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Tüddelkram und andere Katastrophen

Wie man aus kleinen Problemen große machen kann

15.10.2015 02:43    |    Jack GT    |    Kommentare (15)

Irgendwie "schulde" ich noch einen Folgeartikel aus der Autokauf-Frage. Und eine Antwort, wie denn die Fahrt zu den Autobesichtigungen ausgegangen ist. Vielen Dank für Eure Antworten aus dem Vorartikel, mit denen ich auf Tour gegangen bin.

 

Die Suchkriterien

 

- Kombi

- Diesel

- Schiebedach (kein Sommer ohne Schiebedach...)

- Nebelscheinwerfer (bis jetzt bei jedem Auto selbst nachgerüstet, es reicht...)

- Xenon (so gute Ausleuchtung wie möglich, LED kommt beim Preisniveau nicht infrage)

- Anhängerkupplung (siehe Nebelscheinwerfer...)

 

Spannend: Eigentlich dachte ich ja, etwa 20 Fahrzeuge gefunden zu haben. Bei genauerem Durchlesen der Texte zu den Inseraten stimmten diese aber z.T. wiederum nicht mit den angegeben Suchkriterien. Nur ein Fahrzeug passte letztlich: Ein wuppertaler Passat 3C, der alle Kriterien erfüllte. Bei der Besichtigung stellte sich dann aber auch heraus, dass er das angegebene Xenon gar nicht besaß...

 

Man kann nicht alles haben...

 

Also kein Auto mit den angegebenen Kriterien im Preisrange. Was tun?

 

Entweder mehr Geld ausgeben oder überlegen, was man am einfachsten nachrüsten kann: die Anhängerkupplung wahrscheinlich - habe ich ja schon diverse Male gemacht, ich bin also schon etwas "in Übung" :).

 

Blieben nun eigentlich nur noch Volvos und Saabs mit den Kriterien übrig. Das passte, da ich es eh mit Skandinavien habe.

 

 

Den besten Eindruck hinterließ ein Mindener Saab 9³ Sportkombi, den ich mir auch anschaute. Das Fahrzeug machte einen fast neuwertigen Eindruck und noch besser: Der erste und einzige Voreigentümer hatte penibel in einem Aktenordner jegliche Investition im Auto samt Mietwagen bei Inspektionen dokumentiert. Dass der Erstbesitzer nicht ganz sauber vernähte Ledernähte in einer Kopfstütze reklamiert hatte, bestärkte mich in der Ansicht, dass das Fahrzeug penibel gepflegt und aufgrund der Laufleistung gewechselt worden war (zu dem Zeitpunkt etwa 170 tkm).

 

Zudem waren Saab's aufgrund der Saab-Insolvenz (und der unsicheren Zukunft des Rechtsnachfolgers NEVS) im Preis gedrückt. Was nur wenige auf dem Schirm haben: Der schwedische Staat hat die Saab-Ersatzteilproduktion mehr oder weniger verstaatlicht (läuft unter Orio AB), um die Ersatzteileversorgung zu sichern, denn in Schweden fahren einfach zu viele Saabs herum.

 

 

Also mit dem gewerblichen Verkäufer gefeilscht, wobei er nach Rücksprache mit seinem Chef einem reduzierten Verkaufspreis sowie zwei Kaufverträgen zustimmte (aufgrund des Preisnachlasses wollte er keine Garantie geben, wir wiederum wollten eine Haftung bei schweren Mängeln, was dann zu zwei entsprechenden Verträgen führte ;)).

 

 

Der Vierrad-Zerknall-Treibling

 

Der 9³ stammt aus der GM-Zeit, was zu günstigeren Ersatzteilpreisen, aber auch zu Folgen aus dem GM-Spardiktat führt. Mein 2007er entstammt der Zeit vor dem letzten Facelift (hat also noch nicht den "Darth-Vader-Grill", aber schon den neuen Innenraum). Bis auf Frontdesign und Heck entspricht er dem aktuell letztmalig gebauten 9³, dem letzten Saab-Modell, das Saab wohl, wie böse Zungen behaupten, vor GM retten konnte, weil die Saab-Ingenieure die Patente auf Saab, nicht auf GM anmeldeten. Es gab/gibt ihn als Cabrio, Limousine und als Sportkombi sowie offroadmässig "aufgepeppt" (also 9-3x) in 4 Ausführungen: Arc, Linear, Vector, Aero (die höchste Ausstattungsvariante). Meiner ist ein Vector, somit die zweithöchste Ausstattungslinie, wobei der Vorbesitzer fast bis zur Vollausstattung außer Navi geordert hat.

 

 

"Dat löppt:"

 

Was an dem Troll (wie eingefleischte Saab-Fahrer ihre aus Trollhätten stammenden Fahrzeuge nennen) gefällt, ist sein guter Komfort, der wertige Innenraum, die gute Dämmung und der Spritverbrauch. Der 1,9l Common-Rail Turbodiesel aus der GM-Zeit stammt von Fiat-Powertrain/Opel und besitzt 16 Ventile, da Saab ein aus eigenen Hause nur Vierzylinder-Turbodiesel anbietet und ist ein leicht rauher Geselle, der aber mit viel Zug entschädigt. Erstaunlich ist der Verbrauch: Bei meiner Kombination aus Stadt, Autobahn und Landstraße fahre ich bei vorsichtigem Gasfuß das nicht eben leichte Fahrzeug um 5,4l/100 km. Gut ist Saab der Spagat zwischen Komfort und Dynamik gelungen: Der Vector hat nicht das härtere Aero-Fahrwerk, ist aber sportlich abgestimmt. Er federt einen Großteil der Schwingungen und Querrillen weg, gibt aber Rückmeldung. Über 200 km/h in den Kurven der Kasseler Berge wird er dann aber etwas zappelig mit dem Heck. Gut auch, dass Saab neben den elektronischen Helfern immer einen manuellen Eingriff zulässt. Besonders gut gefällt mir das Cockpit: Nicht zu viele Knöpfe, sinnvoll angeordnet und intuitiv verständlich. Mein Vater, der bei neuen Fahrzeugen immer mit der Schaltermenge hadert, findet sich ohne Problem zurecht. Die Knöpfe sind zudem so angeordnet, dass man sie auch mit Handschuhen bedienen kann - eine schwedische Spezialität, ebenso wie das Nightpanel, in dem man in der Nacht alle außer den gerade benötigten Armaturen abschalten kann, um Ablenkung zu reduzieren.

 

 

"Dat is schiete:"

 

Bis jetzt gibt es nicht viel zu kritisieren. Am Diesel sind's die Drallklappen, die natürlich defekt waren (Gestänge defekt), Ersatz ist aber für 30€ zu beschaffen. Zudem ist der Motor aufgrund des größeren Motorraums recht arbeitsfreundlich angeordnet. Ärgern tun die mindestens 30-GM-Prozent, die in dem Auto stecken. Ein Beispiel gefällig: Die Saab-Spezialität der mitlenkenden Hinterachse um höhere Kurvengeschwindigkeiten fahren zu können. Nur leider stecken in ihr GM-Schrauben. Und GM spart offensichtlich bei Universalteilen, wie den Schrauben: Bei einer Fahrwerkseinstellung riß die Werkstatt eine Schraube ab. Da mir dies bei meinen alten VW's niemals passiert war, ging ich von einem unfähigen Mechaniker aus, und versuchte nach entsprechendem "Einweichen" die nächste, dicke Schraube zu lösen: Sie riß ebenfalls ab. Bei dem Schraubendurchmesser kaum zu glauben. Das soll bei den GM-Schrauben keine Seltenheit sein, glaubt man den Forenberichten. Zudem ist Saab eine Apotheke, da man fast immer auf Konzernteile zurückgreifen muß, der Aftermarkt nicht so groß ist. Wem der Groschen locker sitzt, kauft beim Saab-Händler eine Schraube für 4€/Stück, bei der man bei VW 80 Cent zahlen würde...

 

 

"Un nu?"

 

Was kann man als Fazit sagen: Der Saab ist ein schönes Auto, nicht ganz so wertig, wie ein "alter" Saab, aber vom Komfort gemütlich wie ein Wohnzimmer und sehr sicher. Dazu gehört eine begeisterte Community, die sehr hilfsbereit und äußerst verliebt in die Marke ist ("more than an car"). Ich habe den Troll schon ins Herz geschlossen, gerade auf der Langstrecke ist er ein Fahrzeug, dass einen entspannt ankommen lässt, dabei durch die Marke etwas aus dem Einheitseinerlei herausfällt, wobei manche die etwas spezielle Seitenlinie mit dem Saab-spezifischen "hockey-stick" die Gemüter entzweit. Ein günstiges Fahrzeug ist er aber nicht: Die Ersatzteile sind teuer, auch die Versicherung lässt sich den Individualismus bezahlen. Was mit der Mutterfirma passiert, weiß keiner genau, allerdings ist die Ersatzteilversorgung über die Verstaatlichung gesichert. Der Diesel knausert mit dem Sprit, auch die Rostvorsorge scheint auf nordische Winter ausgelegt. Und man wird erstaunlich häufig von Menschen angesprochen, die einem eine Geschichte von ihrem alten Saab erzählen.

 

Hier noch ein paar Bilder vom Einsatz:

 

 

 

Zum Abschluss: Ein Video aus den Tagen, als Saab noch ein Performance-Werk-Team hatte, das zeigte, was man mit den Fahrzeugen alles anstellen kann:

 

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Aktueller Fahrzeugstatus:

 

- Der Zweier 16V schläft seit Jahren

- Polo 9N3 im Stadtbetrieb, bekommt Alu's

- Zwei Saabs bewältigen den Hauptverkehr

- Am T4-Bulli derzeit ein paar Blecharbeiten

 

Letzte durchgeführte Arbeiten:

 

T4: Aufstelldach

Saab 9³ II: Bremsen, Zahnriemen, Wapu

Saab 95: Bremsen, Zahnriemen

Polo 9N3: Bremsen VA gemacht

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Beste Geschichten [Jack GT]...

...mit Golf 16V und der Polizei:

 

Früher habe ich häufig am Sonntagmorgen gearbeitet. Auf meiner Fahrtstrecke durch die Reeperbahn hatte ich des Öfteren das Vergnügen mit der Polizei, die annahm, einen trunkenen Fahrer nach einer durchzechten Nacht vorzufinden.

Als nun eines Morgens mein damaliger Klarglasscheinwerfer defekt war und mir der Hersteller als Ersatz eine Ford Fokus Rückleuchte (!) geschickt hatte, fuhr ich bis zur richtigen Nachlieferung ohne den rechten Scheinwerfer herum.

Die Polizei hielt mich an just einem solchen Tag vor der Davidwache an und beäugte skeptisch das "Loch" der Front. Ich erklärte dem Polizisten daraufhin die Geschichte. Seine Antwort lautete: "Das klingt so verrückt - das könnte schon stimmen. Fahren Sie mal weiter"...

 

...mit Support:

 

Ich bin eine laufende Auskunft - irgendwo muss das an mir geschrieben stehen. Fahrplan- und Stadtauskünfte gebe ich routiniert - das kommt alle Tage vor. Anrufe zur Autothematik von "ich steh' da" bis "können Sie mal den Parkautomaten für mich bedienen" sowie die Funktion als Zweitadministrator bin ich gewohnt. Als mich vor kurzem allerdings eine Migrantin am Busbahnhof zu ihrem neuen Telefonvertrag "interviewte" und sich eine Beratung zu Geräteanlieferung, Anschluß und Terminen holte, war ich doch schon baff.

 

...mit dem besten Netzlacher:

 

Ich habe selten so gelacht: Dieses Messer ist weniger durch seine Form, als durch seine besonderen Funktionen empfehlenswert. Also unbedingt die Leserrezensionen lesen!

 

...dem kürzesten netten Spruch (gefunden an einem Geldautomaten):

 

Geld wird bald abgeschafft - viele haben schon jetzt keins mehr.

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