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Motorrad-Exoten

Blog über Motorräder, Prototypen, Einzelstücke und Designstudien, die es in Deutschland nicht oder zumindest noch nicht gibt.

07.04.2010 12:13    |    Lewellyn    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: Africatwin, BMW R80G/S, Honda, NXR 750, Reiseenduro, V2, XLV 750

Honda XLV 750 R
Honda XLV 750 R

Analog zu dem Blog über Autos, die keiner wollte, mache ich auch mal ein paar Artikel über Motorräder, die aus verschiedensten Gründen am Markt gefloppt sind.

 

Anfangen tue ich mit einem Motorrad, das daran gescheitert ist, dass es seiner Zeit zu weit voraus war:

 

Die Honda XLV 750 R.

 

Aus heutiger Sicht eigentlich vollkommen unverständlich, warum eine Reiseenduro mit diesen Eckdaten (61 PS, Kardan, gr. Tank, vergleichsweise geringes Gewicht) am Markt scheitern konnte. Aber damals gab es den Begriff "Reiseenduro" noch gar nicht. Einzig die BMW R80G/S war annähernd vergleichbar, wurde aber nicht als "Enduro" betrachtet, sondern eher als BMWs bestes Strassenmopped mit mehr Federweg. Erschwerend kam hinzu, dass BMW mit den Seriensiegen bei der Paris-Dakar ein ungeheuer erfolgreiches Image für die G/S aufgebaut hatte, gegen dass Honda mit den damals aktuellen Einzylindern überhaupt nicht ankam.

 

Die XLV wurde von 1983-1986 gebaut. Aktuell sind nur noch weniger als 200 XLVs in Deutschland zugelassen.

 

Die Fachpresse war bei der Vorstellung der XLV etwas konsterniert und wusste nicht, wie sie dieses Motorrad einordnen sollte. Fürs Gelände zu schwer und für die Strasse zu unsportlich. Daher waren die Tests nicht besonders, was sich neben den Erfolgen von BMW bei der Dakar dramatisch auf den Verkauf auswirkte. Dabei war die XLV im Prinzip ein echtes Leichtgewicht. Fahrfertig 212kg (Leer 194kg) mit Kardan und einem 750er V2 ist aus heutiger Sicht fast Leichtbau. Dass Sie ein wunderbares Tourenmotorrad für enge und schlechte Strassen war, ist damals nicht erkannt, bzw. nicht gewürdigt worden. Die fehlende Momentabstützung des Kardans in Kombination mit dem relativ grossen Federweg führte zu Kardanreaktionen, an die man sich als Fahrer erstmal gewöhnen musste. Dann aber konnte man mit der Honda sehr zügig unterwegs sein.

 

Aus der XLV entwickelte Honda dann die NXR 750 mit der Cyril Neveu 1986 erstmals die bis dahin sieggewohnten BMWs bei der Dakar auf die Plätze verweisen konnte und ab 1986 verbuchte dann Honda die Dakarsiege in Serie.

Das half der XLV zwar nichts mehr, sie wurde im Jahr des ersten Sieges aufgrund der schlechten Verkaufszahlen eingestellt und die Africa-Twin trat mit Hilfe der Seriensiege (86,87,88 und 89) im Rücken ihre erfolgreiche Nachfolge an. Zunächst als 650er, dann aber rasch auf die 750ccm der NXR umgestellt, in dieser Version fast zwei Jahrzehnte lang erfolgreich produziert und bis heute ein gesuchtes Gebrauchtmotorrad.


07.04.2010 15:22    |    Kurvenräuber31605

Also sebst wenn ich heute nichts mehr von japanischen Motorrädern halte so ist doch die Honda XLV 750 R damlas mein Traummotorrad gewesen und bis heute eine optisch sehr schöne Enduro.

07.04.2010 15:32    |    Brus

Jou, sehe ich genauso!!!

 

Allerdings war es als "Grauimport" mein erstes Motorrad und ich war vier Jahre lang furchtbar glücklich damit. Beim damaligen Verkauf habe ich ein plus von 500 DM zum Neupreis gemacht :D

 

Gruß Brus

07.04.2010 17:41    |    Käfer1500

die Begründung für die Unbeliebtheit verstehe ich nicht ganz, denn die sogar ältere Yamaha XT500 war doch als Reiseenduro sehr beliebt!

Ich denke es hängt er daran, daß die 750er gerade mit vollem Tank einfach zu schwer und zu kippelig (hoher Schwerpunkt) war.

07.04.2010 18:46    |    der_Derk

Man hätte ihr vielleicht einfach nur die große Verkleidung der Rallyeversion davor setzen sollen, damit man den Reisedampfer-Anspruch auch erkennt...? Mit dem Rahmen und dem schreiend orange gelackten V2 - bisschen 80er-kitsch zwar, aber ich hätt's mir jetzt als Alternative zur DR schon vorstellen können. Wenn

 

a) ich gewusst hätte, dass es überhaupt eine "Africa Twin" mit Kardan gibt

b) die Teile noch so weit verfügbar wären, dass ich auch eine finden würde ohne 300 km fahren zu müssen, und

c) man wenigstens einen Hauch von Windschutz drangebaut hätte ;)

 

Gruß,

 

Derk

07.04.2010 19:26    |    Lewellyn

Das ist ja das komische an der XLV: Ganz viele (auch ich) fanden sie total toll, nur gekauft hat sie keiner.

07.04.2010 20:03    |    der_Derk

Naja - als Erstkäufer falle ich schonmal 'raus, 1986 hatte ich andere Dinge zu tun... ;)

 

Die meiste Dinge die mir gefallen sind eh nicht in überwältigender Stückzahl unter das Volk gebracht worden insofern... passt die XLV vollkommen in's Bild.

07.04.2010 21:29    |    Rostlöser27419

Gefällt mir sehr gut, große Enduros die auch aussehn wie Enduros gibts ja außer dieser scheinbar nicht.

Ich mag ja meine Schnabelbig, aber das Ding sieht einfach geil aus, irgendwie steh ich auf diesen klassichen hohen Kotflügel und die Lampenmaske. (und was für Missbildungen sich heute guten Gewissens "Enduro" nennen ist ja nochmal was anderes)

Die Rahmenunterzüge sehn zwar fast beängstigend fett aus, aber irgendwie auch cool^^

 

Neben der Optik auch technisch nicht ganz uninteressant, 220kg für so n Schiff find ich sehr akzeptabel (trotz V2 sogar etwas leichter als die Big), Kardanverfechter bin ich nicht, kann aber sicher nett sein, Trockensumpfschmierung macht durchaus was her und vor allem aber automatischer Ventilspielausgleich über Hydrostößel gefällt mir.

Gut, Bremse vorne hätte bisschen größer ausfallen dürfen und wenn man ne Big gewohnt ist ist ein "großer Tank" mit seinen 19l auch relativ.

 

Aber ich glaube mit so nem Bock könnte ich mich auch sehr gut anfreunden und wenns heute noch sowas vergleichbares gäb hätte ich sogar ernsthaftes Kaufinteresse (ging 1986 leider nicht - so viel Geld konnte ich als neugeborener grad nicht auftreiben :D). Aber zum Glück hab ich ja meine Big und irgendwann wenn ich tatsächlich mal Geld haben sollte gibts vielleicht noch ne Tiger 955i (das geringste Übel unter den modernen "Enduros") dazu, wenns mal bisschen flotter gehen soll.

13.04.2010 19:19    |    Reifenfüller36243

Damals, 1986, als 18jähriger war sie für DM 10000 einfach nicht leistbar.

Heute habe ich so ein Teil und gebe es nicht wieder her.

Das Möpp wird in die Erbmasse meines heute 4-jährigen Sohnes übergehen.

 

Entgegen aller Unkenrufe gibt es ausreichend Ersatzteile.

Wer Interesse hat, kauft sich für kleines Geld 2 bis 3 XLV in Frankreich, dort verkauften sie sich ganz gut.

21.04.2010 13:29    |    Faltenbalg8516

Servus,

 

bin ein "Infizierter", habe mir 1983/84 mit damals mit 16 Jahren und zu kleinem Geldbeutel die Nase an der Schaufensterscheibe plattgedrückt, und dieses aus der damaligen Sicht monströse Teil bewundert...

10.038 DM waren ein Wort für einen, der gerade mal eine Honde MT8 fährt ;-)

Blieb nicht mehr übrig, als mir selbst zu schwören, mir irgendwann so ein Teil zuzulegen.

 

Diesen Schwur habe ich mir vor einigen Jahren erfüllt und bereue nicht eine Sekunde ;-)

Inzwischen sind es 2 XLVs und noch eineinhalb zerlegte als Organspender geworden und ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: auch diese beiden werden in die Erbmasse meiner Kiddies übergehen... sowas erhält man einfach, egal was es an Geld, Schweiß, Blut oder Ärger kostet ;-)

 

Klar, Ersatzteile ist nicht ganz einfach, das Fahrwerk ist im Originalzustand eben ein Endurofahrwerk aus den 80ern und dementsprechend zu nehmen, aber damit lebt man. So eine alte Dame prügelt man eh nicht mehr mit Vollgas über die Autobahn...

Das mit den Kardanreaktionen kann ich so absolut nicht unterschreiben, hatte vorher einige andere Enduros (KLR600, DR600), da besteht vom Fahren her in Bezug auf den Kardan im Vergleich zur Kette kaum ein Unterschied. Völlig neutrales Verhalten... auch der Schwerpunkt ist nicht zu hoch, da war die DR600 wesentlich "kippeliger"...

 

Kein Windschutz? Kriegsbemalung? Bremse vorne nur eine Scheibe?

 

Na UND? - Die ist einfach wunderschön, eine treue Seele und ich verliebe mich jeden Tag neu ;-)

Die bollert von unten wie ein 600er Eintopf und legt oben nochmal ne ordentliche Schippe nach, damit man auch ja merkt, daß man zwei Zylinder hat... herrrrlich!!!

 

Wer mit einer XLV liebäugelt, der sollte sich halt im Vorfeld darüber klar sein, daß das keine Maschine ist, die man mal eben so kauft, weil man sie günstig angeboten bekommt, man sollte das wirklich wollen und mit den Konsequenzen leben können.

 

Fazit: der schlechte Ruf war meiner Meinung nach völlig unbegründet künstlich aufgebaut, da hatte auch die Presse einiges an Schuld, aus heutiger Sicht war sie wirklich einfach nur ihrer Zeit voraus.

 

Hierzu interessant:

http://www.motorradonline.de/.../167644

 

Zum Glück gibt es aber noch ein genzes Rudel eingefleischter Liebhaber:

 

www.xlv750.de oder www.xlv.ch

 

Grüsse

 

Volker

24.05.2010 09:12    |    mbmarc

Moin moin zusammen,

 

wir hatten einige Kunden mit der XLV. die auf 50PS gedrosselte Variante bedankte sich bei flotten Aktionen gerne mit einer defekten Zylinderkopfdichtung hinten bzw. einen Kolbenschaden. Die ungedrosselten waren zuverlässiger. Bedenkt bitte, daß dieses Mopped als Reklameträger zur Fahrersuche für die Paris-Dakar auf den Markt kam. Sie hatte zwar nur die Farbe gemeinsam, aber wennn Du die Auswahlkriterien erfülltest (Wissen, wo der Kupplungshebel ist, eine MTX80 auf den Seitenständer abstellen und keinen Diesel einfüllen) und ein paar Mark hattest, konntest Du über HRC ein Wettbewerbsbike mit Servicetruck und allem mieten. HRC bot 20 Moppeds an, wurde in Deutschland jedoch nicht wahrgenommen. Daher auch die Differenz zu französichen, spanischen Zulassungen, zzgl. denen aus Andorra. Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher ob 750.000 oder eine glatte Mio, aber sie gingen weg wie geschnitten Brot. Nur hatte leider kein Privatier das fahrerrische Geschick, HRC stampfte das Projekt ein. Geld haben heißt nicht Mopped fahren können. Es hieß, das 2-3 intakte Moppeds damals nach der Ralley in Transporter nach Österreich verladen wurden (KTM)....

Sorry, zurück zur Straße. Dicker Eisenklotz, zur damaligen Zeit schon verbesserungswürdige Bremsen. Rest schön. Nur ich traute ihr nur Feldwege zu, wenn es wirklich mal Matsch gab hatte ich eine XR500, genauso schlechte Bremsen aber viel weniger Gewicht

 

Wenn ihr noch so´n Viech habt: erhaltet es. Eure Kinder werden so ein Mopped sonst nur noch im Museum sehn.

 

Ciao

marc

10.03.2011 19:14    |    cherryco

Hallo zusammen,

 

kann schroeder750 nur zustimmen. Sogar seine Geschichte ist die gleiche wie meine. Einziger Unterschied: ich habe keine Ersatzteilträger. Sogar die MT8 hatte ich seinerzeit.

 

Und... ich geb sie auch nicht wieder her.

09.04.2012 09:50    |    Trackback

Kommentiert auf: Biker-Treff:

 

Alltagstaugliche Enduro

 

[...] Vorderrad und längere Federwege.

 

Ein Super-Exot der auf die Beschreibung auch passen könnte wäre die Honda XLV 750. Sieht nach Enduro aus, hat den V2 der Africa Twin und Kardanantrieb. Leider wirst Du eher drei KTM [...]

 

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