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05.04.2013 06:36    |    Dortmunder 65    |    Kommentare (8)

Mercedes Benz W113 230SL, 250SL, 280SL

Bauzeiten 1963 - 1967, 1966 - 1968, 1967 -1971

 

Dieser Artikel ist aus Freude über die Blogempfehlung und der Fülle an Infos etwas länger geworden. Danke für die Anerkennung und an meine treuen Leser, ich hatte noch nicht damit gerechnet.

 

Diese Baureihe sollte etwas schaffen was nicht möglich war und wurde trotzdem selbst ein Star der automobilen Welt. Mercedes wollte mit dem neuen Wagen den 190 SL und 300 SL ersetzen, ein Aufgabe die man eigentlich nicht lösen konnte. Die Entwickler bekamen unter anderem auch die Aufgabe, den bis dahin sichersten Wagen zu bauen, der aus dem Hause kommt. Sogleich mussten aus Kostengründen auf Komponenten anderer Modelle zurückgegriffen werden. So kann man verstehen, das der W 113 weder ein kompromissloser Roadster noch ein Sportwagen aller erster Sahne ist, dennoch oder deswegen auch heute noch sehr belieb. Der Designer Friedrich Geiger löste mit seinem Team die Aufgabe, einen modernen Wagen auf die Beine zu stellen und das mit dem Hintergrund einer Sicherheitskarosserie. Die Erkenntnisse und das Ansinnen des Ingenieurs Bèla Barènyi zur passiven Sicherheit wurden umgesetzt. Der W 113/ 230 SL bekam eine steife Fahrgastzelle und Front sowie Heck dienten als Knautschzone. Selbst die aktive Sicherheit der geknickten Lenksäule, Sollbiegestellen und Prallkopf war vorbildlich. . Sicherheitsgurte und Kopfstützen konnten zusätzlich geordert werden, ein recht gutes Paket. Der Mercedes Benz 220 SE (W 111, erste Limousine mit Sicherheitskarosserie weltweit) diente als Techniklieferant, der 230 SL erhielt von diesem eine verkürzte und verstärkte Rahmenbodenanlage mit der Vorder- und Hinterradaufhängung. Der Motor war eine Weiterentwicklung des aus dem SE bekannten und wurde dann auch im SL erstmals mit einer Viergang – Automatik angeboten. Hauptänderung am Motor war die Einspritzpumpe von Zweistempel auf Sechstempel Pumpe, dies bracht einige Verbesserungen beim Einspritzen des Kraftstoffs. Im März 1963 in Genf gezeigt und im Sommer desselben Jahres lieferbar, waren eingefleischte Fans zunächst enttäuscht. Es gab drei Varianten, einen Roadster mit Faltverdeck, einen mit Hardtop und Verdeck und ein Hardtop Coupe ohne Verdeck und Verdeckkasten, letzteres hatte einen größeren Kofferraum. Alle Versionen lassen sich offen fahren und man konnte auch hier genau wie im 190er einen quer eingebauten Sitz für den Fond haben. Was war nun anders? Ich würde sagen, der W 113 ist gradliniger, hat nicht mehr diese auffälligen Rundungen und Verspieltheit der Formen wie Lanzetten. Aber das markante Dach (Designer Paul Bracq) mit seinem nach innen gerichteten Schwung und den schmalen Säulen auf das es steht, gab ihm seinen Spitznamen. Unter Pagode soll er nun in die Geschichte eingehen, es wirkt eher schwächlich/elegant und nicht eines Sportwagens würdig. Irgendwo hatte ich gelesen, dass der Name erstmals in Italien benutzt wurde und sich schnell verbreitete. Einzig das SL Gesicht mit dem typischen Grill und Mercedesstern blieb erhalten. Neben dem oben angesprochenen Automaten gab es einen Viergangschalter und ab Mai 1966 von ZF ein Fünfganggetriebe. Auch das Fahrwerk mit seinem Zweikreis - Bremssystem und Scheibenbremsen vorn, war sportlich und hoch komfortabel ausgelegt. Gasdruckstoßdämpfer machen ihre Arbeit sehr gut und harmonierten mit von Mercedes erstmals an PKW eingesetzten Gürtelreifen erstklassig. Egal für welchen der drei Varianten man sich entschied, man erreichte etwa eine Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h, nur mit dem Automaten soll man etwas langsamer (195)sein. Selbst die Motorerweiterung und PS Steigerungen der Nachfolger 250 SL und 280 SL brachte dort keine Erhöhung. Damit sind wir beim 250 SL, dieser kam 1967 mit einigen Verbesserungen und sollte nur ein Jahr bestand haben. Die Hubraumerweiterung bracht lediglich ein besseres Drehmoment. Hinten kamen Bremsscheiben dazu und vorn wurden sie größer, alles gepaart mit einem Bremskraftregler.

Der Tankinhalt wurde von 65 auf 82 Liter erhöht und man bekam auf Wunsch im Fond eine Rückbank (1967), die so genannte California Ausführung. Wer sich für dieses Modell entschied musste allerdings auf das Stoffverdeck und Verdeckkasten verzichten, eine spätere Nachrüstung war nicht vorgesehen. Oft wird behauptet, dass die Nachrüstung nicht möglich ist, nur das ist nicht ganz richtig. Aufnahmebohrungen fürs Verdeckgestell sind vorhanden, eine Aussparung im Bereich der B Säule muss allerdings nachgearbeitet werden. Das Modell California ist oft günstiger zu bekommen und hat meist auch geringere Kilometerleistungen. Wer nun meint hier ein Schnäpchen machen zu können und das Verdeck nachrüsten will, sollte sich auf ein etwa 2 Tage dauernden Umbau gefasst machen. Die Neumaterialkosten Verdeck und Kleinteile belaufen sich in etwa auf 12500 €. 

Wurden vom 230 SL in vier Jahren 19831 Stück gebaut, schaffte der 250 SL es in einem Jahr auf 5196 Stück und wurde durch den 280 SL ersetzt.

Da wegen der neuen Baureihen 114/115 die Oberklassen einen 2,8 Litermotor bekam wurde dieser auch in den 280 SL eingebaut. Allerdings brachte er wegen einer anderen Nockenwelle mit anderen Steuerzeiten 10 PS (180) mehr als im 280 SE. Zu seinen Vorgängern kann man ihn nur an Hand der geänderten Radzierblenden erkennen. Der 280 SL wurde 23885 mal verkauft und somit kommt die Pagode auf insgesamt 48912 Exemplare. Der W 113 ist bei den Fans sehr gefragt, so dass selbst die übelsten Funde wieder hergerichtet werden und da liegt das Problem für Interessenten. Selbst bei den übertrieben gut vermarkteten Reimporten aus US sollte man Vorsicht walten lassen, bzw. einen selbst nur an Hand von Bildern zurück zu holen, kann eine böse Überraschung bringen. Oft sind solche Fahrzeuge oberflächlich hergerichtet und man muss dennoch eine anständige Menge Geld in die Hand nehmen. Ersatzteile sollen dank spezialisierter Firmen kein Problem darstellen, nur lassen die sich ihren Sachverstand auch gut bezahlen. Leider tummeln sich auch hier einige obskure Unternehmen und daher ist auch hier bei Schnäppchen Vorsicht geboten. Die US Modelle haben oftmals andere Ausstattungspunkte, andere Scheinwerfer (Sealed Beam Ausführung), Hörner an den Stoßstangen und seitliche Blinker, sowie Rückstrahler. Außerdem Türinnentaschen, Mittelinstrument mit US Maßeinheiten und Meilentacho. Alles läst sich nicht so einfach zurückrüsten und eine Abgasreinigungsanlage der damaligen Zeit wirkte leistungsmindernd.

Oft haben US Pagoden auch eine andere Hinterachsübersetzung und enttäuschen auf deutschen Autobahnen mit ihrer Fahrdynamik, denn man vermisst bei hohem Tempo einen weiteren Gang.

 

Nun noch ein paar Zahlen

 

Zugelassen Fahrzeuge laut KBA

 

230 SL - 1986 2466Stk, 1992 2079Stk, 1998 1804Stk, 2004 1909Stk, 2007 1944Stk,

2009 1628Stk, 2010 1673, 2011 1707Stk

250 SL - 1986 497Stk, 1992 408Stk, 1998 370Stk, 2004 382Stk, 2007 388Stk, 2009 320Stk

2010 329Stk, 2011 340Stk

280 SL - 1986 2920Stk, 1992 2457Stk, 1998 2175Stk, 2004 2331 Stk, 2007 2404Stk

2009 2098Stk, 2010 2157Stk, 2011 2200Stk

Also kann man von einem Bestand konstant von über 4000Stk annehmen.

 

Hier ein  paar Daten zu den Fahrzeugen in Folge 230-250-280

 

Motorcode----M 127981-M129982-M130983

Hubraum ccm----2306-2407-2780

PS----150-150-180

Sitzhöhe in mm----915-895-930

Leergewicht in kg----1295-1360-1360

zul Gesamtgewicht in kg----1650-1717-1715

Mehrgewichte----Hardtop 49kg, Servolenkung 28kg, Automatik 29kg

Die Felgengröße bei den ersten Modellen der 230er war 5,5J x14H, danach hatten alle 6J x 14H.

Verbrauch DIN 70030----10,2 - 11,2 - 11,4 Liter auf 100km

Über 70% der SL sollen mit Automatikgetriebe verkauft worden sein.

 

Einige Sonderausstattungen mit damaligen DM Preisen inkl. MWSt. stand 1971

 

AHK 344,10 // Antenne mech./elek.  55,50/305,25 // Außenspiegel re 19,98 // Autotelefon 9934,50 // Box für Dach 283,05 // Californiaausführung 632,70 in Lederausstattung 804,75 //

Hardtop 1459,65 // Radioentstörung 72,15 // Automatikgetriebe 1443,00 // ZF Getriebe 1459.65

Lederausstattung 1048,95 // Servolenkung 599,40 // Reifenhalter 172,05 // Kokosmatten 55,50

usw........

 

Von den 48912 gingen etwa 34200 Einheiten in den Export, davon wiederum etwa 19450 in die USA.

Für die drei Modelltypen gab es insgesammt 30 Uni- und 14 Metalliclacke.

Die Wasserpumpe im 250er war nicht wartungsfrei.

Neben den verschiedenen Schnitten (Ausstattung und Getriebewahl) der Teppiche kamen bei den ersten Beiden 13 Farben zur Auswahl und beim 280er immerhin noch 9. 

Es gab wohl zwei Versuchsfahrzeuge, einem mit einem V8 und 250 PS, sowie einem mit Wankelmotor. Beide Wagen wurden leider verschrottet,  der Wankel war erst bei Geschwindigkeiten über 170 km/h günstiger im Verbrauch.

 

So, ich glaube das waren viele Bilder und eine Menge Infos zur Pagode, trotzdem hätte ich Seiten füllen können. Ich freu mich über Kommentare und selbstgemachte Bilder

 

Euer Dorti

 

Bildnr., Kamera, Blendenzahl, Belichtungszeit, ISO, Brennweite

 

230 SL 1967

01 Panasonic F/3,4 1/25s 800 05mm

02 Panasonic F/3,4 1/30s 400 05mm

03 Minolta F/4,0 1/40s 250 22mm

04 Minolta F/3,5 1/40s 250 18mm

05 Minolta F/3,5 1/40s 500 20mm

06 Minolta F/3,5 1/30s 250 18mm

07 Minolta F/3,5 1/30s 500 18mm

08 Panasonic F/3,3 1/30s 320 04mm

09 Panasonic F/3,4 1/30s 400 05mm

10 Panasonic F/3,4 1/30s 400 05mm

11 Minolta F/3,5 1/30s 250 18mm

12 Minolta F/3,5 1/30s 400 18mm

13 Minolta F/4,5 1/60s 250 28mm

14 Panasonic F/3,3 1/20s 400 04mm

15 Minolta F/3,5 1/10s 800 18mm

16 Panasonic F/3,4 1/30s 400 05mm

17 Minolta F/4,0 1/40s 500 22mm

18 Minolta F/4,0 1/40s 800 26mm

19 Minolta F/4,0 1/40s 800 28mm

20 Minolta F/3,5 1/30s 640 18mm

 

280 SL 1971

01b Panasonic F/3,3 1/30s 800 04mm

02b Panasonic F/3,3 1/13s 400 04mm

03b Panasonic F/3,4 1/13s 400 05mm

04b Panasonic F/3,3 1/13s 400 04mm

05b Minolta F/3,5 1/30s 500 18mm

06b Panasonic F/3,3 1/30s 800 04mm

07b Minolta F/4,0 1/30s 800 24mm

08b Panasonic F/3,3 1/15s 400 04mm

09b Panasonic F/3,4 1/15s 400 05mm

10b Panasonic F/3,4 1/20s 400 05mm

 

280 SL 03.1968

01c Minolta F/3,5 1/25s 800 18mm

02c Minolta F/3,5 1/20s 800 18mm

03c Minolta F/4,0 1/20s 800 22mm

04c Panasonic F/3,3 1/60s 500 04mm

05c Panasonic F/3,3 1/13s 800 04mm

06c Minolta F/4,0 1/15s 800 22mm

07c Minolta F/4,5 1/15s 800 35mm

08c Minolta F/3,5 1/30s 800 20mm

09c Panasonic F/3,6 1/20s 800 06mm

10c Panasonic F/3,3 1/15s 1600 04mm

11c Panasonic F/3,5 1/2s 800 18mm


05.04.2013 11:31    |    driver191

Auch mit Hardtop sitzt man wunderbar hell mit tollem Rundumblick, keine Vergleich zu den dunklen Höhlen heute, ein Oldtimer der sich auch heute noch gut fahren läßt, mein Lieblingsbenz .


05.04.2013 11:43    |    Diesel73

Sehr schöner und informativer Artikel Dorti! :)

Die Fotos sind herrlich!


05.04.2013 11:46    |    el lucero orgulloso

Der femininem Form des 190SL folgte also die maskuline Pagode... :)

 

Sehr schöner Artikel, den ich gerne gelesen habe!


05.04.2013 21:59    |    Andi2011

Moin,

 

sehr schöner Wagen und ich häng hier gern ein paar Bilder aus dem "Familienfundus" an:D

Beid ebin ich schon mehrmals gefahren, ein TRAUM! Vor allem im Sommer!

 

Zur Blogempfehlung noch mal Glückwunsch und wenn ich darf ein Wunsch:

Mach in deinen Texten ab und an mal einen absatz, dass erleichert so ollen Typen über 40 wie mir das lesen ungemein;)

 

Ansonsten weiter so Dorti!Lese hier sehr gern!

 

Grüße

Andi


Bilder

06.04.2013 23:47    |    mr. mountain

Dorti, ein toller Bericht zu einem Wagen, der in den 70ern und 80ern zum Straßenbild gehörte.

Die alten SL verströmen eine größere Exclusivität als die aktuellen Modelle.

Pagode und auch der R107 sind meine liebsten Mercedes-Modelle. :)


07.04.2013 08:38    |    driver191

Nach dem 107er kam ja leider auch nur glattgelutschtes Plastik, es geht nix über Chrom .:)


29.05.2013 15:04    |    gspannfahrer

Pagode und Barockengel sind meine Lieblingsoldies. Für keinen der Beiden wird mein Kontostand je reichen.

Gestern, an dem einzigen schönen Tag seit langem, sah ich eine Pagode bei der artgerechten Haltung. Es war ein heller 230 SL Automatik.


Deine Antwort auf "Mercedes Benz Pagode - Die Ersten werden 50"

DANKE

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