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02.09.2009 13:23    |    taue2512    |    Kommentare (0)    |   Stichworte: AZF, Toulouse, Unglück, Video

Am 21. September 2001 um 10:17h - nur ganze 10 Tage nach den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center - standen die Uhren für einen Moment lang still in Toulouse: 30 Menschen fanden an diesem Tag den Tod.

 

 

Was war passiert? Menschen rannten von der immensen Druckwelle der Detonation geschockt ziellos durch die Straßen den Innenstadt. Ein Szenario wie nach einem Bombenangriff. So ähnlich müssen unsere (Ur-)Großeltern auch empfunden haben, als sie vor 60 Jahren aus den Bunkern zurück ans Tageslicht in ihre zerstörten Städte traten. In einigen Einkaufsstraßen im Stadtzentrum, zerbarsten sogar noch in 5km Entfernung die Fensterscheiben und Menschen wurden durch unherfliegende Glassplitter verletzt. Fahrzeuge auf der in unmittelbarer Nähe am Unglücksort vorbeiführenden Périphèrique wurden durcheinandergewirbelt wie Matchboxautos. Und zum Glück geschah dies alles erst kurz nach 10h, als die Stadtautobahn sich vom morgendlichen Berufsverkehr zu leeren begann denn die Anzahl der Todesopfer bei der allmorgendlichen Stausituation wäre um ein vielfaches höher gewesen. Und wie in einer Vorsehung befand sich gerade in dieser Sekunde auch kein Passagierjet im Landeanflug zum Flughafen Toulouse-Blagnac über dem Detonationsgebiet, denn der Anflug auf den Flughafen führte an diesem Tage wegen der vorherrschenden Nordwestwinde ebenfalls direkt darüber.

 

Das Epizentrum lag im Südwesten von Toulouse auf dem Gelände der zum TOTAL-Konzern gehörenden Firma AZF. Diese stellte dort seit 1924 neben Ammoniumnitrat als Kunstdünger auch noch nebenbei größere Mengen des Festtreibstoffs für die Booster der Ariane-Raketen her. Toulouse war schon immer eine Stadt mit einer Historie, die seit langem mit der Luft- und Raumfahrt verheiratet ist. Aber es war nicht der gefährliche Raketentreibstoff, der diese Explosion verursachte. Es war der Kunstdünger.

 

Durch die Explosion wurde ein 70 x 40 x 6 Meter großer Krater aufgerissen, die freigesetzten Kräfte ließen die Erde mit einem Wert von 3,4 auf der Richter-Skala erbeben. Dabei starben 21 Angestellte und 9 unbeteiligte Menschen außerhalb des Werksgeländes, 150 Busse des städtischen Busunternehmens SEMVAT nebenan waren auf einen Schlag ein wirtschaftlicher Totalschaden.

 

Versicherungsunternehmen schätzten den Gesamtschaden auf über 2 Mrd. EUR und rechneten darin allerdings nicht die Spätfolgen ein, denn noch lange nach diesem Unglück befanden sich rund 14.000 Menschen in ärztlicher Behandlung. Aufgrund dieses Massen-Traumas in der Bevölkerung verbot der Verkehrsdezernent des Bezirkes Haute-Garonne die Buchstabenkombination "AZF" auf den Nummernschildern - man sprang von 999 AZE 31 direkt zu 11 AZG 31.

 

Experten untersuchten die mögliche Unglücksursache: Ein Subunternehmen welches mit Lagerarbeiten beschäftigt war vermischte offenbar aus Versehen oder aus Unkenntnis nur wenige Minuten vor der Explosion die 300 bis 400t Ammoniumnitrat mit nur 500kg einer anderen chlorhaltigen Chemikalie, die unter anderem auch für die Reinigung von Swimmingpools verwendet wird. Dies ist aber nur eine Theorie, nach wie vor werden andere alternative Szenarien vor Gericht erörtert.

 

Zum einen gab es Bekennerschreiben einer islamistischen Vereinigung Namens "Djihad Islamique" und einer noch unbekannten Gruppe "Alpha Bravo", die ein paar Tage später bei der Polizei eingingen. Die Vermutung ist naheliegend, denn die Anschläge in Amerika lagen nur einige Tage zurück.

 

Eine wichtige Information kam allerdings von einem Experten der Toulouser Universität, der als erster eine unterirdische Explosion vor der eigentlichen zweiten auf den seismologischen Aufzeichnungen ausgemacht haben will und unterirdische Schallreflektionen seien dabei so gut wie ausgeschlossen. Ein möglicher Grund: Die Firma die auch den Raketentreibstoff herstellt ist halb-staatlich und auf dem gleichen Gelände untergebracht gewesen. Neben dem Treibstoff für die Ariane wurde dort auch seit neuesten Erkenntnissen ein noch viel brisanterer Treibstoff für die zukünftige militärische Rakete M51 hergestellt. Dieser basiert auf hochbrisanten Hydrazin-Verbindungen (MMH, UDMH und FDMH), die gefährliche Gase entwickeln können. Rund 17t von diesem Zeug waren angeblich am Unglückstag dort eingelagert.

 

Die Theorien: Die giftigen und hochentzündlichen Gase dieser 17t Hydrazin-Verbindungen gelangten irgendwie nach außen, wurden entzündet und verursachten die Explosion oder die dichte Gaswolke machte den Lüftungsturm der Klimaanlage des benachbarten Ammonitnitrat-Hangars unbrauchbar, was zu einer Erwärmung des darin befindlichen Lagerguts und schließlich zur Explosion führte.

 

Wie auch immer, es macht die Opfer nicht wieder lebendig und der Prozeß zur Findung der Wahrheit ist immer noch in vollem Gange. Durch die staatliche Beteiligung bei der möglichen Verursacher-Firma würde es mich aber nicht wundern wenn hier weiter auf Zeit gespielt wird. Wie bei den Flugschreibern des Rio-Flugs AF447, diese sollen nun nach neuesten Medienberichten angeblich Anfang nächsten Jahres bei einer erneuten Expedition lokalisiert werden - wer's glaubt. Heute baut die Stadt auf diesem Gelände den "Canceropole", ein ultramodernes Krebsforschungsinstitut.


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