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30.09.2009 16:58    |    GolVer    |    Kommentare (22)    |   Stichworte: 135i, Audi R8, BMW 135i Coupé, Erfahrungsberichte, MOTOR-TALK, München, News der Woche, Performance

Hallo zusammen,

 

nach längerer Abwesenheit über die Sommermonate, bedingt durch berufliche und auch private Ereignisse, startet GolVer nun ab Oktober wieder voll durch. Natürlich bin ich in der letzten Zeit dennoch nicht untätig gewesen, sondern habe neben weiteren Erfahrungen mit meinem 135i auch erneut die Gelegenheit gehabt, den Audi R8 ausgiebig zu testen - speziell im Vergleich zu meinem BMW 135i Coupé (ein zugegeben gewagter Vergleich).

 

Daher möchte ich zu Beginn direkt mit R8 beginnen und euch neben vielen Bildern einen neuen und ausgiebigen Erlebnisbericht geben. Einen Bericht zur Werksabholung des R8 samt Fotos gibt es ebenfalls hier im Blog. Gemachte Touren mit meinem 135i und so mancher Werkstattaufenthalt werden Thema des in einer Woche folgenden Artikels sein. Und da es etliche "normale" Tests über den R8 im Internet zu finden gibt, konzentriere ich mich speziell auf meine Erlebnisse, die ich als 135i-Fahrer gemacht habe. Fotos dürfen in diesem Artikel natürlich auch nicht fehlen.

 

Aber nun genug mit der Einleitung, Schlüssel raus, Türe auf, rein in den R8 und los gehts:

 

Man nehme eine Tiefgarage mit gut 50 Stellplätzen und statte sie mit nur spärlicher Beleuchtung aus. Ein großer Raum, getragen von nur wenigen Säulen, ideal für kleine Kinder, die hier ihr eigenes Echo hören und erleben wollen. Doch nicht nur für kleine Kinder findet sich hier ein idealer "Spielplatz", auch für so manches große Kind wird dieser Raum zum Paradies. Voraussetzung: Es steht ein R8 in dieser Garage. Daher heißt es jetzt nur noch: Kupplung drücken und den Schlüssel rumdrehen. Au weia!

 

Dieser Lärm, besonders bei kaltem Motor, ist einfach nur noch brutal. Brutal. Einen daneben stehenden und startenden 135i nimmt man gar nicht mehr wahr. Daher lieber schnell die Fensterscheiben hochfahren, damit es nicht ganz so dröhnt und einen der Nachbar in der dunklen Tiefgarage am Steuer nicht sofort erkennt. Aber Moment: Die Fensterscheiben sind bereits oben. Daher gibt es nur noch einen Ausweg und der heißt: Raus aus der Garage - so schnell wie nur möglich.

 

Es gibt Leute, denen kann ein Endschalldämpfer nicht laut genug sein. Mir war dieses Konzert des R8 entschieden zu laut und - ehrlich gesagt - einfach nur peinlich. Wenn man dieses Auto startet, so weiß jeder in einem Umkreis von gut 300m: "Ah der Kollege startet wieder." Auch hier gibt es sicher Menschen, die genau das wollen und sich dafür den R8 kaufen. Ich mag es dagegen lieber etwas dezenter. Daher schnell raus auf die Straße, raus aus dem Ort und rauf auf die Landstraße.

 

Ahhh, angenehm. Genau so habe ich mir das vorgstellt. Hier in der Natur, auf Landstraßen mit langezogenen Kurven und einigen Kuppen, fühlt sich der R8 zu Hause und ich mich wieder sehr wohl am Steuer. Egal ob beim Cruisen in 5. oder 6. Gang, oder beim Spurt mit Hochdrehzahl im zweiten Gang, hier kann ich das Motorgeräusch genießen und freue mich über jeden Meter, den ich mit dem Auto zurücklegen kann. Ich erwische mich dabei, die Kurven zunehmend sportlicher zu fahren. Hier leistet der Allrandantrieb ganze Arbeit. Im 135i wäre ich noch auf der Bremse oder zumindest noch nicht auf dem Gas, da fühlt man sich im R8 bereits im Scheitelpunkt der Kurve sehr wohl, das Gaspedal durchzudrücken.

 

Doch auch nach längeren Fahrten durch das bayerische Hinterland komme ich zu Ergebnis, dass sich der R8 subjektiv nicht stärker als ein 135i anfühlt. Speziell beim entpannten Cruisen hat tut sich der BMW mit seinem Doppelturbo spürbar leichter. Klar, lässt man im R8 jedes Drehzahllimit fallen und kommt dem roten Bereich nahe, dann fühlt man sich derart in den Sitz gepresst, dass man genau weiß, woher die gut 400PS kommen. Aber auch das muss man mögen. Und meiner Meinung nach steht es dem R8 nicht wirklich. Bei 100 km/h im 6. Gang dahinzugleiten, den Motor wie bei einem großen Schiff dumpf brabbeln zu hören und einfach die Straßenlage genießen, ein Traum. Hier offenbaren sich meiner Meinung nach die wahren Qualitäten des Audi. Schnell fahren kann jeder. Zu wissen, dass man kann, wenn man denn wollte... Ein gutes Gefühl. Und so merke ich, wie ich zunehmend entspannter fahre, das Auto nicht mehr hochtourig bewege, sondern gezielt das niedirge bis mittlere Drehzalband suche. Man verliert bald jedes Zeitgefühl und versteht schnell, dass an dem allbekannten Spruch viel Wahres dran ist: Der Weg ist das Ziel.

 

Kommt man mit dem Wagen allerdings zum stehen, so ändert sich das Bild und meine Meinung zu dem Auto sehr schnell. Angekommen an dem Ort, an dem die Foto entstanden sind (siehe Galerie), war es bald vorbei mit der Ruhe. Obwohl ich einen sehr abgelegenen Punkt ausgesucht habe, so war ich bis auf die ersten zwei Minuten nicht alleine. Es wurden Handy-Kameras gezückt, schnell der Freund angerufen, der Minuten später auf einem Roller ankam, um auch einen Blick auf das Auto zu werfen und intuitiv gebremst: Gut jeder zweite Fahrer, der um die Ecke bog und dann den R8 sah, bremste ab oder hielt an, um sich den Wagen genauer anzusehen. Und bei aller Freude, die ich während der Fahrt mit dem Auto hatte, wurde mir schnell klar: Diese Art der Aufmerksamtkeit fühlt sich nicht gut an, ja wurde mir schnell peinlich. Denn nach gut 2000KM mit dem R8 kann ich sagen. Es ist eben auch nur ein Auto. Sicher, er ist schnell, sieht wahnsinnig gut aus und ist auch wahnsinnig teuer. Irgendwann legt sich jedoch die erste Euphorie, die auch ich bei der Abholung des Wagens verspürte. Und so dachte ich mir nach der Aufnahme der Fotos, nachdem ich endlich Bilder OHNE Zuschauer geschossen hatte: weg hier, aber schnell.

 

Und so kam es, dass ich den R8 wieder in meiner Garage unterbrachte und den Wagen inzwischen wieder abgegeben habe. Bisher fehlt er mir nicht. Das Auto macht wahnsinnig viel Freude (so lange man unterwegs ist) und lässt einen die Zeit im Auto vergessen. Aber es kann meiner Meinung nach auch aufdringlich, ja für meine Verhältnisse zu aufdringlich sein. Zudem gibt es einen Punkt, der mich speziell im Stadtverkehr massiv stört. Man wird als R8-Fahrer genau gemustert: Man merkt, dass viele Verkehrsteilnahmer unbedingt sehen wollen, wer denn da am Steuer des R8 sitzt. An roten Ampeln wird extra auf die Abbiegerspur gefahren, um neben dem R8 stehen und den Fahrer mustern zu können. Sicherlich gibt es Menschen, die genau das suchen und diese Art der Aufmerksamkeit lieben. Ich genieße den R8 lieber für mich, alleine, ohne viel Trubel und ohne einen Sprint an der Ampel. Tortz allem: Ich werde mir den R8 sicherlich nochmal ausliehen, keine Frage. Und ich werde sicher wieder viel Spaß damit haben. Aber:

 

Der R8 ist ein Fahrzeug, das polarisiert und förmlich nach Aufmerksamkeit schreit. Und ich merkte schnell, dass ich es vielmehr genieße, ein Auto zu fahren, dem nicht jeder sofort die Leistung ansieht. Nur der Autointeressierte erkennt den 135i sofort, viele sehen "einfach nur einen 1er". Und das ist auch gut so.

 

So fahre ich nun wieder ausgiebig den 135i. Und genieße die Vorzüge des Wagens ganz für mich allein - mit gutem Gefühl und ohne viel Aufsehen.

 

Dazu mehr in einer Woche.

 

Liebe Grüße

 

GolVer