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Motorrad-Exoten

Blog über Motorräder, Prototypen, Einzelstücke und Designstudien, die es in Deutschland nicht oder zumindest noch nicht gibt.

18.04.2010 11:17    |    Lewellyn    |    Kommentare (13)

Yamaha GTS1000
Yamaha GTS1000

Ganz so selten wie die Paso aus dem letzten Artikel ist die GTS in Deutschland nicht. Allerdings sollte die GTS wie die Paso für den Hersteller eine neue Ära einleiten. Das Ziel von Yamaha war, die absolute Vormachtstellung von BMW bei den Sporttourern mit den K-Modellen zu brechen.

 

Dazu wollte Yamaha 1993 alles neu, moderner und besser machen und schoss damit zu weit über das Ziel (sprich: die Zielgruppenwünsche) hinaus. Kaum jemand kaufte die GTS, die in ihrer Technik zu exotisch war, um die eher konservativ geprägten BMW-Sporttourerfahrer zum Umstieg zu bewegen. Und das galt nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

 

Was sofort ins Auge fällt, ist die Vorderradführung in Form einer einseiten Achsschenkellenkung. Damals ein absolutes Novum und heute auch nicht viel häufiger (Bimota Tesi). Yamaha versprach sich davon (neben dem Alleinstellungsmerkmal und der modernen Optik) ein verbessertes Ansprechverhalten und die Unterdrückung der für ABS-Bremsungen nicht sonderlich hilfreichen Nickbewegungen. Die GTS verfügte nämlich über ein für damalige Verhältnisse modernes ABS. Leider hatte diese Konstruktion auch ein paar Nachteile, von denen der grosse Wendekreis dem Fahrer am nachteiligsten auffiel.

 

Der Bruch mit dem gewohnten Bild eines Motorrads ging nach der Vorderradführung mit dem Rahmen weiter. Die "Omega-Space-Frame" genannte Konstruktion sah tatsächlich aus wie ein etwas schiefes, griechisches "Omega". Funktionell war am Rahmen nichts auszusetzen, die Konstruktion war bockstabil und zeigte sich dem hohen Gewicht der GTS (279kg) und dem zul. Gesamtgewicht von 500kg (!) locker gewachsen.

 

Als Motor diente der aus der erfolgreichen FZR 1000 entlehnte Reihenvierzylinder, der auf 100PS hin optimiert wurde. An ihm war wenig auszusetzen. Kräftig in allen Drehzahlbereichen ohne allzuhohen Benzindurst, sorgte er für standesgemäßen Vortrieb in allen Fahrlagen. Lediglich das Konstantfahrruckeln bei 3.500 U/min vermieste dem Fahrer etwas die Laune. Diese Unart der Einspritzung bekam Yamaha über die kurze Bauzeit (von 93-96) niemals wirklich in den Griff. Da half auch der geregelte Katalysator nicht, über den die Yamaha als einziges Motorrad außerhalb BMW verfügte. Immerhin lief die GTS 226km/h Topspeed, was ungefähr auf dem gleichen Niveau wie die K1100RS war.

 

Den "Todesstoss" für den Erfolg gab Yamaha ihr zum Produktionsstart gleich mit. Der Vorderreifen in 130er Breite führte zu einem sehr instabilen Fahrverhalten, so dass alle Tester die Yamaha "schlechtschreiben" mussten. Zusätzlich gab es zum Verkaufsstart keine freigegebene Alternative, so dass im wichtigen ersten Jahr kaum jemand die 25.000 DM für die GTS ausgeben wollte.

Als dann die 120er Bereifung freigegeben wurde, war der Ruf schon ruiniert. Nachtests, die ein deutlich besseres Fahrverhalten bescheinigten, halfen nichts mehr.

 

1996, nach nur 1.200 gebauten GTS stellte Yamaha die Produktion ein. Die Haldenmoppeds wurden noch bis 1998 weiter verkauft.

 

So scheiterte der Versuch, die konstruktiv eigentlich veralteten K1100-Modelle zu verdrängen, ziemlich grandios. An so Kleinigkeiten wie der Dimension des Vorderreifens. Neben dem sehr selbstbewussten Preisansatz. BMW hatte auch noch zeitgleich 1993 die Teleleveraufhängung für die Boxer auf den Markt gebracht, die die Vorteile der Achsschenkellenkung mit denen der Telegabel erfolgreich verknüpfte, ohne mit den Sehgewohnheiten zu brechen.

 

Die wenigen GTS, die noch in Deutschland fahren, werden in der Regel von ihren Besitzern gehegt und gepflegt. Nach Umstellung auf den 120er Vorderreifen ist die GTS nach wie vor ein guter Sporttourer für die grosse Reise, gerne auch zu zweit. Und ein seeehr seltener.


23.05.2010 18:12    |    Pingback

Kommentiert auf: Audi 100 Jahre – Motorräder | Audi V10 - Sports Car News


24.02.2013 12:21    |    Turboschlumpf36259

das mit den 1200 gebauten Mopeds kann ich mir gar nicht vorstellen. Woher nimmst Du die Zahl? Nach meiner Kenntnis sollen wohl etwa die doppelte Menge allein in Europa verkauft sein. Genaues weiß ich allerdings auch nicht. mfg GTS Fan ;)


27.02.2013 16:30    |    Lewellyn

Da könntest Du recht haben. Woher ich genau die Zahl genommen habe, weiß ich nicht mehr aber es könnt sich auch um die in Deutschland zugelassene Stückzahl handeln.

 

Wie auch immer, ein Bestseller sieht anders aus. ;)


09.02.2015 03:30    |    Federspanner24910

ich bin hier zwar neu in der runde aber ich fahre schon 20 jahre schwere maschinen.

ich hatte insgesammt 3 yamaha gts und eins ist sicher:

verarbeitungstechnisch gibt es nichts besseres.

sicher hab ich alle 3 mit einem 120er vorderrad gefahren und bei meiner letzten

habe ich durch höherlegung des hecks den lenkkopfwinkel verändert. dadurch

fuhr sie sich leichter. die gts ist eine männermaschine...man muss sich nur trauen.

aufgrund ihres hohen drehmoments macht sie sogar vielen sogenannten supersportlern

das leben schwer.

Diese maschine war ihrer zeit sehr weit voraus und mal ganz im ernst, was können

moderne maschinen heute besser? nichts!

die meissten haben lächerlicherweise nicht mal abs.

f.j.schermer (redakteur der fachzeitschrift mo) hat sie 60000km gefahren und ihr

danach eine liebeserklärung gewidmet (und der hat fast alles gefahren). warum wohl?

natürlich war es von yamaha unklung, gegen die viel zu grosse bmw-armada anzutreten.

vielleicht sollte man aber auch daran denken, wer die tests duchgeführt und vor allem

bezahlt hat. und wo wir gerade dabei sind. bisher hat beim crashtest kein anderes bike

so gut bestanden. solche berichte gehen dann unter.

die ganzen spinner bei den motorradtreffen, die irgendwann mal irgendwas gehört haben

aber es auch nicht so genau wissen, ich erspare mir an dieser stelle meinen kommentar.

hat bmw jemals ein schönes motorrad gebaut?

war eine suzuki jemals gut verarbeitet?

war ein italienisches motorrad jemals zuverlässig oder nur teuer?

ist es nicht so, dass ducatifahrer immer ölige finger hatten?

und wenn wir uns über die tesi aufregen, wer kann die heute noch bezahlen???

und lewellyn, bist du schon mit einer gts gefahren? ich denke wohl eher nicht.

also auch einer von diesen motorradtreffen...

wenn ichs beschreiben müsse würde ich sagen, man fühlt sich zuhause.

auf einem sportler sitzt man wie eine kackende lesbe und auf einem cruiser

macht man sich den rücken auf dauer kaputt...

wie auch immer, die gts ist eines der besten, je gebauten motorräder.

das war es erstmal, danke fürs lesen.

micha aus rathenow


09.02.2015 09:05    |    Lewellyn

Danke für die ausführliche Schilderung. Dafür u.a. habe ich das ja hier gemacht, damit Fahrer der seltenen Maschinen uns an ihren Erfahrungen teilhaben lassen.

 

So gut die GTS auch sind. Sie sind mittlerweile 20 Jahre und älter und bei bestimmungsgemäßen Gebrauch werden sie irgendwann verschlissen sein. Wie ist denn die Teileversorgung seitens Yamaha? Gibt es Möglichkeiten, Steuergeräte überholen zu lassen? Bei den K-Modellen gibt es das, aber da gibt es ja auch einen großen Markt für.


09.02.2015 10:58    |    Federspanner24910

da yamaha, wie alle anderen, nach dem baukastenprinzip arbeitet sind teile auch langfristig

kein problem. zumindest nicht die "normalen" teile wie motor, elektrik, schwinge hinten...

problematisch, und das muss man sicher zugeben, sind gts spezifische teile wie vorderradführung etc.

noch gibt es teile und in weiteren 20 jahren ist es ein oldtimer, der nur sporadisch bewegt wird.

die ganze gts allerdings ist auf langlebigkeit gebaut und so sehe ich diesbezüglich kein problem.

der 5 ventil motor macht bei vernünftiger fahrweise locker seine 200000 km.

die schwinge vorn ist so massiv verarbeitet, dass es dort auch keine probleme geben wird.

es ist nicht so, dass ich diese bike über alles hebe. das ist unsinn. andere mütter haben auch schöne

töchter. ich möchte nur nicht, dass man ihr unrecht tut. das hat die gute, alte gts nicht verdient.

micha


09.02.2015 12:57    |    Lewellyn

Was ist denn das für ein Schlauch am Vorderrad?


09.02.2015 15:12    |    Federspanner24910

die originale lösung hat mir nicht gefallen. der kotflügel vorn schon garnicht. ich wollte, dass man soviel wie

möglich von der technik sieht. durch den schlauch gehen die bremsleitung und das kabel für den abs-sensor.


09.02.2015 15:30    |    Lewellyn

Deine wirkt irgendwie deutlich filligraner bzw. "leichter" als "normal". Finde ich gut.


09.02.2015 19:42    |    Federspanner24910

das liegt an der höherlegung. ohne wirkt sie deutlich pummeliger.

der auspuff ist selbst gebaut aus edelstahl und ebenfalls schlanker als das original.

die originalen spiegel wurden durch hondaspiegel ersetzt.

so kommt eins zum anderen...


26.07.2015 15:51    |    Federspanner41567

GTSrider hat Recht.

 

Ich liebe die EFI seit 1993 und fahre sie seit 2010.

113.000 km hat meine gelaufen und das ist noch wenig im Vergleich zu manch anderen EFI-Fahrern.

 

Mit Superbike-Lenkerumbau (RRT mit entweder LSL01 oder LSL02-Lenker) und einer Heckhöherlegung fährt sie sich wie eine kompakte 600er, das trotz ihres Gewichtes. Andere Spiegel habe ich auch drauf( von einer BMW R1100S, Hahaha, passen wunderbar).

 

Meine ist soeben frisch getüvt worden, hat einen kompletten Service erhalten und läuft wie eine Eins.

Übrigens fahre ich neuerdings Pirelli Angel ST Reifen, vorher Brigdestone BT021 Battlax(120/180).

Der Wechsel war nicht nur nötig, sondern absolut richtig. Das Handling ist spitze.

 

Robust, zuverlässig und vor allem besonders ist sie, die GTS 1000. Und ja, welche Maschine von heute hat etwas, was die EFI nicht schon vor 20 Jahren hatte?

Für mich nach wie vor DAS Motorrad.

Ist für jeden einen ganz individuelle Kiste, aber fragt man mich nach meinem Motorrad, schwärme ich von der GTS. Ich bin überaus zufrieden und würde sie jedem empfehlen.


19.05.2020 21:34    |    OpeZafiAst

Ein Hallo in die Runde,

der letzte Beitrag ist schon ein wenig her

aber ich hoffe mir kann jemand helfen....

Ich fahre seit 20 Jahren GTS und habe

seit einiger Zeit Probleme mit der Bremse.

Die Vorderbremse zieht erst richtig beim

zweiten/dritten Mal ziehen. Die Werkstatt

hat angeblich schon entlüftet und will jetzt

irgendeinen Reparatursatz bestellen, die

Reparatur soll inkl. Material um die 500 Euro

kosten?! Ich habe schon viel im Netz gelesen

und beim Entlüften soll der Bremssattel abgebaut

werden, so das die Entlüftung der oberste Punkt

ist. Hat jemand das gleiche Problem? Ich werde

die Tage Mal selbst entlüften, die Hoffnung stirbt

zuletzt. Danke im Voraus für Eure Hilfe.


Bild

01.06.2020 18:33    |    OpeZafiAst

Hallo nochmal,

es hat sich zwar keiner gemeldet, aber falls

es jemanden interessiert, das Problem habe

ich auf die oben beschriebene Weise beseitigt.

Kein Reparaturset, nur richtig entlüften !!


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