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17.05.2024 12:01    |    Dynamix    |    Kommentare (10)    |   Stichworte: Motorrad

Ich konnte einfach nicht widerstehen, die Auswahl vor Ort war so reichhaltig das ich noch eine andere Maschine testen musste. Da ich unbedingt mal was Klassisches von Harley fahren wollte und mir die Softail Heritage Modelle, neben der Road King Classic, schon immer ganz gut gefallen haben musste es die Heritage Classic 114 sein.

 

Heritage Classic 114Heritage Classic 114

Im Grunde das Gegenteil der relativ modernen Nightster. Man merkt schon alleine an der Optik das man sich hier an die typische Harley Klientel richtet. Die mögen Ihre Bikes groß, schwer, möglichst ohne Schnick-Schnack und am besten mit satt eingeschenktem Hubraum. Optisch wartet die Heritage mit vielen netten Details auf. Zweifarbenlack, Speichenräder und viele Details welche an die Straßenkreuzerära erinnern machen aus der Heritage ein richtig schönes Motorrad. Bei anderen Herstellern würde sowas in die Retroecke fallen, da Harley aber nie aufgehört hat Motorräder nach diesem Muster zu bauen wäre Retro irgendwie der falsche Begriff. Wertkonservativ wäre hier wohl eher das Wort der Wahl :D

 

 

 

Technische Daten:

 

Marke: Harley Davidson

Modell: Heritage Classic 114

Modelljahr: 2024

Motor: V2

Hubraum: 1.868 cm³

Leistung: 95 PS @ 5.020 u/min

Drehmoment: 155 NM @ 3.250 u/min

Gewicht: 316 kg (fahrfertig)

Farbe: Red Rock/Vivid Black

 

Motor & Antrieb

 

Milwaukee EightMilwaukee Eight

Wie es sich für eine Softtail gehört, arbeitet hier noch ein Aggregat wie man es sich bei einer Harley vorstellt. V2, satt eingeschenkter Hubraum, Stößelstangen und ein Antrieb der einfach wirkt wie aus dem vollen gehauen. Hier wirkt nichts, aber auch gar nichts filigran! In der Heritage Classic kommt die aktuelle Ausbaustufe des Milwaukee Eight zum Einsatz. So archaisch der Motor auch wirkt, so hat Harley schon versucht den Motor mit ein paar modernen Annehmlichkeiten aufzuhübschen. Eine Einspritzung versteht sich hier von selbst! Ansonsten kommen hier 4-Ventilköpfe (daher auch der Name Milwaukee Eight, wegen der 8-Ventile) zum Einsatz. Interessant ist der Rückschritt zu einer zentralen Nockenwelle, der Vorgänger kam noch mit zwei Nockenwellen (daher auch der Name Twin-Cam).

 

Da sich viele Harley Eigner einen thermisch stabileren Motor gewünscht haben, werden die Köpfe je nach Ausführung per Wasser- oder Öl gekühlt. Ebenso hat man es geschafft durch ein anderes Abgasmanagement die Abgastemperaturen um gut 50°C zu verringern was auch wieder in weniger Abwärme resultiert welche der Fahrer ungefiltert abbekommt. Dazu hat man dem Motor eine Ausgleichswelle spendiert, wobei ich mich frage wofür. Dazu aber gleich mehr ;) Den bösen Kühler hat man übrigens geschickt zwischen den Rahmenrohren versteckt so das dieser auch gar nicht groß auffällt ;) Soviel zur grauen Theorie.

 

Was beim ersten Anwerfen auffällt: Der Motor vibriert, im Gegensatz zum Rev Max-Motor, mehr als ordentlich. Wenn Harley sich bei dem Motor schon rühmt die Vibrationen stark reduziert zu haben, will ich gar nicht wissen wie heftig sich die Vorgänger geschüttelt haben :D Da stellt sich auch die legitime Frage wofür man eigentlich die Ausgleichswelle eingebaut hat. Die "Good Vibrations", welche der typische Harley-Kunde so liebt, sind meiner Meinung nach mehr als genug vorhanden. Das Ganze schüttelt sich im Leerlauf wie man sich das im Grunde bei einer Harley so vorstellt.

 

Der Motor geht auch gleich ganz anders zu Werke als das relativ moderne Triebwerk der Nightster. Hier braucht es keine große Drehzahl um vorwärts zu kommen. Der Motor schiebt die Fuhre schon aus dem Drehzahlkeller unaufgeregt vorwärts, immer begleitet von spürbaren Vibrationen und dem typischen Harley Klang! Der Motor ist wahrlich kein Drehzahlwunder, passt mit seiner niedertourigen Charakteristik aber super zu so einem schweren Cruiser. Hier legt man entspannt den 6. Gang ein, rollt völlig entspannt mit 1.500 u/min bei 70 über die Landstraße und lässt den lieben Gott einen netten Menschen sein. Entsprechend reichen die 95 PS auch zum lockeren dahincruisen oder einen kurzen Zwischensprint zum überholen locker aus. Das Getriebe ist auch eher von der groben Sorte und eher lang übersetzt, wobei das wieder gut zum etwas archaischen Charakter der Maschine passt. Für den Entertainmentfaktor wird jeder Gangwechsel mit einem satten "Klonk" quittiert.

 

Ergonomie

 

FenderFender

Beim ersten aufsitzen fällt einem die sehr lümmelige Sitzhaltung auf. Man fällt quasi in den Sitz und hat auch immer so eine Fatboy Sitzhaltung. Ihr wisst schon, diese lustigen Sitzsäcke! Der Lenker ist stark gekröpft, wodurch man aber in der Sitzhaltung auch gut an den Lenker kommt. Dazu parken die Füße auf riesigen Trittbrettern. Dynamisch ist anders, dafür sitzt man da ziemlich lümmelig drauf. Fühlt sich auf den ersten Metern schon ganz lustig und auch etwas ungewohnt an.

 

Das ist wohl genau die Sitzhaltung welche man von einer Harley erwartet. Tief, lümmelig, bequem, alles andere als sportlich. In der Position sollten sich dafür sehr viele Autobahnkilometer schrubben lassen ohne das einem danach irgendwas großartig wehtut. Insbesondere in Kombination mit dem Windschild welches bei der Heritage schon ab Werk dabei ist und natürlich einstellbar ist! Entsprechend wenig Windgeräusche bekommt man mit. Ja, die Heritage ist für die lange Reise mit Stil gebaut :cool:

 

Pack da noch eine Sissy-Bar drauf und ich wette ich würde sogar meine bessere Hälfte auf den Bock bekommen! Wie gut das Harley das passende Zubehör bereits ab Werk anbietet ;)

 

In Sachen Bedienung gibt es ein paar Knöpfe mit denen man spielen kann, allerdings nur für Basic Funktionen. Interessant fand ich das jeder Blinker tatsächlich einen eigenen Schalter hat, für gewöhnlich setzen die Hersteller da immer auf einen Kombischalter. Die Nightster hat den ja schließlich auch.

 

Handling

 

HeckHeck

Die Heritage bringt fahrfertig knapp 320 kg auf die Waage, dies ist nicht wenig. Entsprechend mächtig fühlt sich der Bock beim sitzen auch an. Davon bleibt allerdings nicht mehr viel übrig wenn man einmal in Bewegung ist. Die Heritage kippt erstaunlich willig in Schräglage. Entsprechend entspannt lässt Sie sich über die Landstraße dirigieren. Sie muss nur einmal rollen ;) Natürlich darf man beim Handling jetzt keine Handlichkeitswunder erwarten oder große Schräglagen. Das Gewicht lässt sich nicht wegdiskutieren und die großen Trittbretter sowie die tief angebrachten Auspuffrohre dürften große Schräglagen wirkungsvoll verhindern. Braucht es bei dem angedachten Tempo auch gar nicht!

 

Ein bisschen enttäuscht war ich von der Bremse. Das Bremsgefühl ist ein wenig teigiger als bei der Nightster und dank der Einzelscheibe an der Front fehlt es an dieser Stelle auch an Biss. Gerade bei dem Gewicht hätte ich mir da ein bisschen mehr gewünscht. Ist ja auch irgendwo ein Sicherheitsfeature! Hier musste die Technik hinter der Optik zurückstehen.

 

Das Fahrwerk selbst ist wie der ganze Rest der Heritage auf der komfortablen Seite. Ist halt ein Cruiser!

 

Ausstattung

 

TachoTacho

Die Heritage hat alles drin was man von einem klassischen Motorrad moderner Prägung erwartet. ABS gibt es serienmäßig. Die Beleuchtung ist ab Werk schon mit moderner LED-Technik rundherum versehen. Beim Tacho geht es dafür eher konservativ zu. Auf dem Tank trohnt der große Tacho, sowie die Leuchten für die Blinke sowie den Neutralgang. Der Rest der Tachofunktionen versteckt sich in dem kleinen LCD Display im Tacho. Hier kann man durch diverse Funktionen durchschalten. Neben den Gesamtkilometerstand, zwei Tageskilometerzählern und einer Uhr kann man sich hier auch die Drehzahl digital anzeigen lassen. Sprit- und Ganganzeige werden permanent im Display dargestellt. Damit wären die Basics auch abgehakt.

 

Was gerade die ältere Fraktion freuen wird: Die Heritage hat eine automatische Blinkerrückstellung. Keine Ahnung warum dieses Feature immer als obligatorisch abgefeiert wird, ich persönlich brauche es nicht. Aber es scheint gerade bei älteren Bikern ein sehr wichtiges Zubehör zu sein. Dazu gibt es, ganz im Sinne eines Tourers, einen Satz Satteltaschen sowie ein Windschild obendrauf. Dazu einen Tempomaten. Auf modernes Gedöns verzichtet die Heritage ansonsten. Keine 15 Fahrmodi oder Menüs durch die man sich durchklickern kann. Eben ganz klassisch! ;)

 

Fazit

 

Der Name ist hier Programm! Die Heritage sieht aus wie eine klassische Harley und fährt sich auch so wie man sich das vorstellt. Groß, schwer, urgemütlich mit einem Triebwerk das noch genug der alten Harley Tugenden bietet: Kraft von unten, Vibrationen sowie den klassischen Harley-Sound. So wünscht sich der typische Harley-Kunde sein Motorrad! Definitiv was fürs gemütliche Kilometerfressen. Sowas gehört gefahren und zwar über lange Strecken! Keine Ahnung wieso man das arme Bike da noch per Trailer zum jährlichen Harley-Treffen karren muss.

 

Jetzt bitte noch mit mehr Auswahl bei den Farben, einen weniger kitischigen Sattel und man hat ein richtig schickes Motorrad.


17.05.2024 12:52    |    Clio.0815

1 Harley mag vom Klang her noch gehen :)

2 oder mehr von diesen Dinos = Lärmbelästigung wo verboten gehört :(.

(Mit Lärmbelästigung meine ich als Bsp.:

30er Zone, niedriger Gang, kurzzeitig Vollgas, immer wieder ..... das nervt ohne Ende)

17.05.2024 13:39    |    Dynamix

Glaube das Problem liegt eher darin das kein Harley Kunde die Auspuffanlage serienmäßig lässt. Als laut hab ich die Heritage jetzt nicht empfunden. Wenn die erste Amtshandlung natürlich ist irgendeine Screamin Eagle Anlage ohne Zulassung ans Mopped zu klatschen, wird der Motor eben so laut.

 

Mir tut dabei immer nur die arme Sau leid welche die Dinger im Werk montieren muss. Im Grunde kann Harley die Maschinen auch gleich ohne Auspuff ausliefern. Die Kundschaft baut sich am Ende eh was eigenes drauf.

17.05.2024 14:25    |    Jungbiker

Der Ami denkt praktisch und nimmt dann einfach mal einen Kabelbinder, damit die Bremsleitung nicht rumbaumelt. Sieht echt räudig aus. Ansonsten gefällt mir die Maschine gut.

17.05.2024 14:34    |    Dynamix

Zitat:

@Jungbiker schrieb am 17. Mai 2024 um 14:25:41 Uhr:

Der Ami denkt praktisch und nimmt dann einfach mal einen Kabelbinder, damit die Bremsleitung nicht rumbaumelt. Sieht echt räudig aus. Ansonsten gefällt mir die Maschine gut.

Es gibt Momente da bewundere ich diesen Pragmatismus irgendwie. Die sagen sich einfach "Pfeif drauf, solange es zum gewünschten Ergebnis führt ist alles tutti". Anstatt sich dann an, eigentlich unwichtigen, Details aufzuhängen und unglücklich zu machen sind die einfach zufrieden wenn's funktioniert.

17.05.2024 18:11    |    LT 4x4

Zitat:

@Clio.0815 schrieb am 17. Mai 2024 um 12:52:54 Uhr:

30er Zone, niedriger Gang, kurzzeitig Vollgas, immer wieder ..... das nervt ohne Ende)

ja, stimmt, 30er Zone nervt ohne Ende.

Vor allem in Durchgangsstrassen.

22.05.2024 09:38    |    HorstGr

Zitat:

@Clio.0815 schrieb am 17. Mai 2024 um 12:52:54 Uhr:

1 Harley mag vom Klang her noch gehen :)

2 oder mehr von diesen Dinos = Lärmbelästigung wo verboten gehört :(.

(Mit Lärmbelästigung meine ich als Bsp.:

30er Zone, niedriger Gang, kurzzeitig Vollgas, immer wieder ..... das nervt ohne Ende)

Das macht der typische Harleyfahrer aber nicht, der läßt im hohem Gang bei wenig Gas blubbern.

22.05.2024 10:55    |    Dynamix

Wobei es die Klientel, zumindest in der Stadt, bei uns auch gibt. Die haben dann die illegale Auspuffanlage drauf UND lassen gerne mal im niedrigen Gang das Gas stehen damits auch richtig schön knallt. Aber die Knalltüten hast du überall, auch auf 4 Rädern. Ist auch kein reinrassiges Harley-Phänomen.

22.05.2024 11:45    |    LT 4x4

Ich habe in der Nachtbarschaft auch einen Harley Freak. Der hat natürlich gleich zwei von den Dingern, da die Frau auch fährt. Auspuffanlage ist Modell "Rohrfrei". Der gute wohnt so ziemlich genau 333 m Luftlinie von mir weg.

Und auch ein paar Häuser dazwischen. Also nix Sichtverbindung. Wenn nun das Indy 500 Kommando ertönt, bin ich immer sofort informiert... Strassenbedingt poltert es dann zuerst auf der Südseite am Haus vorbei, dann Rumpel-Schepper, 160° Kurve, geht es auf der Nord-West Gegengeraden zur Hauptstrasse. An schönen Tagen, hat man das bestimt 5-6 mal hin und her. Ja, auch die Brötchen und die vergessene Milch werden Artgerecht geholt.

Das ganze natürlich 30er Zone seit 20 Jahren. Wird natürlich strikt eingehalten :rolleyes:. Der Rekordhalter liegt bei ~120 Km/h, bei mir an der Einfahrt. (Hatte mal ne V-Messanlage aufgebaut). Aber dass ist ja hier nicht das Thema.

 

Die Frage ist: muß man nun wegen dem Harley-Freak ein Faß aufmachen ?

Ich sage nein.

Ich finde es nicht so Toll, aber wenn es seine Welt ist, so soll er sie haben.

22.05.2024 12:40    |    Dynamix

Ach joa, leben und leben lassen.

 

Witzig ist der Vater unserer ehemaligen Nachbarn. Der hat auch so ein Teil. Natürlich mit offenem Filter und entsprechender Auspuffanlage. Gibt beim starten dann auch schon mal dezent backfire aus dem Luftfilter. Wenn du mal daneben stehst wenn's knallt wirste taub. Er darf den Spaß auch für jede HU wieder umbauen. Wäre mir persönlich zu aufwändig aber jeder wie er meint.

22.05.2024 19:39    |    Badland

Ich muss 2 von 3 Fahrzeugen auch jedes Mal für den TÜV rückrüsten. Die Einbauten sind zwar legal, aber ich will es halt nicht eintragen lassen, weils teuer und aufwendig ist. Bei einer Polizeikontrolle wird halt nur geguckt ob es seine Richtigkeit hat. :rolleyes:

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Als Autonarr geboren und bei US-Cars hängengeblieben, so könnte man meinen automobilen Werdegang wohl am besten beschreiben ;) Meine Leidenschaft gehört allen US-Cars, aber meine Technikliebe erstreckt sich eigentlich auf alles was Räder hat, also auch Zweiräder, egal ob mit oder ohne Motor :D

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Zum Diner gehts übrigens hier entlang! ;)

 

Von Zeit zu Zeit gibts aber auch Artikel die ein wenig aus der Reihe fallen. Dies können aktuelle Themen sein, Spezialthemen die nicht in die etablierten Blogreihen passen, eigene Gedanken oder einfach nur anderes Zeug an dem ich irgendwie geschraubt habe :D

 

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