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01.12.2013 21:04    |    Dortmunder 65    |    Kommentare (18)

Daimler SP 250 (Dart) - Zum Scheitern verurteilt durch Besitzerwechsel?

 

Der Daimler SP ist auch ein Wagen der unter dem Aufkauf von Jaguar wohl auch schon dem Untergang geweiht war. Er hätte im Hause Jaguar den E-Typ aus dem Rennen werfen müssen.

Dies ist aber nicht der Grund warum Jaguar sich für die eigene Entwicklung im Sportwagensegment entschied. Der SP ohne seine Problemchen hätte die Produktpalette schön abgerundet.

 

Edward Turner war für die Entwicklung verantwortlich und versuchte den Spagat zwischen englischen Roadster und amerikanischem Zeitgeschmack. Nur dieser Spagat fand nicht den erhofften Anklang, besonders die US Presse, allem voran die Zeitschrift Road & Track, war nicht begeistert.

Sein Karpfenmaul mit Froschaugen und die Stummelheckflossen sind schon stark gewöhnungsbedürftig.

Daimler präsentierte im Frühjahr 1959 in New York ein Vorserienmodell, dieses unterschied sich fast gar nicht zum Serienmodell. Die beim Serienmodell verbauten Stoßstangen fallen da ins Auge.

Der SP 250 wird obwohl nicht ganz korrekt von seinen Fans Dart genannt, dies war auch sein Entwicklungsname. Um einen Konflikt mit Chrysler zu vermeiden (Ghia baute das Konzeptfahrzeug Dart) wurde daraus SP 250.

 

Die Zahl 250 wurde schon stark strapaziert, obwohl nicht immer die Bedeutung den selben Hintergrund hatte bzw. die selbe Maßeinheit zugrund lag.

Hier mal ein paar Beispiele Goggomobil 250, Ferrari 250 GT und Mercedes Benz (Pagode) 250 SL.

 

Das Herzstück laut Werbung ist der Motor, ein 2549 cm³ V8, der erste britische (V8) seit acht Jahren. Bei 5800 U/min leistet der Motor 140 PS (142 SAE), das höchste Drehmoment hat er bei 3600 U/min.

Die halbkugelförmigen Brennräume des Achtzylinders werden von zwei SU-Vergaser befüllt, die Ventile werden von einer zentralen Nockenwelle gesteuert und die Kurbelwelle ist fünffach gelagert. Dieser Motor ist für ein sehr beachtliches Fahrvergnügen und ruhigen bis weichen Lauf verantwortlich. Der selbe Motor wurde auch im großem Daimler eingesetzt.

 

Der Kastenrohrrahmen entspricht konstruktiv in etwa dem des Triumph TR 3. Hinten hat der Wagen eine Starrachse und vorn werden die Räder von Dreieckslenkern mit Schraubenfedern geführt. Für die Zeit sehr fortschrittlich waren die vier Girling – Scheibenbremsen, diese waren für eine überdurchschnittliche Verzögerung verantwortlich.

Das Interieur war wieder typisch britisch, selbst Armaturenbrett und das einstellbare Lenkrad waren mit Leder überzogen. Kurbelfenster und alle nötigen Anzeigen waren vorhanden und entsprach dem üblichem Luxus dieser Zeit.

Seine Maße (4,08 lang, 1,54 breit) reichten für zwei Erwachsene und zwei Not/Kleinstkindersitze, wobei der Kofferraum 350 Liter schluckt.

 

Somit sind wir bei dem Schwachpunkt des SP, aus Gewichts- und Kostengründen entschied sich Daimler für eine GFK Karosserie. Pressed Steel Limited wollte für die Presswerkzeuge 100.000 britische Pfund, die Formen für die Glasfaserteile kosteten gerade mal 10000 Pfund.

 

Wie gesagt, die Fahrdynamik mit den beachtlichen Beschleunigungswerten machen den SP interessant. In etwas mehr als 9 Sekunden von 0 auf 100 und einer Höchstgeschwindigkeit um 200 km/h, da waren damals nur wenige besser.

Nur sein Fahrverhalten lässt bei extremen Fahrsituationen stark zu wünschen über. Die sehr instabile Karosserie machte das weiche Chassis nicht gerade fester und leidet selbst darunter.

Bei unebenen Straßen schüttelt sich die Karosserie bisweilen recht stark, dass sogar das Lenkrad zittert. Folgen dieses Mankos können Risse und Brüche in der Karosserie sein, selbst ein von Jaguar überarbeitetes Chassis (B Version) schaffte nur bedingt Abhilfe.

Die Britische Autobahnpolizei hatte sogar einige als Dienstfahrzeuge.

Ein weiterer Grund warum es sich Jaguar nicht leicht machte die Produktion einzustellen zeigt die Aufwertung des Innenraum (C Version) 1963.

 

Das Vorhaben von Daimler ein Stück vom Kuchen abzubeißen den sich in den USA MG und Triumph fast allein teilten misslang leider. 2648 Kunden konnten sich zum kauf eines SP entscheiden, davon waren 1447 links gelenkte Modelle.

Eine zumindest am Anfang gerügte Qualität und der aufgerufene Preis machten es dem SP nicht einfach. In den USA war die doppelt so starke Corvette mit 3872 Dollar gerade mal 30 Dollar teurer. Austin Healy rief für den 3000 3051 Dollar auf und ein MG gerade mal knapp 2500. Weißwandreifen, Stoßstangen, Hardtop und Speichenräder sollten extra kosten. Mit fast 18000 DM spielte man in der Mercedes Benz Liga und auf Volvo Höhe.

Selbst der Umstand, dass man den Wagen unter 10 Liter auf 100 km bewegen kann brachte keinen nennenswerten Schub.

 

Heute wird ein guter bis sehr guter Dart um die 35t Euro kosten, dafür bekommt man satten V8 Sound und einen Wagen der ohne Studium oder Rennlizenz zu bewegen ist.

Nur einen Luxuswagen sollte man nicht erwarten, denn selbst gute Restaurationen können ihm nicht das Klappern und Stöhnen abgewöhnen.

 

Ich würde sagen dieser Wagen gefällt oder er gefällt nicht, zumindest ist er eine nicht alltägliche Erscheinung selbst unter den Oldtimern.

 

Zur Daimler GB Geschichte hier nochmals mein Artikel über den Daimler 250 V8  Klick

 

Danke fürs lesen, über Kommentare und selbst gemachte Bilder freu ich mich immer! :p

 

Euer Dorti


01.12.2013 21:47    |    Memphis_Belle

Ich mag ja skurrile Autos wie zum Beispiel den von einem Autoscooter entsprungen sein könnenden Naish Metropolitan, aber beim Daimler 250 SP passt ja optisch so überhaupt nichts zusammen, dabei können konnten die Engländer doch so bildschöne Roadster bauen… (s.u.)



01.12.2013 21:58    |    mr. mountain

Bemerkenswertes Auto, der mir vollkommen unbekannt war und ist.

Bei dem Design konnte das kein Erfolg werden...auch und gerade weil es sehr formschöne britische Roadster gab. :)


01.12.2013 23:18    |    Dynamix

Ein sehr schöner und detaillierter Artikel! Den hier kannte ich noch überhaupt nicht, wobei ich auch zugeben muss das ich mich mit Engländern wohl am allerwenigsten auskenne. Da bin ich doch eher bei den Amis oder dem Rest Europas zuhause ;)

 

Der Daimler hier gehört ja wirklich zur skurrileren Sorte der Spezies Automobil :D


01.12.2013 23:35    |    Antriebswelle238

Der SP 250 gehört für mich zu der Sorte Auto, die man kurz zur Kenntnis nahm und dann schnell wieder vergessen hat. Wobei mich das Heck sehr stark an den Sunbeam erinnert. Und der Sunbeam Tiger wäre mir persönlich mit seinem 8-Zylinder lieber. Da wirkt dann auch die Front stimmiger ;)


01.12.2013 23:40    |    Dortmunder 65

Zitat:

Der SP 250 gehört für mich zu der Sorte Auto, die man kurz zur Kenntnis nahm und dann schnell wieder vergessen hat.

Da hast Du bestimmt recht, daher passt er ja auch gut in meinem Blog! :D

Ich möchte nicht nur über die üblichen Verdächtigen schreiben.;)


01.12.2013 23:52    |    Antriebswelle238

Das ist auch sehr gut so. Und gerade die Insel bietet ja viele Möglichkeiten. :)


02.12.2013 11:01    |    Ascender

Den kannte ich auch noch nicht. Vielen Dank für den tollen Artikel. Sehr informativ.

 

Kann es sein, dass der Trabant einige Designmerkmale im Heckbereich übernommen hat? :D


02.12.2013 17:28    |    VolkerIZ

Trabant, Sunbeam Alpine, Peugeot 404,... wer zuerst damit angefangen hat, weiß wohl keiner mehr, mir würde nur spontan einfallen, dass Peugeot diese angedeuteten Flossen mit den hohen Rückleuchten ein paar Jahre vor dem Trabi hatte. Fiat hatte sowas auch bei einigen Modellen, war eben die Mode der Zeit.

Mir fällt allerdings kein Auto ein, wo das so unharmonisch wirkt und überhaupt irgendwie kein Teil zum anderen passt wie der Daimler. Irgendwo habe ich den vorher schon mal auf Fotos gesehen und ich fand ihn damals schon nicht schön. Man sieht: Mißratene Formen sind keine Erfindung der letzten paar Jahre. Alles war schon mal da, auch wenn es sich erst Jahrzehnte später in der Masse durchsetzt.


02.12.2013 19:10    |    Antriebswelle238

Demnach war der SP 250 seiner Zeit voraus :D;)


02.12.2013 19:55    |    Dortmunder 65

er wurde auch schon auf MT kurz angesprochen, eine Verkaufsanzeige war wohl Auslöser eines Austausches


02.12.2013 21:02    |    scion

Finde ich gut, was über Autos(mag man sie nun finden, wie man will) zu lesen, die man garnicht so kennt. Immern mal ein bissel den Horizont erweitern... was gabs doch für geniale Konstrukteure, Designer, Unternehmer, Rennfahrer usw. Und da gibt es zahlreiche von und man könnte noch soviel drüber schreiben, wenn man nur mehr Zeit hätte.

 

Den x. Artikel über den neuen Audi xy zu lesen, bringt mir garnix. Dafür gibts die Audi-Bild, Audi-Zeitung oder Audi Motor & Sport.

 

Bin gespannt auf mehr ;)


02.12.2013 21:19    |    Dortmunder 65

Zitat:

Bin gespannt auf mehr ;)

Ich auch:D mist ich weiß ja was kommt:D:D:D

Ich hoffe noch viele gute Themen zu finden, vorallem über Wagen die nicht so im Focus stehen.


02.12.2013 21:52    |    Antriebswelle238

wie Bizzarrini, Monteverdi, Iso, Intermeccanica usw. ? ;)

 

Edit: gerade durch Zufall was entdeckt, was wohl kaum jemand auf dem Schirm hat. Den kannte ich bisher auch nicht ... :)


02.12.2013 21:54    |    motorina

Am besten mal in der Schweiz urlauben und dort direkt in den 70ern recherchieren, @Dorti! ;)


03.12.2013 20:15    |    Dortmunder 65

Die Schweizer haben oft gute Internetauftritte, besonders die Clubs, habe mir angewöhnt bei denen zu suchen und zu lesen.


03.12.2013 22:08    |    motorina

Das habe ich noch gar nicht gecheckt; guter Tipp, @Dorti, danke!

Aber auf jeden Fall haben die Schweizer immer gute Exemplare an Oldies im Angebot!


03.12.2013 22:11    |    Dortmunder 65

Oft gab es bei denen auch Fahrzeuge die sonst in Europa über ihre Heimat nicht hinaus kamen.


03.12.2013 22:14    |    motorina

Man müsste da mal auf ein Oldtimer-Treffen fahren ... ... wenn´s halt nicht so weit wäre :rolleyes: ...


Deine Antwort auf "Daimler SP 250 (Dart)- Wer küsst das Karpfenmaul mit Froschaugen?"

DANKE

Mein Blog hat am 02.04.2013 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

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