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Kernkraft-Blog

Der verstrahlte Blog

16.01.2009 20:56    |    KKW 20    |    Kommentare (7)    |   Stichworte: Bundeswehr, Persönliches, Wehrdienst

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Die 6 750 vor dem brus ler schloss

Hallo, Servus, Gude

 

Es geht weiter, mit dem dritten und letzten Teil dieser Trilogie und die AGA sollte nun ihren Höhepunkt erreichen.

 

Das zweite Biwak

Das erste, ziemlich nasse, Biwak war hinter uns gebracht und schon stand das nächste vor der Tür. Diesmal sollte es nach Stetten am kalten Markt gehen (Ungangssprachlich auch Stetten am kalten Arsch genannt).

Mit dem (zivilen) Bus verlegte nun also die gesamte 6. Kompanie geschlossen auf die Schwäbische Alb. Schon beim Ausstieg im Lager Heuberg wurde jedem Klar warum die Stadt diesen ungangssprachlichen Namen hat, es verdammt kalt oder nicht zu sagen Arschkalt.

Wir sollten 10 Tage hier bleiben, vier davon draußen, die übrigen Tage nächtigten wir in der Kaserne.

Das Biwak war nicht sehr Ereignisreich: Zelte aufbauen, Holz sammeln, Kaffee für die ausgekühlten Kameraden kochen, Feuer machen, Platzpatronen verschießen, auf Befehl des Gruppenführers Deckung suchen, Wache im Alarmposten schieben und und und.

Wirklich interessant war's Abends am Lagefeuer wenn der Oberfeld seine Geschichten von Einsätzen im Kosovo oder Bosnien erzählte und was er dort alles erlebt hatte. Als die vier Tage rum waren marschierten alle Mann zur Kaserne, die mindestens zweimal so groß wie der anliegende Ort war, leider mit der Gummifotze im Gesicht. Danach weiß man frische Luft echt zu schätzen.:(

Die Kaserne in Stetten stammt noch aus Wilhelmistischer Zeit und war fü eine Kaserne sogar recht ansehnlich, überall mit kleinen Vorgärten vor den Gebäuden.

Die Verbleibenen Tage nutzten wir um zu schießen was die Waffenkammer hergab.

Walther P1

Heckler & Koch G36

Rheinmetall MG3 (früher mal als MG42 bekannt)

Mit diesen Waffen wurden sämtliche Standartübungen und Wertungsübungen geschossen. Das MG3 wurde meine absolute Lieblingswaffe, während die Kameraden lieber das Plastik-Peng Peng bevorzugten.

Wir verlegten nach zwei Wochen ''Abenteuerurlaub'' zurück nach Bruchsal und dann war erstmal ein erholsames Wochende angesagt.

 

Das Gelöbnis und die Rekrutenbesichtigung

Jeder Soldat muss sich im Laufe der Mitgliedschaft bei ''Deutschlands größten Schützenverein'' zur freiheitlichen Grundordnung bekennen.

Das Gelöbnis fand auf dem Rathausplatz von Bruchsal mitten in einer Fußgängerzone statt. Keine Frage, wer will sich bei diesem Publikumsverkehr sich schon freiwillig zum Obst machen. Also Augen zu, Gehirn auf Konzentration eingestellt und los geht's.

Erst fand in der Schloßkirche zu Bruchsal der obligate Gottesdienst statt, nach einer guten Stunde wurde es dann Ernst für alle. Gekleidet im großen Dienstanzug und Stalingrad-Gedächtnismantel fuhren wir mit einem Bus zum Rathausplatz.

Nachdem alle aufgestellt waren marschierten im Gleichschritt unter den Klängen des Regimentsgrußes auf den Rathausplatz ein.

Es folgte eine Rede, das Abspielen des Großherzog von Baden-Marsch (unser Batallionsmarsch), noch eine sehr laaange rede vom Bruchsaler Bürgermeister. Dann wurde aus gelobt.

 

„Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“

 

Nun kam das Abspielen der Nationalhymne (Erleichterung machte sich Breit) und noch eine Rede, dann durften wir endlich erschöpft vom langen Stehen endlich ausmarschieren. Der Kompaniechef lobte unsere Diszipliniertheit und unsere fehlerfreie Vorstellung. *freu*

Zum Dank gab es ein verlängertes Wochenende.

 

Das einzige unerfreuliche Ereignis war eine Demo von Gelöbnisgegnern die sich mit Eltern von Kameraden in die Wolle gekriegt hatten. Eine Mutter riss einem Demonstranten ein Transparent mit der Aufschrift ''Soldaten sind Mörder'' aus der Hand und zerriss es. Die Feldjäger, die als Ordner anwesend waren, trennten die Streithähne. Aber wer will schon, daß er selbst oder ein naher Angehöriger grundlos als Mörder bezeichnet wird.

 

Das letzte Ereignis der Grundausbildung stellte ein 25 Km Marsch da, unterbrochen durch insgesamt acht Stationen an denen man sein Können demonstrieren durfte, die Rekrutenbesichtigung. jeder hatte sein G3, einen Rucksack mit 10 Kg Marschgepäck, ein EPA-Paket zur Verpflegung und die mittlerweile verhasste Gummifotze dabei. Morgens um 6 Uhr ging es los und Abends kurz vor 10 Uhr kamen wir wieder an. Marschiert wurde mal ohne mal mit Maske Bergauf und Bergab. Kurz vor dem Kasernengelände mussten wir noch ein Gefechtszenario über uns ergehen lassen und als das nicht noch genug wäre ging es dann noch über die Hindernisbahn. Völlig erschöpft und ausgelaugt ging es in das Unterkunftsgebäude. Waffenreinigen, Stuben -und Revierreinigen, dann vielen alle halb tot ins Bett.

 

Die letzten sechs Monate

Die übrigen Monate waren eher weniger interessant. Entsprechend meiner Berufsausbildung wurde ich als Instandsetzungssoldat verwedet und als Gefreiter in die 1. Kompanie des nun zum Regiment aufgewachsenen vorherigen ABC Abwehrbatallion 750 versetzt.

Die 1./750 ist die Stabs -und Versorgungskompanie und wahrlich die lockerste in der man dienen kann, vorher habe ich noch nie so viel herumgegammelt.:p

Ab und zu mal einen UVD machen, mal eine Wache und sonst war meistens abpimmeln in der Inst oder auf Stube angesagt. Selbst der Spindaufbau war passe, die Ausrüstung landete einfach im Spind. Stuben -Revierreinigen war nicht mehr zweimal täglich sondern höchstens einmal die Woche. In der gesamten Inststaffel war außerdem sowas wie der inoffizielle Informationsbeauftrage, denn ich war der erste der hier das DVB-T einführte. Von da an kam jeden Abend die halbe Kaserne zu uns auf Stube um Simpsons, Fußball oder was auch immer zu klotzen.

Nach drei Monaten wurde ich wie alle meine Kameraden aus der AGA zum Obergefreiten befördert. Mit diesem Dienstgrad sollte ich dann auch meine ''Karriere'' bei Vater Staat als Obergefreiter der Reserve (OG d. R.) beenden.

 

Es war eine interessante und ereignisreiche Zeit und möchte sie auf keinem Fall missen. Auch wenn man gelegentlich mal Streß mit übereifrigen Vorgesetzten hatte oder mal körperlich an seine Grenzen gebracht wurde und dann entsprechend fertig war. Meine Zeit bei der Bundeswehr hat mir Spaß gemacht und ich habe viele neue Leute kennengelernt.

 

Gruß Oli


29.05.2009 15:01    |    steel234

Leider gibt es zu viele von Einheiten, wo nur rumgepimmelt wird und nichts gemacht. Zum Glück ist es bei uns nicht der Fall.


29.05.2009 15:26    |    KKW 20

Bei was für einer Einheit bist du?


04.06.2009 00:03    |    steel234

PzFlakBtl 12, Hardheim..

 

nur Gas. Hardcore.


04.06.2009 00:06    |    KKW 20

Danke für die Info.;)

PzFlak, daß sind dann die mit den Gepard Flakpanzern, oder?


18.06.2009 21:47    |    steel234

Ja, gebau die sind das. aber mittlererweile komme ich mir vor wie Allzweckwaffe der Zukunft, wir machen 60% grüne Ausbildung und rennen vollgepackt wie Einzelgänger durch die Gegend rum.


18.06.2009 22:09    |    KKW 20

Eine derartige Ausbildung kenne ich nur von den Jägern, an Hand von Erzählungen von Kameraden.


26.11.2015 15:17    |    Duftbaumdeuter25504

Ich dachte erst du meintst das hier mit gummifotze und hab das mal gegoogelt http://goo.gl/lnIRtD aber dann ist mir klar geworden dass du was anderes meintst


Deine Antwort auf "Meine Zeit bei der Bundeswehr Teil III"

Der GAU-Leiter

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Holden-Fan


Ich heiße Oli und komme aus Frankfurt am Main und bin ursprünglich gelernter Kraftfahrzeugmechatroniker, habe aber mittlerweile die Fronten gewechselt und arbeite nun als Schienenfahrzeugmechaniker bei einem großen deutschen Transport- und Logistikkonzern.

Mein besonderes Interesse gilt der australischen GM-Tochter Holden, für US-Cars und einige andere Automarken (z.B. Lotus) kann ich mich ebenfalls begeistern. In der Freizeit beschäftige ich mich mit Autos, Musik, Luftfahrt oder unternehme was mit Freunden und der Familie.

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