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von Aufbereitung bis Zubehör rund um´s Thema Auto

01.01.2017 19:15    |    Designs    |    Kommentare (24)    |   Stichworte: A4, Audi, Audi Q5, Quattro, Quattro Ultra, TDI

Audis neuestes Kapitel in der Quattro Geschichte heißt "Quattro Ultra". Den Zusatz "Ultra" kennt man bislang von den (vermeintlich) besonders sparsamen Versionen der TDI Motorisierungen. Was heißt das jetzt für den Quattro? Naheliegend ist ja irgendwie die Erkenntnis, dass auch diese Version weniger Sprit verbraucht, oder vielleicht einfach eine Sparversion des Quattros ist.

Irgendwie ist beides sogar ein bisschen zutreffend.

 

Zuerst einmal möchte ich hier die Version von Audi zitieren, so wie die besonders gute Effizienz des Quattro Ultra dort angepriesen wird (Quelle www.audi.de):

 

Den Effizienzgewinn machen zwei Kupplungen im Antriebsstrang möglich, die so angeordnet sind, dass der hintere Teil des Antriebsstrangs komplett abgekoppelt werden kann. Durch das Zusammenspiel dieser Kupplungen mit einer ausgeklügelten Betriebsstrategie bietet quattro mit ultra Technologie alle Vorteile des Frontantriebs, wenn die Fahrsituation keinen Allradantrieb erfordert. Dazu koppelt eine Kupplung am Getriebe die Kardanwelle zu den Hinterrädern ab und im Hinterachsgetriebe öffnet eine integrierte Trennkupplung. Damit sind die Hauptverursacher von Schleppverlusten am hinteren Antriebsstrang stillgelegt. So kann zum Beispiel bei konstanter Fahrt auf der Autobahn und guten Wetterverhältnissen Kraftstoff gespart werden. Für die Zuschaltung des Allradantriebs wird die stehende Kardanwelle in Sekundenbruchteilen durch die Kupplung am Getriebe auf die nötige Geschwindigkeit beschleunigt und die integrierte Trennkupplung im Hinterachsgetriebe wieder geschlossen. In der Folge steht der quattro-Antrieb immer schon bereit, bevor er benötigt wird und ohne dass die Umschaltung für den Fahrer spürbar ist.

 

Soweit zum Marketing der ganzen Sache. Klingt ja gut - aber was ist wirklich dran? Ich fahre seit mittlerweile 15 Jahre Quattro, den "echten" mit Torsen Mitteldifferential - und das aus Überzeugung. Ob ich skeptisch bin? Oh ja, denn wenn mich etwas nicht so sehr überzeugt hat, dann die typischen Haldex-Systeme wie im A3, die sich doch irgendwie mehr nach Frontantrieb anfühlen, wenn man es ausreizt.

 

Nun, ich bin den Quattro Ultra im A4 Allroad 2.0TFSI, sowie im Audi Q5 2.0TFSI und 2.0TDI bereits gefahren. Über Landstraße, Schotter, Autobahn und Rennstrecke. Eins vorweg - ich behaupte 80% der Käufer und Fahrer werden das Ultra System gar nicht bemerken oder kennen, denn oftmals ist der Unterschied in den technischen Daten nur daran zu erkennen, dass aus dem "permanenten Allradantrieb" ein "permanent verfügbarer Allradantrieb" geworden ist. So, wie eben viele auch den Unterschied zwischen Haldex-Quattro und Torsen-Quattro gar nicht kennen.

 

Zunächst hängt es auch vorrangig davon ab, welchem Fahrertyp man sich selbst zuordnet.

Beginnen wir mit dem Cruisen auf Landstraßen. Ich denke es bedarf keiner großen Erklärung, dass weder beim gemütlichen Beschleunigen, noch beim dahingleiten auf Landstraßen Quattro von Nöten ist oder Vorteile bringt - ganz im Gegenteil. Wenn hier der Quattro Ultra die Hinterachse abkoppelt und dadurch Kraftstoff spart -> Vorteil Quattro Ultra.

 

Nun sind Sie eher der dynamische Typ? Zackiges Anfahren, rausbeschleunigen aus Kurven, ab und zu auch mal das Messer zwischen den Zähnen, so dass die Reifen an der Grip-Grenze jammern? Na gut, es bleibt die Frage, ob Sie dann das richtige Auto gewählt haben. Aber auch hier lässt der Ultra keinen im Stich. Bis zu 150 Werte werden 100x pro Sekunde ausgewertet. Deutet irgendetwas auf eine kritische Situation hin, wird der Allrad binnen 0,2s aktiviert - falls er nicht schon aktiv ist.

 

Einfachstes Beispiel: Wird beim Anfahren kräftig Gas gegeben schaltet der Quattro schon aufgrund der Pedalstellung zu. Bevor der Turbo anläuft und die Kraft an die Räder schickt, ist der Quattro längst da. Und er bleibt auch eine Weile aktiv, bis sich auch sicher alles beruhigt hat. Und so reagiert das System auf alle möglichen Einflüsse. Höhere Kurvengeschwindigkeiten, sprich Fliehkräfte, Lenkwinkel, Außentemperaturen usw. Hier spiegelt sich immer die individuelle Fahrweise wider.

 

 

Der Q5 mit der Quattro-App

 

In einem Q5, ausgestattet mit einem zusätzlichen System, das sowohl per LED, als auch per App auf dem IPad die aktuelle Situation (2WD/4WD) darstellt, ist man jederzeit informiert über den Zustand des Systems. Die Außentemperatur liegt bei rund 5°C, die Straßen sind trocken. Und wir fahren eine knapp 20km lange Strecke auf bayerischen Landstraßen und Orte. Und da zeigt sich bereits die Möglichkeit das System zu nutzen. Vorausschauende Fahrweise und ein sanfter Gasfuß bringen ein Ergebnis von über 80% Frontantrieb, knapp 20% Quattro.

Selbe Strecke anderer Fahrstil: zügigeres Beschleunigen, höhere Kurvengeschwindigkeiten, alles in allem einfach etwas aggressiver - und siehe da, mit 75% Quattro Anteil reagiert das System völlig anders. Das heißt 4.4km der gesamten Strecke von 17,4km wurden mit Frontantrieb zurückgelegt, 13x hat das System die Zuschaltung des Quattro veranlasst. Und das, obwohl auf der gesamten Strecke nicht einmal ein Rad an Grip verloren hat. Das ist dann wohl auch die von Audi erwähnte "vorausschauende" Aktivierung, die bis zu 0,5s in die Zukunft rechnet und prophylaktisch den Quattro aktiviert.

 

Es gab dabei ein paar interessante Punkte, die zu beobachten waren. Vermutlich aufgrund der Außentemperaturen schaltete das System immer bei niedrigeren Geschwindigkeiten (ca. unter 40km/h), sowie beim Stillstand/Anfahren automatisch in den Allradmodus. Schließlich ist jederzeit ein schnelleres Beschleunigen möglich, was den nötigen Grip erfordert. Schlupf beim Anfahren und damit erst eine reaktive Adaption ist damit schon ausgeschlossen. Und es bedarf schon ca. 20-30s entspannter Fahrweise, bis das System die Hinterachse wieder abkoppelt.

 

Ebenfalls wissenswert: Die Wahl des Allroad-Modus im Drive Select fixiert den Quattro-Modus. Auch wenn es also keinen Schalter gibt, um den Allrad zu wählen - dieser Modus hat den gleichen Effekt.

 

 

 

 

Mit dem A4 Allroad aufs Contidrom

 

Kleiner Ortswechsel: Contidrom Hannover. Ich fahre hier den A4 Allroad 2.0TFSI, ebenfalls mit Quattro Ultra. Hier ist nichts mit gemütlichem Cruisen, sondern es heißt jetzt einfach mal Vollgas! Die Gänge ausdrehen, die Kurve am Traktionslimit mit radierenden Reifen durchfahren, ordentliche Lastwechsel in der S-Kurve. Leider hat der Allroad nicht die Anzeige wie der Q5 - aber ich bin sicher der Quattro Anteil dürfte bei 100% liegen ;)

Jetzt aber zum wesentlichen - was fällt hier auf? Ok, zuerst einmal, dass der A4 Allroad trotz seiner 252PS genauso wenig auf die Rennstrecke gehört, wie ins harte Gelände. Kurvendynamik gehört nicht zu seiner Stärke, er verhält sich aber extrem gutmütig, schiebt im Grenzbereich gleichmäßig über alle 4 Räder mit Tendenz zum Untersteuern. Selbst beim Lastwechsel bringt man das Heck kaum aus der Ruhe. Traktionsprobleme gibt es zu keiner Zeit. Ganz ehrlich: Ich würde mir nicht anmaßen es zu spüren, ob das Fahrzeug Quattro oder Quattro Ultra an Bord hat.

 

Es gibt einen einzigen Kritikpunkt - und wenn man sich darauf konzentriert kann man es auch spüren. Die letzteren Quattros waren per Standard mit einer Kraftverteilung von 40:60 vorne/hinten ausgelegt. Und bei Vollgas in engeren Kurven kann man das leichte Eindrehen des Hecks spüren. Der Quattro Ultra kann das nicht. Hier geht maximal die gleiche Kraft nach hinten, wie nach vorne.

Was ich allerdings von den Torsen Quattros kannte, waren spürbare Verspannungen beim Anfahren mit vollem Lenkeinschlag. Die konnte ich beim Quattro Ultra nicht feststellen - obwohl die Kupplungen beim Anfahren ebenfalls geschlossen sind.

 

 

Wo sind jetzt also in Summe gesehen die Vor- oder Nachteile?

 

Ja, er kann Kraftstoff sparen, wenn man ein entsprechendes Fahrverhalten an den Tag legt.

Ja, er schaltet proaktiv zu und unterscheidet sich damit schon von den anderen Haldex Systemen, die erst bei Schlupf aktiv werden.

Ja, die Zu- und Abschaltungen des Allrads passieren unmerklich und sind nicht spürbar.

Dagegen steht, dass keine hecklastige Auslegung mehr möglich ist und die große Unbekannte, ob die Technik verlässlich ist. Immerhin werden binnen 200ms alle abgekoppelten Komponenten wieder beschleunigt. Der größtenteils unauffällige Torsen-Quattro ist hier der Maßstab, aber wie zuverlässig der Ultra Quattro ist, wird wohl erst die Zeit zeigen.

 

Braucht man den Quattro Ultra?

 

Nein, ich sehe für mich darin wenig Vorteil, habe aber auch kein Problem damit, wenn das Auto allradbedingt 0,5-1l mehr auf 100km benötigt. Für alle die Quattro eigentlich im Alltag nicht brauchen, aber wegen 2 Wochen Skiurlaub pro Jahr nicht darauf verzichten wollen, mag der Verbrauchsvorteil ein echter Gewinn sein. Das führt uns zu der alten Diskussion ob Allrad überhaupt nötig ist. Aus Sicht der Hersteller und dem Zwang des Flottenverbrauchs war das ein kalkulierbarer Schritt.

Es gibt aber aktuell auch keinen relevanten Grund, der objektiv gesehen gegen den Ultra spricht.

 

Damit sind eigentlich auch meine anfänglichen Bedenken eher unbegründet. Es wird ja oft davon gesprochen, dass auch hier nur noch ein zuschaltbarer Allrad und damit kein echter Quattro verbaut wird. Ich würde es eher umdrehen. Gemessen an der Funktionsweise würde ich eher von einem Allrad sprechen, der sich bei Nichtbedarf deaktiviert. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Was ich mir aber für die Zukunft wünschen würde, wäre eine integrierte Anzeige, die den aktuellen Modus darstellt.

 

Verbaut ist der Quattro Ultra derzeit im A4 (Avant) 2.0TDI (190PS) mit 6-Gang-Handschaltung (nicht S-Tronic), im A4 Allroad 2.0TFSI (252PS), sowie im Audi Q5 2.0TDI (190PS, s-Tronic)

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