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11.11.2017 19:31    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (7)    |   Stichworte: Albanien, Kroatien, Opel, Roadtrip, Roadtrips, Vectra

Vor zwei Jahren das hochpreisige Norwegen aufgesucht, verschlug es uns letztes Jahr bekanntermaßen in den günstigeren Balkan. Auf etwa 4500 Kilometern befuhren wir Straßen aus acht verschiedenen Ländern und waren sowohl vom Preisniveau überrascht als auch von den freundlichen Menschen begeistert. Und so stand der Entschluss relativ schnell fest: Albanien, das südlichste Land unserer letztjährigen Reise, sollte Ziel eines dreiwöchigen Roadtrips werden. Genug Zeit um Land und Leute näher kennen zu lernen.

 

Als erster Ort stand schnell wieder der Theth Nationalpark fest, den wir letztes Jahr bereits besuchten. Doch vorher sollte noch ein wenig Zeit vergehen, in der einige Dinge erledigt werden konnten.

 

Einerseits fassten wir wieder interessante Orte für den Überblick auf einer Karte zusammen ( kann man hier einsehen: Klick ), auf der anderen Seite besorgte ich mir noch einen internationalen Führerschein ( sicher ist sicher ), und der Vectra bekam endlich seinen Stahl-Unterfahrschutz, mit dem ich seit einem Jahr liebäugelte. Mit der leichten Tieferlegung und eventuellen nächsten Urlauben im Hinterkopf sollte dies eine gute Investition in die Zukunft sein.

 

Ende August starteten wir schließlich an einem Samstagabend, um eine erste kleine Etappe aus der alten Heimat in meine aktuelle Heimat Nürnberg zurückzulegen. Von dort aus wollten wir sonntags nach einer letzten Nacht in einem vollwertigen Bett bis kurz vor die albanische Grenze kommen, um schließlich montags in Albanien einzureisen und nach einem Basarbesuch in Shkodra sofort die etwas beschwerliche Fahrt in den Theth Nationalpark hinter uns zu bringen. Weiter planten wir wie immer erstmal nicht. Die Orte aus der googlemaps Karte klebten schließlich auch in unserer Straßenkarte. Spontanität, das höchste Gut unserer Reisen.

 

Soweit der Plan, doch kommen wir zur Ausführung:

 

Nach einem entspannten Frühstück ging es sonntags gegen acht Uhr in der Früh genauso entspannt auf die Autobahn gen Süden. Staufrei und zügig spulten wir die ersten dreihundert Kilometer auf der A3 ab, bis wir schließlich am letzten Rastplatz vor der Bundesgrenze die obligatorische Vignettenpause machten. Erstes Mal nachtanken, 2-Monatsvignette für Österreich bzw. 1-Monatsvignette für Slowenien gekauft und die Spritpreise in den Urlaubsländern bei einem Kaffee gegooglet. Warum zwei Monate Österreich? Zwei Wochen nach Rückkehr sollte es für ein Wochenende nach Ljubljana gehen. Somit sparten wir ganze neunzig Cent… und das lästige Abkratzen von zwei weiteren 10-Tages-Vignetten. :D

 

Plan war nun kurz vor der österreichisch-slowenischen Grenze vollzutanken, da in AT die Preise am niedrigsten wären. Nicht bedacht haben wir dabei, dass die Autobahn ihre eigenen Regeln hat. Kaum nach AT eingereist, kostet der Liter Diesel acht Cent mehr als an den deutschen Autobahntankstellen. Na toll. :rolleyes:

 

Wir hatten schließlich das Glück, dass man von der Autobahn aus die Preistafel einer Tankstelle sehen konnte, die nicht an der Autobahn, jedoch sofort an einer Anschlusstelle lag. Der Liter Diesel kostete dort 32 Cent weniger als an den Autobahn-Tankstellen. Also flugs die nächste Ausfahrt genommen, dort getankt und gute zehn Euro gespart.

 

Was fiel mir zudem wiederholt in Österreich auf? Die meisten halten sich an Tempolimits. Österreich hat seinen Ruf weg und verteidigt ihn mit zahlreichen Blitzern und Section Controls. Teilweise wird am Ende eines Tunnels auf das Ende der Section Control hingewiesen und dreißig Meter dahinter steht ein Blitzer. Ein hoch auf den Tempomaten im Vectra.

 

So streng der Ruf der Österreicher ist, so lasch ist er dann wiederum in Slowenien und Kroatien. Kaum über die Grenze heißt es wieder mindestens Tempolimit +20km/h für alle. Und dann fährt man 150 bei erlaubten 130 und wird trotzdem regelmäßig von Oberklasse-Limousinen kassiert, die nach einer halben Minute bereits wieder am Horizont verschwinden. Ist ja fast wie in Deutschland. :D Mit dem Unterschied, dass es theoretisch ein Tempolimit gibt & gleichzeitig die eh schon leere Autobahn immer leerer wird, je weiter man in den Süden kommt.

 

Geschätzte zweihundert Kilometer vor der bosnisch-herzegowinischen Grenze begann ich dann vermehrt auf die Rest-Reichweite zu schielen. In Bosnien-Herzegowina kostete der Liter Diesel letztes Jahr lediglich 85 Cent. Da ist es wohl selbstverständlich, warum wir in Kroatien nicht zwischentanken wollten. Gewisse Zweifel am Gelingen dieser Idee brachte schließlich der Bordcomputer. Zehn Kilometer Strecke zurückgelegt, die Restreichweite sinkt um zwanzig Kilometer. Auf den nächsten zehn Kilometern das Gleiche Spiel. Wer jetzt denkt: “Passt doch. Hauptsache konstante Werte” hat sich getäuscht. Auf den dritten zehn Kilometern sank die Restreichweite um exakt null Kilometer. :D Und genau so unerklärlich ging es weiter. Wie hielten schließlich an einer Tankstelle, um ein menschliches Grundbedürfnis zu stillen und uns kurz auf der Straßenkarte zu vergewissern. Ein Tanktstopp wäre kein Beinbruch gewesen, vor allem da wir ja nun an einer standen, jedoch wollte unser Ehrgeiz es bis nach Bosnien schaffen. :D

Und es sah auch eigentlich gut aus..

 

 

Wir flogen die letzten kroatischen Autobahnkilometer entlang, in der Gewissheit, dass der Sprit reichen wird; passierten zwei bis drei noch nicht fertiggestellte Autobahntankstellen und erreichten schließlich die kroatische Staatsgrenze. Auch wenn man sich Sonntagabend, am Ende der Hauptsaison kurz vor der Dämmerung nicht darüber wundern sollte, so war es für uns doch überraschend, dass dort kaum etwas los war. Lediglich ein Auto war vor uns dran, bevor auch wir zügig durchgewunken wurden.

 

Am bosnischen Einreise-Posten waren gar zwei Spuren geöffnet, sodass wir uns für die Freie entschieden. Nach einer grimmigen Begrüßung des Grenzbeamten überreichte ich ihm die Reisepässe und wie auch schon letztes Jahr forderte er Fahrzeugschein und Grüne Karte nach. Ich überreichte ihm auch diese und nach einem kurzen Blick darauf streckte er mir die grüne Karte murmelnd wieder halb entgegen. Etwas verwirrt blickte ich zu meinem Kumpel, der jedoch auch nichts verstanden hatte.

 

Ich hakte nach: ‘Is there a problem?’ Er murmelte wieder etwas Unverständliches vor sich hin, zeigte diesmal jedoch auf die obere linke Ecke der Grünen Karte“, und in diesem Augenblick fiel ich vom Glauben ab. “Die ist abgelaufen. Die Karte ist im Februar abgelaufen. Seit wann laufen Grüne Karten ab?”

 

Nachdem ich nun wiederum vor mich hin murmelte und einen Moment brauchte um diesen Faux-Pas zu realisieren, erklärte der Grenzbeamte, dass wir mal bei den Containern auf dem Vorplatz nachschauen sollen. Vielleicht könne dort jemand helfen. Das Auto sollten wir so lange vor einer der geschlossenen Schranken parken.

 

Gesagt getan! Wir parkten unter dem Dach und gingen in Richtung der weißen Container. Währenddessen geisterten tausende Gedanken durch meinen Kopf: ‘Wieso ist mir das im Vorfeld nicht aufgefallen? Schickt die Versicherung keine Neue zu, sobald die Alte ausläuft? Oder liegt diese bei meinen Eltern? Das Auto ist schließlich auf meine Mutter zugelassen.’

 

“Hauptsache man kann uns nun weiterhelfen. Denkst du, wir bekommen hier ‘ne neue Grüne Karte? “ ..Die Frage ging im Wust von Gedanken und der Frage, wie das dann überhaupt ablaufen würde unter. Vielleicht könne ja auch ein Anruf bei der Versicherung etwas helfen? Doch erstmal nachfragen, danach spekulieren.

 

Die meisten der Container waren bereits geschlossen. Erst mit der Hilfe von ein paar Beamten, die zufällig in die gleiche Richtung wie wir gingen fiel uns der einzige Container auf, aus dem noch Licht brannte. Die Dame schien auch schon auf den Feierabend zuzusteuern, hörte sich unser Dilemma jedoch an und kramte schließlich einen Zettel und Stift hervor, um in schlechtem Englisch zu erzählen, dass wir eine grüne Karte bekommen könnten. Alles andere hätte mich auch verwundert, so wird doch auf jedem einzelnen dieser weißen Container mit “green card here!” geworben :rolleyes:

 

Sie notierte noch ‘20€’ auf dem Blankozettel und erzählte weiter. “So you just pay twenty euros, and then seventeen days. You can get it here.” - “Seven days?”, hinterfragte ich in der Hoffnung auf eine sprachliche Unsicherheit. “No” entgegnete sie, bevor sie in der Tat eine 17 auf dem Zettel notierte. “Seventeen days, not seven days.” Mit dem plötzlichen Gefühl, aus diesem Gespräch fliehen zu möchten und die Zeit auf letzte Woche zurückzudrehen schaute ich meinen Kumpel entgeistert an. Das waren nicht die Informationen die wir uns nun erhofft hatten..

 

to be continued

Hakuna Matata

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20.11.2016 02:13    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (41)    |   Stichworte: Albanien, Balkan, Bosnien, Kroatien, Montenegro, Roadtrip, Roadtrips, Slowenien

Nachdem wir anno 2015 in Sachen Roadtrip Blut leckten, musste 2016 sofort der nächste Trip her. Diesmal sollte es in wärmere Gefilde als Norwegen gehen und so entschlossen wir uns für eine Reise in den Balkan. Wieder zwei Wochen Zeit, diesmal ohne Nahrungsmittelkauf im Vorfeld und ohne Suche nach Übernacht-Möglichkeiten in der Natur. Es sollte dort schließlich günstig genug sein. Einzig die Spontanität und das Navigieren mit Straßenkarte blieb weiterhin. Meiner Meinung nach ein Muss auf Roadtrips. Zudem markierten wir diesmal einige Orte vorher in der Karte, damit uns auch zum Ende hin die Orte nicht ausgingen. Wir hatten aus Norwegen gelernt!

 

Manch einem mag aufgefallen sein, dass der Begriff ‘Roadtrip’ nicht im Artikel-Titel enthalten ist. Da es mir aktuell zeitlich leider nicht möglich ist wieder eine Blogreihe wie den Norwegen-Roadtrip aufzuziehen, werde ich in diesem Artikel nur schwerpunktmäßig auf die Orte eingehen, die wir besucht haben und für den Rest Bilder sprechen lassen.

 

Nationalpark Triglav / Slowenien:

Der einzige slowenische Nationalpark liegt im Norden des Landes an der Grenze zu Österreich. Man passiert die Grenze über den Karawankentunnel und ist sofort da. Wir stoppten erst kurz in einer Touristinformation im Städtchen Bled östlich des Nationalparks und fuhren dann über sehr schöne Straßen bis nach Tolmin im Süden des Parks. Die Straßen in der Region sind schön kurvig und machen ordentlich Spaß. :D

 

Von Tolmin aus bestand die Möglichkeit mit dem Auto in den Nationalpark zu stechen. Vorbei an einem Parkplatz am Rande des Parks schraubten wir uns auf sehr engen Straßen ( KLICK ) die Berge hoch, bis wir in der Streusiedlung Cadrg auf das Ende der Straße stießen. Nach einem Gespräch mit Jani, einem Bewohner, der in seiner Käserei gerade Käse nach 700-jähriger Tradition herstellte, besuchten wir einen Aussichtspunkt, der etwa fünfzehn Geh-Minuten von seinem Haus entfernt war. Von der dort aufzufindenden Wiese konnte man in ein Tal, sowie auf einige Hohe Berge des Nationalparks schauen. Interessant anzusehen waren auch die Zaunpfähle am Ende der Wiese. Jeder Einzelne war zu einer Figur / einem Gesicht geschnitzt worden. Sehr coole Idee. Genauso wie ein großes Xylophon, dass dort aufgestellt war. Da haben sich die Slowenen wirklich etwas tolles einfallen lassen!

 

Leider ist das Campen im Nationalpark verboten, weshalb man sich um Berghütten kümmern sollte, wenn man nicht jeden Abend zu seinem Auto zurückkehren möchte. Dies war letztendlich der Grund, weshalb wir den Triglav-Nationalpark nach einem Nachmittag bereits früher als geplant wieder verließen und nach Kroatien aufbrachen.

 

Bilder dieses Reiseabschnitts:

 

Auf dem Weg nach CadrgAuf dem Weg nach CadrgAm AussichtspunktAm AussichtspunktAm AussichtspunktAm AussichtspunktTriglav NPTriglav NPAn der kroatischen AdriaAn der kroatischen AdriaAn der kroatischen AdriaAn der kroatischen Adria

 

Nationalpark Paklenica / Kroatien:

Berühmt geworden unter anderem durch die Winnetou-Filme, besticht der Nationalpark auch aufgrund seiner Lage direkt an der Adria. Hier lassen sich Aktiv- und Strandurlaub sehr gut kombinieren! Von unserem Campingplatz in Starigrad-Paklenica fuhren wir bis auf den dem Eingang nähesten Parkplatz und wanderten von dort erstmal zu einer großen Hütte, von der aus dann die vielen verschiedenen Wanderwege abgingen. Angegeben mit zwei Stunden, erreichten wir diese nach knapp einer Stunde, da der Weg komplett touristisch aufgearbeitet wurde und dadurch ohne Hürden zu gehen ist. Erst ab der Hütte beginnt der eigentliche Spaß und man befindet sich in 100% Natur. Der Park ist exakt so belassen, wie die Natur in ‘gerichtet’ hat. Ein kompletter Hang mit toten (vermutlich durch Sturm) abgebrochenen Bäumen? ‘Wird nicht angefasst.’ Ein Baum ist über den Wanderweg gefallen? ‘Wird nicht angefasst. Lauft halt außenrum.’ Hier steht die Natur noch an erster Stelle. So sollte ein Nationalpark aussehen. Zudem begegneten wir erst am Ziel unserer Wanderung den einzigen Menschen seit der Berghütte; einem Kroaten samt Sohnemann und kleinem Kläffer. Auf dem Rückweg überholten wir diese, ehe wir uns an einer Wasserstelle zufällig wieder trafen und in ein nettes Pläuschen gerieten. Die beiden konnten zwar nur gebrochen Englisch, jedoch konnten wir uns trotzdem ziemlich gut verstehen und durften wieder die südländische Freundlichkeit spüren. Ohne diese wäre es auch gar nicht zu dieser Begegnung gekommen, so lieh uns die Dame vom Campingplatz ihre Wanderkarte, ohne die wir niemals den äußerst nötigen Umweg zur Wasserstelle gefunden hätten. Eine Wanderkarte ist zudem nützlich, da die Wege stellenweise nicht ausreichend gekennzeichnet sind und es im ganz hinteren Teil des Parkes noch Abschnitte gibt, auf denen es heißt: Wanderweg + / - drei Meter: Alles gut. Außerhalb dieses Korridors: Landminengefahr! Doch dies ist wie gesagt nur noch auf wenigen Routen im hintersten Teil des Parks der Fall.

 

Camping:

Unser Camp schlugen wir im Autocamp Marko auf. Wir blieben dort zwei angenehme Nächte. Die Besitzerin spricht deutsch und ist sehr hilfsbereit. Zudem schaute sie jeden Abend kurz vorbei, erkundigte sich nach dem Wohlbefinden und ob alles in Ordnung sei. Sehr freundlich! Die Sanitäranlagen sind zudem vollkommen in Ordnung, es gibt die Möglichkeit zu Kochen und kostenloses Wifi ist auch vorhanden. Dieses nutzten wir dann auch, als wir die Nummer meines Pannendienstes benötigten, da der im Kofferraum liegende Schlüssel beim Schließen des Kofferaumdeckels das Auto abschloss! :D So musste mitten in der Woche um 23 Uhr noch ein Land Cruiser-Fahrer mitsamt seinem kleinen Sohn aus dem knapp 50 Kilometer entfernten Zadar anrücken um unser Auto zu öffnen. Shit happens.

 

Bilder dieses Reiseabschnitts:

 

Paklenica-NationalparkPaklenica-NationalparkPaklenica-Nationalpark an der AdriaPaklenica-Nationalpark an der AdriaPaklenica-Nationalpark an der AdriaPaklenica-Nationalpark an der AdriaDer Weg zur BerghütteDer Weg zur BerghütteBlick ins TalBlick ins TalFelsen in der Sonne? Hier wurde es warmFelsen in der Sonne? Hier wurde es warmUnd hier erstUnd hier erstOben angekommenOben angekommenPaklenica NPPaklenica NPAutocamp MarkoAutocamp MarkoTraumautoTraumautoKroatienKroatienKroatienKroatienKroatienKroatienDubrovnic von obenDubrovnic von obenBucht von Kotor - MontenegroBucht von Kotor - MontenegroIn Montenegro ist kyrillisch angesagtIn Montenegro ist kyrillisch angesagt

 

Grenze Montenegro - Albanien:

Nachdem wir Zadar ( Kroatien ) und Podgorica ( Montenegro ) jeweils einen relativ kurzen Besuch abstatteten, ging die Reise weiter gen Albanien. Nach einer Kurve tauchte dann aus dem nichts der Grenzübergang auf. Deutsch und anständig wie wir sind stellten wir uns am Ende der Fahrzeugschlange an, mussten jedoch keine zehn Sekunden warten bis plötzlich der erste albanische Mercedes links an uns vorbeizug. An der gesamten LKW-Schlange des Grenzübergangs. Auf der Gegenspur. Über die durchgezogene Linie. :D Als ihm Sekunden danach die nächsten zwei Mercedes folgten taten wir es ihnen gleich, zogen an den LKWs vorbei und stellten uns hinter den Dreien in die neu eröffnete Schlange an der zweiten Schranke an. Es tauchte auch sofort ein Zöllner auf und ließ einen nach den anderen passieren.

 

Auf den knapp 100 Metern zwischen den Grenzposten der beiden Ländern dann wieder ein neues Bild. War die Straße vor dem Grenzübertritt noch perfekt in Schuss, ist dieses kleine Stück gesäumt von unzähligen Schlaglöchern. In beide Richtungen stauen sich die Fahrzeuge und auch wir finden uns erneut hinter LKWs wieder. Doch die albanischen Mercedes’ bleiben sich treu: Sie finden einen Weg sich zwischen den in Reihe stehenden LKWs hindurchzuschlängeln und wir folgen ihnen blind. Wenn die das dürfen, wieso nicht auch wir? Erst geht es links vorbei, doch als es dort zu eng wird findet sich eine Lücke um auf die rechte Seite der LKWs zu gelangen. Dort ist zwar nach deutschem Ermessen auch kein Platz, doch man kann ja auch einfach über den Bürgersteig fahren. :D Dass genau dort auch ein Zöllner steht, fällt uns jedoch erst auf, als wir ungefähr 2 Meter von ihm entfernt sind. Doch es passiert: Nichts. Business as usual.

Schon stehen wir an der nächsten Schranke und passieren diese nach einer kurzen Passkontrolle und der Frage, wo genau wir hinmöchten. Hallo Albanien!Und auch die Straße sieht wieder wie geleckt aus.

 

Theth Nationalpark:

Nachdem wir eine Nacht auf einem Campingplatz am Shkodrasee verbrachten und zwei Mal nach Shkodra fuhren, brachen wir endlich auf das selbst erkorene Highlight unserer Reise auf. Der Theth-Nationalpark ist relativ abgelegen und aufgrund der Beschaffenheit der Straße werden Taxifahrten mit Geländewagen dorthin angeboten. Wir jedoch blieben bei der Idee, den Weg mit dem Vectra zu bestreiten. Die ersten Kilometer haben einen durchschnittlichen Straßenzustand. Lediglich an zwei Stellen gab es große Schlaglöcher. Die erste Stelle natürlich hinter einer Kurve, die Zweite an einer Brücke, deren Stahlstreben bereits aus dem Beton kamen. Nach einem Drittel der Strecke passiert man schließlich ein Schild, auf dem unter anderem die EU-Flagge abgebildet ist und befährt von da an eine Straße in perfektem Zustand. Die Straße schraubt sich mehrere hundert Meter hoch und sieht aus wie erst gestern eröffnet. Absoluter Topzustand. Bis zu ihrem höchsten Punkt. :D Oben angekommen hat man noch die Gelegenheit auf einem geschottertem Platz anzuhalten und das Tal auf der anderen Seite dieser Bergkette zu bewundern, ehe man auf dem ab nun nur noch unbefestigtem Weg wieder Meter um Meter an Höhe abbaut. Laut Beschilderung sollten es nun noch knapp acht Kilometer bis ins Dorf Theth sein, doch reell waren es knapp zwölf Kilometer, für die wir geschlagene einundhalb Stunden benötigten. Die Straße war in miserablem Zustand, die Frontlippe setzte immer wieder auf und auch der Lack an den Seiten bekam beim Umfahren mancher Schlaglöcher durch Büsche am Straßenrand sein Fett weg. Ab und zu kam mal ein Geländewagen von hinten angeschossen, den wir vorbeiließen und nach dreißig Sekunden nicht mehr sahen und lustigerweise kam uns irgendwann auch ein Österreicher entgegen, hinter dem wir drei Tage vorher die kroatisch-bosnische Grenze überquert hatten. Er kommentierte beim Vorbeifahren nur kurz und trocken durch das offene Seitenfenster: “Mit dem Auto? Jo, wir schaffen das.” :D

 

Irgendwann liefen wir auch auf einen slowakischen T4 auf. Die Beifahrerin stieg aus, lief zu uns herüber und erkundigte sich, ob es noch einen anderen Weg nach Theth gäbe. Als wir erwiderten, dass der einzige Alternativweg nur mit allradgetriebenen Geländewägen zu befahren sei und nochmal deutlich länger ist, ließen sie uns vorbei und drehten um. :D Schade um den T4, der unter seinen Möglichkeiten blieb.

 

Auf etwa 900 Höhenmetern sahen wir endlich das erste Haus, doch wir fuhren weiter nach unten und passierten auch 500 Meter weiter das nächste Haus. Um zwei (!) Kurven später zurückzukehren. Ab hier war die Straße definitiv nicht mehr mit dem Vectra befahrbar und wir mussten das Schiff auf einem maximal 5 Meter breiten Stück ‘Straße’ wenden. Ansonsten hätte der Vectra angesichts der riesigen Schlaglöcher in der nächsten Kurve nicht nur mit der Frontlippe aufgesetzt.. Der Hauptteil der Siedlung lag noch knappe 200 Höhenmeter unter uns und so fuhren wir leicht enttäuscht zum zuletzt passierten Haus. Sofort kam ein Bewohner hinaus und stellte sich vor. Er war gebürtiger Thether, lebte zwischenzeitlich über 20 Jahre in den USA, kehrte dann jedoch zurück in die Heimat. Das Haus war eine Art Pension, die seine Schwägerin betrieb und auch die Möglichkeit dort zu Speisen wurde uns angeboten. Da er erkannte, dass wir Camper sind, bot er uns einen kostenlosen Stellplatz auf der Wiese unterhalb des Hauses an und erzählte uns sehr viel wissenswertes über Theth, den Nationalpark und die Region an sich. Es lässt sich so gut wie jeder Gipfel ringsherum besteigen und auch weitere naturbezogene Sehenswürdigkeiten wie das Blue Eye & die Wassermühlen von Nderlysa oder kulturelle wie zum Beispiel der Blutracheturm sind dort zu finden. Wir entschlossen uns für den nächsten Tag für eine leichte Wanderung zum Blue Eye, deren Eindrücke sich am besten in Bildern beschreiben lassen, die ihr am Ende des nächsten Absatzes findet.

 

Am dritten Tag brachen wir leider schon wieder auf, da es am nächsten Tag regnen sollte. Einerseits wandert es sich dabei nicht so schön, andererseits wollten wir mit dem Auto noch heile den Berg wieder hoch kommen. Die letzten zwanzig Minuten der Schotterstrecke haben wir dabei gefilmt und in diesem vierminütigem Video einige Eindrücke über das Treiben auf der Straße mit Schafen, der phänomenalen Aussicht und abgeschleppten Autos zusammengefasst. Schaut den Stoßdämpfern beim Arbeiten zu. :D

 

Und so ging die Reise wieder zurück nach Montenegro..

 

Bilder dieses Reiseabschnitts:

Shkodrasee - Blick vom Steg des CampingplatzesShkodrasee - Blick vom Steg des CampingplatzesStraße nach ThethStraße nach ThethStraße nach ThethStraße nach ThethEndlich am ersten Haus angekommenEndlich am ersten Haus angekommenPerfekter StraßenzustandPerfekter StraßenzustandDer Vectra musste leidenDer Vectra musste leidenDer Vectra musste leidenDer Vectra musste leidenDer Vectra musste leidenDer Vectra musste leidenUnser kostenloses CampUnser kostenloses CampUnser kostenloses CampUnser kostenloses Camprechts der Mt. Arapirechts der Mt. ArapiThethThethThethThethBei NderlysaBei NderlysaBei NderlysaBei NderlysaAbfluss des Blue EyeAbfluss des Blue EyeDer Wasserfall des Blue EyeDer Wasserfall des Blue EyeThethThethThethThethThethThethThethThethPerfekter StraßenzustandPerfekter StraßenzustandPerfekter StraßenzustandPerfekter StraßenzustandThethTheth

 

Durmitor Nationalpark:

Im Durmitor wollten wir nur eine kurze Wanderung machen und daher auch nur einen Tag bleiben. Dies stellte sich jedoch als sehr schade dar, denn der Durmitor Nationalpark packte uns. Von Osten kommend fährt man erst durch bewaldetes Gebiet, in dem man sich fühlt wie bei Jurassic Park. Nur die Dinosaurier haben gefehlt. Man folgt danach einem ziemlich wilden Fluss, teilweise durch einen Canyon und schließlich kommt man auf der Hochebene oberhalb der Baumgrenze an. Dort war es wunderschön. Wir brachen dort auf eine Wanderung zum Bobotov Kuk auf, doch nach etwa der Hälfte erschien uns der Weg zu weit und wir bestiegen einfach den nächstgelegenen Hügel. Nach einer dortigen Verschnaufpause kehrten wir schließlich querfeldein zum Auto zurück, was stellenweise gar nicht mal so einfach war.

 

Bilder dieses Reiseabschnitts:

Camping beim Durmitor NPCamping beim Durmitor NPWay to DurmitorWay to DurmitorDurmitor NPDurmitor NPDurmitor NPDurmitor NPDurmitor NPDurmitor NPDurmitor NPDurmitor NPDurmitor NPDurmitor NPDurmitor NPDurmitor NPInteressante Fels-FormationenInteressante Fels-FormationenPivsko JezeroPivsko JezeroPivsko JezeroPivsko JezeroPäuschenPäuschenPäuschenPäuschenWasch mich!Wasch mich!PäuschenPäuschenEine bosnische Campingplatz-HündinEine bosnische Campingplatz-Hündin

 

Mostar:

Ein weiterer Stopp war Mostar, dessen Alstadt sehr touristisch und von Souvenierläden überschüttet ist. Die Turmspringer, die erst gefühlte Ewigkeiten Geld einsammeln, um dann vollkommen unspektakulär eine Kerze in den Fluss zu springen runden das Bild ab. Interessant hingegen sind die unzähligen zerstörten Gebäude, die teilweise vollkommen alleine in ansonsten komplett wieder aufgebauten Straßenzügen stehen und teilweise sogar bewohnt scheinen. Nachts entwickelt sich zudem eine ganz eigene Dynamik in der Stadt, wenn plötzlich die Jugend herausgeputzt auf die Straße geht und es in der gesamten Stadt nur noch von ihnen wimmelt.

 

Bilder dieses Reiseabschnitts:

Wohnt da noch jemand?Wohnt da noch jemand?Stari Most - MostarStari Most - MostarWohnt da noch jemand?Wohnt da noch jemand?Auf dem Schild steht: GuesthouseAuf dem Schild steht: GuesthouseDas bosnische StraßenbildDas bosnische StraßenbildDas bosnische StraßenbildDas bosnische StraßenbildDas bosnische StraßenbildDas bosnische StraßenbildKravica WasserfälleKravica WasserfälleSomewhere in BosniaSomewhere in Bosnia

 

Fazit:

Wenn man diesen Roadtrip mit dem letztjährigen Norwegen-Roadtrip vergleicht, dann muss man als erstes wahrscheinlich die Kosten nennen. Wir schliefen bis auf die zwei Nächte in Theth jedes Mal auf einem Campingplatz; gingen insgesamt vier oder fünfmal essen; waren fast jeden Tag im Supermarkt oder auf dem Basar und lebten gefühlt wie die Könige. Trotzdem kamen in diesen knapp zwei Wochen für Maut, Sprit, Nahrungsmittel, Unterkunft etc nur 340€ pro Person zusammen. Ohne Sprit und Maut sind es pro Person sogar nur knapp 160€. Preis-Leistung: Top!

 

Im Vergleich zu Norwegen ist im Balkan natürlich nicht jede Ecke wunderschön. Die Region ist streckenweise ziemlich trocken, die schönsten Stellen findet man fast ausnahmslos in den vielen Nationalparks. In Theth fiel uns zudem auf, dass die Einheimischen ihren Müll im Fluss entsorgen. Es sind tatsächlich nicht die Touristen, sondern die Einheimischen! Deshalb sollte man auch nicht aus dem Fluss trinken.. Sehr schade. Der Müll liegt zumindest nicht soo offensichtlich rum, sondern meist versteckt. Ein richtiges Müllproblem hingegen hat Bosnien-Herzegowina. Ich bin nun schon einige Jahre auf dieser Erde, doch solch eine Schande habe ich noch nie mit meinen eigenen Augen gesehen. Die Landstraßen sind gesäumt von Müll und illegalen Müllhalden in Parkbuchten. Dort wird vom Haushaltsmüll bis zu ganzen Inneneinrichtungen offensichtlich alles weggeschmissen. Den Höhepunkt erreichte es dann auf unserer Rückfahrt durch das bosnische Hinterland. Wir hielten an einer Brücke, unter der ein kleiner Fluss in den großen Fluss mündete, der uns schon seit vielen Kilometer mal rechts, mal links begleitete. Der Platz neben dem Auto war bereits bosnisch durchschnittlich zugemüllt, doch der Blick in den Fluss schockierte. Der gesamte Uferhang war bedeckt von Müll und im Wasser lag ein abgestorbener Baum, der komplett mit Kunststoffmüll überzogen war. Während wir uns dort aufhielten konnten wir zudem beobachten, wie ein Bewohner eines Hauses am Fluss Plastikschnüre im Fluss entsorgte und auch als ein Traktor neben uns hielt, dem zwei Männer mit einer 1-Liter-Plastik-Bierflasche entstiegen wussten wir, wo wir die Plastikflasche in den nächsten Minuten landen würde. Und in der Tat: Die beiden verschwanden unten an der Mündung, tranken dort die Flasche aus und nach einiger Zeit hörten wir, wie sie die Flasche ins Wasser warfen. Unglaublich!

 

Um nun doch noch etwas Positives zu Bosnien zu schreiben: Wir konnten für 0,85€/Ltr Diesel tanken. :D Doch ein Paradies sieht leider anders aus. Sehr schade.

 

MüllMüllMüllMüllWieder zu HauseWieder zu HauseWieder zu HauseWieder zu Hause

 

Insgesamt hat sich der Roadtrip jedoch gelohnt und bedarf wie schon Norwegen einer Wiederholung. Theth und der Durmitor werden mich definitiv nochmal wiedersehen und der Triglav mittelfristig sicher auch mal. Zudem waren wir viel zu kurz in Albanien. Die Herzlichkeit die wir dort überall empfangen durften machten Lust auf mehr und auch die Kultur und Landschaft an sich sind sehr interessant.

 

Wie angekündigt geht dieser Artikel nicht so sehr in die Tiefe. Wenn ihr daher zu einzelnen Orten oder dem Roadtrip als Ganzes noch Fragen habt, dann geniert euch nicht diese zu stellen oder erzählt von euren eigenen Reisen aus dem Balkan. Ich freue mich über eure Antworten!

 

Danke und bis dann..

Hakuna Matata

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05.11.2016 18:44    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (11)    |   Stichworte: Norwegen, Roadtrip, Roadtrips

In dieser Blogreihe möchte ich euch meinen letztjährigen Norwegen-Aufenthalt näherbringen. Gemeinsam mit einem Kumpel sollte es ohne Navi und ohne Campingplätze durch das Land der Fjorde gehen. Den vorherigen Teil der Serie findet ihr hier.

 

Lærdalstunnel

Der Lærdalstunnel ist der längste Straßentunnel der Welt. Anno 2000 eröffnet, führt er nun 24,5 Kilometer durch einen Teil des skandinavischen Gebirges. Man ‘erspart’ sich dadurch die knapp 50 Kilometer lange Passstraße, die wie der Name Snøveg erahnen lässt, im Winter aufgrund großer Schneemengen komplett gesperrt wird. Besonderheiten dieses Tunnels sind neben seiner Länge drei beleuchtete Parkbuchten Parkhallen, die sich alle sechs Kilometer anbieten und in denen Halten ausdrücklich erlaubt ist. Es hört sich wirklich interessant an, wenn man in einer dieser Hallen steht und sich langsam ein anderes Fahrzeug nähert und es lauter und lauter wird und schließlich das Fahrzeug mit ohrenbetäusendem Lärm an einem vorbeifährt.

 

Und die Norweger hatten wie auf vielen Passstraßen Norwegens offenbar auch in diesem Tunnel ihren Spaß, wenn man sich das ganze Gummi auf dem Asphalt anschaut. :D Wir hingegen machten uns einen Spaß daraus die Akustik zu testen, so kamen doch teilweise minutenlang keine Autos vorbei.

Diese Jungs hatten da weniger Glück ( wartet ab, bis der erste LKW vorbeirauscht:D ).

 

 

Lustrafjord

Seht selbst. Und ja, das Wasser ist tatsächlich durch und durch türkis! Ein wahnsinns Anblick. :)

 

 

Sognefjell

Die wahrscheinlich schönste Passstraße unserer Reise. Innerhalb von über einhundert Kilometern Strecke schraubt man sich vom Fjord bis auf über 1400 Höhenmeter und beinahe wieder komplett herunter. Es bieten sich immer wieder unglaubliche Panoramen und wunderschöne Fotomotive. Je höher man kommt, desto kälter und windiger wird es. Und so kann es auch schonmal vorkommen, dass man sich dick eingepackt auf die Straße kniet um ein Foto zu machen, einige Zeit braucht um das perfekte Bild zu schießen und sich beim aufstehen erschreckt, da hinter einem ein Auto wartet. Den A3 habe ich absolut nicht kommen hören, doch die Norweger nahmen es mit Humor und grüßten glücklich zurück. :D

 

 

Stabkirche Lom

Wir wollten in Lom kurz parken, um den weiteren Streckenverlauf zu besprechen und schwupps, standen wir auf dem Parkplatz der Stabkirche von Lom. Ein Foto aus dem Auto heraus und eine Streckenbesprechung später ging es weiter. :D

 

 

Schlafplatz

Zweieinhalb Stunden nach der Stabkirche Lom fanden wir einen Übernacht-Platz an einem nicht mehr nachzuvollziehendem Ort, der sich vermutlich an der E136 zwischen Dombås und Øverdalen befand.

 

Der kleine Parkplatz war am Ende spitz zulaufend und bot dort Platz, um unser Zelt unauffällig aufzubauen. Zudem stand dort eine raststättentypische Bank-Tisch-Kombination, die jedoch leider ziemlich zugewachsen war. Erwähnenswert ist dieses Camp zudem, da wir erneut ein kleines Missgeschick mit unserem Campingkocher hatten und nun, nachdem wir die letzten Tage immer wieder gescherzt haben, wie gefährlich doch so ein Kocher sei, das Vertrauen in ihn verloren. Wir benutzten ihn von da an kein einziges Mal mehr. Don’t make jokes about bombs. :D

 

 

Trollstigen

Aus einem bewaldeten Tal kommend gesellt sich zu den zwei Hängen zur rechten und linken plötzlich vor einem eine riesige Felswand. Mit jedem Meter, den man sich nähert wirkt sie faszinierender und faszinierender. In elf Haarnadelkurven schraubt man sich über 400 Meter in die Höhe, um schließlich in knapp 800 Metern Höhe einen Parkplatz zu erreichen, der neben einem modern gestaltetem Gebäude steht. Ohne Verkehr wäre diese Straße top; wir hatten das Glück, dass uns langsamere Fahrzeuge zwei Mal vorbeiließen, so waren wir doch deutlich zügiger unterwegs. :D

 

Der Aussichtspunkt besitzt mehr als nur eine Plattform, die durch ihre Entfernung zueinander verschiedene Blickwinkel auf die Serpentinen ermöglichten. Schade, dass es bewölkt und ziemlich kalt war. Aber immerhin hat es nicht geregnet. Ein weiterer Tag ohne Regen!

 

 

Ålesund

In Ålesund parkten wir unser Fahrzeug zuerst in einem Wohngebiet, um eine Kleinigkeit zu essen und unseren weiteren Plan zu besprechen. Da alle drei bis vier Minuten ein Streifenwagen vorbeikam, stellte sich uns mit der Zeit die Frage, ob dies einfach eine Schlüsselstraße für die Patrouillenrouten ist, oder dieses Viertel nicht ganz koscher sei. :D

 

Nach der Pause parkten wir in einem Parkhaus in der Innenstadt, schauten uns ein wenig in ebenjener um und suchten die Tourist-Information am Hafen auf. Wir versuchten dort einige Broschüren über die Region zu erhalten, die unsere weiteren Tage des Trips mit Programm füllen sollte, doch allzu viel Neues erfuhren wir nicht. Wir suchten daher mit dem Berg Aksla den Wohl berühmtesten Aussichtspunkt des Städtchens auf, von dem sich das obligatorische ‘Über den Dächern Ålesunds’-Foto schießen ließ. Nachdem man sich exakt 418 Stufen nach oben gekämpft hat, wartet auf dem ‘Gipfel’ eine Cafeteria samt Aussichtsplattform. Laut Beschilderung war diese Plattform mit Gebühren verbunden, wir mussten jedoch interessanterweise nichts zahlen. Die Aussicht auf die Innenstadt im Jugendstil ist natürlich sehr schön. :)

 

 

Schlafplatz

Nach einer etwas längeren Fährfahrt schlugen wir unser Lager auf einem Campingplatz am Midfjord auf. Eine Hütte war durch eine Gruppe Motorradfahrer belegt, die restlichen Hütten von polnischen Reisegruppen. Zelte standen auf dem Campingplatz letztendlich an der Zahl: Eines. Unseres. :D

Vorteilhaft an diesem Campingplatz war ein Haus in der Mitte, in der es uns möglich war Wäsche zu waschen und uns endlich wieder eine warme Mahlzeit zuzubereiten.

 

 

Atlantikstraße

Am nächsten Tag war sie nur noch einen Steinwurf entfernt: Die Atlantikstraße. Wir hatten wieder bestes Wetter und vielleicht ging dadurch auch ein wenig Flair verloren. Natürlich ist die große Brücke interessant anzusehen und auch die vielen kleinen Inseln rechts und links, doch bekommt man die möglichen Naturgewalten bei vollkommen ruhiger See nicht zu spüren. Es herrschte eine herrliche Idylle. Nach dem ein oder anderen Foto fuhren wir weiter und genossen die weiteren Kilometer dieser als Landschaftsroute ausgezeichneten Straße.

 

 

Atlantiktunnel

Interessant ist die Fahrt durch den Atlanterhavstunnel. In dem fast sechs Kilometer langen Tunnel geht es auf bis zu 250 Meter unter Null und dann sofort wieder zurück auf Meereshöhe. Der Scheitelpunkt wirkt daher viel fulminanter als zum Beispiel im Elbtunnel bei Hamburg. Etwas Verwirrung stiftete die vor der Einfahrt zu entrichtende Maut, da der werte Herr uns meiner Meinung nach etwas zu hohe Gebühren abknöpfte. Wir suchten bereits in der Schlange wartend das Geld anhand der Gebührentafel zusammen, doch am Schalter mussten wir dann überraschenderweise mehr zahlen als errechnet. Auf eine Diskussion haben wir uns dann jedoch nicht eingelassen. Bringt ja eh nichts.

 

Kristiansund

Die Kleinstadt Kristiansund liegt auf Inseln und ist erst seit 1992 durch Brücken beziehungsweise Tunnel mit dem Festland verbunden. Wir suchten uns einen Parkplatz an der Promenade, doch verloren wir schnell die Lust uns weiter umzusehen. Das Wetter war zwar perfekt, doch Kristiansund war der letzte Ort, den wir auf der Liste stehen hatten und dies schwebte wie ein Damoklesschwert über uns. Die horrenden Parkgebühren gaben uns dann noch den Rest. Während mein Kumpel nochmal die Karte studierte nutzte ich die Zeit, um ein paar Bilder zu schießen. Eine Möglichkeit hätte darin bestanden weiter nach Trondheim zu fahren, doch dann würden wir wieder nur in einer Stadt stehen und wüssten damit wieder nichts anzufangen. Also beschlossen wir erstmal wieder gen Süden zu fahren und dann weiterzusehen.

 

 

Riksvei 70

Einige Zeit später irgendwo auf der Reichsstraße 70: Wir hielten an einem kleinen Parkplatz, packten unsere Campingstühle aus und platzierten uns am Heck des Vectras. Eine Pause war angesagt. Wir hatten Hunger und kamen zu dem Schluss, dass nun eine Entscheidung fallen müsste. Letztendlich fiel diese pro Heimat. Uns trennten nun genau 2000 Kilometer über den Landweg bis nach Hause und diese wollten wir nun angehen. Was noch anzumerken ist: Selbst diese innerländischen Straßen weit weg der Fjorde und Berge sind wirklich angenehm anzusehen und natürlich herrlich zu fahren.

 

 

Schlafplatz

Abends hatten wir bereits 300 Kilometer hinter uns gelassen, so dass wir einen Campingplatz hinter Lillehammer aufsuchten. Außer uns war genau eine weitere Camperin aus Deutschland auf dem Platz anzutreffen. Ansonsten keine Menschenseele. Während wir das Zelt aufbauten begann es dann leicht zu nieseln und ein Blick in die Ferne ließ uns das Zelt nur noch schneller aufbauen: Über dem Fjord regnete es so heftig, dass man nichts mehr erkennen konnte. Glücklicherweise zog diese Starkregenfront an uns vorbei.

 

 

Die Rückreise

Nach Adam Riese hatten wir nun also noch 1700 Kilometer vor uns. Um 9 Uhr morgens waren wir abfahrbereit und starteten unsere nächste Etappe. Kurz vor Oslo konnten wir dann auch endlich die ersten norwegischen Autobahnkilometer sammeln. Das erste Mal nach zwei Wochen dreistellige Tachowerte! :D

 

Kurz vor der Grenze machte ich noch eine meiner Felgen mit dem Bordstein eines Kreisverkehrs bekannt (Die erste Macke in neuen Felgen ist schon schmerzhaft, aber dann mit diesem einen Mal direkt mehrere Macken einmal 360 Grad ringsherum hereinzuhauen ist nur noch bitter. Danke Norwegen für diesen Abschied. :D ) und in Schweden hielten wir nur ein einziges Mal, um den Tank des Vectras zu füllen und unsere Blasen zu leeren. Bemerkenswert war, das wir auf diesem Teilstück der Reise mit 4,84 Litern/100km den niedrigsten Verbrauch des gesamten Roadtrips hatten!

 

Die erste vollwertige Pause hielten wir erst abends in Dänemark. Auch in Dänemark sollte dies unser einziger Stopp sein. Spannend wurde es in Dänemark zudem nur kurz vor einer Baustelle. Ich reduziere das Tempo langsam auf die vorgeschriebenen 80 km/h und befinde mich auf der linken Spur. Auf der rechten Spur ein mit KFZ beladener LKW. Wir befinden uns auf gleicher Höhe wie die Zugmaschine. Der Blick nach vorne lässt jedoch Böses erahnen. Die Fahrbahnen werden nach rechts verschwenkt; doch nicht wie man es aus Deutschland gewohnt ist; in dem quasi zwei Mittellinien gezogen werden, die im Verschwenkungsbereich einen großen Puffer zueinander haben. Nein, es ist nur eine einzige Linie ohne jeglichen Spielraum.

 

Damit wir uns in dieser Engstelle nicht zwischen Betonwand und LKW befinden latsche ich also nochmal kurz aufs Gas und der ein oder andere mag es jetzt schon ahnen: Es blitzt. :D 100 bei 80. Da hält man sich zwei Wochen lang penibelst an die herrschenden Geschwindigkeitsbeschränkungen, kann an einer Hand abzählen wie oft man das Tempolimit überschritten hat und wird dann bei einem dieser Male auf dem Weg nach Hause geblitzt. :D Glück im Unglück: Es kam keine Post. Hat Dänemark da keine Vereinbarung mit der Bundesrepublik?

 

Nach dem letzten Grenzübertritt tankten wir ein weiteres Mal auf und legten von da an deutlich öfter Pausen ein, denn mittlerweile war die Nacht angebrochen, durch die wir ohne weitere Vorkommnisse durchhielten und schließlich um 04:32 Uhr nach zwanzigeinhalb Stunden ‘on the road’ den Vectra in heimatlichen Gefilden abstellen konnten.

 

Fazit:

Was bleibt nach 5290 Kilometern unterwegs zu sagen? Südnorwegen ist wunderschön. Von den Fjorden übers Fjell bis in die Berge unglaublich faszinierend und daher auf jeden Fall eine Reise wert.

 

Kostentechnisch muss man sich auf etwas gefasst machen. Die Lebensmittelpreise sind deutlich über den deutschen und auch auf den Campingplätzen lebt man mit knapp 20€ pro Nacht für Auto, 2 Personen & 1 Zelt nicht gerade billig. Die Spritpreise sind auch höher als in Deutschland, jedoch blieb uns da der Schock erspart, denn uns wurden im Vorfeld viel höhere Literpreise vorausgesagt. Dazu kommen dann zum Beispiel noch nicht gerade geringe Summen für Maut und Fähren, ohne die ein Vorankommen in Südnorwegen teilweise nicht möglich ist.

 

Letztendlich haben wir 436€ für Sprit gezahlt ( 6.60 Ltr/100km ) und 508€ für alle restlichen anfallenden Kosten. Diese wären deutlich höher gewesen, wenn wir nicht

- in Deutschland Nahrungsmittel gekauft hätten

- hauptsächlich auf Campingplätze verzichtet hätten

- auf Restaurantbesuche etc verzichtet hätten

 

Norwegen zählt nicht umsonst zu den teuersten Ländern der Welt. Aber: Norway is awesome!

 

Ich hoffe, dass euch diese Reihe gefallen hat und vielleicht plant der ein oder andere bereits seine eigene Norwegenreise. Aus zeitlichen Gründen sind die letzten Artikel für meinen Anspruch etwas kurz und nicht zur vollsten Zufriedenheit geraten, jedoch war es mir ein Anliegen diese Reihe zu Ende zu bringen und wenigstens noch die schönsten Fotos mit euch teilen zu können. Wenn ihr noch offene Fragen habt, dann geniert euch nicht die Kommentarfunktion zu nutzen und auch über Kritik, ob positiv oder negativ, würde ich mich freuen!

 

Danke und bis dann..

Hakuna Matata

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27.10.2016 17:50    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: Norwegen, Roadtrip, Roadtrips

In dieser Blogreihe möchte ich euch meinen letztjährigen Norwegen-Aufenthalt näherbringen. Gemeinsam mit einem Kumpel sollte es ohne Navi und ohne Campingplätze durch das Land der Fjorde gehen. Den vorherigen Teil der Serie findet ihr hier.

 

[...] Der nächste Morgen: Die Sonne strahlte am blauen HImmel und diesmal ließen wir uns Zeit mit dem Abbau des Zeltes. Wir nutzen diesen wunderschönen und warmen Morgen für ein kurzes Frühstück, verbindeten uns zum ersten Mal während dieser Reise mit dem WLAN eines Campingplatzes und ließen uns auf unseren Campingstühlen mit Blick auf den Fjord nieder. Während wir das ein oder andere Foto an unsere Liebsten versendeten und das Wetter am Kjerag für die nächsten Tage checkten, tauchten zwei Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen auf dem Campingplatz auf. ‘Durchaus eine komische Zeit, um auf einem Campingplatz aufzuschlagen’, dachte ich mir. Die Fahrzeuge fuhren bis runter an den Fjord und parkten dort auf dem Fahrweg. Die Türen öffneten sich und dann standen dort einige Rentner, die sich auch umgehend auf den Sitzbänken niederließen.

 

Ich trennte die Internetverbindung, stand auf und begann das Zelt abzubauen, während mein Kumpel das Besteck und Töpfe auswaschen ging. Noch während ich mit dem Zelt beschäftigt war, vernahm ich plötzlich die Rufe einer Rentnerin. “Dieter, fahr doch bitte das Auto auf die Seite. Wir nehmen den jungen Männern die Sicht.”

 

Etwas verwundert blickte ich in Richtung des Fjordes und stellte fest, dass sie meinen Kumpel und mich meinte, so hat sie doch die zwei in Richtung Fjord aufgestellten Campingstühle entdeckt.

‘Das ist absolut kein Problem. Wir packen schon zusammen und checken gleich nur noch kurz unsere Karte. Dann fahren wir auch schon weiter. Sie können das Auto ruhig stehen lassen”, sagte ich der Dame, nachdem ich die wenigen Meter bis zu Ihr gehechtet bin. “Oh, ich habe gar nicht gesehen, dass sie auch aus Deutschland kommen. Wir waren gestern an der Trolltunga und wollten jetzt hier nur eine kurze Pause machen. Das sieht von der Straße aus so schön aus”, entgegnete sie mir. Nach einem kurzen Pläuschen über die Trolltunga kamen wir sehr schnell zum Thema der Weiterfahrt. Die Rentner-Truppe war ebenfalls seit knapp einer Woche unterwegs und wollte nun weiter gen Norden. Sie erzählte von der Atlantikstraße, den Trollstigen, dem Hardangervidda..alles Orte, über die wir uns im Vorfeld informiert hatten, die wir jedoch auf Grund der eng bemessenen Zeit von zwei Wochen auslassen wollten. Man kann nicht alles beim ersten Mal sehen.

 

“Wir hatten nun eigentlich vor wieder langsam in Richtung Süden zu fahren, da wir den Kjerag am Anfang unserer Reise ausgelassen haben, jedoch sagte der Wetterbericht für dort eben wieder nur Regen voraus und da sind uns die rutschigen Felsen nicht ganz geheuer. Vielleicht sollten wir wirklich darüber nachdenken den Plan zu ändern. Der Kjerag läuft uns nicht weg.” - “Ja, man muss sich nicht unnötig in Gefahr bringen”, kommentierte sie weise.

 

Die Dame widmete sich wieder ihrem Mann und den befreundeten Rentnern, so dass ich das zusammengebaute Zelt & die Campingstühle ins Auto packen konnte und unsere Karte auf der Motorhaube ausbreitete. Ich machte mir Gedanken über die Worte der Rentnerin und musste schließlich eine weitere Karte dazuholen, um mir die ganzen Orte anzuschauen. Unsere bisher genutzte Südnorwegen-Karte war zwar größer als die Motorhaube des Vectras und sehr detailliert, jedoch endete sie etwa dreißig Kilometer nördlich von uns. Wie gesagt: So weit gen Norden war nicht geplant. Das kostenlose Kartenmaterial von visitnorway deckte glücklicherweise einen größeren Teil Norwegens ab, wenn auch deutlich weniger detailliert ( Vgl.: Siehe Teil 1 der Blogreihe ).

 

Ich studierte also die Karten und erzählte schließlich meinem Kumpel nach seiner Reinigungsaktion von meinem Gespräch mit der Dame. Eine Diskussion kam quasi gar nicht zustande, denn schon während meiner Erzählung wurde uns beiden klar, dass der Kjerag keinen Sinn machen würde. Die Wetterlage war einfach zu riskant. Und so ging unsere Reise mit einem weinenden & an den Kjerag denkenden Auge weiter. Und einem lachenden. Die Vorfreude auf die Route, die wir uns auf dem Campingplatz zusammenbastelten übermannte uns recht schnell und so ging es nach drei relativ stationären Tagen im Einzugsbereich des Sørfjord weiter gen Norden. Vorbei die Planlosigkeit. Jetzt wird Strecke gemacht. Wir wollten nun so viele schöne Orte sehen, wie möglich. Und eines sei jetzt schon gesagt: Es hat sich gelohnt.

 

Da sich unser Roadtrip mit diesem Tag in angesprochener Hinsicht änderte, werde ich ab nun von der bisherigen Erzählweise etwas abweichen und hauptsächlich auf die angefahrenen Orte eingehen. Diese waren einfach zu prägend, als dass noch viele Erinnerungen nebenbei hängengeblieben wären. Norway is awesome!

 

Kjeåsen

Kjeåsen ist ein Hof mehr als 500 Meter über dem Eidfjord. Seit 2010 nur noch zur Instandhaltung bewohnt, zieht der Berghof weiterhin viele Touristen an. Einerseits mag das an der wunderbaren Aussicht auf den Fjord liegen, andererseits an der Zufahrt. Mussten die Bewohner früher zu Fuß die Hänge hochkraxeln, so wurde in den 70er-Jahren im Zuge des Baus eines Wasserkraftwerkes eine Straße gebaut, die bis zum Berghof und noch weiter hinauf führte. Die Besonderheit dieser Straße: Sie ist sehr schmal und führt zudem durch einen unbeleuchteten einspurigen ( und mittlerweile befestigten ) Tunnel, der diese Passtraße zu einer Einbahnstraße macht. Da es logischerweise keine Alternativstrecke gibt, führt dies zu einer kuriosen Regel: Hinauf darf man jeweils nur zur vollen Stunde + 30 Minuten und hinunter im Umkehrschluss nur zur halben Stunde + 30 Minuten. So umgeht man geschickt das Problem des Gegenverkehrs.

 

Am Ende unseres Aufenthalts durfte der Vectra nochmal sein Können beweisen: Auf der Suche nach einem schönen Fotospot fuhren wir die Straße so weit es geht hoch und noch ein wenig weiter. Doch auch die Bodenfreiheit eines Vectras hat irgendwann ein Ende, so dass wir eine ganzes Stück wieder rückwärts zurück mussten und schließlich doch noch eine schöne Stelle fanden. :D

 

HinweisschildHinweisschildDie obere TunneleinfahrtDie obere TunneleinfahrtBlick vom Berghof auf den EidfjordBlick vom Berghof auf den EidfjordBlick vom Berghof auf den EidfjordBlick vom Berghof auf den EidfjordEin kleiner Bach in der Nähe des BerghofsEin kleiner Bach in der Nähe des BerghofsAm Ende der Straße weit über dem BerghofAm Ende der Straße weit über dem BerghofAm Ende der Straße weit über dem BerghofAm Ende der Straße weit über dem Berghof

 

 

 

Vøringfossen

Der Vøringfossen ist einer der meistbesuchten Wasserfälle Norwegens. Was sicherlich auch an seiner Lage liegt. Vom Eidfjord kommend merkt man auf den Straßen bereits, dass einem nun wahrscheinlich ein großer Pass bevorsteht. Dort gibt es Konvoi-Sammelstellen, viele offene Schlagbäume und dutzende Warnschilder. Im Winter ist der Pass wenn überhaupt nur im Konvoi zu befahren. Relativ schnell schraubt man sich die Meter hoch und neben einer schönen Aussicht faszinieren Tunnel, die sich spiralenförmig durch den Berg arbeiten. Da fährt man dann schonmal 360° im Kreis. Oben angekommen gibt es einen großen Parkplatz und mehrere Möglichkeiten, von wo man sich den Wasserfall betrachten kann. Der große Wasserfall ist etwas versteckt um die Ecke; die größere Faszination löste bei mir jedoch auch eher der hohe schmale Wasserfall aus, den man von allen Aussichtspunkten aus sehen konnte. Beachten sollte man auch hier, dass die Aussichtspunkte größtenteils nicht gesichert sind und Mahnmale erinnern an Menschen, denen dies bereits zum Verhängnis wurde.

Nach ein wenig Aufenthalt und einem kurzen Mahl setzen wir unsere Fahrt fort, da dieser Ort in der Tat ziemlich viele Touristen anlockte.

 

What kind of sorcery is this?What kind of sorcery is this?Wer hat sich denn da einen Palast gebaut?Wer hat sich denn da einen Palast gebaut?

 

 

 

Hardangervidda

Unsere Route führte uns weiter über die Reichsstraße 7, die uns bereits zufällig (!) zum Vøringfossen gebracht hatte. Es ging Meter um Meter höher, ehe wir mit dem Hardangervidda Europas größte Hochebene erreichten. Das Hochfjell ist geprägt von kargen, hügeligen und weitläufigen Flächen. Ein Ort, der dir den Atem raubt, zugleich aber eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt. Hier hätte man durchaus auch tagelang wandern können, jedoch waren wir dafür nicht gut genug ausgerüstet, denn es war dann doch ziemlich kalt dort oben.

 

Man kann sehr weit guckenMan kann sehr weit guckenSeht ihr die Hütte als Größenvergleich?Seht ihr die Hütte als Größenvergleich?Schafe im HardangerviddaSchafe im HardangerviddaAuch der Vectra genießt die AussichtAuch der Vectra genießt die Aussicht

 

 

Geilo

“Geilo, lass nach Geilo fahren”. Das war mein Gedanke, als ich Geilo vorschlug. Ein Ort über den wir nichts wussten, jedoch den Namen witzig fanden. Wie sich herausstellte ist Geilo ein Winter-Skiort dem im Sommer natürlich der Schnee fehlt. Dafür gibt es auch in Geilo einige Lokalitäten mit witzigen Namen. Nach fünf Minuten in der Tourist-Information fuhren wir weiter. :D

 

 

 

Riksveg 50

Da wir die Reichsstraße 7 nur befuhren um mal durchs Hardangervidda zu kommen und schließlich einmal in Geilo gewesen zu sein, nutzten wir die nächste Möglichkeit um zurück in Richtung der Fjorde zu gelangen. Diese Möglichkeit war die Reichsstraße 50. Sie führt ( wie war es anders zu erwarten ) durch eine wunderschöne Landschaft, unzählige Tunnel, in denen plötzlich auch mal Schafe auftauchen können oder Asphaltarbeiten durchgeführt wurden. Einziges Manko dieser Straße war die Stromautobahn, die in Form von Strommasten immer in Sichtweite war.

 

Verdammt klares WasserVerdammt klares Wasser

 

 

Übernachtplatz

Wer nicht suchet, der findet. Zwischen den ganzen Hängen eröffnete sich plötzlich ein Tal, in dem ein unbefestigter Weg von der Straße wegführte. Diese Chance nutzten wir ohne zu zögern und bauten unser Zelt windgeschützt abseits der Straße auf. Während das Tal schon im Schatten lag, beobachteten wir die letzten Sonnenstrahlen und ließen den Abend entspannt ausklingen. Nach einiger Zeit tauchten noch drei Fahrzeuge ( ein Lada, ein Nissan Qashqai und ein nicht identifizierbares russisches Modell ) mit russischen Kennzeichen auf, die jedoch nach einer kurzen Beratung wendeten und den Feldweg wieder verließen. Platz genug wäre zumindest auch für deren Camp gewesen.

 

Die Sackgasse zu unserem CampDie Sackgasse zu unserem CampDie letzten SonnenstrahlenDie letzten Sonnenstrahlen

 

Am nächsten Tag sollte es noch weiter gen Norden gehen, doch dazu mehr im nächsten Artikel ;)

 

to be continued..

Hakuna Matata

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16.10.2016 19:53    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: Norwegen, Roadtrip, Roadtrips

In dieser Blogreihe möchte ich euch meinen letztjährigen Norwegen-Aufenthalt näherbringen. Gemeinsam mit einem Kumpel sollte es ohne Navi und ohne Campingplätze durch das Land der Fjorde gehen. Den vorherigen Teil der Serie findet ihr hier.

 

[...] Nachdem wir alles zusammengepackt hatten, machte uns der Auris noch schnell lautlos Platz und wir gingen on the road, um die wenigen Kilometer bis zum Parkplatz der Trolltunga-Wanderung zu absolvieren. Und das Bild, dass sich uns dort bot, stand in völligem Kontrast zu dem des vorigen Abends: Der gesamte Parkplatz war voller Autos und wir fanden mit Glück noch einen der letzten freien Parkmöglichkeiten. Irgendwo halb auf dem Fahrweg zwischen den Parklücken und massiven Steinen, die einen vor dem Badengehen samt Auto in einem kleinen Stausee schützte, standen wir nun da und ließen das Treiben auf uns wirken. Zig Menschen wuselten an ihren Fahrzeugen herum, zogen sich um, suchten die Toiletten auf oder versuchten Parktickets am Automaten zu lösen. Letzteres war für uns mangels Münzgeldes nicht möglich, weshalb wir uns in die lange Schlange an einem kleinen Shop stellen mussten. Es ging jedoch zügig voran und so konnten wir zeitig unsere Wanderung beginnen.

 

Früher bestand vom Parkplatz aus die Möglichkeit den ersten steilen Anstieg über die Treppen der stillgelegten Mageliban in Angriff zu nehmen. Die Treppe ist nun jedoch dem Bau einer Straße bis hoch auf das erste Plateau zum Opfer gefallen. Es stehen nur noch kleine unerreichbare Teilstücke, da die geplante Straße die alte Mageliban-Strecke mehrfach kreuzt. Wie sich die Straße nach der Fertigstellung auf die Wanderung und die Menge an Touristen auswirken wird möchte ich mir gar nicht vorstellen. Wenn man also noch auf dem guten alten 'klassischen' Weg die Trolltunga erreichen möchte, dann wird es nun höchste Zeit. Sollte die Straße tatsächlich auch der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, dann wird es wohl leider deutlich einfacher die Trolltunga zu erreichen und damit wahrscheinlich noch voller als es jetzt schon ist.

 

Etwa einhundert Meter von der Mageliban-Strecke entfernt führt ein neu eingerichteter Wanderweg den Anstieg hinauf. Zwei Tage zuvor empfanden wir den Langfossen-Anstieg schon als anstrengend, doch dieser war nochmal eine andere Klasse. Gnadenlos ging es über eine Strecke von 1700 Metern insgesamt von 400 auf 850 Höhenmeter hinauf, wovon die ersten zwei Drittel definitiv am steilsten und damit am härtesten waren. Stufe um Stufe, Stein um Stein, Fels um Fels ging es hinauf. Und immer wieder Wurzeln, auf die man Acht geben musste. An einigen unwegsamen Stellen sind sogar Seile befestigt, die Halt bieten sollen. Nicht, weil die Gefahr eines Absturzes bestände, sondern weil die Stelle zu steil oder bei Regen zu rutschig wäre. Auf einem mehrere Quadratmeter messenden glatten Felsen findet man nunmal nicht so gut halt.

 

An diesem steilen Stück stapften die Menschen wie an einer Perlenkette hintereinander den Berg hinauf. Das Tempo unterschied sich untereinander nicht so arg und die Tatsache, dass der Weg zudem sehr eng war unterstützte das hintereinander herlaufen. Einzig, wenn der ein oder andere eine kleine Pause machte konnte man eine Position gutmachen. Im letzten Drittel dieses ersten Aufstieges entzerrte sich die Menschenkette dann einigermaßen und die Wege wurden insgesamt breiter, was sich kurze Zeit später auf der ersten Ebene noch deutlicher darstellte. Jetzt fühlte es sich endlich nicht mehr an wie bei einer Touristen-Exkursion, sondern lediglich wie ein gut besuchter Wanderweg. Endlich wieder wandern, ohne den Atem des Nachfolgenden im Nacken zu spüren.

 

Die erste Ebene bot einen schönen Blick auf umliegende schneebedeckte Berge. Zudem konnte man vereinzelte kleine Hütten entdecken, die hier total abgeschieden im Nichts lagen. Bei genauem hinsehen fielen auch ein paar Zelte auf. Und in der Tat kann ich bereits jetzt verraten: Wer ein Bild auf der Trolltunga machen möchte, der sollte ernsthaft in Betracht ziehen hier oben zu übernachten und sich mindestens den ersten Anstieg zu sparen. Die Zeit, die ihr dadurch spart, rechnet sich in doppelter Hinsicht. Doch noch befinden wir uns auf 800 Metern Höhe und haben stattliche 10 Kilometer Fußmarsch vor uns.

 

Im letzten Artikel erwähnte ich mehrmals, dass man überall wo es nur geht darauf hingewiesen wird, dass man so früh wie möglich zur Wanderung aufbrechen soll beziehungsweise die Wanderung abbrechen soll, wenn man zum Zeitpunkt X noch nicht die Trolltunga erreicht hat. Diese Warnungen sollte man definitiv nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn man sowieso vor hat mit Zelt und Proviant dort oben zu nächtigen, dann ist das alles kein Problem. Sollte man jedoch als Wanderer auf Tagesbasis dort oben im Dunkeln und der Kälte stranden, dann kann es dort oben sicherlich ganz schön unangenehm werden.

 

Die entspannte erste Ebene ist ziemlich flach, doch kann man sich moralisch die ganze Zeit auf den nächsten Zuwachs an Höhenmetern vorbereiten, so läuft man doch auf die nächste Wand zu. Diese ist zugegebenermaßen nicht so steil wie der erste Anstieg und schraubt sich deutlich weniger in die Höhe, zieht sich danach aber ein wenig in die Länge. Mein Kumpel nutzte dies und setzte sich ein wenig ab. Als ich oben ankam und ein paar kleine Schneefelder bestaunte (es war Ende August!), war seine kleine Fotosession bereits beendet und er leutete eine kleine Essenspause ein. Nach tagelangem Reis-, Nudel- und Fertigsoß-Mahlzeiten waren die gekaufte Salami und das mit Nuss-Nougat-Creme bestrichene Brot ein Gaumenschmaus! Wir stärkten uns somit ein wenig und wagten uns dann an die zweite Etappe der Wanderung. Waren die ersten knapp viereinhalb Kilometer durch das Wandern in die Höhe bestimmt, so ging es ab nun mehr oder weniger darum, Strecke zu machen. Auf den fünfeinhalb Kilometern bis zur Trolltunga ging es immer wieder leicht auf und ab. Total felsige Abschnitte fast ohne jegliches Sediment wechselte sich ab mit durchweg grünen Teilstücken und immer wieder konnte man auf der rechten Seite halbfern einen See erkennen. Dieser Fernblick mit den schneebedeckten Bergen im Hintergrund faszinierte nicht nur uns beide. Immer wieder blieben Leute stehen und starrten für einige Momente einfach nur in die Ferne.

 

Nach den Wanderungen zum Preikestolen und am Langfossen machten sich zudem unsere Wanderschuhe spätestens bei dieser Wanderung bezahlt. Immer wieder stand man plötzlich vor Bächen, die quer über den Weg liefen und für nasse Füße gesorgt hätten. Von riesigen morastigen Feldern ganz abgesehen, die durch die Schneeschmelze nun am Ende der Sommersaison freigelegt werden. Einen Monat vorher ist man hier sicher noch ohne Probleme über Schneefelder gelaufen, nun ist an diesen Stellen schwarzer Morast und vom Schnee nur noch sehr wenig übrig geblieben. An nur mehr einer einzigen Stelle führte der Weg noch zwingendermaßen über Schnee.

 

 

Nach knapp neun Kilometern Wanderung verändert sich die Landschaft nochmals. Es wird wieder viel felsiger und in einem kommt das Gefühl auf, dass man gleich am Ziel ist. Dieses Gefühl zieht sich dann jedoch zwei lange Kilometer, die jedoch ziemlich abwechslungsreich sind. Man kommt erst an ein Nadelöhr: Wir gingen über eine Kuppe, konnten eine große Felslandschaft überblicken und sahen einen Bach, der links durch eine zig Meter hohe Felswand begrenzt wird und rechts durch einen großen Felsbrocken, der zu groß erschien, als dass der Weg darüber weiterführen könnte. Der Bach wiederum führte so viel Wasser und wurde im Verlauf so steil, dass er nicht begehbar war. Also verringerten wir und einige andere Wanderer unser Tempo unterbewusst und kurz ratterte es in den Köpfen. “Die anderen Leute haben es ja auch irgendwie auf die andere Seite geschafft. Nur wie?”

 

Bis plötzlich zwei Köpfe über dem Felsen auf der rechten Seite auftauchten. Dann zwei Oberkörper und schließlich standen zwei ausgewachsene Menschen auf dem Felsen und kletterten die knapp einundhalb Meter hinunter. Wenn man bedenkt, dass den Weg von Mann bis Frau, von Kind bis Hund alle begehen, dann war die Situation doch ein wenig kurios. :D

 

Nach diesem Nadelöhr führt der Weg durch eine sehr weitläufige rundgewaschene Felslandschaft. So weitläufig, dass man plötzlich das Gefühl hatte hier fast ganz alleine zu sein. Jede Wandergruppe nahm einen anderen Weg und es würden sich auch Stellen finden, an denen man vollkommen ungestört ein Nickerchen halten könnte.

 

Wiedermal ein schönes Stückchen Norwegen und nonverbal verstanden wir uns wieder aufs Feinste, so nahmen wir doch nicht Weg des geringsten Widerstandes, sondern den Weg, der uns spontan am besten gefiel und uns durch die Felslandschaft an unser Ziel brachte: Die Trolltunga.

 

Nach geschlagenen fünf Stunden Marsch waren wir nur noch wenige Meter entfernt. Wir gingen über die Kuppe und entdeckten als erstes ein paar Menschen. Mit jedem Schritt sahen wir immer mehr vom Stausee und auch immer mehr Menschen. Die Menschenmengen am ersten Anstieg ließen es bereits erahnen, jedoch realisierte ich erst jetzt, dass diese logischerweise auch an der Trolltunga aufschlagen würden. Und damit bot sich uns ein skuriller Anblick.

 

Mit den letzten Schritten bis zum Abgrund wird der Blick auf den Felsvorsprung freigegeben. Ich stand plötzlich dort und schaute leicht nach unten. Links eine riesige Felswand mitsamt dem Felsvorsprung und hunderte Meter weiter unten, am Fuße der Felswand der große See, der über den Sommer wohl einiges an Wasser einbüßen musste. Und das Einzige, das mir durch den Kopf ging: “Das kann nicht echt sein. Ich stehe direkt davor und habe den Eindruck, dass ich auf eine Fotomontage gucke.” Dieser Felsvorsprung wirkt in so vielen Blickwinkeln so dermaßen surreal, dass man es selbst dann noch nicht glauben mag, wenn man direkt davor steht und es mit eigenen Augen sieht.

 

Die ganze Situation wird jedoch noch surrealer, wenn dann wieder die ganzen Wanderer in den Vordergrund rücken. Mensch an Mensch stehen sie da in einer Schlange, um das obligatorsiche Trolltunga-Foto für das Familien-Album Facebook & Instagram zu schießen.

 

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Da wandern Familien mit ihren Kindern, Rentner mit ihren Rentnerinnen und Gruppen von Jugendlichen hin und zurück knapp zehn Stunden lang insgesamt 22 Kilometer ins Niemandsland, wo es normalerweise keine einzige Menschenseele geben dürfte, um dann wahrscheinlich stundenlang in dieser Warteschlange zu stehen, die einem wenn es hochkommt zwei Minuten für Fotos auf der Trolltunga ermöglicht.

 

Wir ließen dieses Treiben lieber links liegen und setzten uns auf einen Hügel etwas entfernt der Menschentraube. Manchmal bedarf es etwas Glück, doch dieses hatten wir nun: Während wir uns an unserem zubereiteten Mittagessen bedienten, ließ sich auch die Sonne endlich & zum ersten Mal am heutigen Tage blicken. Die wärmenden Sonnenstrahlen wurden umgehend für ein kleines Verdauungsnickerchen genutzt, welches zwar nicht von Dauer war, jedoch trotzdem erholsam wirkte. Als die Sonnenstrahlen wieder verschwanden, merkte ich wieder, wie kühl es doch bei diesen bewölkten Bedingungen auf knapp 1200 Metern über dem Meeresspiegel ist. Daher begann ich eine kleine Erkundungstour mit der DSLR in der Hand, um verschiedene Blickwinkel auf und um die Trolltunga herum zu betrachten, während mein Kumpel weiter vor sich hin döste.

 

Egal wo man an der Kante des Felsens entlangläuft: Man entdeckt fast jeden Meter einen neuen phänomenalen Blick oder interessante Stellen. Unterhalb der Trolltunga sind zum Beispiel begraste Vorsprünge, auf denen auch zig Menschen saßen. Wie die dorthin gekommen sind, fragte ich mich, jedoch war das investigative Ich nicht gewillt, dem weiter nachzugehen. Des weiteren fiel mir ein zweiter Vorsprung auf, der nur wenige Meter hinter der Trolltunga aus der selben Felswand ragte. Durchaus interessant anzusehen.

 

 

Nach einiger Zeit wachte mein Kumpel auf. Während er auch relativ zügig die Klippe begutachtete, schoss ich die letzten Fotos und wir begaben uns auf den Rückweg. Durch die weitläufigen Felsformationen, vorbei am Nadelöhr und über die Ebene bis hin zu den zwei Abstiegen. Da wir uns von den Rückenbeschwerden der Langfossen-Wanderung bzw. vom Camp nach der Wanderung erholt hatten, ging auch der Abstieg im Preikestolen-Stil zügig voran. Für den Rückweg brauchten wir nur mehr etwas mehr als dreieinhalb Stunden. Wir sind die Abstiege aber auch herabgerannt wie die Irren und kamen nassgeschwitzt und mit roten Köpfen unten am Parkplatz an. Da guckte manch einer nur doof. :D

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem wir uns einige Zeit akklimatisierten und ausruhten, setzen wir uns ins Auto und fuhren weiter gen Norden. In weiser Voraussicht hatten wir bereits am Vortag geplant, dass wir nach der Wanderung den nächstgelegenen Campingplatz in nördlicher Richtung aufsuchen werden. Die nervige Übernacht-Platz-Suche im Freien wollten wir uns nach der anstrengenden Wanderung definitiv sparen. Und so kam es, dass wir nach einiger Zeit an einem relativ großen Campingplatz hielten, der ziemlich voll war und offensichtlich auf Familien mit kleinen Kindern ausgelegt war. Wir schauten uns zwar noch die Preise an, jedoch war uns vorher schon klar, dass wir hier definitiv nicht bleiben wollten. Zu viele Menschen. Zu viel Gewusel. Wir wollten unsere Ruhe haben.

 

Schließlich fanden wir einen kleinen idyllischen Campingplatz in Ringøy direkt am Fjord. Eine kleine Hütte und ansonsten nur Wiese in Hanglage. Was braucht man mehr? Da zudem überhaupt nicht viel los war stellten wir uns ans untere Ende der Wiese direkt an den Fjord und in Nähe des kleinen Häuschens. Vom Besitzer der Anlage war weit und breit nichts zu sehen und erst ein kleiner Infozettel in der Hütte wies darauf hin, dass die Besitzerin abends um 21 Uhr erscheint, um das Geld zu kassieren. Ziemlich entspannte Lösung.

 

Wir bauten also fix unser Zelt auf, gönnten uns eine wohlverdiente Dusche und setzten uns auf eine Bank direkt am Fjord, um unser Abendessen abzuhalten. Als die Besitzerin des Campingplatzes zum Kassieren erschien, erzählte sie uns noch, dass wir kostenlos Kochen könnten und auch das Brennholz unten am Fjord kostenlos zur Verfügung steht. Das Brennholz konnte für einen großen Grill und einen kleinen Ofen, der aus Steinen am Fjord aufgebaut wurde genutzt werden; was durch andere Camper auch genutzt wurde. Im Großen und Ganzen ein sehr schöner minimalistischer und ruhiger Campingplatz, der uns wirklich gefallen hat.

 

Der weitere Tourverlauf war indes noch nicht hundertprozentig fest. Am nächsten Morgen wollten wir uns mit den Karten Gedanken machen, wie wir die letzten Tage unserer Reise angehen, denn wir zählten mittlerweile Tag 9 und der Kjerag wartete noch immer auf uns. Uns trennten lediglich knapp sechs Stunden Fahrt beziehungsweise über acht Stunden, wenn wir nicht den gleichen Weg wieder zurück fahren wollten.

So ist das nunmal in Norwegen. Alternativstrecken sind Mangelware.

 

to be continued..

Hakuna Matata

 

P.S.: Der Mangel an Alternativ- bzw. Umleitungsstrecken führt auch zu dem ein oder anderen Kuriosum: Frisch asphaltierte Straßen werden ziemlich schnell wieder frei gegeben, was die ‘Baustelle’ aufgrund von schwarzen Spuren auf der Straße schon weit im Vorfeld ankündigt. Und was auf den alten Straßenabschnitten klebt, kann natürlich genausogut am Fahrzeug kleben. Ein Graus für jeden Fahrer eines gepflegten Automobils. :o

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26.07.2016 03:45    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (11)    |   Stichworte: Norwegen, Roadtrip, Roadtrips

In dieser Blogreihe möchte ich euch meinen diesjährigen Norwegen-Aufenthalt näherbringen. Gemeinsam mit einem Kumpel sollte es ohne Navi und ohne Campingplätze durch das Land der Fjorde gehen. Den vorherigen Teil der Serie findet ihr hier.

 

[...] Und so erreichten wir nach einem anstrengenden und aufregenden Nachmittag unser Auto, mit dem wir nach einer kurzen Verschnaufpause und den letzten Blicken auf den Langfossen in Richtung Trolltunga starteten. Auf den knapp fünfzig Kilometern bis dorthin suchten wir wieder nach Camping-Möglichkeiten, doch an dem Bild der letzten Tage änderte sich nicht viel: Links der Fjord, rechts eine hunderte Meter hohe Felswand, wir auf der Straße dazwischen.

 

Nach einigen Kilometern erreichten wir dann ein Teilstück, dass rechts und links von weitläufigen Wiesen gesäumt wurde. Diese waren jedoch eingezäunt und wurden landwirtschaftlich genutzt. Bis auf ein Stück rechts der Straße, denn dort befand sich ein großer und ziemlich leerer Campingplatz. Dieser Bestand quasi nur aus der Wiese und Baumreihen, die die Zeltbereiche von den Wohnmobilbereichen abgrenzte. Dass dort auf einer Fläche, die Platz für sicherlich über 50 Zelte und mindestens genau so viele Wohnmobile bat, nur jeweils etwa 5 ebenjener standen wirkte etwas surreal. Ob der Campingplatz mitten in der Hauptsaison deutlich besser besucht ist?

 

Etwa zwanzig Kilometer nach dem Langfossen bogen wir auf eine Nebenstraße ab, die in Richtung des Sees Reinsnosvatnet führte. Ein superidyllisches einsames Stück Straße, an dem wir mehrfach anhielten, um uns mögliche Stellen zum campen anzusehen, doch jeder hatte einen Negativpunkt, über den wir nicht hinwegsehen konnten. Daher ging es immer weiter..

 

An der Straße stehen stellenweise auch Ansammlungen von Hütten, die exakt so weit voneinander entfernt sind, dass man das Nachbarhaus fast nicht mehr aktiv wahrnimmt und auch von der Straße im Prinzip nichts mitbekommt. Hier sah es so aus, wie ich mir Norwegen noch bis kurz vor den Roadtrip vorstellte.

 

Die Straße führte schließlich entlang des Sees, bis sie plötzlich hinter einer Kurve versperrt durch einen Schlagbaum für uns endete. 45 Minuten Strecke quasi für die Katz. :D Der Rückweg zur Hauptstraße dauerte dann immerhin nur knapp 25 Minuten. Ärgerlich: Danach fuhren wir im weiteren Verlauf unseres Weges mehr oder weniger unbemerkt am Latefossen vorbei. Durch die Gischt des Wasserfalls war die komplette Straße plitschnass, doch so richtig realisierten wir nicht, dass dies der Latefossen, neben dem Langfossen einer der bekanntesten Wasserfälle Norwegens war, den wir da passierten. Und das, obwohl dieser uns bei der Informationsbeschaffung im Vorfeld des Roadtrips mehrmals begegnete.

 

Die nächste Stadt, die wir erreichten hieß Odda. ,,Ein Ort eingerahmt von zwei Nationalparks und zwar des Hardangerviddas, einer einzigartigen Hochebene in Norwegen und dem Folgefonnanationalpark mit dem 3. größten Gletscher Norwegens, am inneren Ende des Sørfjord ein Seitenarm des Hardangerfjord.

 

Am Ende des 19. Jahrhunderts war Odda ein beliebtes Ziel für die "Sommerfrische" für Adelige und reiche Bürger aus ganz Europa. Auch Kaiser Wilhlem der II war über 20. Jahre immer wieder als Gast in Odda anzutreffen.

In seinen tourstischen Glanzzeiten hatte der damals noch kleine Ort zehn Hotels, davon war das alte Hardanger Hotel das grösste und das erste Haus am Platz.

Durch den Bau des Smelteverk 1908 und der mehr und mehr Industralisierung Oddas blieben die Touristen weg und Odda kam in Verruf. Aber seit dessen Konkurs und der daraus folgenden Schliessung des Smelteverks 2003 versucht man wieder den Tourismus anzukurbeln. Ein Besuch von Odda und besonders seiner tollen Umgebung lohnen sich auf jeden Fall.” [sic] ( Quelle: http://norwegenfee.jimdo.com/ )

 

Dieser passenden Zusammenfassung ist meiner Meinung nach nichts hinzuzufügen. Wir parkten auf einem Parkplatz im Zentrum, das sich direkt am Ende Fjords befand. Vorne der Fjord und zu den drei anderen Seiten Gebirgsketten. Ein atemberaubender Ort. Das Städtchen gefiel uns. Fehlte nurnoch ein Platz zum Schlafen.

 

Nach einer kurzen Stärkung begaben wir uns daher in Richtung eines elf Kilometer langen Tunnels, der in Odda begann und uns durch einen Berg auf die andere Seite des Folgefonna-Gletschers bringen sollte. Nach der Durchfahrt passierten wir eine der vielen Mautstationen, doch diese ärgerte uns im nachhinein etwas. Wir fanden nämlich wenige Minuten später zwar einen Schlafplatz direkt an einer so gut wie nicht befahrenen Sackgasse, doch kostete die Durchfahrt des Tunnels knapp 70 Kronen und war damit die teuerste Mautstation unseres Roadtrips. Zu allem Überfluss fuhren wir am nächsten Morgen ohne Umwege direkt wieder nach Odda und mussten logischerweise erneut durch den Tunnel, durch den auf dem Rückweg erneut 70 Kronen fällig waren. Summa summarum etwa 140 Kronen ( ~15 Euro ), um direkt hinter dem Tunnel zu Zelten und ansonsten nichts weiteres zu sehen. Auf diese Summe werde ich in diesem Artikel nocheinmal zurückkommen.

 

Interessanterweise war es auf dieser Seite des Gebirgszuges deutlich wärmer, jedoch eigentlich auch kein Wunder: Odda auf der anderen Seite lag schon etwas länger im Schatten; wir kehrten dafür zurück in die Sonne und fanden unseren Schlafplatz mit den letzten Sonnenstrahlen. Das Zelt wurde in Rekordzeit aufgebaut, das obligatorische Camp-Foto geschossen und versucht zu Bett zu gehen. Vorher verpflegte ich noch meinen angeschlagenen Rücken mit entsprechender Salbe und dann brauchte auch mein Kumpel etwas ab, denn er verhob sich an unserem Wasserkanister. :D Wenn schon, denn schon. Lazarett eröffnet. Den Umständen entsprechend entschieden wir uns dazu, den Folgetag als Ruhetag zu nutzen. Am Tag nach der Langfossen-Wanderung die anspruchsvolle Trolltunga zu besteigen ist schon nicht ganz ohne und mit unseren angeschlagenen Rücken wäre es erst recht keine gute Idee gewesen. Außerdem gefiel uns Odda, das uns auch einige Möglichkeiten gab ein paar noch anstehende Dinge zu erledigen.

 

Am nächsten Morgen packten wir wieder zusammen, kochten unser Mittagessen, hatten dabei einen kleinen feurigen Zwischenfall :D und begaben uns wieder nach Odda. Das Auto auf dem gestrigen Parkplatz abgestellt, ging es als erstes in die Tourist-Information. Unsere bereits im Vorfeld recherchierten Informationen bestätigten sich: Die Trolltunga-Wanderung sollte man aufgrund ihrer Länge bereits früh am Morgen antreten, damit man rechtzeitig vor Anbruch der Dunkelheit wieder zurückkehrt. Nähere Infos werden im nächsten Artikel über ebendiese Wanderung folgen.

Die Tourist-Info bot außerdem die Möglichkeit zu duschen. Dies merkten wir uns vor.

 

Im Anschluss an die Tourist-Info besuchten wir den örtlichen Supermarkt. Wir wollten uns ein wenig umsehen und neues Müsli kaufen. Bisher bestand jedes Frühstück aus Müsli und der Vorrat schrumpfte dadurch in großen Schritten. Milch & Müsli und eine Salami, ein Leib Brot & Nuss-Nougat-Creme für die Moral. Es bestätigte sich dabei, dass Norwegen ganz schön teuer ist.

 

Nachdem wir den Einkauf im Auto verstauten, ging es auf eine Suche, auf die ich gespannt war. Skandinavische Internetverbindungen werden oftmals hochgelobt. Und wir benötigten nun eine. Für die Rückfahrt nach Deutschland war noch keine Fähre gebucht, da wir uns erstmal offen halten wollten, wann wir zurück fahren. Wir wurden schließlich in einer Bibliothek fündig, deren Bibliothekarin superfreundlich war und uns alles kurz erklärte. ”Nur kurz diesen Zettel ausfüllen und dann das Passwort dort hinten an PC Nummer XY eingeben, dann habt ihr eine Stunde kostenloses Internet.” Und diese Stunde brauchte man wirklich. Das Internet war dermaßen langsam, dass wir wirklich vorher überlegen mussten, was wir genau googlen wollten. Wir checkten kurz ein paar Fährgesellschaften und schließlich die Gesellschaft, die uns schon nach Norwegen brachte. Von Odda aus wären zwei verschiedene Abfahrtshäfen in Frage gekommen, doch wir wollten beide lieber die kürzest mögliche Zeit auf der Fähre verbringen und da bliebe wieder nur Kristiansand übrig. Es gab allerdings zwei Probleme. Einerseits schätzten wir unsere Ankunft in Kristiansand auf den zweiten oder dritten September. Die Fjordline stellt jedoch den Betrieb ihres schnellen Katamarans immer Ende August ein. Andererseits waren die Preise für die allerletzten Fahrten im August dermaßen überteuert: Teilweise wurden im Vergleich zur Hinfahrt die 3-5-fachen Preise verlangt. Dies war uns deutlich zu viel und so entschlossen wir uns für unseren Kumpel Risiko: Den Tag der Heimfahrt offen lassen und dann spontan in den Fährhäfen abchecken, ob sich günstige Preise finden lassen. Online hätten wir ohne Kreditkarte eh nicht buchen können, wie uns erst in der Bibliothek bewusst wurde. :D Kurz vor Ablauf der Stunde kostenlosen Internets schauten wir noch nach dem Wetter. Der morgige Tag sollte grau, aber trocken bleiben und am Folgetag sollte es regnen. Und am Kjerag im Süden, unser drittes im Vorfeld ausgemachtes Ziel sollte es die ganze nächste Woche regnen. Dies stimmte uns nachdenklich und wir beschlossen, nach ein paar Tagen erneut eine Bibliothek aufzusuchen, um Veränderungen in der Wetterlage am Kjerag zu checken.

 

Wir kehrten zurück zum Auto und begaben uns in Richtung Trolltunga, um schonmal die Parkmöglichkeiten auszukundschaften, damit am Folgetag durch solche Kleinigkeiten keine Zeit unnötig verloren geht. Wir hielten erst an einem Parkplatz mit Haus, da die Straße ab hier mit einer geöffneten Schranke und dem Schild ‘Ab hier mautpflichtig’ bestückt war. Relativ schnell merkten wir jedoch, dass wir noch weiter hinauf fahren mussten und so erreichten wir einige Minuten später den richtigen Parkplatz am Fuße des ersten Anstieges und kehrten auch direkt wieder um. Mehr wollten wir erstmal nicht wissen.

 

Zurück in Odda parkten wir erneut auf dem Parkplatz im Zentrum. Wir nutzten die freie Zeit für Postkarten an Freunde und Familie beziehungsweise um einige erinnerungswerte Momente unserer bisherigen Reise zu verschriftlichen.

 

Immer wieder gingen junge Menschen mit Wanderrucksäcken an uns vorbei und steuerten die Tourist-Info mit ihren Duschen an. In Odda kamen insgesamt ganz schön viele Backpacker zusammen! Und während diese sich der Körperreinigung widmeten, machten wir uns auf den Weg, um aufgrund der Topographie mit einem unserer Prinzipien zu brechen: Unser Weg führte uns zum Oddaer Campingplatz. Damit wir am nächsten Morgen früh los konnten, benötigten wir einen Übernacht-Platz, der nicht weit von der Trolltunga entfernt war, und durch die Suche des Vortages wussten wir, dass wir in der näheren Umgebung nichts besseres finden würden. Der Campingplatz lag näher an der Trolltunga als das Camp des Vortages und hier kommem wieder die 140 Kronen Maut ins Spiel: Der Campingplatz kostete für zwei Personen inklusive Auto und Zelt 190 Kronen. Für Quasi fünf Euro mehr gab es für uns somit eine kurze Trolltunga-Anfahrt, eine Dusche; kostenloses Trinkwasser, mit dem wir unsere Wasservorräte auffüllen konnten und nervige Nachbarn.

 

Der Campingplatz an sich war vollkommen in Ordnung. Er lag im oberen Teil Oddas, viele Meter über dem Fjord, jedoch direkt an einem See, der sich durch einen kleinen Fluss in den Fjord ergießt. Was uns nicht ganz gefiel waren die ganzen Menschen, so war es doch der totale Gegensatz zu unseren letzten Tagen. Während wir diesmal unser Essen bereits am Vortag zubereiteten, damit wir am nächsten morgen dafür keine Zeit verloren, traten unsere mit einem Audi S3 angereisten deutschen Nachbarn in Erscheinung. Nachdem sie schon die ganze Zeit irgendjemandem am Telefon erzählten, wie viele tausend Euro sie in den letzten Tagen verprasst haben, schmissen sie ihren Strom-Generator an, der alle fünf Sekunden abzusterben schien (dies jedoch leider nicht tat) und fragten uns immerhin, ob wir unsere Handys auch bei ihnen laden wollten. Wir lehnten dankend ab. Ganz abgesehen davon, dass wir unsere Handys nicht benötigten, luden wir diese wie auch die DSLR permanent während der Fahrt im Auto. Dafür mussten wir keinen halbtoten Generator mit uns schleppen, der andere Menschen belästigt. Es reichte ein 0815-USB-Adapter für den Zigarettenanzünder.

 

Die zwei Deutschen fanden letztendlich noch einen gleichgesinnten, als ein weiterer Deutscher mit einem in Norwegen gemieteten Toyota Auris Kombi auftauchte und erst bei uns Anschluss suchte; aufgrund seiner Beratungsresistenz hinsichtlich seiner Planungen für die nächsten Tage jedoch irgendwann dezent ignoriert wurde und sich schließlich den zwei Möchtegern-Schicki-Micki-Prollos anschloss.

 

Unsere Rücken waren wieder fit und nach diesem Tage organisatorischer Art stand endlich wieder sehenswertes Programm bevor, weshalb wir zeitig zu Bett gingen und unseren Wecker auch sehr zeitig klingeln ließen.

 

Geweckt von sanften Melodien rafften wir uns sehr schnell auf, um einen Blick aus dem Zelt zu werfen. Und siehe da: Neben dem bereits fröhlich herumlaufenden deuschen Camper, der diesmal einen grauen Pullover trug und die ganze Nacht in seinem grauen Toyota Auris geschlafen hatte, war der Himmel wie vorhergesagt.. Na, wer kommt drauf? Genau: Grau. Und dies sollte sich so schnell auch nicht ändern.

 

Nachdem wir alles zusammengepackt hatten, machte uns der Auris noch schnell lautlos Platz und wir gingen on the road, um die wenigen Kilometer zum Parkplatz der Trolltunga-Wanderung zu absolvieren. Und das Bild, dass sich uns dort bot, stand in völligem Kontrast zu dem des vorigen Abends..

 

to be continued

Hakuna Matata

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11.07.2016 16:07    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (10)    |   Stichworte: Norwegen, Roadtrip, Roadtrips

In dieser Blogreihe möchte ich euch meinen diesjährigen Norwegen-Aufenthalt näherbringen. Gemeinsam mit einem Kumpel sollte es ohne Navi und ohne Campingplätze durch das Land der Fjorde gehen. Den vorherigen Teil der Serie findet ihr hier.

 

Der fünfte Tag begann gewohnt ruhig. Das Zelt wurde abgebaut und das Mittagessen zubereitet. Wieder Nudeln. Wieder Fertigsoße. Immerhin hatten wir verschiedene Soßen dabei, von denen uns jedoch vor allem Gulasch überhaupt nicht schmeckte. Doch was soll man machen? Was weg muss, muss weg. Gekauft ist gekauft.

 

Eine Kocheinlage, eine Diskussion über Ferrists und knapp eine Stunde Fahrzeit später kamen wir schließlich beim Langfossen an. Es verschlug uns kurz die Sprache, als wir um die Kurve fuhren und plötzlich dieser massive Wasserfall zu unserer rechten den Hang hinabstürzte. Der Langfossen liegt am Akrafjorden direkt an einer Europastraße und gehört mit seinen 612 Metern Höhe zu den größten und imposantesten Wasserfällen Norwegens. An seinem Fuße findet man einen kleinen Parkplatz, der relativ gut besucht ist, samt Souvenirladen vor. Die meisten Touristen halten hier jedoch nur für ihre obligatorischen Touristenfotos. Langfossen. Langfossen und ich. Langfossen und mein Mann. Langfossen mit meinem Mann und mir. Langfossen mit meinem Mann neben meinem Auto. Langfossen mit Souvenirladen. Und weg sind sie. Der ein oder andere kommt dann vielleicht noch auf die Idee auf die andere Straßenseite zu wechseln, um sich den Wasserfall aus der Nähe anzusehen, doch das ist dann schon das Höchste aller Gefühle.

 

Wir kleideten uns für die Wanderung entsprechend ein und gingen in Richtung Wanderweg. Und wie sich an den Bildern schon erahnen lässt: Es ist verdammt steil. Schon auf den ersten Metern merkten wir, dass diese Wanderung sich deutlich von der Preikestolen-Wanderung unterschied. Es ging knallhart von null auf hundert. Kein anfänglicher leichter Anstieg oder ab und zu mal ebene Passagen. Nein. Gefühlt macht man mit jedem Meter Strecke auch einen Höhenmeter. Und dabei entfernt man sich am Hang immer weiter vom Wasserfall. Das Einzige, dass einen ununterbrochen an dieses Naturschauspiel erinnert, ist das Hintergrundrauschen der Wassermassen.

 

Und ein weiterer großer Unterschied zum Preikestolen sind die Menschenmassen. Oder besser gesagt: Die nicht vorhandenen Menschenmassen. Am gesamten Anstieg, der etwa einundhalb Stunden dauerte kamen uns ein junges Mädchen und ein asiatisches Pärchen entgegen. Mehr nicht. Finito. Das war’s. Hier war einfach nichts los. Und das war wunderbar.

 

 

 

 

Nach 300 Höhenmetern erreicht man ein erstes Zwischenziel. Wenn man kurz vom Weg abweicht, kann man auf halber Höhe des Wasserfalls bis an ihn ran und die Lebensmüden Unerschrockenen sogar bis auf den Wasserfall. Es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm, durch die Gischt ist man innerhalb von 30 Sekunden plitschnass und dieses Teilstück des Umwegs war bei uns komplett morastig, jedoch lohnt sich der kleine Umweg. Einerseits kommt man nirgends mehr so nah an den Wasserfall heran und zudem steigt die Erwartung an den Ausblick, da man hier das erste mal nach Betreten des Wanderweges freien Blick auf den Fjord hat. Die unzähligen Bäume am Hang versperren nämlich ansonsten ununterbrochen die Sicht.

 

Und ein kleines Schmankerl versüßte uns ab nun den Weg. Nur wenige Höhenmeter unterhalb dieses ‘Aussichtspunktes’ begannen links und rechts des Weges Heidelbeeren zu wachsen. Sträucher mit zig, nein hunderten, nein tausenden Heidelbeeren. Dass die restliche Strecke ab nun mehr Zeit in Anspruch nehmen sollte ist da wohl selbstverständlich. ;)

 

Und die Tatsache, dass ich mich später beim Bücken nach Heidelbeeren falsch bewegte und daraufhin bei bestimmten Bewegungen ein starkes Ziehen im Rücken verspürte beschleunigte unseren Aufstieg auch nicht wirklich. Die erste Stelle des Weges, die auch Sonnenstrahlen erreichten nutzten wir daher für unsere erste wohlverdiente Pause. Wir packten unser Mittagessen aus, lagerten die relativ schwere DSLR von meinem Rucksack in den meines Kumpels um, damit mein Rücken etwas geschont wird und verspeisten anschließend wieder dutzende Blaubeeren als Nachtisch. Gestärkt und top motiviert ging es dann die letzten 200 Höhenmeter weiter. Insgesamt sei gesagt, dass der Langfossen-Anstieg wirklich interessant war. Kein Meter glich dem nächsten. Mal ging es über kleine Steine, mal über große Felsbrocken, danach über feuchte Wurzeln und schließlich über riesige Felsbrocken, die offenbar mal den Hang hinabgestürzt sind und nun gehäuft zwischen Felswänden lagen.

 

Oben angekommen war das Gefühl unglaublich. Die Sonne schien auf den Fjord, der Wind wehte uns leicht um die Ohren und der Ausblick erst: Phänomenal! In einem Panorama sah man gleichzeitig den blau schimmernden Fjord samt des Hofes Eljarvik zu unseren Füßen, den dominanten Folgefonna-Gletscher & das Mosdalen-Tal samt Fluss auf der gegenüberliegenden Fjordseite und natürlich den in der Sonne glitzernden Langfossen nur wenige Meter neben uns.

 

 

 

 

Unsere Aufmerksamkeit galt jedoch erst einem Kasten, der auf einem Stock im Boden steckte. Auf der Oberseite befand sich ein Deckel, den wir vorsichtig öffneten. Und siehe da: Tüten. Im Kasten waren Tüten. In einer ertasteten wir jedoch etwas buchähnliches und in der Tat: In einer der Tüten war ein Büchlein in eine weitere Tüte eingepackt. Doppelt hält besser.

 

Während ich das Büchlein auspackte, entdeckte mein Kumpel an dem kleinen Felsen hinter uns einen weiteren kleinen Kasten und so verbrachten wir die nächsten Minuten jeweils an einem der beiden Kästen und stöberten in den 'Gipfellogbüchern' des Langfossen, die hunderte fröhliche Kommentare von vielen verschiedenen Menschen aus den interessantesten Nationen enthielten. Und die festgehaltenen Daten zeigten auch, dass hier tatsächlich nicht viele Wanderer vorbeikamen. Natürlich tragen sich nicht hundert Prozent der Wanderer ein, jedoch lassen sich trotz allem Tendenzen festhalten. Nachdem wir uns schließlich selbst verewigten und kurz zwei junge Männer beobachteten, die gerade auch unseren Standort erreichten und nun eine Drohne auspackten machten wir uns auf den Weg weg vom Wasserfall.

 

Es ging jedoch nicht wieder nach unten, sondern weiter weg vom Fjord. Der Wanderweg führte von hier weiter in die Berge und zumindest einen Teil dieses Stückes wollten wir uns auch anschauen. Über Stock und Stein ging es auf und ab und nach kurzer Zeit erreichten wir den Fluss, der den Langfossen speist. Von einer Art Hügel blickten wir auf ihn herab. Umgeben von tausenden Birken floß kristallklares Wasser in einer Linkskurve durch die Ebene und verschwand hinter einem anderen Hügel, der für uns ob des Höhenunterschiedes und der senkrechten Wand am Fuße des Hügels unerreichbar schien. Daher folgten wir weiter dem Weg, der erst hinab zum Wasser führte und dann entlang des Flusslaufes. Je näher wir dem Wasser kamen, desto mehr faszinierte es uns. Solch klares Wasser bekommt man selten zu sehen und auch der kleine Birkenwald, der den Fluss und seine Schleifen säumte zog uns in seinen Bann.

Hinter dem Wäldchen dann der nächste Wow-Effekt. Eine riesige Wiese, ein fulminanter Blick auf die Berge und eine einsame Hütte. Sind wir im Paradies gelandet?

 

Wir waren komplett geflasht. Dieser Ort zwischen schönem Birkenwäldchen und dominantem Bermassiv im Rücken war phänomenal. Hier konnte man die drei Dimensionen unserer Welt förmlich spüren. Und dabei diese Ruhe. Un-fass-bar! Man hörte sogar das Gras im Wind rascheln.

 

 

Die kleine Hütte war verschlossen und wir konnten nicht mal einen Blick durch die Fenster hinein werfen; dafür in die Toilette, die sich zwischen Holzscheiten für einen Kamin in einem kleinen Nebenschuppen versteckte. Dabei musste man jedoch sehr vorsichtig vorgehen, denn an der Tür und auch zwischen dem Schuppen und dem Häuschen hatten Spinnen Netze gewebt. Diese wollten wir natürlich nicht zerstören. Die dafür verantwortlichen Spinnen waren ziemlich groß und zahlreich. Im Einzugsbereich der Hütte sahen wir beinahe zehn einzelne Spinnen samt eigenem Netz. Fette Beute ließ sich hier offenbar trotz der starken Konkurrenz machen.

 

 

Nach einer kurzen Erfrischung an einem kleinen Bachlauf und einem kleinen Snack wollten wir uns noch kurz die nächsten Meter des Weges ansehen, der an einem kleinen Hügel um die Ecke bog. Was würde uns wohl hinter diesem Hügel erwarten?

 

Wir ließen unser Essen und die Rücksäcke stehen und liegen und gingen Schnurstracks auf den Hügel zu. Nach etwas Kraxelei, bei der man durch sehr weiche Moose ziemlich achtgeben musste, standen wir endlich oben und waren erneut fasziniert. Wir schauten auf eine einerseits kleine, andererseits aber doch weitläufige Fläche, die an den drei übrigen Seiten durch hunderte Meter hohe Bergwände begrenzt wurden. Von der hinteren Bergwand aus wurde der Fluss durch einen Wasserfall gespeist, der an dutzenden Stellen über die gesamten Berge von weiteren kleinen Wasserfällen unterstützt wurde. Wunderschön! Schade, dass wir auch die DSLR im Rucksack zurückgelassen hatten.

 

Eine Weile später gingen wir die 5 Höhenmeter herunter zum Fluss und an ihm entlang zurück in Richtung Hütte. Auf dem Weg dorthin bekam jedoch noch eine ganz besondere Pflanze unsere volle Aufmerksamkeit. Sie war uns schon auf dem Hügel aufgefallen, doch erst jetzt widmeten wir uns ihr auch gedanklich. Abseits des Hügels fand man keine einzige der Pflanzen mit der auffällig orangenen Beere, die wir zuvor noch nie im Leben gesehen hatten. Auf dem Hügel hingegen wuchsen unzählige. Und eines sei gesagt: Während des ganzen Roadtrips sahen wir diese Beere nicht ein einziges mal wieder. Wir haben natürlich bei einer Recherche nach Rückkehr herausgefunden, um welche Beere es sich handelt, doch wer von euch kennt sie auch? ;)

 

Da uns schon als Kind beigebracht wurde nichts zu Essen, das wir nicht kennen, verzichteten wir logischerweise auf das Probieren. Wer konnte schon wissen, dass diese Beere tatsächlich essbar und die teuerste der wild gesammelten Beeren ist? Schade, dass wir sie nicht vorher schon kannten.

 

Wir kehrten zum Haus zurück, fotografierten noch schnell die Beere und widmeten uns dann dem Fluss. Nie zuvor standen wir in solch kaltem Wasser! Der Versuch durch das Wasser auf die kleine Insel zwischen Fluss und Flussschleife zu kommen wurde sehr schnell wieder abgebrochen. Trotz der eigentlich recht kurzen Strecke von Ufer zu Ufer hatte man bereits nach weniger als zehn Sekunden kein Gefühl mehr in den Füßen. Verletzungen sind da vorprogrammiert und vorallem gefährlich, da man sie durch die Kälte nicht registriert. Nach einer Abkühlung ging es daher wieder zurück in Richtung Abstieg. An der Stelle, an der wir das erste mal einen Blick auf das Birkenwäldchen werfen konnten entdeckten wir plötzlich zwei Menschen, die dort herumrannten, wo wir eigentlich auf dem Hinweg nicht hinkonnten, da wir den Höhenunterschied des Hügels nicht überwinden konnten. Wir beobachteten daher, wo die beiden wieder hochkletterten und nahmen dann diesen nicht ganz bequemen Weg, um selbst auf sportliche Art und Weise nach unten zu gelangen. :D

 

Ein kleiner Trampelpfad führte flussabwärts am Wasser entlang und wir trennten uns, um die Gegend zu erkunden. Wieder ein kleines Abenteuer im Abenteuer, bei dem fortwährend Vorsicht gefordert war. Mal versank man ohne Vorwarnung plötzlich in der sumpfigen Wiese, dann blieb man in dornigen Büschen oder Trittlöchern hängen oder musste wieder steile Hänge hinaufklettern. Doch letztendlich fanden wir eine Stelle, von der wir auf der einen Seite wieder ins 'Landesinnere' in Richtung Fluss und der nächsten Bergwand schauen konnten und in der anderen Richtung auf den Fjord. Und dabei standen wir quasi auf dem Felsen, der den obersten Punkt des Langfossen darstellte. Keine zehn Meter von uns entfernt stürzte der Fluss in die Tiefe. Man schaute nach links und sah den ruhigen Fluss, der in seiner vorletzten Rechtskurve noch einen kleinen kreisrunden See speiste und links den tosenden Wasserfall. Diese zwei vollkommen unterschiedlichen Gesichter der Natur so nah beieinander zu sehen war einfach atemberaubend und wir nutzten daher auch diese Stelle für ein stilles Genießen ebendieser wunderbaren Natur.

 

Doch aller schönen Dinge haben mal ein Ende. Nach einiger Zeit machten wir uns an den Abstieg, der im Gegensatz zum Preikestolen-Abstieg nicht 'hüpfbar' war und daher etwas mehr Zeit in Anspruch nahm. Kürzer als der Aufstieg war er jedoch allemal. Selbst mit meinem angeschlagenen Rücken. :D Und so erreichten wir nach einem anstrengenden und aufregenden Nachmittag unser Auto, mit dem wir nach einer kurzen Verschnaufpause und den letzten Blicken auf den Langfossen in Richtung Trolltunga starteten..

 

to be continued

Hakuna Matata

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13.06.2016 17:54    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (6)    |   Stichworte: Norwegen, Roadtrip, Roadtrips

In dieser Blogreihe möchte ich euch meinen diesjährigen Norwegen-Aufenthalt näherbringen. Gemeinsam mit einem Kumpel sollte es ohne Navi und ohne Campingplätze durch das Land der Fjorde gehen. Den vorherigen Teil der Serie findet ihr hier.

 

 

 

 

 

 

[...] Der erste Eindruck von Haugesund war ganz nett. Es war ein kleines beschauliches Städtchen dessen Häuser alle skandinavisch gewohnt top in Schuss waren. Nach einigen Irrungen und Wirrungen im Dschungel der Einbahnstraßen, parkten wir in der Nähe des Zentrums. Die Zeiten, zu denen man hier einen Parkschein brauchte konnten wir nicht hundertprozentig klären, weshalb wir eine sehr junge Mutter fragten, die auch gerade an der Straße parkte. Zwei ausgetauschte Sätze später wussten wir schließlich, dass wir den Rest des Tages keinen Parkschein mehr brauchen würden. Daher ging es umgehend los ins ‘Zentrum’, um ebenjenes zu erkunden. Als erstes Trieb es uns in die Touristen-Information. An einem der beiden Schalter stand eine lange Schlange von Menschen an, an dem Schalter daneben kurioserweise nicht eine einzige Person. Wir wählten keinen der beiden Schalter und blieben an einer Ablage direkt neben dem Eingang stehen.

 

Nachdem wir schon die ein oder andere Broschüre eingesteckt hatten, kam die Dame des menschenleeren Schalters auf uns zu. “Sie können auch zu mir an den Schalter kommen. Der andere Schalter ist für den Bus, deshalb stehen die Leute dort an.” - “Danke, ist schon in Ordnung”, entgegneten wir. “Haben Sie auch eine Karte von Haugesund, die wir mitnehmen können?” Die Dame zeigte auf einen Block, der vor uns auf der Ablage lag. “Ihr dürft euch dort bedienen und Karten vom Block abreißen.” Gesagt, getan. Und schon verließen wir die Touristen-Information wieder. Die Broschüren steckten wir erstmal weg und sahen uns die Karte an, wonach wir direkt auf den Hafen zusteuerten. Die Straßen ringsherum waren alle schön anzusehen, jedoch fiel uns auf der Karte nichts besonderes ins Auge und als wir die paar Meter bis zum Hafen zurücklegten machte sich langsam eine andere Stimmung breit, die an Stavanger erinnerte: Was wollen wir hier eigentlich?

 

Die Sonne schien. Es wehte nicht mal ein laues Lüftchen. Am Kai war kaum etwas los. Und in mir machte sich das Verlangen breit etwas zu Essen zu kaufen. “So sehr hat uns der Konsum im Griff, dass wir bei einem Städtebesuch aus Gewohnheit schon Verlangen nach Konsumgütern entwickeln”, dachte ich mir.

 

“Wie ist der Plan?” Wir wirkten beide etwas ratlos. Der eine mit einer Broschüre in der Hand hin- und herwandernd, der andere auf einem Poller am Wasser sitzend. Nach einiger Zeit entschlossen wir uns dazu, erstmal wieder in Richtung Auto zu gehen. Die Stimmung war etwas gedrückt. Wir wollten uns jedoch nicht damit abfinden, die Stadt nun schon wieder zu verlassen. Zumal sich in den letzten Tage die Stadt Bergen als unser nächster Programmpunkt herauskristallisiert hatte. Was, wenn dort das gleiche passieren würde? Die Zeit könnten wir wahrlich besser investieren.

 

Der Kampf mit dem eigenen Ich ging weiter. Engel links, Teufel rechts.

Es ging am Auto vorbei weiter die Straße entlang in Richtung einer Brücke, die wir vom Kai aus sahen. Bevor wir Haugesund wieder verlassen, sollte eine Grundsatzentscheidung gefällt werden: Städte ja oder nein?

 

 

 

 

Neben der Auffahrt zur Brücke erschloss sich eine kleine Gasse unseren Blicken, die zwischen Felsen und Häusern parallel zum Wasser verlief. An ihrem Ende fanden sich ein Parkplatz, viele Bootsanleger, Boote und eine kleine Sitzbank. Der Weg endete in dieser Sackgasse. Während wir uns auf die Bank setzten, uns erneut die Broschüren ansahen und feststellten, dass sich auf manchen Booten Paare befanden, die offenbar ihre Freizeit entspannt auf ihren im Hafen liegenden Booten verbrachten, entschieden wir uns letztendlich tatsächlich dafür, Städte für den Rest unseres Roadtrips rechts liegen zu lassen. Mandal war eher Zufall und die zwei Städte Stavanger und Haugesund, die sich während der Reise zum Programmpunkt entwickelten waren in dem Sinne Reinfälle. Die bisherigen Touren durch die Natur und hoch zum Preikestolen hingegen faszinierten uns. Und genau so sollte es nun weiter gehen: Faszinierend.

 

Nachdem wir die Trolltunga als unser langfristig nächstes Ziel setzten, gingen wir zurück zum Auto und fuhren einen großen Teil des Weges nach Haugesund Wohl oder Übel wieder zurück. Doch auch wenn wir die Strecke theoretisch schon kannten, so entdeckten wir immer wieder neue Naturschönheiten, die uns auf dem Hinweg nicht aufgefallen waren. Der menschliche Körper hat bekanntlich nur ein einziges Augenpaar und das befindet sich nicht am Hinterkopf.

 

 

FerristFerristNach einigen Stunden Fahrt verließen wir die Hauptverkehrsroute und begannen bei Etne wieder auf abgelegenen Straßen die Übernachtplatz-Suche. Die Straßen wurden immer schmaler und kurviger. Und nach Passieren des ein oder anderen ‘Ferrist’ standen dann auch die ersten Kühe auf der Fahrbahn. Die Straße führte um einen kleinen See herum, und ging auf Höhe eines Wasserkraftwerks von Asphalt in groben Schotter über. Für uns natürlich kein Hindernis und so rollten wir weiter auf der Straße, die sich mittlerweile einmal fast um den ganzen See schlang. Erst nach etwa zwei Dritteln der Runde entriss sich die Straße dem Bann des Sees und führte steil und kurvig einen Hügel hinauf.

 

Hier tauchten auch plötzlich einige gepflegte Häuser, die durchaus als Siedlung bezeichnet werden konnten auf. Lediglich von Menschen war hier nichts zu sehen.

 

Die Straße schlängelte sich an den Häusern vorbei und an den steilen Stellen war an großen Furchen im Weg zu erkennen, dass das ein oder andere Fahrzeug hier schonmal zu kämpfen hatte. Auch wir kamen nicht mehr über möglichst gleichmäßiges rollen im ersten Gang hinaus. Bis der Weg plötzlich im Vorgarten des höchstgelegenen Hauses endete. Der Schotterweg ging ernsthaft in die kleine Wiese vor diesem Haus über und endete im Vorgarten. Wir überlegten noch kurz, ob der Weg nicht vielleicht dahinter weiterging, jedoch verflog dieser Gedanke recht schnell.

 

In einem Mix aus Überraschung und Enttäuschung mussten wir unsere Übernacht-Platz-Suche dann kurz verdrängen, denn diese Sackgasse stellte uns vor eine nicht ganz angenehme Aufgabe. Zu dem teilweise sehr starken Gefälle des kurvigen Weges kam hinzu, dass dieser gerade so breit war wie unser Auto und an beiden Seiten stark abfiel. Ohne Fremde Hilfe würden wir aus dem Graben nicht mehr herauskommen. Und da sich selbst jetzt noch keine Menschenseele hat Blicken lassen, obwohl sich da zwei Deutsche mit ihrem laut schnaufenden Auto den Berg hochkämpften, gingen wir davon aus, dass hier aktuell niemand vor Ort war.

 

Also ging es zurück: Ausgekuppelt, in den Rückspiegel geschaut und langsam Zentimeter für Zentimeter rollen lassen. Die knapp 100 Meter bis zur nächsten Wendemöglichkeit dauerten eine halbe Ewigkeit, doch letztendlich schafften wir es. Wir rollten wieder an den Fuß des Hügels, fuhren am See entlang und am Wasserkraftwerk vorbei.

 

Kurz hinter dem Kraftwerk hielten wir an einer Stelle, die uns bereits auf dem Hinweg aufgefallen war. Anfangs bestand noch ein wenig Skepsis, doch entschieden wir uns letzten Endes dazu, hier zu campieren. Während der dahinführenden Diskussion betrachteten wir mit Hilfe unseres Fernglases die um uns liegenden Berge und entdeckten eine Straße, auf der immer mal wieder ein Auto zu sehen waren. Wir hörten diese dann auch wenige Minuten später in unserer Nähe über einen Ferrist rasen. Wirklich rasen! Das Interesse war geweckt, und da wir unser Lager nicht aufgeschlagen hatten, fuhren wir zurück bis zum letzten Abzweig und den Hügel hinauf. Meter für Meter, Serpentine für Serpentine schraubte sich die Straße nach oben, ehe wir an einem kleinen Häuschen ankamen, an dem einige Fahrzeuge parkten.

 

Das Studium der Infotafeln klärte uns auf: Hier begann ein Wanderweg durch die hier liegenden Berge. Lediglich Parkgebühren für das Auto müsste man zahlen, die auch

selbstständig an dem Infohäuschen zu entrichten wären. Begeistert von der Idee zwei bis drei Tage durch die Berge zu wandern und in Berghütten zu schlafen tauschten wir uns angeregt aus, mussten jedoch zugeben, dass wir dafür nicht ausreichend ausgerüstet waren. Sollte es während dieser Wanderung anfangen zu regnen oder etwas kälter werden, dann würden wir auch fernab von jeglichem Mobilfunknetz in eine recht gefährliche Situation geraten. Von daher begaben wir uns wieder zurück zum geplanten Lager und machten auf dem Weg dorthin noch zu Fuß einen kurzen Abstecher auf einem Versorgungsweg zu den Rohren, die vom Berg ins Tal führten.

 

Wieder am See angekommen bauten wir schnell unser Zelt auf und hatten zum ersten Mal seit Antritt der Reise Zeit unsere Campingstühle zu nutzen und nicht nach dem Zeltaufbau direkt Schlafen zu gehen.

 

Nachdem wir uns aufgrund der Mücken ganzkörperbedeckten, verbrachten wir den Rest des Abends mit den Haugesunder Broschüren, einer M&M’s-Tüte und einem herrlichen Seeblick. Wir führten uns nochmal vor Augen, dass wir tatsächlich für mehrere Tage Wandern am Stück ohne Kontakt zu unserem Auto nicht gerüstet waren und entschlossen uns dafür am nächsten Tag den Langfossen zu besichtigen. Mit der dazugehörenden Wanderung nach oben versteht sich. ;)

 

Die BergeDie BergeDie BergeDie BergeUnser SeeblickUnser SeeblickAltes GebäudeAltes GebäudeAltes GebäudeAltes GebäudeDie Siedlung aus der FerneDie Siedlung aus der FerneAltes GebäudeAltes Gebäude

 

to be continued..

Hakuna Matata

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28.04.2016 18:03    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (1)    |   Stichworte: Norwegen, Roadtrip, Roadtrips

In dieser Blogreihe möchte ich euch meinen diesjährigen Norwegen-Aufenthalt näherbringen. Gemeinsam mit einem Kumpel sollte es ohne Navi und ohne Campingplätze durch das Land der Fjorde gehen. Den vorherigen Teil der Serie findet ihr hier.

 

Unser vierter Reisetag begann ausgeschlafen und wieder mit viel Sonne. Unser Übernacht-Platz lag zwar wie am Vortag noch im Schatten, doch der Blick auf den nun von der Sonne erleuchteten Fjord toppte den Anblick vom vorigen Abend. Nachdem wir unser Zelt abgebaut hatten, setzten wir uns mit Müsli gewaffnet an den Steintisch mit Blick auf den Fjord und genossen den Anblick und die Ruhe. Wunderschöne Natur, tolles Wetter und kein Zeitdruck oder Verpflichtungen: So muss Urlaub sein.

 

 

Nachdem wir das Frühstück beendeten und die Sonne langsam aber sicher auch unseren Aufenthaltsort erschloss, begann mein Kumpel mit der mittlerweile obligatorischen Zubereitung des Mittagessens während ich mir die DSLR schnappte, um das ein oder andere Foto zu schießen.

 

 

 

 

 

 

Erst nach 11 Uhr verließen wir unser Camp und fuhren los in Richtung Haugesund. In Sand stoppte unsere Fahrt aufgrund einer Fähre. In Fjordnorwegen ist man nun einmal auf Fähren angewiesen, sind diese doch offizielle Teile der Straßen. Interessanterweise war die Anlegestelle in Sand mitten im Ortskern, wodurch auch die Warteschlange relativ weit vom Ufer entfernt war.

 

Die Fähre war zwar bereits da, doch die Schranke war noch verschlossen. Andere Fahrzeuge waren noch nicht vor Ort, weshalb wir die Warteschlange der Fähre eröffneten. Der Wartebereich befand sich separiert von der Fahrbahn in einer Linkskurve. Eine ziemlich schicke Ecke war das.

 

Recht schnell sammelten sich immer mehr Fahrzeuge hinter uns und was entdeckte ich da: “Schau mal, wer sich da hinten eingereiht hat. Das werden ziemlich sicher die Hannoveraner sein. Drei schwarze Busse und ein schwarzer Golf. Zufälle gibt es.”

 

Da sich an der Fähre auch nach einiger Zeit nichts tat, entschloss sich mein Kumpel, dem kleinen Sportartikel-Geschäft links neben der Fähranlegestelle einen Besuch abzustatten. “Wenn ihr auf die Fähre fahrt, dann sehe ich das ja und komme nach.”

 

Während mein Kumpel also das Geschäft aufsuchte, nutzte ich die Zeit und sortierte ein wenig das Chaos im Kofferraum. Ordnung muss sein.

 

Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Einer der Fährmänner kam zur Schranke, öffnete diese und winkte in unsere Richtung. Ich stieg ins Auto, fuhr auf die Fähre und während der erste Fährmann die Fahrzeuge einwies, begann ein Zweiter abzukassieren. Ich zahlte wieder 99 Kronen für 2 Personen plus Fahrzeug und wartete auf meinen Kumpel, der sich lange nicht blicken ließ. Da sein Handy auf dem Beifahrersitz lag, hätte ich ihn auch nicht erreichen können, doch einige Minuten vor Abfahrt erschien er wie geplant.

 

Nach der Überfahrt ließen wir einige Kilometer hinter uns, ehe wir zur Mittagspause anhielten. Da die bestuhlten ‘Rastplätze’ allesamt im Schatten lagen, wählten wir eine kleine Straße, die offenbar die knapp 20 Höhenmeter herunter bis zum Fjord führte. Da dieser Weg unbefestigt, sehr steil und das Ende nicht einsehbar war, schickte ich meinen Kumpel zu Fuß vor und wartete oben mit dem Auto. “Wenn man dort unten nicht wenden kann, dann kommen wir hier nämlich nicht mehr hoch.”

 

Mein Kumpel verschwand kurz um die Kurve und kam wenige Sekunden später wild winkend wieder um die Ecke. Ich sollte runterfahren, und tat dies auch. Trotz Schrittgeschwindigkeit schaukelte sich das Auto durch die Schlaglöcher so sehr auf wie noch nie zuvor und ich wurde ordentlich durchgeschüttelt, doch der Anblick am Ende des Weges war wunderschön. Direkt am Fjord gelegen fanden wir marode Häuschen und eine Bootsanlegestelle vor, die sich fast nur noch erahnen ließ.

 

Ich parkte das Auto fototechnisch günstig, riss mir durch den unerwartet starken Wind (!) fast die Fahrertür aus der Angel und wir holten uns unsere Portionen des Mittagessens. Dieses Grundstück hatte einen ganz besonderen Flair. Die Lage direkt am Fjord und gleichzeitig die unbewohnten zugemüllten Häuser. Motoren, Reifen, alte Fahrräder, Matratzen: Was konnte man nicht alles durch die Fenster erkennen. Und das Grundstück an sich hatte sogar einen eigenen Strandabschnitt in einer kleinen Bucht hinter dem Haus. Eigentlich ein Platz mit sehr viel Potenzial. Schade um den momentanen Zustand. Hier ein paar Impressionen:

 

 

Nach unserer ausgiebigen Mittagspause, kämpften wir uns mit Mühe und Not den Weg wieder hinauf zur Haupstraße und fuhren weiter. Immer wieder wechselten sich Straßen entlang der Fjorde mit Straßen über Land ab. Es herrschte zwar immernoch wenig Verkehr, jedoch war es für die bisherigen norwegischen Verhältnisse wahrscheinlich Rush Hour. So kam es, dass wir irgendwann eine Zeit lang hinter einem LKW herfuhren, was eigentlich recht selten vorkommt, denn norwegische LKW-Fahrer sind alle ehemalige Rennfahrer und fahren niemals mit den vorgeschriebenen Tempo 80 übers Land.

 

In einer langgezogenen Rechtskurve passierten wir einen am Straßenrand abgestellten PKW-Anhänger nebst Warndreieck. Doch dass das Warndreieck nicht dem Anhänger galt, stellten wir fest, als der LKW vor uns eine progressive Musterbremsung vom Feinsten durchführte. :D Er wurde erst etwas langsamer, ehe er den Anker komplett werfen musste, die Reifen quietschten und qualmten und er glücklicherweise noch rechtzeitig zum Stillstand kam. Nachdem der Gegenverkehr durch war und der LKW auf die gegenüberliegende Straßenseite wechselte, sahen wir auch endlich den Grund für diese heikle Situation: Am Straßenrand, etwa 10 Meter von der Fahrbahn entfernt stand ein Haus, an dessen straßenzugewandter Seite ein Gerüst aufgebaut war. Ein Mann arbeitete darauf, ein Zweiter stand daneben und bewachte ersteren von unten.

 

Das Problem an der Sache: Als ‘Schutz’ oder aus Paranoidität stellten die beiden Herren auf Höhe des Hauses eine Baustellen-Straßenabsperrung quer auf die Fahrspur. Mitten in der Kurve. Mit einem missverständlichem Warndreieck als Warnung. Na Halleluja..

 

Der weitere Weg blieb frei von Aufregungen und Besonderheiten, so dass wir kurz vor 16 Uhr unser Ziel erreichten. Nach Mandal und dem eher unnötigen Blitzbesuch in Stavanger war Haugesund nun unser dritter Stopp in einer Stadt. Und dieser sollte einer der Schlüsselpunkte unserer Norwegen-Reise werden..

 

to be continued

Hakuna Matata

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03.04.2016 20:27    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (6)    |   Stichworte: Norwegen, Roadtrip, Roadtrips

Quelle: maps.google.deQuelle: maps.google.de In dieser Blogreihe möchte ich euch meinen diesjährigen Norwegen-Aufenthalt näherbringen. Gemeinsam mit einem Kumpel sollte es ohne Navi und ohne Campingplätze durch das Land der Fjorde gehen. Den vorherigen Teil der Serie findet ihr hier.

 

[...] Unser Programmpunkt für den nächsten Tag war [...] eine weitere norwegische Sehenswürdigkeit: Kjerag, dass 40 Kilometer entfernt am anderen Ende des Lysefjords lag. Doch dafür mussten wir noch heute die Fähre erwischen, die in Forsand ablegt..

 

Also setzten wir uns wieder ins Auto, fuhren die Straße, die zum Preikestolen führt wieder herab zur Hauptstraße und wieder zurück in Richtung der Fähre, die wir gestern genommen hatten.

Kurz vor dem uns schon bekannen Fährort mussten wir dann auf eine Brücke nach links abbiegen um den Ablegeort der Lysebotn-Fähre zu erwischen.

 

Die etwa zwanzig Kilometer waren schnell abgespult und wir erreichten das beschauliche Forsand. Da es quasi nur eine Straße gab, fanden wir die Ablegestelle sofort und stellten fest, dass wir bisher die Einzigen dort sind, denn die Wartereihe war noch leer. "Hoffentlich fährt die Fähre heute noch einmal." "Ja, ansonsten kommen wir morgen nicht früh genug los zur Wanderung."

 

Wir parkten den Vectra am Straßenrand, stiegen aus und gingen zum kleinen unbesetzten Häuschen am Wasser. Von Außen waren viele verschiedene Aushänge befestigt, doch keiner half uns weiter. Einerseits waren diese alle in norwegisch verfasst, zum anderen ging es dort weder um Preise noch um Abfahrtszeiten der Fähre nach Lysebotn. "Was sollen wir tun?"

 

Wir studierten ein zweites Mal die Aushänge und fragten uns dann erneut, was wir nun tun sollten. "Lass erstmal in den Laden gehen. Ich möchte mal schauen, was es hier so gibt."

 

Mein Kumpel sprach das kleine Geschäft an, das hier direkt am Fjord stand. Ohne weitere Worte zu tauschen, gingen wir hinein und sahen uns ein wenig um. Fazit: Norwegen ist tatsächlich teuer, hat aber auch interessante Artikel im Sortiment. Nachdem wir fast eine halbe Stunde in dem Laden verbrachten und Zeit zum überlegen hatten, ging es wieder zum Auto. Ein guter Plan musste nun her. "Lass mal die Karte studieren."

 

Während sich erste Fahrzeuge in der Wartelinie der Fähre postierten, breiteten wir unsere große Straßenkarte auf der Motorhaube aus und begannen abzuwägen. Zwar schien es, dass die Fähre demnächst anlegen sollte, doch unausgesprochen suchten wir beide eigentlich schon nach einer Alternative. Zumal mit mehr als 800 Kronen für die Überfahrt zu rechnen war.

 

Letztendlich blieben abgesehen von der 40 Kilomter langen Fährüberfahrt nur zwei Alternativen. Nummer Eins: Mit der Fähre des Vortages zurück nach Oanes und den kürzesten Weg nach Lysebotn. Dies wäre jedoch eine Strecke von knapp 130 Kilometern gewesen und da die Straße dorthin laut Karte eher mickriger Art war, rechneten wir mit einer Fahrzeit von mindestens zweiundhalb Stunden (Gegencheck zurück in der Heimat ergibt: Googlemaps rechnet mit 3 Stunden(!)). Da es bereits halb fünf Abends war, sagte uns diese Variante nicht ganz zu.

 

Nummer Zwei: Planänderung; Weiter gen Norden fahren, um dann am Ende unseres Roadtrips auf dem Rückweg zur Norwegen-Dänemark-Fähre nach Lysebotn zu fahren und die Wanderung zum Kjerag quasi als Krönung der Reise zu machen. Getreu dem Motto "Das Beste kommt zum Schluss."

 

Aus Mangel an weiteren plausiblen Alternativen, entschieden wir uns für letztere Variante. Damit war von da an der einzige Plan für den restlichen Tag, einen Schlafplatz zu finden und das im besten Fall noch bevor die Sonne untergeht. Ausgeschriebenes Ziel: Auf Campingstühlen sitzend den Sonnenuntergang neben dem bereits aufgebauten Zelt verbringen. Es ist erst 16:30 Uhr. Let's go!

 

Die Karte wurde eingepackt und wir verließen Forsand. Wieder zurück über die Brücke, zum nun insgesamt sechsten Mal seit vorgestern an der Einmündung zum Preikestolen vorbei, weiter Richtung Norden. Als erstes wollten wir die Straße finden, die in unserer Karte eingezeichnet war, wir jedoch bereits am Vortag schon nicht fanden.

 

Wir fanden auch eine, von der wir lange dachten, dass das die gesuchte Straße ist. Bis sie nach etwa sechs Kilometern vor einem See als Parkplatz endete.

 

Und genau so lief dann auch die Suche nach der Campingmöglichkeit. Tag Drei und wieder die selben Probleme: Fjord – Straße – Fels. Und wenn das Gelände mal weitläufiger wurde, dann war alles bebaut oder bewirtschaftet. Daher fuhren wir einfach weiter gen Norden. Am nächsten Tag wollten wir uns das Städtchen Haugesund anschauen, und wenn wir schon keinen Übernacht-Platz finden, dann wenigstens Haugesund schonmal etwas näher kommen.

 

 

Nach etwa zwei Stunden Fahrt entschlossen wir uns zu tanken. Der Literpreis war günstiger als an den zuletzt passierten Tankstationen und da es sich um eine vollwertige und keine SB-Tankstelle handelte, war es uns auch möglich zu tanken. Die nicht vorhandene Kreditkarte ließ unseren letzten Tankversuch an einer SB-Tankstelle nämlich kläglich scheitern.

 

Der letzte Tankstopp lag 318km zurück und der Vectra gönnte sich dafür 21,5 Liter Diesel, was einen Durchschnittsverbrauch von 6,76Ltr/100km für diese Teilstrecke machte. Insgesamt lagen wir für die bisherigen 1578 Kilometer Strecke bei 7,12 Ltr/100km.

 

Nachdem ich vollgetankt und bezahlt hatte, trugen wir den Tankstopp wie alle anderen Ausgaben in unser kleines Büchlein ein und fuhren weiter. Die Straße führte ziemlich breit und geschwungen einen Berg hinab. Ich schaute auf den Tacho und erschrak. "Was ist los?" fragte mein Kumpel, während er mich etwas perplex ansah und ich begann auf der Straße zu wenden.

 

Ich deutete auf die Tankanzeige. "Wir haben nichts getankt. Die Tankanzeige ist vielleicht um fünf Liter angestiegen. Das kann doch nicht sein? Ich habe eben vollgetankt."

 

Wir fuhren den knapp einen Kilometer zurück, parkten wieder an der selben Zapfsäule, wie vor ein paar Minuten und ich stellte den Motor ab um dann die Zündung nochmal einzuschalten. Die Tankanzeige stieg und stieg..und blieb wieder an der gleichen Stelle stehen. "Da muss doch etwas mit der Zapfsäule nicht stimmen. Ich gehe mal rein, der Tankswart soll das mal prüfen."

 

Während mein Kumpel im Auto wartete, betrat ich die Tankstelle und begann dem Tankwart das Problem in bestem Oxford-Englisch (Wer's glaubt :D ) zu erläutern. Während er in seinem System herumsuchte fiel mir auf, dass er wieder ein Klischee erfüllt. Genau so wie ihn habe ich mir die Norweger immer vorgestellt: Groß, introvertiert, ebenso humor- wie emotionslos und von stoischer Ruhe. Nach ein paar Klicks schaute er mich wieder an und sagte kalt und trocken: "No problem. Everything okay".

 

Ich entgegnete ihm, dass dies nicht sein könne und suchte nach einer Lösung, dies auch zu belegen. Da fiel es mir ein: Wir hatten einen Kanister mit 5 Litern Diesel an Bord. Ich schlug dem Tankwart vor, dass ich diesen in den Tank des Vectras fülle und wir dann neue fünf Liter zapfen. Wenn die Zapfsäule spinnt, dann sollte der Kanister dementsprechend nicht voll werden.

 

Der Tankwart wirkte zunehmend genervter. Kommen hier zwei Deutsche an und stören seinen ruhigen Arbeitstag. Offenbar wollte er auch nicht verstehen, so diskutierten wir doch einige Momente hin und her. Bis ich feststellte, dass ich derjenige war, der nicht verstand: Ihm ging es gerade nur ums Bezahlen dieser 5 Liter, die neu gezapft werden sollten und nicht um die Aktion an sich.

 

Ich versprach ihm, dass ich dies natürlich zahlen werde und daraufhin willigte er ein mit nach draußen zu schauen.

 

Während ich meinem Kumpel vom Plan erzählte, packten wir den Kanister aus dem Kofferraum und entfernten die zwei Lagen Tüten außenrum. Wir hatten vor Fahrtantritt gut dafür gesorgt, dass nicht das ganze Auto nach Diesel riecht. :D

 

Da der Einfülltrichter nicht ganz wollte wie wir, wurde das Umfüllen eine recht wackelige Angelegenheit, doch es klappte. Ein Liter, zwei Liter, drei Liter, vier Liter. "Gleich ist der Kanister leer."

 

Doch plötzlich passierte das, was jetzt wahrscheinlich keiner von uns wollte: Der Tank des Vectras war voll und der Diesel lief der Schwerkraft ausgesetzt an der Seite des Autos herunter. "Scheiße." "Oh verdammt, was eine Sauerei."

 

Wir beendeten das Umfüllen mit geschätzt einem Liter Diesel im Kanister. Während mein Kumpel nach einem Lappen suchte, nahm mir der Tankwart den Kanister aus der Hand und begann diesen wieder zu Befüllen. Er war sichtlich 'not amused' und befüllte den Kanister bis exakt 5.00 Liter auf der Anzeige standen. Dass der Kanister schon einen halben Liter vorher anfing überzulaufen ignorierte er aus Prinzip.

 

Er hängte die Zapfpistole zurück, zeigte auf die Anzeige und fragte trocken: "Convinced? Or any problem?" Ihm war ziemlich stark anzusehen, wie extrem genervt er von der gesamten Situation war. "Yes, it's okay. It was our fault. I'm very sorry."

 

Der Tankwart stellte den Kanister hin, drehte sich um und ging ohne ein weiteres Wort zu sagen wieder hinein. Ich wechselte mit meinem Kumpel einige wortlose Blicke, ehe er ebenfalls hineinging, um sich die Hände zu waschen und ich den Kanister wieder in die Tüten einwickelte.

 

 

Während ich den Kanister wieder im Kofferraum verstaute gingen mir einige Gedanken durch den Kopf, doch immerhin wussten wir nun, dass der Fehler eindeutig beim Auto liegt. Nachdem ich bezahlte, mich nochmals entschuldigte und mir ebenfalls die Hände wusch fuhren wir weiter gen Haugesund. Eine Fähre und einige Kilometer später deutete ich wieder auf die Tankanzeige: "Schau mal. Nun zeigt er einen vollen Tank an. Also ich traue der Anzeige nicht mehr. Wir tanken nun einfach alle 600 Kilometer, dann sollte alles passen."

 

 

Die Übernachtplatz-Suche lief voran wie üblich, sodass wir für den Sonnenuntergang in einer kleinen Parkbucht direkt am Straßenrand hielten. Schade, dass wir diesen nicht neben unserem aufgebautem Zelt genießen konnten.

 

Insgesamt war diese Fahrt jedoch trotzdem ziemlich interessant. Wo es möglich und logisch war, bogen wir von der Haupstraße ab um Umwege über Nebenstraßen zu machen. Und solche Nebenstraßen haben in Deutschland warscheinlich gerade mal den Status der Gemeindestraße. Nachfolgend ein paar Eindrücke:

 

 

Letztendlich fanden wir einen Platz, der eigentlich unseren Vorstellungen nicht entsprach, dessen Aussicht uns jedoch fesselte. Er befand sich hoch über einem bereits im Schatten liegenden Fjord und war eigentlich als Rastplatz gedacht. Heute sollte es unser Nachtplatz werden. Wir rangierten etwas herum, bis wir das Auto in einer guten Position am Rand geparkt hatten. Das Zelt bauten wir direkt dahinter auf. Einzig die Heringe wollten Steinen im Boden sei Dank nicht in alle in die Erde.

 

 

Als alles fertig aufgebaut war, aßen wir an einem Steintisch noch die Reste unseres Mittagessens auf und beobachteten einen Fischer auf dem Wasser, ehe er wieder zurück zum Haus auf der kleinen Insel im Fjord schipperte. Es war Zeit für's Bett.

 

 

 

 

 

 

to be continued...

Hakuna Matata

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