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11.06.2020 11:11    |    Dynamix    |    Kommentare (21)    |   Stichworte: ET, ET 4, Vespa

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Die ersten Kilometer

 

Nachdem die Vespa aus Ihrem 7-jährigen Dornröschenschlaf erweckt wurde war es natürlich Zeit das die Vespa auch gefahren wird. Tonnenweise Zeit, Geld, Schweiß, Nerven und Blut investieren und dann nicht damit fahren ist irgendwie sinnlos. Also wurde die Vespa bei den passenden Gelegenheiten aus der Garage geholt. Sei es um eine kurze Besorgung zu machen, für den Friseurtermin in der Stadt oder auch für die Fahrten zur Altersresidenz meines Caprice, die Vespa muss ran ;)

 

Die Vespa hat mittlerweile über 500km seit der Restauration hinter sich gebracht. Die gingen, typisch Diva, nicht ganz so problemlos vonstatten, aber dazu später mehr. Die ersten Touren gingen durch die Stadt für kleinere Besorgungen. Hier macht sich die Vespa ganz gut, da Parkplatzsuche einfach ist und man Sie eigentlich fast überall direkt in Nähe des Eingangs platzieren kann. Als echter Segen hat sich hierbei das Top-Case erwiesen. Hier bekommt man schon einiges an Kleinkram unter, auch wenn man das anhand des äußeren gar nicht meinen würde. 12 Bierdosen passen in die untere Hälfte schon einmal rein :D Die obere dürfte noch einmal genauso viele fassen und dann hat Sie ja noch ein Helmfach, sowie ein Handschuhfach. Man sieht, Sie kann nicht nur hübsch sondern auch praktisch :cool:

 

Nach den ersten kurzen Runden hatte ich dann doch den Mut gefasst und mal eine etwas längere Strecke geplant. Dieses mal sollte es in die alte Bundeshauptstadt Bonn gehen, natürlich über diverse Landstraßen und nicht über die Autobahn. Die erste Tour dahin hat Sie auch ordentlich gemeistert. Was mich dabei am meisten erstaunte war die Tatsache das ich über die Landstraße mit dem Roller gar nicht mal soooo lange brauche. 45 Minuten gegenüber 30 Minuten über die Autobahn finde ich jetzt nicht so heftig, vor allem weil man die gleiche Strecke mit dem Auto wohl nur wenig schneller wäre. Ein wenig später fuhr ich die selbe Strecke nochmal und da passierte es:

 

Zickenterror

 

Mitten in Bonn auf einer großen Kreuzung mitten im Zentrum fing Sie plötzlich an zu ruckeln, nahm kein Gas mehr an und ging dann aus. Einen Moment später ließ Sie sich wieder starten, allerdings ging Sie dann später wieder unter ruckeln aus bis Sie gar nicht mehr anging. Toll! Da hat man quasi mehr oder weniger alles erneuert und dann läuft Sie keine 150km später schon wieder nicht. Aber hilft ja nix, also den ADAC angerufen und ab nach Hause. Ich war so geladen das sich meine bessere Hälfte die dummen Sprüche ala "habs ja gleich gesagt" stecken gelassen hat. Es stand also mal wieder Fehlersuche auf dem Programm. Da der Vergaser revidiert, die Schläuche alle neu waren, der Benzinhahn auch neu war und noch genug Sprit drin war hatte ich dieses mal meinen besten Freund im Verdacht: Die Zündung!

 

Ain't no rest for the wicked

 

Beim Motortausch war die alte CDI noch drin, da wir die zum testen hergenommen haben. Ebenso steckte noch die alte Zündkerze von dem Tauschmotor drin. CDI und Stator hatte ich noch herumliegen, Zündkerze nicht. Da die Zündkerze erstmal das offensichtlichste Teil war und ein Tausch nicht schaden würde, fing ich erst einmal damit an. Die Kerze besorgte ich mir bei einem Vespa Händler einen Ort (mein Vespa Händler um die Ecke sieht mich nie wieder!) weiter. Der Kerzentausch ist bei dem "alten" Motor schon eine Arbeit für Menschen die Vater und Mutter erschlagen haben. Bei der "verbesserten" Version allerdings ist das Ganze noch fummeliger, da der Motor das Sekundärluftsystem hat. Heißt das ganze Geraffel von der Sekundärlufteinblasung sitzt natürlich über der Zündkerze....... Da die Kerze seitlich aus dem Block kommt, kommt man auch ohne Sekundärluftsystm nur schlecht an die Stelle ran. Mit diversen Werkzeugen und viel Fummelei war die Kerze dann eine knappe Stunde später draußen. Wie gesagt, Platz ist da nicht wirklich und das Bordwerkzeug passt da beim besten Willen nicht rein. Also Kerze raus, ran an Masse und geschaut was passiert. Es kam keinerlei Zündfunke, also lag ich mit meiner Vermutung gar nicht mal so verkehrt. Also die neue Kerze ran und wieder getestet. Keine Reaktion! Gut, die Kerze war es also nicht. Da ich Kabel und Stecker erneuert hatte und beide noch gut aussahen schloss ich beide als Defektquelle aus. Machen wir mit dem weiter wo ich noch am ehesten rankomme, die CDI. Wir erinnern uns, die CDI hatte ich letztes Jahr schon irgendwann mal neu besorgt in der Hoffnung das Sie dann wieder anspringt. Zum Glück hatte ich das Teil noch und so hatte ich direkt Ersatz auf Lager liegen. Also das Zündkabel ab und die zwei Schrauben von der CDI gelöst, schon hat man das Teil in der Hand. Ich klemmte also die neue CDI an und montierte wieder den Kerzenstecker. Es folgt der nächste Funktionstest, also wieder die Kerze an Masse und schauen was passiert. Siehe da, der Zündfunke kam jetzt schnell und heftig. Fehler gefunden, Eigner glücklich das er nicht wieder alles mögliche auseinander nehmen muss um an die LIMA zu kommen ;) Die neue CDI ist natürlich ein Originalteil und nicht irgendein entdrosseltes Chinateil!

 

Nach diesem kleinen Test sollte Sie wieder laufen, somit baute ich Kerze und CDI wieder an Ihre angestammte Stelle. Wie erwartet sprang Sie daraufhin auch sofort an und lief auch stabil. Kurze Testfahrt ergab das sich am Fahrverhalten soweit nichts geändert hat und Sie auch nicht schneller oder langsamer läuft als vorher. Also alles super!

 

Weiter ging es dann ein paar Wochen später mit der Montage von diversen Kleinteilen die fehlten, aber dazu mehr in einem anderen Artikel ;)

 

Jetzt heißt es erst einmal genießen :cool:

 

Die bisher größte Fahrt sollte mich in meine alte Heimat zu meinen Eltern führen, ungefähr 60 km entfernt. Da Autobahnen aus offensichtlichen Gründen ausfielen musste ich mir eine Route durch die Stadt und diverse Landstraßen raussuchen. Der Trip dauerte dann gut 1h20m im Vergleich zu den 45 Minuten mit dem Auto. Klar ist das besonders an Bergen etwas nervenzehrend da die Kiste da einfach nicht zieht aber das gehört dazu ;) Hier stieß dann leider das Fassungsvolumen der Vespa an Ihre Grenzen und so passten leider nicht beide Pakete rein. Eins musste ich also ständig im Fußraum transportieren. Da hier aber der Tunnel nicht so abartig groß ist wie bei vielen Sportrollern ging das für die Strecke einigermaßen. Würde ich die Strecke nochmal fahren? Wohl nur wenn mir langweilig ist :D

 

Eine meiner nächsten Fahrten führte mich zur Caprice-Garage. Ich musste noch diversen Mist von der Gasanlagenamputation bei einem Kumpel abholen und dafür musste ich den Caprice nehmen weil der Kuga wegen Glasbruch auf einen Werkstatttermin wartete. Erstaunlicherweise brauchte ich durch die Stadt für die Strecke nicht länger als mit dem Auto über die Autobahn. Meine Frau war auch ganz verwundert als ich nach einer knappen Stunde schon wieder mit dem Auto zuhause war. Mit der Vespa komme ich also zur Not auch mal flott zur Garage falls ich das Auto brauche und der Rest des Fuhrparks gerade nicht greifbar ist :)

 

Mittlerweile habe ich mich auch an das Fahrverhalten der Michelin City Grip gewöhnt, die dann doch etwas schwerfälliger waren als die abgefahrenen Dinger davor. Aber dafür ist der Grip jetzt auch 10 mal besser und wenn man erst einmal ein wenig Vertrauen gefasst hat sind auch ein paar ordentliche Schräglagen drin. Davon ab das Sie jetzt nicht mehr so kippelig fährt ;) Allerdings merkt man dank den neuen Reifen das die Federbeine nicht mehr die besten sind. Besonders vorne schlägt das Federbein bei einer härteren Bremsung durch. Deshalb keimte in mir die Idee das Fahrwerk einmal anzugehen, schließlich stecken da noch die originalen Dämpfer drin. Die ölen zwar noch nicht, aber durch ist durch. Davon ab das ich bisher noch niemanden gesehen hätte der den Originaldämpfern sowas wie guten Fahrkomfort oder Haltbarkeit attestiert hätte. Wenn soll es natürlich was mit ABE werden und bezahlbar. Es gibt schon einiges für die Vespen, allerdings nicht selten teuer und in den allermeisten Fällen ohne ABE. Ein Satz Bitubos wäre ein Traum, aber ohne Zulassung und mit über 200€ pro Stück auch alles andere als billig. Dann bin ich aber zum Glück über die Mono X-Pro von YSS gestoßen die ganz interessant aussahen. YSS ist ein renommierter Hersteller von Federbeinen für Zweiräder aus Japan. Zu meinem Glück gibt es für vorne und hinten passende Federbeine für die ET-Reihe und das sogar mit ABE. Weiteres Schmankerl: Die Federvorspannung lässt sich stufenlos einstellen, wodurch man den Komfort bzw. die Federn ideal auf das Gewicht von Fahrer und Sozia abstimmen kann. Die ABE habe ich mir schon einmal vorsorglich runtergeladen, den Umbau werde ich dann wohl später angehen wenn ich die Teile habe und soweit bin :)

 

Die nächste größere Fahrt führte mich nach Bonn, aber dieses mal musste die Vespa dort übernachten. Nein, dieses Mal hat Sie nicht schlappgemacht ;)

 

Ich hatte Sie nur für meinen Kumpel dagelassen, dessen Auto ich mir mal für eine Aufbereitung geschnappt habe. Er hatte von mir und ein paar Freunden zum letzten Geburtstag unter anderem ein großes Autopflegepaket bekommen. Er ist nur leider nie wirklich dazu gekommen das Zeug mal auszuprobieren, da seine Familie Ihm nicht viel Zeit dafür lässt. Also erklärte ich mich bereit die Sache zu übernehmen aber das ist eher was für den Pflegeblog.

 

Ansonsten durfte die Vespa wieder für diverse kleine Besorgungen ran und bis auf den anfänglichen Rückschlag fährt Sie jetzt ganz brav. Normale Einkäufe in der Stadt gehen mit Ihr ganz gut von der Hand und so lassen sich nicht nur die Autos etwas schonen und Sprit sparen, sondern auch Parkgebühren ;) :D Gerade in der Stadt wo Parkplätze (und seit Corona sowieso) einfach nur Mangelware sind ein netter Vorteil im Tausch für ein bisschen Verzicht bei der Höchstgeschwindigkeit :cool:

 

Was schluckt Sie so?

 

Vom Verbrauch liege ich bisher ganz knapp über 3 Liter, aber die sind halt auch immer auf Vollgas gefahren. Von daher finde ich den Verbrauch echt erträglich und mit dem großen Tank kommt man auch gut 300km pro Tankfüllung wenn es drauf ankommt. Zweitakter mögen zwar den besseren Antritt haben, aber in Sachen Verbrauch können Sie einfach nicht mithalten. Insbesondere wenn wir von gleichen Voraussetzungen ausgehen, also ordnungsgemäß gedrosselt und mit einem Vergaser. Das ein entdrosselter DiTech Motor schon vor 20 Jahren Verbräuche unter 3 Liter gepackt hat weiß ich selbst. Ist aber nun einmal nicht legal und wer weiß was bei meinem 4-Takter noch ginge wenn er entdrosselt wäre und somit nicht ständig Vollgas laufen würde?!


Die Frau will auch mit!

 

Mittlerweile würde sich sogar meine bessere Hälfte trauen mitzufahren. Leider hatte Sie keinen Helm und ohne fahren geht natürlich gar nicht! Was macht mal also als treusorgender Ehemann? Man besorgt einen! Also fing ich an zu stöbern. Was für einen Helm macht Sinn? Was darf bzw. muss sowas kosten? Nach Rücksprache mit meiner besseren Hälfte kam nur ein Jethelm in Frage. Ein Integralhelm wäre mir zwar lieber gewesen, aber das ist Ihre Entscheidung. Also machte ich mich auf die Suche nach etwas das sicher genug ist und die Kriterien meiner Frau erfüllt. Vorab: Für Rollerfahrer tut es auch ein günstiger Helm unter 100€. Die renommierte Zweiradzeitschrift "Motorrad" hat sich mal die Mühe gemacht diverse Helme im Preisbereich unter 100€ zu testen. Alle Helme sind einer Schlagschutzprüfung unterzogen worden, welche Sie alle bestanden haben. Die Unterschiede, im Vergleich zu hochpreisigen Herstellern, kommen am Ende hauptsächlich durch Punkte wie Passform, Geräuschpegel, Materialauswahl und so weiter zustande. Also alles Kriterien die für einen Langstreckenfahrer auf dem Motorrad wichtig sind, für einen Rollerfahrer in der Stadt der eh nur pendelt oder kurze Strecken fährt aber eher unwichtig. So schrieb es auch die Motorrad und so kann sich ein günstiger Helm für eben genau diese Klientel, zu der ich ja auch gehöre, schon lohnen. Meinen Helm habe ich damals im Laden nach eher simplen Kriterien gekauft. Sollte ein Integralhelm sein, sollte eine Zulassung haben und mein Bollerkopp sollte reinpassen. Ich meine das Teil hat mich damals +- 100€ gekostet. Marke? Keine Ahnung. Steht auch nicht wirklich viel drauf :D

 

Weiter mit dem Zweithelm! Zuerst schaute ich bei Polo und da gibt es schon brauchbare Jethelme nach ECE 22-05 für um die 50€. Schon mal nicht ganz verkehrt, aber man muss ja mal schauen was die Konkurrenz so macht. Also mal in der Bucht geschaut was es da so gibt. Besonders hier tummeln sich viele Billighelme im Preisbereich unter 50€, da sind zum Teil Helme gut 20-30€ dabei, welche auf mich aber nicht den vertrauenserweckensten Eindruck machten. Einzig das einer davon in Rot mit Gänseblümchenmuster angeboten wurde fand ich ganz witzig und ich wette meiner Frau hätte das Muster sogar gefallen :D Dann stieß ich aber auf ein interessantes Privatinserat. Es handelte sich dabei um einen Caberg Riviera V2+ im Dekor "Diva". Was das heißt kann man auf den Bildern sehen ;)

 

Vom Muster her wusste ich sofort das meine Frau darauf abfahren würde. Da mein allererster Helm von Caberg war, ich damit gute Erfahrungen gemacht habe und der Preis mit gut 100€ auch okay war schlug ich zu. Das schöne an dem Helm ist das er zwei Visiere hat. Einmal ein kleines für die Augen und dann noch einmal ein etwas größeres welches das gesamte Gesicht abschirmt. Zusätzlich bietet der Helm an den Innenseiten kleine Taschen in den man ein Headset einbauen kann falls man das denn benötigt.

 

Wie geht es weiter?

 

Wie angedeutet bin ich mit der Vespa in Sachen Optik noch nicht ganz fertig. Es werden noch einige Dinge kommen! Manche groß, aber die meisten doch eher klein ;) Es bleibt auf jeden Fall spannend :cool:

 

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06.05.2020 12:01    |    Dynamix    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: Vespa

Nach der Technik kommt die Optik!

 

Da aller guten Dinge 3 sind folgt hiermit der dritte und letzte Teil der Vespa-Wiederbelebung. Die Vespa lief mittlerweile wieder und die schlimmsten technischen Macken waren ausgebügelt. Technisch stand die Vespa also jetzt mehr oder weniger neu da. Was sollte da auch noch großartig fehlen? War ja so gut wie alles neu!

 

Komplette Zündung neu, neuer Motor incl. Getriebe, Bremse hinten gängig gemacht, Lenkkopflager neu, Kaputten Helmfachverschluss mit diversen Neuteilen instand gesetzt, Tachowellte und Ritzel neu, Vergaser neu, diverse Schläuche in dem Zuge neu, Benzinhahn neu, neue Starterbatterie und neue Batterie in die Cockpituhr eingesetzt, neue LX-Spiegel, Kickstarter soweit wie nötig erneuert und so weiter und sofort. Man sieht hier ist schon einiges angepackt worden was jetzt fällig war. Klassischer Fall von Wartungsstau, da der Vorbesitzer scheinbar bis auf eine Dose mattschwarz und einem neuen Hinterreifen für die Vespa nicht viel übrig hatte.

 

Die Technik war damit weitestgehend durch, womit ich mich dann endlich den schöneren Dingen und damit dem spaßigen Teil widmen konnte: Der Optik!

 

Da ich von Anfang an weder die Intention noch die Hoffnung hatte die Vespa je komplett in einen perfekten Originalzustand versetzen zu können plante ich Ihr auch ein paar milde optische Modifikationen angedeihen zu lassen. Jetzt steckt schon so viel Arbeit in dem Wrack das ich auch gleich ein bisschen nach meinen Vorstellungen umbauen kann. Hätte ich nicht so viel Zeit und Geld in die Kiste gesteckt wäre Sie wohl eh längst auf dem Schrott gelandet oder geschlachtet worden. Außerdem gehört ein bisschen Optiktuning bei einer Vespa schon fast dazu ;) Der Aftermarket ist ja nicht umsonst voller Teile mit denen sich alles mögliche optisch verändern lässt.

 

Es gab für mein Optiktuning nur eine Prämisse: Es sollte geschmackvoll sein und nicht zu viel um das elegante Design nicht zu zerstören. Zu viel Klimbim oder eine Hardcore Racing Optik würden das Gesamtbild nur stören und unterm Strich eher affig aussehen. Die Vespa hat ja eine rundliche, elegante Form und kommt ab Werk schon mit relativ wenig Zierrat daher. Also wollte ich entsprechend nur behutsam an die Optik Hand anlegen.

 

Schritt 1: Mehr Durchblick!

 

Die erste und mit Abstand früheste Verschönerungsmaßnahme waren die LX-Spiegel. Die LX-Reihe ist die Nachfolgereihe der ET-Reihe und es gibt einiges an Kleinkram der mehr oder weniger Plug and Play passt. Darunter neben den Spiegeln auch die komplette Sitzbank und die Griffe der LX. Die Spiegel haben für mich gleich mehrere Vorteile:

 

- Sie passten mit Ihrer runden Form und dem Chrom viel besser zur Vespa, als die rabbeligen Plastikdinger ab Werk. Außerdem macht sich die Optik gerade auf dem Schwarz unheimlich gut :)

 

- Sie tragen wesentlich zur Sicherheit bei, da ich in den LX-Spiegeln im Gegensatz zu den originalen ET-Spiegeln sehen kann was hinter mir passiert. Ist ja auch irgendwo der Sinn von Rückspiegeln.

 

Die Spiegel hatte ich mir schon relativ kurz nach dem Kauf gegönnt, auch wenn ich Sie erst jetzt im Straßenverkehr werde testen können.

 

Schritt 2: Mehr Stauraum und Komfort!

 

Weiterhin hätte ich gerne die Möglichkeit ein paar Dinge transportieren zu können. Die Vespa hat zwar ein brauchbares Helmfach welches den Namen auch verdient und sogar ein Handschuhfach, allerdings habe ich zu meiner aktiven Rollerzeit schon die Vorteile von zusätzlichem Stauraum kennenlernen dürfen. Ergo musste ein Top-Case her! Wenn das Top-Case eine integrierte Rückenlehne für die Sozia hätte wäre das natürlich noch besser! Glücklicherweise hat Piaggio damals ein Top-Case für die ET-Reihe entwickelt das genau diese Anforderungen vereint. Dies hat gleich mehrere Vorteile:

 

- Das Top-Case ist genau für meine Vespa und den originalen Gepäckträger entwickelt worden. Heißt hier muss ich nicht groß basteln oder irgendwas anpassen. Eine bessere Passgenauigkeit werde ich nicht finden ;)

 

- Das Top-Case passt optisch perfekt, da es ja wie gesagt, für genau dieses Modell designed wurde. Ich zerstöre also nicht die Linienführung indem ich irgendeinen klobigen No-Name Kasten hinten draufschnalle.

 

Also flugs die üblichen Portale durchforstet und gesucht. Das Angebot war eher mau, lediglich 2 Angebote hatte ich gefunden. Eins davon war allerdings ein Geschenk des Himmels! Da meine Vespa ja schwarz mit brauner Bank ist sollte es natürlich idealerweise die gleiche Farbkombi beim Top-Case werden. Eins der beiden Angebote bot genau das an was ich brauchte, lediglich mit ein paar Gebrauchsspuren und einer ausgebleichten Rückenlehne musste ich leben. Da das andere Angebot die falsche Farbe hatte und davon ab auch der Klappmechanismus gebrochen war schlug ich bei dem schwarzen Modell zu. Wer weiß wann überhaupt mal wieder eins angeboten wird und dann passend in meiner Farbe?!

 

Schritt 3: Mehr Griffigkeit und Stil!

 

Passend zum Top Case und der Sitzbank sollte die Vespa noch ein paar schicke neue Griffe bekommen. Ich hatte schon seit Jahren ein Auge auf braune Griffe aus dem Zubehör geworden. Ursprünglich hatte ich die günstigen Griffe im Auge die es überall im Netz für gut 20€ gibt. Allerdings stieß ich beim stöbern nach Teilen auf originale Griffe von Piaggio die auch noch auf die ET passen sollten. Bei meinen Nachforschungen fand ich dann heraus das es sich dabei um die Griffe der LX-Reihe handelte. Die Griffe der LX passen, wie gesagt, auch an die ET. Diese gibt es auch in einem schicken braun die wunderbar mit der Farbkombi meiner Vespa harmonieren. Besser als die schwarzen Gummigriffe die ab Werk montiert waren sehen Sie allemal aus. Bei den Griffen hatte ich dann etwas Glück und habe einen Satz in der Bucht gefunden der mal eben 30€ weniger gekostet hat als das selbe Set beim deutschen Händler. Da haben sich auch die Versandkosten aus Österreich wieder gelohnt :cool:

 

Schritt 4: Mehr Identität!

 

Ein weiterer Punkt auf meiner Liste waren sämtliche Embleme und Logos. Besonders weil die Vespa schwarz ist müssen die originalen Embleme einfach wieder dran da die Karosserie sonst einfach etwas nackt aussieht. Meine waren leider völlig übermalt und auch nicht mehr wirklich zu retten. Das rare "50 4 Tempi" Logo war bei Kauf schon nicht mehr vorhanden und es hat mich echt viel Zeit gekostet überhaupt mal ein Bild von dem Logo zu finden. Da mich neuer Ersatz für die Standard Embleme am Ende keine 30€ kostet musste ich darüber kaum nachdenken. Die kommen direkt neu incl. der Halteklammern. Kniffliger war da schon das besagte Handschuhfachlogo für die Modellbezeichnung. Lange Zeit wusste ich nicht mal wonach ich konkret suchen sollte bis ich eines Tages doch mal über das passende Logo incl. einer Piaggio Teilenummer gestolpert bin. Fündig wurde ich dann schlussendlich bei einem italienischen Piaggio Händler der das Logo für einen nicht gerade günstigen Preis im Angebot hatte. Aber was will man machen? Ich musste das blöde Ding einfach haben um die Optik wieder zu vervollständigen.

 

Die restlichen Logos hatte ich fix zusammen, wobei es da scheinbar diverse Hersteller gibt die es alle wieder anders machen. Das neue Logo am Seitendeckel wird nicht mehr mit den Stiften und diesen Halteklammern befestigt sondern mit doppelseitigem Klebeband das praktischerweise schon passend in der Form des Logos vorgestanzt ist. Ist zwar auch was fummelig aber immer noch besser als das Ganze selber zusammenschneiden zu müssen. Das Logo fürs Beinschild hat die Pins noch, wofür ich dann auch die Klammern im 10er Pack bestellt hatte. Das Piaggio Logo in der Kaskade wird nur eingesteckt und hält so auch ganz gut. Das Logo am Handschuhfach hat neben den Pins für die richtige Positionierung auch noch extra doppelseitiges Klebeband dran. Auf das es besser halten möge als ab Werk. Aber vielleicht sind die Pins lang genug als das ich das von hingen noch einmal klammern kann. Rein vom Durchmesser müsste das halten.

 

Dann hatte ich noch von meinem Schrauber den Tip bekommen mal in einem bestimmten Webshop zu schauen da die wohl ziemlich viele Originalteile im Angebot haben. Ich brauchte eh eine bestimmte Schraube für den Gaszugmechanismus, also hab ich da mal reingeschaut. Corona sei Dank kann man ja nicht mal eben zum Händler fahren und nach Kleinkram am Teiletresen fragen. Dabei bin ich auf ein Emblem gestoßen von dem ich nicht wusste das es tatsächlich ab Werk irgendwo auf dem Modell verbaut gewesen sein muss. Den Schriftzug kannte ich bisher nur aus dem Werkstatthandbuch und ich fand den Schriftzug "ET4 Cinquanta" schon ganz stylisch. Ich hatte immer angenommen ich müsste mir das irgendwie anfertigen lassen, aber wenn es den dann doch tutto completti ab Werk gibt nehme ich natürlich den ;) Da mich eine Sonderanfertigung sicherlich mal 30€ aufwärts gekostet hätte und das Logo im Shop lächerliche 8€ kostet habe ich gleich mal 2 Stück geordert :D Eins davon soll dann auf dem Beinschild thronen (ob unter dem Vespa Emblem oder parallel dazu auf der anderen Seite des Beinschildes weiß ich noch nicht) und das andere auf dem zweiten Seitenteil. Erst hatte ich angedacht ein zweites Vespalogo dort aufzukleben da ab Werk dort gar nichts war, aber ich glaube das Modelllogo würde sich da als Gegenstück auch ganz gut machen. Das Nachfolgemodell LX hat dort auch seinen Modellschriftzug kleben und ich denke das macht sich bei der ET an der selben Stelle auch ganz gut :) Optisch liegen die beiden ja eh sehr nahe beieinander, also sollte das Ganze optisch gut harmonieren.

 

Schritt 5: Mehr Grip!

 

Last but not least mussten noch ein paar neue Reifen her. Die Frage war nur noch ob es bei den Weißwandreifen bleiben sollte oder man doch eher normale Reifen nimmt. Zwar waren die Weißwandreifen von Anfang an schon gesetzt, da Sie den Retrocharakter der Vespa unterstreichen allerdings hatte ich Zweifel ob Weißwandreifen gut mit einer neuen Felgenfarbe (mehr dazu in einem anderen Artikel) harmonieren würde. Da wäre dann silber wohl doch wieder die bessere Wahl.

 

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist neben dem Preis vor allem die Fahrsicherheit. Es gibt heutzutage kaum noch Weißwandreifen in der Größe der modernen Vespen. Um ehrlich zu sein gibt es mittlerweile nur noch die Mitas Reifen mit Weißwand. Die gängigen Marken wie Schwalbe, Conti, Metzeler und Co. bieten Ihre Weißwandmodelle scheinbar nicht mehr in der Größe der ET an. Also bleiben eben nur die Mitas die mal eben 60€ das Stück kosten. Wir reden hier immerhin von einem Rollerreifen, keinem Autoreifen! Beim Thema Fahrsicherheit kommt das Punkt hinzu das es bessere Reifen gibt als den Mitas Allwetterreifen. Meiner Recherche nach schrammen die Mitas sogar schon hart an der Grenze zu gemeingefährlich. Da ich wegen ein bisschen Optik nicht auf ein sicheres Fahrverhalten verzichten wollte, kam ich von der Idee mit den Weißwandreifen wieder ab. Zum einen sind selbst gute Michelin Reifen fast 50% günstiger als die Mitas, zum anderen werden normale Reifen mit einer individuell lackierten Felge wohl mehr hermachen.

 

So entschied ich mich für den Michelin City Grip, einmal in 100/80/10 für die vorne und 120/70/10 für hinten. Der sollte ganz gut passen und noch besser fahren :)

 

Möge der Bling mit dir sein!

 

Genug der Planungen, jetzt soll es endlich ans Eingemachte gehen! Spulen wir vor an den Tag nach der Anlieferung. Die schwarze Wespe brauchte noch etwas Liebe in Sachen Optik und all die neuen Teile wollten schließlich montiert werden. Ich fing zuerst mit dem aufbereiten der Plastikteile an, damit diese vom Lackton wieder zur Karosserie passen. Da sich nicht alle Plastikteile mit Nagellackentferner so gut retten ließen wie die beiden Reflektoren musste hier wieder die Poliermaschine heran. Hat zumindest bei der Karosserie schon gut funktioniert. Also fing ich an die Kaskade und die Wartungsklappe zu polieren. Die Schwingenabdeckung hob ich mir für später auf. Danach fing ich mit der Montage des Schriftzugs auf dem Beinschild an. Hier müssen ja diese witzigen Klammern gesetzt werden müssen. Hierzu muss das Handschuhfach raus, da die Klammern von hinten in die Stifte gedrückt werden. Mit etwas Gewalt und einer Zange hatte ich diese nach ein paar Minuten drin. Das Logo auf dem Seitenkasten bekam auch noch seinen Platz. Hier musste, wie bereits angedeutet, nur der Aufkleber richtig platziert werden. Sieht auf jeden Fall deutlich besser aus als vorher :) Dann wanderte auch gleich das neue Piaggio Logo an die Kaskade. Einfach einclipsen und die Schutzfolie abziehen :cool:

 

Da in der Zwischenzeit auch mein Top-Case unerwartet ankam musste dies natürlich als nächstes ausgiebig beäugt und auf Passgenauigkeit geprüft werden :D Also war die als nächstes dran. Die Rückenlehne war von den Jahren ziemlich ausgeblichen und das Top Case hat auch diverse Kratzer. Die Kratzer stören mich nicht einmal so, da diese auch wieder zur Patina des restlichen Rollers passen. Aber die ausgeblichene Rückenlehne störte dafür umso mehr. Durch den Einsatz der Poliermaschine und ein paar Runden Koch Chemie konnte das Ganze zumindest in einen erträglichen Zustand gebracht werden. Hier habe ich aus verwittert einfach Patina gemacht :D Perfekt ist es nicht, aber immerhin besser als vorher. Da schaue ich mal ob sich da nicht noch bessere Mittelchen finden lassen.

 

Wenn es mich auf Dauer extrem stört muss ich das lackieren lassen. Apropos Lack! Die beiden Verkleidungen an der oberen Ecke des Handschuhfachs waren ursprünglich mal braun. Da die Farbe schwarze Farbe hier leider zu gut haften wollte und ich mit dem Nagellackentferner einfach nur sehr schlecht voran kam, beschloss ich die beiden Dinger bei Gelegenheit einfach neu zu kaufen. Leider war das einfacher gesagt als getan. Es gibt die Dinger teilweise noch, aber eben in Schwarz :( Also muss ich doch mit dem Nagellackentferner weitermachen. Das kommt aber später.

 

Weiter ging es mit der Reinigung diverser Plastikteile die alle die Koch Chemie Behandlung bekommen haben. Auch die Gummifußmatten habe ich bei der Gelegenheit mal sauber gemacht. Soll ja einigermaßen ordentlich werden. In der Zwischenzeit kamen dann auch schon die Reifen, satte 3 Tage zu früh :cool: Super, so konnte ich mich umso früher um den Reifenwechsel kümmern und schon mal nach einem Termin suchen. Etwas später kamen dann auch die neuen Griffe an die ich auch erst ein paar Tage später erwartet hatte. Mann, DPD hat gerade einen echten Lauf. So zuverlässig und schnell waren die bei mir noch nie?!

 

Da ich auf die Griffe schon seit Jahren scharf war, beschloss ich die Griffe am selben Abend noch anzubauen. Ich konnte einfach nicht anders :D Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich den richtigen Kickstarterhebel wieder montiert. Nicht das der alte schlecht gewesen wäre, aber der Originalhebel ist glanzgedreht und macht so natürlich deutlich mehr her als das schlichte schwarze Teil vom Austauschmotor. Ist mehr ein ästhetisches Ding als technische Notwendigkeit, aber hier geht es ja eben um Ästhetik ;)

 

Da die Vespa beim lenken nach rechts immer ein wenig Gas gab bot es sich gleich an dem auch noch auf die Spur zu gehen. Aber erst einmal sind die Griffe dran! Die alten gingen gut mit einer Ladung WD40 ab, dies ist allemal eleganter als das Ganze einfach aufzuschneiden. Ist natürlich eine Sauerei, aber dafür hat man die alten Griffe im Fall der Fälle noch. Danach ist auch schon alles frei für die Griffe. Laut Anleitung sind die Griffe eigentlich für die Nachfolgerin Vespa LX gemacht, sollten aber auch an andere Modelle problemlos passen solange der Durchmesser des Lenkers stimmt. Gut, so ganz Plug & Play ging es dann doch nicht aber mit ein ganz klein wenig Trickserei dann doch relativ einfach. Die Griffe werden mit Madenschrauben in den Lenker eingeklemmt. Allerdings halten die auf dem lackierten Lenker eher schlecht und so rutschen die Griffe durch was natürlich nicht Sinn der Sache ist. Gut, unterfüttern wir das ganze halt hauchdünn, wird schon klappen. Also schnell ne Rolle Malerkrepp hervorgekramt und probiert! Allerdings wollten die Griffe dann gar nicht mehr drüber, also alles wieder ab und nur die Enden hin zum Tacho mit einer dünnen Schicht Klebeband umwickelt, also genau da wo die Madenschrauben greifen sollen. Das hat dann erstaunlich gut geklappt, vor allem weil die Schrauben jetzt auch etwas hatten wo Sie sich reinfressen konnten. Am Gasgriff wurde die Sache dann etwas komplizierter aber auch da hatte ich den Griff dann nach ein paar Minuten Gefummel dran. Dann testen wir doch mal! Als ich den Motor anwarf traf mich der Schlag, das Ding drehte plötzlich im Stand Vollgas und das obwohl sich der Griff ganz normal drehen ließ und ich am Mechanismus gar nicht dran war. Hmm, da hat sich bestimmt was verklemmt. Also alles auseinander genommen und nachgeschaut. War dank des vorher beschriebenen Problems eh geplant. Also wieder die Lenkerverkleidung ab, den ganzen Mechanismus von dem Gashahn ab und gefummelt und am Gaszug justiert bis es locker genug war und sauber dreht. Danach noch diese komischen Plastikführungen für den Bowdenzug noch reingefummelt (scheiß Fummelei!) und das Ganze erst einmal so weit zusammengebaut das man testen kann. Also Motor wieder an und et voila, das Standgas war wieder gut und auch beim lenken gibt Sie kein Gas mehr :cool: Also alles vorsichtig wieder zusammengesetzt und wieder probiert. Auch hier wieder alles gut, nichts hat sich verstellt. Die Griffe machen sich optisch 100 mal besser als die hässlichen schwarzen Gummidinger von Piaggio. Dazu haben Sie den Charme das Sie etwas dicker sind und sich so etwas besser greifen lassen.

 

Am nächsten Tag nochmal ausprobiert und der Gaszug blieb wieder beim lenken auf Vollgas hängen. Mist, was ist denn das für ein Scheiß?! Jetzt prüfte ich erst einmal ob man nicht vergaserseitig noch ein bisschen Luft hat, aber da stand der Gaszug schon soweit auf lose wie nur möglich. Also den Lenker wieder auseinander genommen und festgestellt das die Fixierschraube fehlte welche das Gaszuggestell in Position halten soll. Beim lenken rutscht dieses hin und her. Also bestellte ich die fehlende Schraube und wartete. In der Zwischenzeit säuberte ich die Schwingenabdeckungen soweit es ging von dem mattschwarz. Dieses mal kam ich mit viel Ellenbogenfett und Nagellackentferner schon ganz gut voran. Kann sich auf jeden Fall sehen lassen.

 

Einen Tag später kam schon meine Schraube und so beschloss ich diese nach Feierabend zu montierten. Also fummelte ich wieder eine Stunde an dem Gasgriff herum. Alles auseinanderbauen, das Gestell mit der Schraube schön fest am Lenker fixieren und den ganzen Kleinkram stückweise und sauber wieder zusammenbauen. Zwischendrin dann immer noch einmal die Kontrolle ob jetzt auch alles an seinem Platz bleibt und sich nichts mehr verhakt oder ungefragt dehnt. Da nach dem vorläufigen Zusammenbau alles gut aussah beschloss ich den Rest zusammenzuschrauben und dann mal weiter zu testen. Also Motor an und Lenkrad immer abwechselnd hin und her. Da sich hier nichts wirklich geändert hat, gehe ich mal davon aus das es funktioniert hat. Es sah beim Zusammenbau ja auch schon deutlich besser aus was das Spiel angeht. Eine kurze Proberunde auf dem Hof zeigte dann auch keine Auffälligkeit. Das Kapitel sollte also damit abgehakt sein :)

 

Am Tag danach kümmerte ich mich um die besagten Abdeckungen vom Handschuhfach. Dafür besorgte ich mir noch mehr Nagellackentferner (acetonfrei!) und einen Schwamm. Die Teile wurden ordentlich in Nagellackentferner gebadet damit sich der Lack schön anlösen kann und ich mich nicht dumm und dusselig schrubben muss. Danach alles schön mit dem Schwamm abgeschrubbt und jetzt wollte der Lack auch endlich ab. Wie man auf den Bildern sehen kann hat sich die Mühe also gelohnt :)

 

Weiterhin musste ich mich noch um das Thema Zulassung kümmern da Werkstatt 1 die Papiere ja verdaddelt hat und sich keiner Schuld bewusst war als ich Sie damals zur Rede stellte. Da ich mir rechtzeitig eine Unbedenklichtkeitsbescheinigung besorgt hatte und den Kaufvertrag wohlweislich aufgehoben hatte, konnte ich damit wenigstens noch bei Piaggio neue Papiere beantragen.

 

Dies sollte allerdings noch etwas dauern, da Piaggio sein System für die Nachbestellung von Papieren gerade auf einen neuen Stand bringt (zumindest behauptet deren Seite das) und die Datenbank somit down war. Einer Zulassung stand trotzdem nichts im Wege da die Dinger wie gesagt Zulassungsfrei sind und man das COC ja nur als Beweis braucht das die Vespa den Vorschriften entspricht. Da die Versicherung das nicht interessiert und für den Vertrag ja nur die Rahmennummer und meine Daten benötigt werden geht das auch alles problemlos online. Um das Kennzeichen hatte ich mich schon bei der Anlieferung online gekümmert, in Zeiten wie diesen hat eh keine Agentur offen. Als ich dann ein paar Tage später den Brief der Versicherung im Briefkasten sah hatte ich mich schon gefreut wie ein paniertes Schnitzel auf die Pfanne, leider war das lediglich das Schreiben mit den erweiterten Zugangsdaten für das Onlineportal..........

 

Aber wo der Brief schon einmal da ist, kann ich doch wenigstens mal online nachsehen ob mein Antrag eingegangen ist. Und siehe da, der Vertrag war schon im Portal ordentlich administriert und ich konnte auch sehen das mir schon ein Kennzeichen zugewiesen wurde. So war ich mir sicher das mir das Kennzeichen exakt eine Woche nach Bestellung per Post zugehen sollte. Ich war gespannt!

 

Da es bis zum Kennzeichen noch 1-2 Tage dauern sollte, beschloss ich mich weiter mit dem Prozedere für die Papiere bei Piaggio etwas weiter vertraut zu machen. Man kann sich ein technisches Datenblatt für alle Modelle bis einschließlich Baujahr 1999 bei Piaggio besorgen womit man dann beim TÜV seiner Wahl problemlos eine Abnahme machen kann. Ab 2000 gab es dann die COC Papiere wodurch das Ganze natürlich deutlich vereinfacht wird. Gut 80€ lässt sich Piaggio dafür bezahlen. Nicht billig, aber was will man machen? Weiterhin kann man sich bei Piaggio noch diverse Dokumente wie Bedienungsanleitungen, Werkstatthandbücher und sogar eine Art Geburtsurkunde schicken lassen. Dort bekommt man dann eine Art Zertifikat in dem zum Beispiel steht aus welchem Werk die eigene Vespa gerollt ist, wann Sie gebaut wurde und so weiter und sofort. Allerdings wird auf der Piaggio Seite explizit darauf hingewiesen das dieses Dokument kein Zertifikat über die Originalität des Fahrzeuges ist. Wie auch? Piaggio schickt ja in dem Falle keinen Experten vorbei der sich das Teil im Detail anschaut und so ne Fahrgestellnummer hat man schnell in irgendeinen Rahmen gekloppt. Wie auch immer, ich wusste jetzt zumindest was zu tun ist wenn ich die Papiere ordern will.

 

Spulen wir ein paar Tage vor:

 

Ich saß schon auf heißen Kohlen weil das Kennzeichen schon überfällig war. Wir erinnern uns, nach exakt einer Woche sollte es da sein. Tat es aber nicht! Also rief ich bei der Versicherung an und fragte nach ob das Kennzeichen überhaupt schon raus war und siehe da, dem war nicht so. Das Kennzeichen ging erst an dem Tag raus an dem ich angerufen hatte. Also dauerte es noch weitere 1-2 Tage. Umso ärgerlicher da das Wetter noch gut genug war zum Fahren. Nach weiteren zwei quälend langen Tagen, war es dann endlich soweit und das heiß ersehnte Stückchen Blech war endlich im Briefkasten! Hat dann am Ende doch mal eben 1,5 Wochen gedauert.......

 

Zu meinem Pech war natürlich ausgerechnet am Tag der Tage schlechtes Wetter, aber für eine kleine Runde zur Tankstelle hats dann doch gereicht. Die Vespa bekam gut 7 Liter frisches Super, was dann insgesamt für gut 300 km reichen sollte. Eine etwas längere Testrunde durch die Stadt sollte sich aber noch am selben Abend ergeben :) Nach gut 50 Kilometern also mal schnell nachgetankt und auf gut 1,5 Liter Verbrauch gekommen was auf 100km glatten 3 Litern entspricht und somit den angepeilten 300km bei 9 Litern Tankinhalt ;) Da die Vespa in den Tagen danach den Termin für die neuen Reifen hatte und ich solange mit einer demontierten Felge am Vorderrad leben musste nutzte ich den Maifeiertag um nochmal eine Runde zu drehen bevor das prognostizierte schlechte Wetter anrückt. Die Fahrt hat schon Spaß gemacht, zeigte aber auch das die Reifen wirklich fällig waren. Besonders bei Nässe ist der Vorderreifen doch etwas flutschig. Naja, der Termin war ja schon ausgemacht ;)

 

Wie gesagt stand ein paar Tage später noch der Termin für die neuen Reifen an. Dazu musste die vordere Felge runter, die hintere war ja schon demontiert. Da ich Urlaub hatte nutzte ich die Zeit noch um die Felgen vorher einmal ordentlich zu säubern. Leider stellte sich auch hier bei näherer Begutachtung heraus das der Vorbesitzer hier mit schwarzem Lack aus der Dose hantiert hat. Damit war die Hoffnung die Felgen vielleicht doch im Originalzustand zu erhalten komplett gestorben. Bestärkte mich aber nur in meinem Plan die Felgen bei Gelegenheit einmal neu nach meinen Wünschen lackieren zu lassen. Die gute Nachricht: Die Felgen selbst sind noch in einem guten Zustand für Ihr Alter. Ich konnte keine Kerben, Kratzer oder ähnliche Beschädigungen finden. Man kann Sie also noch retten :)

 

Wenige Tage später kam dann der Anruf das die Reifen umgezogen sind. Mit 15€ pro Felge (incl. Entsorgung usw.) nicht mal teuer :) Jetzt mussten die Felgen nur noch wieder zurück auf die Vespa, bzw. die originale hintere Felge wieder auf den Motorblock. Hier hatte ich dann endlich einen Vorwand um einen Schlagschrauber zu kaufen :D Geht zwar auch ohne, aber da ich niemanden nötigen wollte stundenlang auf der Vespa zu hocken und die Bremse zu ziehen während ich mir mit der Ratsche einen abbreche habe ich lieber das Geld in die Hand genommen und mir die Arbeit erleichtert. Davon ab kommt mir das Ding ja dann auch bei den Autos zugute und so rentiert sich das Ganze auch schnell wieder :) Aber erst einmal kommt die Felge vorne wieder dran. Da die eh nur mit 5 Innensechskantschrauben gesichert sind war die schnell wieder montiert. Die hintere Felge sollte da schon was kniffliger werden.

 

Also erstmal den Auspuff ab und dann ran ans Rad. Staubschutzkappe ab. Splint herauspopeln und dann die Kronenmutter abgezogen. Jetzt waren wir beim schwierigen Part angekommen, der Radmutter. Also erstmal die mitgelieferten Nüsse angeschaut um zu schauen welche Größe ich brauche. Irgendeine wird schon passen. Blöd wenn dann doch keine passt.................. :mad: Also zurück zum Baumarkt und noch eine 24er und eine 25er 1/2 Zoll Nuss besorgt. Die 24er passte dann, also rauf damit und gib Ihm. Die Mutter hatte dem Schlagschrauber dann auch nichts mehr entgegenzusetzen und schon ging die Felge runter. Dann die alte Felge mit dem neuen Reifen wieder drauf, Unterlegscheibe und Mutter wieder drauf und danach nur noch die Kronenmutter und den Splint wieder dran. Aber halt, warum will der Splint denn jetzt nicht vernünftig reingehen? Irgendwas hakt da. Ich dachte erst ich hätte den falschen Ersatzsplint besorgt, also wartete ich bis zum nächsten Tag und besorgte mir einen Originalen. Aber auch der wollte nicht rein. Hier stimmt doch was nicht?! Also Felge wieder ab und testweise die andere wieder drauf. Hmm, hier fluchtet der Splint wunderbar ohne irgendwo zu haken. Also muss ja an der Felge was anders sein. Beim aufsetzen der alten Felge mit dem neuen Reifen fiel es mir dann auch auf. Die Unterlegscheibe war auf der alten Felge festgegammelt und beim ausrichten der Felge auf der Getriebewelle plumpste diese dann plötzlich von der Felge. Das Ganze kann gar nicht richtig passen wenn man 2 Unterlegscheiben montiert wo nur eine benötigt wird ;) Die alte Unterlegscheibe war so sauber festgegammelt das ich immer annahm das wäre ein Teil der Felge. Wie auch immer, weiter geht's! Jetzt wieder den Auspuff anbauen was eine elende Frickelei ist weil die Haltemuttern vom Krümmer etwas suboptimal positioniert sind. Eine ist direkt über der Krümmung vom Auslass was es natürlich schwer macht da irgendeine Nuss oder Ratsche anzusetzen. Mit einem Schlüssel und viel Geduld ging es dann. Danach musste natürlich kurz probe gefahren werden :cool:

 

Der Unterschied zwischen den brandneuen Michelin und dem uralten und abgefahrenen China Schrott war wirklich extrem. Wo die Vespa vorher noch eher kippelig unterwegs war, so fuhr Sie jetzt deutlich schwerfälliger aber auch stabiler. In die Kurve muss man Sie jetzt schon mit etwas mehr Kraft wuchten aber dafür spürt an plötzlich sowas wie Grip und auch in Schräglage fühlt Sie sich jetzt deutlich weniger nervös und kippelig an. Hat sich also gelohnt :)

 

Damit war die Vespa nach elendig langen Jahren endlich wieder fahrbereit und "zugelassen". Einige werden mich jetzt für bescheuert erklären das ich so viel Zeit und Geld in das Wrack investiert habe, aber ich hatte einfach Bock darauf das Ding irgendwie wieder flott zu bekommen und dabei ein paar eigene kleine Idee einfließen zu lassen. Unterm Strich komme ich nach all den Jahren bei +-0 heraus im Vergleich mit einer vergleichbaren Vespa in gutem Zustand die läuft. Mit den ganzen optischen Spielerien noch ein paar wenige hunderter darüber, aber die hätte ich dann in die gute Vespa auch investieren müssen.

 

Ein Vorteil an dieser Geschichte: Der neue Motor ist die verbesserte Version bei dem ein paar der Kinderkrankheiten der ersten Modelljahre ausgebügelt wurden. Man hat ja bei mir gesehen was da alles so im Argen war wobei ich wohl auch einfach ein Montagsmodell erwischt habe. Es gibt durchaus Leute die mit dem ersten Motor 100.000km schaffen und da ist dann außer Service nichts gewesen. Darüber hinaus habe ich etwas über die Technik gelernt und auch einiges selber geschraubt. Viel von dem Kleinkram habe ich selber geschafft und das ist ja auch schon was wert :)

 

Nach der ganzen Arbeit ist es endlich an der Zeit zu genießen und fleißig Kilometer zu schrubben ;)

 

Die ersten kleinen Touren bin ich schon gefahren und soweit bin ich zufrieden. Der Motor kommt mit gut 3 Liter im Schnitt aus womit ich mit dem großen 9 Liter Tank schon gut 300km weit fahren kann. Das Top Case hat sich auch schon als sehr praktisch erwiesen. Nicht nur das ein Integralhelm problemlos reinpasst, es hat auch den Six-Pack Test erfolgreich bestanden :D Für den ein oder anderen Einkauf sollten Helmfach und Top-Case mit schon ausreichen. In Kombination mit der ordentlichen Reichweite für einen Roller ergibt sich so eine gute Alltagstauglichkeit. Hübsch muss also nicht gleich unpraktisch sein ;) Fürs erste bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, aber da wird zukünftig noch mehr kommen. Die nächsten Ideen spuken schon durch mein Hirn :D

 

To-Do Liste

 

 

 

Erledigt:

 

- Neue Zündkerze

 

- Neues Zündkabel

 

- Neue CDI

 

- Neue Lichtmaschine

 

- Neuer Benzinhahn

 

- Vergaser gereinigt und neu abgedichtet

 

- Neue Tachowelle

 

- Neue Tachoschnecke

 

- Batterie der Uhr ausgetauscht

 

- LX-Spiegel montiert

 

- Kickstarter einmal komplett erneuert

 

- Alte Kupplung durch Gebrauchtteil ersetzt

 

- Karosserie einmal aufpoliert und dabei alten Sprühlack entfernt

 

- Plastikanbauteile gereinigt

 

- Helmfachschloss repariert

 

- Motor mit neuen Kolbenringen versehen und neu abgedichtet

 

- Elektrik teilweise erneuert

 

- Benzin- und Unterdruckschläuche erneuert

 

- Neue Bremsbeläge vorne und hinten

 

- Neuer Antriebsriemen

 

- Original Top Case mit Rückenlehne

 

- Neue Reifen

 

- Neuer Auspuff

 

- Braune Ledergriffe passend zur Sitzbank aus dem Piaggio Zubehörsortiment

 

- Felgen entlacken lassen und neu lackieren lassen

 

- Neue Logos rundum

 

 

Optional:

 

- Gepäckträger vorne Chrom

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24.04.2020 17:00    |    Dynamix    |    Kommentare (25)    |   Stichworte: Vespa

Und weiter geht es mit Teil II. Kurzer Rückblick:

 

Im letzten Teil wurde die Vespa einmal auf das nötigste für einen Start durchgecheckt und diverse Kleinigkeiten eingestellt. Da Sie immer noch nicht anspringen wollte machte ich mit dem Schrauber aus das er Sie mal in seine private Werkstatt mitnimmt und dann schaut was er noch so an Fehlerquellen für das nicht anspringen findet. Dies ist auch passiert und dies ist auch die Stelle an der wir beim letzten Mal den Cut gemacht haben ;) Weiter geht's!

 

Ein paar Tage später nachdem die Vespa abgeholt wurde gab es dann schon die ersten Nachrichten. Der Motor wurde einmal ausgebaut, demontiert, neu abgedichtet und wieder zusammengesetzt. Der Motor selbst zeigte keinerlei Auffälligkeiten, Kolben, Zylinder, Kurbelwelle und so weiter sahen soweit alle noch in Ordnung aus. So beließ er es bei einem Satz neuer Dichtungen und neuen Kolbenringen. Wenn man das Ding schon mal offen hat.........

 

Danach war der ausgefressene Kickstarter an der Reihe repariert zu werden. Der Kickstarter sollte ein elementarer Teil der nächsten Startversuche werden, da Sie ja so früher oft ansprang und der ja eh fällig war. Sollte Sie angehen gibt es mit hoher Sicherheit ein Problem mit dem E-Starter. Einen Tag später kam dann die Nachricht das die Vespa läuft und das auch mit dem E-Starter, wenn auch hier noch etwas zickig! Scheinbar hatte Sie an der Elektrik Rost angesetzt und der Vergaser war völlig verstellt. So konnte das Ganze nicht funktionieren. Natürlich hab ich mich wie Bolle gefreut das die Vespa nach so wenigen Tagen bereits wieder gut lief. Am nächsten Tag gab es dann auch schon ein Video von dem laufenden Motor. Sie springt jetzt nach dem ersten Kicken sofort an, mit dem E-Starter zierte sie sich wie gesagt noch aber der Fehler sollte auch noch gefunden werden. Mit dem E-Starter springt Sie zumindest jetzt auch an, wenn auch nicht immer und nur widerwillig. Die Ursache dafür warum Sie bei mir gar nicht auf den E-Starter reagierte wurde ein paar Tage später gefunden. Bei der Montage der Spiegel hatte sich ein Kabel das zum Startknopf gehört in der Verschraubung der Spiegel verheddert und somit lag das betroffene Kabel der Zündung auf ständiger Masse. Deshalb flackerte das Licht auch nicht mehr beim orgeln. So konnte Sie nicht mit dem E-Starter angehen. Da wir die Spiegel für den Transport entfernt hatten war der Fehler erst aufgefallen als mein Schrauber die Elektrik kontrollierte und dabei anfing die Verkleidungen so langsam wieder anzubauen. Leider wollte Sie dann immer noch nicht so wie Sie sollte. Weitere Nachforschung ergaben das der Vergaser den ich hatte "revidieren" lassen durch die lange Standzeit endgültig kaputtgegangen ist. Die Beschleunigerpumpe war stark verrostet und die Membrane waren auch hin. Was mich an der Sache besonders ärgert ist das nach Demontage ersichtlich wurde das damals scheinbar nichts von den Sachen für die ich damals richtig Geld bezahlt habe gemacht worden ist. Nicht mal die Dichtungen wurden getauscht und die standen auf der Rechnung! Aber Hauptsache sofort ein Angebot machen den Motor mal für 800€ "aufzumachen" ohne daran irgendetwas zu reparieren. Entweder wollte man mich in der Werkstatt damals richtig ausnehmen oder direkt eine Neue andrehen. Zum Glück habe ich damals nach der ersten Rechnung schon die Notbremse gezogen. Naja, ist auch wieder 7 Jahre her und die Werkstatt war sich ja auch keiner Schuld bewusst als Sie meine Papiere verschlampt haben. Und sowas schimpft sich Vertragshändler, Saftladen! :mad:

 

Die Symptome welche die Vespa hatte bemerkte ich ja schon als ich Sie gekauft hatte, also musste der Vergaser vorher schon einen weg gehabt haben. Nachfrage bei meinem Schrauber bestätigte dies. Er meinte der Vergaser war mindestens schon seit 10 Jahren so, also länger als ich Sie habe. Da war also vorher schon was im Argen. Umso schlimmer das die Werkstatt das nicht gefunden hat, vor allem weil Sie den Vergaser ja einmal komplett gereinigt, neu abgedichtet und diversen Kleinkram ersetzt haben wollen.........

 

Spricht stark dafür das die an dem Teil nicht mal im Ansatz so viel gemacht haben wie behauptet. Aber all das meckern hilft ja nichts, muss ja weitergehen!

 

Also wanderte ein "neuer" gebrauchter Vergaser sowie ein Kanister neuer Sprit rein. Tadaaaa, es lebt! Damit erschien auch erstmals das Licht am Ende des Tunnels. Das Hauptproblem war scheinbar gelöst, aber es wäre keine echte Italienerin wenn Sie sich nicht noch etwas einfallen lassen würde. Einen Tag später kam die Nachricht das die Kiste wieder nur nach 30 mal kicken anspringt. Fottuto catorcio! Warum, warum nur?! Also ging es weiter mit der Fehlersuche. Dieses mal wurde er bei dem einzigen Teil fündig das weder er noch ich angerührt hatten: Dem Choke! Der Choke war zwar nicht aus dem alten Vergaser mitgewandert, allerdings war der Choke auch selbst gar nicht das Problem. Das Problem war eher das durchgescheuerte Kabel an dem der Choke hin. Da dieser elektrisch gesteuert ist kann er nicht funktionieren wenn das Kabel kaputt ist. Heißt der Choke tat nicht mehr was er soll und entsprechend springt Sie schlecht an und bleibt im Leerlauf nicht an. Ich weiß schon warum ich ein Fan von Einspritzern bin..........

 

Das erklärt auch die kleinen Elektrikmacken die uns zuletzt aufgefallen waren. Kaputte Kabel nix gut für Elektrik! Also wurde das ebenso repariert.

 

Am nächsten Tag bekam ich dann die Nachricht das die Probleme mit dem starten und dem Leerlauf damit immer noch nicht gelöst waren. Man musste das Standgas verdammt hoch einstellen damit der Motor überhaupt ansprang und am Leben blieb. Drehte man das Standgas beim laufen wieder runter lief Sie zwar, aber dann ging Sie beim nächsten starten nicht mehr an bis man das Standgas wieder abartig hoch dreht. Verdammte Axt, was ist das denn?! Mein Schrauber sagte auch schon das er sowas in über 25 Jahren Berufserfahrung noch nicht erlebt hätte. Wir gingen zwei Tage alle logischen Fehlerquellen durch um doch noch auf eine Idee zu kommen. Nur hatten wir diese Fehlerquellen alle schon abgehakt und auch repariert. So wurde der Entschluss gefasst den Motor noch einmal komplett auseinander zu nehmen. Er hatte sich dafür Verstärkung in Form seines alten Chefs besorgt der einen kompletten Ersatzmotor aus einem Unfallroller mitgebracht hatte. Es folgte ein langer Schraubertag und mitten in der Nacht erhielt ich dann die Nachricht das man den Fehler gefunden hat und gleich den Austauschmotor eingebaut hat und Sie jetzt schnurrt wie am ersten Tag. Uff! Was war passiert? Beim demontieren des alten Motors hatte man festgestellt das die Kurbelwelle einen weg hat. Würde konkret bedeuten neue Kurbelwelle und bei der Gelegenheit gleich den kompletten Motor neu machen. War aber keine wirkliche Option da verdammt teuer (Piaggio Teile kosten gefühlt Ihr Gewicht in Gold!) und dazu auch noch langwierig. Nein, danke! Da habe ich mich für kleines Geld dann für den perfekt laufenden Ersatzmotor mit allem drum und dran entschieden. Der "neue" Motor hatte keine 2500km runter und war somit eine reelle Option.

 

Ja, spätestens jetzt ist der Punkt gekommen in dem sich das Teil als Vollgrotte entpuppte. Aber was solls, jetzt einfach aufzuhören und wieder wegstellen oder verkaufen wäre noch dämlicher also zieh ichs jetzt auch bis zum bitteren Ende durch. Ich überlegte schon wie viel Nachwuchs ich in die Welt setzen müsste, damit ich genug Enkel bekomme denen man das Teil dann mal vererben könnte. Der Aufwand muss sich ja schließlich lohnen :D

 

Es zogen wieder ein paar Tage ins Land bevor ich die nächste Nachricht erhielt. Er hatte ein neues Problem gefunden das man gleich mit angehen sollte wenn man schon dabei ist. Das Lenkkopflager ist fertig und gehört getauscht. Mist, soviel zum Thema "ab jetzt nur noch Kleinigkeiten"...... Tja, hilft ja nix. Muss gemacht werden! Also gab ich Ihm auch hierfür die Freigabe. Das ganze dauerte gut einen Nachmittag und dann war das auch erledigt. Ein funktionierendes Lenkkopflager kann lebenswichtig sein und sollte bei Anzeichen von Defekten auf jeden Fall zeitnah getauscht werden.

 

Was sonst noch so gemacht werden sollte waren Dinge wie die hintere Bremse da man diese schon ziemlich nach hinten ziehen musste. Allerdings lag dies lediglich an dem vergammelten Verstellgestänge am alten Motor was beim neuen kein Thema war. Hier musste die Bremse also dann nur noch eingestellt werden. Ist ja schon einmal ein weiterer Pluspunkt für den Tauschmotor.

 

Durch den neuen Motor sind die ursprünglich angedachten Punkte wie neue Kupplung, Riemen und so weiter weggefallen. Ist ja auch mal ganz nett. Der letzte Punkt war der Tachoantrieb. Daran hatte ich mich selber schon einmal versucht, aber dann festgestellt das die Fettfüllung in der Radnabe schon ziemlich fest war und die Tachoschnecke hatte ich nur unter massiver Gewaltanwendung überhaupt herausbekommen. Zu mehr war ich dann auch nicht mehr gekommen, so durfte sich jetzt mein Schrauber damit im wahrsten Sinne des Wortes "herum schlagen". Er brauchte schon den dicken Hammer um das Ganze vernünftig demontiert zu bekommen. Dafür war der Antrieb und das Lager zu retten indem man das Ganze mal ordentlich sauber macht und neu fettet. Der Antrieb ist dann auch entsprechend auf den letzten Drücker fertig geworden. Armer Kerl, ich werde mir neben dem vereinbarten Arbeitslohn noch eine Kleinigkeit überlegen mit der ich Ihm noch eine Freude machen kann. Zwischenzeitlich trudelten bei mir auch die Bestätigungen für diverse Teilebestellungen ein. Das letzte fehlende Logo sollte am gleichen Tag noch eintreffen, die Reifen sollten am Ende besagter Woche kommen. Super, dann ist Sie bald technisch wieder fit für die Straße :) Ich zog also noch schnell los und holte das Geld und noch eine Überraschung. Später war es dann endlich soweit, nach langen 3 Wochen bekam ich die Vespa wieder :) Wir luden Sie aus und es wurde direkt mal getestet wie Sie jetzt so anspringt. Wahnsinn! Das Teil springt tatsächlich an! Auf dem E-Starter jetzt sogar gefühlt schneller als mit dem Kickstarter. So hatte ich mir das für das Teil immer gewünscht. Dazu läuft Sie jetzt schön geschmeidig und leise. Gleichmäßiger Durchzug und nicht dieses leicht ruckelige anfahren von der platten Kupplung. Ansonsten bekam ich noch diverse Kleinteile zurück wie Lichtmaschine, CDI, Spiegel und die originale Hinterradfelge da an dem neuen Motor noch das originale Rad hängt. Kommt mir aber insofern entgegen als das ich es dann leichter beim Reifenwechsel habe da ich dann nur noch das vordere Rad demontieren muss und ich das hintere Rad erst einmal montiert lassen kann und so eine Stütze für die Hinterachse habe solange die Front dann aufgebockt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei Anlieferung wurde mir allerdings dann auch wieder bewusst wie viel Ellbogenfett da in Sachen Optik noch reingeht, da ich ja die ganzen Plastikteile noch nicht aufbereitet hatte und auch da gab es vieles was der Vorbesitzer schwarz überlackiert hatte. Mir fiel auch erst nach der Anlieferung auf das die Reflektoren schwarz überlackiert waren. Ging natürlich gar nicht und ist davon ab auch illegal, da die Reflektoren mit zur ABE gehören. Wird auf jeden Fall behoben! Aber das wird eine andere Geschichte ;)

 

Für den Moment war ich fürs erste einfach nur froh das Sie wieder läuft und Sie somit wieder eine Zukunft hat.

 

To-Do Liste

 

Erledigt:

 

- Neue Zündkerze

- Neues Zündkabel

- Neue CDI

- Neue Lichtmaschine

- Neuer Benzinhahn

- Vergaser gereinigt und neu abgedichtet (Leider völlig umsonst)

- Neue Tachowelle

- Neue Tachoschnecke

- Batterie der Uhr ausgetauscht

- LX-Spiegel montiert

- Kickstarter einmal komplett erneuert

- Karosserie einmal aufpoliert und dabei alten Sprühlack entfernt

- Plastikanbauteile gereinigt

- Helmfachschloss repariert

- Motor mit neuen Kolbenringen versehen und neu abgedichtet (Auch für die Katz!)

- Elektrik teilweise erneuert

- Benzin- und Unterdruckschläuche erneuert

- Neue Bremsbeläge vorne und hinten

- Neuer Antriebsriemen

- Neuer, alter Vergaser

- Verkabelung vom Choke repariert

- Neues Lenkkopflager

- Austauschmotor

 

Offen:

 

- Neue Reifen

- Neuer Auspuff

- Original Top Case mit Rückenlehne

- Braune Ledergriffe passend zur Sitzbank aus dem Piaggio Zubehörsortiment

- Felgen entlacken lassen und neu lackieren lassen

 

Optional:

 

- Gepäckträger vorne und hinten Chrom

- Kaskadenstandlicht nachrüsten

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21.04.2020 16:17    |    Dynamix    |    Kommentare (17)    |   Stichworte: Vespa

Vor dem Projekt ist nach dem Projekt. Da der Blaue kurz vor seiner Vollendung steht und ich für die nächsten Monate nichts gravierendes erwarte war es an der Zeit mal die Dauerbaustelle, in Form meiner schwarzen Vespa ET4 50, in der Garage mal wieder anzugehen. Da die Autos in den letzten Jahren genug Zeit und Geld gefressen hatten und die Vespa auch lange nicht mehr lief hielt sich meine Motivation in Grenzen da großartig noch etwas zu machen. Zwischendrin habe ich dann zwar trotzdem immer mal etwas dran gemacht, aber das waren zum Großteil Kleinigkeiten.

 

Aber spulen wir kurz mal zurück:

 

Wir schreiben das Jahr 2013 und Herr D hatte Bock für die Stadt einen Roller anzuschaffen. Die Auswahl ist groß und die eigene Rollerzeit liegt auch schon wieder gut 10 Jahre zurück. Was sollte es werden? Da es auf jeden Fall 50ccm³ werden sollten musste es nichts sein das sonderlich gut zieht oder sportlich fährt. Dafür hatte ich damals ja noch den Peugeot und es sollte etwas werden das durchaus schick sein darf, aber auch in Sachen Alltagstauglichkeit punkten kann. Zum einen sollte die Sitzposition passen, zum anderen sollten 2 Personen einigermaßen gut darauf passen. So sichtete ich wochenlang diverse Inserate. Idee 1 war ein Kymco Yager. Hässlich wie die Nacht, aber für einen Fuffi bietet er 2 Personen fürstlichen Platz und Verstaumöglichkeiten gibt es auch noch. Leider waren die Dinger entweder viel zu teuer oder in einem eher erbärmlichen Zustand und selbst die schlechten auf die ich auf eBay mitgeboten hatte waren mir irgendwann zu teuer als das ich gesagt hätte ich pumpe da jetzt noch einmal den Kaufpreis für fällige Reparaturen rein.

 

Kandidat Nummer 2 war ein augenscheinlich gut erhaltener Suzuki Katana für gerade mal 300€. Geil, der sollte sein Geld selbst dann wert sein wenn er nicht fährt. Ich hatte mit dem Verkäufer ausgemacht das ich den Roller kaufe und abhole. Leider kam es dazu nicht da ich am Tag der Abholung auf Nachfrage beim Verkäufer nur die Antwort bekam das der Roller bereits verkauft sein. Toll, Transporter umsonst angemietet. Naja, zumindest konnte ich das Teil noch rechtzeitig stornieren. Angefressen war ich aber trotzdem.

 

Nummer 3 war ein Peugeot TKR in der Rallyeedition von einem Händler incl. Garantie. Aufgerufener Preis: 550€. Hmmm, durchaus attraktiv allerdings kam dann alles anders. Nebenher schaute ich auch immer mal wieder nach Vespas da es mir die Dinger durchaus angetan haben. Blöderweise liegen die Dinger in brauchbarem Zustand damals wie heute bei 1000€ und mehr. Nicht wenig für Fahrzeuge die zum Teil schon 20.000-30.000km gesehen haben. Dann stieß ich eines Tages auf eine Kleinanzeige im Netz wo jemand aus dem Raum Aschaffenburg eine Vespa ET zu verkaufen hatte. Nicht lauffähig, gut 10.000km gelaufen, jämmerlich lackiert aber karosserieseitig wohl noch ganz gut und nicht vergammelt oder mit Sturzspuren übersäht. Dazu eine der seltenen 4-Takter! Preis: Gut 400€.

 

Da wurde ich dann schwach und in mir keimte die irrwitzige Idee auf das Teil selber wieder herzurichten. Nachdem ich ein paar Daten gewälzt hatte und feststellte das die Vespen auch immer was größer sind, da Sie sich den Rahmen mit den größeren Modellen teilen, sowie der Tank mit 9 Litern schön groß ist war es eh vorbei. Die Vespa kann nicht nur hübsch, sondern auch etwas praktischer als die meisten Roller in der 50er Klasse. Dazu eine gute Ersatzteilverfügbarkeit dank Piaggio Einheitsantrieben. Einzige Kehrseite sind die verhältnismäßig gesalzenen Preise für Ersatzteile. Vespa fahren ist ein vergleichsweise teures Vergnügen! Trotzdem hatte ich mit der ET Serie mehr oder weniger genau das gefunden was ich mir vorgestellt hatte. Schick und praktisch in einem Paket vereint.

 

Das dies der Auftakt einer laaaangen Geschichte werden sollte ahnte ich damals noch nicht ;) So fuhr ich mit meiner besseren Hälfte eines Nachmittags einmal nach Aschaffenburg um den Roller abzuholen. Der Verkäufer hatte nicht gelogen und so stand die Vespa auch so da wie beschrieben. Es war absehbar das in das Teil viel Arbeit reingeht, aber mein Ehrgeiz war schon beim lesen der Anzeige geweckt. Also Kaufvertrag unterschrieben, bezahlt, aufgeladen und in die heimische Garage gebracht. Danach erst einmal Bestandsaufnahme:

 

- Batterie platt

- Reifen vorne mehr oder weniger tot, Reifen hinten zwar noch brauchbar aber auch nicht mehr perfekt

- Lack aus der Sprühdose, Mattschwarz und dabei sämtliche Embleme überlackiert :(

- Helmfachverschluss völlig im Eimer.

 

Ich besorgte erst einmal eine neue Batterie und siehe da, nach ein gefühlten Minuten des orgelns sprang Sie doch tatsächlich an! Leider starb Sie daraufhin direkt wieder ab. Man musste den Motor mit Gas am leben halten, da war wohl der Vergaser verstellt. Also Kennzeichen besorgt, angemeldet und immer mal ne kurze Runde um den Block gedreht um zu schauen was sonst so im Argen war. Als 4-Takter zog Sie keine Wurst vom Teller, aber Sie lief ansonsten anständig. Nur der Tacho war tot, ich tippte damals auf Tachowelle (war Sie nicht). Den kaputten Verschluss des Helmfachs hatte ich dann auch mal repariert. Bis auf das Schloss selbst war daran ansonsten alles kaputt. Der Mechanismus und sogar der Bolzen der das Helmfach verschlossen hält sobald das Schloß darin einschnappt. Ob da jemand bei einer Reparatur etwas grob am Werke war oder jemand versucht hat den Roller zu knacken? Keine Ahnung! Hauptsache es geht wieder ordentlich auf und zu.

 

Lange Spaß hatte ich an dem Roller jedenfalls nicht da mir nicht lange nach Kauf der Gaszug gerissen war. Damit war der Spaß erst einmal vorbei. Da die Reparatur kein großes Ding sein sollte habe ich mir den neuen Gaszug besorgt und alles sorgfältig eingebaut. Nichts hakte oder ging schwerfällig, also genau wie es sein sollte. Der Gaszug hatte auch die perfekte Länge, trotzdem wollte Sie plötzlich nicht mehr anspringen. Also beauftragte ich eine Werkstatt sich mal den Vergaser vorzuknöpfen da der auch nicht mehr so dolle aussah. Gut 250€ und einen Satz Papiere ärmer (ja, die Werkstatt hat die Papiere vermasselt und so getan als ob Sie von nichts wüssten!) bekam ich die Vespa dann wieder zurück. Anspringen tat Sie immer noch nicht und nach dem überaus verlockendem Angebot der Werkstatt das Sie für 800€ mal in den Motor schauen würden (ohne das Sie irgendetwas reparieren und natürlich ohne Teile) habe ich dankend abgelehnt. Diese Werkstatt hat zumindest meinen Roller zum letzten Mal gesehen!

 

Da versuche ich lieber selber weiter mein Glück. Mir war aufgefallen das der Roller besonders beim Starten mit dem E-Starter verdammt schlecht bis nie ansprang. Also setzte ich beim Thema Zündung mal an. Ich erneuerte einmal die komplette Zündung von der Zündkerze bis zur Lichtmaschine und allem was dazwischen lag. Half aber nichts. Den Roller bekam man, wenn überhaupt, nur mit dem Kickstarter an. So langsam war ich mit meinem Latein am Ende und da wir mittlerweile 2014 hatte und sich in der Zwischenzeit mein erster Amerikaner in meinen Fuhrpark verirrte war das Interesse an der Vespa erst einmal gestorben. In der Garage steht Sie sicher und trocken und Sie nimmt niemandem Platz weg. Also war die Jahre danach erst einmal das Thema Caprice angesagt. In der Zwischenzeit erledigte ich höchstens Kleinigkeiten wie einen neuen Benzinhahn. So ganz die Finger still halten konnte ich dann doch nicht und schaute immer mal wieder nach bestimmten Teilen. Darunter war auch das 4-Takter Logo welches für gewöhnlich auf dem Handschuhfachdeckel prangt und welches ich so noch nie gesehen habe da entweder abgefallen (wie bei meiner) oder kaputt (wie bei allen anderen) und somit für mich ein eher rares Teil welches ich aber unbedingt haben wollte. Irgendwann bin ich dann tatsächlich in Italien fündig geworden. Das wird das i-Tüpfelchen und wird definitiv am Schluss montiert wenn alles wieder läuft und der Roller optisch und technisch so dasteht das ich damit auf die Straße gehen kann :cool:

 

Wir spulen an der Stelle ein paar Jahre vor. Wir schreiben mittlerweile das Jahr 2019. Der Sommer ist heiß und plötzlich fällt Herrn D ein das er ja noch den italienischen Patienten (danke an Schwiegermama für diesen liebevollen Kosenamen) bzw. die Dauerbaustelle (diesen weniger schmeichelhaften Namen bekam die Vespa von meiner Angetrauten) in der Garage stehen hatte.

Hmm, basteln wir mal weiter! Da die Frau für eine Woche aus dem Haus war fing ich aus Langeweile an wieder daran zu basteln. Wenn ich es schon nicht schaffe den Fehler zu finden, dann will ich wenigstens versuchen den Sprühlack mit der Poliermaschine zu entfernen. Wie man in meinem Pflegeblog bereits lesen kann hat dies auch relativ gut geklappt. Das allermeiste ging runter und die ein oder andere Stelle muss ich mal mit anderen Geschützen bearbeiten in der Hoffnung das es dann klappt. Weiter ging es dann mit der Technik.

 

Da mir der Zündfunke über den E-Starter immer noch sehr schwach vorkam und ich den Kickstarter dank der ganzen Kickerei wieder einmal gehimmelt hatte tauschte ich beides wieder aus. Bei CDI und Lima entschied ich mich dieses mal für originale Piaggio Teile die natürlich um das x-fache teurer waren als die ganzen Nachbauteile aus dem Zubehör, aber ich wollte wenigstens schlechte Qualität ausschließen. Bei den 4-Taktern muss man aufpassen da es hier 2 verschiedene Zündsysteme gab. Meine hatte laut Teilenummer eine Ducati Zündung, also wurde so eine wieder bestellt. Die neue Zündung brachte keine wirkliche Veränderung, den Kickstarter konnte ich völlig vergessen da mittlerweile das Mitnehmerritzel so ausgefressen war das der Mechanismus stellenweise hing und auch schon anfing die Neuteile zu beschädigen. Der Part wurde also vertagt.

 

Leider ist Sie bis zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr startunwillig gewesen. Da auch die neuen Teile keine Verbesserung gebracht hatten, schaute ich mir den Vergaser noch einmal an. Grundsätzlich fördert der Sprit und den Benzinhahn hatte ich auch schon einmal erneuert. Half aber auch alles nichts. Irgendwann kam ich zu dem Schluss das es am Ende des Tages wohl nur an den Steuerzeiten liegen kann. Da ich mir das aber ums verrecken nicht selber zutraue war Hilfe von Nöten!

 

Ich überlegte eine Werkstatt zu beauftragen, allerdings machte mir das Cop Car in finanzieller Hinsicht erst einmal einen Strich durch die Rechnung. Außerdem wollte ich da nicht auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Eine aktive Baustelle auf einmal reicht, mein Leben ist so schon spannend genug! ;) So bekam der Caprice erst einmal seine neue Vorderachse und auch mein Blauer bekam in der Zwischenzeit noch ein paar Kleinigkeiten gemacht. Wir spulen wieder etwas vor! Wir sind mittlerweile mehr oder weniger in der Gegenwart im Jahre 2020 des Herren angekommen. Der Sheriff war technisch mehr oder weniger fertig und an dem Blauen gab es jetzt keine ernsthafte Baustelle mehr die irgendwie großartig Geld verschlingen könnte. Was macht man da? Richtig, man macht mit der nächsten Baustelle weiter :D

 

Da ich mir das einstellen der Steuerzeiten und der Ventile nicht selber zutraue suchte ich mir Hilfe. Zum Glück gibt es im Netz einige Vespa Communitys und so kam ich über 3 Ecken an jemanden heran der jahrelang bei Piaggio geschraubt hatte und entsprechend Erfahrung hatte.

 

Wir verabredeten uns gleich für den nächsten Tag damit er sich das Kuddelmuddel einmal ansehen konnte. Dabei ging er systematisch noch einmal sämtliche relevanten Punkte ab, da er ja selber nicht wusste was der Vorbesitzer da schon alles dran gemacht hat. Mir sollte es Recht sein, schaden tut es schließlich nicht. Zuerst fing er mit einem kurzen Startversuch um einen Eindruck zu bekommen. Sprang nicht an, aber soweit waren wir ja schon ;)

 

Er schaute sich zuerst einmal die Ventile an. Diese waren ordentlich verstellt also stellte er erst einmal das Ventilspiel ein. Dann der nächste Startversuch der leider wieder nicht von Erfolg gekrönt war. Danach war der Vergaser an der Reihe. Er wurde einmal kurz auseinander genommen und die Düsen begutachtet. Da der Vergaser schon einmal "revidiert" worden war sollte da nicht viel zu finden sein. So war es dann auch bis auf die Tatsache das dieses Gummiteil welches in der Schwimmerkammer saß nicht ordentlich drin saß. Aber das ist kein großes Problem. Nächster Startversuch, wieder kein Erfolg. Mit etwas Spielerei am Gemisch kommt Sie zwar ein bisschen, anspringen tut Sie aber immer noch nicht. Dann kam der Punkt an dem ich auch schon hängen geblieben bin: Steuerzeiten!

 

So baute er den Motor soweit auseinander das er an den Motor herankam. Dafür mussten der Spanner und diverse Kleinteile wie die Motorverkleidung weichen. Ein Check zeigte dann auch das die Steuerzeiten um ganze 2 Zähne verstellt waren. Zu wenig um den Ventilen dem Kolben vorzustellen, aber wohl auch zuviel damit der Hobel vernünftig läuft. Also war die nächste Amtshandlung: Steuerzeiten einstellen!

 

Dies war einfacher gesagt als getan, da die kleine Zicke anfing sich zu wehren. Irgendwas ist mit dem Spanner nicht 100% in Ordnung weshalb sich der Spaß beim Zusammenbau, wenn man nicht aufpasst, wieder um einen Zahn verstellt. Im dritten Anlauf klappte es dann aber endlich. Bei der Gelegenheit haben wir festgestellt das man den Spanner auch mal neu machen könnte, ist aber noch nicht akut. Danach alles wieder zusammengebaut und auf den nächsten Versuche gehofft. Leider wollte Sie jetzt immer noch nicht anspringen, Sie war aber immerhin etwas williger als zuvor. So langsam gingen aber auch meinem Schrauber die Ideen aus.

 

Nächster Punkt war das checken der Lichtmaschine und der Zündung. Zum Glück hatte ich die alten Teile zur Gegenprobe da! Erst die alte CDI eingebaut was aber keine Veränderung brachte. Dann ging es an die Lichtmaschine. Wir bauten erst das brandneue Piaggio Teil ein, dieses brachte aber auch keinerlei Veränderung. Dann verbauten wir zum Test das Altteil aber damit orgelte Sie deutlich schlechter. War also nicht der schlechteste Ansatz das Ding zu tauschen.

 

Was mir während der ganzen Testerei aufgefallen war, ist das die Beleuchtung am Lenker beim orgeln völlig tot ist. Normalerweise flackern Cockpitbeleuchtung und Hauptscheinwerfer ein bisschen im Takt des Motors mit während des anlassen. Witzigerweise flackerte das Licht sobald man es auf Fernlicht stellte, auf Abblendlicht tat sich aber gar nicht. Komisch! Aufgrund dessen testeten wir ob das Zündschloss nicht vielleicht eine Meise hat. Er überbrückte die Zündung aber auch das änderte nichts, dieses Zündschloss ist in Ordnung.

 

So waren dann auch mal eben 6 Stunden vergangen und es war auch schon sehr spät. Alle waren mit Ihrem Latein so ziemlich am Ende. Mein Schrauber sagte mir das er sowas in 25 Jahren Berufsleben sowas zickiges nicht erlebt hätte. Allerdings muss man auch sagen das er nicht viel von den kleinen 4-Taktern aus Pontadera hält ;) Da er an dieser Stelle jetzt auch nichts mehr machen konnte, bot er mir an die Vespa bei Gelegenheit zu holen und dann wirklich mal Motor und Kabelbaum in seiner kleinen Werkstatt in aller Ruhe auf links zu drehen. Irgendwo da muss was nicht stimmen, sonst würde der Haufen ja längst laufen. Meine Befürchtung ging schon in Richtung Motorschaden. Aber selbst wenn, im Vergleich zu den beiden Autos sind das Peanuts. Für das Geld was wir alleine in die Vorderachse des Sheriffs gepumpt haben, hätte ich locker 10 lauffähige Roller bekommen ;) Die Vespa war wie gesagt keine 100% rationale Entscheidung, okay, eigentlich waren es eine übermäig irrationale Entscheidung :D Aber ich hatte schon meine Gründe warum es mir die ET4 angetan hatte.

 

Punkt 1: Die Vespa soll als reines Stadtgefährt herhalten, da brauche ich nicht den Durchzug der 2-Takter.

 

Punkt 2: Der 4-Takter braucht nicht so viel Sprit wie die zugewürgten Zweitakter die problemlos 4-6 Liter im Schnitt fressen.

 

Punkt 3: Die Größe! Da sich die 50er ET-Modelle den Rahmen mit den 125ern teilen sind die Vespas als 50er etwas größer als der gewöhnliche 50er Roller die oftmals gar kein Pendant mit 125er Motor haben. Hier kommen dann die Vorteile wie mehr Platz und ein gut 9 Liter fassender Tank hinzu. Beides Punkte die nicht zu verachten sind :)

 

Punkt 4: Eine Vespa hat einfach Stil! Mit den Ideen die ich noch habe wird die Vespa am Schluss mal richtig gut dastehen. Nicht perfekt da Sie doch schon etwas Patina hat, aber bei weitem nicht so abgeranzt wie vorher. Dank der Arbeit mit der Poliermaschine ließ sich vom Lack noch einiges retten und ich hatte von meinem Schrauber den Tipp bekommen gegen den restlichen Sprühnebel mal eine Keramikpolitur zu versuchen. Vielleicht geht damit noch ein bisschen was.

 

Natürlich bestätigt gerade mein Exemplar so ziemlich jedes Klischee über alles was Räder hat und aus Italien kommt, aber da muss man dann auch mit leben. Ist ja jetzt auch kein Ferrari der richtig ins Geld geht sondern nur ein Roller der in Relation vielleicht euer ist, absolut gesehen aber für meine Verhältnisse noch eher mein günstigstes Projekt ist. Ich bin ja auf das Teil auch nicht mal im Ansatz angewiesen und es soll ja auch nur ein Schönwetterspielzeug für die Stadt sein :) Ist ja nicht so als ob ich für den Notfall keine 3 lauffähigen Autos hätte :D

 

Punkt 5: Die Vespa ist nicht nur hübsch, sondern in meinem Falle auch noch selten. Das Modell gab es wohl nur 4 Jahre und sonderlich gut verkauft hat es sich in Deutschland auch nicht. Da meine nachweislich nur einen Vorbesitzer hatte und dieser die Maschine in Deutschland gekauft und gefahren ist, habe ich da etwas ziemlich seltenes. Auch der Schrauber bestätigte mir dies. Das selten nicht gleich exotisch ist bestätigte er mir auch, da Piaggio schon seit Jahrzehnten mehr oder weniger die gleichen Antriebsstränge in alle möglichen Modelle packt. Besonders dieser Punkt spricht den Youngtimerfreund in mir an und so lange hat Sie es auch nicht mehr bis Sie sich offiziell so schimpfen darf. Ja, Vespa-Fetischisten rümpfen immer noch die Nase über die ETs und die späteren Modelle da mit Ihnen die Variomatik die Handschaltung verdrängt hat aber da ich es aus meiner Jugend eh nicht anders kenne ist mir das ziemlich egal. Mal davon ab entzieht sich mir der Charme des Gedanken für eine Beschleunigung auf 50 km/h 3-4 Gänge durchschalten zu müssen. Mal davon ab das so ein Schaltgetriebe wieder mehr Fehlerquellen hat, die Varomatik in modernen Rollern ist ja eher von der einfachen Sorte.

 

Ich willigte ein und es gingen ein paar Tage ins Land in denen wir uns berieten wie es weitergehen soll. Dabei sollten vor allem der zeitliche und der finanzielle Rahmen abgeklärt werden. Da ich es nicht eilig hatte und ich grundsätzlich bereit war etwas Geld in die Hand zu nehmen, auch wenn sich das finanziell eher wenig lohnt, wurde man sich nach gut 2 Wochen des Überlegens und Beratens einig wie es weitergehen sollte :) Der Plan sah vor Sie erst einmal ohne Rücksicht auf Verluste startbar zu bekommen, der Rest sollte dann die weitere Bestandsaufnahme zeigen. Kurz darauf wurde Sie dann auch schon abgeholt. Ab jetzt hieß es abwarten, Tee trinken und hoffen das er nichts schlimmes findet. Dies ist aber etwas etwas für Teil 2 ;)

 

Halten wir aber an der Stelle schon mal fest was bisher so passiert ist:

 

To-Do Liste

 

 

 

Erledigt:

 

 

 

- Neue Zündkerze

 

- Neues Zündkabel

 

- Neue CDI

 

- Neue Lichtmaschine

 

- Neuer Benzinhahn

 

- Vergaser gereinigt und neu abgedichtet

 

- Batterie der Uhr ausgetauscht

 

- LX-Spiegel montiert

 

- Karosserie einmal aufpoliert und dabei alten Sprühlack entfernt

 

- Plastikanbauteile gereinigt

 

- Helmfachschloss repariert

 

 

 

 

 

 

Offen:

 

 

 

- Neue Reifen

 

- Neuer Auspuff

 

- Kaskadenstandlicht nachrüsten

 

- Neue Bremsbeläge vorne und hinten

 

- Neuer Antriebsriemen

 

- Kupplung tauschen

 

- Braune Ledergriffe passend zur Sitzbank aus dem Piaggio Zubehörsortiment

 

- Felgen entlacken lassen und neu lackieren lassen

 

- Kickstarter reparieren

 

- Neue Tachowelle

 

- Neue Tachoschnecke

 

Optional:

 

- Gepäckträger vorne und hinten Chrom

 

- Original Top Case mit Rückenlehne

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Als Autonarr geboren und bei US-Cars hängengeblieben, so könnte man meinen automobilen Werdegang wohl am besten beschreiben ;) Meine Leidenschaft gehört allen US-Cars, meine wahre Liebe aber gehört neben meiner Liebsten der letzten Generation B-Bodys von General Motors. Anders lässt es sich auch nicht erklären das man gleich zwei Caprice besitzt :D

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