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30.08.2011 23:16    |    SerialChilla    |    Kommentare (11)    |   Stichworte: 125 Jahre, bestes Auto, erstes Auto, Nostalgie

125 Jahre Automobil sind geschafft. Auch diejenigen, die wie ich noch nicht so lange dabei sind, haben einiges miterlebt. Die technische Entwicklung hält niemand auf (außer vielleicht die Öllobby? :p ) und man fragt sich mittlerweile, ob der ganze Fortschritt auch wirklich gut ist. Klar, Autos werden sicherer, Motoren effizienter. Dafür wird aber durch die vielen Helferlein und ähnlichen Ballast alles immer schwerer und verliert an Charakter. Handgedängelte Formen mit Stil und dem gewissen Etwas werden nur noch von einigen wenigen Manufakturen hergestellt, die großen verkaufen Einheitsbrei mit unverkennbarem Markenemblem.

 

Auch wenn mein aktueller Fuhrpark ein stereotypes Bild von mir zu vermitteln scheint, bin ich damit im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Allerdings gibt es ein Auto, dem ich immer nachweinen werde: Mein allererstes. Es war ein Unikat und ist unwiederbringlich, es bleiben nur meine Erinnerungen und ein paar Fotos. Um es euch besser vermitteln zu können, muss ich jedoch etwas ausholen.

 

Damals

 

Schon damals wichtig: FahrzeugpflegeSchon damals wichtig: FahrzeugpflegeWir schreiben das Jahr 1988, es war Sommer und ich feierte meinen vierten Geburtstag. Ich lebte im Ostteil Berlins und wollte schon damals auf die andere Seite, weil es da so schöne Spielzeuge gab. Westverwandtschaft sei Dank hatte ich aber auch so einige prachtvolle Exemplare.

 

Seit frühester Kindheit war abzusehen, dass aus mir ein Autonarr wird. Mein drittes Wort war Auto und auch die Farben habe ich anhand vorbeifahrender Fahrzeuge gelernt - beachtlich, wenn man die Farbpalette der DDR-Fahrzeuge berücksichtigt ("Ich geh schlafen, wenn ein rotes Auto kommt.").

 

Selbst ist der Mann

 

Das Auto prägteDas Auto prägteIn diesem Jahr machte mir mein Opa ein ganz besonderes Geschenk. In unzähligen Stunden hat er heimlich an einem eleganten Roadster gebastelt. Ohne Rücksicht auf Trabbi, Wartburg, Lada und co. baute er in reiner Handarbeit ein eigenes Modell: Einen sportlichen Viersitzer in grün. Uni versteht sich, mit Metalliclack wär ich auch zu sehr aufgefallen. Dafür gab es Speichenfelgen, einen Außenspiegel auf der Fahrerseite, ein Sportlenkrad (ohne Servounterstützung, ich bin Purist) und ein selbstgeschnitztes Kühlergrillemblem. Riskant - er hatte sich als Vorbild für eine Automarke des kapitalistischen Staatsfeindes entschieden. Außerdem werteten elegante blaue Zierstreifen an der Motorhaube die Optik auf, außenliegende Türscharniere betonten die Handarbeit.

 

Da stand es nun, mein erstes eigenes Auto. Höchstgeschwindigkeit? Naja, so schnell, wie mein Opa laufen konnte, während er uns schob. Wenn ihr mich fragt: Ganz schön schnell! Roadstertypisch war das Fahrwerk äußerst straff abgestimmt. Die Vollgummibereifung sorgte für die nötige Traktion, selbst im Grenzbereich saugte sich der Bolide geradezu an die Straße. Oder an den Rasen. An unseren Garten. :)

 

Ein frühes Ende

 

Kleiner Roadtrip mit den LadiesKleiner Roadtrip mit den LadiesLeider nahm die Geschichte dieses unglaublich tollen Autos ein jähes Ende. In einem Anflug jugendlichen Leichtsinnes entschied ich spontan, dass ich zu alt dafür sei - er wurde geschlachtet. Und auch wenn dies ein unwiederuflicher Fehler war, bleibt die Erinnerung an viele wunderschöne Stunden mit meiner Schwester, meinen Freunden und natürlich meinem Opa, der zuverlässig den fehlenden Motor ersetzte. An dieser Stelle ein großes Dankeschön, nicht nur dafür!

 

Einen vergleichbaren Renner werde ich nie wieder besitzen. Aber wenn meine Zukunft vorher nicht schon besiegelt war, dieses Auto prägte mich endgültig. Fahren, pflegen, schrauben, andere teilhaben lassen - all das gehört für mich bis heute zum Auto fahren dazu.

 

Schwesterherz (l) und Erbauer (r)Schwesterherz (l) und Erbauer (r)Achja: Für den Winter hat mein Opa mir damals auch einen lenkbaren Schlitten gebaut. Wen wunderts also, dass ich ein Winterauto habe? :)


30.08.2011 23:29    |    VentusGL

Schöne Story. Schade, dass er keine Kette hatte zum selber treten. Dann wäre das Ding meiner Meinung nach ideal gewesen :)


30.08.2011 23:37    |    marcus211185

Wirklich schöne Story und vorallem erinnert mich das auch an meine Kindheit, bin nämlich auch aus dem Osten :)

Also ich hatte trotzallem eine schöne Kindheit :)

Und anhand deiner Bilder sieht man, das es bei dir ja auch so war :)

 

Vorallem erklärt es deine Liebe zu der Volkswagengruppe ;) :D


30.08.2011 23:49    |    SerialChilla

Ventus: Sowas hatte ich dan später noch. :)

Auf mein Kettcar haben wir erst eine Pappkarosse gesetzt, später was mit Holzgestell und Stoffbezug in Knight Rider Optik. Auch richtig cool, aber einfach nicht mehr dasselbe...

 

marcus: Da hst du wohl recht... :)


31.08.2011 00:24    |    Andi2011

Also meine Auto Geschichte ist hier nachzulesen und ähnelt der deinen an einigen Punkten sehr,auch wenn mein erstes Tretauto gekauft war:)

 

Meine Autoliebhaberei ist ebenfalls in der frühen Kindheit begründet und wurde auch maßgeblich vom ersten eigenen Auto meines Vaters geprägt, ein wunderschöner Ford 12m.

 

Meine Markenvernbundenheit zu Ford rührt vieleicht auch daher,obwohl ich kein Markenfetischist bin,Autos haben mich immer fasziniert,markenübergreifend und losgelöst von allen markenspezifischen Zwängen - wenig finde ich bei diesem Thema dümmer als seine eigene Autoliebe zu verherrlichen und die eines Anderen nicht zu akzeptieren oder gar zu verurteilen.

 

Allerdings ist es bei mir so,dass ich die Entwicklung des Automobils generell weniger kritisch sehe,"alte" Fahrzeuge haben für mich natürlich eine besondere Faszination,genau wie bestimmte Sportwagen, aber "neue" Fahrzeuge mit ihren technischen Feinheiten,vielen inovativen Ideen die das Autofahren ebenfalls spannend,schön und auch entspannend gestalten,find ich ebenfalls klasse!

 

Sehr schöner kurzweiliger Blogbeitrag,fein gemacht!:D

 

Grüße

Andi2011


31.08.2011 03:16    |    S1 Pikes Peak

Absolut toller Bericht.

 

Nun, 1988 war ich schon scharfe 365 Tage alt, sprich 1 Jahr.

 

Bei uns in Österreich hat man zwar einiges von eurem OST- WEST Debakel mitgekriegt, aber eben nur über TV.

Irgendwie tut es mir leid für euch dass das damals so war und ich bin froh dass ich dass nicht erleben musste.

 

Aber wie man sieht, habt ihr ja auch Sonnentage gehabt und manch einer Gottseidank eine schöne Kindheit.

 

 

Was mich zur Marke Audi Bewegt ?

 

Mit 8 Jahren hab ich auf einem Audi 100 Avant 2.3 Typ44 fahren gelernt.

quattro ?, dass zählte für uns zur basisaustattung und war selbstredend pflicht :cool::D

 

Er war schön, Tornadorot haaach wie ich diese Farbe liebe, und dann dass Staunen der Leute wenn mein Vater (mir zu liebe) den 5-Zylinder Sprechen ließ.

Gott, da fängts zu kribbeln an.:)

Und eines schönen Tages mußte er zum Service, die Stammwerkstatt hatte urlaub und wir wollten auch in den Urlaub somit mußte eine andere Werkstatt ran.

 

Ergebniss: Wagenheber aufnahme ? Ach braucht doch keiner.

 

Somit wars dass für ihn. :mad:

 

In diesem Sinne, schön dass wir noch wußten was Autos sind.

 

MFG, der S1 Pikes Peak alias Martin (der jezt endlich schlafen geht)


Bild

31.08.2011 05:57    |    game-junkiez

Genial, Daumen rauf:)

 

Viele Grüße

 

g-j:)


31.08.2011 11:29    |    Bianca

WOW - was ein toller Opa!!!


31.08.2011 11:47    |    SerialChilla

Der beste! :)

 

andi & Martin: Sehr schöne Geschichten. Man wird eben nicht ohne Grund Autonarr...

 

g-j: Danke! :)


31.08.2011 12:44    |    S1 Pikes Peak

Ja die Kindheit prägt einen.:)

Mfg Martin


31.08.2011 13:00    |    pieb

Nachdem mein erstes Wort Auto war und meine Eltern nach meiner Geburt heirateten (ich glaub ich war 2), habe ich zur Hochzeit einen roten Tretporsche als Cabrio bekommen...ich war der Star unter den Kiddies auf der Feier - Anzug mit Krawatte und rotes Porsche Cabrio - das hät ich heut auch gerne, allerdings eine Nummer größer.:)


31.08.2011 15:36    |    Gybrush_lucas

Echt klasse.

Ich hatte leider nicht lange von meinen Opas.

 

Zitat

VentusGL:"Schade, dass er keine Kette hatte zum selber treten".

 

Mit Kette würden da bestimmt nicht so viele Erinnerungen an den OPA dran hängen.

Der war ja schließlich der Antrieb.

 

Ich hätte an meinem Kettcar den Antrieb sehr gerne gegen einen lieben schiebenden Opa getauscht.

 

Der Opa hat das also richtig konstruiert. Er war somit ein Teil des Spiels! :)


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