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Halbgott

Eindrücke niedergeschrieben

25.11.2010 20:37    |    Druckluftschrauber2011    |    Kommentare (8)    |   Stichworte: Kuba, Urlaub

Recht spät folgt nun doch endlich einmal ein Beitrag zur Reise und ich kann nur hoffen, dass es noch ein paar mehr werden. Erlebnisse, welche es verdienen zu Geschichten niedergeschrieben zu werden, gibt es zumindest.

 

Doch beginnen wir mit den spannenden Tagen inmitten des Urlaubs.

 

Da wir ja bereits auf Hawaii gute Erfahrungen mit Reisen auf eigene Faust gemacht haben, wollten wir dies auf Kuba unbedingt wiederholen. Also stand fest, dass wir ein Auto leihen und bis nach Santiago de Cuba fahren. Während unseres Aufenthaltes im Hotel lernten wir zudem noch jemanden kennen, der sich ebenfalls bei der Reise beteiligen wollte und zudem mehr Wissen über das Reisen im Land und eine ordentliche Karte hatte. 2 Fakten, die sicher nicht verkehrt sind… dachten wir uns so.

Also am Vortag beim Vermieter ein „gutes Auto für kubanische Verhältnisse“ klargemacht, 2 Fahrer Namens Alex bestimmt (also ich mit dabei) und am Abend zeitig ins Bett, damit man fit und wach starten kann.

 

Doch genug Vorgeplänkel.

 

Die Nacht war viel zu zeitig vorbei. Jedoch nicht etwa weil der Wecker einen aus dem Schlaf gerissen hat, sondern weil ich das Gefühl hatte sterben zu müssen. Halt die Wand fest! Irgendwas von dem, was in meinen Magen gelangte wollte nicht lange in meinem Körper bleiben uns so begann der Tag mit Krämpfen im Bauch und der Frage, ob man sich trotz dessen ins Auto setzen sollte.

Aber dank der Überschrift werdet ihr euch denken können, dass ich es tat. Einmal weil ich dann doch nicht fahren musste/konnte/sollte und zweitens, weil eh nichts mehr in meinem Körper war, was ihn hätte verlassen können.

 

Mit Keksen als Nahrung setzten wir uns in unseren Hyundai Accent, welcher 100k auf der Uhr hatte und mussten ihn unbedingt verschönen. Dazu hatten wir zum Glück noch die Würfel, die bereits den Nissan auf Maui schmückten. Es war ein Traum!

 

Vom Hotel in Varadero machten wir uns auf in das 200km entfernte Santa Clara, welches die Stadt mit den 5 meisten Einwohnern auf Kuba ist. Es war nun auch das erste Mal, dass wir bei Tageslicht die Gegend der Touristen verlassen haben und uns davon überzeugen konnten, dass das Land unendlich am Sozialismus lahmt.

Mein Fresse, waren das Straßen, Wege und Häuser, welche uns da geboten worden sind. Und dabei war das alles noch der Nordwesten der Insel, der als wohlhabender gilt. Echt unglaublich, wie abgefuckt das alles aussah. Aber das erkennt ihr ja sicher auf den Bildern.

Nach einer ganzen Weile waren wir dann auch auf der Autopista, was die Autobahn ist. Eine komplett leere AB, auf der Pferdekarren unterwegs waren, Leute mit dem Fahrrad und Traktoren. Völlig vom Glauben fiel ich aber ab, als uns ein Fahrzeug auf der AB entgegengekommen ist und die Markierungen erneuert hat. Die haben die Leitlinien auf den Spuren erneuert in entgegengesetzter Fahrtrichtung und ohne Vorankündigung. Einfach die gelbe Bommel auf dem Dach angemacht und fertig.

In Deutschland würde der Straßenmeister nicht von 12 Uhr bis Mittag mit dieser Sicherung überleben. Un-glaub-lich!

 

In Santa Clara angekommen, begrüßte uns, ganz im Sinne von Diktaturen, ein großer Ehrenplatz mit Denkmal und Mausoleum. Hier wurde Che Guevara gedacht, der in dieser Stadt seinen größten militärischen Triumph feiern durfte.

Also sind wir dort ein wenig durch die Gegend gelaufen, haben Fotos geschossen und sind dann weiter in die Stadt. Immerhin war es Mittag und der Hunger meldete sich ein wenig. Meinem Bauch ging es zudem Zeitpunkt auch schon etwas besser.

 

Die Einwohner haben sich komplett auf die Touristen eingestellt und diese wohl als bedeutende Einnahmequelle gesichert. Wir waren dank unseres Mietwagens und des verräterischen Kennzeichens auch sofort als solche zu erkennen. (Nur Mietwagen haben rote Kennzeichen) Also war da so ein junger, motivierter Mann, der uns mit dem Fahrrad begrüßte und durch Handzeichen zu verstehen gab, dass wir ihm folgen sollten. Da blieb einem auch nix anderes übrig. Man wollte in die Innenstadt, er wollte uns in diese lotsen und abhängen ging auch nicht, da der Jung mit dem Rad uns in Sachen Geschwindigkeit und Wendigkeit, dank der engen Gassen, hoffnungslos überlegen war. Keine Chance da zu entkommen.

 

2 seiner Freunde bewachten dann auch unser Auto und dies alles natürlich nicht ohne Gegenleistung in Form von Geld. Der motivierte Radfahrer verstand das wir Hunger hatten und brachte uns dementsprechend wohl zur Tante des Cousins seines besten Freundes oder so. Nur leider war das Essen wirklich unverschämt teuer, so das wir nur was trinken wollten. Was dann nun aber die Schwester seines angeheirateten Onkels wiederum eher suboptimal fand und uns daher nicht bedient hat. Sehr merkwürdig aber das ging noch zu toppen.

Johnny Radfahrer führte uns nun zum nächsten Stand mit lecker Sachen. Burger für 1,50 CUC und somit verdammt günstig. Also gab es 4 Burger, 3 Bier und für mich ein Wasser. (Magenprobleme! You know?) Die Rechnung belief sich dann aber auf 27 CUC, was irgendwie mit den ausgewiesenen Preisen kollidierte. Nachdem wir das alles so nicht eingesehen haben und das Diskutieren starteten, konnte Radlerboy auf einmal kein Englisch mehr, dass Schild mit 1,50 für den Burger wurde entfernt, dann die 1,50 gegen eine 5 getauscht und schon stimmte die Rechnung wieder. Also zumindest für den Wirt.

Nach langen harten Verhandlungen, Androhung für Handelsembargos sowie leichter körperlicher Gewalt, fanden wir eine für alle Seiten unbefriedigende Lösung – einen Kompromiss.

 

Gut genährt schauten wir uns noch ein wenig die Stadt an und befanden recht schnell, dass diese durchaus attraktiv ist. Gepflegte Innenstadt du schöne Architektur. Die Attraktivität der Stadt nahm jedoch mit jedem Meter den man sich vom Stadtzentrum entfernte ab. Die Fassaden und Straßen sind einfach fertig!

 

Wir machen uns nun also auf, um nach Camagüey, der drittgrößten Stadt Kubas zu fahren. Oder wie wir es nannten „Komm und geh“ „come on gay“. 270 km standen auf dem Plan und erneut neue Eindrücke.

 

Es ist schon faszinierend bewohnte Häuser zu sehen, bei denen der Putz sowie die Fenster fehlen, Häuser, in denen noch niemand wohnte aber einer Ruine näher denn einem Wohnhaus waren. LKW als Transportmittel, auf denen 30 oder mehr Leute auf der Ladefläche standen. Ohne Sicherung, ohne alles einfach von A nach B.

Autos mit 3 von 4 Radmuttern, Plattenbauten die abartig aussahen aber voll belegt waren usw. Mit jedem Meter erkannte man mehr, dass es an alles Ecken am Geld mangelt.

 

Doch irgendwann waren wir in Camagüey, wo uns ein ähnliches Willkommen wie in Santa Clara erwartete. Ein Radfahrer schien bereits auf uns zu warten und erneut scheiterten wir bei dem Versuch, den Jungen abzuschütteln. Dieser zeigte uns nun irgendwie seinen Ausweis, was wohl darauf schließen lässt, dass die eine geprüfte Casa haben. Zumindest erklärte unser Begleiter auf der Reise dies so. Wie gesagt… er hatte da etwas mehr Ahnung.

 

Es gibt auf Kuba wohl solche geprüften Casa, die sich durch einen blauen Anker kenntlich machen. Wer mehr wissen will, kann dem Link folgen und die 3 Sätze lesen.

 

Die Casa war in einem grandiosen Zustand, die Betten bequem trotz dessen, dass man sich zu viert 2 Betten teilen musste. Dafür standen die 2 Betten auch in 2 verschiedenen Zimmern, wovon jeweils eines sein eigenes Bad hatte. Was will man mehr? Die Klimaanlage war unveränderbar und auf „Gipfel Mount Everest“ gestellt was Kälte und Windstärke anging. Kombiniert mit dem breit geöffneten Fenster konnte man jedoch vom angenehmen Klima im Zimmer sprechen.

Lediglich die Toiletten waren, wie oft auf Kuba, ohne Klobrille ausgestattet, die Lichte Höhe der Türen zu gering und das regulieren der Wassertemperatur beim Duschen abenteuerlich. Aber alles egal. Dafür war das Essen grandios. Grandios!

 

Das Beste Hühnchen habe ich damals beim BBQ auf Hawaii verspeisen dürfen. Aber das, was der Hausherr dort gezaubert hat, war dem schon sehr nahe. Lecker Huhn, Reis, frisches Obst. Einfach toll. Das Abendbrot war der Hammer! Der Hamme!

 

Die Stadt war so ein wenig durchwachsen. Sie lud dazu ein, sich zu verlaufen und dies wohl durchaus gewollt. Da die Stadt den Piraten öfter zum Opfer fiel wurden die Straßen und die gesamten Architektur dahingehend optimiert, dass man sich verläuft. Nix da mit Schachbrettmuster. Zumindest stand es so in dem Reiseführer, den unser Begleiter recht auffällig, zusammen mit der Straßenkarte, mit sich trug. Eigentlich fehlte nur das Schild: Ich bin Tourist! Schon ein wenig peinlich, da wir da irgendwie andere Vorstellungen vom Verhalten im Urlaub haben aber egal.

 

Es war Abend, es war Nacht und ratz fatz lachte uns das Frühstück an. Komischer Kaffee, ekelhafte Milch, Milchbrötchen und ein Eierkuchen sollten uns stärken für den Tag, an dem wir nach Santiago de Cuba wollten.

 

Doch damit geht es in Teil 2 weiter


25.11.2010 21:24    |    UHU1979

Danke für den interessanten Bericht. Auf den zweiten Teil freue ich mich schon. :)


25.11.2010 21:26    |    Spannungsprüfer47468

ach menno...das erinnert mich an meine reise auf cuba. allerdings damals noch ohne eigenem auto sondern mit bus, taxi und mit dem zug. ich schau mal die tage, ob ich noch ein paar bilder finde, die meine reise bestätigen. ;)


25.11.2010 21:45    |    Druckluftschrauber2011

Der zweite Bericht ist soweit fertig. Je nach Zeit folgt er morgen oder Montag. :)

 

Ihr seid mit Bussen dort unterwegs gewesen? Mit denen für die breite Masse oder den guten? Die Dinger für die Masse sahen ja etwas unschön aus. Sprich überfüllt und Steinalt.


26.11.2010 10:15    |    Spannungsprüfer47468

Ne, wir fuhren zwar auch teilweise mit den öffentlichen Bussen, aber in die richtig Großen und häßlichen haben wir uns dann doch nicht getraut. Man hört da ja die tollsten Horrorgeschichten. Die haben wir uns dann nur von außen angesehen und fotografiert. :)


26.11.2010 10:26    |    Spannungsprüfer47468

Schau mal hier, da hatte ich damals auch schon auf meinen Blog über Cuba´s Autos geschrieben...mein zweiter Artikel quasi. :) Und hier auch noch ein paar Bilder on top.


01.12.2010 16:26    |    Trackback

Kommentiert auf: Halbgott:

 

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01.12.2010 20:08    |    Fensterheber15352

Sehr schöner Reisebericht und schön locker geschrieben! Da fühlt man sich als wäre man selbst dabei gewesen. Wenn ich die Bilder sehe, dann habe ich zwei Gefühle: 1. Würde ich gerne selbst mal sehen. 2. Wir können froh sein, daß es uns hier in Deutschland so gut geht.

 

Schade, daß dein Magen "im Eimer" war, denn das Bier hat gefehlt ... ;)


10.12.2010 11:13    |    Trackback

Kommentiert auf: Halbgott:

 

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