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19.01.2020 23:20    |    jennss    |    Kommentare (166)

Herbert Diess hat am 16.01.20 eine Rede zum VW-Konzern gehalten. Ich finde sie in vielen Punkten sehr gut und interessant. Zu finden ist sie z.B. hier oder hier.

 

Als Hersteller darf man sich nicht ausruhen und muss immer mitdenken, wie die Zukunft aussehen könnte. Es gibt natürlich keine Garantie, dass man richtig liegt und so ist ein gewisses Maß an Mut erforderlich, in Zusammenhang mit Konsequenzen im Handeln.

 

Herbert Diess hat Nokia in der Rede erwähnt:

 

Zitat:

Ich erinnere mich noch gut an eine Situation, in der ich mir von Nokia Mitarbeitern – ich hatte einige Hundert übernommen – erklären ließ, wie sie im Kampf gegen Apple untergegangen sind. Die Logik war: „Wir haben 43 verschiedene Mobiltelefone, für jeden das richtige, kein Mensch will Touch, man muss das iPhone mindestens einmal täglich laden, während unser Akku eine Woche hält.“ Und: Nokia hatte Rekordjahre, war aber praktisch schon tot.

 

Steve Jobs hingegen hatte verstanden, dass sich die Funktion des Device grundlegend änderte. Der Zugang zum Internet wurde wichtiger als das Telefon selbst. Und auch die Ladezeit war für die Kunden nicht mehr so entscheidend. Wenige Jahre später war Nokia Geschichte.

Das ist der Grund, warum VW es jetzt mit der Elektromobilität so konsequent macht. Ich meine, es werden noch einige Autohersteller sterben, wenn sie den Zeitgeist nicht erkennen und auf's falsche Pferd bzw. auf die falsche Technologie setzen. Es hat ein großer Umbruch angefangen und ich bin sicher, viele andere haben nicht den Mut zu diesem radikalen Schritt in die Zukunft. Klar, er birgt auch das Risiko in die falsche Richtung zu investieren, aber ist das Risiko nicht noch größer, bei der bisherigen Technik zu bleiben? Ich sage mir immer: Nichts ist so beständig wie die Veränderung. Ich denke, Tesla wird ein großer Player sein, ist es eigentlich jetzt schon und wertvoller als Ford und GM zusammen. Kleine Hersteller fallen heraus. So ist das auch in anderen Bereichen, wenn die Technologien zu komplex werden. Herbert Diess hat auch die Digitalisierung mit Software erwähnt. Auch da ist ein Umbruch in Gange.

 

Ich denke da wieder an den Umbruch in der Fotografie zum Ende des 2. Jahrtausends. Von den ehrwürdigen deutschen Herstellern hat es nur Leica geschafft zu überleben. Leica war damals ein großer Vorreiter bei der Kleinbildfotografie und in die Digitaltechnik haben sie es so gerade geschafft, während Rolleiflex, Contax, Kodak, Zeiss-Ikon etc. reihenweise untergingen. Voigtländer baut immerhin noch Objektive ohne AF. Eine große Technologie braucht enorme Investitionen. Bei der Fotografie ging das schon mit dem Autofokus in den 80ern los (Minolta 7000 in 1985), später mit Sensoren, Software u.v.m.. Kleinen Herstellern würde ich unbedingt empfehlen Anschluss zu suchen an große. Sonst sind sie schnell weg, denn auch die Nische mit alter Technik stirbt oftmals irgendwann.

 

Ich würde Autoherstellern raten zu schauen, wie es Leica geschafft hat, mit einem Mix aus Eigenständigkeit, Kooperationen und der Besinnung auf ihre besonderen Fähigkeiten, ohne selbst Innovationen zu vergessen. Die haben so gerade noch die Kurve bekommen und das außergewöhnlich. Sie schwammen teils mit und teils gegen den Strom. Dem Management gebührt großer Respekt, nachdem sie den Wandel schon fast verschlafen hatten. Was die bei Huawei in die Handys bauen, ist top, und die Pflege der Leica M-Reihe ist grandios, finde ich. Der Schritt, das SL-Bajonett jetzt für andere Hersteller zu öffnen, war ebenfalls mutig, aber ohne Mut geht es nicht in die Zukunft.

 

Im Mittelmaß geht man im Teich der großen und finanzstarken Hersteller unter. Das gilt, je komplexer und integrierter die Technologien werden. Ich wünsche mir, dass möglichst viele deutsche Autohersteller überleben werden und nicht nur VW. Das Wichtigste ist wohl zu überlegen: Was können wir, was müssen wir einkaufen und wie positionieren wir uns auf dem Markt? Ideen und (realistische) Visionen sind besonders dann von Bedeutung, wenn man selbst nur begrenzte finanzielle Mittel hat. Die eigene Historie bzw. den gewachsenen Charakter einer Marke kann man durchaus auch in die neue Zeit transferieren. Man muss sich nur überlegen, wie.

j.

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15.01.2020 22:27    |    jennss    |    Kommentare (98)

Wenn ihr eurem Sohn den Führerschein zahlt und er sagt, er will einen E-Führerschein machen...

e-fahrschulee-fahrschule

Bisher gibt es nur sehr wenig Fahrschulen mit E-Autos. Das Problem ist, dass es ein Automatik-Führerschein ist, mit dem man keine Handschaltung fahren darf. Das ist ja auch klar, denn Handschalter muss man schon richtig lernen und das dauert ein bisschen bis es in jeder Situation gut klappt. Bei einem E-Auto besteht ja keine Gefahr, dass man es beim Anfahren abwürgt oder in den falschen Gang kommt. Gefühl für das Timing zwischen Gas und Kupplung braucht nicht geübt zu werden.

 

Nachteil eines E-Führerscheins wäre, dass man beim Ausleihen eines Autos nur Automatik oder E-Autos fahren kann. Sich mit Freunden auf deren Schalter-Auto im Urlaub abwechseln ist nicht. Oder auch der Umzug mit einem Kleintransport mit Handschaltung geht nicht. Zudem ist die Fahrzeugauswahl für Fahranfänger recht eingeschränkt. E-Gebrauchtwagen sind noch ziemlich teuer (E-Autos haben bisher leider nur wenig Wertverlust).

 

Trotzdem fände ich es gut, wenn es mehr Fahrschulen gibt, die auch reine E-Führerscheine (inkl. Automatik-Verbrenner) anbieten. Ein paar Gründe:

 

  • Der Führerschein wird billiger, weil man nicht so viele Fahrstunden braucht.
  • Der Führerschein ist schneller zu machen, weil man nicht so viele Fahrstunden braucht :).
  • Man kann Elektroauto-Spezifisches in der Praxis lernen (z.B. Laden, Apps etc.).
  • Ältere Leute, die am Führerschein manchmal sonst eine Ewigkeit brauchen, schaffen ihn jetzt überhaupt.
  • E-Auto ist die Zukunft (jawoll :D), warum also noch umständlich Schaltung lernen? Fahrschüler verlieren so auch die allgemeine Hemmung vor E-Autos.
  • Was bald noch kommen soll (eigentlich längst fertig sein müsste): Ein Beschluss, dass mit einer kleinen Zusatzprüfung auch Handschaltung gefahren werden darf. (statt komplett neue Fahrprüfung)
  • Fahrkosten in der Fahrschule sind geringer als mit Diesel, da man i.a. viel City fährt.

 

Ein Problem, warum es so wenig Fahrschulen mit E-Autos gibt ist die eingeschränkte Auswahl, denn der Prüfer muss hinten genug Platz haben. Ein Nissan Leaf oder ein eGolf sind auf jeden Fall geeignet, aber ansonsten ist die Auswahl noch recht dünn.

 

Was meint ihr, könnte es für eine Fahrschule sinnvoll sein, jetzt voll auf E-Auto zu setzen? Oder ist das Risiko noch zu groß? Würdet ihr euren Kindern von einem E-Auto Führerschein lieber abraten oder doch zustimmen, weil er günstiger wird (sofern ihr ihn zahlt :D).

j.

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11.01.2020 12:59    |    jennss    |    Kommentare (105)

Analoge AkkustandsanzeigeAnaloge Akkustandsanzeige

Eigentlich weiß ja jeder: E-Autos haben bei hohem Tempo stark ansteigenden Verbrauch. Bei Verbrennern ist das weniger stark, weil die bei geringer Last besonders ineffizient sind.

 

Bei unserem Smart EQ habe ich bei Kälte immer gleich wieder die Heizung abgeschaltet, weil die Reichweitenvorhersage enorm runterging. Heute hatte ich bei 1° C zuerst 110 km, dann die Heizung auf 20°C und Klima eingeschaltet (Lüftung habe ich immer eingeschaltet) und die Vorhersage ging auf 77 km runter. Bin dann 10 km Autobahn und 3 km drumherum gefahren. Restreichweite ist gestiegen auf 84 km. Nanu... ich verbrauche Strom und die Reichweitenvorhersage steigt? Ja, denn ich bin jetzt schnell gefahren und die Vorhersage galt für City, die ich zuvor gefahren bin. Des Rätsels Lösung: Die Heizung verbraucht konstanten Strom und in der City bin ich so langsam, dass der Stromverbrauch pro 100 km viel höher ist als auf der Autobahn. Der Strom alleine für die Heizung ist bei doppelter Geschwindigkeit nur noch halb so groß, da er ja pro 100 km angegeben wird. Wenn ich in der City einen Schnitt von vielleicht 30 fahre (inkl. Ampeln) und auf der Autobahn 120 km/h, dann verbraucht die Heizung dabei nur 1/4 des Stroms. Ich bin dann noch eine Strecke mit Tacho 140 gefahren. Das sind nach GPS 135 und beim Smart EQ ist das Höchstgeschwindigkeit. Der Verbrauch war dabei dann wieder etwas höher. Also dürfte die sparsamste Geschwindigkeit mit Heizung wohl etwa zwischen 100 und 120 km/h liegen. Ich könnte das mit Vergleichsfahrten nochmal genauer herausbekommen, ist aber einiger Aufwand und die Temperatur ist ja auch nicht immer gleich. Daher begnüge ich mich mit der Abschätzung :). Es ist aber gut zu wissen, dass die Heizung bei Autobahnfahrt keine so große "Sünde" mehr ist wie im Citybetrieb.

 

Allerdings habe ich auch festgestellt, dass das Fahren ohne Heizung im Winter erstaunlich problemlos ist. Die Jacke ziehe ich im Auto eh kaum aus, die Sitz- und Lenkradheizung verbrauchen keinen in der Reichweite feststallbaren Strom und auf längeren Strecken lege ich mir manchmal eine kleine Decke über die Beine. Das ist kein Aufwand und spart Strom/Geld. Wenn ich bei Autobahnfahrt nicht alleine bin, schalte ich jetzt doch die Heizung an, denn der Verbrauch ist ja nicht hoch :).

j.

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