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Dorti's Bilderecke

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19.02.2014 14:52    |    Dortmunder 65    |    Kommentare (14)

Lancia 2000 gebaut von 1970 bis 1974 und von vielen als Lancia 2000 Flavia bezeichnet. Ich konnte leider nicht in Erfahrung bringen ob er in Italien oder sonst wo noch die Bezeichnung Flavia als Zusatz offiziell trug. Ein absoluter Fehler ist es ja auch nicht, denn technisch gesehen und von den Maßen her ist es bei der Berlina ein sehr großes Facelift, beim Coupe (von Pininfarina) fällt es wesentlich geringer aus.

Fiat hatte den angeschlagenen Autobauer 1969 übernommen zu dem Spotpreis von einer Lira pro Aktie. Bis zu diesem Zeitpunkt gehörte es einem Zementhersteller (Pesenti - Italcementi) und dem Heiligen Stuhl (35%). Eine konfuse Modellpolitik und Stillstand in der Entwicklung brachten fast das Aus bei 600 Millionen Schulden. Im Vorfeld hatte BMW sein Interesse an Lancia bekundet, aber das Angebot, von Vertriebsvorstand Paul G. Hahnemann unterbreitet, fand kein Anklang. BMW war sehr an dem Image und der Reputation von Lancia interessiert und auch der starke Konkurrent der Bayern Mercedes signalisierte Interesse. Selbst Ford konnte sich damals eine Übernahme vorstellen.

 

Mal sehen ich werde vielleicht nochmal auf die Abläufe später noch mal eingehen, doch Fiat wollte Lancia wieder auf die Spur zurück bringen. Viele Modelle wurden gestrichen und/oder stark im Preis reduziert angeboten. Der Flavia sollte ein der Zeit entsprechendes Gesicht bekommen und an die Entwicklung seines Nachfolger herangegangen werden.

So war bereits mit dem Erscheinen auch schon das Ende des Lancia 2000 besiegelt und selbst einige eingefleischte Fans hatten die Befürchtung der 2000er könne kein wahrer Lancia werden. Die Freunde von Lancia hatten Angst ihre geliebte Marke würde in der Gleichmachung im Fiatkonzern zu Grunde gehen.

Fiat ging aber durchaus behutsam vor und kehrte nicht mit dem Besen durch, denn Lancia hatte immer noch seinen Stellenwert. Und mit dem 2000er wollte man im internationalen Geschäft mit mischen, denn die 2 Litermaschinen hatten ihre große Zeit. Hier nenne ich mal Ford 20M, Mercedes 200, BMW 520 und der auch aus Italien stammende Alfa Romeo 2000.

Dem Alfa sagt man die größere Sportlichkeit nach mit seinem Heckantrieb und der höheren Endgeschwindigkeit. Nur der Lancia galt als das komplexere und höherwertige Fahrzeug, mit recht guten Fahreigenschaften. Insbesondere das Fahrwerk galt als ausgereifter und der Motor arbeitete kultivierter und leiser.

 

Wie gesagt der 2000er baut technisch stark auf seinen Vorgänger auf und kam aus Lancias eigener Entwicklungsabteilung, diese stand unter der Leitung von Pietro Castagnero, der auch für den Fulvia verantwortlich war.

Vieles entsprach weiterhin Lancia Standard, hochwertige Velourstoffe und Holzeinlagen zeigten auch hier wieder den Anspruch von Exklusivität, unterstrichen von einen horizontal verschiebbaren Vorhang im Heck. Auch eine Klimaanlage konnte der Käufer ordern und die Servolenkung war serienmäßig mit an Bord. Die Hände hatte man an einem splitterfreien Holzlenkrad und das Firmensymbol trug man auch wieder mit Stolz in originaler Größe an der Stirn des Wagens.

Der Boxermotor wurde leicht überarbeitet und die Vergaserversion mit den zwei zentralen Nockenwellen brachte den Fronttriebler mit 115 PS auf rund 180 km/h. Ab 1972 gab es eine Leistungserhöhung auf 125 PS, dies geschah durch die Verwendung der D-Jetronic von Bosch, diese fand den Weg in 5500 Lancia 2000. Nach 14500 Einheiten wurde der 2000er 1974 eingestellt. Die Motoren gelten als langlebig und robust, 300t km und mehr sind keine Seltenheit.

Noch ein paar Daten zum 2000er

1991ccm, wassergekühlter Boxermoto, vier Zylinder, 167 Nm bei 3500 U/min, 89mm Bohrung, 80mm Hub, 9,2:1 Verdichtung, 55 Liter Tank, 4620 mm lang. 1610mm breit, 1460mm hoch, 2650mm Radstand, 1288mm/1332mm Spurweite hinten/vorn, 4 Scheibenbremsen, 175 HR 14 Reifen, von 0 auf 100 in 12 Sekunden und 10,4 Liter Verbrauch auf 100 km, ca. 1300 kg Leergewicht

 

So nochmal kurz zu Übernahme durch Fiat, ein über Jahre verhandelte Mitarbeit beim Panzer Leopard übernahm Lancia und die LKW Produktion führte Fiat in die Eigene (IVECO) über. Lancia konnte sich voll und ganz auf das PKW Geschäft konzentrieren und im Motorsport sein Engagement voll entfalten.

Am Anfang bezeichnete Lancia, wie bei vielen üblich, nach der Motorleistung und recht früh nach den Buchstaben des griechischen Alphabet. Dann kam die Namensgebung nach römischen Straßen, diese wurde durch Fiat wieder zurück genommen und mit dem Mittelklassemodell Beta 1972 hielt das Alphabet wieder Einzug.

Und mit diesem wurde eine moderne Fertigung eingeführt und Konzernteile verwendet. Für die betuchten Käufer kam der Lancia Stratos mit dem Sechszylindermotor des Ferrari Dino 246 GT, denn kurz vor Lancia wurde Ferrari in den Konzern eingebunden.

 

Geschichtliches und Triviales

 

Am 29. November 1906 wurde das Unternehmen Lancia von Vincenzo Lancia und seinem Freund, dem ehemaligen Fiat-Versuchsfahrer Claudio Fogolin gegründet. Lancia gehört somit zu den ältesten Automobilherstellern.

Lancia galt von Beginn an als Ideenschmiede und versuchte sich immer mit genialen Lösungen und Patenten von den anderen Herstellern abzugrenzen. Berühmt war Lancia sehr schnell für die V-Motoren mit kleinen Winkel um 15 Grad.

1913 Lancia Thela erstes Auto in Europa mit einem Anlasser und beleuchteten Instrumenten.

1923 Lancia Lambda erster Wagen mit selbstragender Karosserie und Einzelradaufhängung sowie hydraulischen Stoßdämpfern.

Leider wurden durch diese enorme Entwicklung nie viele Autos einer Serie hergestellt und daher sind frühe Lancia selten oder gar nicht mehr erhalten.

Nach dem zweiten Weltkrieg konnte und wollte Lancia nicht in die Serienproduktion von billigen Massenprodukten einsteigen und setzte weiterhin auf große und teure Limousinen ohne B Säule im Einstieg. 1950 baute Lancia in der Aurelia den ersten in Serie gebauten V6 Motor ein.

 

Firmenlogo

Das Lancia-Logo wurde 1911 vom italienischen Industrie-Designer Graf Carlo Biscaretti di Ruffia (* 1879 in Turin, † 1959 in Pisa) entworfen. Es zeigt einen Schild mit Lanze und Flagge. Zur Genfer Automobilmesse 2007 wurde das Logo komplett überarbeitet. Das Logo ist unter dem Schild nur noch als Schriftzug auf blauem Grund ohne 4-Speichen-Volant und der Fahne mit Lanze zu sehen.

 

Hier beende ich mal meine Ausführungen und freu mich auf selbst gemachte Bilder zum Lancia 2000 und eure Kommentare.

 

Bei all dem lesen für diesen Wagen hatte ich unsere Bloggerin Miep im Hinterkopf, das schaffen und Leben von Vincenzo Lancia ist bestimmt ein hervorragendes Thema, leider heißt die Blogreihe –American Legends.

 

Danke für eure Aufmerksamkeit

 

Euer Dorti


19.02.2014 15:02    |    Fordlover1975

Schick.......einfach nur Schick dito die Fulvia Berlina........welche leider viel zu selten gesehen wurde....


19.02.2014 15:06    |    Dortmunder 65

Ja, an dem gefällt sogar das Kantige.


19.02.2014 15:28    |    Christian8P

Der letzte wahre Lancia?

Schon möglich, für mich ist es aber der Delta Integrale.;)


19.02.2014 15:32    |    Dortmunder 65

Deshalb ja das ?, man kann da ruhig geteilter Meinung sein. Nur habe ich mich noch nicht damit befasst welche Fiat Teile wo zum Einsatz kamen. Sollte ja auch hier etwas zum Nachdenken und Kommentieren sein.


19.02.2014 15:32    |    MB Dieselmaster

Der Wagen hat echt etwas! Von vorne Wunderschön! Von hinten, nicht ganz so gelungen. Trotzdem ein Schmuckstück gegenüber den heutigen so seelenlosen Modelle mit Chrysler-Technik.


19.02.2014 15:45    |    mr. mountain

War bestimmt ein Direktorenfahrzeug im Italien der frühen 70er.

Interessanter Bericht zu einem Auto, dass hierzulande sicher nur Wenige kennen.

Bemerkenswert, dass Fiat in diesen Tagen so ideenlos im Umgang mit der Historie der Marke umgeht.

Ohne Chrysler wäre Fiat tot, das muss man sich mal vorstellen.


19.02.2014 15:47    |    Christian8P

Zitat:

Bemerkenswert, dass Fiat in diesen Tagen so ideenlos im Umgang mit der Historie der Marke umgeht.

Der Geist von Lancia wird so auf alle Fälle zu Grabe getragen!

 

Edit.: Ohne Fiat wäre Chrysler auch am Ende.


19.02.2014 15:55    |    MB Dieselmaster

Schon traurig was mit einigen Marken passiert! Da könnte man einige aufzählen.:(


19.02.2014 17:44    |    Antriebswelle238

Wenn ich bedenke, das ich 1973 fast einen Lancia Fulvia gekauft hätte ...


19.02.2014 19:26    |    Dortmunder 65

Zitat:

Schon traurig was mit einigen Marken passiert! Da könnte man einige aufzählen.:(

Ja aber was will man machen bei einer Überproduktion? Autos so billig machen, das sich Otto Normalverbraucher alle 3 Jahre was neues kauft.


20.02.2014 01:14    |    motorina

Den Vorgänger hätte ich mir fast gekauft ... aber da hatte ich zu lange gezögert. Der Vorbesitzer meines HPE hatte noch ein Flavia Coupé rumstehen - aber zwei Autos gleichzeitig kaufen, hielt ich anfangs doch für etwas verrückt:rolleyes: (und Platz hatte ich auch keinen mehr...:().

 

... und hier ein Artikel zu Lancia mit dem Resümee (auf der letzten Seite der letzte Satz bzw. hier der gleiche Artikel auf einer einzigen Seite zusammengefasst), welche der letzte echte Lancia war/ist.


20.02.2014 20:51    |    Dortmunder 65

Danke Motorina, der folgende Satz aus einem deiner Artikel ist für alle Marken passend.

 

Bei modernen Autos tauschen Mechaniker manchmal Teile einfach aus, weil sie sich nicht die Mühe machen, den Defekt zu verstehen. Bei einem Klassiker ist dagegen Ursachenforschung angesagt."


02.03.2014 14:05    |    dark_papa

Hi,dortmunder65 :)

Sehr schön geschriebener Artikel,wenn ich ihn auch erst heute gelesen habe,Looob :o

Da ist mir dann auch wieder siedend heiß eingefallen,daß Lancia auch schon vor dem Lancia Delta HF Integrale Autos gebaut hat :eek:

Vermutlich das heißeste Rallye-Auto aller Zeiten!

Grüße von einem heimlichen Rallyefan

dark_papa :cool:

 

P.S : dem Flavia steht sogar das Silber-Metallic ;)


02.03.2014 14:16    |    Dortmunder 65

Danke Dark,

die Lancia Geschichte ist sehr interessant.


Deine Antwort auf "Lancia 2000 Berlina Der letzte wahre Lancia?"

DANKE

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