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27.10.2016 17:50    |    Hakuna Matata    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: Norwegen, Roadtrip, Roadtrips

In dieser Blogreihe möchte ich euch meinen letztjährigen Norwegen-Aufenthalt näherbringen. Gemeinsam mit einem Kumpel sollte es ohne Navi und ohne Campingplätze durch das Land der Fjorde gehen. Den vorherigen Teil der Serie findet ihr hier.

 

[...] Der nächste Morgen: Die Sonne strahlte am blauen HImmel und diesmal ließen wir uns Zeit mit dem Abbau des Zeltes. Wir nutzen diesen wunderschönen und warmen Morgen für ein kurzes Frühstück, verbindeten uns zum ersten Mal während dieser Reise mit dem WLAN eines Campingplatzes und ließen uns auf unseren Campingstühlen mit Blick auf den Fjord nieder. Während wir das ein oder andere Foto an unsere Liebsten versendeten und das Wetter am Kjerag für die nächsten Tage checkten, tauchten zwei Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen auf dem Campingplatz auf. ‘Durchaus eine komische Zeit, um auf einem Campingplatz aufzuschlagen’, dachte ich mir. Die Fahrzeuge fuhren bis runter an den Fjord und parkten dort auf dem Fahrweg. Die Türen öffneten sich und dann standen dort einige Rentner, die sich auch umgehend auf den Sitzbänken niederließen.

 

Ich trennte die Internetverbindung, stand auf und begann das Zelt abzubauen, während mein Kumpel das Besteck und Töpfe auswaschen ging. Noch während ich mit dem Zelt beschäftigt war, vernahm ich plötzlich die Rufe einer Rentnerin. “Dieter, fahr doch bitte das Auto auf die Seite. Wir nehmen den jungen Männern die Sicht.”

 

Etwas verwundert blickte ich in Richtung des Fjordes und stellte fest, dass sie meinen Kumpel und mich meinte, so hat sie doch die zwei in Richtung Fjord aufgestellten Campingstühle entdeckt.

‘Das ist absolut kein Problem. Wir packen schon zusammen und checken gleich nur noch kurz unsere Karte. Dann fahren wir auch schon weiter. Sie können das Auto ruhig stehen lassen”, sagte ich der Dame, nachdem ich die wenigen Meter bis zu Ihr gehechtet bin. “Oh, ich habe gar nicht gesehen, dass sie auch aus Deutschland kommen. Wir waren gestern an der Trolltunga und wollten jetzt hier nur eine kurze Pause machen. Das sieht von der Straße aus so schön aus”, entgegnete sie mir. Nach einem kurzen Pläuschen über die Trolltunga kamen wir sehr schnell zum Thema der Weiterfahrt. Die Rentner-Truppe war ebenfalls seit knapp einer Woche unterwegs und wollte nun weiter gen Norden. Sie erzählte von der Atlantikstraße, den Trollstigen, dem Hardangervidda..alles Orte, über die wir uns im Vorfeld informiert hatten, die wir jedoch auf Grund der eng bemessenen Zeit von zwei Wochen auslassen wollten. Man kann nicht alles beim ersten Mal sehen.

 

“Wir hatten nun eigentlich vor wieder langsam in Richtung Süden zu fahren, da wir den Kjerag am Anfang unserer Reise ausgelassen haben, jedoch sagte der Wetterbericht für dort eben wieder nur Regen voraus und da sind uns die rutschigen Felsen nicht ganz geheuer. Vielleicht sollten wir wirklich darüber nachdenken den Plan zu ändern. Der Kjerag läuft uns nicht weg.” - “Ja, man muss sich nicht unnötig in Gefahr bringen”, kommentierte sie weise.

 

Die Dame widmete sich wieder ihrem Mann und den befreundeten Rentnern, so dass ich das zusammengebaute Zelt & die Campingstühle ins Auto packen konnte und unsere Karte auf der Motorhaube ausbreitete. Ich machte mir Gedanken über die Worte der Rentnerin und musste schließlich eine weitere Karte dazuholen, um mir die ganzen Orte anzuschauen. Unsere bisher genutzte Südnorwegen-Karte war zwar größer als die Motorhaube des Vectras und sehr detailliert, jedoch endete sie etwa dreißig Kilometer nördlich von uns. Wie gesagt: So weit gen Norden war nicht geplant. Das kostenlose Kartenmaterial von visitnorway deckte glücklicherweise einen größeren Teil Norwegens ab, wenn auch deutlich weniger detailliert ( Vgl.: Siehe Teil 1 der Blogreihe ).

 

Ich studierte also die Karten und erzählte schließlich meinem Kumpel nach seiner Reinigungsaktion von meinem Gespräch mit der Dame. Eine Diskussion kam quasi gar nicht zustande, denn schon während meiner Erzählung wurde uns beiden klar, dass der Kjerag keinen Sinn machen würde. Die Wetterlage war einfach zu riskant. Und so ging unsere Reise mit einem weinenden & an den Kjerag denkenden Auge weiter. Und einem lachenden. Die Vorfreude auf die Route, die wir uns auf dem Campingplatz zusammenbastelten übermannte uns recht schnell und so ging es nach drei relativ stationären Tagen im Einzugsbereich des Sørfjord weiter gen Norden. Vorbei die Planlosigkeit. Jetzt wird Strecke gemacht. Wir wollten nun so viele schöne Orte sehen, wie möglich. Und eines sei jetzt schon gesagt: Es hat sich gelohnt.

 

Da sich unser Roadtrip mit diesem Tag in angesprochener Hinsicht änderte, werde ich ab nun von der bisherigen Erzählweise etwas abweichen und hauptsächlich auf die angefahrenen Orte eingehen. Diese waren einfach zu prägend, als dass noch viele Erinnerungen nebenbei hängengeblieben wären. Norway is awesome!

 

Kjeåsen

Kjeåsen ist ein Hof mehr als 500 Meter über dem Eidfjord. Seit 2010 nur noch zur Instandhaltung bewohnt, zieht der Berghof weiterhin viele Touristen an. Einerseits mag das an der wunderbaren Aussicht auf den Fjord liegen, andererseits an der Zufahrt. Mussten die Bewohner früher zu Fuß die Hänge hochkraxeln, so wurde in den 70er-Jahren im Zuge des Baus eines Wasserkraftwerkes eine Straße gebaut, die bis zum Berghof und noch weiter hinauf führte. Die Besonderheit dieser Straße: Sie ist sehr schmal und führt zudem durch einen unbeleuchteten einspurigen ( und mittlerweile befestigten ) Tunnel, der diese Passtraße zu einer Einbahnstraße macht. Da es logischerweise keine Alternativstrecke gibt, führt dies zu einer kuriosen Regel: Hinauf darf man jeweils nur zur vollen Stunde + 30 Minuten und hinunter im Umkehrschluss nur zur halben Stunde + 30 Minuten. So umgeht man geschickt das Problem des Gegenverkehrs.

 

Am Ende unseres Aufenthalts durfte der Vectra nochmal sein Können beweisen: Auf der Suche nach einem schönen Fotospot fuhren wir die Straße so weit es geht hoch und noch ein wenig weiter. Doch auch die Bodenfreiheit eines Vectras hat irgendwann ein Ende, so dass wir eine ganzes Stück wieder rückwärts zurück mussten und schließlich doch noch eine schöne Stelle fanden. :D

 

HinweisschildHinweisschildDie obere TunneleinfahrtDie obere TunneleinfahrtBlick vom Berghof auf den EidfjordBlick vom Berghof auf den EidfjordBlick vom Berghof auf den EidfjordBlick vom Berghof auf den EidfjordEin kleiner Bach in der Nähe des BerghofsEin kleiner Bach in der Nähe des BerghofsAm Ende der Straße weit über dem BerghofAm Ende der Straße weit über dem BerghofAm Ende der Straße weit über dem BerghofAm Ende der Straße weit über dem Berghof

 

 

 

Vøringfossen

Der Vøringfossen ist einer der meistbesuchten Wasserfälle Norwegens. Was sicherlich auch an seiner Lage liegt. Vom Eidfjord kommend merkt man auf den Straßen bereits, dass einem nun wahrscheinlich ein großer Pass bevorsteht. Dort gibt es Konvoi-Sammelstellen, viele offene Schlagbäume und dutzende Warnschilder. Im Winter ist der Pass wenn überhaupt nur im Konvoi zu befahren. Relativ schnell schraubt man sich die Meter hoch und neben einer schönen Aussicht faszinieren Tunnel, die sich spiralenförmig durch den Berg arbeiten. Da fährt man dann schonmal 360° im Kreis. Oben angekommen gibt es einen großen Parkplatz und mehrere Möglichkeiten, von wo man sich den Wasserfall betrachten kann. Der große Wasserfall ist etwas versteckt um die Ecke; die größere Faszination löste bei mir jedoch auch eher der hohe schmale Wasserfall aus, den man von allen Aussichtspunkten aus sehen konnte. Beachten sollte man auch hier, dass die Aussichtspunkte größtenteils nicht gesichert sind und Mahnmale erinnern an Menschen, denen dies bereits zum Verhängnis wurde.

Nach ein wenig Aufenthalt und einem kurzen Mahl setzen wir unsere Fahrt fort, da dieser Ort in der Tat ziemlich viele Touristen anlockte.

 

What kind of sorcery is this?What kind of sorcery is this?Wer hat sich denn da einen Palast gebaut?Wer hat sich denn da einen Palast gebaut?

 

 

 

Hardangervidda

Unsere Route führte uns weiter über die Reichsstraße 7, die uns bereits zufällig (!) zum Vøringfossen gebracht hatte. Es ging Meter um Meter höher, ehe wir mit dem Hardangervidda Europas größte Hochebene erreichten. Das Hochfjell ist geprägt von kargen, hügeligen und weitläufigen Flächen. Ein Ort, der dir den Atem raubt, zugleich aber eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt. Hier hätte man durchaus auch tagelang wandern können, jedoch waren wir dafür nicht gut genug ausgerüstet, denn es war dann doch ziemlich kalt dort oben.

 

Man kann sehr weit guckenMan kann sehr weit guckenSeht ihr die Hütte als Größenvergleich?Seht ihr die Hütte als Größenvergleich?Schafe im HardangerviddaSchafe im HardangerviddaAuch der Vectra genießt die AussichtAuch der Vectra genießt die Aussicht

 

 

Geilo

“Geilo, lass nach Geilo fahren”. Das war mein Gedanke, als ich Geilo vorschlug. Ein Ort über den wir nichts wussten, jedoch den Namen witzig fanden. Wie sich herausstellte ist Geilo ein Winter-Skiort dem im Sommer natürlich der Schnee fehlt. Dafür gibt es auch in Geilo einige Lokalitäten mit witzigen Namen. Nach fünf Minuten in der Tourist-Information fuhren wir weiter. :D

 

 

 

Riksveg 50

Da wir die Reichsstraße 7 nur befuhren um mal durchs Hardangervidda zu kommen und schließlich einmal in Geilo gewesen zu sein, nutzten wir die nächste Möglichkeit um zurück in Richtung der Fjorde zu gelangen. Diese Möglichkeit war die Reichsstraße 50. Sie führt ( wie war es anders zu erwarten ) durch eine wunderschöne Landschaft, unzählige Tunnel, in denen plötzlich auch mal Schafe auftauchen können oder Asphaltarbeiten durchgeführt wurden. Einziges Manko dieser Straße war die Stromautobahn, die in Form von Strommasten immer in Sichtweite war.

 

Verdammt klares WasserVerdammt klares Wasser

 

 

Übernachtplatz

Wer nicht suchet, der findet. Zwischen den ganzen Hängen eröffnete sich plötzlich ein Tal, in dem ein unbefestigter Weg von der Straße wegführte. Diese Chance nutzten wir ohne zu zögern und bauten unser Zelt windgeschützt abseits der Straße auf. Während das Tal schon im Schatten lag, beobachteten wir die letzten Sonnenstrahlen und ließen den Abend entspannt ausklingen. Nach einiger Zeit tauchten noch drei Fahrzeuge ( ein Lada, ein Nissan Qashqai und ein nicht identifizierbares russisches Modell ) mit russischen Kennzeichen auf, die jedoch nach einer kurzen Beratung wendeten und den Feldweg wieder verließen. Platz genug wäre zumindest auch für deren Camp gewesen.

 

Die Sackgasse zu unserem CampDie Sackgasse zu unserem CampDie letzten SonnenstrahlenDie letzten Sonnenstrahlen

 

Am nächsten Tag sollte es noch weiter gen Norden gehen, doch dazu mehr im nächsten Artikel ;)

 

to be continued..

Hakuna Matata

Hat Dir der Artikel gefallen? 4 von 4 fanden den Artikel lesenswert.

27.10.2016 18:39    |    dieselschwabe

Sehr cooler Road Trip und tolle Photos!

 

So eine Reise ohne Internet sollten wir wohl alle öfter mal machen..


28.10.2016 15:38    |    Hakuna Matata

Dankeschön! :)

 

Einmal im Jahr muss Medienabstinenz einfach sein. Einfach mal abschalten.

 

@dieselschwabe


28.10.2016 17:07    |    trafikante

In Geilo habt ihr aber wirklich etwas verpasst. Es gibt dort die Brusletto Messermanufaktur mit Factory Outlet, wo man die Messer erster Qualität mit Abstand am günstigsten bekommt. Zweite Wahl gibt es für Schnäppchenpreise, sogar nach deutschen Verhältnissen. Außerdem bekommt man für kleinen Preis auch Messerrohlinge. Dann kann man im Winter zu Hause in der Werkstatt die Griffe selber machen. Auch bekommt man teils kostenlos oder sehr günstig Leder für die Messerscheiden. Wer ein altes Brusletto Messer mitbringt, kann es zum kostenlosen Schärfservice abgeben. Mein erstes Messer, ein Hunter habe ich dort 1996 gekauft Brusletto.no

Ich sollte es mal wieder dort schärfen lassen.


30.10.2016 17:56    |    Hakuna Matata

Wenn man sich vorher nicht informiert, dann kann es dazu kommen. Die Messermanufaktur hast du schonmal in einem anderen Artikel erwähnt, sicherlich mal einen Besuch wert, aber letztes Jahr lag unsere Priorität dann doch eher auf der Natur. :) Vielleicht ja beim nächsten Mal. @trafikante


05.11.2016 18:44    |    Trackback

Kommentiert auf: Hakuna Matata: Erfahrungen eines Unerfahrenen.:

 

Norwegen Roadtrip - Teil 13: Trollstigen, Atlantikstraße und das Ende

 

[...] Navi und ohne Campingplätze durch das Land der Fjorde gehen. Den vorherigen Teil der Serie findet ihr hier.

 

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Der Lærdalstunnel ist der längste Straßentunnel der Welt. Anno 2000 eröffnet, führt [...]

 

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