worte können nicht beschreiben, WIE heftig der Wagen drückt. Ich habe noch nie in einem Auto eine solche Beschleunigung gespürt - nicht mal im WRC-Fiesta von Mikko Hirvonen. Und das Ding geht schon wie Hölle!

 

Was mich aber am allermeisten fertigmacht:

Der GT-R hat vier vollwertige erwachsenentaugliche Sitzplätze, eine Bose-Anlage, Navi, Klima, allen Furz und Feuerstein und ist dazu noch ultra bequem. Selbst mit den Dämpfern im R-Modus sind Bodenwellen und Bordsteinkanten wesentlich angenehmer als bspw. im 370Z... und ich habe keinen Zweifel daran, dass du im Komfort-Modus auch mal schnell zum Gardasee fahren kannst und 7 Stunden später total entspannt wieder aussteigst.

 

 

 

 

Zitat:

Jo natürlich nen TTRS.

Bin nur den TT-S gefahren, und der hat mich nicht wirklich umgehauen. Ob der RS da noch was reißen kann, weiß ich nicht... ich glaub's aber ehrlich gesagt nicht ;)


21.05.2012 19:19    |    Emmet Br0wn

Bin neulich den TT-RS probegefahren (hatte ja davon berichtet).

 

Schlecht ist der nicht. Nur emotional tangiert hat der mich überhaupt nicht. Und das Lenkgefühl war sehr sehr synthetisch. Der Sound ist schön, aber im Vergleich zum Focus RS doch sehr schüchtern, Audi hätte sich da schon etwas mehr trauen dürfen.


21.05.2012 21:00    |    fruchtzwerg

Klar werd ich von VAG fürs Posten bezahlt. Für jeden Post bekomm ich nen A8 :rolleyes::rolleyes::rolleyes:

 

Leute gibts ....


22.05.2012 03:20    |    VectraBSport

ja sone Fruchtzwerge wie dich ^^ was fährst du nun??? anscheinend gar nix wa???


22.05.2012 09:27    |    rallediebuerste

Tragt euren Kleinkrieg bitte woanders aus... am besten per PN.

Danke!


23.05.2012 10:36    |    Trackback

Kommentiert auf: andyrx:

 

schnelle Autobahnfahrt---> welche Autos werden zügig vorbeigelassen..??

 

[...] Ruhm bekleckert... Und zum Thema Überholprestige: letzte Woche hatte ich das große Vergnügen, einen Juke R Prototypen zu fahren. Da konnte man recht gut beobachten, dass einem Kleinwagen auf deutschen Autobahnen [...]

 

Artikel lesen ...


24.05.2012 12:54    |    XC70D5

Danke für die spärlichen Eindrücke ;)

 

Ich hatte mir den Juke beim 24-h-Rennen auf dem Ring-Boulevard angesehen. Sieht schon arg krawallig aus, aber Leistung sticht Design :D :p

 

...ausserdem stehe ich auf Turbos, am besten brachial wie im 935er :cool:

 

 

Gruß

 

Martin


28.05.2012 18:44    |    Pingback

22.10.2012 17:27    |    Druckluftschrauber2011

Zitat:

Ach was! ... Ach WAS!! .... ALTER!!! ...

:D

 

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Deine Antwort auf "Fahrbericht: Nissan Juke R, GT-R und 370Z"

Angeberecke

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