• Online: 2.576

MOTORBASAR.de - Der MOTOR-TALK Fahrzeugmarkt mit über 400.000 Anzeigen

13.05.2021 22:29    |    jennss    |    Kommentare (90)

taycan-cross
Taycan cross

Obwohl ich gar nicht zur Zielgruppe eines Porsche Taycan gehöre, finde ich die Aufpreisliste faszinierend und überlege schon manchmal, ob ein einfach ausgestatteter Taycan nicht doch völlig ausreicht. Oder müssen es unbedingt gut 50000 € in Extras sein? Man findet als junge Gebrauchte oder Tageszulassungen sehr oft stark ausgestattete Taycans. Der Dauertestwagen bei AutoBild ist ein 4S für über 170000 €. Der kleinste Taycan kostet dabei weniger als die Hälfte, ca. 83000 €. Ein Cross Turismo mit Allrad, dem großen Akku und dem einstellbaren Fahrwerk ab ca. 93000 €. Kann man unter 100000 € mit einem Taycan glücklich werden oder sollte man dafür lieber ein Model S LongRange, Jaguar iPace, Mercedes EQC, Audi E-Tron GT oder sowas nehmen?

 

Manche sagen, dass Porsche-Fahrer eh genug Geld haben und besser eine volle Ausstattung wählen. Aber hey, nach oben gibt es kaum Grenzen und die Alternative zu mehr Ausstattung ist auch immer noch ein stärkerer Antrieb. Also wo sollte man sich die Grenze ziehen?

 

Ich picke mal ein paar Extras heraus:

 

- Farbe und Felgen:

Ja, da würde ich nicht unbedingt sparen, aber man sollte wissen, dass die 21"-Felgen fast so viel Reichweite kosten, wie der große Akku wieder herausholt, also um die 10-12%.

 

- Hinterachslenkung:

Die Hinterachslenkung (ca. 2300 €) reduziert den Wendekreis von 11,8 m auf 11,2 m. Das sollte in der City schon eine spürbare Erleichterung sein. Leider setzt sie das top-Fahrwerk voraus, welches nochmal um die 2000 € kostet. Beim Cross Turismo ist das allerdings schon serienmäßig. Das top Fahrwerk ist höhenverstellbar und auch eine gute Empfehlung. Andererseits ist das normale Taycan-Fahrwerk sicherlich schon nicht übel. Der Hinterrad-Taycan hat keinen engeren Lenkeinschlag als die Allradler.

 

- Der große Akku

Fast alle Taycans werden mit großem Akku geordert. Der kostet rund 5700 € Aufpreis. Ich finde den Aufpreis recht hoch für nur ca. 13 kWh. Allerdings ist es halt ein Akku mit sehr schnellem Laden und damit erklärt sich der Aufpreis wohl. Ich meine: Ca. 430 km nach WLTP mit dem kleinen Akku sind nicht so schlecht, denn bei hohem Tempo verliert der Taycan vergleichsweise wenig Reichweite. Für einen besseren Wiederverkaufswert ist der große Akku aber sicher sinnvoll. Damit kommt er auf ca. 484 km bei 19" und 20"-Felgen. Mit 21" und großem Akku sind es 442 km beim kleinsten Taycan, mit kleinem Akku und 20" 431 km, also fast gleich.

 

- Basics, die fehlen:

Erstaunlicherweise fehlen dem Taycan kleine Dinge wie Sitzheizung, Lenkradheizung und elektrisch anklappbare Außenspiegel. Das ist aber kein Problem, denn sie sind nicht mit Paketen gebündelt und einzeln recht günstig. Der 5. Sitz kostet etwa 500 €, ein ParkAssistent inkl. Rückfahrkamera ca. 700 €.

 

- Welcher Antrieb?

Der kleinste Taycan geht in 5,4 s. auf 100 und schafft 230 km/h. Das ist schon ganz ordentlich, aber so manch ein Power-SUV ist sogar noch fixer auf 100, z.B. ein Mercedes EQC oder der Volvo XC40 P8. Hier kommt es komplett darauf an, was man bisher gefahren ist. Davon hängen die Erwartungen im Wesentlichen ab. Der 4S ist mit 4,0 s. auf 100 schon deutlich stärker, kostet mit Allrad aber auch gut 20000 € mehr.

 

- Innenraum:

Bei den Sitzen geht einiges. Zwar sehen die Standardsitze schon wirklich gut aus, aber mehr geht bei Porsche immer. So bieten die Adaptiven Sportsitze Plus (ca. 2000 €):

"Sportlich geformte Sitze mit geändertem Nahtbild der Sitzmittelbahnen und erhöhten Seitenwangen vorne, mit elektrischer 18-Wege-Verstellung von Sitzhöhe, Sitz- und Lehnenneigung, Längsverstellung, elektrischer Sitzflächenlängenverstellung, 4-Wege-Lordosenstütze sowie elektrischer Verstellung der Wangen der Sitzflächen und Lehnen für Fahrer und Beifahrer".

Die Sitzmassage mit Belüftung kostet ca. 2000 €, der Dachhimmel Race-Tex ca. 1900 €.

 

Weiterhin gibt es "Interieur-Paket Ziernähte und Sitzmittelbahnen Leder in abweichender Farbe" für ca. 4600 €. Das ist sicher schick, aber eine Menge Geld.

 

Bei den Sitzen denke ich, dass die normalen Teilleder-Sitzpolster schon ganz ok. sind, aber persönlich finde ich lederfrei schon nicht schlecht. Das ist mit ca. 3600 € aber auch nicht billig.

 

- Licht:

Hier kann man auch leicht über 3000 € für besseres Licht ausgeben? Ob das nötig ist, fällt mir schwer zu sagen. Dazu müsste man es sich genauer ansehen. Ich habe beim ID.3 Matrixlicht. Es ist sehr gut, aber ehrlich gesagt könnte ich auf die teure Matrix-Funktion verzichten. Es ist auch eine Frage, wie sehr man dem System vertraut, den Gegenverkehr nicht zu blenden.

 

- Sound:

Porsche bietet als erste Aufstockung eine verbesserte Anlage (Bose) für ca. 1350 € an und für ca. 6000 € Burmester HighEnd. Das muss man wohl einfach mal hören und ist sehr individuell. Als ich noch nicht gehörlos war, war ich HiFi-Freak und von daher kann ich es schon verstehen, wenn man hier einiges ausgibt. Aber 6000 €... mannomann... :)

 

- Individualisierungen:

Es gibt unglaublich viel im Konfigurator von Porsche und wenn das Geld locker sitzt, bekommt man auch den kleinsten Taycan sehr teuer. Das SportDesign Paket Carbon kostet z.B. ca. 8200 €.

 

Leider fehlt ein zu öffnendes Schiebedach. Porsche geht da mit dem Trend, nur noch ein festes Glasdach anzubieten. Ansonsten gibt es z.B. noch den Nachtsichtassistenten (ca. 2200 €), das Headup-Display (ca. 1600 €), aktive Einparkunterstützung (ca. 1700 €), Porsche InnoDrive für ca. 3000 € (eine Art Autopilot). Sinnvoll kann je nach lokalen Begebenheiten der 22 kW AC-Lader (ca. 1700 €) sein, statt serienmäßiger 11 kW, sowie eine Wärmepumpe für ca. 800 €.

 

Ich wollte schon die Optionen aus dem Konfigurator screenshotten und hier reinbringen, aber das ist so dermaßen viel... lieber selbst mal gucken:

https://www.porsche.com/germany/modelstart/all/?modelrange=taycan

 

Meine persönliche Wahl wäre wohl der Cross Turismo (weil ich die große Heckklappe gut finde). Damit hat man ja schon einen großen Akku, Allrad (5,1 s. auf 100) und das Top-Fahrwerk, zu dem ich noch die Hinterachslenkung nehmen würde. Dazu ein paar billige Basics wie Lenkradheizung, Sitzheizung, anklappbare Außenspiegel, Rückfahrkamera und den 5. Sitz. Außerdem wäre grün oder hellblau meine Wahl (+ ca.1000 €) und teilgefärbte 19"-Felgen. Als kleines Highlight würde ich vielleicht farbige Gurte nehmen :). Ich käme damit auf 100.548,90 €... geht noch. Was denken jene, für die ein Taycan finanziell erreichbar ist? Lieber ein Model S mit mehr PS, Serienausstattung und Reichweite (87000 €, 3,2 s. auf 100, 663 km nach WLTP) oder einen Audi E-Tron GT (ab 99800 € mit 4,1 s. auf 100, ca. 480 km)? Ist ein relativ nackter Taycan nur wenig sinnvoll?

j.

Hat Dir der Artikel gefallen? 2 von 6 fanden den Artikel lesenswert.

21.05.2021 10:16    |    158PY

Es stellt sich halt die Frage, ob es sinnvoll ist ein Auto mit vielen Extras zu kaufen, was bald den doppelten Basispreis kostet. Mir persönlich erscheint es dann halt sinnvoller, wenn man gleich höher ins Regal greift und sich ein Auto bzw die teurere Type zum höheren Basispreis holt, wo überdies das eine oder andere Extra schon serienmäßig dabei ist. Das endlose Aufladen mit Extras kommt mir eher als eine Lieblingsübung von Angestellten vor, die nur Autos mit einem gewissen Basispreis wählen dürfen und sich dann durch die vielen Extras in eine höhere Fahrzeugklasse beamen wollen...


21.05.2021 11:40    |    DaimlerDriver

Es kann durchaus sinnvoll sein, ein Basismodell zu kaufen und das sehr teuer auszustatten.

 

Ein Extrembeispiel ist wahrscheinlich die S-Klasse mit kleinstem Motor, aber voller Rücksitzausstattung für einen 5-stelligen Betrag, wenn man sich meistens fahren lässt.

 

Es kann auch sein, dass man RWD haben möchte, aber trotzdem die Features eines voll ausgestatteten Taycan Turbo S.

 

Das kann auch zwischen unterschiedlichen Marken sinnvoll sein. Beispielsweise mag es der falsche Auftritt bei den Kunden sein, mit einem Bentley vorzufahren. Man kann aber auch einen 7er nehmen und bei BMW Individual ins Regal greifen, um eine vergleichbare Ausstattung zu erhalten.

 

Letztendlich ist der springende Punkt, dass man seine eigenen Anforderungen kennt und die Auswahl danach ausrichtet. Und wenn man Vergnügen daran hat, seinen Nachbarn zu beeindrucken, dann ist das auch okay. ;)


22.05.2021 20:05    |    j.m.s

Die Frage ist ziemlich sinnlos. Wenn jemand sowieso 10 Millionen auf dem Konto rumliegen hat, dann tun ihm 100k€ für Zubehör nicht weh. Und genau davon lebt die Firma Porsche. Es hat schon seinen Grund warum die von allen Autoherstellern die grösste Marge haben.


15.06.2021 09:22    |    158PY

Daimler Driver, du magst Recht haben, was die kleine S-Klasse mit Chefausstattung auf der Hinterbank betrifft, aber ein BMW wird auch mit der fettesten Ausstattung niemals zu einem Bentley. Wer sich nicht traut bei seiner Kundschaft mit seinem individuellen Wunschauto vorzufahren, sollte für diese Termine dann halt einen Golf oder Audi A4/A6 mieten. Aber BMW für 80 oder 100 Mille vollpacken, damit man sich einreden kann, man sei in einem Bentley unterwegs, ist wirklich und ernsthaft Geldverschwendung. Abgesehen davon ist es nicht ehrlich.


15.06.2021 14:32    |    miko-edv

Zitat:

@158PY schrieb am 15. Juni 2021 um 09:22:17 Uhr:

... sollte für diese Termine dann halt einen Golf oder Audi A4/A6 mieten. ...

nicht mieten (die haben die falschen Kennzeichen, wenn man genau hinschaut), sondern haben ...


15.06.2021 22:51    |    BEV

Ich sehe das Thema erst jetzt. Ich bin Taycan Besteller. Meiner kostet ganz knapp sechsstellig. RWD mit großem Akku. Der Akku bringt nicht nur Reichweite, sondern auch mehr Leistung. Muss man nehmen. Die Turbofelgen mit schöner Optik sind interessanterweise effizienter als die 19“ Serienräder. Habe ich daher auch gewählt. Die Rückfahrkamera ist untauglich, dafür ist Surround top. Und so habe ich Punkt für Punkt nur das gewählt, was ich wirklich sinnvoll finde.

 

Grundsätzlich finde ich die Preise echt fair. Vor allem ist es gar kein Aufpreis zum vergleichbaren Verbrenner. Und es ist ein tolles Auto. Die Verbräuche sind extrem konservativ angegeben. Wenn man moderat fährt, kann man mit dem RWD sicher mehr als 500 km am Stück packen. Aber wer fährt damit langsam? Es ist der einzige Elektrowagen, mit dem man 200 km/h fahren kann, wo es erlaubt ist. Kein Wunder, dass der Taycan das erste Elektroauto ist, das in seiner Klasse die Verbrenner im Verkauf hinter sich gelassen hat: Im Mai hat er die Oberklasse gegen die neue S-Klasse gewonnen. Eine Zeitenwende!

 

Falls von Interesse: Der Cross Turismo war mir zu häßlich, obwohl so ne Heckklappe praktisch ist. Optik geht vor, baue ich das MTB halt auseinander. Audi kam nicht in Frage, ist nicht meine Marke. EQS gibt’s noch keine echten Erfahrungen und thrilled mich vorab nicht 100%. Tesla hätte ich nie gekauft, häßlich, non-Premium, technisch lange überholt und das Kundenbild finde ich grotesk.


16.06.2021 11:41    |    158PY

Was ist denn bitteschön ein groteskes Kundenbild?


17.06.2021 13:49    |    BEV

Zitat:

@158PY schrieb am 16. Juni 2021 um 11:41:58 Uhr:

Was ist denn bitteschön ein groteskes Kundenbild?

Das weiß ich nicht. Ich habe geschrieben, ich finde das Kundenbild grotesk. Das ist ja etwas ganz anderes. Was für ein Kundenbild hat Tesla denn, das ich grotesk finde, wäre also die richtige Frage.

 

Antwort: Teslas Verhalten auswertend, scheint man zu glauben, dass der Kunde jede noch so dreiste Lüge glaubt (damit meine ich alles, z.B. konkret die Beschleunigungszeit vom Plaid, die der doppelt so starke, leichtere Rimac mit vier Motoren gerade so erreicht). Man scheint zu glauben, der Kunde brauche keine Fakten (nicht einmal die Akkugröße erfährt man). Man scheint zu glauben, dass unakzeptabler Service, keine Kulanz und unkalkulierbare Reparaturzeiten vom Kunden geschluckt werden. Gleichzeitig wehrt man sich trotz gesetzlichen Anspruchs dagegen, Werkstattunterlagen an freie Werkstätten zu geben…usw…usw…

 

Ich denke, das beantwortet die Frage. Aber, wie gesagt, ein Tesla kam aus anderen Gründen eh nicht in Frage.


17.06.2021 17:32    |    158PY

ach so... Na, dann hättest du vielleicht einfacher schreiben sollen "Tesla hat ein AMERIKANISCHES Kundenbild" und schon hätte ich verstanden, was gemeint ist...;)


Deine Antwort auf "Ist ein relativ nackter Taycan nicht sinnvoll?"

Blogempfehlung

Mein Blog hat am 06.02.2020 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

Blogautor(en)

jennss jennss


 

Besucher

  • anonym
  • Dynamix
  • DerWeise
  • MichaelVTG
  • Alexander67
  • Grasoman
  • Schwarzwald4motion
  • TFSI NRW
  • GT-I2006
  • MotorManiac2020

Archiv