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Dorti's Bilderecke

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27.01.2013 23:17    |    Dortmunder 65    |    Kommentare (19)

Mercedes 190 SL W121 B II

Baujahr 1961 (1955-1963)

 

1897 ccm

 

105 PS bei 5700 U/min

170 - 180 km/h

14,5s von 0 auf 100

25881 Roadster und Coupès

 

 

Mercedes sah sich veranlasst auf Betreiben ihres US Importeur M.E. Hoffman einen Roadster zu entwickeln. Hoffman erkante, dass es einen Markt für Mercedes Sportwagen in den USA gibt. Seine Empfehlung war es eine modifizierte Version des 300 SL Rennsportcoupè (W194) und zugleich eine offene Variante. So entstand der 190 SL. Obwohl Mercedes mit den neuen Rennsportmodellen und Serienfahrzeugen voll beschäftigt war, gingen sie das Unterfangen mit Elan an. Der Vorstand erkannte die hohe Notwendigkeit und Chance. Für dieses Projekt setzte Mercedes 1953 sogar die Teilnahme bei den Sportwagenrennen aus. Diese Entscheidung erhöhte den Druck auf das Unternehmen und des SL, so sollte die Produktpalette abgerundet werden.

Vom 6. bis 14. Februar 1954 wurden der 300 SL und 190 SL auf der Motor Sports Show NY vorgestellt, zur damaligen Zeit die wichtigste Automesse auf der anderen Seite des Atlantiks. Der 300 SL war nur die Weiterentwicklung des Rennsportwagens, schwieriger war es beim 190er. Der 190 SL wurde auf Basis des Typ 180 neu entwickelt und das in kürzester Zeit. Bisher wurden Cabrios, Roadster und Coupès von den vorhandenen Karosserien und deren Kühlergesicht abgeleitet. Mit den SL`s mit den Zentralstern im Kühlergrill ersetzte Chefingenieur Fritz Nallinger diese Produktphilosophie.

Der in New York vorgestellte 190 SL wurde aber noch gründlich überarbeitet, da dieser weder technisch erprobt noch stilistisch ausgereift war. Im März 1955 wurde in Genf die Endausführung vorgestellt. Entworfen hat ihn Walter Häcker, der sich eng an das Flügeltüren Coupè 300 SL anlehnte. Der 190 SL hat allerdings ein versenkbares Verdeck. Zum Showcar unterscheidet sich das Serienmodell erheblich. Ansaughutze auf der Motorhaube entfiel und die Vorderkante dieser wurde nach hinten verlegt. Auch die hinteren Radausschnitte bekamen Lanzetten und Blinker, Stoßstangen sowie Rückleuchten wurden geändert. Der SL ist technisch verwand mit der Baureihe W120/121 den "Ponton"Limousinen, daher die interne Bezeichnung W121. Die Auslegung ist von vornherein ein zweisitziges Cabrioolet. Obwohl er kein klassischer Roadster ist wird er in der Lesart des Hauses Mercedes so bezeichnet. Roadster sind im allgemeinem spartanisch ausgestattet, Steckscheiben, abnehmbares Stoffverdeck usw., aber die Kunden wollten mehr Komfort. Drei Versionen wurden angeboten, einer mit Stoffverdeck, ein Coupè mit Hardtop mit und ohne Stoffverdeck. Der Preis lag zwischen 16500 und 17650 DM. Auf Wunsch bekam man auch einen dritten Sitz für den Fond, dieser wurde quer zur Fahrtrichtung untergebracht.

Der 1,9 Liter Ottomotor mit vier Zylinder und oben liegender Nockenwelle wurde neu entwickelt. Der M 121 B II gilt als Urvater einer ganzen Motorenfamilie und sein Verbrauch wurde mit damals moderaten 8,6 Litern angegeben. Somit hatte man mit dem 65 Litertank eine angemessene Reichweite.

Zahlreiche Änderungen wärend der Produktionszeit wurden durchgeführt, ich werd mal einige aufzählen. März 1956 breitere Chromleisten am oberen Türabschluss, Juni 1956 größere Rückleuchten, Juli 1957 Verlegung der Kennzeichenbeleuchtung in die Stoßstangenhörner (damit konnten die neuen, breiten Kennzeichen angebracht werden), Oktober 1959 neues Hardtop mit größerer Heckscheibe, 1960 neues Kofferraumschloss und gleichzeitig einen Muschelgriff anstatt Bügel. Nach der Änderung waren die Hinteren Stoßstangenhörner Serie und vorn gegen Aufpreis erhältlich, die US Modelle hatten diese Stoßstangenhörner rundherum schon immer serienmäßig. Schon damals gab es einen Startknopf. Im Innenraum fällt neben der reichhaltigen Chromausstattung und Instrumentierung das spindeldürre Elfenbeinlenkrad in der Größe einer Familienpizza auf. Einige Bedienelemente sind gewöhnungsbedürftig oder müssen erlernt werden. Darunter zählt die Bedienung des Kalt- und Warmstartzuges, die Betätigung der Blinker über den Hupenring und die beiden Drucktaster im Fußraum. Einer ist für das Auf- und Abblenden der Scheinwerfer und der Andere für die Scheibenwasserpumpe. Die Stockhebel-Handbremse ist unter dem Amaturenbrett versteckt und die nicht immer exakte Schaltung benötigt auch ein wenig Übung. Eine vorsichtige Fahrweise ist auch zu empfehlen, da weder Sicherheitsgurte noch Scheibenbremsen an Bord sind.

 

Pressestimmen

 

Auto Motor Sport Deutschland - Ein Tourenwagen der sich als ganz normales Gebrauchsfahrzeug für den Alltag nutzen lässt.

Auto Revue Schweiz - Trotz seiner hohen Leistung ist der SL kein eigentlicher Sportwagen, sondern ein unkomplizierter, seriöser Reisewagen,....

Auto Motor Sport 1960 - Seinen guten Ruf verdankt der 190 SL nicht nur seinem eleganten Aussehen, sondern ebenso seine Robustheit, Zuverlässigkeit und seinen sauberen Fahreigenschaften. Die gute Verarbeitung verdient besondere Erwähnung.

 

Geschichtliches und Triviales

 

Von den 25881 Wagen gingen 10368 in die USA und selbst in Deutschland wurden 5245 Stück verkauft, obwohl dieses Auto etwa die Hälfte eines Hauses kostete. Mit Zustandsnote 1 erreicht mancher auch heute noch diesen Vergleich. Dadurch fuhren fast nur berühmte Persönlichkeiten wie Grace Kelly, Frank Sinatra, Gina Lollobrigida oder wohlhabende Fabrikanten (gattinen) den 190er. Die Damenwelt mochte ihn wegen seiner Unkompliziertheit, Zuverlässigkeit und leichtes Handling.

Der SL konnte durchaus mit einem Porsche 356 B Carrera in Sachen Fahrleistung mithalten.

1958 brach im prüden Deutschland der Absatz ein, so das Daimler-Benz mit einer Sonderprämie gegensteuern musste. Die Frankfurterin Rosemarie Nitribitt wurde im November 1957 ermordet und durch die monatelange Berichterstattung mit den SL Bildern schlug es auf diesen zurück. Die Dame ging einem Gewerbe nach, das nicht den feinsten Ruf hat. Ihre Kundschaft stammte aus den oberen Kreisen und dort wird auch der Täter vermutet. Ihr Wagen war ein hochglanzschwarzer SL mit roten Ledersitzen.

Neben den Preis ist es auch nicht einfach einen wirklich guten 190 SL zu bekommen. Wegen der fehlenden Rostschutzmaßnahmen hatten es viele 190er recht schwer zu überleben. In den 60er und 70er wurden viele unfachmännisch ausgebessert und bei den "berühmten" US Reimporten ist auch vorsicht angesagt. Auch beim 190er ist wie bei Vielen die lückenlose Historie nicht das Schlechteste. Selbstschrauber können kaum sparen, da die Ersatzteilpreise enorm hoch sind.

Sollte man sich für einen interessieren, sollte man (Geld vorausgesetzt) einen mit guter Classic Data Einstufung wählen. Auf bestimmte Dinge sollte man achten. Spaltmaße an Türen und Hauben (Bierdeckeltest), Rostbefall an den Schottwänden, Einstiegsblechen und Steinschlagecken. Sicken beim Einstieg, Kederbänder, die Bodenpartie und die Holzverkleidung unterhalb des vorderen Bodenteppich sind in Augenschein zu nehmen. Auch diese Punkte sollte man prüfen, Motornummer, Zustand der Vergaser, passender Zylinderkopf, Hinterachse (Heulen), bei späteren Modellen die Kienzle Uhr, Bremskraftverstärker und wenn möglich Becker Mexico Radio.

 

Danke für die Gedult, ist eigentlich etwas was ich nicht machen wollte. Lange Texte, habe mich aber da nicht entseiden können was ich weglassen soll. Nun freu ich mich auf eure Kommentare und wenn ihr habt auf selbstgemachte Bilder.

 

Euer Dorti

 

 

Bildnr., Kamera M Minolta D Panasonic, Blendenzahl, Belichtungszeit, ISO, Brennweite

 

01  M  f/4,0  1/40s  200  22mm

02  D  f/3,7  1/25s  800  07mm

03  D  f/3,3  1/15s  400  04mm

04  M  f/4,5  1/40s  800  35mm

05  M  f/4,0  1/40s  250  22mm

06  M  f/4,0  1/40s  200  22mm

07  D  f/3,3  1/20s  400  04mm

08  D  f/3,3  1/20s  400  04mm

09  M  f/4,5  1/60s  500  35mm

10  M  f/4,0  1/40s  800  26mm


27.01.2013 23:41    |    124er-Power

Optisch ein absoluter Traum, nur leider absolut untermotorisiert. :(

Da gehört ein schöner 3 Liter Motor rein, wie damals beim 300 SL.

 

Edit:

Aber war ja der kleine Bruder, daher ging das ja nicht.


27.01.2013 23:42    |    mr. mountain

Cooler Wagen. Daß nach dem Mord an Rosemarie der Absatz einbrach, wusste ich nicht. Aber bei den prüden 50ern auch wieder kein Wunder.

Was bleibt ist ein echter Klassiker.

Ich erinnere mich an die Serie "Tennisschläger und Kanonen", wo Bill Cosby den Einstieg niemals über die Tür machte, sondern immer reinhüpfte...das sollte damals wohl besonders cool sein. :D


27.01.2013 23:50    |    124er-Power

Zitat:

wo Bill Cosby den Einstieg niemals über die Tür machte, sondern immer reinhüpfte...das sollte damals wohl besonders cool sein.

Das hat Tempelten Pack auch gerne mit seiner Corvette gemacht beim A-Team :p


27.01.2013 23:52    |    mr. mountain

Jepp, 124er...da muss er sich dann Bill zum Vorbild genommen haben :D


27.01.2013 23:59    |    124er-Power

Bei der Firma Mechatronik kann man einen fetten V8 in den kleinen Roadster einpflanzen lassen. :p

55er AMG mit 354 PS aus der E-Klasse W210. :cool:


28.01.2013 00:04    |    Dortmunder 65

@ 124er

Man kann ja viel machen, nur muss man dann bestimmt auch die Bremsanlage aufrüsten, nur ab wann ist es dann kein Oldie mehr.

Ich finde die Ursprünglichkeit sollte erhalten bleiben.


28.01.2013 00:05    |    mr. mountain

Ich bin ja mehr für "Oooorrriginaaalll", 124er...


28.01.2013 00:13    |    124er-Power

@Dorti

 

Das versteht sich ja von selbst, sonst wäre das ein reinstes Selbstmordkomando.

 

PS: So bekommt man jedenfalls kein H Kennzeichen, da es diese Technik ja damals nicht gab.


28.01.2013 09:07    |    Goify

Ganz besonders teuer wird es, wenn die aus Alu gegossenen Knotenpunkte wegkorrodiert sind. Diese müssen dann aufwändig als Frästeil erstellt werden. Jedoch gibt es in Ungarn fähige und preiswerte Spezialisten dafür.


28.01.2013 09:34    |    Dortmunder 65

@ Goify

Da hast Du wohl recht, nur bei diesem scheint die Gefahr nicht zu bestehen. Laut Beschreibung soll er gerade erst restauriert worden sein und wird mit 125t € angeboten. 


28.01.2013 17:34    |    UHU1979

Wieder mal ein sehr schönes Fzg. in deinem Blog. :cool:


17.02.2013 13:48    |    Al Bundy II.

Ein wunderschönes Fahrzeug, der 190 SL! Ich liebe das Teil! ;)


17.02.2013 14:38    |    Dortmunder 65

Ich werde bald noch einige Bilder nachlegen vom 190er, da mir noch 2 schöne Exemplare vor die Linse gekommen sind.


18.02.2013 20:33    |    Al Bundy II.

Nice, fehlt bloß der "Danke"-Button! ;)


18.02.2013 20:36    |    Dortmunder 65

Gern gemacht, den Grünen kann man mieten und der Blaue war in Bremen auf der Show.


18.02.2013 21:44    |    mr. mountain

Die Verarbeitung der Autos war damals ausch schon Spitzenklasse ! :)


03.07.2013 01:05    |    motorina

... und weil es in diesem Artikel über den grossen Bruder angesprochen wurde:

Bei einer heutigen Veranstaltung war solch ein "Nitribitt"-Modell vertreten...



03.03.2015 18:25    |    HG61

Hallo Dorti, kennst du den 220 SL?

Ich bin heute erst dazu gekommen, diesen Bericht von dir zu lesen. Kompliment an dich, ich finde alle deine Berichte einfach toll. Deine Recherchen sind immer sehr gut.

Zu den Kommentaren bezüglich Motorleistung 190 SL:

Die fehlende Motorleistung beim 190 SL hätte mit dem geplanten 220 SL von Mercedes behoben werden können, aber leider wurde das Projekt 1958 durch Vorstandbeschluss nicht weiter verfolgt, da der W111 alle Kapazitäten beanspruchte. Ein Werks-220 SL, als W127 ist in Australien noch vorhanden, leider wurde dieser vom Besitzer in Rennversion umgebaut.

Also liebe Leute, wenn Ihr zu wenig Leistung habt, ist es an der Zeit, den 6-Zylinder M127 mit 2-Stempelpumpe in den 190 SL einzubauen. Oldtimerabnahme mit H-Kennzeichen garantiert, da dieser vom Werk bis 1958 in mehreren Fahrzeugen eingebaut wurde. Wer traut sich, ein solches Projekt zu verwirklichen? Viel Spaß beim Schrauben! Wer verwirklicht dieses Projekt, das man wieder einen zu Gesicht bekommt, ich würde mir das wünschen. Bin mal auf die Kommentare gespannt, wegen Originalfahrzeug usw. Vielleicht kann Dorti mal über den 220 SL W127 was schreiben? Herzlich euer oldifreak mit liebe Grüße an Dorti


03.03.2015 18:49    |    Dortmunder 65

@ HG61

 

ich schreibe nur über Fahrzeuge von denen ich eigene Bilder habe und deshalb wird es wohl nichts mit dem W127


Deine Antwort auf "Mercedes 190 SL - Gestern ein Traumwagen und heute ein Traumwagen"

DANKE

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