28.08.2012 13:01
|
taue2512
|
Kommentare (12)
| Stichworte:
675,
Agusta,
F3,
Motorrad,
MV,
MV Agusta,
Probleme,
Testbericht
Eigentlich sollten Kenner und Motorradexperten beim erklingen des Namens MV Agusta wohlwollend mit den Zungen schnalzen. Doch es scheint ganz so als ob die ehemalige italienische Edelschmiede sich ganz langsam ins Abseits mit ihren neuesten Modellen manövriert. Der Gründe dafür scheinbar eklatante Qualitätsmängel.
Die Motorradfachpresse freute sich bereits sehr als die ersten Vorankündigungen der neuesten „Low-Budget“-Version der Italiener, die davor eher durch innovative Sportmotorräder jenseits der 30.000€-Grenze auffielen, kundgetan wurden. Die F3 sollte mit ihrem 3-Zylinder-Motor und 675ccm Hubraum für ein sehr gutes Leistungsgewicht sorgen: Knapp 130 PS bei 173kg Trockengewicht zu einem Preis von 12.400€.
Doch was man als frischgebackener MV Agusta-Fahrer alles so erlebt, entbehrt allen vergleichen: Wie bei jedem neuen Produkt gab es erst mal ein paar größere Verspätungen in den Lieferfristen – aber irgendwann war endlich der große Tag gekommen: Die MV stand abholbereit beim Konzessionär im rund 400km entfernten Marseille.
Das Unglück nahm von da ab unaufhaltsam seinen Lauf: Bei der Abholung bereits erste kleinere Öl-Lecks im Bereich des Lichtmaschinengehäuses auf der linken Seite. „Das könnte vom Motorentest kommen“, den MV Agusta angeblich während des 30-Minütigen Testlaufs in der Produktion mit jedem Motorblock veranstaltet, versicherte der Händler beschwichtigend. Nach Aussage des Herstellers wird dort auch wirklich jeder Motor vor dem Einbau in den Rahmen dieser Prozedur unterworfen, dazu kam das das nagelneue Motorrad bereits 10km auf der Uhr hatte.
Die Rücktour stellte sich alsbald schnell als Tortur heraus: Trotz Berücksichtigung aller Einfahrregeln zeigten sich nach diesen ersten 400km schnell weitere Öl-Probleme: Statorgehäuse, Unteres Kurbelwellengehäuse und – besonders Besorgniserregend – ein sehr großes Öl-Leck zwischen Motorblock und Zylinder, da offenbar an einer Stelle mit Dichtungsmasse gespart wurde und fast das gesamte Öl ab 5.000 U/min schnell einen Ausweg in Richtung Hinterreifen fand.
MV Agusta zeigte sich zwar einsichtig und tauschte den Motor komplett, 5.000€ (zzgl. MwSt.) kostet so ein Spaß. Und zum Glück noch alles auf Werksgarantie. Wieder 400km zurück nach Marseille zum Händler und die schnelle Erkenntnis, dass am Motorrad so gut wie alle Schrauben mit dem falschen Drehmoment angezogen waren - werksseitig! Zudem schauten überall Kabel hervor, denn deren Verlegung war alles andere als „sauber“.
Nach ein paar Kilometern wieder Probleme, relativ starkes Öl-Leck am Getrieberitzel und offenbar Abstimmungsprobleme in der Elektronik. Das Standard-Mapping der F3 zeigte ein sehr eklatantes Leistungsloch bei knapp 4.000 U/min, gepaart mit einem kontinuierlichen metallischen Schepper-Klang und einer darauffolgenden – wegen des elektronischen Gasgriffs (Drive-by-Wire) nur schwer beherrschbaren – explosionsartigen und gefährlichen plötzlichen Leistungsentfaltung ab 8.000 U/min.
Dieses Problem wurde zumindest teilweise durch die Programmierung einer neuen Kennlinie behoben, der metallische Klang und der schwer zu dosierende Gasgriff bei höheren Drehzahlen verblieben allerdings.
Den Alltag des Fahrers bereicherte die MV Agusta F3 seitdem mit plötzlichem Motorabsterben, bevorzugt an roten Ampeln. Dann der Schock: MV rief alle Motoren für eine technische Änderung am Silentblock der Kupplungsstange zurück – selbstverständlich wurde dieses kleinere „Problem“ bei einem der nächsten unplanmäßigen Werkstattaufenthalte ebenfalls gleich miterledigt. Massive Ölverluste wurde zwar eingedämmt, aber dafür spielte nun die Elektronik verrückt. Die Ganganzeige hing meistens immer einen Gang hinterher (dafür wird es wohl bald den nächsten Rückruf geben).
Und da die MV Agusta F3 so herrlich inkontinent war, was das Öl anging so zeigte sie sich alsbald noch viel kreativer: „Fertigungstoleranzen“ - nennen wir sie mal besser „Qualitätsmängel“ im vorderen Bereich des Rohrrahmens sorgten schnell dafür das Wasser bei Regenfahrten in die Rohre eindrang und sich – nachdem es dort in den Rohren einige Zeit lustige Farben angenommen hatte - mit einem Schwall beim Bremsen auf die vordere Gabel ergoss. Das führte zu hässlichen Rostflecken, und das bei einem nagelneuen Motorrad.
Weitere Kleinigkeiten wie der Verlust von Lüftungsgittern der Verkleidung fallen bei so viel Fehler-Kreativität überhaupt nicht mehr groß ins Gewicht.
Kurzum, der neue Motor hatte knapp 3.000km gelaufen, das Motorrad stand insgesamt 6 Monate beim Händler.
In Anbetracht all dieser Probleme und bei einiger Suche in Foren, wo sich ähnliche statistische Häufungen in puncto Fehlern beim selben Modell finden lassen kann man eigentlich nur noch sagen das die Edelschmiede MV Agusta zwar das Marketing-Bremborium und den Hype um die Marke 1A beherrscht, die Qualität der F3 dabei aber aus eigener Erfahrung auf der Strecke bleibt. Und bei der hohen Anzahl von Fremdzulieferern, sind ein Großteil der gemachten Negativerfahrungen bestimmt keine Probleme die sich als „0-Serien-Fehler“ entschuldigen lassen. Eventuell sollte MV auch einfach nur mal die Vorauslieferungs-Testmannschaft im Stammwerk komplett austauschen?
Gerade wegen der vielen Probleme hege ich arge Zweifel an der Langlebigkeit der geschmiedeten Kolben, der Titanauspuffanlage und des Motorblocks an sich. Beweist das eventuell die These, dass die ehemals sündhaft teuren MV’s doch eher etwas für Sammler sind und nicht im Alltagsbetrieb gefahren werden möchten?
Die MV ist jetzt beim Händler gegen eine Ducati 848 getauscht worden - hoffentlich eine stressfreiere Alternative. |











Kommentare: 12
28.08.2012 13:10 |
Fordlover1975
Nächster kandidat für die VAG Gruppe: teuer und taugt nix, greifen Sie zu Herr Piech.....
28.08.2012 13:56 |
Bert Benz
Mit einer Audi Ducati sollte es demnächst aufwärts gehen.
Ansonsten Fahrzeugtechnik aus Italien sollte man IMO grundsätzlich und immer meiden, dafür ist italienisches Essen lecker und italienisches Design schön.
28.08.2012 13:58 |
Fordlover1975
Und dann noch Suzuki: Auweh!!!
Die neue VW Suzukatiguste....Fährt jetzt auch 100 Km ohne Panne..
28.08.2012 14:07 |
igor.krapotnik
Meine MV läuft seit 27 TKM wie ein Glöckchen (EZ 04/2010)
.
Gruß
Andi (der nix mehr anderes als MV will)
(454 mal aufgerufen)
28.08.2012 14:08 |
taue2512
@igor.krapotnik: Das liegt eventuell am Diesel! ;-)
28.08.2012 14:11 |
pieb
@Fordlover - es kann sich halt nunmal nicht jeder einen perfekten und unsterblichen Ford leisten. Hab doch ein bischen Verständnis für uns Nicht-Ford-Fahrer
28.08.2012 14:13 |
Fordlover1975
Leider baut Ford nur Autos und Traktoren bzw. baute. Lass uns doch mal das ultimative selbstensorgende Opelbike bauen.......
28.08.2012 15:44 |
Eric E.
der Ölaustrit vor der Sekundärkette sieht wie in schlecht gemachter Scottoiler aus
Grüße,
Eric
19.09.2012 17:40 |
PersyMV
Fahre seit 2006 MV. Davor 6 Jahre Yam. R1 u.s.w.
Die F4 habe ich bis 06/2012 gefahren u. etwas über 30.000 km gefahren.
Nur zufrieden, ausser Inspektionen keine Auffälligkeiten ... ach ja, Blinkerbirnen vorne 2 x durchgebrannt ....
Power-Comm. eingebaut bei 16.000 km..... u. glaubt mir, ich ziehe gerne am Kabel .....
Seit 17.06.2012 fahre ich die F3. Bis jetzt 3.200 km gefahren. Vorkommnisse = 0 = Null oder Zero.
Letztes Mapping vor 4 Wochen. Absolute Spitze.
Es ist z.B. möglich, im 4.Gang bei 50 km/h ohne Rucken zu " beschleunigen ".... aber wer macht das schon mit so einem drehfreudigem Motor. Das Schalten über Schaltautomat: fantastisch. Das Handling: traumhaft ( auch nach Meinung fast der gesamten Fachpresse - " fast " seid Ihr - ).
Hier trägt natürlich die rückwärtsdrehende Kurbelwelle ihr Teil mit dazu bei, übrigens ein Novum unter zugel. Motorrädern. Dadurch wird den Kreiselkräften der Räder entgegengewirkt u. das Handling enorm gesteigert.
Davon habt Ihr auch nichts geschrieben. In einem Test sieht sogar eine BMW 1000RR im Handling alt gegen die F3 aus ....
Werde das Gefühl nicht los, das Ihr 1.) ein Montagsmotorrad Hoch5 bekommen habt u. 2.) Motorradtesten nicht unbedingt Eure besondere Stärke ist ??

Habe Euch mal ein Foto von meiner F3 angehängt. Laufleistung auf dem Foto ca. 2.800 km.
Der Fahrspaß mit diesem Motorrad ist enorm. Das Leben müßte aus EINER KURVE bestehen .....
Ach ja, etwas Liebe zu ital. Motorrädern muß man auch mitbringen. Wenn ich den Motorlauf eines VW-Golf erwarte, dann lieber einen Japaner kaufen. Allerdings bevorzuge ich lieber Motorräder mit Charakter ....
(1234 mal aufgerufen)
22.09.2012 11:37 |
rouven77221100
Ich fahre seit 2000km F3..einfach ein Traum! Bis jetzt!
Vorher 8 Jahre R6, da war gaaaar nichts!
Gestern ist dann der MV Corse Kennzeichenhalter weggebrochen!
Wenn man sich das Teil anschaut, auch kein Wunder bei den Drilling Virbrationen + hartes Fahrwerk.
Wie das auch schon konstruiert wurde!
Jetzt steht das Teil in der Garage und der Händler muss mit MV ne Lösung finden. Bin mal gespannt:-((
Bestimmt das gleiche Teil wieder montieren und nach 2000km wieder kommen!
Ich lieb die F3 und sie ist ein tolles Motorrad aber solche Geschichten wie auch das mit dem Öl darf einfach nicht passieren
(369 mal aufgerufen)