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08.09.2015 20:15    |    nick_rs    |    Kommentare (8)    |   Stichworte: Mit dem Venga durch Italien

Nach der Pause in Cavallino mit einem Ausflug nach Venedig ging es weiter Richtung Süden. An diesem Freitag nicht ganz so weit wie ursprünglich geplant. In Adriano machte die Familie von Nick Urlaub und da ein Familienmitglied Geburtstag hatte fuhren wir überraschend vorbei und blieben eine Nacht auf diesem Platz. Die Fahrt dorthin verlief kaum am Wasser entlang und war eher unspektakulär, weswegen wir nicht genauer darauf eingehen.

 

Als wir am nächsten Morgen, etwas verkatert, auf der Karte gesehen haben, dass wir knapp an Rimini vorbeifahren, dachten wir uns, dass man sich den Ort ja einmal anschauen könnte. Man hört ja immer ganz viel von den Spießern "ich war im Urlaub in Rimini" "was? Schöööön". Dort hinzufahren hat sich wirklich nicht gelohnt. Strand voller Liegen, ein 5 stöckiges Hotel am anderen. Das Ganze wirkt und ist auch lieblos hingeklatscht, damit Pauschaltouristen an die Adria fahren können.

 

Es fällt wirklich extrem auf, dass quasi jeder Ort am Meer wie Rimini ist und es dort außer dem Strand wirklich wenig gibt, wofür es sich lohnt dorthin zu fahren. Man muss einfach sagen, Italien ist echt hässlich. Wenn man nicht zufällig ein schönes kleines Dorf findet (was sehr selten vorkommt) fährt man über kaputte Straßen, durch runtergekommene Städte, vorbei an Müllbergen. Nichts ist irgendwie gepflegt, fast jedes Haus würde man im Deutschland als "Schandfleck" bezeichnen. Und zwischen den ganzen bewohnten Schandflecken stehen gefühlt 30% der Gebäude einfach leer und keiner kümmert sich darum. Auch außerhalb der Ortschaften: zugewachsene Straßen, überall liegt Müll und Schrott. Der Lebensstandard scheint hier doch ein anderer als im Deutschland zu sein. Nur wenige Stellen an der Küste sind wirklich so, wie man es sich vorstellt, an der Adriaküste entlang zu fahren. Dazu muss man ganz bewusst die Schnellstraßen verlassen und unbebaute Orte an der Küste suchen. Dort entdeckt man dann aber auch die Straßen, für die man den weiten Weg nach Italien auf sich nimmt.

Dabei stößt man dann auch auf solch kleine Örtchen, wie auf den Fotos, wo nur 5 Häuser und eine Kirche auf einer Bergspitze direkt am Meer liegen. Dazu noch die erhaltenen Stadtmauern und nicht vorhandene Touristen (außer uns natürlich) machen solche Örtchen wirklich sehenswert. Und ein wunderschöner Ausblick aufs Meer. Da fängt man schon einmal an zu träumen von seinem eigenen Häuschen am Wasser ;)

 

 

Von diesem schönen Örtchen aus haben wir auch das Suchbild gemacht. Na, wer findet den Venga :)

 

Schon die ganze Zeit fiel uns auf dass es hier unglaublich viele Puntos gibt. Gefühlt zehn mal mehr als bei uns Golfs auf den Straßen unterwegs sind. Also entwickelten wir ein Spiel. Jeder, der einen Venga, einen Multipla oder eben einen Punto sieht schreit den entsprechenden Namen. Facelift-Vengas, Cabrio- und Polizeipuntos geben doppelt Punkte. Man kann zwischen dem "Punto" geschreie fast garnicht mehr atmen. Im Prinzip bestehen seit dem die Fahrten nur noch aus "Punto" "Punto" "Multipla" " Punto" "Hey ich war zu erst das ist jetzt mein Punto" "teilen wir uns doch einfach di.. MULTIPLA!" :D:

Punto-Counter: 3582

Multipla-Counter: 478

Venga-Counter: 37

 

Nach einiger Zeit kamen wir nach Ancona, eine etwas größere Stadt für Italienische Verhältnisse und mit einem großen Hafen. Die Gebäude waren wie oben schon erwähnt schlicht und einfach ungepflegt, aber die Stadt liegt am Meer und auf dem Berg, das könnten die Zutaten für einen schönen Ausblick sein. Also fuhren wir mit dem Venga einfach mal nach oben, bis wir an der Duomo di Ancona ankamen. Dort fand gerade eine Hochzeit statt, trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen einen atemberaubenden Blick über den Hafen und das Meer zu erhaschen. Außerdem sahen wir gegenüber eine alte Burgruine. Wir beschlossen einfach mal dort hin zu fahren. Der Weg dort hin führte durch so schmale Straßen, dass wir kurzzeitig sogar die Spiegel anklappen mussten (zum Glück elektrisch). Unten an der Burg angekommen parkten wir das Auto und Genossen zu Fuß den Park in malerischer Landschaft mit Blick über die Stadt und das Meer umgeben von alten Burgmauern.

Trotzdem, wir durften nicht zu viel Zeit verlieren, es war schon spät. Mit dem Auto fuhren wir noch ein bisschen Kreuz und quer durch die Stadt, die uns aufgrund der teils sehr sehr steilen Straßen und der Aussicht aufs Meer ein wenig an ein San Franzisco Italiens erinnerte.

 

Obwohl Ancona unser eigentliches Ziel war, beschlossen wir, noch ca. eine Stunde weiter zu fahren, damit wir am nächsten Tag nicht mehr 7, sondern nur noch 6 Stunden Fahrt vor uns hatten. Während Nick fuhr suchte Robb einen Campingplatz mit einigermaßen guten Bewertungen auf Google Maps heraus. Am Ziel angekommen waren wir doch sehr enttäuscht, denn während uns die Empfangsdame (mit der wir uns mehr mit Händen und Füßen denn mit Worten verständigen mussten, da sie kein Englisch sprach) uns über den Platz führte, fiel uns auf, dass hier kein einziges Zelt stand, sondern nur recht heruntergekommene Wohnwagen in denen wohl Dauercamper hausten. Auch die Sanitäranlagen waren wirklich ekelerregend. Dennoch nahmen wir einen der drei noch freien Plätze und bauten unser Zelt auf dem matschigen Boden auf. Immerhin kostete uns die Nacht, in der wir halbstündlich von den Zügen auf den 20m entfernten Bahngleisen geweckt wurden, für 3 Personen zusammen nur 18 Euro.

Als wir kurz später hinaus fuhren, um ein Restaurant zu suchen, sahen wir, dass der eigentlich geplante Campingplatz nur wenige Meter daneben lag und schon von außen deutlich attraktiver aussah.

 

Am nächsten Tag ging es früh los, weiter entlang der Adriaküste Richtung Süden. Gefühlt fuhren wir dabei durch eine große Stadt, denn über eine Stunde lang sahen wir kein Stück Landstraße, immer nur Hauswände zu beiden Seiten. Vor allem Pescara wollte einfach nicht enden. Eine halbe Stunde lang fuhren wir ohne viel Verkehr auf geradem Weg durch die Stadt, bis irgendwann das Ende erreicht war.

 

Die ganze Zeit ging es an der Küste entlang. Mal sah man Wasser, mal nicht. Was man immer sah, war die Bahnstrecke die uns nun schon einige hundert Kilometer begleitete.

Als wir in den Natoinalpark vor Vieste einfuhren und den Blick über den traumhaften Lago di Varano schweifen ließen, fuhren wir nicht auf der Schnellstraße weiter, sondern eine kleine Landstraße entlang. Diese führte uns zuerst durch die Geisterstadt Cagnano Varano und anschließend über kleine Nebenstraßen und Serpentienen durch eine malerische Landschaft, bestehend aus Bergen, Olivenfeldern und Meerblick. Die Straßen wurden immer enger, schlechter und steiler, es ging immer weiter hoch und nachher wieder sehr steil runter. Für den Venga war das anstrengend, wir konnten dafür ständig eine wunderschöne Aussicht genießen.

Nach einigen Kilometern erreichten wir dann Peschici, eigentlich nur ein Ort zur Durchreise. Doch dort fanden wir dann eine Dorf vor, wie er italienischer kaum sein könnte. Weiße, mehrstöckige Häuser, welche durch maximal 5 Meter breite Durchfahrtwege getrennt wurden. Und das natürlich kombiniert mit einer Steigung der Straßen von oft über 20° sowie direkt am Meer. Dort haben wir es uns nicht nehmen lassen die Gassen mit dem Venga zu erkunden, was uns nicht nur einen den ein oder anderen verwirrten bis verärgerten Blick der einheimischen Italiener einbrachte :) Dazu sollte man vielleicht erwähnen, dass deutsche Kennzeichen in diesem Teil von Italien ähnlich oft vorkommen wie Straßen ohne Schlaglöcher, also fast garnicht.

Weiter auf einer kleinen Landstraße, die sich an der Küste entlang am Berg schlängelte, vorbei an idyllischen Buchten und hohen Klippen erreichten wir schon bald Vieste.

Vieste ist von der Idylle hier ähnlich wie Peschici, nicht ganz so eng und nicht ganz so hoch aber schön, dafür etwas mehr auf (italienischen) Tourismus ausgelegt.

Schon auf der Karte konnte man sehen, dass der favorisierte Campingplatz an einer kurvigen Straße im Nichts und dazu direkt am Meer lag. Und unsere Erwartungen wurden, wie ihr sehen könnt, wahrlich nicht enttäuscht. Eine malerische Bucht, eine Zeltplatz direkt an der Klippe zum Wasser und ein fast leerer Platz machen die Zutaten für einen erholsamen Tag am Meer.

Im nächsten Artikel erzählen wir euch dann, wie wir das Kriegsgebiet auf Neapels Straßen überlebt haben ;)

 

Viele Grüße von der Autobahn, auf der wir ja eigentlich überhaupt nicht sein wollten

Robb, Nick und Flo

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08.09.2015 21:26    |    Schlawiner98

Zitat:

Punto-Counter: 3582

Multipla-Counter: 478

Venga-Counter: 37

Ich hoffe mal, die Zahlen sind rein fiktiv. Ansonsten scheint ihr ja einen sehr langweiligen Urlaub zu haben :D


08.09.2015 22:00    |    HalbesHaehnchen

Hammer Fuhrpark auf Bild 14 (auch wenn etwas heruntergekommen, wie offensichtlich alles in Italien) :D :D

Eure Erfahrungen decken sich ziemlich mit meinen vom letzten Jahr in Italien.

Wir sollten echt aufhören uns über unsere Straßen zu beschweren :D

 

Schöner Bericht! Weiterhin viel Spaß wünsche ich ;)


09.09.2015 15:09    |    Ascender

Italien ist wunderschön... Zumindest der Norden und die Toscana. Die schönsten Städte finden sich in letzterer Gegend. Alles historische Dörfer und Stadtkerne aus der Zeit der Renaissance, teilweise sehr gut erhalten.

 

Verona

Lugano

Como

Genua

Pisa

Florenz

Monteriggioni

VENEDIG (die schönste Stadt Europas, meiner Meinung nach)

 

Das sind wunderschöne Städte und Dörfer, absolut sehenswert.

 

Der Süden gefiel mir auch nicht so gut. Auch die Stadt Rom ist nicht so der Bringer, bis auf wenige Gebäude und Stadtteile. Ancona ist auch eher eine industrielle Hafenstadt. Eine sehr wichtige Fährverbindung für alle, die nach Griechenland wollen, wenn sie nicht bis nach Brindisi durchfahren möchten (Süditalien).

 

Achja: Von Rimini war ich auch nicht so angetan. Es war tatsächlich alles sehr überfrachtet. Einfach nur Strand, tausend kostenpflichtige Liegen, Algen im Wasser...


10.09.2015 22:13    |    SXE10

Verona und Florenz sind echt toll... das Amphitheater in Verona war grosse klasse...


11.09.2015 11:58    |    HerrLehmann

Kann ich nicht nachvollziehen, die Kritik.

 

Italien ist halt nicht Deutschland mit seiner Kleingärtnermentalität und Gartenzwergen. ;-)

 

Und Autofahren fand ich immer entspannt in Italien. Einfach mit dem Strom mit fahren.

Selbst in Florenz mit gefühlt 4 Mio. Roller war das kein Problem.

Einfach drauf los fahren und gut ist.


11.09.2015 16:39    |    sasisoli

Rimini ist weit mehr als die Bettenburgen am Strand, eine alte Römerstadt von der aus Caesar den Rubicon überschritten hat...also vorm Lästern mal ein wenig die Augen offen halten!

Wenn man natürlich nur Augen für die belle Ragazze in den Discos und am Strand hat, kann einem das schon entgehen! ;)


11.09.2015 20:27    |    greentea868

Zitat:

Und Autofahren fand ich immer entspannt in Italien.Einfach mit dem Strom mit fahren.

 

Selbst in Florenz mit gefühlt 4 Mio. Roller war das kein Problem.

Selbst in Florenz ist gut :D Florenz ist vom Verkehr mit einer deutschen Großstadt gut vergleichbar. Klare Spuren, eindeutige Vorfahrtsregeln und eher relaxte Verkehrsteilnehmer. Das ganze ist mit Neapel und abgeschwächt auch allgemein Süditalien überhaupt nicht zu vergleichen! Da gibt es keine klaren Spuren, Kopfsteinpflaster aus Felsbrocken und wenn man selber nicht alles gibt und immer voll rauszieht, fahren immer die anderen, egal wer grade Vorfahrt hat. Dazu parken auf beiden Seiten der Straße in drei Reihen, das war ein absoluter Kulturschock.

 

Und ich bitte unsere Aussagen nicht als Kritik zu sehen. Das sind einfach unsere Erfahrungen ohne Anspruch auf Richtigkeit. Und, dass wir in Rimini nicht alles gesehen haben, ist absolut richtig. Das bleibt aber bei ca. 500km am Tag ohne Autobahn nicht aus.


11.09.2015 20:37    |    Ascender

Bei meiner Eurotour habe ich mir so viel Zeit genommen wie ich wollte. Aber ihr müsst sicher irgendwann das Auto abgeben.

Ich fand es nie schwierig mich an den Verkehr anzupassen. Wer in Paris um den Riesenkreisel am Triumphbogen gefahren ist, weiß was ich meine. :D Ich fand es oftmals lustig.

Aber die Italiener sind schon sehr hitzig, das muss ich zugeben. Wenn es das eigene Auto ist, wo vielleicht auch mal eine kleine Schramme dran darf, dann ist das sicherlich entspannter. Aber die Jungs müssen den Venga nunmal möglichst ohne Kratzer abgeben. Mit einem ausgeliehenen, bzw. von Motor Talk und Kia bereitgestelltem Fahrzeug, wäre ich da wohl auch wesentlich unentspannter unterwegs. Da regt man sich bestimmt ein bisschen mehr über die rücksichtslosen Verkehrsteilnehmer auf.

 

Ach Jungs,... genießt la dolce vita noch so lange ihr könnt. In Deutschland ist es schon kalt geworden. :(


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