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13.12.2023 22:22    |    jennss    |    Kommentare (21)

"Elektroschrott""Elektroschrott"

Stellenweise gibt es regelrecht Hass auf E-Autos. Oft werden sie Elektroschrott genannt. Und das kommt sogar zwischen Freunden vor. Ein Bekannter von mir hatte im Gespräch mit einer Freundin solche verhärteten Fronten. Sie sagte, der Akku hält nur 3 Jahre und E-Autos seien Elektroschrott. Er hat dagegen argumentiert und jetzt ist er auf WhatsApp von ihr blockiert worden... Ich habe auch eine gute Bekannte, die beim Thema Autobrand vollkommen sicher war, dass ein E-Auto verantwortlich für den Brand auf dem Autofrachter Fremantle Highway sei, was sich ja inzwischen als falsch erwiesen hat, da an Bord kein e-Auto brannte. Jedenfalls schrieb sie auch, dass "die Kausalität eindeutig ist", was die Brandursache angeht. Das erstaunte mich insofern, weil ich sie als supernetten Menschen kenne. Aber bei E-Autos scheiden sich die Geister. Das erinnert mich etwas an vegetarisches Essen vor 30 Jahren. Da wurde auch oft gesagt, es sei eine Sekte, wie nun auch bei E-Autos öfter.

 

Ich glaube, konservative Menschen fühlen sich provoziert und indirekt beschuldigt, nicht umweltfreundlich zu sein. Daher kommt auch oft die Gegenbehauptung, das E-Auto sei für die Umwelt schlechter, obwohl das selbst Umweltverbände, Greenpeace etc. nicht so sehen, also keineswegs nur die EU. Zudem wird die Förderung der E-Mobilität als Zwang zum Wechseln empfunden.

 

Ich finde übrigens, die Diskussionen hier sind erstaunlich vernünftig, also tendenziell deutlich weniger aggressiv als in Sozialen Medien.

 

Habt ihr auch schon solche Konfrontationen erlebt? Welche Gründe seht ihr?

j.

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14.12.2023 03:08    |    Swissbob

Kann ich bestätigen.

 

Du weisst ja dass ich seit längerem elektrisch unterwegs bin, bislang überwiegen die positiven Meinungen, auch der aus meiner Sicht hohe Kaufpreis meines Audi wird als angemessen wahrgenommen.

 

Wenn ich Bekannte besuche, klopfe ich sicherheitshalber vorher ab, wie sie zur E-Mobilität stehen, und entscheide dann was ich nehme.

 

Wenn ich mich heute entscheiden müsste , würde ich wohl etwas kleineres aus europäischer Produktion nehmen, weil oft gefragt wird, ob das Auto auch wieder so ein komischer Chinese sei.

 

Elektroautos werden mittlerweile oft als chinesische Autos wahrgenommen.

14.12.2023 03:42    |    Schwarzwald4motion

Ich denke die schlimmsten Zeiten mit den Blödsinnigsten Vorurteilen haben wir hier zwischen 2016 bis 2020 erlebt.

Da dürfen wir uns auch nicht zuletzt bei unseren "sehr objektiven" öffentlich-rechtlichen Medien bedanken.

 

Das Bedürfnis über potentielle Probleme zu informieren ist durchaus anerkennenswert; schließlich wollen wir ja Fehlentwicklungen im Vorfeld schnell korrigieren.

Aber was da immer für ein Unterton mit tendenziöser Einseitigkeit rausgehauen wurde, lag natürlich auch an den falschen Gesprächspartnern und deren Agenda.*

Man kann auch einen Fleischesser fragen wie man besser Vegetarier wird :mad:

 

Die Vorurteile/Unkenntnis sind teilweise immer noch gewaltig, aber es wird deutlich kleinlauter.

 

Meist wird noch das Thema abbrennen oder eben Bremsen erwähnt, bei zweiter stimmt es ja sogar, da müssen neue Verhaltensweisen erlernt, Respektive bessere Konstruktionen erdacht werden.

 

Mittlerweile ist das Problem eher der Strommix welcher die Eindeutigkeit gefährdet.

Denn manches E-Auto wird seine 90.000 km erst erreichen nachdem es aus der Garantie raus ist, und laut VDI wäre dann nichts gewonnen, wenn die Teile wie Blei in den Regalen liegen.

 

Und natürlich ist auch klar dass die kommenden Generationen nochmal deutlich besser werden; aber der jetzigen gebührt schon mal die Ehre den Weg der early Adopter zu der frühen Mehrheit geebnet zu haben.

 

*Hier ist nicht zuletzt die Automobilindustrie und deren Gewerkschaften zu nennen, welche durch verzögern ihr eigenes Schicksal womöglich besiegelt hat.

14.12.2023 09:44    |    Trottel2011

In Zeiten wo Leute alles in Frage stellen und sich irgendwo Verschwörungstheorien aus dem Internet ziehen können, die sagen, dass die BRD nicht der legitime Nachfolger des ihr wisst schon Regimes ist, dass Covid eine Erfindung ist bla bla bla, ist es kein Wunder, dass die E-Auto "Hater" mehr und mehr Gründe finden um gegen E-Autos vorzugehen...

14.12.2023 10:34    |    PIPD black

Staatlich subventionierte "Premiumfahrzeuge" mit Dienstwagenprivileg weit über dem bis dato üblichen Durchschnittspreises eines vergleichbaren Verbrenners für Normalverdienende können halt nur schwer Akzeptanz in der breiten Masse herbeiführen. Da man die Preise künstlich hochhält, jubeln auch die Billigheimer aus Fernost, dass sie ihren E-Schrott hier für viel Marge und sogar noch staatlich gestützt absetzen können.

 

Wollen wir auch noch über Ladeinfrastruktur und mangelhafte Reichweiten gerade bei "günstigen" Fahrzeugen wie z. B. Mokka e (insbesondere im Winter) reden? Oder über ewige Ladezeiten, krass steigende Verbräuche bei normalem Autobahntempo......

 

Klar entwickelt sich alles irgendwie weiter, nur leider nicht in die Richtung "für die breite Masse tauglich und bezahlbar". Bis heute ist das was für Besserverdienende mit eigenem Haus, Wallbox und am besten PV.

14.12.2023 11:42    |    Schwarzwald4motion

"normales" Autobahntempo, klar;)

14.12.2023 12:43    |    Haasinger

Ich bin mehr oder weniger durch Zufall genau in dem elektronischen Techniksektor beschäftigt aus dem sich E-mobilität entwickelt hat und kann daher auch alle Argumente mit Praxiswissen erschlagen die Schrott sind.

Die gesamte Technik im Antriebsstrang ist verschleißfrei, 30 Jahre erprobt, saubilig und extrem simpel aufgebaut.

Dagegen ist jeder Verbrennungsmotor Raketenwissenschaft. Ich hab jeden Tag Antriebsstränge auf dem Tisch die 20 bis 30 Jahre in übelsten Umgebungen unter Volllast ohne Wartung durchgelaufen sind. Ölwechsel? Luftfilterwechsel? Unnötig. Rückständig.

 

Das mögen die Petrolheads leider nicht wahr haben.

 

Ob das in jeder Konzeption und Anwendung klimafreundlich ist, darüber kann man durchaus diskutieren. Aber Unzuverlässigkeit und "neue moderne komplizierte Technik" ist absoluter Humbug.

 

Was ich verstehe ist, dass Deutschland aber ein Problem hat. Das Land lebt von diesen komplexen Maschinen und deren Wartung. Wenn Autos auf einmal verschleißfrei werden, was dann? Wie viele Arbeitsplätze hängen am regelmäßigen Service? Dass jeder halbwegs talentierte Chinese eine Elektrokarre zusammentackern kann, erleben wir ja jetzt schon. Ist halt einfacher als jeder Verbrenner.

14.12.2023 12:59    |    jennss

Zitat:

@PIPD black schrieb am 14. Dezember 2023 um 10:34:53 Uhr:

Staatlich subventionierte "Premiumfahrzeuge" mit Dienstwagenprivileg weit über dem bis dato üblichen Durchschnittspreises eines vergleichbaren Verbrenners für Normalverdienende können halt nur schwer Akzeptanz in der breiten Masse herbeiführen. Da man die Preise künstlich hochhält, jubeln auch die Billigheimer aus Fernost, dass sie ihren E-Schrott hier für viel Marge und sogar noch staatlich gestützt absetzen können.

 

Wollen wir auch noch über Ladeinfrastruktur und mangelhafte Reichweiten gerade bei "günstigen" Fahrzeugen wie z. B. Mokka e (insbesondere im Winter) reden? Oder über ewige Ladezeiten, krass steigende Verbräuche bei normalem Autobahntempo......

 

Klar entwickelt sich alles irgendwie weiter, nur leider nicht in die Richtung "für die breite Masse tauglich und bezahlbar".

Doch, das ist der nächste Schritt. Viele neue Technologien fangen hochpreisig an. Der neue Citroen e C3 kommt mit 320 km, 113 PS für 20000 € nach Abzug der Umweltprämie.

https://www.autozeitung.de/...n-e-c3-2024-preis-reichweite-204542.html

 

Auch das Problem mit der Ladeinfrastruktur innerorts löst sich ganz langsam auf. Dauert aber tatsächlich lange. Hatte 2023 mehr erwartet.

j.

14.12.2023 19:54    |    Tikibar1965

Problem an diesem Thema sind doch die massiven Subventionen. Würde sich die Technologie einem normalem Wettbewerb stellen (müssen), wäre das doch für die Allermeisten eben kein Problem.

Nicht aber die Bevorzugung relativ Weniger auf dem Rücken der großen Mehrheit.

Reales Beispiel:

Mein Bruder fährt einen E-Mercedes als Firmenwagen, maximal subventioniert und laden umsonst in der Firma. Als Privater würde er sich das nie leisten (wollen) Dies seine ehrliche Meinung dazu....

Ich kann weder zuhause noch in der Firma laden - Thema somit erledigt.

Das ursprüngliche Thema "Klimaschutz" interessiert eigentlich nahezu niemanden - es geht ausschließlich ums Geld bzw eben Subventionen !

14.12.2023 20:19    |    Schwarzwald4motion

Es sind Start Subventionen, die einzig legitime Art der Förderung, und werden gerade Früher als geplant zurückgefahren.

 

Aber ja es ist schon ärgerlich dass alles neue erst mal von den Reichen finanziert wird warum nicht gleich den Armen schenken von unseren Steuergeldern :rolleyes:

 

Oder glaubt jemand ernsthaft, dass einer mit schmalem Geldbeutel zu den Early Adopter Gehören möchte?

 

Ist nun mal so bei der ganzen alten Verbrenner Technik sind die Entwicklungskosten abgeschrieben; was Neues muss ich erst etablieren.

Dieses Missverhältnis zumindest ansatzweise versuchen zu entschärfen als Verhinderung eines "gesunden Wettbewerbs" zu bezeichnen ist gelinde gesagt weltfremd.

 

Schließlich kommt die Disruption 30 Jahre zu spät.

14.12.2023 23:05    |    jennss

Förderungen geben fast alle Länder. E-Auto und Ladeinfrastruktur haben ein Henne-Ei-Problem und die Förderung soll das beheben. Bei Wasserstoff ist das noch viel schwieriger. Beim E-Autos gibt es immerhin Leute, die zuhause laden können und damit schon eine gewisse Anzahl an Autos auf die Straße gebracht haben. Das war schon eine gute Starthilfe. Das Tankstellennetz für Benzin kam auch nicht von heute auf morgen.

j.

15.12.2023 05:10    |    Schwarzwald4motion

Über Wasserstoff in der Mobilität am Boden müssen wir und die nächsten 20 Jahre keinen Kopf machen; das wäre schlicht Wahnsinn.

15.12.2023 05:55    |    Tikibar1965

Was genau soll den mit den E-Cars erreicht werden ?

Global gesehen natürlich !

Man dreht hier einem Industriezweig den Saft ab, der anderen Stellen der Welt neu entsteht. Für die Energiegewinnung kauft man maximal teuer Strom aus dem Ausland dazu.

Das man hierzulande irgendwann mit nur mit Windrädern auskommt....steht vermutlich in einem Märchenbuch in Berlin.

Hier werden PKW massiv subventioniert. Ist das sinnvoll oder ausschlaggebend ?

Was ist mit dem LKW-Verkehr, der Antriebsfeder des globalen Marktes: Frachtschifffahrt und Luftverkehr ?

Der Industrie + Wachstum in Asien + Amerika ?

Und was genau bezweckt man im "kleinen" Europa bzw winzigem Deutschland mit der Kastration ?

Auch das Verbrennerverbot wird wieder aufgeweicht.......

 

Ideologie vs Logik ?

Gewinnt in der Realität zu 100% immer die Logik !

15.12.2023 06:15    |    pcAndre

Zitat:

@Tikibar1965 schrieb am 15. Dezember 2023 um 05:55:55 Uhr:

Was genau soll den mit den E-Cars erreicht werden ?

Global gesehen natürlich !

[...]

Morgen...!

Deine Frage wurde doch im Beschluss zur Weltklimakonferenz beantwortet:

 

In dem Dokument ist die Rede von einem „Übergang weg von fossilen Energien in einer gerechten, geordneten und ausgewogenen Weise“. Das soll beschleunigt in dieser Dekade geschehen, bis 2050 sollen netto null Emissionen erreicht werden. Es wird dabei anerkannt, dass Länder den Übergang unterschiedlich gestalten, um etwa die Energiesicherheit zu gewährleisten.

 

Die E-Cars ermöglichen den individuellen Personenverkehr emissionsfrei zu gestalten. Erst recht, wenn der Strom aus EE stammt und das Fahrzeug sogar emissionsfrei gebaut wurde. An letzteren arbeit bereits Polstar.

 

MfG André

15.12.2023 06:40    |    Schwarzwald4motion

Zitat:

@Tikibar1965 schrieb am 15. Dezember 2023 um 05:55:55 Uhr:

Was genau soll den mit den E-Cars erreicht werden ?

Global gesehen natürlich !

Man dreht hier einem Industriezweig den Saft ab, der anderen Stellen der Welt neu entsteht

(....)

Ideologie vs Logik ?

Gewinnt in der Realität zu 100% immer die Logik !

Nun ja das nennt man Marktwirtschaft, da war es schlicht logisch dass das Pferd, die analoge Camera oder die Schallplatte eine Zukunft nur in der Nische haben.

15.12.2023 07:06    |    Swissbob

Mit dem kleinen Unterschied, dass Elektroautos, abgesehen davon dass sie keine lokalen Emissionen ausstossen, im Alltag keine grossen Vorteile haben.

 

Bis Tempo 30 sind sie wegen dem unnötigen AVAS sogar lauter als diverse Sportwagen(Renault ZOE!!!), bei 50km/h dominieren bereits die Abrollgeräusche.

 

Vorteile:

Sie beschleunigen meistens besser, man macht sich beim Laden nicht die Finger schmutzig und bei Volllast sind sie natürlich deutlich leiser als Verbrenner. Sofern man über eine Wallbox verfügt, kann man zu Hause laden.

 

Nachteile:

 

Sie sind zu schwer, sie bauen meistens höher, falls nicht, sitzt man wegen dem hohen Boden hinten wie ein Frosch.

 

Die Reichweite ist insbesondere im Winter ein absoluter Witz, und wenn man die Batterie nicht vorheizt, laden die Autos im Winter auch sehr langsam.

 

Sie sind noch immer sehr teuer, die Batterie altert auch Kalendarisch, wenn man in 10 Jahren nur 1000km fährt ist sie unter Umständen genauso kaputt wie nach 200000km.

 

Ich fahre mein Elektroauto sehr gern, ich empfehle jedem so ein Auto mal über ein Wochenende zu testen.

 

Aber ich verstehe jeden Autofahrer, der sich sagt , ne das ist mir zu mühsam.

 

Ich vergleiche Elektroautos gerne mit Quarzuhren, aufwändige Verbrenner entsprechen hochwertigen mechanischen Uhren. Beide zeigen die Zeit präzise an, nur der Weg dahin könnte unterschiedlicher nicht sein.

 

Das war bei Schallplatten und analogen Kameras noch anders.( nebenbei bemerkt, beide Sachen erleben zur Zeit ein Revival , ähnlich wie die mechanischen Uhren in den 90ern).

15.12.2023 07:35    |    Schwarzwald4motion

Auch Verbrenner werden ihre Liebhaberei haben; aber nicht im Alltag.

 

Viele Argumente haben nichts mit der Wandel zum E- Antrieb zu tun, sondern sind Einflussnahme staatlicherseits oder der Gewinnmaximierung und dem vermuten Kundenkreis geschuldet; von der mangelnden Konkurrenzangebot ganz zu schweigen.

 

Das AVAS nicht genauso für Verbrenner gilt, insbesondere die Nobel-Karossen ist ein Treppenwitz.

15.12.2023 14:18    |    bronx.1965

Zitat:

Ich vergleiche Elektroautos gerne mit Quarzuhren, aufwändige Verbrenner entsprechen hochwertigen mechanischen Uhren. Beide zeigen die Zeit präzise an, nur der Weg dahin könnte unterschiedlicher nicht sein.

@Swissbob

Das ist ein sehr treffender Vergleich!

 

Zitat:

Die Reichweite ist insbesondere im Winter ein absoluter Witz, und wenn man die Batterie nicht vorheizt, laden die Autos im Winter auch sehr langsam.

 

Sie sind noch immer sehr teuer, die Batterie altert auch Kalendarisch, wenn man in 10 Jahren nur 1000km fährt ist sie unter Umständen genauso kaputt wie nach 200000km.

Absolut D'accord!

15.12.2023 15:14    |    Haasinger

Zitat:

@Tikibar1965 schrieb am 15. Dezember 2023 um 05:55:55 Uhr:

Hier werden PKW massiv subventioniert. Ist das sinnvoll oder ausschlaggebend ?

Bei dem was steuerlich mit Dienstwagen abgeht, haben wir auch die Diesel lange genug massiv subventioniert.

 

Oder was denkt ihr wie viele großvolumige Diesel Audi BMW und Co absetzen würden, wenn die Steuerbegünstigung für Dinestfahrzeuge wegfällt.

15.12.2023 19:54    |    _RGTech

Ich bin da selber neutral-skeptisch (kein PV, Mieter, Doppelparker; öffentliche Ladesäule immerhin seit 3 Wochen unangeschlossen vor dem Haus aber ohne Dach und unter'm Baum)... kenne die Diskussionen aber mit meinen Kollegen. Bei "kann mir gestohlen bleiben" sind wir uns noch ziemlich einig, aber bei den teils polemischen Begründungen bekommt man Kopfweh. :rolleyes:

 

 

Genauso wie heute Verbrennerautos, haben wir bekanntlich auch Glühbirnen gehamstert, solange Leuchtstoff keine Alternative und LEDs noch nicht verfügbar oder unattraktiv waren (Farbwiedergabe, Lichtfarbe, Preise, Sockel, Design). Wer das heute aber noch macht, hat den Schuss nicht gehört.* Und bis wir bei Autos diesen Punkt erreicht haben, läuft noch einiges Wasser den Rhein runter.

 

 

 

Jede neue Technik (und hier ist mit "neu" gemeint, dass sich noch große Fortschritte erzielen lassen und man sich noch nicht flächendeckend dran gewöhnen konnte) muss sich bekanntermaßen erst einmal etablieren.

 

Ob das durch Subventionen oder andere staatliche Steuerungsmöglichkeiten beeinflusst werden muss, ist die eine Frage - denn hier muss dem Endkunden der Preisunterschied zur etablierten Technik einigermaßen schmackhaft gemacht werden. Das war bei PV so, das ist bei E-Mobilität so. Beides hat zu einer stärkeren Marktdurchdringung und damit auch niedrigeren Gesamtpreisen durch höhere Stückzahlen geführt. Ohne wäre beides noch Nischentechnik. Macht das also Sinn? Denke schon.

 

Allerdings sollten die Lösungen irgendwann auch wirtschaftlich alleine tragfähig sein. Inwiefern das gelingt, ist bei der derzeitigen Abhängigkeit von Bodenschätzen eher fragwürdig - wir sind hier enorm importabhängig, und die Lieferanten wissen das. (Ist beim Öl nicht anders, aber da ist mehr Konkurrenz und das Preisgefüge bereits ziemlich festgefahren - weniger Fluktuation...) Wie lange man also bezuschussen muss... das kann dauern.

Allerdings sollte man auch wissen, wann's gut ist (nicht wie bei z.B. Braunkohle... rausgeschmissenes Geld ohne jegliche Zukunft, im Gegenteil!).

 

Dann ist der Gesamteinfluss auf die Wirtschaft zu betrachten. Hier haben wir die verhärteten Strukturen aus 50 Jahren Wirtschaftswunder zu überwinden - nix gegen Gewerkschaften, aber im Zweifel bringt es niemandem was, den Status Quo möglichst lange aufrechtzuerhalten damit nur kein Bestandsschutz wegfällt, wenn dafür der Arbeitgeber selber keine Zukunft mehr hat und dichtmacht. Andererseits ist Arbeitsplatzabbau und Verlagerung ins Ausland (beides gern gemacht) auch keine Lösung, jedenfalls keine dauerhafte. Und der Lobbyismus hat uns zu seltsamen Regelungen und kurzlebigen Übergangstechnologien geführt, die höchstens als Appetitanreger gelten können (die ganzen Plug-In-Hybride in den Firmenflotten sind insbesondere mit der immer noch aufrechterhaltenen Dieselsubvention lediglich ein Feigenblatt!). Ob wir da den Vorsprung der nicht ganz so vergangenheitsverhafteten Länder noch einholen können?

 

Dass ideologisch geblendete Bremser-Extremisten (hallo Klimakleber, hallo DUH!), die außer in ihrer eigenen Blase wenig allgemeines Verständnis hervorrufen, hier noch faule Kompromisse wie die Euro-7-Grenzwerte erreichen (warum soll man eine totgesagte Technik noch teuer mit großem Aufwand um minimale Prozentpunkte verbessern, wenn dieser Aufwand bei anderen vielversprechenderen Themen besser investiert wäre?), macht die Sache leider nicht besser.

Also wirtschaftlich... werden wir hier noch eine ganze Weile abwarten müssen. Die Dinger bleiben teuer. (Die ausentwickelten Verbrenner werden's aber ebenfalls. Und die billigen verschwinden. So gesehen gleicht es sich schon an, aber in die falsche Richtung...)

 

 

Flächendeckende Lademöglichkeiten mit PV, am besten im Eigenheim, welches man ja nicht mehr alleine haben soll, um mehr Menschen auf weniger Fläche unterzubringen, dauern ebenfalls noch. Und die Laderei ist momentan, zusammen mit der Akkutechnik, der Hemmschuh für die meisten (egal ob nun mangels naher Möglichkeiten, Überdachung, Miete, Urlaubsfahrtreichweite, ...).

 

 

Wenn dann jemand sagt, dass es für ihn/sie/es nicht in Frage kommt, bitteschön. Kann ich mit Argumenten verstehen. Geht mir ja selber so.

Das Verteufeln allerdings geht mir ebenso auf den Sender!

 

 

 

Lithium brennt gut - ja, wissen wir. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Smartphone daheim im Bett am Ladekabel überhitzt und einem die Bude abfackelt, ist aber ungemein höher als ein selbstentzündendes Auto. Und bei der Anzahl brennender BMWs, die hier die letzten Jahre am Straßenrand stand, bin ich geneigt, Verbrenner fast schon für gefährlicher zu halten. Beide löschst du nicht mehr...

 

Alterung von Akkus? Oh, frag mal meine alten Laptops und Handys. Die meisten gehen durch Tiefentladung (kommt beim Auto eher selten vor, außer für absolute Seltenfahrer, für die es auch ein Billigbenziner täte - die fallen emissionsseitig eh nicht ins Gewicht) oder zu viele Ladezyklen/Dauerladung (ist auch eher unwahrscheinlich) flöten. 20 Jahre Lebensdauer sind aber kein Problem. Okay - mein gutes Nokia 6303c hält inzwischen offenbar nur noch 2 Tage durch, statt derer 5 oder gar 7 - für einen Akku aus ~2009 ist das schon fast unnatürlich schlecht. In diesem Alter muss man sich dann eben mit geringerer Reichweite anfreunden, aber ein Totalschaden ist auch das nicht.

 

Geringe Reichweite? Ja, ist ein gewisses Argument. Zusammen mit der längeren Ladedauer reißt man halt keine 800km mehr am Stück runter. Ist aber eh nicht gesund ohne Pause... nur die Problematik mit der Reiseplanung wirft einen wieder ein bisschen in die 80er zurück, als man seine Route mit Bleifreitankstellen planen musste. Damals aber noch mit Atlas, das geht nun auch schon besser. (Geht aber auch noch besser... ein Navi sollte hier günstige Ladepunkte vorschlagen können, und auch dynamisch über Zustands- und Belegungsstatus ändern.)

Und wenn man das nur 1-2x im Jahr braucht und ansonsten mit Strom pendeln könnte, gibt's notfalls auch Miet- oder Sharingfahrzeuge. (Die Wechselkennzeichengeschichte hat die CSU ja grandios versaut, sonst hätte ich auch das nichtangemeldete Zweitfahrzeug ins Spiel gebracht!)

 

Also so richtig "dagegen sein" kann man eigentlich nur noch, wenn man "dagegen sein will". Ansonsten gibt's für alle Herausforderungen auch Lösungen. Manche vielleicht nicht sofort, aber außer der Komfortsache "Laden im Alltag" hätte ich auch selber nicht mehr viel anzuführen. So'n Honda e wäre für diemeisten meiner Fahrten inzwischen ausreichend. (Der wiegt auch nicht so viel wie die ganzen hochbeinigen Klopse mit ihrer ach so tollen Normreichweite und ist lang nicht so hässlich!)

Solche Schlussfolgerungen bedingen aber, dass man sich selber gegenüber ehrlich sein kann.

 

 

@Haasinger - die wartungsfreie Antriebstechnik ist ein deutlicher Vorteil, aber du darfst den Speicher (Akku) nicht außer Acht lassen. Der ist bei E-Autos heute das Kernargument (gerade bei den Gegnern).

 

@Schwarzwald4motion - das AVAS ist der größte Quatsch den man sich ausdenken konnte; auf einem Niveau mit den inzwischen ständig piepsenden und quietschenden und summenden und blinkenden S-Bahn-Türen. Die meisten Menschen lernen das mittlerweile komplett zu ignorieren, weil's zu viel ist (und denen, denen es helfen soll, hilft das auch nicht besonders). Auch die Lautstärke ist generell zu hoch - so wird das nie was mit einem der Hauptargumente für E-Mobilität (geringere Emissionen - dazu zählen auch Geräuschemissionen). Statt das für Verbrenner zu fordern, gehört's im Gegenteil für die Stromer stufenweise runtergefahren und schließlich abgeschafft. Künstlichen Krach zu machen, um den Leuten die Gewöhnung an eine geräuschärmere Umgebung zu erleichtern (zu ersparen?), ist sowas von Blödsinn, das kann ich ohne Schimpfworte gar nicht mehr beschreiben.

 

@jennss - dein einleitender Text zeigt leider auch ein geschlechterspezifisches Phänomen auf... gibt etliche solcher Frauen, deren Anschauungen man einfach nicht kritisieren darf, und die sich keinen Argumenten mehr stellen wollen. Ich habe keine Ahnung warum das so ist, beobachte es aber zu meinem Missfallen immer wieder. Da muss ich dann auch irgendwann sagen, wenn sich die Diskussion immer wieder um's selbe Theman und ohne Fortschritte um sich selber dreht, ist mir die Bekanntschaft das irgendwann auch nicht mehr wert. Dann blockier mich halt.

Traurig, aber nicht zu ändern.

 

 

* = Spezialanwendungen ausgenommen (davon gibt's immer noch genug... ich muss, abgesehen von Backofen und Mikrowelle, selber noch gebunkerte Halogen-E27 einsetzen an einer bestimmten Stelle :()

01.02.2024 20:51    |    jennss

Das passt gut zum Thema, im Prinzip genau das, was ich hier auch schrieb:

https://www.autobild.de/artikel/e-auto-hass-kommentar-25135609.html

j.

14.02.2024 15:20    |    Steffen_i4

Ich denke, dass Verbrennerthema ist durch. Dazu machen die Akkutechnik, die Ladegeschwindigkeit und Infrastruktur viel zu schnelle Fortschritte, als das das noch aufgehalten werden könnte.

Ich staune ja selbst über mich. Vor 1,5 bzw. vor 2,5 Jahren bin ich zum i4 gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Ich kam vom 530d, 200 auf der AB und 1000km am Stück. 2021 war ich fest davon überzeugt, dass es bald ein Tempolimit gibt, weshalb ich den schnellen Kombi gegen etwas bequemes eintauschen wollte. Ein GLC Hybrid sollte es werden. Hybrid wegen der 0,5%, und um emissionsfrei durch meine Heimatstadt zu fahren. Verhindert haben es die lange Lieferzeit, die kleine Tank und das bei BMW auf einmal der i4 zu konfigurieren war.

Er war halt nagelneu und etwas besonderes. Die technischen Daten zu Akku, Verbrauch und Reichweite zählten zu den besten, was es in meiner Preisklasse zu kaufen gab und er war nicht teurer als ein vergleichbar ausgestatteter 530d oder GLC Hybrid.

Binnen 18 Monaten und 32.000km habe ich die knapp 7000kWh verbraucht, 21,4 über alles. Die Hälfte davon in der Firma geladen, ein viertel DC an der Autobahn und ein vierten AC am Ziel. Ich hatte noch nie - in Worten NIE- Probleme beim Laden, auch nicht an einem Winterurlaubssamstag auf der A9 Richtung Alpen.

Ja, 600km am Stück dauern eine 3/4 Stunde länger als mit dem 530d. Die Hälfte davon auf der Strecke, weil ich nur noch 150 und nicht mehr 200 fahre und die Hälfte an der Ladesäule. Dafür muss ich im Alltag nie an die Tanke und habe keine Dieselfinger. Auf einer Langstrecke außerhalb von D entfällt die Mehrzeit durch die Geschwindigkeit - in Ö darf man oft sogar schneller als die Verbrenner fahren - sehr cool - also bleibt es bei der Ladezeit 15..20 min für 200km.

Mit meinem Ladeprofil habe ich 8€ Stromkosten auf 100km. Einen vergleichbaren Diesel würde ich so sicher mit 7l bewegen. Weil das auch unsere Firma gemerkt hat dürfen sich DW-Fahrer E-Autos mit 10k mehr Bruttolistenpreis als Diesel genehmigen. Die rund 0,5 Mio E-Autos, die in den letzten 2 Jahren zugelassen wurden, kommen in den nächsten 3 Jahren auf Gebrauchtmarkt zurück und erreichen so zusammen mit sinkenden Neuwagenpreisen die Masse.

So kommen auch größere Reichweiten und Ladeleistungen in die Breite, genauso, die ich darauf hoffe, dass in 5..6 Jahren die 100kWh Akku und 300kW Ladeleistung eines Taycan in der 70k Businessklasse ankommen.

Selbst wenn wir hier in D gern weiter Verbrenner bauen wollten. Der Markt dafür wird auf ein Maß schrumpfen welches dem für mechanische Schweizer Edeluhrwerke entspricht. Das wird der Grund für den Umstieg, völlig egal, wie der Strommix dabei ist.

PS: auch ich sehe ab und zu Statusmeldungen mit irren E-Automythen zu Kosten, Winterverbrauch und Reichweite. Als ich erst gestern einen Bekannten dazu anschrieb, warum er Unsinn teilt, von dem er keine Ahnung hat - es ging um Ionity-Preise, wurde er kleinlaut.

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