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Halbgott

Eindrücke niedergeschrieben

29.10.2013 17:27    |    Druckluftschrauber2011    |    Kommentare (3)    |   Stichworte: Alltag, Bahn, DB, REISEN, Zug

Es gibt so Moment, da zweifelt man teilweise an sich, ein wenig mehr an der Welt und ganz besonders an der Person gegenüber. So auch am Sonntag, als ich tiefenentspannt im Zug saß und eigentlich nur nach Hause wollte, so wie so oft. Doch fangen wir am Anfang an.

 

Seit gut über einem Jahr fahre ich regelmäßig mit der Bahn. So richtig schön mit Bahncard, grünem Gewissen und schön unaufgeregt. All den Unmut gegen die Bahn konnte ich nie nachvollziehen. Die Züge fuhren immer weitestgehend pünktlich, waren sauber etc. pp. Alles schön. Das blödeste waren maximal stinkende Menschen und das Warten auf den Anschlusszug im Winter, wenn es dann doch kühl um die Nase wurde.

Kurz gesagt – Bahnfahren ist okay bis gut.

 

Sonntag wollte ich nach einem schönen Wochenende Heim. Die Fahrt von Leipzig nach Cottbus sollte damit gekrönt werden herauszufinden, ob Nicholas Brody nun umgedreht wurde oder nicht und was das Finale der Staffel 1 von Homeland nun mit sich bringt. Und ehe man es sich versieht, steht die Zugbegleiterin schon vor einem. Mein Ticket per App sowie Bahncard und Ausweis im Anschlag, war ich mir sicher, dies ist wieder eine Sache von wenigen Sekunden. Manch einer kontrolliert das Ticket nicht einmal, wenn man sein Smartphone in die Höhe hält. Sonntag war aber alles anders.

 

„Sie müssen das Ticket ausdrucken. Sonst zählt es nicht“ war dem freundlichen „Hallo“ oder „guten Abend“ gewichen und somit ein perfekter Start, für ein ergebnisoffenes Gespräch.

Auf meine Nachfrage, seit wann dies denn so sei, da ich diese Art des Reisens seit über einem Jahr praktiziere und es noch nie etwas ausdrucken musste, bekam man die einzige plausible und auch logisch nachvollziehbare Antwort.

„Das ist schon immer so.“

Ich hätte vielleicht sagen sollen „Danke für die Ausführungen. Wenn man mir Dinge so erklärt, verstehe sogar ich sie.“ Aber irgendwie wollte ich es dann doch genau wissen. Ihre Erläuterungen darüber, dass das mit den Tickets so unsicher sei und das damit ständig betrogen wird erwiderte ich, dass ja auf der Homepage der Bahn steht, dass ich es nicht muss. Auch nicht bei der Buchungsbestätigung oder überhaupt irgendwo.

 

Recht schnell merkte ich, dass ich mit der Buchungsbestätigung, den Nutzungsbedingungen, dem Auftritt der Bahn im Internet etc. nicht gegen ihr Argument „Das ist so“ ankomme. Also entspannen. Rausschmeißen wollte sie mich auch nicht. Nur das nächste Mal, sollte sie mich noch einmal ohne gültiges Ticket erwischen. Das Gespräch verflachte und sie ging weg. Der perfekte Moment, um es Revue passiere zu lassen und sich stetig hineinzusteigern.

 

Meine kurze Rückfrage bei der Bahn via Twitter brachte zum Vorschein, was ich schon wusste. Die Leute, die da sitzen, kennen auch nur dir Regeln, die ich kenne. Das Update durch die Sonderschulung der Zugbegleiterin hatten die noch nicht erhalten. Brachte also auch keine neuen Erkenntnisse.

 

Als sie dann erneut an meinem Sitz vorbeiging, merkte ich an, dass es auch nach Rücksprache bei der Bahn so aussieht, dass ich nichts ausdrucken muss. Mein Vorschlag ihr all den Schriftverkehr zu zeigen, damit sie es schwarz auf weiß sieht, konterte sie damit, dass

„die da sitzen eh keine Ahnung haben“.

Auf Rückfrage, ob damit auch die gemeint sind, die die Inhalte der Homepage entwerfen, bei der sich tausende Menschen informieren und ich ein „ja“ erhielt, wusste ich auch nicht weiter.

 

Sie war im absoluten Recht und egal was man sagte, zeigte, beweisen konnte etc. war völlig trivial. Aber das war ja noch nicht einmal das Schlimmste. Das Auftreten und die gesamte Art und Weise. Behandelt zu werden wie ein achtjähriger dummer Junge, der schwarz Bahn fährt, obwohl man dies noch nie getan hat, geht gar nicht.

 

Ich hätte platzen können. Es war der HASS. Und es hat mir Homeland versaut, was noch schlimmer ist!


12.11.2013 21:22    |    Fensterheber15352

Super geschrieben ... und damit sehr nachfühlbar. Ich denke das ist wieder mal ein Fall von "Ich bin mit meinem Job unzufrieden weil ich nichts zu sagen habe und deshalb lasse ich meinen Frust an anderen aus, und Kunden sind ohnehin nur lästiges Übel." Meine Erfahrung bei der Bahn zeigt, dass es offenbar sehr viele Extreme und wenig in der Mitte gibt: Die hoch motivierten und die oben beschriebenen.


12.11.2013 22:09    |    xHeftix

Die Bahn ist doch super.

 

Unpünktlich

Unflexibel

Teuer

Dreckig

Unfreundlich

 

Gut das ich ein Auto habe und kein Zug fahren muss ...


08.12.2013 13:43    |    Tecci6N

Ich habe auch schon andere Zugbegleiter kennenlernen dürfen :) Bin mal in den falschen ICE gesprungen (der war verspätet und fuhr zu dem Zeitpunkt, an dem eigentlich meiner regulär fahren sollte, ein Blick auf die Anzeige hätte mir das auch verraten :D). Die Dame hat dann ein Leerticket ausgedruckt und meine Situation mit Kuli auf der Rückseite erläutert, ich durfte dann KOSTENLOS vom nächsten Bahnhof mit dem ICE wieder zurück fahren. Mal was anderes ;)

 

Ansonsten, die Begründung kenne ich auch, wenn auch in anderer Ausprägung. Ich habe noch die drei Säulen der öffentlichen Verwaltung lernen müssen: das haben wir schon immer so gemacht, das haben wir noch nie so gemacht und da könnte ja jeder kommen :D

 

PS: Ich bin gerade am RSS-Feed durschauen von diversen MT-Autoren, es fehlt noch die Barcelona-Fortsetzung :D


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