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MOTORTESTS.de - Test und Erfahrungsberichte aus der MOTOR-TALK Community

11.12.2013 15:15    |    taue2512    |    Kommentare (14)    |   Stichworte: Elektroauto, EV, Mietwagentest, Model, ModelS, Model S, S, Tesla, WAVE

Wow! In 4,4 Sekunden fast vollkommen lautlos – ohne jegliche Schaltunterbrechung – von 0 auf 100km/h beschleunigt, der pure Wahnsinn. Eigentlich vom Gefühl her nur noch von der Achterbahn „Space Mountain“ im europäischen Disneyland bei Paris zu toppen.

 

 

Ein wenig nach Disneyland war mir vergangene Woche allerdings auch zumute, denn der Probefahrt-Event der Firma Tesla hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Nicht vom Produkt her, sondern vom Pampering-Faktor. Aber vielleicht ist dieses Konzept ja auch absichtlich so gewollt? Erst mal schön der Reihe nach.

 

Rückblende: Als die ersten Berichte vor über einem Jahr über die begonnene Auslieferung und die ersten positiven Pressereaktionen des 100% elektrisch angetriebenen Tesla Model S in Amerika über den großen Teich zu nach Europa schwappten reagierte ich sofort und tätigte eine unverbindliche Reservation. Durch eine Anzahlung von 4.000 EUR konnte man sich somit einen Platz in der stetig länger werdenden Warteliste von Interessenten für den damals noch sehr vage für „Mid 2013“ angekündigten Auslieferungstermin in Europa sichern. Das positive am Reservierungssystem: Bis zum Tag an dem man eine Aufforderung per Mail erhält, seinen eigenen Wagen im Web zu konfigurieren und die Reservation dadurch in eine feste verbindliche Bestellung wandelt, sei die Anzahlung sogar vollkommen risikolos rückerstattbar.

 

So buchte ich mir also voller Vorfreude einen solchen Platz, in der Hoffnung das kleinste Modell mit 40kWh mit ein paar Optionen wie damals im amerikanischen Konfigurator irgendwann im Laufe des Jahres 2013 für umgerechnet um die angepeilten 45.000 EUR (laut US-Konfigurator 58.570 US$ für die Basisversion) ebenfalls in Europa erhalten zu können, denn zusätzlich würde Frankreich für dieses Auto eine Maximalförderung von rund 15.800 EUR springen lassen, es wären also nur noch knapp 30.000 EUR zu finanzieren übrig, was ungefähr einem gut ausgerüsteten Golf entspräche.

 

 

Doch durch die Preisgestaltung in den USA kam es allerdings kaum zu Nachfragen für diese kleine Batteriekapazität und so entschied sich Tesla kurzerhand nur noch die 60kWh und 85kWh-Versionen des Model S auszuliefern. Der Preisunterschied zwischen 40kWh und 60kWh war jedoch enorm, denn das 60kWh-Modell sollte rund 71.000 US$, also umgerechnet 51.600 EUR kosten. Irgendwie hätte ich zwar diesen recht hohen Preis auch noch in meinem persönlichen Budget unterbringen können, aber die Bombe platzte nur wenige Tage später als die Europäischen Preise in der Presse erschienen, denn auf einmal wurden 68.000 EUR für das Basismodell des Model S mit 60kWh aufgerufen.

 

 

So sehr wie ich den innovativen Unternehmergeist von Elon Musk schätze, der nach genialen Coups im Internet wie PayPal und dem Raumfahrtunternehmen SpaceX nun die Automobilindustrie als „enfant Terrible“ gehörig aufzumischen versuchte. Ich war einfach nicht bereit mein anfangs gesetztes Budgetlimit nun um über 23.000 EUR zu überziehen. Nach etwas hin- und her gab es als Reaktion seitens Tesla zwar Lösungsansätze für mein „Luxus-Problem“, in Form von Offerten wie: „Sie erhalten eine 60kWh-Version etwas günstiger, die auf 40kWh elektronisch gedrosselt wird. Sie können dann das Auto jederzeit wieder auf die vollen 60kWh entdrosseln!“ Überflüssig zu erwähnen, das mich dieses überaus kundenfreundliche Angebot von Tesla zur Lösung meiner Budgetprobleme am Ende rund 3.000 EUR mehr gekostet hätte als ein 60kWh-Model S von der Stange. Meine Reaktion: Die Bestellung wurde kurzerhand storniert, da es auch in puncto Feedback zu dieser Zeit bei Tesla in Europa etwas zu hapern schien, was wohl mit der Tatsache zusammenhing das die Niederlassung in Holland im Aufbau befindlich war und sich die Prozesse zwischen den USA und den Niederlanden erst mal einlaufen mussten. Schade.

 

Aber irgendwie bin ich immer noch bei denen in der Kundenkartei als möglicher Interessent und so kam es das ich eine Einladung zur Probefahrt hier bei mir in Toulouse per eMail erhielt, die ich sogleich annahm.

 

 

• Vorstellung / Fahrbericht (+++++)

 

Der hier getestete Wagen ist die Highend-Version des Tesla Model S, die genaue Modellbezeichnung: Performance Plus 85kWh. Äußerlich nur durch den dezenten Carbonspoiler und das Typenschild erkennbar, besitzt dieser Wagen ganze 416-elektro-PS und spielt in der gleichen Klasse wie ein Porsche Panamera S. Listenpreis in Deutschland: 91.200 EUR, das gefahrene Modell hatte soweit alle verfügbaren Optionen verbaut und belief sich vom Preis her in Richtung 125.000 EUR. 8 Jahre Garantie auf die Traktionsbatterie und satte 500km Norm-Reichweite, sowie 5+2 (Not-)Sitze runden das gut geschnürte Paket ab.

 

Die Lenkung fühlt sich in allen über den großen Touchscreen regelbaren Einstellungen des dynamischen Fahrwerks erfreulich „europäisch“ an. Vom Handling überzeugt der Wagen trotz seiner recht stattlichen Außenabmessungen doch noch mit einem agilen und recht neutralen Fahrverhalten, der Federungskomfort kann beliebig dem eigenen Geschmack folgend justiert werden. Zwar ist der Wagen absolut kein Kurvenräuber für schnell gefahrene serpentinenreiche Bergstraßen, aber der Schwerpunkt liegt gefühlt in Höhe der Füße des Fahrers irgendwo unter dem Armaturenbrett. Einfach perfekt.

 

 

Die Linienführung der Karosserie wirkt nicht allzu innovativ, irgendwo zwischen Jaguar XKR und einem aufgeblasenen, in die Länge gezogenen Renault Laguna Coupé. Der Innenraum besticht durch eine edel anmutende Materialwahl vom Fußraum rauf bis zum Dachhimmel. Der Mercedes-Benz-Workshare-Anteil macht sich an den Lenkstockschaltern und den Bedienelementen der Fensterheber aus der E-Klasse bemerkbar.

 

• Bedienbarkeit / Intuitivität (+++++)

 

Ein Auto, das vollkommen ohne Knöpfe auf dem Armaturenbrett auskommt! Nur Warnblinkanlage und der Öffner für das Handschuhfach sind neben dem großen vertikal mittig auf der Konsole platzierten Touchscreen angeordnet. Hierüber kann über ein Android-OS-Derivat wirklich alles bis zum kleinsten Detail den Wünschen des Fahrers nach angepasst werden. Insbesondere das HD-Display, das hinter dem Volant platziert ist besticht durch seine Multifunktionalität.

 

 

Der Blinker erscheint sanft animiert nur dann wenn man ihn braucht, das zentrale Rundinstrument gibt jederzeit leicht ablesbar Auskunft über den aktuellen Verbrauch und die Historie und kann in weitem Umfang den eigenen Wünschen entsprechend angepasst werden.

Das Bedienkonzept für das 21. Jahrhundert.

 

• Verarbeitung / Qualität (++++O)

 

Der Innenraum macht durchweg einen sehr aufgeräumten und hochwertigen Eindruck, der Velours-Dachhimmel trägt wirkungsvoll zur Geräuschdämpfung bei und die Carbon-Intarsien der Armaturentafel wirken durchweg sehr hochwertig. Einzig und allein die Schenkelauflagefläche der Rücksitzbank verdirbt ein klein wenig das positive Gesamtbild, sowie die ausklappbaren zwei zusätzlichen Notsitze im Kofferraum die nur bis maximal 140cm Körpergröße brauchbar sind und das Fahrzeug zu einem – wenn auch durch eben diese Einschränkungen nicht ganz vollwertigen - 5+2-Sitzer machen – sind ein sehr innovatives Gimmick obendrein.

 

• Verbrauch / Nutzen (+++OO)

 

Sehr interessant für Vielfahrer ist sicherlich die Tatsache, dass für einmalig 2.700 EUR ein Leben lang das Netzwerk des Tesla Superchargers - also der hauseigenen E-Tankstellen - genutzt werden kann. Diese mittlerweile auch für Europa geplanten speziellen Ladestationen ermöglichen eine superschnelle Ladung auf bis zu 85% in ein paar Minuten. Man muss nie wieder auch nur einen Cent an der Tankstelle für das Volltanken bezahlen.

 

 

Auch wenn das Model S eines der ersten Vehikel ist, die für den Elektroantrieb entwickelt wurden, ist das Auto sicherlich beileibe kein Elektro-Sparwunder: Die rollende Batterie mit ihren 85kWh Kapazität und 500km NEFZ-Reichweite hat einen Verbrauch weit jenseits der 17Wh/100km (real deutlich mehr bis rauf auf 35kWh im Normalbetrieb). Das liegt doch sehr deutlich über dem Norm-Verbrauch eines C-Zero/iOn/i-MiEV oder Renault Zoé von derzeit ca. 15Wh/100km.

 

Wenn man nun aber der Fairness halber den Fahrspaß, die Fahrzeuggröße des Teslas, den Komfort und die vielseitigen Stauraum-Möglichkeiten miteinbezieht, relativiert sich die Effizienz-Kalkulation zugunsten des Model S sehr schnell.

 

• Kosten / Anmietung (++OOO)

 

Das bitterste an der Tesla-Preispolitik ist sicherlich das lokale Förderungen nur wenig in die Preisgestaltung einfließen. Eine eins-zu-eins Umkonvertierung von US$ zu EUR ist sicherlich nicht im Sinne des Kunden in Europa und öffnet die Türen für unautorisierte Grauimporte nach Europa. Sicherlich sind 125.000 EUR eine Menge Holz, sogar für ein Oberklasse-Auto mit vergleichbaren Fahrleistungen. In Betracht muss man sicherlich den deutlich geringeren Wartungsaufwand und die niedrigen Unterhaltskosten ziehen, was das Model S im Vergleich zu einem Panamera S oder 650'er BMW als Musterknabe dastehen läßt.


11.12.2013 15:39    |    nick_rs

Das Model S ist wirklich wunderschön. Eigentlich fast die "eierlegende Wollmilchsau".

 

Dass die Preise für Europa so stark anziehen ist schade und hätte ich nicht gedacht. :(


11.12.2013 16:50    |    Multimeter47946

Ich finde ihn im Innenraum überhaupt nicht schön, finde das es 0 zs passt..!


11.12.2013 16:52    |    JürgenS60D5

In einem Punkt muss ich dir widersprechen. Du sagst, er sei "beileibe kein Elektro-Sparwunder". Ist er darauf hin entwickelt worden? Und im Vergleich akzeptiert man einen massiv grösseren Verbrauch einer S-klasse im Vergleich zur A-klasse, aber hier ist es ein Problem?

 

Noch eines: das Pampern ist typisch amerikanisch. Ist halt so.


11.12.2013 18:32    |    Hellhound1979

Sind die angegeben US Preise, wie normalerweise üblich, Netto Preise oder Bruttopreise? Sollte ersteres der Fall so ist klar wo die Preisdifferenz her kommt -> Fahrzeugpreis+Überführungskosten+10% EU Einfuhrzoll+MwSt.

Für Deutschland gilt, das man auf den umgerechneten $ -> € Betrag satte 30% aufschlagen muß bis Ami hier zugelassen vor der Tür steht. Ist noch ein Importeur dazwischen der auch noch was verdienen soll geht der Preis noch weiter nach oben.

 

Ein Beispiel:

 

Mein Mustang hatte damals (2007) einen US Listenpreis von rund $25.000,- netto, das wären heute ca. 18.200,-€

 

18.200,-€

+ 700,-€ Transportkosten

------------

18.900,-€

+ 1.890,-€ EU Einfuhrzoll (10%)

------------

20.790,-€

+ 3.950,-€ MwSt. (19%)

------------

24.740,-€

+ 1.500,-€ Umrüst- und Zulassungskosten

------------

26.240,-€

 

Und schwups ist vom vermeintlichen Schnäppchen nix übrig geblieben. :)


11.12.2013 19:16    |    Rockport1911

Ein wirklich schönes und innovatives Fahrzeug, wenn es den für, sagen wir, 40.000 Euro geben würde könnten die sich vor Kunden kaum retten.

500km Reichweite und die Fahrleistung sind richtig gut, war vor ein paar Jahren nicht vorstellbar. Dazu noch das Design und das runde Gesamtkonzept.

 

Schade das Tesla hier einen echten Interessenten so vergrault hat....


11.12.2013 19:27    |    el lucero orgulloso

Huch, wusste gar nicht, dass du auch ein "Franzos" bist. :D

 

Interessanter Test und ein gutes Video - da konnte man sich ein schönes Bild dieses innovativen und außergewöhnlichen Fahrzeuges machen!


11.12.2013 20:07    |    audijan

Gibt es ein Foto der 2 Notsitze? Wie passen in den Kofferraum denn bitte 2 Menschen? Auch wenn die nur 1,40m groß sein dürfen kann ich mir das kaum vorstellen...


11.12.2013 21:24    |    bronx.1965

Sehr ausführlicher Bericht, tolles Video und ein Fazit, das gefällt. Sachlich, zweck-orientiert, kurz und inhaltsreich! Danke.

 

Das Display und die "Beschleunigung" gefallen mir ausnehmend gut. ;) Überrascht hat mich auch der vordere Kofferraum.


12.12.2013 00:33    |    steel234

WTF ist mit den Sitzen los ???

 

http://data.motor-talk.de/.../img-1525-2879682522253411151.JPG

 

So schlimme Blasenbildung hatte nichtmal mein Vectra b mit 210000 km und mein Astra mit 170000 km auch nicht, geschweige vom Insignia. Das ist NEUWAGEN und soll 125000 € kosten?


12.12.2013 00:46    |    GoLf 3 Bastler

Hi,

bin das Modell S85+ vor ein par Wochen in Hamburg gefahren als Anhang eines Interessenten.

Auch bei ihm gab es letztendlich ein par probleme was die Liefertermine und einige andere Kleinigkeiten anging, so das er die Bestellung ebenfalls wieder stornierte...

Im großen und ganzen kann ich deinem Text zustimmen... Nur die Verarbeitung war nicht ganz so toll meiner Ansicht nach... In zweiter Reihe konnte man doch hier und da Verarbeitungsmängel im Innenraum sehen und bei einem Auto das auf A8 und BMW 7er Level vom Preis her liegt hab die beiden Deutschen das besser raus :) Sitze vorne waren auch ein Manko ( Meine Meinung)

Und den E-Motor konnte man hinten auch recht gut hören ( Da wäre ein wenig mehr Dämmung nicht schlecht). Rein vom Fahrwerk und Fahrgefühl her aber gut für so eine junge Firma wie Tesla. Vom "Bums" wenn man mal drauflatscht ganz zu Schweigen :) E-Motor halt... das war schon beeindruckend.

 

mfg

Carsten


13.12.2013 12:51    |    KevinD89

Wie Steel234 schon schreibt, die Sitze sind mir auch sofort aufgefallen, sowohl was die Falten angeht als auch die ganze Form der Sitzfläche, geht für mich gar nicht, gerade nicht bei einem Auto in der Preisklasse.....

 

Ansonsten super Bericht, vielen Dank dafür!


14.12.2013 11:28    |    godam

das leder ist die eine sache....

was mich aber noch mehr stört ist das riesen display.

findet ihr das echt schön?

das sieht aus als hätte da jemand sein klemmbrett vergessen :eek:


14.12.2013 12:00    |    Federspanner3438

sieht von hinten ja auch fast garnicht aus wie der jaguar xf


Deine Antwort auf "Prob-E-fahrt: Tesla Model S P85+ (0-100km/h)"

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