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28.11.2007 10:05    |    rallediebuerste    |    Kommentare (26)    |   Stichworte: ralle testet, sekundenschlaf

So.. mal wieder ne alte Story, die ich euch nicht vorenthalten mag. Heute zum Thema Sekundenschlaf.

 

Ich bin mal Freitags total geschafft vom Bund (in der Grundausbildung) heimgefahren, so ca. 90km.

 

Bei Kilometer 10 habe ich unterwegs schon bemerkt, dass ich ein wenig fertig war und mich nicht ganz so gut konzentrieren konnte, wie ich das wollte. Aber gut, man ist ja 19, unbesiegbar, unzerstörbar und außerdem will man möglichst schnell heim zur Freundin... und dem Kameraden nebendran natürlich zeigen, dass man nicht so ein Weichei ist und unterwegs anhalten muss.

 

Bei Kilometer 20 hab ich dann schon angefangen, etwas schneller zu fahren, um mich wachzuhalten. Musik aufdrehen, Fenster auf - was man so macht. Erste Zweifel kommen auf, ob das alles so richtig ist, aber hey: ich bin 19, unbesiegbar..... wir kennen das schon.

 

Kilometer 30: Ich bemerke, dass ich Fahrfehler mache... halte zu wenig Abstand, bremse zu heftig, wenn ich vor mir ein Bremslicht aufblitzen sehe etc. So kann's nicht weitergehen. Naja, bin ja unbesiegbar. Aber ob das die anderen auch wissen?

Gott sei dank - da hinten kommt ne Tankstelle und mein Sprit ist eh fast alle. Da hab ich ja dann ne Ausrede, anzuhalten.

Schnell nen Energydrink reinpfeifen und los gehts.

 

Kilometer 40: Wow, das hat gut getan. Frisch wie ich jetzt bin könnte ich noch stundenlang fahren. Geil - der Typ, der Red Bull erfunden hat, war ein Genie! Ich mach mir in Gedanken eine Notiz, ihn für den Nobelpreis vorzuschlagen.

 

Kilometer 50: Oh shit, ich werd ja schon wieder müde. Radio laut, Fenster auf, 160km/h (im A-Corsa)... das sollte doch ne Weile gutgehen. Den Gedanken an die Nobelpreisnominierung für Herrn Bull streiche ich.

 

Kilometer 60: Schon wieder diese verdammten Fahrfehler. Und ich bin unkonzentrierter als vorhin. Ich habe das Gefühl, dass ich mich total verausgabe. Verdammter Red Bull-Fuzzi, ich hasse dich! Naja, dafür haben wir ja auch schon mehr als die Hälfte der Strecke... und die Freundin hat vorhin so ne süße SMS geschrieben - ich will jetzt nur noch heim. Bloß nicht länger warten müssen.

 

Kilometer 70: Verdammt, ich krieg schon nix mehr mit. Was ist eigentlich in den letzten 5 Minuten passiert? Was hat der Radiosprecher in der letzten Zeit gesagt? Eben hab ich das Autobahnkreuz verpasst, das ich nehmen wollte. Macht nix - nehm ich das nächste. Ist die gleiche Strecke. Nur noch 20 Kilometer. Puh, länger könnt ich auch gar nicht. Aber ich freu mich so tierisch auf meine Freundin.

 

Kilometer 80: Mir fallen öfter mal die Augen zu. Muss mich zwingen, wach zu werden. Im Sitz hin und her rücken, Beine durchstrecken, Schmerzreiz setzen - hilft alles kaum noch... shit Mann, noch 10km. Das wird ja wohl gehen. Außerdem kann ich hier nirgends anhalten.

 

Kilometer 82: SCHEISSE! Was'n hier los?! Mein Beifahrer schreit, meine Lenkung ruckelt und die Mittelleitplanke kommt schnell näher. Staub wirbelt auf, Steinchen prasseln auf mein Auto. Sofort bin ich hellwach, reiße das Lenkrad so hart es geht nach rechts. Mein Corsachen folgt sofort, schießt mit Tempo 140 im rechten Winkel quer über alle Spuren, bis er auf dem Standstreifen wieder meinen Lenkbefehlen folgt und zurück auf die linke Spur pendelt, wo ich das Auto dann Gott sei Dank wieder unter Kontrolle bekomme.

Puh - zum Glück war die Autobahn hier frei. Ein Laster auf der rechten Spur wäre für uns in meinem 750kg-Corsa fatal bis letal gewesen.

So wie es rückblickend aussieht war ich kurz eingeschlafen, die Autobahn hat eine leichte Rechtskurve gemacht, ich aber nicht.

 

Kilometer 83: Parkplatz - wie praktisch. Rechts raus. Ausschnaufen. Puls zurück auf ein Niveau unter 200 bpm. Beim Beifahrer entschuldigen. Aussteigen. Laufen. Strecken.

Naja, jetzt bin ich wach - die letzen Kilometer gehen wirklich, aber zu Hause falle ich trotzdem todmüde ins Bett und schlafe sofort ein... sehr zum Leidwesen meiner Freundin ;)


28.11.2007 10:48    |    Druckluftschrauber2011

Endlich. Auf diese Geschichte habe ich schon gewartet :)

Herrlich zu lesen und mir fällt da die (Hier war ein Fehler) Planetopia - Idee wieder ein ;)

28.11.2007 10:50    |    rallediebuerste

Die Wikiidee?

Ich dachte da eher an Planetopia :)

28.11.2007 10:55    |    Druckluftschrauber2011

Ups. Verwechslung im Kopf.

Jetzt passt es.

 

Das kommt davon, wenn man sich auf eine Sache konzentriert und eine andere nebenbei machen will. Multitasking ist mir fremd…

06.12.2007 15:47    |    rallediebuerste

Jaja, Planetopia hat sich nicht mehr gemeldet.

Schade!

07.12.2007 13:04    |    Spiralschlauch10251

Und die Moral von der Geschicht'?

1. Eine Dose RedBull reicht manchmal nicht! Lieber noch eine mehr trinken. Dann klappts auch mit dem Nobelpreis für Prof. Bull ;)

 

2. Neimals mit Restalkohol im Blut (wir reden hier vom Bund!) fahren. ;)

 

Gruß

01.02.2008 15:28    |    rallediebuerste

Ich glaub, ich war der einzigedamals beim Bund, der nicht getrunken hat... abgesehen von nem kleinen Radler an heißen Tagen versteht sich.

01.02.2008 16:05    |    Spiralschlauch10251

Sehr löblich.

05.02.2008 19:28    |    xc90er

Tja, der Sekundenschlaf ist wirklich tükisch - obwohl, Du hattest scheinbar, die Variante mit unmittelbarer Ankündigung "Mir fallen öfter mal die Augen zu. Muss mich zwingen, wach zu werden. ...Beine durchstrecken, Schmerzreiz setzen." Dies könnte ja einen zu der einfachen Faustregel veranlassen, "wenn Du richtig müde wirst, musst Du sofort anhalten!"

 

Leider gibt es noch eine zweite, perfide Variante des Sekundenschlafs, nämlich die ohne Ankündigung. Ich habe sie vor ca. 10 Jahren in den USA erfahren - zum Glück auf einem breiten, geraden, leeren Highway.

 

Ich merkte gegen Mitternacht, dass ich etwas müde wurde und dachte mir, dass ich an der nächsten Abfahrt dann in ein Motel gehe. Zwar wollte ich noch ca. 1,5h weiter, aber ich wollte sichergehen, dass ich nicht am Lenkrad einschlafe. Nun ja, in einer menschenleeren Gegend ist das mit den Motels und den Abfahrten so eine Sache und ich fuhr und fuhr und fuhr, bis ich auf einmal merkte, dass ich wieder richtig wach war. Es muss so gegen 1 Uhr gewesen sein. Perfekt! Hellwach! Ich fand das prima und wusste nun, dass ich problemlos noch bis zum avisierten Ziel kommen würde.

 

Keinerlei Müdigkeit, keine Schlenker, keine müden Augen, keinerlei Anzeichen, dass irgendetwas nicht stimmt, gar nichts....

 

Bis ich dann in ca. 100m Entfernung ein hell erleuchtetes Schild stehen sah, das mit einem Schlag verschwand. In dem Moment wurde mir siedendheiß klar, dass nicht das Schild verschwunden war, sondern dass ich ein paar Sekunden die Augen zu gehabt hatte. Der Riesenschreck hat mich dann zum Anhalten und Durchführen gymnastischer Übungen veranlasst. Die verbliebenen 20min verliefen dann problemlos.

 

Seitdem gehe ich mehe nach meiner Uhr: Wenn ich abends normalerweise um 23:00 im Bett verschwinde, dann fahre ich auch nicht mehr nach 23:00/23:30...

 

Gruß

xc90er

08.02.2008 19:23    |    runnerbaba

Mh dachte Red Bull hilft länger.,

Scheinbar war dein Magen leer und der Zucker konnte dich nur sehr kurzfristig pushen,

danach ging es noch steiler Berg ab...kennt man ja.

 

 

Sekundenschlaf hatte ich zum Glück noch nicht wirklich.

28.02.2008 20:00    |    Multimeter10801

danke! ich fahre ende märz nach italien^^ und hab seit letzten oktober den führerschein

hui

15.03.2008 20:58    |    rpalmer

Da hast du noch Glück gehabt.

2004, in Polen auf der Bundesstraße 4 hat mich das gleiche erlitten wie xc90er: Irgendwie war ich auf einmal wach und wenig später lag mein VR im Graben. Seit dem fahre ich nie wieder nachts, besser gesagt niccht mehr vom Abend zur Nacht, sonern von der Nacht zum Tag.

12.04.2008 23:51    |    LSirion

Guter Bericht - da muss ich jetzt auch meine Erfahrung loswerden :

 

Als ich vor 2 Jahren meinen Grundwehrdienst ableistete, hatte ich genau dasselbe Problem. Jeden Tag um 4:40 Uhr aufgestanden, aber Freitag Mittag wollte man dann nur noch raus ... 60 km Landstraße, 90 km Autobahn, 20 km Landstraße.

 

Am gefährlichsten war es immer auf der Autobahn, wo ich stets mit 90 km/h auf der rechten Spur unterwegs war.

 

Einmal sah ich eine Ausfahrt immer näher kommen, ich steuerte genau auf die Leitplanke zu ... komisch ist bloß, dass man nicht weiß, was man tut, bis einem irgendwann kurz vorm Aufprall auffällt, dass da etwas nicht stimmt.

Ein andermal schaute ich links aus dem Seitenfenster und da war doch tatsächlich ein 40 Tonner genau neben mir ... wie der da hinkam, kann ich im Nachhinein nicht sagen ...

 

Je mehr man sich konzentriert desto weniger geht, man will fahren, man zwingt sich dazu, aber es klappt nicht.

Das allerschlimmste, was einem passieren kann ist jedoch, dass man die Orientierung verliert. Wenn man meint, man würde im Bett liegen und seine Augen schließen will und plötzlich fällt einem auf, dass man im Auto sitzt ...

 

Wenn man sich bewusst macht, was man da für einen Mist gebaut hat, warum man nicht einfach angehalten hat (man redet sich bei jedem Rastplatz ein, man würde es leicht bis zum nächsten schaffen, dann wäre immernoch Zeit zum Ausruhen), schwört man sich, dass man nie wieder soetwas durchzieht.

 

 

Als ich mit meiner Einheit damals auf dem Heimweg von einer Truppenübung war, passierte jedoch der allergrößte Hammer :

 

Ich fuhr zusammen mit meinem Vorgesetzten im Wolf. Kolonne mit Marschgeschwindigkeit 40 km/h. Mein Chef total fertig, da er auf Übung kaum mehr als 5 Stunden pro Nacht geschlafen hatte. Vor der Abfahrt natürlich ewige Warterei auf den Marschbefehl, aber kein Kaffee, garnichts, was die Fahrer auf die Beine gebracht hätte.

Also so abgefahren. Ich merkte schon, dass da etwas nicht stimmt. Hab mich schon immer mit ihm unterhalten, er meinte ich müsse ihn wach halten.

Irgendwann war er kaum mehr ansprechbar, ich sah schon immer in seine Richtung, sein Blick völlig abwesend stur geradeaus.

 

Keine halbe Stunde waren wir gefahren, als es plötzlich auf gerader Strecke nach links ging, genau auf den linken Graben zu. Herr xy Herr xy habe ich gerufen - keine Reaktion ...

Als wir gerade die linke Fahrbahnbegrenzungslinie erreichten, riss ich das Lenkrad nach rechts rüber. Er plötzlich hellwach, aber mit den Nerven am Ende. Er wollte wissen, was los war, ob auch sicher kein Gegenverkehr da war ... er war stinksauer ... auf sich auf seine Vorgesetzten aber besonders. Wie ich mich fühlte ...

 

Pause gemacht hat er dennoch nicht. Wir fuhren noch weitere 5 Stunden - ohne jeglichen Zwischenfall.

 

 

Fazit :

 

Wenn man beginnt gegen den Schlaf anzukämpfen, hat man in Wahrheit schon verloren.

13.04.2008 00:57    |    25plus

Sekundenschlaf hatte ich zum Glück noch nie, aber ein paar tückische Vorboten hab ich auch schon kennengelernt, wenn ich mal wieder nach zu wenig Schlaf oder einem zu langem Tag hinterm Steuer saß.

 

Morgens im dichten Stadtverkehr, Stop and Go, hat schon manchmal der Bremsassistent angesprochen. Das kommt davon, wenn man nach weniger als 5 Stunden Schlaf etwas zu hektisch auf´s Bremspedal tritt...

 

Und auf der Heimreise von der IAA - 8 Uhr Abfahrt, Anfahrt 350 km mit kurzer Pause, in 7 Stunden von Halle zu Halle hetzen, 350 km am Abend wieder zurück - habe ich schon mal ein paar rote Lichter zuviel gesehen... Überholen auf der Autobahn ist so kaum möglich weil man die Geschwindigkeit der anderen Verkehrsteilnehmer nicht mehr richtig abschätzen kann.

 

Mit 18 oder 19 wäre ich zu sowas definitiv nicht in der Lage gewesen, doch auch wenn man mehr Praxis hat muss man seine Grenzen kennen.

15.04.2008 00:44    |    ThaFUBU

uh was ich schon für sekundenschlaf probleme hatte.....

das hilft alles nix mehr, klar koffein (50mg) und starke schmerzen zufügen (zwicken) helfen ein bißchen, aber man hat nur ein leben, also rechts ran !!!

24.04.2008 10:15    |    PS-Schnecke10864

Als ich beim Bund war ging es mir Freitags auch oft so und habe 3 weiße Pfosten wegen Sekundenschlaf umgefahren und habe mir einen Vorderreifen an einem Randstein zerstört - damit hatte ich noch Glück, denn 2 meiner kameraden haben ihre Autos komplett zerlegt - und ich war immer der "erste" an der Unfallstelle, da ich meist als letzter losfuhr. Gottsedank waren beide nur leicht verletzt und wir haben die Autos auch immer selbst beseitigt (hatten echt Glück, dass in dieser Zeit weder die Polizei noch ein Krankenwagen aufgetaucht sind) Also jedesmal erst zuück zur Kaserne zum Arzt - Wunden versorgen, dann zum Auto - Auto entsorgen. Die schlimmste Fahrt meines Lebens war von Südfrankreich zurück nach Deutschland mit stündlichem Fahrerwechsel, weil eigentlich

keiner mehr von uns in der Lage war zu fahren - aber es ist uns nichts passiert.

24.04.2008 10:36    |    rallediebuerste

Interessant, wie viele Unfälle dieser Art Soldaten in der Grundwehrdienstzeit passiert sind. Kurz nach der Geschichte da oben sind auch zwei Kameraden (unabhängig voneinander) verunfallt, weil sie kurz eingenickt waren. Einer wurde dabei soweit ich mich erinnere sogar recht schwer verletzt.

Hatte dann zur Konsequenz, dass wir nach Dienstschluss nicht mehr direkt nach Hause durften, sondern erst noch mal ne Stunde Pause zwangsverordnet bekommen haben... auch blöd.

29.04.2008 08:34    |    leovinius

TOI TOI TOI, ich selber hab die Probleme noch nicht gehabt, aber während meiner Zeit beim Bund (SaZ8) hab ich etliche Kameraden gehabt, die davon berichtet haben. Das war auch ein Grund warum ich meine Mannschaften dazu angehalten habe, Ihre Arbeit bis Donnerstags Abends fertig zu haben, Freitags dann mit allen in Ruhe im Mannschaftsheim gefrühstückt, und die dann gegen 11 Uhr ins Wochenende geschickt. Leider kam mein Vorgesetzter nachher dahinter, und dann wars vorbei. Hab aber von meinen Leuten in 4 Jahren keinen wegen einem Unfall ins Krankenhaus oder zum Arzt bringen müsen.....

03.05.2008 14:35    |    DuranG60

Wer beim Bund arbeitet lebt gefährlich... mir sind selber drei Fälle persönlich bekannt die durch Sekundenschlaf einen Unfall erlitten haben. Einer von ihnen ist nun halsabwärts gelähmt. :(

29.05.2008 22:44    |    Reifenfüller12240

Ich hab es nach einer durchgearbeiteten Nacht mal über 100 km Landstraße nach hause geschafft. Ich war bei Fahrtantritt schon bettmüde, hättew ich mich hingelegt wär ich eingeschlafen. leider war am nächsten Tag ein wichtiger Termin und ich wollte nach Haus und dort schlafen.

Anfangs gings noch mit dem wachhalten aber bei km 50 wurde es kritisch. Dann hab ich alle Fenster auf, Radio voll aufgedreht und ohne unterbrechung alles laut mitgesungen. Ich glaube das Mitsingen hat mich davor bewahrt, im Graben zu nächtigen.

02.09.2008 15:40    |    Trackback

Kommentiert auf: Halbgott:

 

1800 km durch den ehemaligen Ostblock oder auch einmal Balaton und zurück

 

[...] Trinken, ein paar Brötchen, die ich belegte und natürlich noch a wenig Energygesöff, damit es nicht zum Sekundenschlaf kommen kann.

 

Es ist Dienstag um 2:20 Uhr als der Wecker klingelt. Sofort ist mir bewusst, dass es [...]

 

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