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Motorrad-Exoten

Blog über Motorräder, Prototypen, Einzelstücke und Designstudien, die es in Deutschland nicht oder zumindest noch nicht gibt.

30.01.2010 15:00    |    Lewellyn    |    Kommentare (4)

Neander Diesel
Neander Diesel

Das Vorwort für Neuleser dieser Miniserie:

 

Ein paar Anmerkungen zur Auswahl: Gefragt waren Motorräder, keine "Bikes", wenn Ihr mir da folgen wollt und könnt. Den Wettbewerb, amerikanische V2 möglichst teuer auf Unfahrbarkeit zu trimmen, überlasse ich gerne anderen. Auch historische Motorräder sind außen vor (Mike Hailwoods Siegermaschine etc.). Dafür lege ich den Begriff "Serie" auf >2. Die Preise sind auch mal Basispreise, die durch Zubehör noch nach oben steigen können. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Korrektheit, ihr dürft gerne übersehene Nachmelden.

 

Die 12 teuersten Serienmotorräder - Platz 6: Neander Diesel für 95.000 Euro

 

Mit der Neander Diesel ist nach der Münch Mammut 2000 immerhin schon das zweite deutsche Motorrad in dieser Hitliste vertreten.

Um den Preis von fast 100.000 Euro verstehen zu können, muss man sich vor Augen halten, das der Motor eine komplette Eigenentwicklung ist und enorme Entwicklungskosten verursacht hat.

 

Der Motor strotzt nur so vor Besonderheiten. Davon mal abgesehen, dass Dieselmotoren in Motorrädern sowieso schon einen Exotenstatus haben, handelt es sich bei dem Neandertriebwerk um einen 1430er-Paralleltwin, der in herkömmlicher Konstruktion aufgrund der auftretenden Vibrationen das Motorrad wahrscheinlich in seine Einzelteile kaputtvibrieren würde.

 

Rupert Braindl, der Konstrukteur des Neander-Triebwerks, hatte sich schon vor Jahren im Rennsport einen Namen gemacht, als er auf Suzukibasis 105 PS starke Einzylinder-Rennmotoren für die damals äußerst populäre "Sound of Singles" Rennserie baute.

Ihm kam die Idee, wie man einem übergrossen Paralletwin die Vibrationen, aber nicht den bulligen Charakter nehmen könnte.

 

Der Neandermotor verfügt nicht nur über zwei gegenläufige Kurbelwellen, sondern auch jeder Kolben über zwei Pleuel. Damit gleichen sich die Massenkräfte erster Ordnung der umlaufenden Kurbelwangen und Pleuel nahezu aus. Gleichzeitig eliminieren die beiden rotierenden Wellen ihre Kreiselmomente vollkommen. Daher ist es dem Fahrer egal, wie viel Schwungmasse wie schnell rotiert. So hat das keinen nenneswerten Einfluss auf das Handling der Maschine. Beide Pleuel sind jeweils auch noch fliegend gelagert, so dass die Kurbelwellen extrem schmal bauen.

 

Die beiden Kolben, mit je 109 Millimeter Durchmesser äußerst üppig dimensioniert, haben dank der beiden Pleuelstangen keine Kippmomente und können dadurch extrem niedrig ausfallen. Trotzdem sind die aus Chrom-Molybdän-Stahl gefertigten Kolben mit rund ein Kilogramm Gewicht die schwersten, jemals in einem Serienmotorrad verbauten Kolben. Braindl setzt auf die Zylinder seinen selbstentwickelten, aus den SoS-Rennern bekannten Spezial-Vierventilkopf mit senkrechten Einlasskanälen zwischen den Nockenwellen, sowie sich diagonal gegenüberliegenden Ein- und Auslasskanälen. Der Turbolader mit variabler Turbinengeometrie tut sein übriges, um dieser Konstruktion 112 PS bei 4.200 U/min und 214 Nm bei turbodieseltypischen 2.600 U/min entlocken zu können.

 

Die Doppelkonstruktion der Pleuel findet sich auch optisch außen in der doppelten Telegabel wieder. Ein Unikum in der Motorradwelt, funktional zumindest nicht schlechter als eine herkömmliche Gabel und natürlich extrem Verwindungssteif. Ein Zahnriemen arbeitet wartungsarm als Sekundärantrieb.

 

Die Neander soll für ihre 300kg überraschend handlich fahren. Sofern man mit einem 240er Hinterreifen überhaupt von "handlich" sprechen kann. Verbrauchswerte habe ich nicht finden können. Wenn man die spärlichen Angaben auf der Neander Webseite ableitet, dürfte der Verbrauch etwa um die 4 Liter liegen. Über Verkaufszahlen ist nichts bekannt. man kann sie aber aktuell noch bestellen.

 

Fazit: Die Neander ist ein fahrender Technologieträger, den man auch kaufen kann. Vergleichbaren Dampf offeriert auch die Triumph Rocket III Roadster, die mittlerweile 224 Nm und 148 PS hat, ABS und nicht mal 1/5 der Neander kostet. Da spielt der niedrige Spritverbrauch dann auch keine Rolle mehr. ;)


30.01.2010 17:10    |    i need nos

goil, selten so einen interessanten Motor gesehen und die Maschinen sieht auch noch gut aus.

 

Die große Frage ist natürlich mal wieder: wo sind die Nachteile? Warum baut man sowas nicht in Großserien? Wankelmotoren sind viel weiter vom herkömmlichen Hubkolbenmotor entfernt als dieser Neander Diesel, also warum nicht?;)


01.02.2010 15:55    |    tschähnz

...wenn man bedenkt, welche Vorteile der Diesel beim PKW im Alltagsgebrauch hat, böte sich ein Dieselmotorrad förmlich an - zumindest als Tourer, wo es weniger auf  "Sound", Topspeed, nominale Leistung usw.ankommt. Ein dieseltypisch durchzugsstarker Motor in einem Tourer zu einem akzeptablen Preis könnte eine echte Marktlücke sein. In einem BMW oder Porsche galt ein Diesel shließlich lange auch als unsexy...;)


01.02.2010 17:40    |    i need nos

dann aber bitte mit Partikelfilter;)


09.02.2012 09:40    |    Trackback

Kommentiert auf: Biker-Treff:

 

Turbodiesel-Motorrad...Ob sowas gut geht?

 

[...] Liest eigentlich auch wer meinen Exotenblog? :confused:;)

[...]

 

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