Halbgott

Eindrücke niedergeschrieben

22.02.2008 12:18    |    Halbgott Halbgott    |    Kommentare (10)    |   Stichworte: ,

Während meines Kurzurlaubs an der Ostsee versuchte ich so viele Eindrücke mitzunehmen, wie es eben geht. Daher war für mich schon vorher klar, dass ich einen Tag dafür nutzen werde, um mir das Seebad Prora anzuschauen. Für die, die nicht wissen, was das Seebad Prora ist, empfehle ich einfach wikipedia

Wie üblich bekommt man dort einen schnellen Überblick.

 

Nach gut 40 KM Fahrt von Stralsund kam ich an. Die Ausschilderung empfand ich persönlich als spärlich. Nur auf den letzten KM stand überhaupt etwas davon. Aber dank Navi alles kein Problem. Dort angekommen wunderte ich mich etwas über die, wie ich finde, völlig überzogenen Parkplatzgebühren von 1 € pro Stunde.

 

Gänzlich angekommen wurde der Eintritt für die Dauerausstellung „MACHT Urlaub“ in Höhe von 3 € fällig. Imho ein fairer Preis für das, was geboten wird. In mehreren Räumen des Empfangsgebäudes des Seebades wurden zahlreiche Themen abgehandelt. Sei es direkt das Seebad mit Planung, Propaganda und Baugeschichte oder eben auch das Modell der "Volksgemeinschaft", soziale Realitäten, Propaganda und Massenkultur und die Instrumentalisierung der Kultur. Vor allem die sozialen Hintergründe und die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen sowie die Arbeitszeit und Entlohnung war für mich sehr interessant. Vielleicht auch einfach begründet darin, dass in diesem Gebiet bei mir persönlich nicht all zu viel Wissen vorhanden war. Kurz gesagt. Enorm viel Arbeit zu sehr wenig Geld. Entlohnung umgekehrt proportional zu Arbeitszeit.

 

Alles in allem eine sehr ausführliche Wissensansammlung und für alle, die sich mit diesem geschichtlichen Abschnitt auseinandersetzen sehr interessant und informativ.

Leider war es sehr sehr kühl in der gesamten Anlage. Winterjacke war wirklich Pflicht. Warmes Schuhwerk wäre definitiv auch angebracht gewesen. Daher ist ein Besuch vielleicht eher bei wärmeren Temperaturen zu empfehlen. Es war mir auch unverständlich, warum man dort trotz reichlich Heizkörper nicht geheizt hat. Vielleicht zu wenig Touristen außerhalb der Saison und unter Woche.

 

Nach dem Auslesen der Informationstafeln begann eine öffentliche Führung, die ebenfalls 3 € gekostet hat. Ca. eine Stunde hat ein junger Mann eine kleine Truppe in der auch ich mich befand herumgeführt und viel erläutert. Da das Seebad nur teilweise fertiggestellt wurde, benötigt es viel Fantasie und Vorstellungsvermögen sich die Anlage fertiggestellt vorzustellen. Planungsbilder usw. die während der Führung gezeigt worden sind, sollten dabei helfen. Glücklicherweise kann ich von mir behaupten, dass ich mir durch Zeichnungen und Pläne ein Abbild in der Natur machen kann. Könnte an meiner Lehre und Geschlecht liegen. So am Rande… Männer konnten sich das allgemein eher vorstellen als Frauen – zumindest von den dort anwesenden.

 

Man kann es nicht anders sagen. Was dort gebaut werden sollte und zum Teil auch schon gebaut wurde ist sehr imposant. 4 nördliche und 4 südliche Bettenhäuser, die insgesamt 20.000 Personen beherbergen konnten sprechen eine deutliche Sprache. Vor allem, da alle Zimmer Meerblick haben. Man konnte 2,5 KM lang nur in eine Richtung in einem Bettenhäuserkomplex gehen, ohne ein Haus zu verlassen. Sprich 2,5 KM überdachter Weg in den Häusern, die alle zusammenhängen und das ganze 2mal. Einmal nördlich und einmal südlich. Zeigt aber natürlich auch wieder den Größenwahn…

Aber spätestens in den Zimmern nahm dieser ein jähes Ende. 2,5 * 5 Meter mussten 2 Personen reichen. Dafür aber fließend warm Wasser, was zu damaliger Zeit ein absoluter Knaller war. Toiletten und Duschen waren dann aber wieder gemeinschaftlich zu nutzen. Der gesamte Strand wäre umgearbeitet worden mit einer „endlos“ langen Strandpromenade und allem, was ein Regime so benötigt. Reichlich Fahnenhalter usw.

Gigantische Empfangshallen hätten dem einfachen Volk sicherlich sehr imponiert. Lichtdurchflutete Hallen mit zahlreichen Säulen im Eingangsbereich hätten sicherlich allen den Atem verschlagen.

Groß, größer, Größenwahn trifft es wohl am besten.

 

Alles in allem ein interessantes Ausflugsziel, welches für wenig Geld viele Stunden Beschäftigung und reichlich Informationen verspricht. Also wer auf Rügen ist und nichts mit sich anzufangen weiß… Prora ist eine Reise wert.


Kommentare: 10

22.02.2008 20:45    |    andyrx andyrx

Hi

 

da war ich vor 4-5 Jahren auch mal,ist schon sehr beeindruckend...aber auch bedrückend hässlich;)

 

nabie ien paar Pics dazu;)



22.02.2008 20:45    |    andyrx andyrx

22.02.2008 20:46    |    andyrx andyrx

22.02.2008 20:47    |    andyrx andyrx

auf Rügen gibt es aber auch weniger Tristesse z.B. in Binz;)



23.02.2008 11:30    |    Halbgott Halbgott

In Binz war ich danach :)

Zumindest direkt am Strand echt wunderschön.

 

Bilder hatte ich von der Anlage auch gemacht. Aber irgendwie bringen die Bilder die Größe einfach nicht rüber.



23.02.2008 11:34    |    Halbgott Halbgott

Lust auf Muscheln?



23.02.2008 11:39    |    Halbgott Halbgott

UNd was von Prora



23.02.2008 23:11    |    game-junkiez game-junkiez

Wahnsinn,

 

diese Demonstration von Größenwahn !

 

THX für die viele Pics und den Bericht !

 

Werde mir das Ganze wohl im Sommer 08 anschauen.

 

Viele Grüße

 

g-j:)


24.02.2008 02:54    |    Halbgott Halbgott

Was noch erwähnt werden sollte. Wie auf den ersten Bildern von Andy sollte es eigentlich nicht aussehen. Die Fenster waren wesentlich größer angedacht gewesen. Die NVA hatte dann aber beschlossen, dass die Soldaten wohl keine Urlaubsatmosphäre brauchen und daher kleinere Fenster verbaut.


20.07.2008 12:46    |    Trackback Trackback

Kommentiert auf: Halbgott:

 

Ausflugstipp: Panometer in Leipzig

 

[...] gestattet, was imho OK ist. Zumal die Bilder die Größe auch nicht wiederspiegeln. Ähnlich wie bei dem Seebad Prora.

 

Fazit

Das Panometer war mein Highlight an dem Tag. 9 €, die sehr gut angelegt waren. Wer an Geschichte [...]

 

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