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27.12.2019 12:18    |    der_Derk    |    Kommentare (42)    |   Stichworte: Renault, Twizy

Twizy 04
Twizy 04

Ein mehr oder weniger ereignisarmes Autojahr 2019 neigt sich dem Ende - abzüglich dieses Beitrages hat es nur für einen weiteren gereicht. Falls noch Leser übrig geblieben sind: Es gibt doch noch was Neues zum Jahresabschluss ;).

 

Wobei... "Neu"... Nunja. Vor mittlerweile sechs Jahren hatte ich das kurzzeitige Vergnügen, einen Twizy fahren zu dürfen. Seitdem schaue ich gelegentlich nach, wie teuer die Exemplare gebraucht so sind und wann sich das Ganze überhaupt lohnen könnte. Um ein wenig vorzugreifen: Letzteres dürfte annähernd nie passieren. Aber wir sind ja zum Spaß hier...

 

Nach einem Blick auf die Jahresfahrleistungen meines Motorrades zeigte sich recht schnell: Das lohnt eigentlich nicht mehr. Der Käuferandrang für eine fast 25 Jahre alte Suzuki war allerdings überraschend hoch, damit wurde ein Stellplatz wieder frei.

 

Wirklich günstig sind die Twizies immer noch nicht. Ich hatte mir eine Grenze von 4500 Euro gesetzt, und konnte sie mit diesem 2012er Exemplar (bei einer Laufleistung von 24000 km) einhalten. Die Suche geriet etwas länger als geplant, da in vielen Fällen der Erhaltungszustand doch zu Wünschen übrig ließ, und ich ursprünglich auch auf die Alufelgen und das Glasdach Wert gelegt hatte. Ersteres ist aber am Ende egal, und letzteres ist natürlich nicht wirklich Glas, sondern Kunststoff - und jedes angetroffene Exemplar war blind und verkratzt.

 

Nun hatte ich im alten Artikel ja geschrieben, dass man hier endlich mal ein Fahrzeug hat, an dem so gut wie nichts kaputt gehen kann - denn er hat im Grunde genommen nichts. Immerhin 'nen Airbag, aber so Kleinigkeiten wie ABS, ESP, ASR, Bremskraftverstärker, Heizung - nicht für Geld und gute Worte. Ein Jahr nach Marktstart war die Annahme vielleicht auch noch nicht so verkehrt, die letzten Jahre haben jedoch gezeigt: Auch bei diesem elektrischen Minimalismus gibt es immer noch diverse Teile mit Ausfallpotential, die der Gebrauchtkauf-Interessent auf dem Schirm haben sollte:

 

Die Bremsen

Haben eigentlich nicht viel zu tun, haben aber dennoch eine eher kurze Standzeit. Warum Renault nicht in's Teileregal gegriffen hat und beispielsweise die Garnitur eines Twingo verwendet hat, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Die vier Scheiben des Twizy gibt es natürlich ausschließlich von Renault, nicht von Drittanbietern - und im Falle der Scheiben hinten bekommt man diese nur zusammen im Paket mit Radlager und Achsschenkel. Alleine der Teiletauschpreis für diese beiden Seiten kommt in vierstellige Regionen, damit schwappt dem arglos im Service-Bereich wartenden Kleinstwagen-Kunden zum ersten Mal der Kaffee über.

 

Das Ladegerät

Ludt ursprünglich mit 2,5 kW, wodurch aber im Sommer Endstufentransistoren und Kühlkörper getrennte Wege gehen konnten, was zum mehr als unfreiwilligen Stillstand führt. Es gibt eine zweite (Software-)Version des Ladegerätes, diese lädt nur noch mit 2 kW und bringt gleichzeitig ein Batteriemanagement mit, um auch den 12 V-Akku aus dem Fahrakku bei Bedarf laden zu können (der sonst meistens mit angeschlossenem Netzstecker ge- und zuweilen überladen wird). Es ist daher erstrebenswert, die zweite Version vorzufinden, denn auch dieser Teiletausch spielt sich natürlich wieder in vierstelligen Preisgefilden ab, und der Kaffeestand kommt dem Becherrand wiederum bedenklich nahe.

 

Die 12 V-Batterie

Ausnahmsweise mal nicht so teuer, aber dennoch gerne kaputt. Wie erwähnt soll es mit der zweiten Ladegeräte-Generation besser geworden sein. Wer sich jetzt fragt, wozu ein Elektroauto eine in Twizy-Kreisen gerne "Bleianker" genannte Starterbatterie braucht, die nichts startet: Weil die Bordelektrik auf 12 V läuft, der Fahrakku aber auf 58 V Nennspannung. Für 12 V bräuchte man einen relativ potenten DC/DC-Abwärtswandler, und der ist schlichtweg teurer als eine allseits bekannte, fertig entwickelte und zugelassene Ladeelektronik mit geringerer Leistung. Der 12 V-Akku puffert nur den Strombedarf der leider nicht-LED-Fahrzeugbeleuchtung.

 

Die Seitenscheiben

Über diese hatte ich mich im alten Artikel ebenfalls schon ausgelassen, und bin nach wie vor der Meinung: Überflüssig. Ganz besonders aus Sicht des Erhaltungszustands, denn die Scheiben verriegeln mittels Metall-Lasche hinter den vorderen Plexiglasscheiben (und zerkratzen diese zwangsläufig), am oberen Karosserierahmen mittels Magneten (und zerkratzen diesen zwangsläufig), sowie an der Tür in der gebräuchlichsten Version mittels Kederleiste (welche einfach in die Tür gespaxt ist, und die Leiste ist nicht rostfrei). Sollte man bei seiner Suche Wert auf ein Seitenscheiben-loses Exemplar legen, reduziert sich die Auswahl beträchtlich. Sollte man allerdings welche nachrüsten wollen, werden für eine sehr überschaubare Materialansammlung erstaunlich hohe Preise aufgerufen.

 

Die Reichweite

Ja, es sind nur je nach Streckenprofil und Schwere des rechten Fußes 50-80 km. Da ich für den täglichen Arbeitsweg in Summe nur 26 km benötige, sehe ich da keine Probleme auf mich zukommen. Es ist ja noch genügend motorisiertes Gerät für längere Strecken vorhanden...

 

Die Batteriemiete

Gibt es natürlich immer noch, und während es in den Anfängen mindestens 30 Euro pro Monat waren, geht es aktuell nicht mehr unter 50 Euro. Wer wirklich sparen will, nimmt lieber einen älteren Kleinwagen. Mittlerweile kann man die Batterie zwar kaufen - über einen extrem komplizierten Verhandlungsprozess zwischen Renault-Bank, einem willigen Händler und dem bedürftigen Kunden - was ich aber erstmal nicht vor habe. Bei einer 8 Jahre alten Batterie klingt die gemietete Variante irgendwie sicherer.

 

Der Ausblick

Ich habe den Twizy seit 'ner Woche und noch keine Ahnung, wie gut sich das Ganze im Alltag so machen wird. Zum Sparen taugt er nicht, höchstens wenn ich den X3 als Vergleich dagegen setze - aber auch dann müsste man erstmal den Anschaffungspreis wieder 'reinfahren, insofern - nö. Das muss man als Spaß und/oder Hobby verstehen.

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16.01.2020 12:37    |    paelzerbu

Danke für die Infor Derk.

Ich hatte im letzten Jahr bei meinem Auto das Pech, daß er plötzlich auf der Überholspur der dreispurigen Autobahn kein Gas mehr annahm. Die Strecke war kurvenreich und es ging bergauf, und es gab keine Standspur.

Die LKW fuhren daher dicht an dicht und hätten mich auf der linken Spur um ein Haar gerammt.....vermutlich würde ich dann heute hier nicht mehr schreiben können. Ich hatte damals noch ein kleines Cabrio, welches man wohl zusammengefaltet hätte.

Ehrlich gesagt bin ich froh, jetzt auch aus Sicherheitsgründen etwas mehr Blech um mich zu haben. In der Stadt mag das egal sein, in derartigen Fällen wie oben leider nicht. Da würde nicht einmal der Vergleichscrash an der Wand etwas ändern.


31.01.2020 18:40    |    der_Derk

Ein kleines Update zum Monatsende: Bin bisher knapp 360 km gefahren und habe laut chinesischem Billig-Energie-O-Meter (über einen Versandhandel bezogen, der irgendwie nach Regenwald klingt) knappe 40 kWh "vertankt". Ja, das ist ein Verbrauch von über 10 kWh / 100 km, und nein - das ist nicht direkt mit der Verbrauchsangabe des Herstellers vergleichbar. Dieser befindet sich in der komfortablen Situation, lediglich den Energiebedarf angeben zu müssen, den das Fahrzeug auch wirklich zum Vortrieb nutzt. Die Verluste des Ladegerätes und -vorgangs sind da ausgeklammert; Alles was während des Ladevorgangs in diesem Fall den Fußraum wärmt, hat man zwar hinterher auf der Stromrechnung, aber nicht auf der Straße.

 

Auch wenn zu meiner Standardausrüstung mittlerweile ein Seesack gehört - als Fahrer wird man bei Regen eigentlich nicht nass. Der Beifahrer (Seesack) hingegen schon. Die nächste Anschaffung werden daher Schmutzlappen für die Vorderräder sein... Frei stehende Räder sehen zwar im Prinzip cool aus, aber der Materialwurf auf nassen Straßen reicht bis zur hinteren Kopfstütze.


27.08.2020 12:38    |    der_Derk

Update nach einem halben Jahr: Der Verbrauch hat sich bei ca. 10 kWh/100 km (gemessen ab Steckdose) eingependelt, die Reichweite bei sommerlichen Temperaturen liegt zumindest angezeigt auch mal jenseits von 80 km - wobei das halt manipulierbar ist, wenn man die Berechnungsgrundlage dafür kennt. Meines Wissens nach entspricht die Prognose dem Durchschnitt der letzten 3 km, und wenn diese im Stadtverkehr bei geringen Geschwindigkeiten stattgefunden haben, kommen da hohe Zahlen bei 'raus - die sich auch schnell mal um 20 km nach unten korrigieren können. Leergefahren habe ich den Akku noch nicht, die längste Gesamtstrecke waren 60 km, und da wurden mir noch 19 km versprochen - scheint zum Ende hin dann doch irgendwie wieder zu passen.

 

Die Jahresinspektionskosten kamen auf 100 Euro inklusive Bremsflüssigkeitswechsel, und das war auch so ziemlich die einzige extra aufgeführte Tätigkeit, ohne diese wären es 60 Euro gewesen. Kann man lassen, klar - nur der Vorbesitzer hat sich 7 Jahre lang die Mühe gemacht, und ich wollte das eh mit einer Anfrage zum Kaufpreis der Batterie verbinden. Die Renault-Bank ruft allerdings für den 8 Jahre alten Energiespeicher mit jetzt knapp 27000 km Laufleistung noch 1400 Euro auf. Lasst mich kurz überlegen... Nö ;).


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