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Berlins ungewöhnlichste Taxis: Tesla Model S (2014)

Tesla Model S
Themenstarteram 12. Febuar 2018 um 12:45

Von Haiko Prengel

Berlin – Alte Autos ist Martin Doll niemals gefahren. Der Berliner Taxiunternehmer gönnte sich stets schicke Neuwagen oder zumindest junge Gebrauchte. Trotzdem fühlt sich die Verbrenner-Vergangenheit für ihn wie Steinzeit an. Seit gut einem Jahr ist Doll Tesla-Fahrer und er ist noch immer begeistert von dem Elektroauto aus Amerika. „Einen besseren Arbeitsplatz gibt es nicht“, schwärmt Doll.

Wir treffen uns an einem kalten Wintermorgen. In seiner Limousine ist es mollig warm. „Ist es so angenehm?“, fragt Doll und demonstriert auf dem riesigen 17-Zoll-Touchscreen, wie er die Ledersitze - auch die im Fond - einzeln beheizen kann. Den mehr als 400 PS starken Elektromotor muss man nicht warmfahren. Für ein Taxi eine irrwitzige PS-Zahl. Doll tritt zur Demonstration aufs Gaspedal und ich werde in den Sitz gedrückt. Rennsport-Feeling in einer Droschke, was für eine Beschleunigung! „Mit Porsche oder Ferrari braucht da keiner kommen“, schwärmt Doll. „Die kannste stehen lassen.“

Nun muss man wissen, dass Martin Doll den klassischen Verbrenner liebte. Seit mehr als 20 Jahren fährt der gebürtige Karlsruher in der Hauptstadt Taxi. Für ihn und seine Kollegen stand der konservative Dieselantrieb eigentlich nie zur Diskussion. Sein erstes Taxi war Anfang der 1990er-Jahre ein Mercedes der Baureihe W124, die Limousine fuhr er 500.000 Kilometer. Danach blieb er Daimler treu, und dem Selbstzünder. „Ich habe nur Diesel gefahren. Als Taxifahrer haben wir das damals gar nicht hinterfragt.“

Prius statt OM651

Erst vor ein, zwei Jahren kam der Diesel in Verruf, und Martin Doll begann zu überlegen. Anlass war sein geliebtes 211er Mercedes T-Modell, die letzte Mercedes E-Klasse, die der 55-Jährige fuhr. Acht Jahre war der Wagen inzwischen alt und hatte 350.000 Kilometer auf der Uhr. Doch vom Nachfolgemodell 212 riet ihm seine Werkstatt ab. Steuerketten-Probleme beim Dieselaggregat OM651 führten häufig zu Motorschäden, der Grund seien gebrochene Plastikteile gewesen, so Doll. So lugte der Taxifahrer zum ersten Mal in seiner Karriere zur Konkurrenz - und landete beim Toyota Prius.

„Mich hat immer geärgert, dass Mercedes nie einen Hybrid im Programm hatte“, klagt Martin Doll. Den Taxifahrern habe Daimler jahrelang die Einführung eines Hybrids versprochen, aber gekommen sei er nie. Toyota habe den Prius indes seit 20 Jahren im Programm und damit bewiesen, dass der Wagen zuverlässig sei. Außerdem rechne sich der geringere Verbrauch für Vielfahrer im Taxigewerbe. Also fuhr er den Toyota Prius Probe und war überzeugt.

Aber dann kam ein Angebot von Tesla. Deren Elektrolimousine war Doll interessehalber schon 2014 Probe gefahren. An die Premiere kann er sich noch gut erinnern. „Ich bin damals aus dem Auto ausgestiegen und habe die Welt nicht mehr verstanden. Ich dachte, ich komme aus der Zukunft zurück.“

Das Problem: In der Ausstattung - Dolls Model S ist ein leistungsgesteigerter P85+ mit diversen Extras - kostet der Wagen an die 100.000 Euro. Zu viel Geld für einen Taxifahrer, aber Martin Doll hatte das Glück, an einen spendablen Mäzen zu geraten: an Jochen Wermuth.

Wahlkampf-Taxi auf Leihbasis

Der Finanzmanager verdiente als Banker Millionen, heute investiert er sein Vermögen in Öko-Firmen. Der Tesla, den heute Martin Doll als Taxi nutzt, sollte eigentlich den Berliner Grünen beim Wahlkampf helfen. Davon zeugt noch die Reklame an den Fahrzeugseiten. Doch dann fand Wermuth keinen Taxifahrer, der den Wagen werbewirksam kutschieren wollte. Bis Martin Doll davon hörte. Nun fährt er auf Leihbasis das taxifolierte Wahlkampf-Auto, auch wenn die Wahl längst vorbei ist. Der Kampf für mehr Elektroautos auf den Straßen geht weiter.

Heute nennt sich Doll „Botschafter der eMobilität“, denn er ist längst von den Vorzügen des Elektroantriebs überzeugt. Und vom Autohersteller Tesla. Verspielt wie am ersten Tag wischt der 55-Jährige auf dem riesigen Touchscreen herum, der „Kommandozentrale“ für die meisten Fahrzeugfunktionen. Navigieren lässt sich die Limousine via Echtzeitkarte, darüber hinaus werden live alle verfügbaren Ladesäulen angezeigt, die Tesla zum Re-Charging seiner Fahrzeuge aufgestellt hat.

„Die Zahl wächst stündlich“, sagt Martin Doll. Bereits jetzt könne man in Europa bequem vom Nordkap bis nach Gibraltar beziehungsweise von Holland nach Griechenland reisen. Den Strom, der komplett aus regenarativen Energien stammen soll, bekommen Tesla-Fahrer umsonst. Allerdings gilt das nur für bis Anfang 2017 bestellte Fahrzeuge. Bei Neufahrzeugen geben die Supercharger nur noch eine Art Startguthaben kostenlos ab, die darüber hinaus gehende Nutzung wird berechnet.

Keine Perspektive für Elektro-Taxis?

Immerhin leisten die Supercharger 120 kW. Zum Vergleich: Die „Schnellladestationen“, die die Bundesregierung flächendeckend aufstellen will, kommen auf vergleichsweise spärliche 22 kW.

Überhaupt lässt Taxifahrer Martin Doll an der Bundesregierung und den deutschen Autoherstellern kein gutes Haar. Dass die hiesige Industrie den Elektrotrend „verschlafen“ habe, dieser Mythos sei ein Witz, meint der Berliner. Die deutschen Topmanager mit ihren millionenschweren Jahreseinkommen wüssten sehr wohl, was am Markt gehe. Doch aus Profitgier werde weiterhin an der veralteten Verbrenner-Technologie festgehalten.

Und die Taxifahrer? Könnten nicht mehr von ihnen auf Elektroantrieb umsteigen? Bei wachsender Lade-Infrastruktur wäre das Potenzial enorm, allein in Berlin gibt es 8.000 Taxis. Den Fahrern winke eine beträchtliche Kostenersparnis, meint Martin Doll: Kein Ölwechsel, kaum Bremsenverschleiß sowie eine Spritersparnis von jährlich mehreren tausend Euro.

Trotzdem ist der Tesla-Fahrer skeptisch. „Die Taxi-Branche ist konservativ bis in die Haarspitzen.“ Hinzu kommt: Als Doll sein Tesla-Taxi Mitte 2016 beim Berliner Eichamt vorführte, ahnte er nicht, dass dies vorerst das letzte Tesla-Taxi sein würde. Der Grund: Seit Oktober 2016 gilt eine neue Fassung des deutschen Eichgesetzes. Und die sieht eine nachträgliche Umrüstung zum Taxi nicht mehr vor. Die Autos müssen als Taxi vom Hersteller kommen - was Tesla momentan nicht anbietet, anders als Mercedes, VW oder Toyota. Mit der neuen Fassung des Eichgesetzes wollte der Gesetzgeber Manipulationen, etwa des Taxameters, verhindern.

Auf den selbst ernannten Botschafter der Elektromobilität kommt also noch eine Menge Überzeugungsarbeit zu. Aber Doll leistet sie gerne: „Früher dachte ich, ich hätte Diesel im Blut.“ Heute fließe Strom durch seine Adern.

Technische Daten: Tesla Model S P85+ (2014)

  • Motor: Elektromotor
  • Leistung: 421 PS (310 kW)
  • Antriebsart: Heckantrieb
  • 0-100 km/h: 4,2 s
  • Drehmoment: 600 Newtonmeter
  • Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
  • Reichweite: ca. 400 Kilometer
  • Leergewicht: 2.100 kg
  • Länge: 4,979 m
  • Breite: 1,964 m
  • Höhe: 1,445 m
  • Radstand: 2960, m

 

*****

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272 Antworten
am 12. Febuar 2018 um 12:54

Das ist ein Artikel ohne sichtlichen Mehrwert...schade; er hätte das Zeug dazu haben können.

Bis zur Stelle wo die Grünen / Melonenpartei ins Spiel kommt interessant......

Wieso sieht der Fahrersitz derart abgefuckt aus? Der Wagen ist wenige Jahre alt und kostet fast 100T€ neu.

am 12. Febuar 2018 um 13:05

Naja es gab die 212er E-Klasse schon als Hybrid. Der war aber...reden wir nicht drüber.

Zitat:

@Tl-01a schrieb am 12. Februar 2018 um 13:04:44 Uhr:

Wieso sieht der Fahrersitz derart abgefuckt aus? Der Wagen ist wenige Jahre alt und kostet fast 100T€ neu.

Google doch mal nach Audi / BMW / Mercedes und Wellen im Ledersitz und die siehst auch dort viele Bilder die so ähnlich aussehen.

Kommt also scheinbar leider nicht nur bei Tesla vor ...

Will hier Tesla aber nicht schönreden, ist bei jedem Hersteller unschön und sollte nicht vorkommen.

Dann wird es ja auf Sicht erstmal keine Elektrotaxen geben.

Schon toll, was die Bundesregierung alles für saubere Luft in den Innenstädten tut.

am 12. Febuar 2018 um 13:08

Zitat:

@Tl-01a schrieb am 12. Februar 2018 um 13:04:44 Uhr:

Wieso sieht der Fahrersitz derart abgefuckt aus? Der Wagen ist wenige Jahre alt und kostet fast 100T€ neu.

Ist ein Startup...die dürfen das.

Tesla auf Leihbasis? Immer her damit, dann stell ich meinen Diesel auch in die Ecke. Oder sollte das eher auf Mietbasis ablaufen, denn Leihe ist bekanntlich (§§ 598 ff BGB) unentgeltlich.

Und der Spruch "sauber" sollte besser zugeklebt werden, bei dem Zustand des Fahrzeuges. Zumal ein Tesla nicht einmal sauber im Betrieb ist, der Dreck wird nur wo anders produziert.

Der Tesla schaut innen schon sehr verschlissen aus, wenn man sich das Leder so anschaut an den Sitzen und Türverkleidung. Wieviel Km hat er denn schon runter?

Ein Langzeittest wäre interessant, auch zum Ende des Taxieinsatz wäre ein Fazit informativ.

Aber klar warum die Partei der Sozialen Gerechtigkeit ( Ironie off ) die Förderung erhöhen möchte.......

@Lewellyn

Da musst du dann mit Tesla und den anderen BEV Herstellern schimpfen, wenn diese keine Taxivariante anbieten.

Eigentlich gar nicht mal so ungewöhnlich, wenn man über den Tellerrand schaut. In Amsterdam sind massenweise Tesla als Taxis unterwegs.

MT, definiere bitte mal den gewöhnlichen Taxifahrer oder lass solche Bildunterschriften!!!!:mad::mad::mad::mad:

Und wie sind so die Erfahrungen mit dem Auto an sich?

Ladevorgänge? Wie oft? Wo? An Taxiständen? Nur Abends zuhause oder auf dem Firmenparkplatz? Zwischenladungen nötig? Was "sagt" der Akku? Was hat er inzwischen gelaufen?

Das helle Leder ist nicht gerade zuträglich. Die Wildleder/Alcantara-Bezüge schon gar nicht.

3 Handy-Halterungen im Taxi?:confused:

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